Schwere Eisenbahn-Blankdraht-Kompanie 144 (mot.)

  • Hallo zusammen,


    hatte heute Post von der Wast betreffend meinen Großvater (väterlicherseits) im Briefkasten.


    Er ist am 3. März 1945 im Lazarett in Unna/Westfalen an einer Granatsplitterverletzung rechter Oberschenkel verstorben. Als letzte Einheitszugehörigkeit wird angeführt:


    05.02.1945 - 03.03.1945: schwere Eisenbahn-Blankdraht-Kompanie 144 (motorisiert), Unterstellung und Einsatzraum: nicht zu ermitteln


    Wer kann mir bitte einen Hinweis zur Unterstellung und zum Einsatzraum des o.g. Truppenteils in dem besagten Zeitraum geben (ich vermute mal, dass das irgendwo im Ruhrkessel gewesen sein muss)?


    Für die Zeit Juni 1942 bis April 1943 wird die Eisenbahn-Funk-Kompanie 1/313 als Einheit angegeben. Wem war diese Kompanie bitte unterstellt und wo war die im Einsatz?


    Gibt es irgendwelches Infomaterial oder gar Bücher zu "Eisenbahn-Funk-Kompanien" u.ä.???


    Und welches Lazarett lag im März 1945 bitte in Unna?


    Meinen Dank im Voraus!


    Horrido,
    Marcus

    Inter arma enim silent leges (Unter den Waffen schweigen nämlich die Gesetze) Cicero
    - suche alles zur 353. I.D., insb. zum PiBtl 353 und zur KG 353 I.D. "Böhm" -

    Edited 2 times, last by MHR ().

  • Moin Marcus, Fp-Nummer : 17 896. Vermißtenbildliste Band FJ 299;
    Am 20.3.45 : Post über K - 158 = Feldpostamt 473, war Stabs - FpA des Panzer AOK 4.
    Postamt im März 45 Riesengebirge - Erzgebirge.


    Vielleicht hilft´s weiter.
    Mit Gruß Klaus

  • Hallo Klaus,


    danke für Deine Hinweise. Eine FPN ist ja schon mal was.


    Im LdW habe ich kurze Ausführungen zu den Eisenbahn-Nachrichten-Abteilungen gefunden. Offenbar bestanden diese aus mehreren Kompanien, von denen einzelne als "Funk-Kompanien" geführt wurden. Wenn das so zutreffend ist, suche ich also u.a. nach Informationen zur Eisenbahn-Nachrichten-Abteilung 313?!


    Für die Zeit 1. Juli 1940 bis 24.05.1942 findet sich auch noch die Eisenbahn-Fernsprech-Kompanie 146. Es handelt sich also wohl durchgehend um Nachrichtentruppen.


    Wer kann mir weiter helfen?


    Gruß,
    Marcus

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  • Hallo Marcus,


    auf Grund der kleinen Einheit lässt sich nur schwer etwas finden.


    Nach dem Frontnachweiser vom 15.12.44 war die 1.(Fu)/313 bei der Frontleitstelle Oper 3 im Raum Deutsch Eylau - Ortelsburg --> Kurland im Einsatz.
    Aber zu diesem Zeitpunkt war dein Großvater aber nicht mehr bei dieser Einheit.
    Im Januar wurden Angehörige von Eisenbahneinheiten im Tiborlager bei Schwiebus (Swiebodzin) "gesammelt" , von hier aus wurden sie als Auffrischung wieder an die Front geschickt.
    (Ob dies bei deinem Großvater so war, lässt sich nur vermuten)


    Quote

    05.02.1945 - 03.03.1945: schwere Eisenbahn-Blankdraht-Kompanie 144


    Nach dem Frontnachweiser vom 15.12.44 war die schwere Eisenbahn-Blankdraht-Kompanie 144 (Heerestruppe) bei der Frontleitstelle des OKH (Orient) --> hier deutet es ebenfalls Richtung 9. Armee/4.Pz.AOK. (Einsatz südl. Warschau) bei der Heeresgruppe Mitte an.


    Quote

    1942 bis April 1943


    Welche Information hast du für den Zeitraum April 1943 bis Anfang 1945?


    Ich bleib an der Sache dran.

    Grüße und bleib(t) Gesund - Matthias

  • Hallo Matthias,


    vielen Dank schon einmal.


    Ich versuche über das Wochenende mal, die WASt-Angaben chronologisch geordnet hier reinzustellen, damit man besser den Überblick bekommt. Das ganze klingt für mich recht "exotisch" - ich wußte bislang gar nicht, dass es "Blankdrahtkompanien" gegeben hat, und kann mir darunter auch jetzt nichts wirklich Konkretes vorstellen. Wahrscheinlich haben die Nachrichtenverbindungen mit "Blankdraht" entlang der Bahnlinien aufgebaut? Aber mit was für Hilfsmitteln und wie sieht das Ganze aus, wenn es fertig ist?


