welche Uhrzeit galt an den Fronten?

  • Hallo,
    ich konnte bis dato nicht herausfinden, welche Uhrzeit(en) beim OKW für die einzelnen Frontabschnitte in Ansatz gebracht wurden.
    Gab es eine einheitliche Zeit für die gesamte Ostfront?
    Welche galt dann für die Westfront usw.?
    Wie erfolgte der Umgang mit der Zeit bei den Ubooten, die ja weltweit agierten.


    Vielleicht kann mir einer diese Fragen beantworten, würde mich freuen.


    Gruß Klaus

  • Guten Tag Klaus!


    Erstmal eine tolle Frage, hab ich selber nie drüber nachgedacht.  :(


    Aber ich kann Matthias Heidenreich nur zustimmen.
    Da z.B. die Weihnachtsgrüsse Zeitgleich hintereinander weg von den einzelnen Frontabschnitten gesendet wurden.


    Gruss

  • Hallo, in der Romantrilogie "Roter Schnee"/"Merci Kamerad"/"Schlussakkord" von Hofé steht im zweiten Band (bezogen auf Westeuropa), dass sog. doppelte Sommerzeit, also 2 Stunden vor, galt. Ist zwar nur Belletristik, aber dennoch hält sich der Autor ziemlich eng an die Fakten. Leider ist auch dort nicht zu erfahren, welche Zeitzone nun als Grundlage zu betrachten ist.


    Grüßles Herman

  • Hallo,


    ich denke schon, daß man die für den jeweiligen Ort gültige Zeitzone verwendete, weil sonst die Uhrzeit nicht meht mit dem Tagbogen der Sonne übereinstimmt.


    Eine sehr interessante Frage!



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    ich möchte hierzu einen Auszug aus dem RGBl. Nr. 20 von 1940 anhängen.


    Betrifft zwar die Einführung der Sommerzeit, ist aber schön erklärt wo diese ihre Gültigkeit hat.

    Files

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    Grüße und bleib(t) Gesund - Matthias

  • Hallo zusammen,


    mir liegen zum Thema zwar keine Primärquellen vor, aber es gibt im Netz eine anscheinend gut recherchierte Seite mit genauen Angaben zu den geltenden Zeitzonen für alle Länder seit 1800.(http://www.timeanddate.com/wor…zone.html?n=37&syear=1800)
    Diese Daten zeigen, dass offenbar alle Länder, bzw. Gebiete, die während des 2.WK unter deutsche Kontrolle geraten sind, einer einzigen Zeitzone zugeordnet wurden. Auch die mit Deutschland verbündeten Länder synchronisierten sich mit dieser Zeitzone. Es galt überall die Mitteleuropäische Zeit (MEZ = GMT +1) im Wechsel mit der Mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ = GMT+2):


    Seit 1927 in ganz Deutschland MEZ (= GMT+1)
    01.04.1940 - 02.11.1942 MESZ (= GMT +2h )
    02.11.1942 - 29.03.1943 MEZ
    29.03.1943 - 04.10.1943 MESZ
    04.10.1943 - 03.04.1944 MEZ
    03.04.1944 - 02.10.1944 MESZ
    02.10.1944 - 02.04.1945 MEZ
    02.04.1945 - 16.09.1945 MESZ


    Man beachte: In den Jahren 1940 und 1941 gab es nach Erlass der „Verordnung über die Verlängerung der Sommerzeit“ keine Umstellung zurück auf MEZ; die Sommerzeit galt daher durchgehend von April 1940 bis November 1942 im „Großdeutschen Reich“.


    Anpassung der Zeitzone in den jeweiligen Ländern an die „Großdeutsche Zeit“ ab:


    - 14.05.40 Luxemburg
    - 15.05.40 Dänemark
    - 16.05.40 Niederlande
    - 20.05.40 Belgien
    - 15.06.40 Frankreich (besetzte Zone), Italien, incl. Albanien
    - 23.06.40 Generalgouvernement (alternative Angabe: seit 1.4.40)
    - 10.08.40 Norwegen


    - 06.04.1941 Rumänien, Ungarn
    - 19.04.1941 Jugoslawien
    - 29.04.1941 Griechenland
    - 23.06.1941 Litauen
    - 27.06.1941 Weißrussland
    - 30.06.1941 Lettland
    - 16.07.1941 Moldawien
    - 14.09.1941 Estland
    - 19.09.1941 Ukraine


    - 02.11.1942 Bulgarien (war seit 1.4.1940 zufällig synchron mit der deutschen Sommerzeit (GMT+2), da standardmäßig Osteuropäische Zeit (GMT+2) galt. Ab 2.11.42 stellte Bulgarien im Winter die Uhren um 1h zurück auf „Großdeutsche Zeit“.


