Brückenkopf Schwedt

  • Hallo,
    ich sitze zur Zeit an einer Ausarbeitung über den Brückenkopf Schwedt an der Oder
    31.1. – 2.3.1945, die dort eingesetzten Einheiten werden auch als „Division Schwedt“
    oder „Kampfgruppe Skorzeny“ bezeichnet.
    Neben dem SS-Fallschirmjäger-Btl.600 (Hstuf.Milius), SS-Jagdverband „Mitte“ (Hstuf.Fucker) und einigen anderen SS-Einheiten waren eine Reihe von Heeres-
    Einheiten dort involviert, über die leider bisher keine Angaben vorliegen!!


    Ua. soll es sich um das
    Panzer-Grenadier-Ersatz-Bataillon 3
    Panzer-Grenadier-Ersatz-Bataillon 9
    Panzer-Grenadier-Ersatz-Bataillon 83 sowie um das
    Pionier-Ersatz-Bataillon 12 gehandelt haben. (Michaelis, FJB, S.84)


    Genannt werden auch
    Pionier-Ersatz-Bataillon 23
    Fliegerregiment 53
    Flak-Ersatz-Abteilung 12
    OT-Regiment 122
    Volks-Grenadier-Regiment 1091
    Volkssturmeinheiten aus Hamburg, usw. (s.a. Julius Mader, Jagd nach dem
    Narbengesicht, Ein Dokumetarbericht über den SS-Obersturmbannführer Skorzeny,
    Deutscher Militärverlag, DDR, 1962)


    Erwähnt wird auch eine Gruppe des Pionier-Ersatz- und Ausbildungs-Bataillon
    213, seit Mai 1944 in Glogau
    (s.a. http://www.glogauerheimatbund.…_04GedenkenBataillon.html)


    Es soll in dem Buch von Hans-Martin Stimpel "Widersinn 1945" noch Angaben
    zu den beiden Bataillonen der Division im Brückenkopf, das III./Fallschirmjäger-
    Regiment 26 (ursprüngliche Bezeichnung ?) und dem III./Fallschirmjäger-Regi-
    ment 27 (vorher Fallschirm-Panzer-Jagd-Bataillon 54), geben ? Wer kann da was
    zu sagen?


    Benutzte Literatur bisher:
    Erich Busch, Die Fallschirmjägerchronik 1935 – 1945, Podzun-Pallas, 1983
    Karl Fucker, Ein Leben im Spiegel der Jagd, Eigenverlang, Wiener Neustadt, 1993
    Joachim Hoffmann, Die Geschichte der Wlassow-Armee, Einzelschriften zur militärischen Geschichte des Zweiten Weltkrieges, Nr. 27, Rombach Verlag, 2.unveränderte Auflage, 1986
    Bernd Jocher, Scharfschützen in der Waffen-SS, Munin, 2003
    Helmut Lindenblatt, Pommern 1945, Rautenberg-Verlag, Leer, 1984
    Rolf Michaelis, Das SS-Fallschirmjägerbataillon 500/600, Michaelis-Verlag, 2004,
    Wenjamin Borissowitsch Mironow, Die Stählerne Garde, Deutscher Militärverlag, DDR (Auszug)
    Antonio J. Munoz, Forgotten Legions, Obscure combat formations of the Waffen-SS, Paladin Press, Boulder, Colorado, USA, 1991
    Alfred Otte, Die Ausbildungstruppenteile (der Div./des Korps HG) in: Wolfgang Bach, Die Geschichte der Fallschirm-Panzer-Ersatz-und Ausbildungs-Brigade „Hermann Göring“ September 1944 bis März 1945 Rippin – Graudenz aus der Sicht des Kommandeurs des II.Bataillons, Selbstverlag, Bochum, 5.Nachdruck, Januar 1998, Anhang II,
    Ulrich Saft, Kämpfe im Osten – Das bitte Ende jenseits der Weichsel bis Oder und Neiße, Militärbuchverlag Saft, Walsrode, 2002
    Percy E.Schramm (Hrsg.), Das KTB des OKW 1944-45, Teilband 2
    Otto Skorzeny, Meine Kommandounternehmen, 1975 Edition Albin Michael, für die deut-sche Ausgabe 1976 LimesVerlag, Wiesbaden-München
    Otto Skorzeny, Wir kämpften, wir verloren, Helmut-Cramer-Verlag, Lohmar, 3.Auflage, 1975
    Kurt Speer (Hrsg), „Oderland ist abgebrannt – Die Kämpfe am Oderstrom vom Januar bis April 1945 von Schwedt bis nach Zehden und den umliegenden Ortschaften. Zeitzeugen berichten. Zusammengestellt anhand von Orginalbelegen von Kurt Speer, Celle
    Kurt Speer (Hrsg.), Der Kampf um Königsberg/Neumark. Flucht und Vertreibung 1945, Eine Dokumetation 1996 – 1999, ausgewählt und zusammengestellt von Kurt Speer, Celle
    Tony Le Tissier, Durchbruch an der Oder, Der Vormarsch der Roten Armee 1945, Bechtermünz-Verlag, 1997
    Gerd Wagner, Die 9.Fallschirmjäger-Division im Kampf um Pommern, Mark Brandenburg und Berlin, Selbstverlag, Köln, o.J. ca.1995
    Hans Wijers, Sturmgeschütz-Abteilung/Brigade 210 – Tagebuchaufzeichnungen und Erinnerungen von ehemaligen Angehörigen, Brummen, Dezember 1997


    Wie man sieht, nur Sekundärquellen (Primärquelle über diesen Raum liegen mir nicht vor).
    Vielen Dank schon mal für Eure Hilfe!!! Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

    Edited once, last by RolandP ().

  • Hallo Roland!


    In dem Buch "Die Deutsche Fallschrimtruppe 1942 - 1945, Einsätze auf Kriegsschauplätzen im Westen und Osten" von H.-M- Stimpel heißt es auf der Seite 399 lediglich: "An der Schlacht ostwärts und südlich von Stettin und Greifenhagen nahemn in dieser Zeit auch Einheiten der Fallschrimjägerregimenter 26 und 27 teil, die schnell formiert und durch die harten Kämpfe wie durch befohlenen herauslösung von Bataillonen ebenso schnell wieder deformiert wurden."


    Als Quellen zu dem enstprechenden Kapitel führt Stimpel u.a. folgende, oben nicht genannte Quellen an:


    A. Hofmann: Die letzten Tage der 9. FJ-Div. an der Oder, um und in Berlin. Erinnerungen eiens Artilleristen. Stockelsdorf 1984


    H.J. Rothe: Die 9. FJ-Div.. Wuppertal 1997


    Intererssant ist auch der bei den Anmerkungen auf Seite 541/542 kurz geschilderte Einsatz der 1. Fallschirmjäger-Panzerzerstörerkompanie, später umbenannt in 1. Fallschirmjäger-Panzerjagdbataillon. Scan habe ich Dir rübergebeamt.


    Das Buch "Widersinn 1945" von Stimpel habe ich leider nicht!


    Gruß
    Andre

  • Hallo Martin, danke für den Hinweis,
    ich habe auf der Suche nach Infos im WWW diese interessanten
    Angaben bereits gefunden ;) die aber bis dahin für mich neu waren !!!!!
    Was man nicht alles so finden kann !!!
    Mein Interesse gilt jetzt hauptsächlich den Heeres- und den Fall-
    schirmjäger-Einheiten, und möchte gerne wissen, ob und wo es even-
    tuell Berichte bzw. Angaben zu deren Einsatz im Brückenkopf
    Schwedt gibt!!!


    Dank Andre (vielen Dank auf diesem Wege !!!!), habe ich in
    Hans-Martin Stimpel, Die deutsche Fallschirmtruppe 1942 – 1945,
    Einsätze auf Kriegsschauplätzen im Osten und Westen, Mittler&Sohn,
    2001, im Anhang S.541 – 542 folgende Hinweise gefunden, daß es einen
    Tagebuchbericht eines der Kompanieführer im Fallschirm-Panzer-
    jagd-Bataillon 54, H.von Majer, gibt. Nach anderen Angaben aus
    Stimpel wurde das Bataillon zunächst ab 28.1.45 als „1.Fallschirm-
    Panzerzerstörer-Kompanie“ und schon zwei Tage später (30.1.45) in
    „1.Fallschirm-Panzerjagdbataillon“ umbenannt. Die Einheit kam
    über Schwedt und Niederkränig in den Brückenkopf und soll zwischen
    dem 1.und 7.2. an Stoßtruppunternehmen nach Königsberg Neumark
    und Bad Schönfließ teilgenommen haben.


    Jeder Hinweis ist nach wie vor interessant für mich!!!
    Mit besten Grüßen Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo RolandP


    Hier mal etwas zur 1. Marine-Infanterie-Division (1. MID) an der Oderfront, ich hoffe es ist von Interesse ...


