Leben in der Kaserne

  • Hallo,


    inspiriert durch diverse Beiträge möchte ich bitten hier einmal zusammen zu tragen, was denn so ein Soldatenleben in der Kaserne ausmacht.
    Ich denke mir, dass man hier über folgendes berichtet:



    > Das Gebäude/ Baracke
    > Die Uniform und die Wäsche/Pflege und wieviele
    > Das Bett/ Strohsack?/ 3 - stöckig usw.
    > der Waschtisch, meist vor der Unterkunft und aus Beton
    > Der Spind / Spindordnung
    > Stubendienst
    > die Stubengemeinschaft
    > Stubendurchgang durch den U.v.D.
    > Die Wache, Wachdienst und Ablösung
    > Waffenreinigen
    > Kfz.- Und Gerätereinigen
    > Die Kantine/ Kasino
    > die Küche/Küchendienst
    > Appelle
    > Arbeitsdienst
    > Exerzierdienst
    > Unterricht/Theorie
    > die Waffenkammer
    > die Sporthalle
    > das Schwimm - bzw. Tauchbecken
    > Waffen - und Munitionsunterweisung prakt.
    usw.


    Ich wünsche mir, dass wir hier ein komplettes Szenario des Kasernenleben etwas von 1930 bis 1945 zusammenstellen.
    Für Ergänzungen und insbes. Bild - und Lehrpläne, Unterrichtsmaterial usw.
    eben rund ums Soldatenleben in der Kaserne der Garnison; nicht im Felde.


    Gruß Karl

  • Hallo Karl,


    dann wollen wir mal anfangen:
    Am besten mit
    - dem Wecken,
    - dem Aufstehen und
    - dem Waschen !


    Die Fotos, die ich hier einstelle, stammen aus dem Bildband
    "Unsere deutsche Wehrmacht" herausgegeben von
    Major (Hermann) FOERTSCH, Abteilungsleiter im Reichskriegsministerium


    Das Buch wurde 1934/35 herausgegeben und ich würde es
    (noch) nicht als NS-Propaganda bezeichnen, obwohl es eindeutig
    eine Werbemaßnahme für die noch junge Wehrmacht darstellte.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo Dr. Rudolf,


    das sind gute und passende Fotos.


    Frage,
    könnte der Major (1934/35 Buchherausgabe) Foertsch der derjenige sein, der später zum General aufstieg?


    Gruß Karl

  • . . . aber was wäre das ganze Waschen und Reinigen ohne entsprechende Kontrolle ?


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Das muss Hermann FOERTSCH gewesen sein, der Bruder des späteren Generalinspekteurs der Bundeswehr, Friedrich FOERTSCH, denn der wurde erst 1939 Major !
    Über Hermann F. schreibt Wiki:
    "1932 wurde er unter dem Reichswehrminister Kurt von Schleicher Reichswehr-Pressechef. Foertsch hatte schon als Reichswehrhauptmann seine Neigung zur Politik offenbart.Am 1. Mai 1933 wurde er dann zum Major befördert. "
    Das passt also !

  • Hallo,


    Betrifft Sauberkeit, hier ein paar Anmerkungen:
    Wenn der Spieß oder U.v.D. mit dem Finger und den weißen Handschuhen über den Spind (Schrank) fuhr und ein paar Staubkrümel fand, dann blies er die dem Landser mit dem Bemerken: "Sehen sie mich noch?" ins Gesicht.
    Eine "Bestrafung", z. B. Gymnastik mit dem Gewehr, Liegestützen etc. folgte fast immer nach.


    Wenn der Ofen um 22.00 Uhr nicht aus war, dann war der Teufel los.
    (Von wegen Co2 und Erstickungstod etc.).


    In den Stuben lag das sog. Stubenheft aus, wo die Stubendurchgänge/Kontrollen mittels Zeitangabe und Unterschrift bestätigt wurden. Schmutz und andere Auffälligkeiten führten zu Einträgen, die dann später auf dem Exerzierplatz "gesühnt" wurden.


    Anmerkung: Es mag in den verschiedenen Kasernen und Einheiten unterschiedlich gewesen sein, aber grundsätzlich gilt das so.
    Vielleicht äußert sich noch ein Veteran dazu.


    Dr. Rudolf,


    es wäre schön, wenn es mit den Bildern so weiter ginge, ohne dass ich hierbei unverschämt sein will..


    Gruß Karl

  • . . . fehlt natürlich noch das Frühstück ("Ohne Mampf kein Kampf !"). Das wurde traditionell
    auf der Stube gemeinsam eingenommen.
    Vorher mussten aber die Kaffeeholer ran !

  • . . . aber nicht nur Hals und Gesicht bedurften der Reinigung !


    P.S. Aber bis zum Zapfenstreich schaff ich das heute nicht mehr !

  • Hallo,
    interessantes Thema, erinnert mich an meine Rekrutenzeit - das war zwar paaaaaaar viele Jahre später (1967), aber erkenne durchaus Parallelen.


    Staunen: "DAS" Spind und die feinen Omi Kittelschürzen.


    Grüße und Danke für die Bilder


    Günther i Gostynin

    Suche zu Kriegslazarett 2/609 und 4/609 ab Juli 44 bis Januar 45.

