Ertel, Karl-Heinz - NKiS

  • Hallo!


    Aus den Personalunterlagen der Moore-Liste für den o.g. Soldaten geht hervor, dass der o.g. Soldat die Nahkampfspange in Silber erhalten hat und diese auf den 07.05.1944 datiert ist.


    Ertel, Karl-Heinz; SS-Hauptsturmführer; SS-Freiw.Pz.Gren.Rgt.49 "De Ruyter"; NKiS am 07.05.1944


    Grüße
    Sven

  • Hallo Sven,


    ich bin die Tochter von Karl-Heinz Ertel. Wie umfangreich ist diese Akte und in welcher Form könntest du sie mir zukommen lassen.

    Viele Grüße

    BieFro

  • Hallo!

    ich bin die Tochter von Karl-Heinz Ertel. Wie umfangreich ist diese Akte und in welcher Form könntest du sie mir zukommen lassen.

    ... und da lasse ich mich nicht plumpen. Leider ist die Akte nur 6 Seiten stark und daher stell ich sie dir hier zur Verfügung. Warum öffentlich? Weil die Akte zigfach an Privatpersonen vom Bundesarchiv kopiert wurde und somit der Datenschutz hinfällig ist.


    Hier noch ein Auszug aus der Personalakte:


    Ertel, Karl-Heinz


    * 26.11.1919 Lünen-Brambauer

    + 25.01.1993 Langenberg


    SS-Nr.: 357 277


    Sturmmann 1./Sta.”Germania” 11.1938

    Ustuf. Pz.GR.9 6.1940

    Ostuf. Chef,1./Finn.Frw.Btl. 10.1942

    Hstuf. IIa,Pz.GR.49 8.1944

    Grüße

    Sven

  • Hallo BieFro,


    hier einige ergänzende Angaben zu Karl Heinz Ertel:

    Ertel, Karl-Heinz geb. 26.11.19 Lünen-Brambauer gest. 25. 1.93 Langenberg


    Größe 187 cm, Abitur Zuständiges KWEA Iserlohn

    SS-Nr. 357 277

    NSDAP-Nr. 6 973 948


    Ritterkreuz 23.8.44


    1.11.38 – 1.3.40 Eintritt in SS VT 1./Sta.”Germania“ Hamburg

    1.11.39 - 24.2.40 1. Kriegsjunker-Lehrgang SS Junkerschule Tölz

    1.12.39 SS Uscha d.R.

    1.3.40 – 15.6.41 3./SS Germania / 10./SS Rgt Germania

    13.6.40 SS Ustuf d.R.

    15.6.41 – 1.9.42 2./ Frw Bataillon „Nordost“

    1.9.42 – 1.7.43 Finnisches FrwBatl der SS

    30.1.43 SS Ostuf d.R.

    1.7.43 – 1.8.44 SS Frw.PzGrenRegt. 49 „de Ruyter

    20.4.44 SS Hstuf d.R. RegtsAdjutant SS Frw.PzGrenRegt. 49 „de Ruyter“

    29.7.4 – 1.45 (?) Lazarettaufenthalt

    1.2.45 – 6.5.45 1. Ordonnazoffizier Gen.Kdo. III.(germ.) SS Panzerkorps


    Die von Sven erwähnte Akte(?) umfasst 6 Seiten inkl. Stammkarte .

    Im Buch von Veit Scherzer "Himmlers militärische Elite" Band 1 Seite 334 gibt es eine erweiterte Stammkarte nebst Foto.


    Beste Grüße

    Ingo


    NB: Soeben sehe ich Svens neuen Beitrag. Da die dort abgedruckte SS-Stammkarte unvollständig ist, habe ich mir erlaubt, diese aus anderen Quellen zu ergänzen 8o

  • Vielen herzlichen Dank euch beiden.

    Das heißt, im Bundesarchiv würde man auch nicht mehr über ihn finden, oder? Mich beschäfitgt unter anderem die Frage, warum er nach Kriegsende an Jugoslawien ausgeliefert worden ist und dort drei Jahre im Gefängnis saß. Könnte es da noch irgendwo Gerichtsakten oder ein Urteil geben? Auch war er ja wohl als Zeuge bei den Nürnberger Prozessen. Die sind doch bis in kleinste dokumentiert Wo könnte ich seine Aussage finden?


