Die Juralinie und das Kampfgebiet Fränkische Schweiz April 1945

  • Hallo zusammen,
    von einem Freund erhielt ich folgende Ausarbeitung, die m. E. interessant ist, daher stelle ich sie hier mit seinem Einverständnis hier ein!
    Herzliche Grüße Roland


    Die Juralinie und das Kampfgebiet Fränkische Schweiz April 1945
    U.W. , im Januar 2011


    Eigentlich sollte in dieser Ausarbeitung nur kurz aufgezeigt werden dass die Juralinie eine Fiktion ist. Wie es leider in der Natur einer Sache liegt, die sich mit der historischen Aufarbeitung befasst, wurde sie immer länger. Erstens ist es erstaunlich wie gut die Geschichte von Zwangsarbeit, KZ-Außenlagern etc. erforscht wird, von Privatpersonen wie auch Historikern, jedoch dem Kriegsverlauf wenig bis gar keine Beachtung geschenkt wird. Wie so oft wenn dem Zeitgeist nachlaufende „Personen“, die oft genug selbstgerechte zürnende Eiferer sind, sich nicht die Mühe machen die Gegebenheiten genau unter die Lupe zu nehmen kommt es zu Verfälschungen, so auch bei diesem Thema. Beispielhaft darf genannt werden dass die Zeitzeugen immer SS gesehen haben, obwohl weit und breit keine solchen Einheiten zu diesem Zeitpunkt eingesetzt waren. Zweitens stellt man sehr schnell fest dass eine neutrale Aufarbeitung fast unmöglich ist, denn man wird selbst als Nazi hingestellt, wenn man eben nicht wie o. g. die Gräuel aufzeigen möchte, sondern das reale Kampfgeschehen, und dazu gehört die Wehrmacht ebenso wie die SS und die Luftwaffe. Bei Recherchen im Internet stellt man schnell fest dass Fehler, falsche Angaben und ähnliches übernommen werden, ohne diese selbst nachzuprüfen. Einer schreibt vom anderen ab, ohne Nennung der Quellen und ohne Prüfung der Angaben.


    Das Urheberrecht der hier vorliegenden Ausarbeitung liegt beim Autor. Jede Veröffentlichung, Vervielfältigung oder auszugsweiser Abdruck bedürfen der Erlaubnis.


    Aber beenden wir diesen kurzen Ausflug in die heutigen Gegebenheiten und eilen in die Vergangenheit.



    Am 15.08., Mariä Himmelfahrt, feiert die Pfarrei Hollfeld jährlich ihr Patronats- und Pfarrfest. Verbunden ist dieser Tag mit einer Lichterprozession zum Marienplatz, als Dank für die Rettung der Heimat vor der Zerstörung im 2. Weltkrieg und der Abwendung der Verteidigung der Juralinie im April 1945. Dieser jährlichen Feier liegt ein Gelübde des damaligen Stadtpfarrers und Dekan von Hollfeld, Herrn Kurt Weirather, zugrunde.


    Ein Unterrichtsprojekt „Archivpädagogik“ in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Bamberg als
    Unterrichtsmodell für den Geschichtsunterricht in der 10. Jahrgangsstufe, leider ohne Jahrgang, lautet: Die Stunde Null in Bamberg . Überleben und Wiederaufbau nach dem Krieg. Auch hier wird im Zusammenhang mit der Archivforschung in der zeitlichen Aufarbeitung des Kriegsendes die Juralinie genannt.


    In einer Ansprache von Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick am Palmsonntag (20. März 2005) im Bamberger Dom konnte man u. a. hören: … Die Juralinie wurde vor allem durch die Initiative des Bamberger Weihbischofs Landgraf und des Hollfelder Pfarrers Weirather verhindert... Der Priester habe entscheidend dazu beigetragen, die von Hitler in den letzten Kriegstagen geplante "Juralinie" zu verhindern. Weirather sei es gewesen, der die entscheidenden Männer zusammen gebracht, inspiriert und zur Missachtung der persönlichen Anordnungen Hitlers aufgefordert habe, so der Bamberger Erzbischoff.


    Der Pfarreinverbund Hollfelder Land berichtet darüber: „Was fand in dieser denkwürdigen Nacht des 02.04.1945 in Hollfeld statt? Es war eine geheime Konferenz mit vier Teilnehmern, die das Ziel hatte, die von Hitler befohlene „Jura-Verteidigungslinie“ mit den vorgesehen Hauptkampforten Bamberg, Hollfeld und Pottenstein als Bollwerk für seine geliebte Stadt Bayreuth, zu unterwandern und die kampflose Übergabe der ganzen Region zu erreichen.“


    Im Bamberger Volksblatt Nr. 52 vom 2.4.1955 findet sich eine Skizze, die die Juralinie zwischen den Festen Orten Hollfeld und Pottenstein mit einer Verlängerung nach Norden über Hollfeld hinaus zeigt, ferner 2 Verteidigungsringe um den Festen Ort Bamberg.


    Albart spricht in seinem Buch „Vom Hakenkreuz zum Sternenbanner“ von der Festung Bamberg, die ein Pfeiler in Hitlers Juralinie sein sollte, einer Linie, die es nur auf dem Papier gab und in den Hirnen weniger Fanatiker, wie er schreibt. Er führt auch aus das Wächtler als Reichsverteidigungskommissar kategorisch darauf hinwies dass Bamberg und Hollfeld Hauptstützpunkte der Juralinie seien.


    Sucht man im Internet so findet man etliche Foren, von Sondengängern und Hobbyhistorikern, in denen sich immer und immer wieder die Juralinie als angeblicher Fakt findet. Hitler selbst soll sie als Schutz für Bayreuth gefordert haben. Jedoch: die Juralinie ist eine Fiktion.


    Die Fränkische Schweiz, wohl am ehesten durch die „Teufelshöhle“, einer Tropfsteinhöhle bei Pottenstein, bekannt, auf deren Höhenzügen bzw. Tälern die Verteidigungslinie laufen sollte, wurde während des Krieges nicht nur zur Ausbildung der 24. SS-Division verwendet, sondern barg auch geheime Forschungseinrichtungen und beherbergte die SS-Dienststelle „Ahnenerbe“. Hierzu später.


    Da die Gegend nahezu völlig von systematischen Bombenangriffen verschont wurde (bis zum 1.4.44 waren im Gau Bayerische Ostmark leidiglich 34 Wohnungen, überwiegend im Raum Regensburg, zerstört worden, Berlin zählte hier bereits 308400 und München 11280 zerstörte Wohnungen lt. Festschrift der Industrie u. Handelskammer Bayreuth von 1993) wurden mehr und mehr Dienststellen in die Region verlegt, so baute z. B. die Organisation Todt die Kasematten der Festung Rosenberg in Kulmbach aus, um dort die Fertigung von Messerschmitt-Flugzeugen zu ermöglichen.


    Der Höhleneingang der Teufelshöhle war schon lange Zeit bekannt. Dieses Höhlenportal endete früher nach etwa 85 Metern und wurde Teufelsloch genannt. Der spätere SS-Standartenführer und Höhlenforscher Hans Brand durchbrach im Jahr 1922 eine etwa neun Meter dicke Abschlusswand und entdeckte dahinter tropfsteingeschmückte Höhlenteile, die bis August 1923 gangbar gemacht wurden, in weiteren Erschließungsmaßnahmen wurden weitere Höhlenräume erschlossen und mit Stollen verbunden, bis Pfingsten 1931 die Teufelshöhle der Öffentlichkeit zur vollständigen Besichtigung freigegeben wurde. Hans Brand, promovierter Geologe und Bergbauingenieur, war zunächst als Studienprofessor an einer Münchener Oberrealschule tätig. Sein Weg führte über den „Stahlhelmbund“ und den „Lehrerbund“ weiter zu seinem Eintritt 1935 in die NSDAP und schließlich 1939 zum Angehörigen der SS. Er war er innerhalb des SS-Ahnenerbes Leiter der Forschungen zur Karst- und Höhlenkunde. Und hier schließt sich der Kreis zwischen der Division und der Dienststelle der SS, auf die später eingegangen wird. Für seine Verdienste um den Fremdenverkehr war Brand bis 1948 Ehrenbürger der Stadt Pottenstein. 1961 wurde ihm zu Ehren eine Gedenktafel an der Teufelshöhle angebracht und eine Straße nach ihm benannt. Die Gedenktafel wurde mittlerweile wegen Brands NS-Vergangenheit wieder entfernt. Die Gemeinde Pottenstein profitiert jedoch noch heute Fremdenverkehrsmäßig von seinen Bauvorhaben, u. a. dem Schöngrundsee, für die Ausbildung der Karstwehr und seiner Erschließung der Teufelshöhle.


    Brand engagierte sich innerhalb des Ahnenerbes bereits im Frühjahr 1942 für die Nutzung seiner Kenntnisse als Höhlenforscher zur Kriegsführung regte die Aufstellung einer Karst-Sondertruppe an. Er führt in Schriftverkehr aus dass "die Zivil- und Militärforschung im gegenseitigen Austausch sich fortlaufend ergänzen und unterstützen kann". Brand bezeichnete eine Karstwehr als militärische Teilorganisation der Karst- und Höhlenforschung. "…bin ich natürlich gerne bereit, die Gründung, Organisation und einstweilige Führung des Karst-Wehrtrupps zu übernehmen", schrieb er. Am 10. Juli 1942 erließ das SS-Führungshauptamt den Befehl zur Aufstellung einer Karstwehrkompanie, die im November 1942 zum Bataillon aufgestockt wurde.


    Im als „Geheim“ gekennzeichneten Aufstellungsbefehl des SS-Führungshauptamtes (SS-FHA, Org. Tgb.Nr. 3890/42 geh.) heißt es: "Auf Befehl des Reichsführers-SS wird mit Wirkung vom 10.7.1942 in der SS-Kaserne Dachau eine SS-Karstwehrkompanie zu zwei Zügen aufgestellt ...Zur Schulung der SS-Karstwehrkompanie im Gelände findet auf Antrag des Führers der SS-Karstwehrkompanie Verlegung in den Raum Pegnitz und Pottenstein statt. Führer ….. ist SS-Sturmbannführer Dr. Brand. Die SS-Karstwehrkompanie untersteht dem Reichsführer-SS unmittelbar...“ Die Ist-Stärke des Bataillons wurde am 1. Februar 1943 auf 204 Mann beziffert. Brand schlug die Kriegsnutzung aller Erkenntnisse des Karst- und Höhlenwesens "in einer Sonderkampftruppe ähnlich der Dschungeltruppe der Japaner" vor. Zunächst war vorgesehen die Einheit im Süden Russlands in den dortigen Karstgebieten zum Einsatz zu bringen.


    Brand berichtete über die Ausbildung in Pottenstein schriftlich an den Persönlichen Stab Himmlers am 15.2.1943. Er betonte, daß die karstgebirgsmäßige Schulung und Waffenausbildung in Pottenstein so weit gediehen sei, dass die Männer als brauchbare Ausbilder für neuaufzustellende Formationen dieser Art verwendet werden könnten. Das Lager liege zusammen mit geräumigen Exerzier- und Sportplätzen auf mehreren weitflächigen und windgeschützten Höhenterrassen. Für die Schulung zur raschen Bezwingung der in Karstniederungen häufig auftretenden Poljenüberschwemmungen durch Spezialfloßsäcke und andere Übersetzungsgeräte werde am Fuß des Barackenhanges eine Wasserübungsanlage geschaffen, der Schöngrundsee. Das Lager am Bernitz bestand aus einem Exerzier- und Sportplatz, 27 Gebäuden, Ställe für 350 Pferde bzw. Tragtiere und Hallen für rund 100 Fahrzeuge. Das nach Brand`s Worten Vorhandensein eines karstwehrwissenschaftlichen Instituts mit Bibliothek, Archiv und Laboratorien in Pottenstein, hiermit meinte er wohl sein eigenes, begünstigte die Verlegung. Siehe hierzu auch Engelbrecht „Touristenidylle und KZ-Grauen“.


    Die später zur 24. Waffen- Gebirgs-(Karstjäger-)Division der SS erweiterte Einheit wurde bis Sommer 1943 in Pottenstein ausgebildet. Spieß in Pottenstein war SS-Oberscharführer Hans Adolf Jensen. Das Bataillon hatte im April 1943 eine Gesamtstärke von 517 Mann lt. dem Buch „Karstjäger! Guerriglia e controguerriglia nell´OZAK 1943 – 45“ von Sergio Corbatti, Marco Nava, Associazione MADM-Brianza, Italien, 2005 , welches wohl die genaueste Beschreibung der Karstjäger bietet.