    Von der 1. Schiffs-Stamm-Abteilung (1. SStA) Stralsund-Dänholm zur 1. Marine-Infanterie-Division (1. MID) an die Oderfront


    Nach der Grundausbildung sollten Anfang April 1945 viele OA an Bord von Zerstörern eingesetzt werden. Die in Frage kommenden Seekadetten nahmen schon ihre Bordausrüstung in Empfang und warteten auf die Abkommandierung. Zudem kursierte das Gerücht, dass das Oberkommando der Kriegsmarine beabsichtige, eine Reihe der OA für die sog. Kleinkampfverbände auszubilden. Aber aus der Kommandierung an Bord und ein Einsatz auf See wurde nichts. Die Bordpäckchen mußten wieder abgegeben werden. Eine große Schar von OA bekam nun feldgraue Uniformen, wie sie die Marineartillerie trug. Eine große Truppe von 600 - 700 OA, darunter viele Absolventen der SBF vom Jahrgang 1927, wurden plötzlich auf Befehl von Großadmiral Dönitz Mitte April 1945 zur 1. Marine-Infanterie-Division (1. MID) an die Oderfront abkommandiert und zunächst unweit der Stadt Schwedt eingesetzt. Nach dem Trommelfeuer der sowjetischen Truppen auf diese Stadt am 20. April 1945 und dem Beginn der sowjetischen Großoffensive am Unterlauf der Oder wurde die 1.MID verlegt in den Raum Gartz, Casekow,Schmölln. Unausgebildet für den Erdkampf, miserabel bewaffnet, ohne nachrichtentechnische und mobile Mittel wurden die jungen Kadetten trotz Bedenken des Kommandeurs der 1.MID, Generalmajor Bleckwenn, wiederum auf Befehl von Dönitz völlig verantwortungslos ins Verderben geschickt. Der aktuelle Frontverlauf war nicht bekannt, so daß die Matrosen der 1. MID in Gebiete beordert wurden, die bereits von den sowjetischen Truppen besetzt waren. So lief z. B. die 14. Panzerjagd-Kompanie direkt in die Spitze des von Gartz/Oder ausgehenden sowjetischen Brückenkopfes hinein. Die 1. MID wurde von den überlegenen sowjetischen Streitkräften total aufgerieben und erlitt hohe Verluste. Glücklich konnten sich die Kameraden schätzen, die mit dem Leben davon kamen. Viele konnten in Richtung Westen türmen. Sie wurden von den US-Truppen interniert. Andere gerieten in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der so mancher erst nach Jahren wieder heimkehren konnte, sofern er die Kriegsgefangenschaft überlebt hatte.



    Der Heimathistoriker Günter Prütz (Gartz/Oder) schreibt in seiner historischen Recherche zu den letzten Kämpfen an der Oder: "Es klingt fast unglaublich, daß die schlecht bewaffneten und ausgerüsteten Reste der MID bis in die Dunkelheit hinein Casekow gegen 7 sowjetische Angriffe halten konnten. 7 deutsche Soldaten ruhen auf dem Friedhof von Casekow, 23 in Wartin, 5 in Luckow, 12 in Petershagen. An der Gedenkstätte bei Wartin haben 99 sowjetische Soldaten ihre letzte Ruhe gefunden. Angesichts der dort geführten schweren Kämpfe und der von Zeitzeugen immer wieder betonten hohen deutschen Verluste müssen heute noch viele Gebeine in den Äckern rund um Casekow, in zugeschütteten Schützengräben, Granattrichtern und längst überwucherten Erdlöchern ruhen. Möge man ihnen ihre letzte Ruhe bewahren."
    (SBF: Seeberufsfachschulen)
    (OA: Offiziersanwärter)


    Quelle: http://www.wejot-leipzig.de/92…*id*key*=*session*id*val*


    Das von Dir genannte Buch zur 9. FJD (Hans-Martin Stimpel "Widersinn 1945") bekomme ich erst nächste Woche zurück von einem Bekannten, dann kann ich Dir mehr dazu sagen, sorry!
    Wenn sich bis dahin nicht schon jemand anderes zu Wort gemeldet hat ...
    Die Angaben in meinem Beitrag im Panzer-Archiv stammen teilweise auch aus Skorzenys "Meine Kommandounternehmen", Du hast dieses Buch auch in deiner Sekundär-Literatur erwähnt, darum verstehe ich nicht warum meine Angaben im entsprechenden PA-Beitrag für Dich "neu" waren ? -> Erklärung bitte, was war neu für Dich ???


    @ Martin, danke für die namentliche Erwähnung ;) , darauf bilde ich mir jetzt was ein !!! :D ( ein Scherz am Rande !)

    Gruß Tom

    Edited once, last by Tom300 ().

  • Hallo Tom, danke für den Hinweis zur 1.MSD, die war zwar in der Nähe und auch zusammen mit der KGr.Skorzeny/Gruppe Schwedt im Rahmen des Oderkorps (von dem Bach) eingesetzt, hatten aber leider keine direkte Berührung ...


    Erst ab 5.3.1945 wird die 1.Marine-Inf.Div. interessant, weil an diesem Tag Teile von ihr im Brückenkopf Zehden/oder durch die SS-Kgr.Solar (SS-FJB 600 und SS-JV Mitte) abgelöst werden ....


    Ich hatte Deine Angaben bereits zu einem früheren Zeitpunkt im Netz gefunden, sehr interessant ;)


    Das Stimpelbuch hat sich erledigt, die Angaben liegen vor ... leider bin ich wegen der Fsch.Panzerjagd-Btl im Brückenkopf Schwedt auch nicht weitergekommen ... es scheint, als wären Kampfgruppen aus verschie-denen Kompanien (Luftwaffe, Heer usw) gebildet und jeweils in be-stimmten Abschnitten der Brückenkopffront eingesetzt worden ...
    Leider fehlen sowohl die "offiziellen" Angaben (aus KTB HGr.Weichsel bisher leider sehr ungenau ...) als auch "Erinnerungsberichte" .... ;(


    Vielleicht kommt ja mal noch was!!


    Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo zusammen,
    ich habe heute das Buch von Günther Ballenthin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/Oder 1945, Eigenverlag, 2.Auflage 2006 erhalten, der interessanterweise auch auf die Kämpfe im Brückenkopf Schwedt 1.2. – 1.3.1945 eingeht. :]
    http://www.gedenkstaette-seelower-hoehen.de/
    (siehe bei "Shop")


    Meine Vermutung, dass es sich bei den Einheiten der Luftwaffe und des Heeres in diesem Brückenkopf um Alarmeinheiten oder erst kurz vorher zusammengestellte Einheiten handelte, deren Angehörige; wie die, die in dem o.g. Buch berichtet haben; kaum einen Überblick über die „größere“ Lage und/oder Verteilung der Einheiten hatten …  :(


    Ich wollte diese Gelegenheit einfach mal nutzen, um noch einmal nachzufragen, ob nicht in der Zwischenzeit weitere Erkenntnisse oder Berichte zum Einsatz von Einheiten in diesem Brückenkopf vorliegen … ;)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo zusammen,
    ich habe hier einige Ausarbeitungen, die ich gerne mal einstellen wollte, um dem geneigten Leser zu zeigen, um welchen Bereich es bei dem Brückenkopf Schwedt geht und um so vielleicht noch so ergänzende Berichte zu bekommen!


    Die 2.Garde-Panzerarmee, Generaloberst Semjon I. Bogdaow, erreicht vom 31.Januar zum 1.Februar 1945 das Städtchen Zehden sowie die Städte Königsberg/ Neumark, Fiddichow und Bahn. Die Vorhuteinheiten ihrer Vorausabteilungen, die sogenannten „Panzerspitzen“, haben sich in diesem Raum in einer Form entfaltet wie die gespreizten fünf Finger einer Hand. Sie stoßen auf die Oderbrücken bei Niederwutzen – Neuglietzen, Niederkränig – Schwedt und Greifenhagen – Mescherin vor. Sie können jedoch nicht über die Ost-Oder und West-Oder setzen. Es gelingt ihnen nicht auf dem rund 50 Kilometer langen Flussabschnitt einen Brückenkopf zu bilden.
    Dafür gibt es zwei Hauptgründe. Hier existierten im Unterschied zu Kienitz; von 5 Kilometern Flusslänge südlich Hohensaaten abgesehen; zwei Oderarme mit gewässerdurchsetztem Zwischenstrom-Gelände, dem bis zu 3 000 Meter breiten Polder.
    Und diese sowjetischen Panzer-Vorhuten hatten rund 60 Kilometer Strecke mehr zurückzulegen, trafen im Raum ostwärts Schwedt/ Oder – Greifenhagen 18 – 24 Stunden später ein. Diese relativ schmale Zeitspanne konnte ein Stab eiligst nutzen, auf der Ostseite der Ost-Oder Artillerie zur Erdzielbekämpfung in Stellung zu bringen und die sowjetischen Vorstoßrichtungen zu sperren. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 8 unten – S. 9)


    SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny, von Himmler zum 1.Februar als Kommandeur einer „Divisionsgruppe Schwedt“ und Kampfkommandant in diese Oderstadt befohlen, spricht später von „Flak-Kampftrupps“, die auf seinen Befehl hin schnell gebildet worden seien. Es handelte sich im drei bewegliche Flak-Batterien (vermutlich 12 Geschütze 8,8 cm ?), die beispielsweise hinsichtlich der Schwedter Richtung seit dem 29.Januar am Stadtrand in Bereitschaft stehen. Sie waren, vorher Heimat-Flak, im Eilmarsch aus der Umgebung Berlins und Kiels hierher befördert worden. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, 9)


    Am 1.Februar 1945 galt noch der Befehl des sowjetischen Oberkommandos, die rollende Weichsel – Oder- Operation fortzusetzen, ohne Halt die Oder zu forcieren und … Berlin aus der Bewegung zu nehmen. Also Brückenköpfe, Brückenköpfe. … Den sowjetischen Einheiten, die zwischen Zehden und Greifenhagen an die Oder heranrollten, gelang es nicht, einen Brückenkopf zu bilden. Neben den bereits genannten Hauptgründen, dem Zeitfaktor und der hier bestehenden 2 Oderarmen, seien noch zwei weiter Gründe anzuführen. Tauwetter hatte eingesetzt, das Eis brach, wurde unbegehbar selbst für Maschinenpistolenschützen. Und: Die vorgeprellten Panzereinheiten der Roten Armee waren Kompanien und Züge von Vorausabteilungen, die über relativ wenig Infanterie verfügten. Außerdem fehlten zunächst Boote, Schwimmfahrzeuge und Brückenbaupontons.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 38 unten – S. 39)