    Viele Grüße

    BieFro

  • Hallo BieFro,


    Ertel wurde für den Nürnberger Prozess als Entlastungszeuge für die Waffen SS "nomiert". Das heisst nicht unbedingt, dass er als Zeuge vernommen wurde? Man müsste mal die 40bändige(!) Prozessdokumentation durchsehen.


    Im April 1947 wurde E. nach Jugoslawien ausgeliefert, augenscheinlich wegen seiner Dienststellung im Regt.49 im Jahr 1943?

    Am 29.5.47 begann in Zrenjanin der Prozess gegen seinen damaligen Brigadekommandeur (4. SS Freiwilligen-Panzergrenadier-Brigade "Nederland").Dieser war wohl im Februar 1947 ausgeliefert worden.

    Die Anklage gegen SS Brigadeführer Jürgen Wagner wegen Kriegsverbrechen erstreckte sich auf die " kurze Zeit" der Aufstellung der Brigade bei Oroslavje und Donja Stubica/Agram im Oktober 1943 bis Januar 1944.

    Der Prozess endete am 6.6.47 mit dem Todesurteil für Wagner, das wohl am 27.6.47(?) durch Erschiessen vollstreckt wurde.

    Fraglich ist, ob E. in diesem Prozess auf Zeuge o.ä. auftrat?

    Die Prozessakten müssten in jugoslawischen Archiven zu finden sein.


    Beste Grüsse

    Ingo


    NB: Im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde ist mit Sicherheit die umfangreiche Personalakte von Ertel vorhanden. (SSO des ehemaligen BDC)

    Edited once, last by Atlantis ().

  • Hallo BieFro,


    ich habe eben beim zufälligen Stöbern in Netz, Hinweise gefunden, die das Verfahren gegen J. Wagner ein einem anderen - aber nicht besseren - Licht erscheinen lassen. Demnach wurde er nicht wegen Partisanenbekämpfung 1943 angeklagt sondern wegen Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung unmittelbar nach dem Zusammenbruch Jugoslawiens im April 1941 im Banat (in Alibunar und Petrovgrad)


    Die Angaben bzw. englische Aussagen zum Prozess gegen Jürgen Wagner stammen aus dem AHF (Axishistoryforum: the Phil Nix SS & Polizei section: Thread JürgenWagner 2017; Post Nr. 22 und 25) gefunden, die ich nachfolgend auszugweise in freier Übersetzung zitieren möchte:


    „Ich habe festgestellt, dass Jürgen Wagners Anklage und die Gründe für seine Hinrichtung heute nicht wirklich bekannt sind, zumindest nicht online. Erstens wurde er nicht (zumindest nicht in erster Linie) für seine Taten angeklagt, während er 1943 die Brigade "Nederland" bei ihrer Gründung in Kroatien kommandierte. Er wurde wegen seiner (heute vergessenen) Beteiligung an Kriegsverbrechen angeklagt, die unmittelbar nach der Invasion Jugoslawiens im April 1941 begangen wurden, während er als Kurzzeit-Stadtkommandant in der Banathauptstadt Petrovgrad (Zrenjanin) tätig war - und deshalb wurde er auch in dieser Stadt vor Gericht gestellt und hingerichtet.


    Dies waren die Hauptgründe, warum Wagner ausprobiert und ausgeführt wurde (ein Zitat aus dem 1987 erschienenen Buch "Zrenjaninske vatre" von Đ. Momčilović; der Text wurde ursprünglich 1947 in der Zeitung "Slobodna Vojvodina" veröffentlicht):

    Der beschuldigte SS-Generalmajor Jürgen Wagner, ein knallharter Nazi […..], kam mit seinen Truppen am ersten Tag nach dem jugoslawischen Zusammenbruch 1941 ins Banat. Er gab sofort Befehle zur Hinrichtung der Bevölkerung, ohne einen Moment lang daran zu denken, dass er jemals für seine kriminellen Handlungen verantwortlich gemacht werden würde. Die Massengräber in Alibunar und Petrovgrad bestätigen seine Beteiligung an diesen bis dahin unbekannten Verbrechen im Banat.


    Wagner war auch stark in die Verfolgung der einheimischen Juden verwickelt (die alle bald vernichtet wurden - allerdings nicht von ihm selbst - er verhaftete sie vom ersten Tag an "nur" und stellte sie in ein Lager bis zu ihrer Vernichtung), und er ordnete sogar die Zerstörung der riesigen Stadtsynagoge von 1896 an (das Gebäude wurde vollständig demontiert, Stein für Stein, und das Baumaterial, genau wie alles, was im Tempel wertvoll war, wurde dann von den Deutschen "beschlagnahmt"). Hinweis: Jürgen Wagner war nur zwei Wochen lang der Kommandant von Petrovgrad! ...aber zwei wirklich "arbeitsreiche Wochen".