    Das Bataillon wurde unter Zurücklassung einer Nachersatzkompanie (SS-Karstwehr- Ersatzkompanie), diese wird lt. Nachweis geführt von SS-Obersturmführer Dr. Hans Jöllinger, nach erfolgter Ausbildungszeit nach Italien und Slowenien verlegt. Da der Nachersatz für die Karstwehr nach der Verlegung weitgehend aus Italienern und Freiwilligen aus dem Alpenraum erfolgte ist unklar ob nach dieser Zeit die Ausbildung des Nachersatzes noch in Pottenstein stattfand, da weitere Ausbildungsstandorte in der Nähe des Einsatzraumes vorhanden waren. Vermutlich eher nicht, da die Kompanie eigentlich die Feldersatzeinheit im Divisionsverband darstellt, ein Feldersatzbataillon hingegen eine Ausbildungs- und Ersatzeinheit ist die nicht im Divisionsverband agiert. Als Standort wird dennoch seit 15.1.1944 Pottenstein, seit 1.10.1944 Gradiska genannt.


    Doch auch während der Verwendung im Adriatischen Küstenland erinnert er sich an die Ausbildungsanlage in Pottenstein. In seinem Bericht "Die SS-Karstwehrschulungsstätte Pottenstein" an das SS-Führungshauptamt beschrieb er am 20. März 1944 seine Einheit und die Ausbildungsmöglichkeiten äußerst positiv: "Die SS-Karstwehrformation gliedert sich in SS-Karstjäger, SS-Karstfestungspioniere und SS-Karstwehrwissenschaftler. Sie ist...eine absolut selbständige Gebirgssondertruppe..., eine neuartige Kombination von MPi-ausgerüsteten Kletterschützen mit Nahkampf-, Minen- und Baupionieren sowie mit allen schweren Waffen ...In Pottenstein finden sich ...16 Spezialschießbahnen, 30 Klettergärten, 78 Übungshöhlen, 20 Schulungsschächte und 12 große Dolinenkampffelder, ferner neben Exerzierplätzen, Wasserübungsanlagen, Sportplätzen, Luft- und Schwimmbädern 28 zweckdienlich eingerichtete, mit fließendem Wasser und elektrischem Licht versehene Gebirgsbaracken für 1200 Mann, 400 Pferde und 100 Kraftwagen. Außerdem ...ein karstwissenschaftliches Institut mit ca. 7000 Büchern und Abhandlungen, Plänen, Spezialkarten, Archiven und Laboratorien sowie eine weitläufige Vorführbaracke für 1000 Mann..."


    In Nachfolge des Karstwehrbataillons rückte lt. Bundesarchiv Abt. R NS 33/ 12 (Ausbildungs- und Ersatz Einheiten, Schulen und sonstige Heimatdienststellen der Waffen-SS) die SS-Nachrichten-Ausbildungs-Abteilung 1 in Pottenstein ein, der bis zum Kriegsende im Ort verblieb. Die Nachrichtenschule der Waffen-SS selbst verblieb als Ausbildungsstelle in Nürnberg. Ab dem 10.01.1945 befindet sich dort ebenfalls das SS-Nachrichten-Ausbildungs- u. Ersatz-Regiment, auch wird eine SS-Fortifikations-Forschungsstelle in Pottenstein genannt.


    Der Karstwehr und den daraus entstandenen Einheiten werden zahlreiche Kriegsverbrechen zur Last gelegt. So wurden drei Tage vor der deutschen Kapitulation in Italien bei einem Massaker am 2. Mai 1945 in Avasinis durch eine unbekannte SS-Einheit 51 Einwohner aus Rache für einen Angriff von Partisanen ermordet, dies wurde der Karstwehr zur Last gelegt. Im Jahr 2007 wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Würzburg eingestellt.


    Bevor wir uns nun dem Kriegsgeschehen zuwenden noch einige Worte zu den verwendeten After Action Reports der US Armee. In vielen Publikationen werden diese verwendet, aber After Action Report ist nicht gleich After Action Report. Die US Armee verfügte in der Divisionsebene über die G-1, G-2, G-3 sowie G-4 Stellen, die verschiedene Aufgaben wahrnahmen. Hierzu aus der offiziellen Stellenbeschreibung:
    • G-1 (Personnel) - Personnel and administration section of the general staff or principal staff officer heading that activity in a division or higher command.
    • G-2 (Intelligence) - Intelligence section of the general staff or principal staff officer heading that activity in a division or higher command. G-2 is responsible for the Production of Intelligence; Counterintelligence; Intelligence Training for all Staff Members.
    • G-3 (Operations & Training) - Operations and training section of the general staff or principal staff officer heading that activity in a division or higher command.
    • G-4 (Logistics, Supply, Construction) - Supply and maintenance section of the general staff or principal staff officer heading that activity in a division or higher command.


    Während sich die G-1 Reports hauptsächlich mit den Verlusten beschäftigen, geben die G-2 Reports bereits einen Überblick über das Kampfgeschehen. Für den Interessierten sind jedoch die G-3 Reports ausschlaggebend, wird hier doch mit Angabe von Zeit und Ort der Kampfverlauf beschrieben. Die G-4 Reports befassen sich mit der Nachschublage.


    Auf Regimentsebene wurde diese Teilung fortgesetzt, S-1 bis S-4 für die einzelnen Bataillone, auch hier aus der offiziellen Beschreibung der Stellen:


    • S-1 (Personnel) - S-1 is the regiment's principal staff officer for all personnel matters, including planning and supervision of matters of procurement, classification, assignment, pay, promotion, transfer, retirement and discharge, decorations, citations, honors, awards, religious, recreational, welfare, postal service, morale, stragglers, and collection and disposition of POW s.
    • S-2 (Intelligence) - S-2 is the regiment's principal staff officer for all matters dealing with military intelligence, including collection, evaluation, interpretation, and distribution of information about the enemy.
    • S-3 (Operations) - S-3 is the regiment's principal staff officer for all matters dealing with operations and training, including organization, training, and combat operations.
    • S-4 (Logistics) - S-4 is the regiment's principal staff officer for all matters dealing with logistics, including supply support.


    Auch hier sind die S-2 und S-3 Reports diejenigen, die für eine Ausarbeitung am interessantesten sind, da sie genauestens Einblick geben, jedoch muss berücksichtigt werden dass eben für die Bataillone wieder einzelne dieser Dienstgrade vorhanden sind. Die einzelnen Reports der einzelnen Regimenter finden sich im Rahmen des Meldeweges in denen der Division. Somit sind beide Reportreihen die Grundlage. An der Nummerierung erkennt man, dass die US Armee dem S-2 einen höheren Stellenwert einräumte als dem für den Einsatz zuständigen S-3. Bei der Wehrmacht war es umgekehrt, hier kam zuerst der für die Operationen verantwortliche Ia (erster GenStab Offz), dann der für die Versorgung zuständige Ib (zweiter GenStab Offz), dann erst der für das Feindbild verantwortliche Ic (dritter GenStab Offz). Interessant sind auch die Berichte des Provost Marshall der Division, denn diese geben Aufschluss über die „Feindeinheiten“ im Sektor, so dass aus diesen Berichten die eingesetzten deutschen Einheiten genannt werden.


    Aber zurück. Am 7. März hatten US Truppen bei Remagen den Rhein überschritten, am 22./23.März setzten sie bei Oppenheim über. Am 1. April schloss sich der Ruhrkessel, am 6. April war Würzburg erobert worden. Die Alliierten befanden sich überall auf dem Vormarsch im Altreich.


    Kampfkommandant von Bayreuth und Schutzbereichsführer Oberfranken war zu diesem Zeitpunkt nach seiner Ernennung am 23.03.45 Generalmajor August Hagl, der am 14.04. in amerikanische Kriegsgefangenschaft geriet.


    Licht ins Dunkel der Geschichte der Juralinie bringt eine Ausarbeitung von Siegfried Pokorny, abgedruckt im Archiv für die Geschichte Oberfrankens, Band 89, 2009.


    In der Nacht vom 2. auf den 3. April 1945 kamen im Pfarrhaus von Hollfeld vier Männer zusammen. Die Teilnehmer der nächtlichen Zusammenkunft waren der Bayreuther Oberbürgermeister SS-Standartenführer Dr. Fritz Kempfler, der Hollfelder Pfarrer Dekan Kurt Weirather, der Bamberger Weihbischof Dr. Landgraf und der Höhere SS- und Polizeiführer, SS-Obergruppenführer und General der Waffen-SS Dr. Benno Martin. Eigentlich, so wird sich Landgraf später erinnern, sollte die Unterredung anderer Dinge gelten. Welche das waren ist leider nicht bekannt. Er habe aber die Zusammenkunft genutzt, um sein Ersuchen vorzubringen, Bamberg und die Juralinie nicht zu verteidigen sowie die Munitionsfabriken nicht zu sprengen. Zu diesen ebenfalls später. Martin hätte zugesagt, so Landgraf, sich „energisch dafür beim zuständigen SS-Oberstgruppenführer verwenden zu wollen“. Das Treffen sei, hat Pokorny herausgefunden, von Kempfler und Martin initiiert worden. Das hat auch Weirather in einer eidesstattlichen Erklärung 1950 bestätigt. Vermutlich hofften Martin und Kempfler, dass man über Landgraf Kontakt zu den US-Streikräften herstellen könne, um den Wehrkreis XIII, zu dem auch die nördliche Fränkische Schweiz gehörte, kampflos übergeben zu können. Ein Kontakt kam aber nicht zustande.


    Kunze berichtet in seinem Buch „Kriegsende in Franken u. der Kampf um Nürnberg im April 1945“ über die folgenden Tage: Am 10. April stand das amerikanische XV. Korps für den geplanten Vorstoß nach Südosten bereit. Die 106. Cavalry Group fühlte in Richtung Bamberg und Coburg vor. Am 11.04. erfolgte der Vormarschbefehl in Richtung Nürnberg. Die 3. Division rückte auf dem linken Flügel vor. Die deutsche Gegenwehr war außerordentlich gering. Hierzu aus der später veröffentlichten offiziellen Kriegsbetrachtung der Division: „Lohr, Gemunden and Bad Kissingen fell. Regiments leap-frogged forward, division CP advanced from 15 to 25 miles daily, wire communication was a luxury when obtainable. Enemy resistance stiffened. The German high command ordered fanatical "last man" stands at every town in order to give the Nazis time to prepare defenses in larger cities. The rapid push continued after the 3rd held up two days while the 42nd Inf. Div. reduced Schweinfurt. Bamberg was next. When it elected to fight, the 3rd and 45th left the town a smoking ruin. This was the last bastion before Nurnberg where the division had a mock celebration of Hitler's birthday. It was only a matter of days before Augsburg, Munich, Salzburg and Berchtesgaden belonged to the 3rd.” Die linke Flanke des Vormarsches deckte die 14. US-Panzerdivision unter General Albert G. Smith. Sie bildete die Naht zur links davon vorgehenden 3. Armee.


    Am 12. April erhielten die 3. (Maj. Gen. John W. O'Daniel) und 45.US-Infanteriedivision, unterstellt der 7. US Armee unter General Alexander Patch, den Befehl, die Stadt Bamberg einzunehmen, während die 106. Cavalry Group in östlicher Richtung aufklären sollte. Aus der Geschichte der 106. Cavalry Group: “Through the winter months of December and January, the 106th was engaged in sporadic encounters with the enemy along the Rhine. It was not really until the new campaign in March that the 106th again was given an offensive mission. This time, they were sent out in advance of XV Corps through the Siegfried Line near Saarbrucken. The 106th spearheaded the advance across the Rhine, and moved through rapidly Aschaffenburg (on the Main river), Bad-Orb, Bamberg, Nurnberg, and then across the Danube and on to the autobahn to Munich. Here the 106th accepted the surrender of the 9th Hungarian Division, which comprised some 8,800 men.” Zugeordnet ist zu dieser Zeit auch das das US 601st Tank Destroyer Bat. unter dem kommandierenden Offizier William R. Harrison. Ausgerüstet ist dieser Verband mit M-36 Tank Destroyern.


    In Vormarschrichtung rechts dieser Einheiten ging die 42. US-Inf.Div vor, die nach mehrtägigem Artilleriebeschuss die Stadt Schweinfurt eingenommen hatte. Noch waren am 13. April ihr 222. und 242. Regiment dabei, die Stadt zu sichern, da erreichte die Division der Befehl des XXI. US-Corps, beschleunigt in südöstlicher Richtung vorzustoßen und Fürth anzugreifen und damit das XV. US-Corps bei der Eroberung Nürnbergs zu unterstützen. Als Marschweg war die Reichsstraße 8 von Kitzingen nach Fürth vorgesehen.