    Zunächst erreichten nur die Spitzenkompanien der sowjetischen Vorausabteilungen die Oder. Sie klärten vor allem auf. Sie operierten sechzig bis achtzig Kilometer vor den Hauptkräften und waren stärkemäßig nicht in der Lage, die durchfahrenen und erkundeten Dörfer zu besetzten. Sie kamen blitzschnell, zogen sich aber zunächst auch schnell zurück. So bildete sich in der ersten Februarwoche 1945 zwischen Nipperwiese und Zehden in einem etwa fünfzehn Kilometer tiefen Streifen ostwärts der Ost-Oder eine nichtentschiedene militärische Lage heraus. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 112 unten – S. 113 oben)


    Skorzeny erhielt den „Befehl 831 Himmlers vom 31.Januar 1945, der da lautete: „Die Jagdverbände marschieren ... noch heute nach Schwedt an der Oder und bilden östlich der Oder einen Brückenkopf. Dieser muss räumlich groß genug sein, um später aus dem Gelände heraus einen Offensivstoß führen zu können. Himmler – Chef der Heeresgruppe Weichsel“.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.69, s. a. Anm. 28 zitiert bei Julius Mader, Die Jagd nach dem Narbengesicht, Deutscher Militärverlag Berlin, 1963, 2.Auflage, S.123 – 124)


    Der Wehrmachtsbrückenkopf ostwärts Schwedt/ Oder, existent vom 1.Februar bis 2.März 1945, war sozusagen ein Fünf-Dörfer-Brückenkopf. In seiner größten Größe maß er neun Kilometer in der Breite und sechs Kilometer in die Tiefe. Er umfasste die Orte Niederkränig, Hohenkränig, Grabow, Hanseberg und Niedersaathen – Hanseberg jedoch nur zeitweilig.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.68)


    Skorzeny schreibt, er hätte sich nach seiner Ankunft in Schwedt sofort mit einem Pionier-Major beraten. Der äußere Ring des Brückenkopfes sollte achtzehn Kilometer betragen. Der „Grenzverlauf“ sieht so aus: Südlich Niedersaathen geht es sofort in die Berge, doch für das Oder-Randdorf Raduhn und das Vorwerk Elisenhöhe sind nur Vorposten erwogen. Dann soll der Grabenverlauf zur Höhe 63 hinüber springen, zwei Kilometer vom Dorf Hanseberg entfernt, das, wie wohl das Vorwerk Amalienhof, schließlich außerhalb der Brückenkopffront blieb. Hanseberg zu besitzen, wäre äußerst wichtig. Es wird am 7.Februar auch eingenommen, kann aber nicht gehalten werden, weil das Dorf ständig aus dem sowjetische besetzten Forst Peetzig, also in Flanke und Rücken, bedroht gewesen wäre. Von der Höhe 63 soll die Hauptkampflinie – einen Kilometer südöstlich Grabow vorbei – durch den dortigen Dorst bis an die Wald-Wiesen-Kante der Röhrike gegenüber der Nahausener Mühle verlaufen. Von dort weiter bis an die Mündung des Flüsschens Röhrike in die Ost-Oder.
    Der Peetziger Forst ist überhaupt ein Kapitel für sich. Er umfasst eine Fläche, die zweimal so groß ist wie der deutsche Brückenkopf. Er bleibt von Anfang an außerhalb des Zugriffs der Einheiten Skorzenys.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S 122 – 123)
    An der Südwestkante Niedersaathens ist vor allem die Uferpartie der Ost-Oder gefährdet. Von hier aus ist die Niederkräniger Brücke, nur drei Kilometer entfernt, einsehbar. An der Ziegelei, sie gehört zu Niedersaathen, verlegen deutsche Pioniere streckenweise Minen. Diese Todesstreifen sollten nach dem Krieg heimkehrenden Bewohnern zum Verhängnis werden.
    Der Peetziger Forst bot vor allem der sowjetischen Seite die größten militärischen Vorteile. Das geht soweit, dass der sowjetische Stab eine ständig befahrene Nachschubstrasse einrichtete. Die deutsche Brückenkopfbesatzung sieht sich nahezu völlig außerstande, Panzer- und Infanteriebewegungen und Pioniertransporte (Bauholz und Bohlen) zu unterbinden. Und auch Luftangriffe haben die sowjetischen Einheiten hier nicht zu befürchten. Aus diesem Waldgebiet beschießen offenbar auch großkalibrige sowjetische Geschütze das Dorf Niederkränig und das Stadtgebiet der „Festung Schwedt“. Das Artilleriefeuer kann also aus sieben bis acht Kilometern Entfernung geführt werden. Der Zeitungsverleger Fritz Schultz berichtete, das vom 7. bis 27.Februar an neun Tagen, tag und nachts, Granaten auf die Stadt niedergingen. In der Tagesmeldung des Oderkorps vom 22.Februar wird von 15 cm-Granaten gesprochen, die in Schwedt einschlugen.
    Die Stäbe beider Seiten bedienen sich einer regen nächtlichen Späh- und Stoßtrupptätigkeit. Man vertreibt sich aber gegenseitig. Zu einem Einbruch in die Hauptkampflinie des anderen kommt es nördlich des Forstes Peetzig nicht, im Unterschied zu dem Hin und Her südlich und beiderseits des Dorfes Grabow, drei Kilometer entfernt.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 124)


    Dieser Brückenkopf sollte eine Art zweiten Ausgangsraum für einen deutschen Flankenstoß ach Süden bilden. Einen weiteren Stoß hatte der Stab des Heeres, Generaloberst Heinz Guderian, aus dem Raum Glogau an der Oder geplant. Die deutschen Angriffskeile hatten sich nach diesen Planungen bei Posen zu treffen, um die Armeen der sowjetischen 1.Belorussischen Front, Marschall Georgi K. Shukow, einzukesseln und deren Brückenköpfe auf dem Westufer der Oder bei Kienitz und Reitwein von hinten zu zerschlagen. Diese Gefahr existierte Mitte Februar 1945 zunächst real. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 69, s. a. Anm. 27 aus Geschichte des Zweiten Weltkriegs, 10.Band, S. 174 und Shukow, Erinnerungen und Gedanken, Band 1 5.Auflage 1976, S. 303-304)


    Bereits am 28.Januar 1945 notierte Fritz Schultz, der Herausgeber des „Schwedter Tagesblatts“, in seinem Tagebuch: „ … Oberst Püschel hält in Schwedt eine Besprechung ab und sieht auch schwarz. …“ (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 17, Anmerkung 11 Otto Borriss, Die Zerstörung der Stadt Schwedt im Frühjahr 1945, beschrieben in Briefnotizen und Tagebuchaufzeichnungen, gesammelt von Otto Borriss, Maschinenmanuskript, Museum der Stadt Schwedt/ Oder, Blatt 1)
    Am 28.Januar standen der Stadt Schwedt als Kampfkraft, wie es heißt, nur zweihundert Gewehre zur Verfügung. Vorsichtshalber weisen die Behörden den Bau von Panzersperren an und lassen die beiden Kinosäle, „Gloria Lichtspiele“ in der Schützenstraße und das „Lichtspielhaus“ in der Berliner Straße, sowie die Schulen zur Unterbringung von Flüchtlingen freimachen.
    Am 29.Januar 1945 treffen in der Oderstadt Batterien mit Fliegerabwehrgeschützen ein, die für die Bekämpfung von Erdzielen vorgesehen sind.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.110 unten – S. 111 oben)


    02.02.1945
    Wie insgesamt nördlich und südlich von Schwedt/ Oder am 1.Februar 1945 keine Wehrmachtseinheiten entfaltet waren, befand sich auch in Nipperwiese kein deutsches Militär.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 110)
    Das Fischerdorf Nipperwiese war vom Fünf-Dörfer-Brückenkopf gleichsam abgeschnitten. Es lag, da es auch keine stabile Frontlinie zum fünf Kilometer entfernten Fiddichow gab, völlig isoliert: Nach Norden ein zwei Kilometer breiter Waldstreifen, von der Roten Armee kontrolliert; im Süden das Flüsschen Röhrike mit den überschwemmten, zugefrorenen Wiesen; im rücken die Ost-Oder und das drei Kilometer breite überschwemmte Schwedter Polder.
    Obgleich die Verteidiger des Ortes über keinen Panzer, über kein Geschütz verfügten, sollte dieses Dorf unbedingt gehalten werden.
    Die Ursache dieser hochsensiblen Wachsamkeit waren die beiden Deiche der Querfahrt Schwedt/ Oder – Nipperwiese, also der Wasserstraße, die die West-Oder mit der Ost-Oder verbindet. Der obersten Wehrmachtsführung dämmerte frühzeitig, dass die örtlichen Befehlshaber der Roten Armee zwar Interesse am Schwedter Brückendamm bekundeten, im Falle einer Forcierung beider Oderströme aber mit Sicherheit die Deiche der Querfahrt in die engere Wahl zogen, um sie als Vorstoßpassage zu erkämpfen und gleich danach als Transportschneise für Panzer, Selbstfahrlafetten und Artillerie. Die Deiche waren etwa fünf Meter hoch und auf der Krone vier Meter breit.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.116 – 117)