  • Hallo,
    das ist ein interessantes Thema. Einiges erinnert mich auch an Bundeswehr.
    Ich habe noch ein Buch, so was wie Reibert, von 1880 oder so. Da wurde einmal pro Woche Füsse waschen verlangt. :D
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Guten Morgen,


    kann mich dem nur anschließen. Viel hat sich in der Zeit Reichswehr - Wehrmacht - Bundeswehr wirklich nicht verändert.
    Anderes schon.
    Die disziplinarischen Maßnahmen waren in den 30er/40er Jahren mit Sicherheit um viele Stufen härter als heutzutage.
    Wenn man 08/15 glaubt, dann kam ein Soldat, der sich "unmilitärisch und ungeschickt" anstellt, während des Grundwehrdienstes überhaupt nicht mehr aus der Kaserne.
    Auch bei der Bundeswehr hat sich früher mal der Dienstschluss um 1-2 Stunden am Freitag verschoben, wenn die Reviere, Stuben, etc. nicht in Ordnung waren aber das Wochenende komplett streichen, das hat es meines Wissens in der BW nie gegeben.
    Auch dass ein Soldat aus dispziplinarischen Maßnahmen einfach so zum Wachdienst vergattert wird, gibt es bei der BW auch nicht mehr, halt Dienstplan.


    Auch hatte das preußisch-militärische Schleifen eine andere Bedeutung als heute. Exerzierdienst kenn ich natürlich auch noch aber bei der BW in wesentlich milderer Form.


    Gruss,
    Bernd

    Edited once, last by Bodo123 ().

  • Hallo Karl,
    Hallo zusammen,


    ein wirklich interessantes Thema


    Quote

    Viel hat sich in der Zeit Reichswehr - Wehrmacht - Bundeswehr wirklich nicht verändert.


    so weit würde ich nicht gehen, aber eine gewisse Kontinuität ist hier schon
    zu erkennen. Das liegt, n.M., in der Natur der Sache


    Quote

    Da wurde einmal pro Woche Füsse waschen verlangt. :D


    Die Ansichten, was an Wasser sein muss gingen nicht nur damals auseinander.
    Vor dem Hintergrund dass Infektionskrankheiten noch lange nicht "besiegt"
    waren, lässt die "komischen" Kontrollen in einem anderen Licht erscheinen.



    Quote

    Staunen: "DAS" Spind und die feinen Omi Kittelschürzen.


    Die Kittelschürze war einfach nur praktisch, weil der helle Drillig-Anzug
    nach dem Waffenreinigen auch in die Wäsche gemusst hätte.
    Clevere WuG´s hatten so etwas auch noch bei der BW...da ist sie
    wieder die Kontinuität.

    Gruss Dieter

  • Quote

    Original von Rainer
    . . . Da wurde einmal pro Woche Füsse waschen verlangt. :D . . .


    . . . also, wir haben doch alles vorrätig ! Fragt doch einfach !


    Auf besonderen Wunsch eines einzelnen Herrn: . . .



    P.S. Aber Spaß beiseite: Die Füsse hatte damals ja durchaus eine andere Bedeutung als heute !

  • Hallo Andreas,


    Quote

    Der beobachtende Unteroffizier....


    dein Großvater führt Dienstaufsicht....beobachtet wird der Gegner ;)

    Gruss Dieter

  • Hallo,


    die Älteren (länger Gedienten) sagten oftmals zu dem Neuzugang er solle eine "Seelenachse" (Begriff aus der Schießlehre) in der WuG - Werkstatt holen. Dort übergaben die Waffenwachmeister oder Gehilfen dem Neuling eine bereits mehrfach bewährte, sehr schwere Eisenstange, die dieser dann den ältern Semestern unter viel Gelächter vorlegte. Anschließend Rückmarsch zum WuG.
    Der Rekrut war somit über die "Seelenachse" aufgeklärt.


    Gruß Karl


  • Hallo,


    daß heißt Frühsport gab es in der WH nicht? Also war Sport allein im Rahmen des Tages- bzw. Wochenausbildungsplan untergebracht?


    Ist bekannt wann das Wecken erfolgte und in welchen Zeitrahmen Aufstehen, Waschen und Frühstück bis Ausbildungsbeginn war?

  • Quote

    Original von Hoth
    . . . daß heißt Frühsport gab es in der WH nicht? Also war Sport allein im Rahmen des Tages- bzw. Wochenausbildungsplan untergebracht? . . .


    . . . und hier der Frühsport !



    Bevor jetzt weitere Fragen kommen:
    Dazwischen war dann auch noch Stuhlgang, Urinieren usw. (je nach persönlichem Bedarf).
    (. . . aber davon habe ich keine Fotos !)



    Quote

    Ist bekannt wann das Wecken erfolgte und in welchen Zeitrahmen Aufstehen, Waschen und Frühstück bis Ausbildungsbeginn war?


    . . . jetzt noch einmal (als pers. Service für Herrn HOTH):
    Auf dem Foto war Wecken um 05.30 Uhr; vermutlich in anderen Einheiten auch !?!


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo dr. rudolf,


    das 5.30 hatte ich überlesen und danke für die Info zum Frühsport!


    Da mir der Kasernenalltag weitgehend unbekannt ist, normaler Dienstbeginn dann 7.00 Uhr oder 8.00 Uhr? Ab wann war Freizeit, also Dienstschluß?

    Edited once, last by Hoth ().

  • Quote

    Original von Hoth
    . . . normaler Dienstbeginn dann 7.00 Uhr oder 8.00 Uhr? Ab wann war Freizeit, also Dienstschluß?


    Hallo,


    ab 5.30 Uhr war ja eine Menge zu erledigen:
    - Frühsport
    - Körperpflege
    - Anziehen
    - Stuben- und Revierreinigen
    - Frühstück
    - Antreten


    Ich denke mal, allgemeiner Dienstbeginn war um 07.00 Uhr. Es gab eine Mittagspause,
    und Dienstschluss war dann 17.00 Uhr. "Freizeit" (Ausgang) war bis 22.00 Uhr (Zapfenstreich).
    Oft war aber auch noch Nachtausbildung angesetzt.


    Aber vielleicht bekommen wir ja noch einen Dienstplan vorgestellt !?!


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)