    Die Division überquerte den Main bei Nordheim, erreichte südöstlich von Kitzingen die heutige Bundesstraße 8, der Vormarsch erfolgte mit dem 222. Regiment links, dem 232. Regiment rechts der Straße; das 242. Regiment fungierte als Divisionsreserve. Der rechte Flügel der Division hielt Kontakt mit Einheiten der 12. US-Panzerdivision; den linken Flügel sicherte die Aufklärungsabteilung, die durch motorisierte Spähtrupps Kontakt mit dem rechten Flügel der 3. Infanteriedivision hielt.


    Nordöstlich der genannten Einheiten operierten im Raum Coburg mit Stoßrichtung Südosten nach Kronach und Kulmbach, die 11. US Panzerdivision sowie die 71. US Infanteriedivision, die der 3. US Armee unter General Patton unterstellt waren. Diese Einheiten waren zunächst in östlicher Richtung vorgegangen und schwenkten erst auf Höhe Erfurt nach Süden und Südosten ab. Am 10.04. wurde Coburg von Einheiten der 11. Panzerdivision nach kurzem Kampf eingenommen. Die Trennungslinie zwischen den beiden US Armeen war etwa Würzburg-Lichtenfels-Ansbach-Freising. Hierzu aus dem After Action Report der 71. US Infanteriedivision: „On 12 April the 71st Infantry Division and the 11th Armored Division were poised in readiness to continue the attack to the east and southeast with the mission of seizing Kulmbach and Bayreuth“.


    Dem Kampfkommandanten von Bamberg, Oberst Körner, standen nur die Reste der dort stationierten Ausbildungs- und Ersatzeinheiten (u. a. die Fahnenjunkerschule 4 Bamberg, Kommandeur ab Februar 1945 Major Johannes Teuber), eine Genesendenkompanie von etwa 200 Mann und Volkssturm zur Verfügung. Ein Schreiben vom 31.03.45, Der Befehlshaber im Wehrkreis XIII, mit dem Betreff „Kampfeinsatz des Ersatzheeres“, in dem …zur Zerschlagung eines Feindeinbruches in Franken..die sofortige Bildung von Kampftruppen.. gefordert wird, listet für Bamberg die Kav.A.Abt 20, P.L.Abt.35 sowie Kf.A.Kp.113 in Stärke von gesamt 857 Mann auf und sieht hierfür, da die Bewaffnung unzureichend war, die Zuführung von 460 Gewehren, 34 MG sowie 120 Panzerfäusten vor (Bundesarchiv-Militärarchiv, RH53-13/95). Im näheren Umkreis finden sich in Hof das Ld.Schtz.A.Btl. I/13 in Stärke von 1342 Mann, sowie in Bayreuth das Gren.E.Btl.42 in Stärke von 1310 Mann (dem lt. der Meldung 600 Gewehre, 26 MG sowie 260 Panzerfäuste zugeführt werden sollten).


    Die Reit- und Fahrschule des Wehrkreises XIII (Oberst Schmidt, Adjutant Rittmeister Behncke), -vormals bis 1939 Heeres-Remonteschule Wehrkreis XIII- deren Standort sich ebenfalls in Bamberg befand, war bereits mit allem Personal am 7.4. nach Schloss Burgellern bei Scheßlitz, westlich von Bamberg, umgesiedelt. In der zweiten Hälfte des Krieges, als die Frontformationen einerseits jeden Soldaten brauchten, andererseits aber auch Reit- und Zugpferdematerial vermehrt benötigte, entschloss sich zu Beginn des Jahres 1943 die Abt. Reit- und Fahrwesen (Insp. 3) im OKH Frauen und Mädchen, die im Umgang mit Pferden Erfahrung hatten, als sogenannte Bereiterinnen einzustellen. Dadurch wurden zahlreiche Offiziere und Unteroffiziere, die als Remontereiter beim Stammpersonal der Wehrkreis-Reit- und Fahrschulen eingesetzt gewesen waren, für die Frontverwendung frei. Die Bereiterinnen erhielten die Uniform der Stabs- und Nachrichtenhelferinnen, allerdings mit Stiefeln, lederbesetzter Reithose und Sporen. Auf Schloss Burgellern verblieb das Personal bis zum 11.4., bei herannahen der US Truppen und den Kämpfen bei Hallstadt verlegte man über Bayreuth und Engelmannsreuth bis nach Seiboldsricht bei Grafenwöhr, wo sie am 14.4. nachgewiesen ist. Ihr Weg endete am 4.5. in Tettenhausen am Waginger See (Annegrete Schwenck, Von zu Hause fort und wieder zurück. Norderstedt, 2009).


    Im Raum Hallstadt befand sich nach Albart ein Flak-Regiment sowie eine ungarische Einheit. Genannt wird von ihm eine Ausstattung mit 67 französischen Beutegeschützen verschiedener Kaliber. Eine Quellenangabe hierfür nennt er nicht. Die ungarischen Großverbände waren zu diesem Zeitpunkt zur Verteidigung Ungarns eingesetzt. Es sollten jedoch nach einer Besprechung Ende Oktober 1944 insgesamt 20 ungarische Divisionen neu aufgestellt werden, die Schulung begann im Gebiet des Altreichs. Eine solche Ausbildungseinheit, denn nur solche wurden im Westen im Jahr 1945 eingesetzt, dürfte wohl auch die von Albart angesprochene gewesen sein. Es handelte sich dabei nach amerikanischen Unterlagen um insgesamt 4 Schwadronen (7., 8., 9. und 12. Schwadron) einer ungarischen Husaren Einheit ohne schwere Waffen, nur unzureichend mit MG und Panzerfäusten ausgerüstet. Die deutschen Kräfte gehörten im Groß der 36. Volksgrenadierdivison an, ferner wird ein Pionierbat. 46 genannt, die nach den Befragungen der Kriegsgefangenen von Regensburg aus in Marsch gesetzt worden waren. Ferner wird genannt die 2. Marschkompanie Luftwaffenersatzbat. 12 aus Fürth. Eine wirkungsvolle Verteidigung war mit den geringen Kräften kaum möglich. Es darf festgehalten werden, dass die Führung des LXXXII. Armeekorps keine Kampftruppen in die Stadt schickte und somit wesentlich zur Schonung Bambergs beitrug.


    Im Raum Bamberg gab es zu diesem Zeitpunkt zwei Munitionsfabriken oder –anstalten. Eine davon in Bamberg selbst zur Versorgung der dortigen Garnison, hier war in der Zwischenkriegszeit eine Fertigung der Firma Messerschmitt untergebracht bevor der Umzug nach Augsburg/Haunstetten stattfand. Hier befand sich auch eine Art "Werksflugplatz" von Messerschmitt, der noch im Zweiten Weltkrieg als Notlandefeld ausgewiesen war. Eine weitere Munitionsanstalt befand sich in Breitengüssbach nördlich von Bamberg, die Luftwaffenmunitionsanstalt 1/XIII, zugehörig der Luftzeuggruppe 12 Wiesbaden. Gefertigt wurden dort Infanterie-, Bordwaffen-, Abwurf-, Leucht-u. Signalmunition nach folgender Quelle: BA- MA Freiburg RL 2 III/419- Freiburg. Verfügungsberechtigt in Breitengüssbach war im April 1945 allein das Militär, nach Hitlers Befehl vom 19.03.45 (Nero-Befehl) die Wehrmacht. Da das Lager aber ein Luftwaffenlager war dürfte die nicht erfolgte Sprengung wohl mehr der Kompetenzüberschreitung zuzuschreiben sein.

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Am 11. April standen die US Verbände bei Hallstadt nördlich von Bamberg. Ein Angriff des 3. Bat. des 180. Inf. Rgt. zwang die ungarische Einheit und die Flak zum zurückgehen, auch Hallstadt wurde beschossen. Es wurden insgesamt 16 ungarische Offiziere und 488 ungarische Soldaten nach dem Bericht des Provost Marshal der 45. US Infanteriedivision gefangen genommen. Am Tag vorher waren nur 31 ungarische Soldaten gefangen genommen worden. Auch am 13. und 14. April werden weitere 4 ungarische Offiziere und 124 Soldaten gefangen genommen, so dass die ungarische Einheit doch ziemlich groß war. Auch die westlich davon gelegene Ortschaft Oberhaid wurde am 13.04. gegen 01.00 Uhr morgens beschossen, es brachen Brände aus.


    Am Nachmittag des 13. April griff das 180. Inf.Rgt. (Commanding Officer: Lt. Col. Everett W. Duvall) der 45. US-Inf.Div. von Hallstadt aus die Stadt an, während Teile des 15. Inf.Rgts. der 3. US-Infanteriedivision von Bischberg und Gaustadt her in die Stadt eindrangen.


    Hierzu aus dem Report des 15. Regiments der 3. US-Division: „At 1835, April 13, less than twenty-four hours after the 15th had been committed across the Main River, 2d Battalion had entered Bamberg, a German hospital city containing some 200 enemy medical installations. In two days the regiment had occupied forty-four villages and captured more than 1,000 prisoners, including many German officers. In sheer desperation and with utter disregard for the German patients in the city's hospitals, the Luftwage that night attacked the town, spilling numerous. bombs on the hospitals and in the area occupied by the 2d Battalion, which suffered many casualties and lost a number of vehicles. This apparently was a token raid, mustered as a final kick of a dying enemy.”


    Der kaum ausgerüstete Volkssturm war in Auflösung begriffen; die Kreisleitung unter Kreisleiter Zahneisen hatte sich nach Süden abgesetzt und der Kampfkommandant verließ ebenfalls die Stadt und setzte sich in Zivilkleidung nach Merkendorf zu seiner Familie ab, wo er später gefasst und interniert wurde. Lediglich einige in den Kasernen zurückgebliebene Gruppen leisteten dort und in der Stadt Widerstand. Bamberg wurde mit Artillerie und Panzern beschossen. Nach kurzen Gefechten gelang es dem kommissarischen Oberbürgermeister Dr. Böhm, die Stadt den Amerikanern förmlich zu übergeben. Den letzten Widerstand im Stadtzentrum brachen die Verbände der US Army am Morgen des 14. April. In der Nacht vom 13. auf den 14.4. wird ein einzelner Bombenangriff auf Stellungen des 15. Rgts. dokumentiert (siehe vorheriger Absatz). Es soll sich dabei um einen Jagdbomber der Luftwaffe gehandelt haben. Nach Bildern der US-Division wurde bei den Kämpfen auch ein Panzerkampfwagen V Panther Ausf. D in der Zollnerstraße zerstört, in unmittelbarer Nähe der Panzerkaserne. In dieser war das Panzerregiment 35 der 4. Panzerdivision der Wehrmacht beheimatet, vermutlich handelte es sich um einen Trainingspanzer. Insgesamt sollen sich noch 10 Panzer in der Kaserne befunden haben, die unter Spritmangel litten, auf einem weiteren Bild, dass eine zerstörte Panzerhalle zeigt, ist ein weiterer Panther sowie ein Panzerkampfwagen IV sowie ein Panzerkampfwagen III zu sehen, vermutlich Opfer der vorhergegangenen Bombenangriffe. In Bamberg wurden etwa 1000 Soldaten gefangen genommen.


    Noch während der Kämpfe in der Stadt Bamberg stießen die verbliebenen Teile der beiden eingesetzten Divisionen in breiter Front weiter nach Süden bzw. Südosten vor. Das 157. und das 159. Regiment der 45. US-Division umgingen Bamberg im Norden und erreichten die Wiesent bei Ebermannstadt. Dieser Vorstoß kam für die deutsche Führung überraschend. Der Gefechtsstand des dt. LXXXII. A.K. (Generalleutnant Theordor Tolsdorff – Kommandeur 1.4. bis 15.4.1945, gefolgt von General der Infanterie Walter Lucht), der erst am 13. April 1945 von Geisfeld nach Streitberg verlegt worden war, musste in aller Eile am Nachmittag des 14. April nach Thuisbrunn und am folgenden Tag weiter nach Kirchensittenbach verlegt werden.


    Die Brücken über die Wiesent wurden unzerstört festgestellt, so dass sofort am Südufer ein Brückenkopf errichtet werden konnte. In der Nacht allerdings wurden die Amerikaner durch einen deutschen Gegenstoß wieder auf das Nordufer zurückgedrängt. Ein von Panzern unterstützter erneuter Angriff am nächsten Morgen traf auf keinen Widerstand mehr. Im Laufe des 15. April stieß die Division trotz wieder einsetzender weiterer Gegenwehr weiter nach Süden vor.