    Über die Tage von Freitag, dem 2.Februar, bis Donnerstag, den 15.Februar lagen Günther Prütz drei Berichte von Zeitzeugen vor. Hans-Jürgen Migenda, damals junger Fallschirmjäger, erinnerte sich, dass seine Einheit von Norden her nach Schwedt kam. „ … Von Tantow ging es mit dem Fahrrad bzw. zu Fuß weiter an die Oder. Gegen Abend erreichten wir den Oderkanal, fuhren auf dem Damm (Deich) bis an der Endstelle ein Schleusenwärterhaus auftauchte. Absteigen, dort die Räder abstellen, die Beine vertreten und sich umschauen. Da Wärterhaus war verlassen. Die Vorhut, wohl schon seit geraumer Zeit eingetroffen, hatte sich häuslich eingerichtet. ….
    Da unklar war, inwieweit das Dorf Nipperwiese vom Feind besetzt sei, wurde ohne viel Überlegung und Planung ein Spähtruppunternehmen angeordnet. Leutnant Mengelken hatte in einem Kahn mit mehreren Männern am hellen Nachmittag über die Oder zu setzen. Gleich zu Beginn fiel er vom schwankenden Gefährt ins eiskalte Wasser der Oder. Mann brach das Unternehmen ab. …“ Gemeint ist die Ost-Oder, die ab Ende der zweiten Februarwoche 1945 (Sonnabend, 10.2.45) Treib-Eis führte.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 111 unten – 112 oben)


    Reinhardt Paffrath, damals Oberleutnant und Führer des I.Zuges einer Kompanie Fallschirmjäger, berichtete, dass seine Einheit über die sechs Brücken des Schwedter Brückendamms nach Nipperwiese gelangte. Da die Röricke-Brücke für sie offenbar nicht zugänglich war, musste dieses Flüsschen - an der Mündung in die Ost-Oder – auf einem schmalen Bohlensteg überquert werden.
    Als die Fallschirmjäger in Nipperwiese einrückten, hatten sich die Rotarmisten bereits wieder zurückgezogen.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.112)


    Sowohl Migenda als auch Paffrath dürften dem III. Bataillon des Fallschirmjäger-Regimentes 26 angehört haben, das bis zum 21.2. oder 24.2.1945 in Nipperwiese im Einsatz war.


    Wie Hans-Jürgen Migenda schreibt, standen die meisten Fallschirmjäger seiner Kompanie hier bei Schwedt und Nipperwiese erstmals im Fronteinsatz. „ … Das Alter betrug bei diesen Leuten um die achtzehn Jahre. Ab Gefreiter waren die Landser Anfang zwanzig. Den ersten Verlust, den wir zu beklagen hatten, war der Fahnenjunker Storz, neunzehn Jahre alt. Er hantierte mit einem Maschinengewehr. Unglücklicherweise richtete er den Lauf auf sich selbst, damit er besser durchladen konnte. Dabei ging eine Schussfolge los, die ihn in der Brust traf. Der Tod trat auf der Stelle ein. …“
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.113 unten)
    „ … Überall hingen weiße Fahnen, Bettlaken oder Tücher heraus, die aber bei unserem Betreten bald wieder verschwanden. Im Dorf rührte sich nichts. Kein Schuss fiel, so dass wir unbehelligt weitergehen konnten. Bald stießen wir auf wenige, verängstigte Einwohner und weibliche polnische Hilfskräfte. …“ Migenda schreibt weiter, die meisten Einwohner von Nipperwiese und die dort bereits einquartierten Ostflüchtlinge hätten den ort rechtzeitig verlassen. Er nahm an, etwa zehn Prozent der Einwohnerschaft sei geblieben und wartete ab, wie sich die Lage entwickelte.
    Aber zunächst wurde einiges getan, um Nipperwiese zu verteidigen. Zu diesem Zweck wurde auch geschanzt. Zwei Züge bauten sich östlich des Dorfes ein, drei Gruppen besetzten am Waldrand die Wege nach Fiddichow, Kehrberg und Roderbeck. Eine weitere Gruppe sicherte die Straße nach Neuendamm zum eigentlichen Brückenkopf.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.114)
    Die Lücken zwischen den beiden Zügen östlich des Ortes mit den beherrschenden Maschinengewehren und den drei weiteren Sicherungsgruppen waren beträchtlich und zweifellos mit Minensperren bestückt. Das wurde nach dem Kriegs offenbar. Skorzeny geht in seinem (Auskunfts-) Bericht vom 27.Februar 1945 sonderbarerweise nicht auf die Verminung am Stützpunkt ein.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.116 oben)
    Hans-Jürgen Migenda: „ … Essen erhielten wir geliefert, oder wir bereiteten uns in der kleinen Küche selber etwas zu. Holz war genügend vorhanden. Vorräte lagerten noch in vielen Häusern … Im Gespräch mit der Polin (Magd) erfuhren wir, dass sie bei der vorübergehenden Besetzung durch die Russen diese von einer Plünderung abhalten konnte. … Sie sei von den Deutschen gut behandelt worden.
    Ein Teil der Gruppe musste abends auf dem Feld und auf dem Ackerweg zur Wache liegen. Wir empfanden die in die Glieder fahrende Kälte als beklemmend, schließlich als eisig. …“
    Als einzigen Zwischenfall schildert Migenda das Auftauchen eines russischen Panjewagen, der Richtung Nipperwiese fuhr. Die Fahrer wurden erschossen.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.114 – 115 oben)

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • 04.02.1945
    Die Hauptkräfte der 2.Gardearmee erreichten die Umgebung Königsbergs/ Neumark aber erst im Laufe des 4.Februar, nachdem es dem Stab Skorzeny bereits gelungen war, auf dem Ostufer der Ost-Oder den Fünf-Dörfer-Brückenkopf mit den Orten Niedersaaten – Hanseberg – Hohenkränig – Grabow – Niederkränig zu bilden und teilweise mit Schützennestern und Flak-Batterie-Stellungen auszubauen.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 39)


    Das Hamburger Volkssturmbataillon (650 Mann?) sollte per Eisenbahn nach Küstrin transportiert werden. Es erreichte am 31.Januar 1945 die Gegend von Neumühl in Höhe des Oder-Dorfes Kienitz. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 58, Anm. 6 Gerade waren sowjetische Einheiten über das Eisenbahngleis vorgestoßen und hatten es unterbrochen. Sie waren dabei, den Kienitzer Brückenkopf zu errichten. Der Transportzug wird auf dem gleichen Gleis zurückgeführt, trifft aber erst vier Tage später, am Sonntag, dem 4.Februar, auf dem Bahnhof Königsberg/ Neumark ein es soll vormittags gewesen sein. Der Kommandeur beratschlagt mit dem Fleischermeister Kastner über die Verpflegung seiner Leute. Er bestellt zum Montag, dem 5.Februar, für den Volkssturm auch dreihundert Brote. Er lässt erkennen, dass die Stadt verteidigt werden soll. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 59, Bericht Siegfried Hecht, in Kurt Speer, Oderland)


    Nach 12 Uhr mittags geht der Feuerwehrführer Felix Hecht in Königsberg ins Rathaus. Die Waffen-SS-Leute packen gerade ihre Sachen. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.59)


    Die Waffen-SS, die nach Königsberg kam, nahm Unterkunft im Viktoria-Hotel. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.59)


    Oberst Eismann, Stellvertret. Generalkommando II.Armeekorps, orientiert am 3.Februar 1945 so: „Königsberg feindfrei, wurde wieder von eigenen Sicherungen besetzt. …!
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 62, Anm. 17 Mittagsorientierung des Stellvertr.Gen.Kdo. II.AK v. 3.2.1945, abgezeichnet von Oberst Eismann, Ia, BA-MA, Freiburg)


    Am 3.Februar oder 4.Februar 1945 hatte Skorzeny zwei reduzierte Fallschirmjäger-Züge (50 Mann) in das Dorf Bernickow befohlen. Sie sollten aufklären, die Bewegungsrichtungen der sowjetischen Spitzeneinheiten erkunden. Sie waren allerdings von der Ausstattung mit Waffen und Fahrzeugen nicht viel mehr als eine Sicherung eineinhalb Kilometer vor der Stadt Königsberg/ Neumark. Sie sollten sich vermutlich auf kein Gefecht einlassen, schon gar nicht mit sowjetischen Panzern. Es kam dennoch dazu. Offenbar waren sie zunächst überrumpelt worden. Sie schossen angeblich elf T 34 ab, zogen sich dann aber an die Stadtmauer zurück. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.60)


    Nachmittags gegen 16 Uhr nähern sich von der Uchtdorfer Seite 7 sowjetische Panzer, rollen sozusagen im Schnee bergab dem Stadtrand von Königsberg zu. Der Hamburger Volkssturm schwärmt aus. Sie besetzen Teile des Bahndammes, beginnen zu schießen, auch mit Panzerfäusten. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.58)


