Offizier werden

  • Mich würde mal Interressieren wie man Offizier wurde.
    Mir würde erst einmal ein grober Überblick reichen.
    Gehen wir mal davon aus es sei 1935 und ich hätte noch keinerlei Wehrdienst geleistet.


    Konnte jeder Offizier werden? Brauchte man Einfluß, Geld oder Abitur?


    Fing man als Schütze an? Oder mit einem anderen Dienstgrad?


    Wo fand die Ausbildung statt und wie lange dauerte es?
    Bei dieser Frage nehmen wir an es handele sich um eine allgemeine Ausbildung, sowas wie Leutnant der Infanterie.

  • Hallo


    Es gab mehrere Möglichkeiuten. Man musste Abitur haben und sich für die Offizierslaufbahn bewerben.
    Wenn du von 1935 sprichst wurde ganz normal die Grundausbildung als Fahnenjunker, Fahnenjunker Gefreiter, Fahnenjunker Uffz., Fähnrich; Obrfähnrich durchlaufen. Danach startete die Offiziersausbildung auf den Waffenspezifischen Schulen wie zum Beispiel der Infanterieschule.


    Hervorragende Unteroffiziere mit mehr als 12 Jahren Dienstzeit konnten nach zu Offizieren befördert werden.


    Während des Krieges war auch eine Beförderung durch ausserordentliche Leistungen möglich - Tapferkeitsoffiziere.


    Nach der Ausbildung als Infanterist in der Ersatzeinheit musste er sich in einer Einheit des Feldheeres beweisen (ca. 3 Monate). Dann startete der Fahnenjunker Lehrgang mit 3-4 Monaten. Beim Start des nächsten Oberfähnrich Lehrgangs (3 Monate) wurde wieder die Schule besucht.


    Es gab aber viele Varianten der Ausbildung abhängig von Reserveoffizierlaufbahn etc...


    \Christoph

  • Es gab also keinen "Einstellungstest"???
    Nur mit Abitur war das möglich?
    Also mit mittlerer Reife und einer besonderen Begabung zum Offizier sein oder werden hatte man keine Chance?

  • Richtige Tests gab es nicht. Volle medizinische Tauiglichkeit und Gesinnung musste eben passen.
    Mit mittlerer Reife musste man sich hocharbeiten und auf eine Beförderung aufgrund ausserordentlicher Eignung und Leistung hoffen. Offiziere aus der Truppe mussten unverheiratet (ausgen.aktive Uffz.) und jünger als 25 Jahre sein.
    Dann entschied der Regimentskommandeur ob dieser Soldat für eine Offizierlaufbahn in Frage kommt und schlägt ihn beim Heerespersonalamt vor.
    Aufgrund ausserordentlicher Leistungen und Tapferkeit konnte jeder durch Vorschlag des Kommandeurs des Feldtruppenteils zum Kriegsoffizier" ernannt werden und dann in das aktive Offizierskorps übernommen werden.


    Während des Krieges sah die Ausbildung fogendermassen aus:
    Verpflichtung auf unbegerenzte Zeit (Abitur)
    Waffenausbildung beim Ersatztruppenteil 6 Monate
    Nach 6 Monaten Gefreiter
    Offizieranwärter-Lehrgang 3-4 Monate
    Ernennung zum Fahnenjunker nach 9 Monaten zugleich Beförderung zum Uffz.
    Beförderung zum Offizier nach frühestens 15 Monaten.


    \Christoph

  • Oh, sehr interressant.
    Vielen Dank.



    -Es war auch ohne Abitur möglich Offizier zu werden.
    -Die Herkunft verschob sich von Offiziersfamilien weg zu mittleren Beamten, im Schwerpunkt jedenfalls.
    -Auch als Sohn eines Landwirtes war es möglich Offizier zu werden.
    -In der Phase vor Kriegsbeginn waren sogar die Schulnoten unwichtig.
    Wichtig eher die Nationalsozialistische Einstellung.


    Frage: Der Stundenplan betrug nur 22 Stunden in der Reichswehr?!?!(Seite 79)
    Ist das nicht ein bißchen wenig???


    Is es möglich an den Lehrstoff dieser Ausbildungsfächer zu kommen?
    Gibts irgendwo die Original Lehrbücher zu kaufen??

  • Zu Kriegsende waren Herkunft und Bildung vollkommen egal.
    Es zählte nur noch Tapferkeit und Fanatismus.