    Die 3. US-Division stieß Richtung Forchheim vor. Hierzu aus den Reports: “The force that took Forchheim was led by 1st Lt. Richard W. Rosebury, Jr., and, was composed of Battle Patrols from all three of the Division's regiments, three demolition men from the 10th Engineer Battalion, a radio team from the 3d Signal Company, a forward observation party 'from Division Artillery and one mechanic from the 703d Ordnance Company. All members of the force volunteered for the special assignment. Moving six miles behind enemy lines, this daring group had the mission of securing the railroad and highway bridges across the Pegnitz in the vicinity of Baiersdorf. A motor-driven railroad engine captured by the Division was carried to the narrow-gauge railroad that ran between Bamberg and Hausen and the six-car "train" had to be jacked over several bombedout stretches that were met en route to the marshalling yards of Forchheim, where a house-to-house battle netted the raiders twenty prisoners. After a thorough reconnaissance in this unusual vehicle, the lieutenant and his group returned to Division headquarters with seventy-five PWs and much information for the Intelligence section.
    By April 15 the entire 3d Division was poised on the west side of the Pegnitz ready for a lunge toward Nurnberg. The 30th Infantry made the initial crossing, overrunning many small towns and capturing numerous 88mm guns en route. It also included the crossing of the Ludwigs Canal at points in the vicinity of Baiersdorf, with 3d Battalion under Lt. Col. Christopher W. Chaney leading the attack, followed closely by the 2d Battalion, under Lt. Col. James L. Osgard.


    Nach einem Schwenk der 14. US-Panzerdivision, deren Hauptquartier sich am 07. April in Hammelburg befand, nach Südosten befand sich die Fränkische Schweiz fast zur Gänze im Angriffsbereich dieser Panzerdivision. Der weitere Weg der Einheiten der 14. US-Panzerdivision sowie des Hauptquartiers (Standort am 14.04. Hollfeld, 16.04. Gößweinstein) führte mitten durch die Fränkische Schweiz.


    Am 15.April erreichte die 94. Rec. Squadron (Major George W. England Jr.) der 14. US-Panzerdivision den Raum Gottsfeld/Creußen und hatte damit die Fränkische Schweiz bereits verlassen. Sie stieß dort auf Widerstand der deutschen Kampfgruppe Grafenwöhr, bestehend aus 2 Bataillonen Infanterie und 35 Panzern verschiedener Typen, die aus den Fabriken in Nürnberg und aus Grafenwöhr selbst stammten, welche einen starken Gegenstoß führten, und forderte Verstärkung an. Die Kampfgruppe Grafenwöhr, die nach den Plänen von Süden her von den SS-Divisionen Götz von Berlichingen und Nibelungen unterstützt werden sollte, umging Creußen gegen 10.30 Uhr von beiden Seiten und attackierte mit 15 Panzern die US Einheit, während weitere Panzer nach Westen vorstießen, es drohte eine Einkesselung der 94. Rec. Squadron. Troop E befand sich im Feuerkampf mit der deutschen Einheit und konnte bei eigenen Verlusten eines M7, M8 sowie eines Halftrucks 5 der angreifenden Panzer zerstören. Mehrere US Offiziere, darunter der S-4 der Squadron sowie der Liaison Offizier wurden gefangen genommen, konnten jedoch später entkommen. In Creußen befand sich zu dieser Zeit eine kleine Waffenfabrik, in der ca. 600 tschechische Zwangsarbeiter und französische Leiharbeiter zur Fertigung von Luftabwehrgeschützen und Gewehren für die Wehrmacht eingesetzt worden waren. Diese beteiligten sich mit den zusammengesetzten Waffen aus der Fabrik an der Verteidigung. Es wurden weitere zwei Züge des 25. Tank Bat. sowie Begleitinfanterie in Marsch gesetzt. Der 14. US-Panzerdivision war als Ergänzung eine Kompanie, gebildet aus farbigen US-Soldaten, zugeteilt worden, die jetzt die Begleitinfanterie, das 4. Platoon CCR, bildeten. Farbige in Nachschubeinheiten gehörten zum Alltag, als Kampfeinheiten in „weißen“ Formationen bildeten sie die Ausnahme. Um 11.45 Uhr entwickelte sich bei Gottsfeld ein Panzergefecht, bei dem 2 der US Panzer sowie Schützenpanzer und Lkw zerstört wurden, im Verlauf der weiteren Kämpfe wurden 12 dt. Panzer und 2 Schützenpanzer außer Gefecht gesetzt. Der G-2 Report der 14. US-Panzerdivision führt dazu aus: “...estimated at Bn strength supported by 15 tks were reported attacking our units from all sides in CREUSSEN (7945).... PWs were taken from elms of a BG of the 2nd Pz Div; elms of the 256 VGD; 2nd Hvy and 14th Hvy Nebelwerfer Rgts; Misc. Repl and Trng Units.” Gegen 15 Uhr war Gottsfeld besetzt, der Angriff Richtung Creußen wurde fortgesetzt. Dabei kam es zu einem erneuten Panzerkampf, bei dem 5 deutsche Panzer IV abgeschossen wurden. Gegen 17 Uhr war Creußen erreicht, die Positionen konnten trotz weiterer Kampfhandlungen in der Nacht bis zum 16.4. gesichert werden. Hierzu noch aus einem weiteren Report der 14. US-Panzerdivision: „CCR attacked at 0630B to SE to cut NURNBERG-BAYREUTH Autobahn in Z. At 1050B 94th Cav Rcn Sq (Mecz) (-) reported it was being attacked by estimated 15 Tks and Bn Inf Vic CREUSSEN (0-7945). CO CCR sent B-25 Tk Bn to reinforce the Sq. The attack was beaten off by 1600B. 12 Ey Tks and 2 SP's were knocked out. “ Nach diesen beiden Tagen hatte die Kampfgruppe Grafenwöhr aufgehört zu bestehen. Die Unterstützung durch die beiden SS-Divisionen, wie eigentlich geplant, erfolgte nicht. Die Zeitschrift Army History Ausgabe Winter 2007 berichtet mit Skizzen über dieses Ereignis.


    Am 16. April 1945 besetzen, nachdem am Tag zuvor die letzten SS-Soldaten, die der dortigen Ausbildungsstätte angehörten, aus Pottenstein abgezogen waren, amerikanische Panzer der 14. US-Panzerdivision Pottenstein. Damit war ein Großteil der Fränkischen Schweiz von der US Armee besetzt.


    Die 45. US-Inf.Div. war auf ihrem gesamten Weg vom Main zur Pegnitz auf keinen ernsthaften Widerstand gestoßen. Sie war den abgekämpften Divisionen des LXXXII A.K., welches im Bereich Bamberg operierte und bis zum 15.04. von General Walther Hahm kommandiert wurde, gefolgt, die aus der 36. VGD (Gen.Maj.Helmut Kleikamp) und der 416. Inf.Div (Gen.Lt. Kurt Pflieger) bestanden – die 256. VGD (Gen.Maj. Gerhard Franz) war bereits vor dem 10.04. in den Haßbergen untergegangen. In der offiziellen Meldung der Heeresgruppe G ist dem Armeekorps noch die 21. Flak-Division zugeordnet. So konnte das Armeekorps weder Lauf verteidigen noch an der Pegnitz eine neue Widerstandslinie errichten, sondern mußte weiter nach Süden ausweichen, zumal der Vorstoß der 14. US-Pz.Div. mit einem Angriff in die linke ungeschützte Flanke oder sogar mit einer Umfassung drohte.


    Nordöstlich davon erreichte am 13.4.45 die 11. US-Panzerdivision in Verbund mit der 71. US-Infanteriedivision Kulmbach. Angriffsspitze bildete das 55th Armored Infantry Bat. der 11. Panzerdivision, der Einmarsch erfolgte nach den AA-Reports um 11.47 Uhr. Kampfkommandant von Kulmbach war Oberstleutnant Kurt Myrus, diesen zur Seite standen lt. dem Buch von Zeitler „Neubeginn in Oberfranken“ als Führer des Volkssturms Oberst d. R. Konrad Hofmann sowie SS-Offiziere aus Bayreuth sowie der Kreisleiter, SS-Oberführer Fritz Schuberth. Neben Volkssturm und HJ-Einheiten standen nur Wehrkreisbedienstete, Organisation Todt und Genesende zur Verfügung, die Gesamtzahl betrug etwa 1000 Mann. Im Verlauf des Einmarsches kam es zu Schusswechseln mit auf der Plassenburg befindlichen dt. Soldaten. Um 18. Uhr war die Säuberung Kulmbachs lt. Reports durchgeführt, der letzte Widerstand gebrochen. Während sich das CCB des 22nd Tank Bat. sowie die Kompanie A der 41st Cav. Rec. Squadron imVerbund mit dem CCA des 705th Tank Destroyer Bat. Richtung Untersteinach – Stadtsteinach – Himmelkron vorkämpften wurde vom Rest der Vormarsch Richtung Bayreuth weitergeführt, wobei die Spitzen gegen 18.00 Uhr Neudrossenfeld erreichten. Der Vormarsch erfolgte hier etwa entlang der jetzigen Bundesstraße 85. Zu dieser Zeit standen die Panzerspitzen der aus dem Raum Bamberg vorgehenden Einheiten im Bereich Behringersmühle in der Fränkischen Schweiz.


    Dienstag, den 17. April 1945 – das OKW gibt bekannt: ... Die auf breiter Front zwischen
    Bayreuth und Heilbronn angreifende 7. amerik. Armee konnte auf ihrem linken Flügel aus
    der Fränkischen Schweiz bis in den Raum von Lauf und Erlangen vorstoßen. In den übrigen
    Abschnitten kamen die feindlichen Divisionen durch ihre Standfestigkeit und die fortgesetzten
    Gegenstöße unserer Grenadiere nur wenig über ihre Ausgangsstellen hinaus. ...


    Stichpunktartie Lagebeschreibung aus dem Kriegstagebuch des OKW:
    14.4.45 - ... H Gr G ... Verschärfung an der Südfront. Der Gegner steht jetzt 12 km vor
    Bayreuth. Über den Einsatz der 189. Inf-Div und der 17. SS-Div liegen noch keine Meldungen vor, ebenso über die Lage im Raum Schweinfurt, wo die 1. (US-)Armee bis nach Heilbronn vorkam.
    15.4.45 - ... H Gr G: Südlich von Leipzig hat sich die Lage verschärft. ... Von Hof aus
    Vorstöße auf Hirschberg. Bayreuth ging verloren. Südlich Bamberg drang der Feind weiter
    vor bis Heilbronn. ...
    16.4.45 - ... H Gr G: Feindl. Vorstöße auf Nürnberg. ...


    Der gesamte Einmarsch im beschriebenen Kampfraum erfolgte innerhalb weniger Tage, am 10.4. wurde Coburg eingenommen, am 11.4. Neustadt, am 12.4. Kronach, am 13.4. Bamberg, Lichtenfels, Stadtsteinach und Kulmbach, am 14.4. Bayreuth und Forchheim, am 15.4. Hof, am 16.4. Pottenstein, am 19.4 Rehau und Wunsiedel, am 20.4. Marktredwitz und am 25.4. Hohenberg a. d. Eger. Die Einnahme von Hof im Vergleich zu Forchheim erklärt sich aus dem später erfolgten Schwenk der 3. US Armee, es ergab sich somit ein Vormarsch in südöstlicher Richtung, die Einheiten am rechten Rand des Vormarschgebietes standen teilweise fast 80 km südlicher als die links vorgehenden Einheiten.


    Hierzu aus dem US Bericht zum Kriegsende: “….Under a buzzing canopy of aircraft of the XII Tactical Air Command, the 3d and 45th Divisions in two days spanned the thirty miles from Bamberg to the outskirts of Nuremberg and began an assault on the city on 16 April. The 3d Division moved in from the north, the 45th from east and southeast. The 106th Cavalry Group at the same time swept around the city to block exits to the south, while the 42d Division of the neighboring XXI Corps advanced on the western suburb of Fuerth. The Germans wasted their few available tanks on the 14th Armored Division northeast of Nuremberg. In a counterattack on the 15th, Gruppe Grafenwoehr struck the 94th Cavalry Reconnaissance Squadron, but reinforcements rushed from the reserve combat command helped bring the strike to a standstill. Within two days Gruppe Grafenwoehr had ceased to exit…..“


    Aber zurück. Eine Anweisung Hitlers für die Juralinie ist nicht belegt, sie findet sich weder in Hitlers Weisungen für die Kriegsführung, nicht im Kriegstagebuch des OK der Wehrmacht noch in den Geheimen Tagesberichten der dt. Wehrmachtsführung. Das Militärgeschichtliche Forschungsamt Potsdam bezeichnet die Juralinie als rein fiktiv. Auch in den Memoiren von Generalfeldmarschall Kesselring, OB West zu diesem Zeitpunkt, findet sich eine Juraverteidigungslinie nicht.


