Flak auf Kreta

  • Ein Hallo in die Runde,


    vor ca. 50jahren erzählte mir ein Kriegsveteran seine Geschichte. Er war vom ersten bis zum letzten Tag des Krieges Soldat einer Flak-Einheit. Im Zeitraum von Frühjahr 1941 bis Oktober 1944 war er auf Kreta / Kokkino Chorio stationiert Nun meine Fragen:
    Wem unterstand diese Stellung ? a. Marine-Artillerie- Abteilung 520,
    b. Flakuntergruppe Chania-Souda mit Flakreg. I/23 Stab Flakreg. 58,
    c. In einem Umweltforum, (Kretainfo)wird der Küstenschutz mit der ID 22 in Verbindung gebracht!
    In 10/44 wurde nahezu der gesamt Munitionsbestand im Bunkersystem geräumt und vernichtet Übrigens ein Indiz, warum das Höhlensystem, als eines der Wenigen, heute noch erhalten ist Danach verließ die Einheit ihre Stellung, obwohl doch nach Aussage, Lexikon der Wehrmacht, sowohl die MAA 520, als auch das Flak-Regiment I/23 auf der Insel verblieben.
    Wer übernahm danach diese Stellung in der Zeit der "Kernveste Kreta" ?
    Sind die KTB des Flakregiment I/23 bekannt und wo könnte man sie einsehen?
    Das Munition- Räumungskommando wurde mit einer der letzten Maschinen noch ausgeflogen. Beim Anflug auf das Festland / Raum Saloniki wurde Die JU 52 beschossen/ zumindest sosehr beschädigt, dass der Pilot das Flugzeug hart am Strand aufsetzte. Es gab Tode und Verwundete. Wer weiß etwas?
    Grüße aus Thüringen Ludwig

    Never let go!

  • Hallo,
    selbst auf die Gefahr hin, dass ich zum Alleinunterhalter werde, hier noch einige Informationen zur Person des Mannes.
    Besagter Soldat wurde unmittelbar nach dem RAD 1939 in Dresden zur Flak eingezogen und zum Kraftfahrer ausgebildet. Bereits am ersten Kriegstag war sein Reg. mit in Polen. Sitzkrieg: westliches Ruhrgebiet, Frankreich-Feldzug: Raum Dünkirchen danach Verlegung über den Balkan direkt nach Kokkino Chorio. Verbleib bis 10/1944. Im Gegensatz zu vielen anderen kretischen Orten hatte man sich in den 3 Jahren mit den Bewohnern. arrangiert, obwohl das gesamte Bunkersystem von einheimischen Arbeitern (nicht freiwillig) in den Berg getrieben werden musste. Zurück auf dem Festland, Verwundung bei der Landung, Das Lazarett war bereits in Auflösung, also blieb er verwundet bei seiner Truppe. Diese wurde neu ausgerüstet mit Teilketten-Zugmaschinen und der Flak 8/8. Während des Rückzuges der Heeresgruppe E hatten sie nun die Aufgabe permanent alle Geschütze, die im rückwärtigem Raum des wandernden Kessels nicht mehr benötigt wurden, sofort wieder an die Spitze/Front zu transportieren, auf den engen, gebirgigen Straßen des Balkans, immer vorbei an den übrigen Heeresteilen - vor und zurück. Zum Zeitpkt. der Kapitulation lag die Einheit in Kroatien. Die Fahrzeuge und Waffen übergab man Titopartisanen. Nach Übergriffen Dieser, bewaffnete sich seine Gruppe erneut, floh, und marschierte 3 Nächte, bis sie britische Truppen erreichte. Die Gefangenschaft verbrachten sie In Italien als Kraftfahrer für die Engländer.
    Ich denke, es ist die Geschichte eines Teiles des I. Flakregiment 23.
    (allerdings ohne WAST)


    Gruß Ludwig

    Never let go!

  • Hallo Ludwig 11,


    Die Flak-Btr. die Du suchst war bei der 9. Btr. der Marineart.Abtl. 520 in Kokkino Chorio bei Chania. Die Ortschaft ist von besonderer Naturschönheit, die solltest sie mal besuchen. Da sind noch die Fundamente der Batterien vorhanden und die riesigen Bunker im Felsen die in Sklavenarbeit der Dorfeinwohnern gerichtet wurden. Diese sind noch zu besichtigen.


    Marineart.Abtl. 520
    1943 mit 11 Btrn. 1. Btr. Iraklion Ost (6x15,5 cm), 2. Btr. Iraklion Mitte (4x15 cm), 3. Btr.Iraklion West (6x15,5 cm), 4. Btr. Stawromenos (4x15,5 cm),
    5. Btr. Platanias (4x10,5 cm), 6. Btr. Rethymnon (4x15,5 cm), 7. Btr. Dramia (3x15,5 cm) und in Mathes (3x15,5 cm), 8. Btr. Drapanon (3x15 cm),
    9. Btr. Kokkino Chorio (6x15,5 cm), 10. Btr. Akrotiri Ost (3x15 cm),
    11. Btr. Akrotiri west (4x15 cm), 12. Btr. Kap Spatha (4x15 cm),
    13. Btr. Antikythira


    Von den Höhen des Dorfes konnte man die Sudabucht kontrolieren.


    Im Ahang einige Photos dieses Ortes, wie er heute aussieht. Da wohnen sehr viele Deutsche und Engländer.