    Quellen:"Zločini okupatora i njihovih pomagača u Vojvodini", (neu-)herausgegeben von Dr. Drago Njegovan und herausgegeben von Prometej (Novi Sad), ist eine Reihe von Büchern (Berichten) der Provincial (Vojvodina) War Crimes Commission, die ursprünglich in den 1940er Jahren geschrieben wurden (die Kommission begann bereits während des Krieges zu arbeiten.). […..] Im Band über Verbrechen gegen die Juden (Zločini okupatora i njihovih pomagača u Vojvodini protiv Jevreja), gibt es ein Kapitel namens "Sinagoge" gibt (Synagogen - Seite 229), in dem Wagners Namen und Rolle erwähnt wird.


    Auch im Buch "Zrenjaninske vatre" unter Đorđe Momčilović (SUBNOR, Zrenjanin, 1987), finden sich im Kapitel "Istrebljenje Jevreja" (Vernichtung der Juden - Seiten 166-172), Informationen über die Synagoge Petrovgrad (Zrenjanin) und Brigadeführer Wagner. […..]. Auch im Archiv Jugoslawiens (Arhiv Jugoslavije) lassen sich Berichte über Wagner finden.“


    Somit war es auch kein Zufall, dass der Prozess in Zrenjanin (=Petrovgrad) durchgeführt wurde.

    Eine wie auch immer geartete Beteiligung von Karl Heinz Ertel an diesem Verfahren erscheint m.E. ausgeschlossen.


    Beste Grüße

    Ingo

  • Hallo,

    nochmal vielen Dank für die ausführliche Antwort. 1941 war mein Vater ja in Russland, wenn ich das richtig verstanden habe.

    Könnte es deines Erachtens noch irgendwelche erreichbaren deutschen Quellen über die Brigade Nederland "De Ruyter" 1943 in Jugoslawien geben? (Sorry, wenn ich die Bezeichnungen nicht korrekt militärisch angebe, aber ich bin Laie...)

    NB: Im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde ist mit Sicherheit die umfangreiche Personalakte von Ertel vorhanden. (SSO des ehemaligen BDC)

    Darum verstehe ich auch nicht, was du mit "SSO des ehemaligen BDC" meinst. Denkst du, dass die Akte dort noch weitere Informationen über meinen Vater enthalten könnte?


    Viele Grüße

    BieFro

  • Hallo BieFro,


    im Berlin Document Center (BDC) lagen die "Offiziers-"(SSO) und "Mannschafts-"Personakten der Waffen-SS Angehörigen.

    Seit einigen Jahren werden die Akten vom Bundesarchiv betreut.

    Ich vermute, das die Akte Deines Vaters von 1938-45 erheblich umfangreicher ist, als die obigen 6 Seiten!

    Diese 6 Seiten hat ein amerikanischer Sammler(John Moore) vor einigen Jahren für eine sehr umfangreiche Sammlung von SS-Führerdaten zusammengestellt.

    Als Tochter müsstest Du ohne große Schwierigkeiten Einblick in die Akte erhalten.

    Dein Vater hat m.E. absolut nichts mit den Vergängen im Banat im April/Mai 1941 zu tun.


    Beste Grüsse

    Ingo

  • Lieber Ingo, lieber Sven,


    Dann versuch ich, in Berlin weitere Infos zu bekommen. Euch nochmal herzlichen Dank. Toll, was ihr hier macht!


    Viele liebe Grüße

    Sabine

  • Hallo Sabine,


    die Sachbearbeiter in Bln.-Lichterfelde, wo die Personalakten der SS archiviert sind, können sehr hilfsbereit sein. Sobald die

    Signatur der Akte bekannt ist, einfach anrufen und darum bitten, daß die Akte bei der zuständigen Firma (Selke, im Hause)

    kopiert und zugeschickt wird.

    Bei mir waren es ca. 50 Kopien und vor allem, ich mußte nicht zur Einsichtnahme anreisen.


    Gruß

    Dieter

  • Lieber Dieter,

    vielen Dank für den Tipp. Ich habe jetzt mal den Antrag eingereicht und warte ab, was sie antworten.

    Viele Grüße

    Sabine