    Dr. Martin führt in dem 1950 gegen ihn geführten Spruchkammerverfahren aus dass als Ergebnis seiner Intervention Bamberg kampflos übergeben worden ist. Dass dies nicht zutrifft beweisen die Ereignisse vom 13. und 14. April 1945.


    Eine Gedächtnisnotiz des damaligen Forchheimer Stadtpfarrers und späteren Prälaten Anton Sextl (1882 bis 1948), datiert „Im Spätsommer 1945“, besagt dass in der Nacht vom 2. auf 3. April 1945, im Pfarrhaus geklingelt wurde, vor der Tür stand der ihm bekannte Dr. Martin. Dieser äußerte ihm gegenüber im Gespräch dass er, Martin, von einem Gespräch mit Landgraf in Hollfeld käme. Ferner schreibt Sextl dass Dr. Martin dem Bischof zugesagt habe, dass keine Verteidigung von Bamberg sowie dem oberen Regnitztal geplant sei, die zur Verteidigung vorgesehenen SS-Einheiten, Sextl gibt zwei deutsche Kampfgruppen und ein lettisches SS-Bataillon an, habe er bereits zurückbeordert. Auch Sextl spricht von einem Befehl Hitlers, der nicht nachweisbar ist.


    Es gab jedoch zu diesem Zeitpunkt im Raum Bamberg gar keine geschlossenen SS-Verbände. Dem LXXXII. AK waren keine SS-Einheiten unterstellt, die lettischen SS-Verbände - die 19. Waffen-Grenadier-Division der SS (Lettische Nr. 2) wurde im Mai 1945 im Baltikum vernichtet, die 15. SS-Division (Lettische Nr. 1) ging im Mai 1945 in russische Gefangenschaft - befanden sich nie in der Bamberger Gegend, eine Verlegung war nicht geplant. Infrage gekommen wäre dafür nur das XIII. SS-Armeekorps, dieses befand sich unter SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Waffen-SS Max Simon im westlichen Mittelfranken und zog sich Richtung Nürnberg zurück. Am 14.04. z. b. war der Gefechtsstand in Lichtenau zwischen Ansbach und Nürnberg. Nachgewiesen sind im Raum Bamberg das SS-Panzergrenadier-Bat. 506, Teil der 6. SS-Division, in Stärke von ca. 2 Kompanien, die bei der Unterstellung aber nicht auftauchen. Diese Reste bildeten in der Nacht 13.04/14.04. im Raum Bamberg eine Abwehrstellung mit Front nach Norden und Nordwesten und zogen sich am 14.04. weiter in Richtung Süden zurück.


    Nach der offiziellen Unterstellungsliste (das XIII. SS-Armeekorps war der 1. Armee unterstellt) waren am 12 April 1945 dem XIII. SS-Armeekorps folgende Einheiten unterstellt:


    Panzer-Brigade von Hobe
    Division “Bayern”
    79. Volks-Grenadier-Division
    212. Volks-Grenadier-Division
    Stab 9. Volks-Grenadier-Division
    Infanterie-Division “Alpen”
    Divisionsstab z.b.V. 616


    Dabei führt die Unterstellungsliste Einheiten auf, die einzeln nicht existierten. Oberstleutnant (ab 01.05.1945 Oberst) Cord von Hobe war Führer der Division “Bayern“, zugleich Führer der Panzer-Brigade von Hobe.


    Der Aufstellungsbefehl für die Ausbildungs-Division “Bayern“ ist datiert mit 24. März 1945. Hierbei wurden Rekruten aus der Division Nr. 407 und der Division Nr. 467 eingezogen. Die Ausbildungs-Division “Bayern“ bestand aus 2 Grenadier-Regimentern:
    1.) dem Grenadier-Regiment Nr. 407 (“Erhard“) mit 2 Bataillonen, 1 Werfer-Abteilung und 1 Artillerie-Abteilung.
    2.) dem Grenadier-Regiment Nr. 467 (“List“) mit 3 Bataillonen und 1 Artillerie-Batterie.
    Gemeinsam mit dem Regiment “Bayreuth“ (aus Wehrkreis XIII) wurde die Ausbildungs-Division “Bayern“ in die 212. Volks-Grenadier-Division (Kdr. Gen.Maj. Max Ulich) eingegliedert. Somit sind bereits zwei der aufgeführten Einheiten in Wahrheit eine einzige.


    Bei der Division „Alpen“ hatte der Wehrkreis VII den Divisionstab, ein Jäger-Regiment,
    eine Gebirgspionier-Kompanie und eine Gebirgsartillerie-Abteilung zu stellen.
    Den Rest stellte der Wehrkreis XVIII. Die Division „Alpen“ wurde in der Folge auf die 2. Gebirgsjäger-Division und die 212. Volks-Grenadier-Division aufgeteilt, womit aus genannten 3 Einheiten schon nur noch eine wird.


    Laut einem handschriftlichen Vermerk in einer Aufstellung der Ersatztruppenteile in den Wehrkreisen Stand Ende März 1945 wurden aus dem Wehrkreis XIII zunächst folgende Truppenteile für die Aufstellung der „Pz.Kgr. v. Massenbach“, später umbenannt in Pz.Brig. v. Hobe (in der Literatur auch als Panzerbrigade Bamberg oder Panzerkampfgruppe XIII bezeichnet) verwendet:
    Pz.Ausb.Vbd. Franken mit:
    Pz.Ers.Abt. 35 aus Bamberg
    Pz.Gren.Ers.Btl. 12 aus Coburg
    Pz.Gren.Ers.Btl. 20 aus Regensburg
    Pz.Gren.Pi.Ausb.Kp. 12 aus Coburg
    Pz.Gren.Nachr.Ausb.Kp. 12 aus Coburg
    Ob.Schule f. Pz.Schtz. aus Erlangen
    Pz.Jagd-Schule aus Königsbrück
    Scharfschtz.Ausb.Kp. 13 aus Grafenwöhr
    Scharfschtz.Ausb.Kp. 113 aus Grafenwöhr


    Laut OBdE/AHA/Stab II Nr. 2568/45 g.Kdos. v. 24.3.1945 (Betr.: Aktion Leuthen) wurden in Abänderung der ursprünglichen Befehle dem Pz.Ausb.Verb. Franken an Stelle der Pz.Gren.Ers.Btl. 12 und 20 und der Pz.Ers.Abt. 35 des Wehrkreises XIII die Pz.Gren.Ausb.Btl. 119 und 215 und die Pz.Ausb.Abt. 7 des Wehrkreises V zugeteilt.


    Im 1946 verfassten Bericht von Cord v. Hobe führt dieser zur Kampfgruppe aus:


    Ursprüngliche Zusammensetzung, bestehend aus:
    Rgt. Oberstlt. Holzhauser mit Btl. Moritz und Dietrich (Fahnenjunkerschule der Panzergrenadiere Bamberg) und Pz.Jg.Abt. Zaage (ca. 6 Pz./Pz.Jg. Typ nicht bekannt)
    Scharfschützenlehrgang Hptm. Kämmerle
    1 Bataillon ca. 200 Mann Pz. und Pz.Jg. Besatzungen
    Pz.Lehr-Abt. der Pz.Lehrgänge Erlangen (Hptm. Krone) mit etwa 8 Panthern


    Weitere Truppenteile laut Bericht v. Hobe:


    ab 7.4.1945 traten dazu:
    ein Zug SS-Nachr.Männer, zwei Bataillone aus Fürth sowie eine Art.Abt. (ohne Geschütze) unter Hptm. v. Ahlemann


    ab 8.4.1945 dazu:
    Pz.Abt. Major Vierzig, hierbei handelt es sich wohl um II./Pz.Rgt. 22 mit 22 Panthern


    ab 9.4.1945 dazu:
    Korps-Sperr-Abt. Hptm. Möckel, Nachr.Ers.Abt. Schwabach (Major v. Saldern), HJ-Pz.Zerst.Btl. 'Franken' sowie eine 2cm Flak-Batterie aus Würzburg


    ab 15.4.1945 abends dazu:
    Rgt. Major Baron von der Brüggen mit zwei schwache Btl. Pz. und Pz.Jg. Besatzungen aus W.K. XIII, dazu trat am selben oder in den folgenden Tagen die Besatzung des Fliegerhorstes Herzogenaurach unter Major Graf Platau


    Nach einer Stärkemeldung besaß die Brigade am 10.4.1945 16 Panther, 1 StuG III, 7 Jagdpz. 38 und 4 s.Pak.


    Hierzu der Kampfverlauf: Mittags am 12.04. erreichen amerikanische Panzer aus Nordosten von Scheinfeld kommend den Ostrand von Markt Bibart. Bei einem weiteren Vorstoß nach Südwesten würde die an den Westausläufern des Steigerwaldes zwischen dem Schwanberg und dem Scheinberg noch haltende Masse der Pz.Kampfgruppe abgeschnitten. Daher befiehlt das XIII. SS-A.K. den Rückzug auf den Aisch-Abschnitt beiderseits Neustadt an der Aisch bis (Bad) Windsheim. Der Gefechtsstand der Pz.Kampfgr. XIII wird am Abend des 12.4.1945 nach Unternesselbach verlegt.


    13.04.45: Für die Besetzung des 18 km Aisch-Abschnittes stehen zunächst nur die stark angeschlagene Pz.Abt. Vierzig, ein Btl. Infanterie und Teile der Pz.Jg.Abt. Zaage (4 Panzer) zur Verfügung. Die Masse der Pz.Kampfgruppe XIII kann sich nur schwer vom Feind lösen und muss sich durch z. T. schon feindbesetztes Gebiet in der Nacht 13./14.4. zur Aischstellung durchschlagen. Neuer Gefechtsstand der Pz.Kampfgr. ist Linden westl. von Markt Erlbach. Die Pz.Abt. Vierzig wird in Rimbach (ca. 6 km südl. Neustadt) bereitgestellt.


    Da sich die Kampfgruppe von Hobe von Kitzingen aus über Neustadt a. d. Aisch bis Fürth zurückzog uns somit südwestlich Bambergs blieb hat sie mit dem Kampfraum Fränkische Schweiz nichts zu tun. Sie mag aber als Beispiel für die Zusammensetzung der deutschen Kräfte in diesem Zeitraum dienen.


    Zwar befanden sich im Raum Hilpoltstein die Reste der 25. Waffen-Grenadier Division der SS „Hunyadi“ (ungarische Nr. 1), die im Februar 1945 fast vollständig an der Ostfront vernichtet worden war und nur noch rund 1000 Soldaten zählte, eingesetzt oder in die Kämpfe verwickelt war sie jedoch nicht. Am 25.3. wurde aus den 25. Und 26. Waffen-Grenadier-Divisionen der SS (ungarische Nr. 1 und Nr. 2) das XVII. Armeekorps der SS gebildet, verfügbar waren die Einheiten nur noch auf dem Papier. Am 11.4. wurde bei herannahen der US Streitkräfte die 25. Richtung Nürnberg in Marsch gesetzt, Hungaria löste sich am 13.4. auf und wurde von Hunyadi vereinnahmt. Eigentlich sollte die Division bei der Verteidigung Nürnbergs mit eingesetzt werden, da sie aber nur auf ungarischen Boden eingesetzt werden sollten wurden die Reste weiter nach Süden in Marsch gesetzt, wo sie sich am 5. Mai in der Nähe des Attersees in Österreich der US Armee ergaben.


    Auch darf bezweifelt werden dass Dr. Martin überhaupt die Macht gehabt hätte selbständig Einheiten zu verlegen bzw. deren Verlegung anzuordnen, der er mit der Führungsstruktur des SS-Armeekorps nichts zu tun hatte.


    Die auf Landgraf beruhende Aussage, Dr. Martin habe zugesichert sich bei dem zuständigen SS-Oberstgruppenführer energisch für einen Verzicht der Verteidigung Bambergs sowie der Juralinie einzusetzen, sowie die angeblich vom 11.4. stammende Mitteilung Dr. Martins an ihn, dass Bamberg und die Juralinie nicht verteidigt werden würden, darf ebenfalls in den Bereich der Fiktion verschoben werden. Albart berichtet hierzu ähnlich. Zu diesem Zeitpunkt gab es in Süddeutschland nur einen einzigen SS-Oberstgruppenführer, nämlich Paul Hauser. Dieser wurde jedoch von Hitler bereits am 2.4. vom Oberbefehl der Heeresgruppe G abgelöst und am 4.4. durch General Friedrich Schulz ersetzt, eine Kontaktaufnahme hätte erst nach dem 2.4. erfolgen können, und da war Hauser bereits abgesetzt. Am 11.4. war Hauser definitiv ohne Einfluss.