    Die Volkssturmmänner wurden anscheinend am Königsberger Bahnhof „in die Kämpfe hineingezogen, regelrecht verwickelt. … Zunächst sicher ohne taktische Absicht, denn sie konnten keine vorbereiteten Schützengräben oder Einmannlöcher beziehen. Dass sie in den Gebäuden am Stadtrand Deckung und Schutz suchten, war eine völlig normale Reaktion. Sie hätten sich allerdings kämpfend Richtung Schwedt/ Oder zurückziehen oder sich ergeben können, anstatt sich schießend in der Stadt festzusetzen. Der Vorwurf, die Hamburger haben Schuld, lenkt die Aufmerksamkeit weg von den tatsächlich Zuständigen (Verantwortlichen), vom Kommandierenden General des Oder-Korps (war es zu diesem Zeitpunkt noch Generalleutnant Krapp?) sowie von Obersturmbannführer Otto Skorzeny. ….“ (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 62)


    Die Kämpfe zogen sich die ganze Nacht hin, auch in der Stadt. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.59)


    Es sind heftige Teilgefechte mit dem Charakter eines hinhaltenden Widerstandes. Er wird von sowjetischen Einheiten gebrochen und geht im Verlauf der Nacht zum 5.Februar 1945 in einen Rückzug zum Fünf-Dörfer-Brückenkopf über. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 63, in einem Brief von Kurt Speer an Günther Prütz heißt es : „ … Von der Kriegsgräberfürsorge erhielt ich die Nachricht, dass in Königsberg etwa fünfzig deutsche Soldaten (überwiegend vom Hamburger Volkssturm) gefallen sein sollen ….“) Erhebt sich die Frage, wo die zwei oder drei Dutzend Hamburger Hafenarbeiter, gefallen vor und in der Stadt ihr Grab gefunden haben? (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 68)


    Als das nächtliche Absetzen begann, eilten auch die Volkssturmmänner aus Hamburg in den Fünf-Dörfer-Brückenkopf. Sie bezogen wenig später Stellungen an der West-Oder zwischen Schwedt und Lunow. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 62, Anm. 15 Dr. Joachim Reuscher, Abwehrkämpfe Oderfront 1945, Blatt 76)


    Nach dem Abzug aus Königsberg meldete Skorzeny in einem Blitztelegramm und geheimer Kommandosache am 5.2.1945, 12.30 Uhr: „ Morgen (also am 6.Februar) wird Verteidigung von Königsberg verstärkt. ….“ (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 62, Anm. 18 BA-MA, Freiburg) WAR DER VERLUST DES ORTES SKORZENY DA NICHT BEKANNT? Müsste ja eigentlich „Wiedereinnahme von Königsberg“ heißen??


    Günther Ballentin kommt in seinem Buch „Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945“
    zu dem Schluss: „ Die Verteidigung der Stadt Königsberg/ Neumark war nach Lage der Dinge von vornherein sinnlos, militärisch lage-widrig. Warum? Es gab im weiteren Bereich ostwärts der Stadt keine zusammenhängende Front, nicht einmal stützpunktartige Sperrriegel. Es gab keine vorbereiteten Stellungen im Vorfeld. … Es gab keine deutschen Panzer und keine Artillerie. Nicht einmal der hiesige Volkssturm war mit Infanteriewaffen ausgestattet worden, wie auch nicht in Soldin. Doch dort entließ man die Waffenlosen.
    Und es gab kein koordiniertes Zusammenwirken zwischen den Chefs und Stäben der Waffen-SS, des Flugplatzes und des Volkssturms. Im Unterschied zu einer offenbar regen sowjetischen Kampfflieger-Unterstützung durfte Königsberg/ Neumark auch nicht mit deutscher Unterstützung aus der Luft rechnen. Die Abwehrchancen waren nahezu gleich Null. Das beweißt die Tatsache, dass der deutsche Widerstand bereits nach zwälf Stunden erlosch. …“ (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 64)


    Günther Prütz, 1927 in Neustrelitz geboren, wurde am 11.November 1944 nach einer Zeit als Flakhelfer in Bremen und beim RAD zur Wehrmacht eingezogen. Im Februar 1945 als Fallschirmjägersoldat bei Schwedt/ Oder, Greifenhagen/ Oder und im April 1945 bei Seelow im Einsatz, geriet er im Mai 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft: „ …Am 31.Januar 1945 erreichten Vorausabteilungen der Roten Armee die Oder bei Schwedt und bei Kienitz im Oderbruch. Das Städtchen Schwedt/Oder war von Carin-Hall II wie weit entfernt? Rund vierzig Kilometer – Luftlinie.
    Ich glaube, am letzten Januartag oder am ersten Februartag 1945 werden wir nach Berlin-Reinickendorf zurückverlegt. Die Wacheschieberei ist zu Ende. Hier wird eine Einheit zusammengestellt, die den Bandwurmbegriff „Fallschirm-Panzerjagd-Bataillon 54“ erhält. Wir nennen die Truppe aber „Fallschirm-Panzer-Zerstör-Bataillon 54“.
    Ab geht´s an die Oder, in die Schwedter Pionierkaserne! Im Stillen hoffen wir endlich die uns zustehende Fallschirmjägerkluft mit Springerhose und „Knochensack“ zu erhalten, doch dergleichen hatte man daselbst nicht auf Lager. …“
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.91)


    Hans Flieger schreibt: „ … Uns wurde erklärt, dass sich die Nummer unseres Bataillons aus der Bezeichnung der Panzerbüchse ableite….“ Dieses Panzerabschussgerät, auch „Panzerschreck“ oder „Ofenrohr“ genannt, trug die Bezeichnung „Panzerbüchse 54“.Sie wird auch als „Rakten-Panzerbüchse 5“ beschrieben. Aus dem 164 Zentimeter langen Rohr wurde eine Drei-Kilogramm-Granate verschossen; beste Schussentfernung bis 130 Meter.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.146, Anm. 59)


    Der damals 17jährige Panzergrenadier Hans-Jürgen Stein, war am 16.Januar 1945 von Kalisch an die Front in Marsch gesetzt worden. Als Fußkranker bei den Absetzbewegungen über Lissa und Glogau kam er in das Lazarett Riesa in Sachsen und beim LKW-Transport auf dem Wege in das Heimatlazarett Stettin am 4.Februar 1945 auch nach Schwedt. Nach einer SS-Kontrolle wurde Stein in einen nahegelegenen Truppenverbandsplatz eingewiesen. Er trägt unter dem 5.Februar in sein Tagebuch ein: „ … Ich helfe im Revier. …“ Und am 6.Februar heißt es: „ … Ich melde mich bei der Kampfgruppe Jacobs/ Scholz. … Meine Füße sind besser geworden, auch habe ich Filzstiefel und Frostschutzsalbe bekommen. … Ich werde der 1.Gruppe zugeteilt …Die Einheit liegt in einer Baracke ostwärts von Vierraden direkt an dem Oderkanal (westlicher Oderarm) … Es sind bedingt wiederhergestellte Soldaten, die in Italien verwundet wurden. Ich übernehme das Maschinengewehr MG 42 als Schütze Eins. …“
    Es handelt sich hierbei um eine Genesungskompanie in Stärke von nun fünfundsiebzig Mann; Kompaniechef war ein Oberleutnant Scholz.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 12 – 13, hier Photo aus dem Jahre 1944, S. 120, hier als „Gefreiter“ bezeichnet)


    05.02.1945
    Der Fünf-Dörfer-Brückenkopf wird am 5. und 6.Februar völlig eingedrückt, ausgenommen das Oder-Randdorf Niederkränig (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 63)


    Der zuständige sowjetische Divisions-Kommandeur gab den Befehl, am Montag, den 5.Februar mit drei Panzern T 34 kurz vor Sonnenaufgang den Schwedter Oder-Übergang gewaltsam aufzuklären. Den Auftrag erhält Garde-Leutnant Oleg Matwejew, eine der findigsten Aufklärungsoffiziere des Verbandes. Zugführer in der Panzerkompanie, die der Garde-Leutnant Achot Amatun befehligt.
    Matwejew prescht mit seiner Besatzung nach Niederkränig hinein. Die anderen T 34 des Leutnants Amatun geben ihm vor dem Dorf zeitweilig Feuerschutz. Matwejews Panzer dringt bis in die Nähe der Ost-Oder-Brücke vor. Er kann noch durchgeben, was er gesehen hat (gesperrte Brückenauffahrt, geflutetes Polder). Der T 34 wird jedoch von einem Panzerfaustschützen abgeschossen. In der Tagesmeldung der 2.Garde-Panzeramree heißt es, der Panzerzugführer Garde-Leutnant Oleg Matwejew, geboren am 12.Juni 1924, „ … fiel bei einem Aufklärungsvorstoß in der Umgebung von Grabow an der Oder. …“ Eine lapidare Mitteilung über den tragischen Tod zweier junger Soldaten, denn auch Olegs Ladeschütze Sharkow kommt um, nur der verletzte Fahrer Telkow kann sich zur sowjetischen Linie durchschlagen.
    Der sowjetische Kommandeur entschließt sich, den Rest des am 5.Februar fast eingedrückten Brückenkopfes zunächst zu blockieren. Er lässt die Idee einer schnellen Brückenkopfbildung etwas links oder rechts von Schwedt fallen. Sie wäre mit hohen Menschenverlusten erkämpft worden, möglicherweise fehlgeschlagen. ….
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 39 - 41 , s. a. S. 50, Anm. 32, mit Biographischen Daten zu Amatun, Anm. 33 )


    06.02.1945
    Am 5. und 6.Februar 1945 drückten Einheiten der Roten Armee den Brückenkopf zusammen, ausgenommen die Ortschaft Niederkränig.
    Nun treffen in Schwedt/ Oder fünfzig deutsche Sturmgeschütze und Schützenpanzerwagen ein. In der Nacht zum 7.Februar lässt sie Skorzeny auf dem Brückendamm vor Niederkränig mit aufgesessener Infanterie auffahren. Gesamtstärke der Angreifer: etwa knapp ein Regiment (tausend Mann).
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.73)