    Horrido,
    Marcus

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  • Hallo Marcus,


    vielleicht kennst Du noch die Holzmasten, die an den Eisenbahnstrecken standen. Dort hängen dann Telefonleitungen dran. So denn diese nicht isoliert sind, spricht man von "Blankdraht".


    Ein, leider im Punkt "Leitung / Draht" etwas unscharfes Bild mit einem Nachrichtenmann der Wehrmacht findest Du hier : http://www.heinrich-schwenker.….it/html/funargt40_5.html


    viele Grüße


    Micha

    Quod non est in actis, non est in mundo. Was nicht in den Akten ist, ist nicht in der Welt.

  • Hallo Micha,


    cool - von da oben hat man wenigstens die Übersicht. So langsam bekommt das Ganze Konturen.


    Mein Vater hat wohl auch noch Feldpostbriefe usw. Vielleicht findet sich da was Interessantes. Wenn ja, bekommt Ihr das hier mit!


    Horrido,
    Marcus

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  • Hallo zusammen,


    hier noch mal die WASt-Auskunft in chronologisch geordneter Form:



    laut Meldung vom
    Sept. 1939 und
    am 19.12.1939 9. Kompanie Armee Nachrichten-Abteilung III/521
    (4. Kompanie Nachrichten-Abteilung III/570)
    Unterstellung/Einsatzraum: nicht zu ermitteln


    ab 22.01.1940 5. Kompanie Fernsprechbau-Ersatz-Kompanie 10
    Standort: Schwabach
    (muss m.E. "Fernsprechbau-Ersatz-Abteilung 10" heißen,
    s.u.)


    ab 03.02.1940
    und am
    18.06.1940 4. Kompanie Fernsprechbau-Ersatz-Kompanie-
    Nachrichten-Ersatz-Abteilung 10
    Standort: Schwabach


    ab 01.07.1940
    und am
    14.08.1940 Eisenbahn-Fernsprech-Kompanie 146
    Unterstellung/Einsatzraum: nicht zu ermitteln


    ab 21.08.1940
    und am
    24.05.1942 Eisenbahn-Fernsprech-Kompanie 146
    Unterstellung/Einsatzraum: nicht zu ermitteln


    ab 03.06.1942
    und am
    15.06.1942 Eisenbahn-Funk-Kompanie 1/313
    Unterstellung/Einsatzraum: nicht zu ermitteln


    am 19.04.1943 - wie zuvor -


    laut Meldung
    vom 05.02.1944
    und am
    03.03.1945 schwere Eisenbahn-Blankdraht-Kompanie (motorisiert) 144
    Unterstellung/Einsatzraum: nicht zu ermitteln


    Würde mich nach wie vor über weitere Hinweise freuen, insbesondere in Bezug auf Unterstellungen und Einsatzräume.


    Horrido,
    Marcus

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  • Hallo Marcus


    Deine Fragen nach den Einsatzorten der Eisenbahn-Blankdrahtkompanien dürften kaum erschöpfend zu beantworten sein.


    Warum ?


    Es gab insgesamt 21 selbständige Kompanien (141 - 161) dieser Art, die sämtlich dezentral eingesetzt waren und selten längere Zeit in einem Einsatzraum arbeiteten. In der Regel wurden sie den jeweiligen Stäben der Eisenbahnpioniere unterstellt und hatten vorrangig die Fernmelde- und Signal-Verbindungen an wieder hergestellten Bahnstrecken wieder in Gang zu bringen. Da es sich dabei - vor allem in den Jahren ab 1942 - um mehr oder weniger punktgenaue Zerstörungen durch Partisanenverbände handelte die relativ kurze Instandsetzungszeiträume beanspruchten, mussten die Kompanien sehr oft ihre Einsatzorte wechseln. Sie waren gewissermaßen die Feuerwehr der Eisenbahnpioniere. Übrigens wurden die meisten Kompanien und ihre Ausrüstung einschließlich des Baumaterials per Bahn transportiert. Motorisiert wurden sie - im Rahmen des noch Möglichen - erst im letzten Kriegsjahr.


    In der Zeit ihres Bestehens von 1939 bis Kriegsende wechselten sie mehrmals ihre Bezeichnung. Demonstration am Beispiel der 144. ten:
    26.08.1939 - 02.01.1940 Eisenbahm-Fernspr.Kolonne 4
    02.01.1940 - Eisenbahn-Fernspr.Kompanie 4
    - 01.03.1942 Eisenbahn-Fernspr.Kompanie 144
    01.03.1942 - 12.04.1944 Eisenbahn-Fernspr.Baukompanie 144
    12.04.1944 - 14.08.1944 Schwere Eissenbahn-Blankdraht-Kompanie 144
    14.08.1944 - Kriegsende Schw. Blankdraht-Kompanie 144


    Einberufen wurde Dein Großvater im September1939 zur 4. (Blankdraht) Kompanie der II.Abteilung des HGr.NaRgt. 570, das zur HGr.Süd gehörte. Die komplette II. Abteilung wurde aber am 05.11.1939 dem A.NaRgt. 521 der 12. Armee als III. Abteilung zugeführt. Dadurch wurde aus der 4. die 9. Blankdrahtkompanie. Unabhängig davon wurde die Abteilung noch bis April 1940 als III./570 bezeichnet. Daher der Klammerausdruck von der WASt. Das A.NaRgt. 521 verlegte im November 1939 von BAD BETRICH in den Raum MAYEN - KYLLBURG, wo man bis Angriffsbeginn im Mai fernmeldetechnische Sicherungsaufgaben erfüllte.