    Noch ein Exkurs zu weiteren Einrichtung in der Fränkischen Schweiz, dem SS-Ahnenerbe in Waischenfeld sowie der Burg Feuerstein bei Ebermannstadt, dazu auszugsweise die Geschichte einer speziellen Alliierten Einheit die sich bei Kriegsende in Deutschland aufhielt und deren Ergebnisse teilweise heute noch als Geheim eingestuft sind.


    Laut dem Buch von Thomas Greif „SS-Standort Waischenfeld“ war neben Pottenstein Waischenfeld der zweite bedeutsame Schauplatz des Dritten Reiches in der Fränkischen Schweiz. Hier war zunächst ab 1934 im "Alten Rentamt" ein "Hilfswerklager" mit österreichischen SS-Freiwilligen untergebracht. Nach der Auflösung des Lagers arbeitete ab dem Sommer 1943 bis zum Einmarsch der amerikanischen Streitkräfte die Reichgeschäftsstelle der SS-Organisation "Forschungsgemeinschaft Deutsches Ahnenerbe" unter Reichsgeschäftsführer Wolfram Sievers im Ort. Die Forschungs- und Lehrgemeinschaft "Das Ahnenerbe" wurde am 1. Juli 1935 als privater Verein insbesondere auf Anregung Himmlers und Herman Wirths errichtet. Ihre institutionellen Grundlagen waren Herman Wirths "Gesellschaft für Geistesurgeschichte" und dessen Sammlung für "Volksbrauchtum und Urglauben". Das "Deutsche Ahnenerbe, Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte" sollte den "wissenschaftlichen" Beweis für die Überlegenheit des deutschen "Ariers" durch Forschungen - insbesondere zur germanischen Vorgeschichte - erbringen. Zu Beginn seiner Tätigkeit war der Verein auch als "weltanschaulich-wissenschaftliches Schulungsorgan für die SS" gedacht. Zeit seines Bestehens war das "Ahnenerbe" wissenschaftliches Zentrum der NS-Ideologie und nicht - trotz wiederholter Beteuerungen seiner Führer und Abteilungsleiter sowie Himmlers - an den Grundsätzen bewährter sachlicher Wissenschaftlichkeit orientiert. Die Bombardierung Hamburgs am 29.07.1943 veranlasste Himmler die Evakuierung des Ahnenerbe Hauptquartiers in Berlin vorzunehmen. Die umfangreiche Bibliothek wurde in ein Schloss in Ulm umgelagert, während das Personal nach Waischenfeld umzog. Bis zum Kriegsende im Mai 1945 umfasste das "Ahnenerbe" bis zu 45 "Forschungsstätten" darunter auch die Forschungsstätte für Karst- und Höhlenkunde (Reichsverband der Höhlenforscher), was den Umzug in die Fränkische Schweiz, wo bereits Hans Brand tätig war, erklären könnte. Ahnenerbe und die Aufstellung der SS-Division Karstjäger erfolgten Hand in Hand. Dieses ausgelagerte SS-Personal hatte sich bereits am 13.04. Richtung Pottenstein abgesetzt. Im Waischenfelder Kurier wird hier ein SS-Obersturmbannführer Sassenroth genannt, dieser war ein Verwaltungsfachmann des Amtes A des Ahnenerbes.

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Am 13.04. erfolgte der Befehl, die Panzersperren rund um Waischenfeld zu schließen, am Vormittag des 14. April 1945 marschierten Einheiten der 14. US-Panzerdivision in Waischenfeld, aus Nankendorf kommend, ein. Michael Arneth, ein Einwohner von Waischenfeld, war ihnen mit einer weißen Fahne entgegenggangen und hatte die Stadt übergeben. In der Stadt befand sich noch motorisierte Gendarmerie aus Würzburg, die aber offensichtlich keinen Widerstand leistete, deren Fahrzeuge wurden von der US Truppe zerstört. Kurz danach wurde nach ein Großteil der Korrespondenz des „Ahnenerbes“, eingemauert in einer Pottensteiner Höhle, durch die US Armee aufgefunden und sichergestellt. Sievers selbst wurde zwei Wochen später in der Nähe festgenommen und in den Nürnberger Prozessen gegen die Ärzteschaft zum Tode verurteilt.


    Bei der angesprochenen alliierten Einheit handelt es sich um die "TICOM", das "Target Intelligence Committee", einer Organisation, bestehend aus Briten und Amerikanern, gegründet mit dem Ziel, die deutschen nachrichtendienstlichen Anstrengungen zur Informationsgewinnung im drahtgebunden und drahtlosen Sektor der Nachrichtenverbindungen zu untersuchen. Weitere solche Untersuchungen zu verschiedenen Themen wurden nach dem Krieg in den CIOS und BIOS Reports sowie in den Unterlüss-Reports niedergeschrieben.


    Im März 1945 wurden wurden sechs US-British TICOM-Teams aufgestellt und folgenden Zielen zugeteilt:


    Team 1 Gebiet Berchtesgaden mit dem Auftrag Kommunikationseinrichtungen der verschiedenen Waffengattungen zu suchen, speziell die Suche nach Spuren des OKW. Aufsuchen des früheren, zeitweiligen Hauptquartiers von Görings Forschungsamt und Gefangennahme einer Hand voll Mitarbeitern sowie Sicherstellung des Funk-Geheimschreiber Zuges (LKW) Feldmarschall Kesselrings. [2]


    Team 2 Gebiet Berchtesgaden zur besonderen Verwendung, speziell Gebiet Insbruck, mit dem Auftrag Kommunikationseinrichtungen der verschiedenen Waffengattungen zu suchen.


    Team 3 Gebiet Halle-Leipzig-Weimar, speziell Burgscheidungen und Zschepplin, Chiffrier/De-Chiffrierspezialisten des Auswärtigen Amtes zu finden.


    Team 4 Gebiet Ebermannstadt (Burg Feuerstein), Laboratorium Dr. Oskar Vierling.


    Team 5 Nur zwei Offiziere, die die Tauchoperationen im Schliersee beaufsichtigten.


    Team 6 Gebiet Neumuenster-Ploen-Flensburg, Kommunikationseinrichtungen OKM (OKM/4 SKL/III).


    Mittlerweile sind hierzu folgende Quellen bekannt:


    [1] "EUROPEAN AXIS SIGNAL INTELLIGENCE IN WORLD WAR II AS REVEALED BY "TICOM" INVESTIGATIONS AND BY OTHER PRISONER OF WAR INTERROGATIONS AND CAPTURED MATERIAL; PRINCIPALLY GERMAN" vom 1. Mai 1946, Top Secret, Identifier "Cream", deklassifiziert und freigegeben am 06.01.2009 durch die NSA
    [2] Oral History Interview mit Arthur J. LEVENSON vom 25.11.1980, "M" Conference Room, NSA, Fort Meade, Klassifizierung Secret Comint Channels, deklassifiziert und freigegeben durch die NSA am 17.09.2008, FOIA Case # 43369
    [3] Oral History Interview mit Oliver R. Kirby vom 11.06.1993, Center for Cryptologic History, Conference Room in FANX III, Top Secret, Identifier "Umbra", deklassifiziert und freigegeben durch die NSA am 17.09.2008, FOIA Case # 43369


    Befassen wir uns mit dem TICOM Team 4 - Laboratorium Feuerstein - Dr. Oskar Vierling.
    Das Laboratorium Feuerstein des Dr. Oskar Vierling war wohl das am intensivsten untersuchte Ziel eines TICOM-Teams. Alle Angaben hierzu entstammen der Quelle [1].


    Das Laboratorium lag auf einem kleinen Berg in der Nähe von Ebermannstadt und wurde 1941 von Dr. Oskar Vierling als Labor zur Forschung in der Hochfrequenztechnik und Elektroakustik erbaut, die Burg Feuerstein genannte Anlage war nie eine Burg, sie wurde nur in dieser Tarnform errichtet. Als sein vorhergehendes Laboratorium ausgebombt war, erwarb Vierling das Gelände auf dem Feuerstein und begann mit dem Bau des Laboratoriums. Hierzu auszugsweise ein Bericht:


    Amtsblatt Ebermannstadt vom 01.12.2008


    Gesammelte Augenzeugenberichte und schriftliche
    Aufzeichnungen
    Bericht 23: Aufzeichnung von Dr. Manfred Franze über das
    Gespräch mit Herrn Adolf Riechelmann (geb. 1922), am
    29. August 1995
    …In der ersten Planung war als Standort für das Laboratorium die Ruine Neideck vorgesehen. Da aber der Zugang zu diesem Gelände durch keine Straße erschlossen war, hat Prof. Oskar
    Vierling auf Anraten die Hochfläche auf dem Feuerstein gewählt. Der Bau wurde 1941 begonnen und innerhalb eines Jahres fertiggestellt. Im Mittelpunkt der Forschungen Vierlings standen folgende Projekte: Verwendung des Magnetismus zur Steuerung von Torpedos, Bau von Geräten zur Sprachmodulation und Versuche zum quarzgesteuerten Sendebetrieb. Dafür war am Lindersberg ein 1000-Watt-Sender installiert worden. Das Laboratorium Feuerstein stand
    in direkten Kontakt mit den Forschungsstellen in Peenemünde (Raketenwaffen) und Gotenhafen (Torpedos). Auf dem Feuerstein wurde u.a. auch eine Rechenmaschine für die Marine zur schnellen Ermittlung von Schussweiten und -bahnen entwickelt. Zusätzlich wurde die Fertigung der sog. „Nachtfee” übernommen, das war ein Leitgerät für die Luftwaffe zum Einsatz während der Dunkelheit. Etwa im März 1944 wurde auf Antrag Vierlings vom Heeresamt ein Kriegslazarett eingerichtet. Das machte es möglich, auf dem Dach zwei mehrere Meter große Rote Kreuze anzubringen. Ca. drei Wochen vor Kriegsende sollte auf höhere Anordnung
    hin das gesamte Laboratorium nach Lofer in Tirol verlagert werden. Prof. Vierling konnte nicht verhindern, dass zwei Lastzüge mit Geräten abtransportiert wurden. Über den Verbleib dieser Geräte ist nichts bekannt. Gleichzeitig hat Prof. Vierling veranlasst, wichtige Pläne und Konstruktionszeichnungen in Sicherheit zu bringen. Parallel dazu wurde der fensterlose Kellerraum unter dem Turm für die Lagerung wichtiger Messs- und Arbeitsgeräte präpariert. Die Geräte wurden hinter einer Mauer aus Backsteinen versteckt. Der Raum selbst war dabei so angelegt, dass nach Öffnen des gepanzerten Zugangs nur diese Backsteinmauer sichtbar wurde. Sollte das Mauerwerk aufgebrochen werden, stieß man zunächst auf eine Zwischenfüllung mit Erde, sodass man meinen konnte, das sei bereits der gewachsene Boden außerhalb des Fundaments für den Turm. Die Personalakten aller 250 Beschäftigten wurden verbrannt. Nach der Einnahme durch die US Armee wurde das geheime Lager unter Aufsicht der Amerikaner freigelegt (etwa Juli/August 1945). An den amerikanischen Besatzungsoffizier Stephen J. Keglovitz hat er ausschließlich positive Erinnerungen…


    Soweit die Augenzeugenerinnerung. Zum Zeitpunkt als das Laboratorium durch das TICOM Team #4 aufgesucht wurde, war es noch als Lazarett in Nutzung . Das Laboratorium bestand aus dem Haupthaus, zwei kleineren Speziallaboratorien, Dr. Vierling`s Haus und einigen Lagerräumen. Diese Räumlichkeiten wurden detailliert beschrieben und photographiert. Nachdem das Lazarett evakuiert worden war, wurde zur Untersuchung der Projekte des Laboratoriums Feuerstein das TICOM-Team durch Spezialisten der verschiedensten Fachrichtungen verstärkt, welche Ende Juli 1945 ihre Tätigkeit auf Burg Feuerstein aufnahmen.
    Dr. Vierling, der zusammen mit weiteren Mitarbeitern festgenommen wurde und Kooperationsbereitschaft erkennen ließ, begann damit ausgewählten Projekte wieder neu aufzulegen, fehlende Zeichnungen und Diagramme nachzuzeichnen und Beschreibungen zu erstellen.