    Günther Prütz war als Angehöriger des Fallschirm-Panzerjagd-Bataillons 54 inzwischen in Niederkränig gelandet: „ … Der Kalender an der Wand zeigt den 6.Februar 1945. Es regnet etwas, die Luft ist diesig. Nebelschwaden kriechen über die Oder hinweg. Was wir noch nicht wissen: Nach dem Einsetzen des Tauwetters vor fünf Tagen steht das Wasser schon kniehoch über der Eisfläche des Flusses, hat sich der im Januar noch meterhohe Schnee in tausend Rinnsale verwandelt, sinkt man auf dem Lehmfeldern plötzlich bis zum Knöchel ein. Am 27.Januar hatten wir noch Minus zehn Grad. Jetzt ist es nicht sonderlich kalt, plus fünf Grad werden es sein, denke ich, und schließe das winzige Stubenfenster unseres Quartiers in Niederkränig. Wir haben ein kleines Haus bezogen, das wie ein Schwalbennest am Hinterhang des Höhenzuges klebt. Die Lage lässt einen herrlichen Blick auf das Treibeis der Oder zu.
    Als wir über den Schwedter Brückendamm herangeführt wurden, konnte ich die dort aufgehängten vier deutschen Soldaten nicht übersehen. Skorzeny ist hier Kampfkommandant. Sein Divisionsgericht kannte keine Gnade. Auch ich musste diesen Anblick ertragen. Es waren die ersten Kriegstoten, die ich 17jähriger beim Marsch über die sechs Brücken beider Oderströme und der Poldergewässer wahrnahm.
    Doch das Heranheulen vereinzelter Granaten der sowjetischen schweren Artillerie; die Wasserfontänen mit den Eisschollenstücken sowie die Last des aufgebürdeten Kriegsgeräts – Sturmgepäck, Gasmaske, volle Patronentaschen, Karabiner und Panzerfaust – ersticken die Gefühlsaufwallungen, verdrängten sie auf spätere Stunden der Besinnung. …“
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.91 unten – S. 92)
    Prütz lag mit einem Kalli Kallenbach, einem 17jährigen Bayer, auf der Stube. „ … Kalli und ich, wir haben dieses Häuschen am Hinterhang als Kompaniemelder bezogen, kaum, dass die rechtmäßigen Besitzer es verlassen hatten. Es gibt richtige Betten, im Keller lagert Eingemachtes in Mengen, und im Küchenschrank entdecken wir noch die Zutaten für eine schmackhafte Suppe. ….. Ich setze mich auf die Bettkante und versuche meine dreifach behosten Beine in diese unmöglichen Filzstiefel hineinzustoßen, die man uns in der Pionierkaserne verpasst hat. Die lange Unterhose war Soldatenpflicht, die blaue Fliegerhose gehörte zur Uniform und die mächtig-weite Stepphose (außen weiß, innen tarnfleckig) war Stück der Winterbekleidung, die man uns trotz der plötzlichen milden Temperaturen aufgezwungen hatte.
    Unsere Einheit „54“ (Panzer-Zerstörer-Bataillon) ist, wie uns kundgetan wird, Teil einer 9.Fallschirmjäger-Division, die sich in der Aufstellung befände und noch über keine eigenen Versorgungsdepots verfüge. Auch der Oberkörper braucht Kälte nicht zu fürchten: Unterhemd, Fliegerhemd, Pullover, blaue Uniformjacke – und darüber die Wattejacke oder Steppjacke. … Kopfschützer, Schal, Pulswärmer und Handschuhe vervollständigen den 1945er Winterkrieger! … Wir jedoch fühlen uns wie Eisbären in der Sauna, unsere Bewegungen sind recht eingeschränkt.
    Am Abend (des 6.2., Roland) muss die Kompanie auf der matschigen Straße vor einem geräumigen Eckhaus antreten. Es ist verhältnismäßig ruhig. Hinter uns gluckst die Oder …
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 94)
    Leutnant Hans von Majer, ein ehemaliger hochdekorierter Stuka-Flieger und Fallschirmjäger alter Schule, eröffnet uns, dass wir am frühen Morgen (des 7.2., Roland) zum Angriff antreten müssen und uns wegen möglicher Bauchschüsse nicht überfressen sollten. Kalli und ich werden dem Zug von Leutnant Klose als Gefechtsmelder zugeteilt und müssen sofort in dessen Quartier umziehen.
    Die letzte Nacht in Niederkränig bricht an. Wie lange waren wir eigentlich hier? Waren es drei oder fünf Tage? Wird es je wieder die allabendlichen vertrauten philosophischen Gespräche zwischen einem bayrischen und einem mecklenburgischen Oberschüler über Gott und die Welt geben? Nein, heute ist da nur die blanke Furcht vor dem ungewissen Ausgang, einer längst erwarteten, sogar erhofften Bewährungsherausforderung, und wir sind uns wohl zum ersten Male ganz bewusst, dass von nun an der Tod unser ständiger Begleiter sein wird. …“
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 95)

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • 07.02.1945
    Am 7.Februar früh gibt Skorzeny den Befehl zum Gegenangriff, um die „alte Lage“ im Fünf-Dörfer-Brückenkopf wiederherzustellen. Natürlich wollte er ihn erweitern, vor allem in zwei
    Keilen über die Nahziele Grabow und Hanseberg die Stadt Königsberg/ Neumark angreifen.
    Da die Wiesenniederung beiderseits des Flüsschens Röhrike noch überschwemmt und vereist war, schied es ratsam, südlich Königsberg/ Neumark über der Gelände des Flugplatzes durchzustoßen und dann entlang der Bahnlinie Königsberg/ Neumark – Stettin nach Norden und entlang der Straße Bernickow in Richtung Thänsdorf nach Nordosten weiter anzugreifen.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.73)


    Die deutsche Rückeroberung Königsbergs/ Neumark und des Flugplatzes wäre insofern wichtig gewesen, da Skorzeny den Befehl hatte, einen operativen Brückenkopf zu schaffen, also einen Geländebereich zu besetzen, der in der Breite zumindest von Fiddichow bis Zehden – gleich dreißig Kilometer – gereicht hätte, und der von der Oder bis Bahn zwanzig Kilometer, bis Soldin und bis Neudamm je vierzig Kilometer hätte tief sein müssen.
    Stadt und Flugplatz Königsberg/ Neumark hätten aus der Reichweite der sowjetischen Artillerie herausgekämpft werden müssen. Der Chef der 2.Garde-Panzerarmee, Generaloberst Bogdanow, und der Chef der 61.Armee, Generaloberst Pawel A. Below, rechneten damit.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.73)


    Beim Angriff auf Hanseberg sind von der Sturmgeschützbrigade 210 zwei Batterien beteiligt, die 3. mit acht Sturmgeschützen, Hauptmann Vincon, und die 2. mit neun Gefechtsfahrzeugen, Oberleutnant Schmeing-Engberding.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 109)


    Günter Prütz vom Fallschirmjäger-Panzerjagd-Bataillon 54 in Niederkränig, berichtete um 7.Februar 1945: „ …. Laute Befehle wecken uns. Da ist auch schon Leutnant Klose. Unser Gepäck wird verstaut. Ich habe meinen Rucksack mit allen Habseligkeiten dann nie wiedergesehen.
    Der Zug tritt auf der nassen Dorfstraße mit Sturmgepäck und Waffen an. Von der Brücke vernehmen wir das Rasseln von Panzerketten. An diesem Morgen des 7.Februar bietet die Division Schwedt alles auf, was an Truppen und gepanzerten Fahrzeugen verfügbar ist. Irgendwo wird unser Zug als Begleitinfanterie auf eine Batterie Sturmgeschütze der Brigade 210 verteilt. Wir sitzen auf und versuchen und so gut wie möglich an den aufgeschweißten Handgriffen festzuhalten. …“ Dabei soll es sich um Sturmgeschütze IV gehandelt haben
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S. 95 unten)
    Von Hohenkränig aus stoßen wir auf einem furchtbar holprigen Landweg Richtung Grabow vor. Es ist Kopfsteinpflaster mit Dellen, wie ich eines Tages lange nach dem Krieg in Augenschein nehmen konnte. Dieses Dorf steht schon seit der Nacht in Flammen. Am Wegesrand entdecken wir die ersten Körper in erdbrauner Uniform. Sie scheinen dort schon länger zu liegen….“


    Die Fernverkehrsstraße 166 durchquerte damals das Dorf Grabow und führte an der Kirche vorbei, die nach der Räumung des Fünf-Dörfer-Brückenkopfes nach den schweren Kämpfen im Grabow, das dabei zu 85% zerstört wurde, nicht mehr existierte.


