Sewastopol 1941: Ein militärisches Debakel

  • Hallo,


    einer meiner Onkel hat bei dem gescheiterten Angriff auf Sewastopol wie so viele andere auch sein Leben verloren. Je mehr man sich damit beschäftigt, um so größer ist eigentlich das Erstaunen darüber, dass hier auch militärisch sinnlos und offensichtlich planlos Menschen verheizt wurden.


    Während vor Moskau die Offensive zum Stehen kam, ging es auch hier nicht weiter. Die Rote Armee hatte begonnen sich zu wehren - und die deutsche Heersleitung hatte es noch nicht begriffen.


    Ich habe im Anhang die Geschehnisse aus der Sicht der 22. Infanteriedivision beigefügt.


    War das Debakel vorhersehbar - und wäre es zu verhindern gewesen?


    Gruß,
    Arnold


    Auszug aus der Divisionsgeschichte der 22. ID


    PS. Ich möchte das Thema etwas umfassender aufarbeiten. Wer Divisionsgeschichten der 50. ID, der 72. ID der 132. ID und andere Quellen hat, könnte mir für den fraglichen Zeitraum sehr behilflich sein...

  • Guten Abend Arnold,


    kann dir mit dem Buch der 132. ID von G.H. Bidermann


    " Krim - Kurland " aushelfen.


    Sowohl im Original als auch in der kurzen Ausgabe


    " und litt an meiner Seite " vorhanden.



    Mail an info@perle-am-rhein.com oder PN


    Grüße vom Rhein


    Markus

  • Das hier kennst Du dann sicher schon:


    : "Sewastopol" Der Angriff auf die stärkste Festung der Welt 1942, Franz Kurowski: In der am 7. Juni beginnen-
    den Schlacht um Sewastopol kämpften starke Artillerieverbände, das VIII. Fliegerkorps mit ihren Kampf- und
    Sturzkampffliegern gegen eine Unzahl von Kampfständen, Forts und starke Festungswerke. Die Deutsche Ar-
    tillerie hatte ihre stärksten Mörser und Geschütze in die Belagerungsfront eingebaut. Am Mittwoch den 1. Juli
    42, am 25. Tag des Kampfes um die Festung meldete der Wehrmachtsbericht ihren Fall. Erich von Manstein
    wurde zum Generalfeldmarschall ernannt. Er hatte eine entscheidende Schlacht gewonnen. 192 Seiten, PP.

    Gruß:


    Nimbus

  • Hallo Manfred,


    Danke für den Hinweis, ich habe das Buch in meiner Sammlung. Aber es hat zwei entscheidende Nachteile:


    1. ist es von Kurowski ;)


    und


    2. behandelt es den ersten Angriff auf Sewastopol, um den es mir geht, nur am Rande.


    und um weiteren gut gemeinten, aber letztlich vergeblichen Hilfen vorzubeugen: Ich habe die Divisionschronik der 22. ID, bekomme demnächst die KTB's der Division für den Dezember 1941 (Danke an Andreas) und ich habe auf der Homepage der 22. ID das Thema hierher verlinkt.


    Danke und Gruß,
    Arnold

  • Hallo,



    Dann will ich hier einmal etwas ausführlicher ausholen.


    Die allgemeine Lage bis Mitte November 1941.


    Nach dem Durchbruch durch die Stellungen der 51. sowj. Armee Ende Oktober 1941 bei Isun, trat die 11. Armee mit je einem Armeekorps über Simferopol auf Sevastopol, auf die Südküste und auf die Linie Feodosija-Kerc an. Nach der Lagebeurteilung Mansteins über den feindlichen Schwerpunkt und Widerstand, massierte er seine Kräfte (4 Inf. Div.) zum Angriff auf Sevastopol, der Rest (3 Inf. Div.) setzte, zur Verfolgung der zurückweichenden sowjetischen Truppen, seinen Vormarsch auf die Landzunge von Kerc fort. Dort brach dann auch jeglicher geordneter Widerstand am 16. November zusammen, womit die Krim mit Ausnahme von Sevastopol, zu diesem Zeitpunkt, in deutscher Hand war.