    Byron

  • Hallo Ludwig,


    Quote

    Ich denke, es ist die Geschichte eines Teiles des I. Flakregiment 23.


    hm....?? du und Byron haben schon den Punkt angeführt warum das nicht
    zusammenpassen könnte.


    Genannt wird die 9. Bttr. Marine-Art.Abt. 520 = Waffengattung Marine


    Die I.Abt. Flakregiment 23 ist aber Waffengattung Luftwaffe.


    Die Frage ist jetzt wer war der örtliche Flakführer Luftwaffe oder Marine ?


    Wäre die Frage bei welcher Waffengattung war er. Wenn man von der Ausbildungs-Einheit ausgeht wäre das Waffengattung Lw.

    Gruss Dieter

  • YIA SOU Byron, Hallo Augustdieter,


    Herzlichen Dank für Eure Beiträge. Die von Augustdieter gestellte Frage ist auch mein
    Problem. Sollte dann evtl. die MAA 520 wiederum dem Stab des Flak-Reg. 58 unterstellt
    worden sein? Die Befehlsstrukturen waren offenbar sehr kompliziert und für einen Laien nicht immer durchschaubar. Im Oktober 1944 wurde dann diese Einheit aber wieder aus der MAA 520 heraus gelöst und als reguläre Flak - Einheit auf das Festland überführt.
    Deshalb noch einmal meine Frage: Ist etwas über die KTB des Fla. - Reg. I/23 bekannt ?

    Ein weiterer dunkler Fleck der Geschichte, ist die Räumung des Munitionsdepots . Lt. Aussage waren auf Kokkino Chorio franz. Beutegeschütze ( Kaliber 15,5cm ) stationiert mit einem riesigen Munitionsvorrat, welcher, bereits zu diesem frühen Zeitpkt - im Einvernehmen mit den Engländern, Ortsvorstand, Partisanen...????????????, eliminiert werden sollte und auch wurde.
    Es galt ein Status quo. Eine Sprengung der Munition vor Ort hätte für den Berg und die unterhalb der Stellung liegende Ortschaft katastrophale Folgen gehabt Also fuhr man 4 Wochen, bis Mitte Oktober täglich mehrmals im Konvoi zum Strand einer Bucht und sprengte die gesamte Munition. Dafür wurde dem Räumungskommando noch der Abzug von der Insel garantiert. Sie fuhren nach Abschluss selbst zum Flugplatz und mussten 2 Tage warten bis noch eine eigens bestellte Maschine sie abholte.
    Frage: Gab es damals schon Absprachen mit den Engländern zumal in dieser Zeit bereits nachts Partisanen die Ortschaft kontrollierten - man ließ sich aber in Ruhe. Die Munitionsbeseitigung war in aller Interesse.


    Augustdieter, Er war in Polen bei der Flak, lag bei Düsseldorf bei der Flak, ebenso bei Dünkirchen. Auf Fotos trug er auch auf Kreta eine Flak-Uniform. Ich kann ihn leider nicht mehr fragen, er verstarb 1984.
    Gruß Ludwig

    Never let go!

    Edited once, last by Ludwig11 ().

  • Hallo Freunde,


    Nach meinem Wissen, ist kein Kriegstagebuch der Flak (der Luftwaffe) die in GR tätig war erhalten geblieben, also auch das von I./23 nicht.


    Es war üblich dass Flakeinheiten der Luftwaffe der Kriegsmarine unterstellt waren, die Marine hat in GR eigene Flak nur auf Schiffen und Motorseglern. Für diese Schiffsflak gibt es Unterlagen.


    Im Anhag ein Photo von älteren Männern bei der Arbeit der Bunkeröffnung. Die Jugend war auf den Bergen.


    Byron

    Files

    • Kreta_177.jpg

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  • Danke Byron,
    für die schnelle Antwort und die Bilder. Habe selbst schon Bilder bei Google earth angesehen. Selbstverständlich teile ich Deine Meinung hinsichtlich der Sklavenarbeit in den Felsen. Auch die Verbrechen der Wehrmacht sollen von mir keinesfalls relativiert werden. Der beschriebene Soldat war ein nüchterner Mensch, Heroismus war ihm fremd. Er kannte sehr wohl den Unterschied zwischen Recht und Unrecht und fragte sich: was macht ein deutscher Soldat auf einer griechischen Insel? Er hat einen Bruder an der Front und zwei seiner Tanten beim Luftangriff auf Dresden verloren. Sein Ziel war es, diesen wahnsinnigen Krieg zu überleben - heil nach Hause kommen! Deshalb blieb er auch immer nur Gefreiter. Ich hatte nie einen Grund am Wahrheitsgehalt seiner Worte zu zweifeln.


    Es war mein Vater.


    Deshalb, bevor ich mich verabschiede, noch eine Geschichte, die sich genau so abgespielt haben soll.: Während der Besetzung war im Ort Kokkino Chorio ein schwer krankes Kind. Es musste ins Krankenhaus. Der Kraftfahrer / einige Soldaten besorgten sich einen Fahrbefehl, versteckten das Kind in den Planen des LKW und brachten es, von den Wehrmacht-Kontrollen unbemerkt nach Chania. In einer Nebenstraße übernahm ein Onkel den Jungen und brachte ihn ins Krankenhaus. von der kretischen Gastfreundschaft hat er dann aber auch erzählt!
    Es war mit Sicherheit eine Ausnahme, zeigt jedoch, dass es auch im Krieg etwas menschlicher zugehen kann, wenn die Vernunft das Handeln diktiert


    In diesem Sinn, Grüße an Alle. Ludwig

    Never let go!