Donauverteidigung April 1945 Ingolstadt - Regensburg

  • Hallo,

    entschuldigt erstmal das ich diesen alten Thread wieder hervor hole.

    Auf diesen informativen Thread stoß ich durch meine Suche nach Informationen über den Ablauf des Brückenschlages über die Altmühl bei Gungolding am 24.4.1945.

    Ich weiß das auf amerikanischer Seite die 14. Infanteriedivision beteiligt war und sie unter heftigen Feuer die Altmühl überquert haben.

    Welche deutsche Truppen waren beteiligt?

    Am 24.4.45 fiel ein junger SS Panzergrenadier der Division Götz von Berlichingen, Erstbestattung war in Gungolding. Gab es zu dem Zeitpunkt noch zusammengehörige deutsche Truppenteile in dem Raum oder waren es zusammengewürfelte Haufen?

    In einem Bericht des Bistums Eichstätt werden 10 Tote Amerikaner und "sehr viele" Opfer unter der Zivilbevölkerung erwähnt, keine deutschen Soldaten.

    Leider wird der Zeitraum in keiner der Dorfchroniken der Gegend wirklich erwähnt, gibt es noch Quellen, die gerade auch die zivilen Opferzahlen des Tages erwähnen?

    Vielen Dank schon mal für eure Hilfe.

    Gruß Thomas

  • Hallo,

    für den Raum Oberpfalz-Bayrischer Wald würde, falls noch nicht erwähnt, das Buch

    Anfang und Ende des Tausendjährigen Reiches in Ostbayern

    von Georg Haberl &Walburga Fricke empfehlen.

    Vor allem der Raum von ca. Regensburg bis zur heutigen tschechisen Grenze/bis nach Braunau ist sehr gut beschrieben.


    Ich konnte hier auf die schnelles nichts finden aber war die 116. Pz. Div. in diesem Raum auf deutscher Seite eingesetzt?


    servus

    uwys

    Keine Macht den doofen!

  • Hi

    Er sucht etwas über die 17.SS-Pz.Gren.Div.Götz von Berlichingen

    Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Hallo Jan,

    das weiss ich aber die Götz von Berlichingen war ja nicht die einzige Einheit in diesem Raum.

    Ich hatte einen Leutnant d. Reserve Holzinger gefunden der aber bei der 116. Pz. Div. war, deshalb meine Frage.


    servus

    Manfred

    Keine Macht den doofen!

  • Hi

    Nun die 116. stand mehr oder weniger im Ruhrkessel.

    Kann also nichts damit zu tun haben, es sei denn er war auf Urlaub.

    mfg Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Hi

    Er sucht etwas über die 17.SS-Pz.Gren.Div.Götz von Berlichingen

    Jan

    Hallo Jan,

    nicht im speziellen die 17.SS-Pz.Gren.Div.Götz von Berlichingen.

    Ich bin an allen Einheiten interessiert, die im fraglichen Zeitraum in der Gegend Gungolding, eingesetzt waren. Deutsche wie Amerikanische.

    Ich hoffe über Aufzeichnungen in den Tagebüchern der fraglichen Einheiten, vielleicht nähere Informationen über die Geschehnisse des 24.4.45, zu finden.

    Gerade auch die Opfer unter der Zivilbevölkerung würden mich interessieren. Leider brachte meine Recherche bis jetzt immer nur kleine Bruchstücke und keine genauen Abläufe des Brückenschlages. deswegen ist jede Info zu dem Tag und Gegend Gungolding für mich interessant.

    Leider scheint die Gemeinde nicht wirklich interessiert an dem Thema zu sein, ein befreundeter Theologe schaut aber zusätzlich in den kirchlichen Archiven in Eichstätt nach, ob es da noch etwas zu Gungolding gibt.

    Mich erstaunt zur Zeit nur, dass eigentlich ein Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte, so schwer vom Ablauf fassbar ist.

    Die im Thread genannten Bücher hab ich mir schon vor einiger Zeit über die Fernleihe ausgeliehen und die relevanten Passagen kopiert. Da ich nun für mich alle bekannten Quellen durch habe, dachte ich , frag ich mal hier nach.


    Manfred auch bei dir Bedanke ich mich, jede Info ist gern gesehen, auch Verweise zu anderen Quellen.