    Offensivbemühungen des AOK 11 von Anfang November bis zur vorläufigen Einstellung jeglicher Angriffsabsichten gegen Sevastopol am 31. Dezember 1941.


    Schon am 8. November meldete die 11. Armee jedoch, dass sich ein vorübergehender Stillstand des LIV. Korps (eines der beiden Angriffskorps gegen Sevastopol), aufgrund sich versteifenden Widerstandes und schwieriger Wegeverhältnisse, nicht vermeiden lassen würde.


    Bald danach war an eine Eroberung der Festung aus der Bewegung nicht mehr zu denken. Manstein ließ daher die 22. Inf. Div. zusätzlich an den rechten Flügel der Einschließungsfront legen und bereitete eine artilleristische Lösung des Problems vor. Der nunmehr stark erhöhte Bedarf an Artilleriewaffen und Munition war durch das Fehlen einer Dnepr-Brücke und aufgrund des beschränkten Transportraumes kaum zu decken. Ab Mitte November setzte dann auch noch die Regenperiode alle Landbewegungen auf ein Mindestmaß herab. Entgegen der Darstellung der Divisionsgeschichte der 22. Inf. Div. begann die artilleristische Bekämpfung der Anlagen, und damit einhergehend der Angriffsbeginn, am 13. Dezember. Auch der sich bis zum 17. Dezember hinziehende Beginn des infanteristischen Angriffs auf Sevastopol war nicht auf fehlende Munition, in Folge von Transportschwierigkeiten zurückzuführen, sondern auf die mangelnde Luftunterstützung, die bis auf weiteres verweigert wurde. So musste das IV. Fliegerkorps z.B. mit allen Kräften einen Feindeinbruch am Ostflügel der 17. Armee bereinigen. Der Grund, weshalb die Luftwaffe dann ab dem 17. Dezember zunächst kaum in die Erdkämpfe eingreifen konnte, lag an der Wetterlage, die einen Verzicht auf Sturzkampfflugzeuge erzwang. Dieses Manko wurde von Manstein bewusst in Kauf genommen, der mit verstärkten Feindanlandungen auf der Krim rechnete und daher auf einen baldigen Abschluss der Schlacht um Sevastopol drängte.


    In der Zwischenzeit ereignete sich aber ein für die Folgezeit bedeutsamer Entschluss. So verließ die 73. Inf. Div. den Befehlsbereich der 11. Armee, um die hohen Verluste der übrigen Armeen der Heeresgruppe Süd zu decken bzw. die Kampfkraft des Südflügels der Ostfront zu verstärken. Manstein beantragte mehrfach die Belassung dieser Division unter seiner Befehlsgewalt, doch die Heeresgruppe lehnte mit der ausdrücklichen Bemerkung ab, dass das Halten ihrer Ostfront wichtiger sei als der Erfolg bei Sevastopol.


    Damit stand für die Verteidigung der Landzunge von Kerc nur die 46. Inf. Div. des XXXXII. Korps zur Verfügung.


    Nach der geglückten Landung der 44. sowj. Armee ab dem 26.12., die nicht unerheblich durch die schlechte Wetterlage, vor allem dichten Nebel, begünstigt wurde, verschlechterte sich die Lage derart, dass die 46. Inf. Div. gegen Führerbefehl, zurückgenommen werden musste. Diese der militärischen Lage voll Rechnung tragende Maßnahme rettete die 11. Armee und deren Soldaten, kostete in späterer Folge aber dem Kommandeur des Korps das Leben. Drei Tage nach der Landung war die Zuführung einer Division aus dem Belagerungsring, zur Vereitelung sowjetischer Durchbrüche in den Rücken der 11. Armee, unumgänglich geworden und damit die Eroberung Sevastopols zum Scheitern verurteilt. Entgegen dieser Tatsachen befahl Hitler die Fortsetzung des Angriffs auf die Festung. Dies wurde von der Heeresgruppe auch bestätigt, der Angriff auf Sevastopol jedoch am 31. Dezember selbstständig eingestellt. Eine neue Verteidigungslinie wurde nun in der Landenge von Perekop und Genitschesk eingerichtet.

