Laufbahn Unteroffizier

  • Liebes Forum,
    mein Vater wurde 1940 als Soldat gezogen, nahm mit der 269. ID am Vormarsch bis Leningrad teil. Nach seiner zweiten Verwundung im Frühjahr 1942 war er in einer Genesendenkompanie und anschließend im Ersatzbataillon seiner Division Ausbilder und in im Herbst 1942 dort Unteroffizier.
    Nun meine Frage: wie wurde man beim Heer Unteroffizier, gab es eine spezielle Ausbildung oder Bewährung? Kann mir jemand den üblichen Weg zum Uffz. schildern?


    Noch einen schönen Abend


    wünscht Paul


    G-W-G'

  • Hallo,
    U wurde man entweder durch Bewährung oder durch erfolgreiches Bestehen eines Lehrgangs.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Paul,


    Stand 1941;
    Zusätzlich ist die Dienstzeit zu beachten:


    Beförderung zum Unteroffizier frühestens nach zwei Dienstjahren.
    Eine außerplanmäßige Beförderung ist möglich, wenn binnen 3 Monaten eine Unteroffizierstelle frei wird.


    Das Unteroffizierkorps ergänzt sich aus Mannschaften mit einer Gesamtdienstzeit von mindestens 2 Jahren, die sich grundsätzlich zu einer weiteren Dienstverpflichtung von 10 Jahren bis zur Vollendung des 12. Dienstjahres bereit erklären. Sie müssen nach Persönlichkeitswert und Leistung zum Unteroffizier geeignet sein und den Nachweis erbracht haben, dass sie nicht jüdische Mischlinge sind. Verheiratete sind von einer Weiterverpflichtung zur Ergänzung des Unteroffizierkorps in der Regel ausgeschlossen.


    Edit:
    Genau genommen wäre die Frage nach der Laufbahn des Unteroffiziers eigentlich die, welche Beförderungsmöglichkeiten bestanden in der Unteroffizierslaufbahn.
    Ich denke aber, Du hast gemeint, wie man vom Soldat/Gefreiten etc. zum Unteroffizier befördert wird. Dann gilt das oben Geschriebene. ( Rainer hat es ja auch so verstanden).


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,
    das mit den Beförderungszeiten ist so eine Sache. Es gab Richtlinien aber im Krieg dürfte davon häufig abgewichen worden sein.
    Mein Vater wurde am 07.03.1940 einberufen, am 01.08.1940 zum Gefreiten befördert und am 01.01.1941 zum Unteroffizier. Dann folgte am 01.12.1942 der Feldwebel O.A., 01.04.1943 wurde er Fahnenjunker, am 01.07.1943 Oberfähnrich und am 01.08.1943 Leutnant.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer,


    Es gab in der Tat häufig Abweichungen.
    So war z.B. auch eine "Beförderung zu Belohnung" neben der von Dir angeführten "Beförderung durch Bewährung" möglich.
    Die Beförderung zur Belohnung sollte aber nur ausgesprochen werden, wenn keine andere Maßnahme (Schriftl. Belobigung, Lebensrettungsmedaille etc.) ausreichend war.
    So wie es aber bei Deinem Vater aussieht, hat er die Offizierslaufbahn eingeschlagen; vermutlich hatte er Abitur. Er ist ja regulär Leutnant geworden, also kein "Kr.O." ( Kriegsoffizier) und hatte damit das Anrecht diesen Rang auch nach dem Krieg zu tragen. Bei den Kr.O. sollte das nach dem Krieg noch geregelt werden (z.B. ob er sich als Offizier bewährt hat).
    Möglich ist auch, dass er auf Grund seiner Leistung und Eignung bevorzugt befördert wurde.
    Während des Krieges galt für die Beförderung von Uffz. und Mannschaften grundsätzlich die H.Dv. 29 a.


    Grüße von Karl


    Edit: http://archiv.ub.uni-marburg.de/diss/z2005/0100/pdf/ddr.pdf

  • Hallo Karl, hallo Rainer,


    zunächts interessierte mich, ob für die Beförderung ein Uffz-Lehrgang zwingend war oder ob es auch so ging. Bei meinem Vater gings wohl auch so, jedenfalls hat er nie etwas von so einem Lehrgang erwähnt.


    Offizier oder auch nur Anwärter wurde er nie, hat es wohl dann vorgezogen mit seiner Division Ende 1942 nach Norwegen abzudampfen umd dann, versetzt an die Invasionsfront in der Normandie 1944, nach nochmals ein paar Tagen Krieg in kanadische Gefangenschaft zu gehen.


    Wer sprach eigentlich die Beförderung aus und wer mußte zustimmen.


    Euer Paul


    G-W-G'

  • Quote

    Original von Karl Grohmann


    So wie es aber bei Deinem Vater aussieht, hat er die Offizierslaufbahn eingeschlagen; vermutlich hatte er Abitur.