    Wünsche noch einen schönen Sonntag.

    Gruß Thomas

  • Hi

    Zu dem Zeitraum standen folgende Einheiten unter dem

    XIII.SS-AK 212.VGD, Pz.Brig.von Hobe, 17.SS-Pz.Gren.Div."Götz von Berlichingen", 38.SS-Gren.Div."Nibelungen", 2.Geb.Div., Div.z.b.V.352

    Ich habe nicht viel Zeit weiter zu suchen.

    Werde mich aber melden deswegen.

    mfg Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Moin Thomas!


    Dir ist im Eröffnungs-Thread ein kleiner Fehler unterlaufen.


    Den Brückenschlag über die Altmühl bei Gungolding haben Pioniere der 14.US-Panzerdivision durchgeführt, nicht der 14.US-Infanteriedivision.


    Die 14. US-PzDiv gehörte zusammen mit der 86.ID und 99.ID zum III. US-Korps.


    Solltest du also auch in amerikanischen Quellen suchen, suche besser nach der 14.US-Panzerdivision.


    Viele Grüße


    Björn



    Quelle: Joachim Brückner, "Kriegsende in Bayern 1945", Verlag Rombach Freiburg

  • Hi

    Zu dem Zeitraum standen folgende Einheiten unter dem

    XIII.SS-AK 212.VGD, Pz.Brig.von Hobe, 17.SS-Pz.Gren.Div."Götz von Berlichingen", 38.SS-Gren.Div."Nibelungen", 2.Geb.Div., Div.z.b.V.352

    Ich habe nicht viel Zeit weiter zu suchen.

    Werde mich aber melden deswegen.

    mfg Jan

    Vielen Dank Jan. Da kann ich schonmal weiter suchen.

    Entschuldige bitte schon im voraus meine teilweise bestimmt naiven Fragen.

    Gab es zu der Zeit größere bestehende Truppenverbände auf deutscher Seite oder muss ich mir die Verbände eher aus einer Mischung kleinerer und größerer Gruppen vorstellen, in denen die Soldaten aus den unterschiedlichsten Einheiten stammten?

    Gruß Thomas

    Vielen Dank Björn für die Richtigstellung, da hatte ich wohl einen Film im Kopf, der die 14.US-Infanteriedivision am 26.4. bei der Überquerung der Altmühl zeigt :S

    Und dummerweise hab ich im Internet wirklich die letzten Tage nach der 14.US-Infanteriedivision gesucht ||


    Aber ich sehe schon, ein Top Forum. Selten so eine rege und vor allem kompetente Beteiligung der Mitglieder, in einem deutschsprachigem Forum gesehen.

    Gruß Thomas

    Edited once, last by Th.R. ().

  • Grüß Gott Thomas,


    in dem Buch von Hans Stöber,,Die Eiserne Faust/Chronik der 17. SS PzGrenDiv GvB" steht auf Seite 138, unter dem Datum 24.April 1944,

    Flak-Abt.17 schießt bei Beilngries eine feindliche Pontonbrücke zweimal zusammen und vernichtet 6 Panzer und 18 Kfz


    Auf Seite 155 stehen die Gegner der Division,

    Jagst und Kocher,

    63.US Inf.Div.

    10.US Pz..Div

    100.US Inf.Div.

    Absetzkämpfe

    42.US Inf.Div.

    sowie versch.Trp. der 3.u.7. US Armee

    Kapitulation

    10.US Pz..Div.

    4. US Inf.Div.


    Servus Eumex

    Vivat Bavaria

  • Moin!


    In der von Eumex zitierten Quelle ist noch zu finden:


    23.-24.April 1945: Rückzugskämpfe bis zur Donau. Raum Donauwörth erreicht, einige Einheiten fanden die Brücken gesprengt vor. Übersetzen und kurzer Halt in der Donaustellung, die jedoch von Westen angegriffen und wertlos ist. Teile AA 17 im Raum Regensburg angelehnt an Div "Nibelungen". Die AA hat nach dem Übersetzen über die Donau noch 6 Spähwagen.