    Bis zum 16.08.45 wurde folgendes wieder hergestellt bzw. dokumentiert:


    a) Filter-Entwurf
    Da viel von der Arbeit im Laboratorium Feuerstein von den Erfolgen im Entwurf und der Herstellung präziser Filter abhing, war Dr. Glubrecht, ein Spezialist auf diesem Gebiet beauftragt, derartige Filter zu entwerfen.


    b) Hochgeschwindigkeits Sender für Agenten
    Das Projekt bestand aus vier Teilprojekten:
    - Ein automatischer Hochgeschwindigkeits-Signalgenerator
    - Ein leichter Sender (Arbeis- bzw. Deckname „Taube“)
    - Träger-Regeneration im Empfänger (Arbeits- bzw. Deckname „Spitz“)
    - Ein Einseitenband Demodulator (Arbeits- bzw. Deckname „Käthe“)


    Das Gerät funktionierte wie folgt:
    Wenn am Signalgenerator ein Buchstabe ausgewählt wurde erzeugte dieser ein spezifisches Signal, welches aufgezeichnet wurde. Nachdem man in dieser Weise eine Nachricht erstellt hatte, durchlief der Draht bzw. das Band den Lesekopf des Senders mit hoher Geschwindigkeit, sodass die Übertragungszeit kurz gehalten und eine Erfassung des Signals erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht werden konnte. „Spitz“ und „Käthe“ dienten dann der Demodulation des SSB-Signals auf der Empfängerseite. Die Demodulation des zweiten Seitenbandes war möglich.


    Ein Detail fiel den TICOM-Spezialisten besonders auf: Im Gegensatz zur britischen und amerikanischen Praxis waren die Filterkomponenten für Träger und Seitenband für den Bereich von 15 KHz, und nicht für 100 KHz ausgelegt.


    c) Sprachverwürfelung


    - Ein Sprach-Konverter, bestehend aus einer Sprachanalyse-Schaltung, welche die Frequenzen auswertete und daraus ein „geglättetes“, nur spannungsmäßig schwach variierendes Signal formte. Auf der Empfängerseite generierte ein Synthesizer dann per Klangsynthese aus diesem Signal wieder künstliche Töne, die dem Original des Sprechenden nahe kamen.



    d) Quarzgesteuerter Gleichlauf von Verschlüsselungs-Fernschreibern
    Dieses Projekt erregte wohl die größte Aufmerksamkeit bei den TICOM-Ingenieuren. Den ersten Schritt in dieser Entwicklung repräsentierte ein quarzgesteuerter Signalgenerator. Mit diesem konnte die Synchronisierungszeit zweier Stationen auf ein Minimum reduziert werden, sodass, einmal synchronisiert, die Maschinen 24 Stunden durchlaufen konnten. So war es möglich, dass die Maschinen ununterbrochen verschlüsselte Signale sendeten (und empfingen), auch wenn diese keine Nachrichten verarbeiteten. Im Zuge der Entwicklung der Synchronisation zwischen den in Frage kommenden Maschinen „SZ 42“ sollten auch Verbesserungen an den Maschinen selbst vorgenommen werden, sodass im Laboratorium Feuerstein auch Informationen über beabsichtigte Änderungen an den Lorenz „SZ“ Maschinen eingeholt werden konnten. Dr. Vierling hatte zudem die Vision, dieses Prinzip auch in seinen Sprachverschlüsselungsmaschinen zu verwenden. Die Informationen zu diesem Komplex konnten fast vollständig erfasst werden.


    e) Fernschreiber Verschlüsselungszusätze
    Im Rahmen des Gleichlaufprojektes wurden mehrere Lorenz Maschinen „SZ 38“ und „SZ 42“ in das Laboratorium Feuerstein zu Studienzwecken verbracht. Dr. Vierling sollte diese für seine Synchronisationseinrichtung adaptieren und den Verschlüsselungs-Mechanismus verbessern. Zu diesem Zweck wurden ihm auch alle Ideen der Lorenz-Ingenieure übermittelt. Im Ergebnis der Untersuchung wurden alle Informationen zu den angedachten Änderungen an den Lorenz-Maschinen sichergestellt.


    Ferner erforschte das TICOM-Team Forschungen von sekundärer Wichtigkeit:


    - Akustisch gesteuerter Torpedo. Ingenieure aus dem Laboratorium Feuerstein waren in die Entwicklung von akustischen und Filterkomponenten eingebunden. AEG fertigte den Torpedo.


    - „Schornsteinfeger“, eine Anti-Radar-Hülle für U-Boote. Im Laboratorium Feuerstein wurden Messungen zu den Absorptionseigenschaften durchgeführt worden sein.


    - „Nachtfee“, ein Nachtjäger-Leitverfahren, auf Phasenmodulation basierend.


    - Ein quarzstabilisierter Multifrequenz-Generator. Speziell ausgelegte Multivibratoren erzeugten quarzstabile Frequenzen, welche keine Harmonischen der Quarzfrequenz waren. Es wurden 80 Frequenzen mit einer Ausgangsleistung von ungefähr 80 Watt erzeugt. Für die Deutschen war das wichtig, weil sie unter einem Mangel an Schwingquarzen litten.


    - Ein kommerzieller Empfänger mit hoher Selektivität und Empfindlichkeit und nicht abstimmbarer Hochfrequenz- und Zwischenfrequenzstufe, in welchem die Abstimmkreise durch Filter ersetzt wurden. Die einzige Abstimmeinheit war ein durchstimmbarer Oszillator.


    - Ein Gerät für die variable Wiedergabe von Sprache


    - Ein leistungsstarker Zentimeterwellen-Sender. Diese Arbeiten wurden in Hannover mit einem Hochleistungs-Magnetron durchgeführt. Es wurde eine Dauerstrichleistung von 2 KW erreicht. Vierling berichtete von Arbeiten in Erlangen, wo mit einem Klystron-Sender weit höhere Ausgangsleistungen erreicht wurden.


    Hinweise auf diese Forschungsstätte gibt es auch in einer Kleinen Anfrage der FDP im Bundestag aus dem Jahr 2010. Vordergründig geht es hier um die Verstrickung von Mitarbeitern der Abteilung Fremde Heere Ost (FHO) des Oberkommandos des Heeres der Wehrmacht mit dem Bundesnachrichtendienst, insbesondere dass unter den leitenden Offizieren des Bundesnachrichtendienstes während der 1950er Jahre auch ehemalige Angehörige der SS und des SD waren.


    Tatsächlich ist spätestens seit 1971 bekannt, dass der Bundesnachrichtendienst von ehemaligen Angehörigen der FHO gegründet wurde. Damals veröffentlichte der Gründungspräsident des BND, Reinhard Gehlen, seine Autobiographie "Der Dienst". Gehlen wurde mehrere Monate lang in den USA vernommen. Über diese Zeit schrieb er nur wenig – Jahrzehnte später wurde bekannt, dass zu den wichtigsten nachrichtendienstlichen Erkenntnissen die deutschen Codebrecher-Fähigkeiten gehörten. Über diese möchte die FDP explizit nichts wissen, doch wäre eine Antwort darauf interessant, gäbe sie doch einen Einblick auf deutsche Entwicklungen.


    James Bamford berichtete erstmals 2001 in seinem Buch "NSA" darüber, dass das so genannte "Target Intelligence Committee" (TICOM) kurz vor dem Ende des Zweiten Krieges versuchte, so viele deutsche Codeknacker und Schlüsselmaschinen wie möglich aufzugreifen. Und diese Einheit finden wir in der Fränkischen Schweiz. Die TICOM-Teams erbeuteten laut Bamford mehrere Tonnen Dokumente der deutschen Fernmeldeaufklärung sowie viele kryptologische Geräte und Maschinen. Außerdem verhörten sie fast 200 führende deutsche Codespezialisten.


    Erst seit Bamford ist bekannt, dass die Deutschen eine siebeneinhalb Tonnen schwere Entschlüsselungsmaschine für den russischen Funkverkehr entwickelt hatten. Kurz vor dem Einmarsch der Allierten vergruben sie diese unter einem gepflasterten Platz im Südosten Deutschlands – gemeint ist vermutlich das Labor Vierling. Ein TICOM-Team grub das in mehrere Kisten verstaute Gerät nach Hinweisen der gefangenen Spezialisten aus und setzte es wieder zusammen. Damit konnten geheime verschlüsselte Nachrichten der Russen abgehört und dechifriert werden, so berichtet Bamford. Genaueres konnte er jedoch nicht beschreiben bzw. schreiben, da die o. g. Quellen erst 2008 und 2009 freigegeben wurden.


    Im Schloss der Gemeinde Pretzfeld unweit von Ebermannstadt und auch in unmittelbarer Nähe der Burg Feuerstein befand sich seit 1943 im Rahmen der Verlagerung von Forschungs- und Fertigungsstätten aus bombengefährdeten Gebieten ein Siemens & Halske-Forschungslabor, ein Halbleiterlabor, unter Leitung von Eberhard Spenke und dem Physiker und Halbleiterspezialisten Walter Schottky (Auskunft des Siemens-Archives von 2006). Das kleine Team widmete sich dem Werkstoff Selen in der Halbleiterentwicklung. Schottky zu verdanken ist auch die Erfindung der Tetrode durch die Einführung eines Schirmgitters, die 1926 durch Jobst mit einem Bremsgitter zur Pentode erweitert wurde. Diese Röhre war wegen ihrer Effizienz der meistverwendete Röhrentyp. Doch auch zum Transistor erfolgten die grundlegenden Forschungen durch Walter Schottky. Seine Forschungen finden Eingang in die deutsche Radartechnologie, aber auch in geheimen Rüstungsvorhaben wie den Flugscheiben sind sie vorhanden. Herbert Mataré berichtet in seinen Lebensbetrachtungen dass das Forschungslabor in Pretzfeld von den USA demontiert wurde, Forscher wie Heinrich Welker arbeiteten 1948 in Frankreich. Trotzdem wurde von Simens in Pretzfeld nach dem Krieg bereits 1946 erneut ein Labor eingerichtet, wohl da Schottky seinen Wohnsitz dorthin verlegt hatte. Siemens sowie deren Entwicklungen waren Ziel mehrerer CIOS- und BIOS-Teams nach dem Krieg. Da 1946 noch Besatzungsrecht herrschte, unter dem die Entwicklung und jede Forschung an programmgestützten Rechenapparaturen sowie die Weiterentwicklung der Röhrentechnik strengstens verboten war, was bedeutet dass dieses Labor eigentlich gar nicht gegründet werden konnte, ist die Jahresangabe mehr als verwunderlich. Die Hintergründe wären sicherlich einer Recherche wert.


    Konrad Zöbelein und Walburga Stein als Zeitzeugen schildern einen Fliegerangriff auf eine durchziehende Einheit in Pretzfeld wie folgt (FT 15.4.1995):
    Am Abend des 14. April 1945 gegen 18.30 Uhr erschienen einige amerikanische Jagdbomber über dem Dorf. Plötzlich begann eine SS-Einheit (richtig ist wohl eine Einheit der Wehrmacht, denn wie in allen Berichten ist es immer die SS und nicht die Wehrmacht, die Zeugen sind in dieser Beziehung unglaubwürdig, Anmerkung des Autors), die im Dorf Stellung bezogen hatte, mit Karabinern auf die Flugzeuge zu feuern. Die Piloten setzten zum Tiefflug an und erschreckten die Pretzfelder, die sich beim Abendessen oder noch bei der Stallarbeit befanden. Salven aus den Bordkanonen waren die Antwort auf den Beschuss der Flieger. Ein mit Treibstoff und Panzerfäusten beladener Lastwagen ging in Flammen auf. Immer wiederkehrend nahmen die feindlichen Flugzeuge den Ort unter Beschuss. Zwei Wohnhäuser und 15 landwirtschaftliche Gebäude brannten ab. Als am Morgen des 15.4. die US Armee den Ort besetzte, rauchte es noch an allen Ecken und Enden.


    In der Ortschaft Muggendorf bei Hollfeld befand sich in dieser Zeit ein weiterer Forscher und dessen Fertigungsstätte, es handelt sich dabei um Norbert Riedel. Dieser hatte mit seinem Team, das bei Kriegsende noch 16 Personen zählte, 1942 begonnen, einen Anlasser für die Strahltriebwerke von Junkers und BMW zu entwickeln. Kurz zuvor hatte er eine Ausschreibung des Reichsluftfahrtministeriums gewonnen. 1943 konnte der kleine Zweizylinder- Zweitakt-Boxermotor bereits auf dem Prüfstand getestet werden. Der mit Seilzug in Gang zu setzende Motor nahm über eine Fliehkraftkupplung Kontakt mit der zu startenden Turbine auf und brachte diese auf Anlaßdrehzahl. Er wurde für die Strahltriebwerke von Junkers und BMW gefertigt und verbaut, so z. B. im Jäger ME262. Bei Kriegsende nahm ein US Team mit ihm Verbindung auf und ließ 10 Motoren fertigen, die eingehend untersucht wurden.