    Die zwischenzeitliche Versetzung zur 5. bzw. 4. Fernsprechbau-Kompanie der Nachr.Ersatzabteilung 10 in Schwabach und der sechsmonatige Aufenthalt dort will sich mir nicht so recht erschließen. Möglicherweise fand dort ein Lehrgang statt, in dessen Verlaufe der Bau von trägerfrequent ausgenutzten Drehkreuzlinien gelehrt wurde. Hypothese !!!


    Genau so unerklärlich scheint dann die fast einjährige Versetzung zur Funkkompanie der Eisenbahn-Nachrichtenabteilung 313 zu sein. Hier kann ich auch nur Vermutungen anstellen.
    Zum angegebenen Zeitpunkt unterstanden dem Abteilungsstab die 1. Funk- und die 2. Trägerfrequenzkompanie. Auch diese Kompanien waren dezentral, d.h. truppweise, eingesetzt. Ich vermute - da Dein Großvater Fernmelder und kein Funker war, aber möglicherweise die Trägerfrequenztechnik beherrschte - dass er nicht der 1. sondern der 2. Kompanie angehörte. Auch für diese Kompanien ist keine Unterstellung und kein Einsatzraum bekannt.


    Ich hoffe, dass ich mit vorstehenden Angaben ein ganz klein wenig an Informationen vermittelnkonnte.


    Grüße
    Hans-Georg

  • Hallo Hans-Georg,


    vielen Dank für Deine umfangreichen Ausführungen und die Mühe, die Du Dir damit gemacht hast. Jetzt habe ich zumindest eine ungefähre Vorstellung davon, wie seine Tätigkeit in etwa ausgesehen hat oder haben könnte.


    "Feuerwehr der Eisenbahn-Pioniere" klingt gut, zumal mein anderer Großvater Pionieroffizier war. Wir haben offenbar doch mehr technischen Verstand in der Familie als man auf den ersten Blick meinen könnte. Kannst Du vielleicht noch kurz ergänzen, was der Zusatz "schwer" hier zu bedeuten hat? Und gibt es irgendwelche empfehlenswerten Publikationen zu dem Oberthema "Eisenbahn-Nachrichteneinheiten", die ich meiner wachsenden Militariabibliothek zufügen könnte?


    Horrido,
    Marcus

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  • Hallo Marcus


    Das Wort "schwere" im Hinblick auf die Nachrichtentruppe, stammt noch aus den Anfangsjahren des Krieges als man leichte und schwere Fernsprechbaukompanien unterschied. Die leichten Kompanien errichteten die sogenannten Felddauerlinien mit eigens dazu mitgeführten leichten Holzstangen. Die Linien wurden nach Erledigung des Anlasses meistens wieder abgebaut. Dagegen errichteten die schweren Kompanien die allgemein bekannten stationären Telegraphenlinien an festem Gestängen mit 3 mm Bronze- oder Stahldraht. In späterer Zeit wurden dann für den schnellen Einsatz nur noch geträgerte Feldfernkabellinien und für den stationären Einsatz - z.B. für die Armee- und Heeresgruppenachsen - nur noch die vorstehend genannten Blankdrahtlinien gebaut. Demzufolge sprach man dann nur noch von Feldfernkabelbaukompanien oder von Blankdrahtbaukompanien.


    An Literatur - die Eisenbahn-Nachrichtentruppe betreffend - kann ich Dir nur die CD "Handbuch zur Geschichte des militärischen Nachrichtenwesens" Teil IV "Das militärische Fernmeldewesen Deutschlands im Zweiten Weltkrieg 1939-1945" empfehlen. Siehe auch www.meissler.de


    Gruß
    Hans-Georg

  • Hallo Hans-Georg,


    unter dem von Dir benannten Link findet sich auch ein Buch von Hans Georg Kampe mit dem Titel "Nachrichtentruppe des Heeres". Das gucke ich mir vielleicht mal näher an - klingt auch interessant. Ob die Namensübereinstimmung Zufall ist, lasse ich hier mal einfach offen.


    Danke,
    Marcus

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  • Hallo Marcus,


    der User Hans-Georg ist der Autor dieses Buches. :]  8)


    Hier mal noch zwei Bilder - leider ohne Einheitsbezeichnung.


    Aber aus der Arbeit der "Strippenzieher"

    Files

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    Grüße und bleib(t) Gesund - Matthias

  • Hallo Matthias,
    hallo Hans-Georg:


    alle Achtung & nochmals vielen Dank!


    Horrrido,
    Marcus

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