    Hallo Karl,
    mein Vater(Volksschullehrer) wurde als Wehrpflichtiger der Ersatzreserve bei der Musterung ärztlich untersucht. Vier Monate später wurde er eingezogen als Wehrpflichtiger(Grundausbildung plus Führerschein Klasse II und III). Eigentlich hatte er nicht vor Offizier zu werden, aber einige Zusalmmenstösse mit(seine Worte) "stockdummen Unteroffizieren" änderten seine Meinung. Anscheinend wurde er dann zum ROA vorgeschlagen und hat mindestens zwei Lehrgänge dazu mitgemacht, bevor er über Osterode/Ostpreussen(Führerschein Klasse I) an die Heeresnachschubtruppenschule Hannover versetzt wurde. Danach wieder für 26 Tage nach Ostpreussen, dort Beförderung zum Leutnant d. R.. Und dann ging es wieder in den Raum Kirkenes-Petsamo.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Rainer,


    wenn Dein Vater mit "stockdummen Unteroffizieren" zusammenstieß, dann kann ich ja getrost davon ausgehen, dass er meinen Vater nie kennengelernt hat. Denn die Beiden hätten sicher ihre Freude aneinander gehabt.


    Gruß


    Paul


    G-W-G'

  • Hallo,
    gerade noch einmal in meinen(wenigen) Unterlagen zum militärischen Werdegang meines Vaters nachgesehen. Laut einer Bescheinigung von Juli 1942 hat er an einem Ausbildungslehrgang für Unterführer mit gutem Erfolg teilgenommen(einmal vier Wochen, einmal sechs Wochen).
    Es wird auch "neben einer guten sportlichen Veranlagung ein sicheres Auftreten vor der Front und neben der Beherrschung des Exerzier-Reglements auch die Fähigkeit, Soldaten auszubilden und zu führen. Lobenswert war sein reges Interesse, das er allen Fragen entgegenbrachte."
    Unterschrieben von einem Hauptmann und Ausbildungsoffizier und dem Parkführer.
    In einem anderen Papier von Anfang Mai 1942 schreibt der Parkführer des HKP 532, dass mein Vater "zum Offz. Anwärter voll geeignet erscheint, beim HKP aber nicht Offz. Anwärter werden kann.
    Es wird ausdrucklich bemerkt, dass beabsichtigt war den Uffz. ... mit Wirkung vom 1.5.1942 auf Grund seiner besonderen Fähigkeit und Tüchtigkeit zum Feldwebel zu befördern. Diese Absicht konnte nicht mehr ausgeführt werden, da inzwischen seine Versetzung nach dort ausgesprochen wurde."
    Das ist eine kurze Beurteilung.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo Paul,


    1. Unter Beförderung ist die Verleihung eines höheren Dienstgrades zu verstehen.


    2. Je nach Dienstgrad richtete sich auch der Rang des Vorgesetzten, der die Beförderung aussprach.


    3. Die Beförderung setzt einen Vorschlag zur Beförderung voraus, der üblicherweise durch den Kompaniechef oder Chef der Einheit erfolgt ist.


    4. Dem Beförderungsvorschlag ist eine Beurteilung nach dem im H.V.Bl. 1937. S.237, Nr. 616 gegebenen Formblatt beizufügen.


    5. Jedem Beförderungsvorschlag in eine Planstelle ist eine Bescheinigung der
    Zahlmeisterei beizufügen, dass eine Planstelle frei ist. *


    6. Vor der Beförderung ist die Kommandodienststelle zu hören.


    7. Beförderungen bis zum Unterfeldwebel spricht der Vorgesetzte mit mindestens der Disziplinarbefugnis eines Kompaniechefs bzw. Chefs aus.


    8. Da Dein Vater Ausbilder war, nehme ich an, dass er den Unteroffizierslehrgang gemacht hat und dann, als eine Stelle frei war, zum Unteroffizier befördert wurde. Sonst wäre er ggf. Hilfsausbilder gewesen.
    Es kann aber auch sein, wie Rainer geschrieben hat, dass er durch seine Bewährung vor dem Feind ( 2 - fache Verwundung) und seine besondere Eignung und Befähigung für das Amt als Ausbilder und dann Unteroffizier, natürlichdann auch nach Bewährung als Ausbilder, Unteroffizier wurde.


    * ausgenommen außerplanmäßige oder in drei Monatsfrist freiwerdende Planstelle. H.V.Bl. 1939 -C - Nr. 963 Ziff.2 und Nr. 1137


    Gruß Karl

  • Hallo Zusammen,

    seit einigen Tage veruche ich über den Werdegang des Unteroffiziers etwas heraus zu finden. Vorab einige Infos:

    Eintritt in die Reichswehr 5.4.1934

    Friedensstandort Höxter, Heimatstadt Paderborn -> Wehrkreis VI

    Ernennung zum Unterführer (als Gefreiter) am 1.10.1935

    Beförderung 1.5.1936


    Nach der Ernennung zum Unterführer muß vermutlich die Teilnahme an einem Unteroffiziereslehrgang stattgefunden haben. Meine Fragen:

    Wie lange dauerte solch ein Lehrgang?

    Was waren die Lehrinhalte?