    Bettinger ordnet in "Die Geschichte der HGru G" den betreffenden Kampfraum eindeutig der 17.SS-PzGrenDiv zu.(..."Im Abschnitt der 17.SS-PzGrenDiv griffen die Amerikaner am 25.April an der Altmühl bei Beilngries, Kinding und Gungolding an.......Am 24., als der junge Panzergrenadier der Division fiel, lag die 17.SS-PzGrenDiv bereits in diesem Abschnitt und wehrte feindliche Vorstöße ab.


    Um auf die Ausgangsfrage zurück zu kommen: An den Gefechten um den Brückenschlag bei Gungoldig waren nach deutscher Quellenlage nur Einheiten der 17.SS-PzGrenDiv "Götz von Berlichingen" beteiligt. Und auf der Gegenseite die 14.US-Panzerdivision.


    Viele Grüße


    Björn

  • Vielen Dank euch Beiden!

    Ja zu Beilngrieß gibt es einige Informationen, nur um den Brückenschlag zwischen nördlich der A9 (Kinding) und Eichstätt finde ich komischerweise sehr wenig Informationen.

    Ehrlich gesagt bin ich mir im Moment nicht mal sicher wann die Amerikaner die Altmühl an diesem Abschnitt überquerten, am 24.4. oder 25.4.45?

    Auch die üblichen Dorfchroniken oder Archive schweigen sich aus, obwohl es ja auch zu Opfern unter der Zivilbevölkerung gekommen ist, mal schauen ob es über die Archive der katholischen Kirche noch Informationen gibt.


    @ Björn: das passt zu einem englischsprachigen Text den ich vor Jahren mal las und in dem stand das Teile der SS Division GvB, ca. 3-4km nördlich von Gungolding, die amerikanische 42nd (Rainbow) Infantery Division Richtung Ingolstadt abgedrängt hatten.

    Leider wurde da der Brückenschlag bei Gungolding auch nicht erwähnt.

    Deswegen nahm ich auch an, dass der Panzergrenadier der GvB in der Nähe Gungolding starb, wo sich auch die Erstgrablage befand. Also waren noch größere zusammenhängende Einheiten der GvB in diesem Raum im Einsatz?

    Mal schauen ob ich in den englischsprachigen Quellen der 14.US-Panzerdivision noch was finde.

    Schönen Abend noch.

    Gruß Thomas


  • Moin Thomas!


    Die 17.SS PzGrenDiv "GvB" hatte nach letzter Meldung vom 01.04.1945 zwar noch 12616 Soldaten, aber sie litt unter den allgemeinen Mängeln aller Einheiten im letzten Kriegsjahr: Schlecht ausgebildeten und völlig erschöpften/überforderten Soldaten, allgemeiner Mangel an Großgerät wie Panzerfahrzeugen, Geschützen, usw., sowie chronischem Betriebsstoffmangel. An sich kann man sie aber noch als geschlossenen Verband ansprechen.


    Der endgültige Übergang über die Altmühl durch US-Truppen muss am 26.April erfolgt sein.


    - Am 24.04. wehrte die "GvB" erste Vorstöße ab


    - Am 25.04. gelang es den Amerikanern nur einen kleinen Brückenkopf zu bilden, der abgeriegelt werden konnte. Der Versuch eine Pontonbrücke zu bauen scheiterte mit schweren Verlusten für die Amerikaner (siehe den Post von Eumex).


    - In der Nacht vom 25.04. auf den 26.04. musste sich die "GvB" aus dem Altmühlabschnitt absetzen um nicht abgeschnitten zu werden.


    Damit war der Übergang über die Altmühl für die Amerikaner ab dem 26.04. ungehindert möglich geworden.


    Viele Grüße


    Björn


    Quellen: Bettinger "HGru G" und Stöber "Die Eiserne Faust"

  • Hallo Björn, vielen Dank für den perfekten militärischen Überblick.

    Als Laie stellte ich mir den Flußübergang als "kleine" militärische zeitlich begrenztere Aktion vor.

    Ich konnte mir nicht vorstellen, dass zu dem Zeitpunkt noch längere hinhaltende Aktionen möglich waren.



    Gehst Du davon aus, das mit der Pontonbrücke bei Beilngrieß, die bei Gungolding gemeint ist? Oder verstehe ich deinen Vermerk auf Eumex Beitrags gerade falsch?