    Also konnte ein besonders "fanatischer" Gefreiter zu einem Fahnenjunker Lehrgang eingeladen werden und wäre dann zu seinen alten Kameraden zurückgeschickt worden. Dann als ihr Vorgesetzter!

  • Quote

    Original von Panther
    Zu Kriegsende waren Herkunft und Bildung vollkommen egal.
    Es zählte nur noch Tapferkeit und Fanatismus.


    Also konnte ein besonders "fanatischer" Gefreiter zu einem Fahnenjunker Lehrgang eingeladen werden und wäre dann zu seinen alten Kameraden zurückgeschickt worden. Dann als ihr Vorgesetzter!


    Sicherlich gab es solche Fälle auch, aber ich denke dass verantwortliche Vorgestzte auch immer ein bisschen auf die "Noten" geschaut haben, so es sich denn machen liess. Gesinnung und Fanatismus nicht in jedem Fall! Den die beschreibene Situation, ist auch gefährlich für die Kampfmoral der Truppe, so einfach geht das nämlich nicht und wenn an dem Lehrgang Fronturlaub dran hing, warum nicht? ;)

    vg
    mra


    -die Feder ist uns von Haus aus ein fremdes Handwerkszeug. Aber nun hat unser Leid einen schreiben heißen –

  • Die Quelle bezieht sich auf den Februar 45


    Ich denke das da niemand mehr auf Noten schaute.

  • Habe jetzt hier nur den Thread gelesen und da liegt mir der Schwerpunkt zu sehr auf Gesinnung, Fanatismus, Nationalsozialistsische Einstellung etc. Creveld hat wohl auch mal geschrieben, soweit ich mich erinnere, das die Wehrmacht von heutigen Verhältnissen aus betrachtet schon sehr moderne Frührungsstrukturen hatte und das läuft wohl auch daraufhin hinaus das im Krieg nicht immer die entsprechenden Stellen mit den dafür vorgesehen Dienstgraden belegt wurden.

    vg
    mra


    -die Feder ist uns von Haus aus ein fremdes Handwerkszeug. Aber nun hat unser Leid einen schreiben heißen –

  • Hallo FRank,


    sehr interessant, die Diss: Auswahl und Ausbildung junger Offiziere 1930-1945
    Danke!


    Gruß & Horrido
    TransportAdlersKind

    Wer verurteilt kann irren – wer verzeiht irrt nie.

  • Mein Opa Hans trat 1932 in den FAD ein, wurde später im NSAD zum Feldmeister (Leutnant) befördert, und beendete seine Dienstzeit in den Arbeitsdiensten 1945, im Rang eines Arbeitsführers (Major), im RAD.


    Seine Schulbildung waren 8 Jahre Volksschule, mehr nicht.


    Ich vermute, die eigene Eignung, der Charakter und die Führungsqualitäten spielten damals eine große Rolle, nicht alleine die Schulbildung.


    Vielleicht wurde das im RAD aber auch anders gehandhabt als in der Wehrmacht.


    Gruß


    Michel

    Edited once, last by Tbird ().

  • Ergänzungs- und Beförderungsrichtlinien im RAD und anderen Organisationen sind nicht vergleichbar mit denen des Heeres oder der Waffen-SS. Um sich freiwillig als aktiver Offizier im Heer zu bewerben brauchte man einfach einen höheren Schulabschluss. Wie gesagt ohne höheren Abschluss war die einzige Möglichkeit der Kriegsoffizier oder gediente Unteroffiziere.
    In der Waffen-SS war keine bestimmte Schulbildung nötig.


    \Christoph

  • Danke, Christoph!


    Ist es bekannt, welchen Offiziersrang ein einfacher Soldat der Wehrmacht, oder ein einfacher Soldat der Waffen-SS, mit einem niedrigen Schulabschluß, damals vor dem Ende des Krieges erreicht hat?


    Gruß


    Michel

  • Hallo Leute !


    Ich weiß von einem Unteroffizier der es bis zur Kapitualtion zum Hauptmann gebracht hat.


    Dieser wurde dies eben durch seine besonderen Leistungen und durch das "Wegfall-Prinzip".
    Jedesmal wenn ein höherer Dienstgrad gefallen war, wurde eben mit fähigen Leuten diese Lücken wieder ergänzt.


    Rheinmetall

    "Die Sehnsucht nach der Heimat wächst mit dem Quadrat der Entfernung."
    (In Memorie of Jürgen Oesten † 05.08.2010)

  • vg
    mra


    -die Feder ist uns von Haus aus ein fremdes Handwerkszeug. Aber nun hat unser Leid einen schreiben heißen –