    Burg Wiesentfels nördlich von Hollfeld beherbergte seit 1943 ein Bekleidungslager des Polizeipräsidenten in Nürnberg und sollte hier auch kurz genannt werden.


    Interessant ist auch das „Institut für physikalische Forschung“ in Bayreuth, später in Neudrossenfeld bei Bayreuth. Hintergrund war die Fertigung der Firma Askania (Berlin) der automatischen Flugsteuerungsanlage für die V1, später auch für die V2. Diese Geräte waren jedoch sehr störanfällig, so dass hier eine theoretische und praktische Fortentwicklung notwendig war. Am 26.05.1944 beantragte der Physiker Dr. Werner Rambauske die Genehmigung zum Bau einer SS-Unterkunftsbaracke sowie der Einrichtung eines Arbeitsraumes in der ehemaligen Zwirnerei auf dem Gelände der „Neue Baumwollspinnerei Bayreuth“, Carl-Schüller-Str. 54. Unweit davon wurde auf dem Gelände der Bayerleinschen Baumwollspinnerei durch die Fa. Aero Steuerungsanlagen für Kampfflugzeuge hergestellt. (Siehe hierzu Meyer „Götterdämmerung April 1945 in Bayreuth“). Rambauske hatte bereits vorher für die Firma Gollnow & Sohn an einem passiven optischen Zielsuchgerät „Lichtautomat G“ geforscht. Er wechselte dann zur Fa. Askania, wo er als Leiter der Hochfrequenzforschung arbeitete. 1943 in Berlin ausgebombt, führte sein Weg zunächst nach Stargard in Pommern, ehe er als Leiter des Instituts nach Bayreuth wechselte. Neben Zivilisten arbeiteten auch KZ-Häftlinge im Institut.


    In dem CIOS-Report vom Juni 1945 heißt es, das "Institut für physikalische Forschung" habe an einem fernsehgestützten Zielgerät gearbeitet und es auch erfolgreich getestet. Die Stadt Bayreuth wurde am 5.4.45 und am 8.4.45 bombardiert. Nach dem Angriff am 8.4. plante Rambauske eine Verlegung das Institut nach Neudrossenfeld. Nach einem erneuten Luftangriff am 11.4. war an eine Weiterarbeit nicht zu denken, da auch der Gebäudekomplex der „Neue Baumwollspinnerei“ stark beschädigt wurde. Nach der Einnahme Bayreuths am 14.4. wurde das Gebäude durch die US Army untersucht, man wusste offensichtlich von den Forschungen. Rambauske selbst stellte sich der US Armee und führte sie zu seinem Ausweichquartier in einem Gasthof in Neudrossenfeld. Der CIOS-Report NO XXVIII-41 „Institut für Physikalische Forschung Neu Drossenfeld“ beschäftigt sich, wie schon angesprochen, mit seinen Forschungen. Rambauske arbeitete kurz darauf für die US Armee in den USA weiterhin in der Forschung.


    Ein bekannter Offizier des Dritten Reiches findet sich ebenfalls im beschriebenen Zeitraum in der Fränkischen Schweiz. Dabei handelt es sich den Generalleutnant der Waffen-SS (seit 01.07.1944, vorher SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei) Jürgen Stroop. Stroop hatte den Aufstand im Warschauer Ghetto 1943 niedergeschlagen. Er kam erstmalig am 08.04.45 in Pottenstein an, wurde dann zu einem Gespräch mit dem Reichsführer SS nach Prenzlau beordert und war am 15.4. wieder in Pottenstein, als neu ernannter Sonderbeauftragter für Ordnung und Sicherheit im Gebiet des Wehrkreis VII. Ihm unterstellt ist später die SS-Kampfgruppe Trummler (SS-Oberführer und Oberst der Polizei Dr. Hans Trummler, diese findet sich im April unter den Korpstruppen des XIII. SS-Armeekorps gelistet), bestehend aus etwa 1500 Mann SD, Sicherheitspolizei sowie Ordnungspolizei. Der Weg dieser Einheit ist unklar, in der Fränkischen Schweiz ist diese Einheit wohl nicht gewesen. Nach Unterlagen des Amtsgerichts Traunstein von 1950 wird hier auch ein SS-Hauptsturmführer Werner Hersmann genannt. Er schloss sich mit etwa 35 Mann des SD-Abschnitts Weimar der Kampfgruppe Trummler an. Diese Kampfgruppe ist in Südbayern nachgewiesen, wobei u.a. der Angekl. Hersmann am 28.4.1945 auf dem Marktplatz in Altötting an der Erschiessung von 5 Bürgern mitwirkte, weshalb er im Jahr 1950 vom Schwurgericht Traunstein verurteilt wurde. In Tirol löste sich die Kampfgruppe Trummler auf. Stroop befindet sich nach Pottenstein in Augsburg, München, Lindau sowie Kufstein, am 4.5.45 ist er in Zell am See, am 8.5.45 ergab er sich in Rottau unter falschen Namen der US Army. Von einem alliierten Tribunal wurde er zum Tode verurteilt, jedoch nach Polen ausgeliefert, wo er erneut zum Tode verurteilt wurde und 1952 hingerichtet wurde.


    Einen kurzen Blick, wenn auch südlich der Fränkischen Schweiz und bereits im sog. Veldensteiner Forst, sollte man noch auf die Geschehnisse in Velden und Burg Veldenstein bei Neuhaus a. d. Pegnitz richten. Burg Veldenstein befand sich zur Kriegszeit in Besitz von Reichsmarschall Hermann Göring, der die Burg 1939 von der Witwe des vormaligen Besitzers erwarb. Ab 1901 lebte Göring zusammen mit seiner Mutter und seinen vier Geschwistern schon einmal auf den Ländereien seines Patenonkels Hermann von Epenstein, eben auch auf der Burg Veldenstein, und verbrachte dort seine Jugend. Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte die Witwe Elisabeth von Epenstein die Burg. Angeblich ließ Göring sie umfassend renovieren, überliefert ist der Einbau eines Bunkers 1942, mit eigener Stromversorgung etc.. Die Pegnitztalstraße unterhalb der Burg wurde extra für Göring asphaltiert, damit der passionierte „Reichsjägermeister“ eine leichtere Anreise hatte.


    Bei Kriegsende befand sich Göring nicht auf seiner Burg. Er hatte sich bereits im April 1945 nach Schloss Mauterndorf, eine weitere Burg in seinem Besitz, abgesetzt, und wurde dort, von Hitler zuvor noch von allen Ämtern enthoben, am 7. Mai 1945 von US-Soldaten festgenommen. Aber zurück.


    Gerald McMahon berichtet in seinem Buch über das Kriegsende. Bis zum 20. April war das 66. Infanterieregiment der 71. US Infanteriedivision in die Nähe der Burg bzw. Neuhaus a. d. Pegnitz vorgerückt. Der Angriff auf die deutschen Stellungen begann an diesem Tag mit einem tragischen Vorfall: Am frühen Morgen waren die Sergeanten von Prittwitz und Black zu Leutnants ernannt worden, und als sie um 7 Uhr als neue Zugführer ihren Soldaten das Zeichen zum Sturm auf die deutschen Stellungen gaben, wurden sie beide fast gleichzeitig von Scharfschützen des Feindes erschossen.


    Siegfried von Prittwitz war ein deutscher Wehrmachtsfeldwebel gewesen, der nach der Machtergreifung Hitlers in die USA geflohen war. Er fiel nun für seine Wahlheimat.


    Das Regiment hörte, dass um Neuhaus SS-Einheiten zusammengezogen worden waren, um die Burg Veldenstein zu verteidigen. Weil die Amerikaner Velden für das Kommunikationszentrum der Deutschen im Veldensteiner Forst hielten, von dem aus der Widerstand gegen die US-Truppen koordiniert würde, gingen sie gleichzeitig gegen Velden vor, was wegen des schwierigen Geländes nicht ganz einfach war.


    In Neuhaus brach der Widerstand rasch zusammen, nachdem Artillerie den Ort beschossen hatte. Sie konnte zwar den dicken Mauern der Burg kaum etwas anhaben, setzte aber den Ort in Brand.


    In Velden gestaltete sich der Angriff anders. In Velden starteten nach McMahon die Deutschen mit gepanzerten Fahrzeugen einen Gegenangriff, die Amerikaner wurden nach weitem Vorrücken wieder zurückgeschlagen und erlitten Verluste. Velden wurde von allen verfügbaren Rohren der schweren US-Artillerie unter Feuer genommen. Insgesamt wurden 53 Wohnhäuser, 18 Scheunen und 32 Stall- und Nebengebäude vernichtet. "Es brannte die ganze Nacht am Horizont", erinnerten sich mehrere Männer später.


    Ein erneuter deutscher Vorstoß mit Panzern durchbrach am 21.4. die US-Frontlinie an mehreren Stellen, nachdem etliche Panzer ausgeschaltet worden waren zogen sich die deutschen Truppen zurück. Auch Velden wurde nun eingenommen. Am Nachmittag erkundete ein starker US-Aufklärungstrupp die Gegend um Kirchenreinbach, weil es hieß, dorthin hätten sich SS-Leute geflüchtet, die aus Neuhaus und Velden entkommen waren.


    Nach dem Kampf um Burg Veldenstein nahmen sich einige US-Soldaten die Zeit, Görings Burg zu erkunden. Die erhofften Reichtümer waren dort freilich nicht mehr zu finden, bestenfalls noch einige "bemerkenswerte Souvenirs", wie er schreibt, etwa aus der Bibliothek. In Görings Weinkeller stellte ein amerikanischer Gefreiter fest, dass er nicht nur mit den edelsten Tropfen vollgestopft war, sondern auch mit größeren Mengen von Lieferungen des amerikanischen Roten Kreuzes, die eigentlich für die US-Soldaten in deutschen Kriegsgefangenenlagern bestimmt gewesen waren. . Die Untersuchung der Burg, auch mit Presslufthämmern, förderte jedoch nur eine Kiste zutage in der sich sehr alter Wein, Sekt und Cognac, sowie mehrere silberne Tischleuchter befanden. Ein Großteil der Sammlung von Göring ist bis heute verschollen, sie soll mit 2 Zügen fortgebracht worden sein. Dass die Suche in Burg Veldenstein nicht gründlich von statten ging belegt folgendes: Ein zerlegter mittelalterlicher Kreuzgang, den Göring 1941 über den französischen Kunsthandel erworben hatte, wurde 1973 zufällig im Zwingerbereich gefunden, geborgen und nach einer längeren Zwischenlagerung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg nach Frankreich zurückgegeben.

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Roland,


    Besten Dank für den interessanten Beitrag; bezüglich des Panz.Ausb.Verbands "Franken" kann ich noch folgende Zusatzinformation geben :
    Zusammensetzung (Stand 01.04.1945) gemäss Anlage zu Nr. 510/45 geh.K. Gen.Insp.d.Pz.Tr. den 5.4.45 und gemäss Anlage zu Org.Abt.Nr. 1986/45 g.Kdos. :
    1.) Pz.Gren.Ausb.Rgts.-Stab 1
    2.) Pz.Gren.Ausb.Btln. 104, 115 und 119
    3.) Pz.Gren.Fla-Kp. aus Pz.Gren.Lehrgängen
    4.) Pz.Fla-Kp. aus Pz.Fla-Abt. 204
    5.) Pz.Pi.Ausb.Btl. 19
    6.) Pz.Gren.Ausb.Rgts.-Stab 2
    7.) Pz.Aufkl.Ausb.Abt. 9
    8.) Scharfschützenlehrgang W.K. XIII
    9.) Pz.Rgts.Aus.Stab Grafenwöhr
    (Aktion Leuthen)
    Quelle : T78 R415 Frame 6383893
    Gruss


    Wolfgang

  • Hallo zus.


    eine abgewetzte Postkarte vom April 1944 zeigt ein harmloses Gebäude,
    darunter gedruckt "SS-Lager Waischenfeld (Fränk.Schweiz)"


    Abgesendet von einer jungen Frau die als Absender "Kinderheim Waischenfeld" geschrieben hat.


    Hat das was mit der "Ahnenerbe" Dienstsstelle zu tun ?


    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.

  • Hallo Thilo,


    super, ja das ist das Gebäude auf der Postkarte, allerdings ist meines von der anderen Seite,
    der Schriftzug ist von Bäumen verdeckt, und vor dem Haus ist ein Ententeich.
    Ganz schlechter Druck oder abgewetzt.


    Das andere ist das Kinderheim?
    Klasse !


    Danke nochmals
    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.