    Wurde der Lehrgang im Bataillon oder an einer Speziellen Schule abgehalten? Ggf.: Welche Schule könnte es gewesen sein?

    Welche rechtliche Grundlage regelte die Unteroffizierswerdung?


    Ich hab schon einiges gelesen aber die Hinweise, die ich fand beziehen sich alle auf den Werdegang währed des Krieges. Je später desto kürzer die Ausbildung. Das ist Nachvollziehbar aber mich interessiert die Zeit 1935-1936. Der Artikel über die Unteroffiziersschulen im LDW verstehe ich für den Werdegang teils als Jugendlicher, vorbereitend auf die Militärzeit. Ferner passt die Zeitstellung nicht. Der Artikel erklärt vor 1922 und ab 1939.


    Ich würde mich freuen dieses Thema mit Eurer Hilfe besser verstehen zu können.

    Gruß Christian


    PiBtl 51 (23 PD, Osten), PiBtl 675 (116 PD), PiBtl 203 (203 ID)

  • Hallo Christian,


    Quote

    Nach der Ernennung zum Unterführer muß vermutlich die Teilnahme an einem Unteroffiziereslehrgang stattgefunden haben.

    hier passt die Reihenfolge nicht. Der Soldat wurden eingezogen und war erst mal Schüze,Kanonier, Reiter oder Pionier.

    Hier im mit dem Bezug Höxter wir der Protagonist Pionier gewesen sein. Nach der Grund und Fachausbildung wurde man

    Gefreiter das bewegt sich im Bereich von 6 bis 12 Monaten. Wenn es eine Eignung zum Unteroffizier gab und Stellen

    vorhanden waren wurde der Protagonist auf den Unteroffiziers Lehrgang kommandiert. Der Lehrgang wurde entweder

    in den Regimentern selber oder in Schulen abgehalten.


    Im Standort Höxter gab es beides

    Gruss Dieter

  • Hallo Augustdieter,

    auf der LDW-Seite, die Du verlinkt hast, sind keine Regimenter aufgeführt. Meinst Du die Lehr- und Ausbildungsbataillone? Ich dachte immer, die wären nur für die Grundausbildung zuständig. Hast Du eine Idee wie lange 1935/1936 ein Uffz.-Lehrgang dauerte und wo ich das Nachlesen kann?

    Gruß Christian


    PiBtl 51 (23 PD, Osten), PiBtl 675 (116 PD), PiBtl 203 (203 ID)

  • Hallo Christian,


    Quote

    auf der LDW-Seite, die Du verlinkt hast, sind keine Regimenter aufgeführt.

    das ist mein Fehler weil ich aus versehen geschrieben hab "Regimenter", bei den Pionieren die eine Division unterstellt war gab es aber nur Pionier-Bataillone

    Richtig muss es heißen "Der Lehrgang wurde entweder in den Bataillone selber oder in Schulen abgehalten"

    Gruss Dieter

  • Guten Abend Dieter,

    hast Du Kenntnis darüber wie das "üblicherweise" gehandhabt wurde? Gingen die Meisten Soldaten zum Bataillon oder auf die Schule? Nach welchen Kriterien wurde das Entschieden?

    Im Netz hab ich leider nichts gefunden, was mich weiter bringt.

    Gruß Christian


    PiBtl 51 (23 PD, Osten), PiBtl 675 (116 PD), PiBtl 203 (203 ID)

  • Hallo Christian,


    Quote

    hast Du Kenntnis darüber wie das "üblicherweise" gehandhabt wurde? Gingen die Meisten Soldaten zum Bataillon oder auf die Schule? Nach welchen Kriterien wurde das Entschieden?

    m.W. gab es keine "Regel". Die Bandbreite ging von, das "eigene Bataillon" führte den Lehrgang durch bis zu dem Lehrgang im Rückwärtigen-Armee-Gebiet an der Ostfront
    Feldausbildungs-Einheit

    Gruss Dieter

  • Hallo Dieter,

    danke für die prompte Antwort aber ich hätte es Datieren sollen. Die Frage bezieht sich auf die Vorkriegszeit. Gerfeiter 1.10.1935 - Ernennung Unterführer 26.11.1935 - Uffz. 1.5.1936. Gab es zu diesem Zeitpunkt Regelungen?

    Gruß Christian


    PiBtl 51 (23 PD, Osten), PiBtl 675 (116 PD), PiBtl 203 (203 ID)

  • Hallo,

    wenn Dein Vater mit "stockdummen Unteroffizieren" zusammenstieß, dann kann ich ja getrost davon ausgehen, dass er meinen Vater nie kennengelernt hat.

    bei der BW habe ich auch ein paar dieser Uffze kennengelernt. Ich frage mich heute noch, wie man alleine so dämlich sein konnte.

    Gruss

    Rainer

    P.S. Ich bin aus anderen Gründen RO geworden, ich dachte ich könnte aus dieser Mondscheinkompanie kommen, was leider nicht der Fall war.

    Und als Fahnenjunker sah man manches etwas anders.

    Suum cuique