    Letztendlich war mit der Landung starker sowjetischer Truppen das Angriffsunternehmen gegen Sevastopol gescheitert. Einen nicht unerheblichen Einfluss auf diese äußerst ungünstige militärische Entwicklung aus deutscher Sicht, nahm das Herauslösen einer Inf. Div. zu einem besonders unglücklichen Zeitpunkt. Schließlich war ab dem 26. Dezember bzw. der erkannten Invasion feindlicher Truppen in großer Zahl, jedwede Angriffsabsicht gegen Sevastopol mit den vorhanden Kräften undurchführbar geworden.


    Angesichts der Tatsache, dass die Angriffshandlungen "nur" in einem Zeitraum von drei Tagen, nach erkannter Aussichtslosigkeit, fortgesetzt wurden, kann man meines Erachtens nicht von einem militärischen Debakel sprechen. Diskussionswürdig erscheint mir in diesem Zusammenhang maximal der zweite Ansatz des LIV. Armeekorps nach erfolgter Umgruppierung ab dem 27. Dezember. Aber auch hier war die Lage um Kerc noch nicht vollends abzusehen, der Ansatz an sich somit nicht unbegründet. Die relativ positive Lagebeurteilung des Korps zu diesem Zeitpunkt scheint dem kräftemäßigen Ansatz zudem nicht zu widersprechen.


    Quelle: Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 4, Der Angriff auf die Sowjetunion.




    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

  • Vielleicht ganz interessant zu dem Thema:


    ich besitze einen Originaldruck von "Bessarabien-Ukraine-Krim - der Siegeszug deutscher und rumänischer Truppen" aus dem Jahr 1943, erschienen beim Erich Zander Verlag/Berlin.


    Bei diesem sogenannten Bildbuch, herausgegeben von der Abt. Ic der Armee wird alles ganz heroisch, im PK-Stil schöngeredet.


    Es sind viele Fotos darin enthalten (u.A. die Kommandeure und Ritterkreuzträger), vielleicht interessiert sich jemand dafür, dann kann ich evtl die Tage hier dazu was einstellen.

    Schöne Grüße,


    Schorsch

  • Quote

    Original von schorsch77
    vielleicht interessiert sich jemand dafür, dann kann ich evtl die Tage hier dazu was einstellen.


    Mach mal Schorsch, ich bin sicher nicht der Einzige, der sich dafür interessiert...


    Gruß,
    Arnold

  • Quote

    Original von weers


    Mach mal Schorsch, ich bin sicher nicht der Einzige, der sich dafür interessiert...


    Gruß,
    Arnold


    Wird erledigt, versprochen. Habe lediglich mein "technisches Equipment" grade bei "ich bin doch nicht blöd" zur Garantie-Reparatur, Bilder werden aber baldigst nachgereicht.

    Schöne Grüße,


    Schorsch

  • @Rote Kapelle,
    Danke für die Darstellung der Gesamtlage, da wird einiges deutlicher...


    Gruß,
    Arnold

  • Zum Thema Sewastopol habe ich ein Buch von Gerhard Taube; Festung Sewastopol; Mittler Verlag; 86 Seiten mit einigen Bildern. Sewastopol einstund heute, beginnend mit dem Krimkrieg(1854/56), dem 2. WK bis 1944 und 50 Jahre danach.


    Ich schau mal was da zum Thema genau passt.

    Logik ist die Kunst, zuversichtlich in die Irre zu gehen.

  • Hello to all people; here one article on the Fort Maxim Gorki II...........



    Die Planung der neuen Küstenbatterien.


    Die Erfahrungen aus dem russisch-japanischen Krieg 1904-1905 beim Kampf um die russische Festung und militärmaritime Basis Port Arthur zeigten, dass eine Seefestung auch zur Landseite hin eine derartige Ausdehnung besitzen musste, damit die Belagerungsartillerie des Gegners sie nicht mit ständigem Dauerbeschuss belegen konnte. Alle Kasemattbauten mussten aus Eisenbeton ausgeführt und gegen einschlagende Geschosse des grössten Kalibers sicher geschützt sein. Die eigene artilleristische Bewaffnung musste zur Selbstverteidigung befähigt sein und über gute Ventilation und gute Wasser- und Energieversorgung verfügen.