    Günther Prütz: „ …In Kolonne jagen unsere sechs Sturmgeschütze – oder sind es mehr, acht oder neun? - bergab in Grabow hinein, das von der Waffen-SS und unseren Leuten bereits eingenommen ist. An einer Wegegabelung gibt es einen kurzen Halt. Dort steht ein Wagen mit Stander, und eine Gruppe von Offizieren scheint eine wichtige Lagebesprechung abzuhalten. Wir nehmen davon wenig Notiz, bis einer von uns die dicke Gestalt des Reichsmarschschalls erkennt. E r hier? In der vorderen Linie? Wie nach dem Krieg bekannt wird – Otto Skorzeny erzählt es in seinem Buch „Geheimkommando Skorzeny“ – hätte sich Göring an seiner Seite in kurzen Sprüngen und streckenweise kriechend über zwei Kilometer bis ins Dorf Grabow geschlichen. ….
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.98)
    Hermann Göring habe ich bisher nur einmal gesehen, als er auf unserem Schießstand den Übungen mit der Panzerfaust und dem „Ofenrohr“ beiwohnte und sich die Wirkungsweise dieser neuen Panzerabwehrwaffen mit Raketengeschoss und elektrischer Zündung erklären ließ. Damals gehörten wir noch zum Begleitbataillon „Reichsmarschall“ in Carin-Hall. …
    Inzwischen hat der Batteriechef unserer Sturmgeschütze seine Einweisung erhalten und wir preschen aus Grabow hinaus. Erneut macht uns ein dellenreicher Feldweg zu schaffen und wir haben es schwer, uns aus den glatten Panzerplatten des Fahrzeugs festzuhalten.
    An der nächsten Wegegabelung wird Gefechtsordnung befohlen. Unsere Gefechtsfahrzeuge schwärmen aus und in breiter Front rollen wir auf die Ortschaft zu. Es ist Hanseberg. Die Luken werden geschlossen. Das von innen gesteuerte Maschinengewehr auf dem Oberteil des Sturmgeschützes schwenkt hin und her, als suche es, von Geisterhand bedient, ein entferntes Ziel.
    Schwer mahlen die Panzerketten durch den aufgetauten, mit Schnee vermischten sandigen Lehm und graben sich in den fetten Acker ein. Wir fahren an der rechten Flanke, parallel zum gerade verlassenen Feldweg, an dem Obstbäume stehen.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.99)
    Plötzlich entdecke ich zwischen den Baumstämmen einen T 34, für den es ein leichtes wäre, uns aus dieser Entfernung zu vernichten. Mit aller Kraft stoße ich den Karabinerkolben mehrmals auf die Kommandantenluke, bis der Geschützführer seinen Kopf sehen lässt. Aufgeregt und immer noch schreckerfüllt, strecke ich den Arm nach dem Panzer aus. Sofort wird die Luke geschlossen. Mit einem Ruck bremst das Fahrzeug, macht aus dem Stand eine Drehung nach halblinks und schon jagt ein 7,5 cm-Geschoss aus dem Rohr. Der Rückstoß wirft uns fast vom stählernen Deck, doch aus dem T 34 züngeln die ersten Flammen. Erst später wird mir bewusst, dass dieser Panzer wohl kaum bemannt gewesen sein konnte, sicher hätte uns der Richtschütze erledigt, bevor wir ihn wahrgenommen hätten.
    Noch eine Kuriosität ist mir erinnerlich: Im Dorf dann direkt an einem langen Stall des Rittergutes … an der Wegegabelung Peetzig – Amalienhof … stehen sowjetische Panzerabwehrgeschütze. Die Artilleristen hätten unseren Angriff längst bemerken und uns bekämpfen müssen, doch nichts tut sich. Unser Sturmgeschütz dreht noch einmal auf der Stelle, schießt – und trifft einen Munitionsstapel, der sofort in die Luft fliegt. Ist auch diese Stellung unbemannt gewesen? Jedenfalls finden wir später weder einen Toten noch einen Verletzten.
    Am Ortsrand von Hanseberg dagegen erheben sich erdbraune Gestalten aus ihren Schützenstellungen und ziehen sich ins Dorf zurück. Wir erhalten den Befehl zum Verlassen der Gefechtsfahrzeuge und gehen zum Infanterieangriff über. Die letzten zweihundert Meter bis zum Dorf erscheinen mir endlos, denn dauernd bleiben wir mit den Filzstiefeln in der aufgeweichten Erde stecken, und wir kommen nur langsam voran.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.100, s. a. S. 105 oberer Abschnitt)
    Schon vom Sturmgeschütz aus haben wir auf flüchtende Rotarmisten geschossen, doch nun, da wir wieder festen Untergrund spüren, stürmen wir die Dorfstraße entlang. Wir schießen wie die Wilden um uns, und hier und da fliegt eine Handgranate in einen Torweg oder in ein Fenster, weil wir hier immer noch Rotarmisten vom Dorfrand vermuten. Doch vom Feind ist nichts zu sehen. Stattdessen zunehmendes Kettengerassel. Wir gehen in Deckung. Auf der anderen Straßenseite liegen schon Leutnant Klose und einige Jäger unseres Zuges. Der Leutnant winkt uns zu und fordert zum Stellungswechsel auf. Kalli Kallenbach, den Karabiner in der rechten Hand, springt, aber nur bis zur Straßenmitte. Dort wirbelt plötzlich eine mächtige Detonation, die uns die Sicht nimmt, Steine, Erdklumpen und Rauch in die Höhe. Als wir nach Sekunden der Todesangst den Blick auf die Straße wagen, ist von Kalli nichts zu sehen.
    Dann kommt etwas vom Himmel geflogen. Es scheppert blechern schrill und dreht sich eine Ewigkeit wie ein blaugrauer Kreisel auf den Katzenkopfsteinen. Ein Helm. Kallis Stahlhelm. Einer nimmer ihn hastig auf, als wir zum Leutnant hinüberwechseln. Der ist bleich wie die Wand. Mir laufen die Tränen übers Kinn. Irgendwo bestatten wir den Stahlhelm. Mehr ist von Kalli nicht übriggeblieben.
    Auch der Panzer, der uns Kalli geraubt hat, ist verschwunden. Vielleicht hat uns Kalli mit seinem alleinigen Sprung das Leben gerettet. Doch unsere Dankbarkeit erreicht ihn nicht mehr. Jedenfalls will der Leutnant das Eiserne Kreuz zweiter Klasse für ihn beantragen. Wir sind dafür. (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.101)
    … Von der Ortsmitte her tobt Gefechtslärm. Wir hören das Wummern der Sturmgeschütze, hören Kanonenschüsse von T 34, und dazwischen das Rattern der feuerschnellen Maschinengewehre 42 … Dann haben wir den Teil der Dorfstraße erreicht, der am versteckt liegenden Gutsschloß und an der Kirche vorbeiführt. Gutshof, Schlosspark, Kirche und Friedhof sind von einer ungewöhnlich hohen Mauer umgeben, über die man nicht hinwegsehen kann. Wir kämpfen uns gegen einen noch immer unsichtbaren Gegner bis an die Mauerecke heran, wo die Dorfstraße im rechten Winkel abbiegt. Die hohe Mauer soll unsere Deckung sein. Auf den jenseitigen Straßenseite hat ein Sturmgeschütz Lauerstellung bezogen, kaum zehn Meter von uns entfernt. Wir sehen etwas brennen. Es sind einige Gebäude und ein T 34.
    In der Gegend, wo wir später die Brennerei erkenne, wird geschossen. Das ist wohl das Ende der Abbiegung. Dann ein lautes und näherkommendes Kettengeräusch. Wir legen die Panzerfäuste bereit und ducken uns. Ein Schuss aus der 85 mm-Kanone zerfetzt das Hoftor eines Gehöftes linker Hand.
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.102)
    Das Geräusch von Panzerketten kann nervtötender sein als Artilleriebeschuss. Meine Angst erreicht den Höhepunkt. Wie liegen aber im toten Winkel und können mit der Panzerfaust nichts ausrichten. Doch unser Sturmgeschütz bäumt sich beim Feuern kurz auf. Seine Panzergranate durchschlägt aus Nahdistanz die rechte Seite des T 34 und setzt ihn in Brand. Dieser brennende Panzer bleibt mir ein Leben lag in schlimmer Erinnerung. Vergebens versucht der Kommandant aus der Luke herauszukommen – eine zappelnde Fackel. Niemand kann ihm helfen. Dem Richtschützen, dem Fahrer, dem Ladeschützen schon gar nicht. Irgendjemand erlöst den Kommandanten nach auch hier praktizierter Landsknechtmanier mit einem Karabinerschuss von den Qualen. Wir blicken schaudernd vom Fuße der Mauer zu diesem brennenden Sarg und schweigen. Ist es Rache für Kallis Tod? Wie ich mich erinnere, haben wir für weitere düstere Gedanken keine Zeit.
    Bis zum Abend durchkämmen wir Hanseberg. Doch außer den abgeschossenen T 34 scheint das Dorf jetzt feindfrei zu sein. Einige Häuser brennen, andere haben Schäden, verursacht durch Panzergranaten. Die Zivilbevölkerung ist anscheinend vor unserem Eintreffen evakuiert worden. Dennoch finden wir im Keller noch ältere Personen, die uns mit dampfenden Kartoffeln bewirten. Die Leute sollen in der Nacht über die Oder gebracht werden.
    Inzwischen rollen die Sturmgeschütze aus dem Dorf hinaus. Sie werden in Hohenkränig aufgetankt und aufmunitioniert, heißt es. Ist es eine Vorsichtsmaßnahme gegen nächtlich angreifenden russische Nahkämpfer? Wir infanteristisch handelnden Soldaten sind jedenfalls aus uns allein gestellt. Wir erhalten Befehl, gefährdete Punkte gegen Überraschungen zu sichern. …“
    (Günther Ballentin, Die Zerstörung der Stadt Schwedt/ Oder 1945, Eigenverlag, o. O., 2.Auflage 2006, Die sogenannten Festung Schwedt/ Oder und ihre Flanken 1945, 1.Teil: Die Front nähert sich, S.103)