    Sonderfall: Finnland war seit 1.4.40 ebenfalls synchron mit der deutschen Zeitzone, da Osteuropäische Zeit (GMT+2) galt. Vom 03.04.1942 bis zum 02.10.1942 wurde in Finnland die Sommerzeit (GMT+3) eingeführt, so dass Finnland der „deutschen Zeit“ eine Stunde voraus war. Ab 02.11.1942 lag Deutschland mit dem jährlichen Aufheben der Sommerzeit in den Wintermonaten jeweils 1h gegenüber Finnland (GMT+2) zurück.


    Zum Thema Zeit auf U-Booten habe ich folgende Anmerkung von Lothar Günther Buchheim gefunden, der sich auf Operation im Atlantik bezieht:


    „Mich verdrießt die Vorstellung, dass es eigentlich erst zwischen vier und fünf Uhr ist. Um für die Funkmeldungen das Umrechnen zu ersparen, richten wir uns nach deutscher Sommerzeit. Außerdem sind wir vom Nullmeridian schon soweit nach Westen entfernt, dass zwischen der Sonnenzeit unseres Standortes und unserer Uhrzeit ein weiterer Unterschied von mehr als einer Stunde entstanden sein müsste. Im Grunde ist es ganz gleich, wohin wir den Tagesanfang legen: Sowohl tags wie nachts brennt hier unten im Boot elektrisches Licht, und der Wechsel von Wachen und Freiwachen vollzieht sich in Intervallen, die nicht von der Tageszeit abhängen…“
    (http://de.scribd.com/doc/115444770/Das-Boot-in-German)


    Gruß Frank

    Suche Informationen/Fotos zur 56. Minensuchflottille

  • Hallo zusammen,


    vielen Dank für Eure Beiträge, hatte nicht mit so erschöpfenden und alles erklärenden Antworten gerechnet. Also Leute nochmals vielen Dank, vor allem an Frank.


    Gruß Klaus

  • Hallo,


    interessante Textpassage zum Thema:


    Quote

    Obwohl es gerade Mittag war, wurde es schon dunkel, da im ganzen von der deutschen Wehrmacht besetzten Gebiet die gleich zeit eingeführt war, so dass bei uns in der Nähe Moskaus, der Tag von 5°°Uhr bis 13°°Uhr dauerte.


    Erinnerungen 1939-1944 Soldaten der 260. ID


    Grüße


    Thilo


    Link aktualisiert + "geblaut"; kkn

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Leute,


    beim Vormarsch gegen Stalingrad stellte sich auch die Frage nach einer Anpassung der Uhrzeit. Diese wurde jedoch, wie oben beschrieben, nicht angepasst, so dass eine einheitliche Uhrzeit galt.


    Dies ist übrigens auch heute noch in zahlreichen Staaten üblich, so ua. in ganz China.


    Gruß

  • Grüß Gott,


    es ist zwar nicht unbedingt eine zitierfähige Quelle, aber auch Hacker* schreibt über den 22.06.1941: "Es war 2:15 Uhr und die Vögel begannen schon leise einzelnes Gezwitscher. Der Tag graute im Osten [er war im Raum Belzec/Polen] um eine gute Stunde früher als in Deutschland."


    Ich meine, einen solchen Hinweis bei ihm auch bezüglich späterer Ereignisse in Rußland gelesen zu haben, finde aber die Stelle nicht.


    Quote

    ich denke schon, daß man die für den jeweiligen Ort gültige Zeitzone verwendete, weil sonst die Uhrzeit nicht meht mit dem Tagbogen der Sonne übereinstimmt.


    Das ist natürlich lästig, aber wir müssen uns schon in unseren Breiten übers Jahr gesehen mit sehr großen Unterschieden abfinden und seit Jahrzehnten auch noch mit dem plötzlichen Wechsel auf Sommer- und Winterzeit. Ich könnte auch nicht sagen, daß ich die in den Tropen ganzjährig mit sehr geringen Abweichungen gegen 18:00 Uhr eintretende Dunkelheit nach 12h Tageslicht als besonders vorteilhaft empfunden hätte. Irgendwie ist die Uhrzeit eben doch einfach nur eine Zahl.