    Nach diesem Krieg waren in den Kriegs- und Marineministerien Russlands besondere Kommissionen gebildet worden, die die Operationen von Armee und Flotte untersuchten und in schriftlichen Darstellungen niederlegten. Auf Grund der dabei gewonnenen Resultate brachten sie Vorschläge ein, die die Basis für die Entscheidungen zur rekonstruktiven Umgestaltung und den weiteren Ausbau von Seefestungen des Reiches bildeten.


    Der Zustand der grössten maritimen Befestigung Russlands am Schwarzen Meer, Sewastopol, galt nach dem Krieg mit Japan als offenkundig unbefriedigend. Die hauptsächlichen Mängel bestanden in der veralteten artilleristischen Ausstattung der Festung (in der Hauptsache 280 mm und 229 mm Geschütze, Modell 1877, mit einer Schussweite von 7 bis 12 Kilometern), die es einem Gegner erlaubte, sie aus grösserer Entfernung beschiessen zu können, ohne selbst gefährdet zu sein. Diese und andere Mängel bedeuteten eine kritische Situation. Die Verwaltung der Festung unterstand jedoch der Leitung des Landheeres. Alle Versuche der Marineleitung zur Veränderung dieser Situation, welche sie selbst geschaffen hatte (nach dem Krieg 1853-56 waren alle Seefestungen der Heeresleitung übergeben worden), führten nicht zum Erfolg.


    Im Jahre 1908, nach lebhaften Erörterungen von Plänen und Projekten zur Verstärkung der Festung, wurde der Beschluss gefasst, die maritime Verteidigung der Festung auf elf Kilometer auszudehnen: nördlich der Stadt bis zur Mündung des Flusses Katscha und im Süden bis Balaklava. Hier sollten Batterien mit Geschützen moderner Konstruktion und grosser Reichweite mit Kalibern von 120, 152, 240 und 254 mm aufgestellt werden. Die Batterien wurden in Gruppen so zusammengefasst, dass jede von ihnen selbständig zur Führung des Kampf mit feindlichen Schiffen imstande war, ohne diese jedoch so weit heranzulassen, dass sie Sewastopol beschiessen konnten.


    Nach diesem Plan wurden in den Jahren von 1908 bis 1912 das Fort Streletzki (8 x 254 mm Geschütze), westlich der Strelezkaja-Bucht das Fort Chrulew (4 x 254 mm und 4 x 120 mm Geschütze) und südlich an der Mündung des Flusses Belbek eine Batterie mit vier Geschützen von 152 und 120 mm Kaliber erbaut. An der Küste zwischen Kap Chersones und Balaklawa wurde mit dem Bau einer Batterie mit 240 und 152 mm Geschützen begonnen.


    Um diese Zeit wurde jedoch bei den Seestreitkräften der europäischen Mächte eine neue Klasse von Grosskampfschiffen – die Dreadnought-Klasse - in Dienst gestellt, die mit ihrer überlegenen Artillerie alle bisherigen Bemühungen der Festungsbauer zunichte machte, weil die Batterien von Sewastopol einem Beschuss mit den weitreichenden 305 mm Geschützen dieser modernen Schlachtschiffe nicht widerstehen konnten.


    Im Jahre 1908 wurde in den Obuchowski-Werken in St. Petersburg mit der Produktion neuer Schiffsgeschütze mit einem Kaliber von 305 mm und einer Kaliberlänge von 52 begonnen, bestimmt zur Bewaffnung neuer russischer Schlachtschiffe. Da diese Geschütze gemäss ihrer technischen Auslegung (Geschossgewicht 470.9 kg, Anfangsgeschwindigkeit 762 m/sec, Reichweite 28.6 km) als die zur Zeit stärksten in Russland erachtet wurden, entschied die oberste Artillerieleitung des Kriegsministeriums, sie auch in den neuen Küstenbatterien zu installieren. Und wenn in der Festung Kronstadt solche Geschütze sowohl in Panzertürmen als auch in offener Aufstellung vorgesehen waren, so wurden für Sewastopol die neuen 305 mm Küstenbatterien nur als Panzerturm-Typen geplant.