    Das geht zwar noch weiter, aber ich denke, für den ersten Überblick reichen diese Angaben!!! ;) Ich habe zwar ein umfangreicheres Manuskript über diesen Brückenkopf, aber diese bisher eingestellten Angaben helfen durchaus, den Ablauf der Kämpfe noch genauer zu dokumentieren ....  8)


    Wer also in seinen Unterlagen oder Büchern noch Berichte über einen Einsatz in diesem Raum hat, bitte melden ;)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Roland,


    hab´ da zufällig was im Fundus. ;)


    Ostubaf. Skorzeny spricht zu seinem bunt zusammengewürfelten Haufen ( "..der Russe hat uns fürchten gelernt...auch der Iwan ist zu schlagen..." )


    [Blocked Image: http://img1.myimg.de/1db76a.jpg]



    und verleiht StabsFw. Kunze das Panzer-Vernichtungs-Abzeichen:


    [Blocked Image: http://img1.myimg.de/2ac3685.jpg]



    Stabsfeldwebel Kunze erzählt folgendes über seinen Einsatz :


    [Blocked Image: http://img1.myimg.de/3d552e.jpg]



    " Da kommt ein Melder zu mir. Ich lag gerade so im Loch : „ Stabsfeldwebel – die Russen sind da „.
    Ich sag´: " Na, sei mir mal ruhig Junge, das wird nicht so schlimm sein. "
    Ich schnappte mir meine Panzerfaust und sah schon den Brocken vor mir stehen .. ungefähr so 10 – 12 Meter vor mir ....es war ein T34. Ich ließ ihn noch etwas näher kommen... setzte meine Panzerfaust auf die Schulter und drückte ruhig ab..... und PENG lag er da. Die Mannschaft bootete gleich aus und ich schoß gleich mit der MP hinterher und legte sie auch gleich noch um . "


    Soweit der Erlebnisbericht von Stabsfeldwebel Kunze über die Kämpfe in Schwedt.


    Quelle: Dt. Wochenschau v.16. März 1945


    Liebe Grüße


    Dein Niki

    ...VIRIBUS UNITIS...

  • Hallo zusammen,


    ein Propaganda-Film der besonders dreisten Art.


    Der Hauptmann drisch die im teilweise sufflieren Phrasen.


    Was mich stutzig macht ist der sehr klare Ton. Der Film könnt auch in der


    DDR nachsynchronisiert sein was dann auch Propaganda wäre.

    Gruss Dieter

  • Hallo Dieter,



    mir ist sowas als PK - Produkt auch noch nicht untergekommen - eine wirklich außergewöhnliche Aufnahme.


    Gruß aus Wien


    Niki

    ...VIRIBUS UNITIS...

  • Hallo Niki,
    vielen Dank für Deine Photos aus der Quelle: Dt. Wochenschau v.16. März 1945 :]
    Zwei dieser Photos waren auch in dem Buch von Ballenthin, aber leider in sehr schlechter Qualität, jetzt weiß ich auch, woher sie stammen!!!!!! :D


    Hallo Peiper2,
    auch hier vielen Dank für den Hinweis, schade, dass die Aufnahme nur so kurz ist .... ;)


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Niki,


    mit der Div.-Bezeichnung sind dem Autor die Pferde durchgegangen, richtig ist aber, daß die Aufstellung einer Schattendivision namens 38. Waffen-Grenadier-Division der SS - im März 1945 befohlen wurde, unter Verwendung der Division Schwedt, die "Aufstellung" blieb aber in den Kinderschuhenstecken, der Stab wurde letztlich am 1.4.45 in den Stab 547.Volks-Gren-Div. eingegeliedert.


    Quelel: Archiv Vopersal


    denke, Roland kann das besser ausführen und ergänzen....


    Gruss Uwe

  • Hallo Niki, hallo Uwe,
    danke für die Blumen ;)

    Quote

    ....denke, Roland kann das besser ausführen und ergänzen...


    aber viel zu ergänzen ist da wirklich nicht.  8)


    Niki, vielen Dank für den Zeitungsausschnitt, diese "38.SS-Pz.Gren.Div." bei Schwedt geisterte bei mir auch eine Zeitlang rum, bis ich eben bei Vopersal auf die Angaben gestoßen bin, dass aus den im Brückenkopf Schwedt/ Oder eingesetzten Einheiten, Waffen-SS u n d Wehrmacht, eine "38.Waffen-Grenadier-Division" aufgestellt werden sollte.


    Die Bezeichnung ergab sich wohl aus dem Fakt, dass es sich, wie bei der 36.Waffen-Grenadier-Division, neben Einheiten der Waffen-SS auch um taktisch unterstellte Heereseinheiten unter einem nominellen Stab der Waffen-SS handeln sollte.


    Vopersal schrieb:
    " ... Am gleichen Tag, an dem der Befehl zur Räumung des Brückenkopfes Schwedt ergeht, wurde die Aufstellung einer sogenannten „Schattendivision der 34.Welle“ mit der Bezeichnung „38.Waffen-Grenadier-Division der SS“ befohlen..


    Diese auch als „41.Waffen-Grenadier-Division der SS“ bezeichnete Division sollte durch das Generalkommando Oder unter Verwendung der „Gruppe Schwedt“, d.h. der ab 30.Januar 1945 im Brückenkopf Schwedt eingesetzten Truppenteile und Alarmeinheiten im Raum Schwedt, gebildet werden.
    Mit der Aufstellung und Führung der Division, die als „Infanterie-Division 45“ (Anhalt) gegliedert werden sollte, wurde der bisherige Kommandeur der SS-Panzergrenadier-Schule Kienschlag, der Ober-sturmbannführer Hans Kempin beauftragt.


    Als Aufstellungsstab stand dem SS-Ostubaf. Kempin der SS-Stab“Solar“ zur Verfügung. Als weitere Offiziere sind zum Aufstellungsstab befohlen worden:
    Major Becker als Ia
    Hauptmann Burghard als IIa
    SS-Stubaf. Kling
    SS-Hstuf. Braun
    SS-Hstuf. Sellmann


    Als Rahmen für die Division war also der aus Kurland zurückgeführte Divisionsstab der 547.VGD vorgesehen.


    Die vorgesehenen drei Grenadier-Regimenter zu je zwei Bataillonen sollten wie folgt gebildet werden:


    1.Regiment. ( = SS-Gren.Rgt.“Schwedt 1“(rum.Nr.1)
    aus dem Waffen-Gren.Rgt. Nr. 1 (rum.Nr.1)


    2.Regiment ( = SS-Gren.Rgt. „Schwedt 2“)
    aus den noch verbleibenden Teilen der Waffen-SS nach Abzug der SS-Jagdverbände


    3.Regiment ( = SS-Gren.Rgt.“Schwedt 3“ )
    aus den Heeres-Alarm- und „Gneisenau“-Einheiten mit Ausnahme der Pz.mot.- und Panzergrenadier-Einheiten, also praktisch aus dem Ersatz-Btl. 9 Eberswalde (?) und dem Pi.-Ers.Btl 12 Schwedt und den Alarmeinheiten des Brückenkopfes.
    Die aus den Panzer- und Panzergrenadier-Einheiten zu bildenden Truppenteile sollten nur taktisch der Division unterstellt werden. Die Aufstellung der Divisions- und Versorgungstruppen – so war vorgesehen – sollte durch das Gen.Kdo. Oder erfolgen, das zu diesem Zeitpunkt eine Gesamtstärke von etwa 19 000 Mann hatte.


    Die Aufstellung dieser Einheiten war laut OKH-Befehl aus den beim Oderkorps vorhandenen Teilen des Heeres und der Waffen-SS frontnah zu vollziehen.


    Über die Eingliederung der Heeresangehörigen in die Waffen-SS sollte zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden.


    Das Aufstellungsvorhaben blieb jedoch in seinen Anfängen stecken, nachdem die SS-Verbände zu anderer Verwendung abgezogen und der Stab der 38.Waffen-Gren.Division der SS am 1.4.1945 in den Div.Stab 547.VGD eingegliedert worden war.


    Die Division ist nur handschriftlich in der Kommandeursstellenbesetzung der Waffen-SS vom 1.März 1945, ohne jeglichen Zusatz, eingetragen, ihr dort aufgeführter Kommandeur SS-Ostubaf.Kempin, wurde später wieder gestrichen. ...."


    So war der Leutnant Treuenfels Anfang April 1945 Angehöriger des Rgt 2 Schwedt, welches sich aber nicht mehr aus Waffen-SS-Einheiten zusammensetzte.
    Leider liegen über die Umgliederungen der Heereseinheiten nach Räumung des Brückenkopfes zum 2.3.1945, die wohl aber doch stattgefunden haben, keine genaueren Angaben bei mir vor!!


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hallo Roland!


    Ich bin neu hier im Forum und lese mit Interesse Dein Thema!
    Ich bin in der Nähe von Schwedt aufgewachsen und befasse mich seit Jahren mit der Erfassung und Suche nach Kriegsgräbern. Unter anderem bin ich im Besitz der Gräberlisten des Soldatenfriedhofes Schwedt-Heinrichlust und umliegender Ortschaften. Das interessante daran ist, dass in den meisten Fällen die EM-Nummern bzw. Einheiten vermerkt sind, z.B. "vor Schwedt-9.2.1945--SS-Fallsch.Jg.Btl.600" oder am 20.4.1945 in Blumenhagen begraben, ein Angehöriger der " Div.Schwedt Nr.3, Btl.Strempel, 1.Kp."!
    Vielleicht könnten diese Angaben für Deine Arbeit behilflich sein.


    Rene