    Gruß


    Wolfgang
    ________________________________________________________
    * Ferdinand Hacker, "Verlorene Jugend", Offsetdruck Dorfmeister 2012

  • Grüß Gott,


    hier habe ich noch etwas aus dem Tagebuch von H.-P. Reinert, der mit der 296. ID am 05.07.1942 nordöstlich von Bolchow über einen russischen Großangriff berichtet, daß die B-Stellen um 04:00 Uhr die russischen Granatwerfer nicht entdecken konnten, weil sie gegen die Sonne beobachten mussten und die Frühnebel störten.


    Die Längengrade von Berlin und Tula (ca 100 km NO dieses Ortes) zu Grunde legend habe ich einmal gerechnet:
    Tula 37° 37', Berlin 13° 25', Längengraddifferenz 24,2°. Wenn 360° 24h sind, werden 24,2° einen Zeitunterschied von 1h 37min ausmachen.
    In Berlin geht die Sonne am 05.07.2013 um 04:51 Sommerzeit auf und ich unterstelle einmal, daß das 1942 auch so ähnlich war.


    Wie Frank ja hier schon austabelliert hat, galt die Sommerzeit ab 1940 (+1 h wie heutzutage). Also hätte man in Berlin um 04:00 Uhr noch nicht "gegen die Sonne beobachten müssen", in Tula aber schon.


    Ich schließe daraus, daß Reinert die deutsche Sommerzeit in seinem Tagebuch verwendet hat.


    Gruß


    Wolfgang


    Edit:Gültigkeitsgebiet Sommerzeit

  • Grüß Gott,


    dieses schon betagte Thema möchte ich noch einmal aufgreifen, da mir jüngst der Bericht einer Frontreise vom 05. - 08.12.1941 zur 34. ID, 20. PzDiv. und zur 3. ID (mot), alle Einheiten der 4. Armee unterstellt, in die Hände gefallen ist*.


    Major von Gersdorff schreibt dort unter dem Titel "Allgemeine Wünsche" und "Beleuchtung": "Die Masse der eingesetzten Truppen sitzt von 15.30 bis 07.30 Uhr, d.h. 16 Stunden in völliger Dunkelheit." Die besuchten Einheiten standen damals südwestlich von Moskau, etwa auf der nördlichen Breite von Kopenhagen. Dort geht die Sonne im Berichtszeitraum gegen 15:40 Uhr MEZ unter. Die Zeitangabe im Bericht ist sicher nicht ganz genau und man wird auch die Dämmerung bis zur völligen Dunkelheit noch berücksichtigen müssen (die Bewölkung nicht; denn in diesem Zeitraum war es bei tiefstem Frost klar), aber man erkennt trotzdem, daß es sich bei dieser Längengraddifferenz, Kopenhagen auf gut 12° Ost, Moskau auf gut 37° Ost, Sonnenzeitunterschied also etwa 25° x 4min = 100 min oder 1h 40min, bezüglich des Eintritts der Dunkelheit um eine Angabe in der wie auch immer definierten Ortszeit gehandelt haben muß.


    Bei meinem Post vor einem Jahr habe ich wohl außer Acht gelassen, daß das zitierte Tagebuch von Reinert ein privates Tagebuch ist. Reinert, einerseits ein Stabsoffizier, andererseits ein recht strammer Nazi, könnte wegen seiner Arbeit im Stab oder schlicht aus rassenideologischen Gründen nur die MEZ verwendet haben.


    Die Eisenbahner fehlen noch ¿ wie sind die denn in ihren Fahrplänen mit der doch ganz beachtlichen Zeitdifferenz umgegangen ?



    Gruß


    Wolfgang


    _________________________
    * NARA T 311 R 288, Blatt 641

  • Guten Abend zusammen !


    Ja, der Thread ist etwas älter, aber ich hatte ihn schon länger im Auge, weil ich das auch sehr interessant finde. Ich habe schon ein paar mal angesetzt, mit der "Mond-App" vom Smartphone etwaige Mondaufgangs- und Sonnenuntergangszeiten aus Kriegstagebüchern abzugleichen (unter Einstellung von zB Ort "Moskau" mit Datum von 1941), bin dann aber doch immer wieder steckengeblieben. Solche genauen Angaben sind eben sehr selten und von daher ist es bisher ein ganz kleiner "Nebenkriegsschauplatz" geblieben...
    Aber mit diesen "Sonnen/Mond-Apps" bzw. vergleichbaren Internetseiten hat man ein ganz gutes Werkzeug an der Hand, im besten Fall kommen verschiedene Anbieter auch zu identischen Werten...