    Mit Gungolding beschäftige ich mich seit einiger Zeit immer wieder, weil ich einfach so verwundert bin, dass es irgendwie keinerlei direkte zivile Berichte über die drei Tage vom 24.4-26.4.1945 gibt. Auf Gungolding bin ich eigentlich zum ersten mal gestoßen, als ich für eine andere Gemeinde die hohe Zahl an Selbstmorden in dem Zeitraum recherchierte.


    Von Zeitzeugen die ich fragte, meinten alle am Kriegsende sei es zu keinen größeren Militäraktionen in der Gegend gekommen. Dagegen spricht aber die militärische Quellenlage und auch ein paar Zeitungsberichte, die auch immer wieder Tote unter der Zivilbevölkerung erwähnen. Meine Recherche auf dem Friedhof in Gungolding erbrachte auch nichts wirklich neues. Nur ein Ehrenmal von in der ferne gestorbenen Söhnen der Gemeinde.

    Es ist eines der wenigen Dörfer im Altmühltal, die nichts in ihrer Chronik über den Einmarsch der Amerikaner schreiben.


    Auf alle Fälle Blicke ich dank dir Björn, jetzt zu mindestens im militärischen Bereich mehr durch.

    Mal schauen ob ich zu zivilen Opfern noch was im Kirchenarchiv finde.

    Gruß Thomas

  • Hallo.

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      (92.36 kB, downloaded 49 times, last: )

    "Schließt Eure Herzen sorfältiger als Eure Tore. Es kommen die Zeiten des Betruges, es ist ihm Freiheit gegeben!
    Die Nichtswürdigen regieren mit List und der Edle wird in ihre Netze fallen." Joh. W. von Goethe: "Götz von Berlichingen."

  • Hallo Silberfuchs,

    vielen Dank für die weiteren Informationen.


    Auf dem Friedhof Gungolding erhoffte ich mir vielleicht einen Hinweis auf die zivilen Opfer.

    Die Liste hilft mir sehr weiter, um zu mindestens meine Anfragen bei den Gemeinden der Gegend und dem Pfarramt etwas zu untermauern.

    Bisher wurden meine Anfragen leider nicht beantwortet oder nur mit dem Standardsatz, April 1945 gab es keine Kämpfe mehr in dem Abschnitt des Altmühltals.

    Wie ich auch bei meiner Arbeit als Grabungstechniker, leider immer wieder feststellen musste, ist die Generation meines Alters oft nicht an Geschichte interessiert. Geschweige an der Jüngeren des 20.Jahrhunderts.

    Mal schauen was die kirchlichen Aufzeichnungen der Tage noch bringen, das Pfarramt war auf alle Fälle sehr hilfsbereit.

    Gruß Thomas

  • Hallo,


    nun möchte ich das Thema nochmal aufgreifen, viel steht ja auch im Veen:


    https://www.amazon.de/Kriegsfu…3&creativeASIN=3000036245


    Aktueller Anlaß ist aber, dass die beiden Autoren zum Buch über die Befreiung Regensburg die Tage ein neues, 500-seitiges Werk herausgebracht

    haben, das könnte noch etwas bringen.


    https://www.mittelbayerische.d…ieg-21179-art1789577.html


    https://www.verlag-pustet.de/s…ainer-ehm-gebundenes-buch


    Wobei man den Eindruck nicht los wird, dass die Beiden nichts anderes im Sinn haben, als die Offiziere zu degradieren.


    Alt: https://www.heimatforschung-re…188/1/1220708_DTL1763.pdf


    https://www.br.de/nachricht/in…maier-regensburg-100.html


    https://www.regensburg-digital…de-in-Regensburg-2012.pdf


    Aktuell: https://www.idowa.de/inhalt.re…b4-abe5-b8a6f2bdf0fc.html


    https://www.regensburg.de/bei-…-kriegstage-in-regensburg


    Das Buch und auch Kritik, interessante Verlinkungen, z. B. die Domspatzen im Nationalsozialismus.


    https://www.regensburg-digital.de/chance-vertan/15052019/






    Dann sind da noch die Biografien mehrerer Nibelungen-Angehöriger, die ich ebenfalls noch nicht gelesen habe.

    Gruß:


    Nimbus