    Mit freundlichen Grüßen

  • Hallo Cabron,


    auf dieses Dokument bin ich ja nun mit Deiner Hilfe - für die ich mich noch einmal allerfreundlichst bedanke - gestoßen, es ist in der Rolle zum Anlagenband Dezember 1941 der Heeresgruppe Mitte.
    Wie ich schon erwähnte, sind auch diese Zeitangaben natürlich ungenau. Beim erwähnten Dokument ergibt sich für den Eintritt der Dunkelheit schlüssig die Verwendung der Ortszeit, aber schon nicht mehr ganz so einfach für das "erste Büchsenlicht". In Kopenhagen ist nämlich Anfang Dezember erst um 08:20 Uhr Sonnenaufgang, weshalb die Zeitdifferenz am Abend - 15:30 und 15:40 Uhr - nur 10min beträgt, aber am Morgen - 07:30 und 08:20 Uhr - 50min, womit sich die berichtete Dunkelheit von 16 auf fast 17h erhöhen würde. Hier dürften das Empfinden und der Dienstablauf der Soldaten eine wesentliche Rolle gespielt haben, die ja gerade abends und nicht morgens vor dem Antreten noch Briefe schreiben und Bücher lesen wollten. Der erste Lichtschimmer am Morgen dürfte also hier den Ausschlag für diese Zeitangabe gegeben haben.



    Gruß


    Wolfgang

  • Hallo zusammen,


    ergänzend zum Thema folgendes Fernschreiben vom (Geb.)A.O.K.20 (OK/WB Norwegen), datiert v. 22.03.45 und unterzeichnet von Generalmajor Hölter .


    "An (es folgen diverse Einheiten)


    Betr.: Sommerzeit 1945.

    Im Bereich der 20.(Gebirgs-)Armee tritt ab 2.4.1945 02.00 Uhr die deutsche Sommerzeit in Kraft. Die Uhren sind zu diesem Zeitpunkt eine Stunde vorzustellen. [...] "



    Gruß Roy


    Quelle: KTB

    Suche alles zur 129.ID, insb. GrenReg.427 ab 1944 an der Ostfront, sowie zur 199.ID, insb. zum Fest.Btl. 650 1943-44 in Norwegen, sowie zur 353.ID, insb. GrenRgt. 943 Juli-Aug. 1944 in Frankreich.

  • Hallo!
    Im Anhang etwas aus einem Erfahrungsbericht der 1.Pz.Div. von Ende April 1942, der von "ganz oben" explizit angefordert wurde. Dort wird bemängelt, daß im Panzerregiment kaum noch Uhren vorhanden sind bzw. schon gar keine genau gehenden Uhren.
    Irgendwann mal darüber gestolpert, im Hinterkopf behalten und hiermit losgeworden :)
    aus T315-26 (Datei 1412) [Frame 1406]
    MfG


    PS: ... und als Ergänzung noch ein weiterer Anhang aus T315-16 (Datei 1185) [Frame 1178], mit dem die "Radiozeit" nochmals als maßgeblich bestätigt wird. Natürlich wieder :rolleyes: aus den Unterlagen der 1.Pz.Div..

  • Hallo Cabron,
    sehr interessanter Hinweiß und danke dafür.


    Lg Andre

    Erst wer den Dreck des Lebens gegessen hat, weiß wie schön dieses ist !!!

  • Hallo.


    gerade bin ich auf folgende Aufstellung gestoßen:


    bis 1.4.1940 galt in D ganzjährig nur die MEZ, entspricht der Winterzeit.


    Am 1.4.1940 wurde die Uhr eine Stunde vor gestellt, nun galt MESZ (Mitteleuropäische Sommerzeit)


    Die MESZ galt ununterbrochen bis 2.11.1942, ab diesem Tag galt wieder die MEZ.


    Die MESZ galt erneut vom 29.3.1943 bis 4.10.1943, vom 3.4.1944 bis 2.10.1944 und vom 2.4.1945 bis 16.09.1945 (Westzone) bzw. 18.11.1945 (Ostzone und Berlin).


    Beispiel:


    Überfall auf Polen „Seit 5:45 Uhr wird jetzt zurückgeschossen" bezieht sich also auf 5:45 Uhr MEZ, heute wäre das an einem 1. September um 6:45 Uhr nach MESZ.


    Sehe gerade, das haben wir oben schon....


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941