    Der Errichtung der neuen Batterien gingen umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen sowie Arbeiten voran, welche Erfahrungen über die Konstruktion erbringen sollten. Mit dem Ziel der Erforschung von Beton- und Panzerkonstruktionen errichtete man im Jahre 1912 auf der Insel Beresan im Schwarzen Meer eine Festungsanlage, mit der die nötigen Erfahrungen gesammelt werden sollten. Sie bestand aus achtzehn Kasematten (darunter vier mit einer aus verschiedenen Schichten bestehenden Überdeckung, dreizehn aus kompakten Beton, stellenweise verstärkt durch Eisennetze, und einer weiteren mit einer flachen Abdeckung aus Doppel-T-Trägern) sowie zwei Panzertürmen (einer von den Cockrill-Werken mit zwei 150 mm Geschützen, der andere vom Werk St. Chamond mit zwei 75 mm Geschützen) und einem Panzerbeobachtungsstand. Die Erprobungen begannen, indem man aus diesen Türmen feuern liess. Nach den dadurch gewonnenen Erfahrungen bezüglich der Bewaffnung wurde das Bauwerk mit insgesamt 783 Granaten vom Kaliber zwischen 75 und 280 mm beschossen, ausserdem wurden 35 Sprengungen vorgenommen. Die auf der Insel Beresan gewonnenen Erkenntnisse ergaben reiches Material über die Wirkung von Artilleriegeschossen auf Beton und Eisenbeton und erlaubten, die Berechnungsformeln über den Wirkungseffekt solcher Granaten zu präzisieren. (Anmerkung des Hrsg.: Die Versuche auf der Insel Beresan sind in der westlichen Literatur als die „Schiessversuche von Otschakow" bekannt.)


    Gemäss dem ersten Projekt, an dem der bekannte russische Festungsingenieur General Zesar Kjui mitwirkte, wurde für Sewastopol der Bau von zwei Küstenbatterien mit je zwei Doppeltürmen geplant: Nr. 25 (auf Chersones) und Nr. 26 (an der Mündung des Flusses Belbek). Später wurde entschieden, noch eine weitere Turmbatterie zu bauen (auf den Karanski-Höhen nördlich Balaklawa), aber dieses Projekt verblieb nur auf dem Papier. Mit der Errichtung der beiden erstgenannten Batterien dagegen wurde im Jahre 1912 begonnen.


    Quelle: Zur Geschichte der Küstenbatterie Nr. 35 („Maxim Gorki II"). Dimitrij Stognij in Martin Egger's Fortifications page.


    Regards. Landser  8)


    Ich will den Diskussionsfluss nicht stören, darum danke ich Dir hier für diesen guten Beitrag.
    Arnold

  • Hello, more follows.............................


    Der Bau der Batterie Nr. 35 - 1º


    Am 24. Mai 1912 wurde zwischen der Hauptartillerieleitung des Kriegsministeriums und den Metallwerken St. Petersburg ein Kontrakt abgeschlossen, der die Metallwerke zur Herstellung, Ablieferung und Montage an Ort und Stelle von sechs Doppel-Geschütztürmen, einschliesslich des gesamten Turm-Systems, mit zwölf-zölligen Küstengeschützen, Kaliberlänge 52, zum Preise von 503'100 Rubel verpflichtete. Die ersten vier Aufstellungen waren für Kronstadt bestimmt, die beiden anderen für die Festung Sewastopol. Im gleichen Jahr wurden, ebenfalls für Sewastopol, noch zwei weitere Türme bei den Obuchowskower Werken bestellt.


    Bis 1914 wurde am Aufbau der Geschütztürme in Sewastopol zügig gearbeitet, dann allerdings traten mit Beginn des Ersten Weltkriegs eine Reihe von Verzögerungen ein, und 1917 wurde infolge der revolutionären Ereignisse der Aufbau ganz eingestellt. Zu dieser Zeit waren von der Küstenbatterie Nr. 25 die Fundamente und Wände des Artillerieblockes fertiggestellt und teilweise zum Schutz gegen Witterungseinflüsse mit einer Lage Stahlschwellen Nr. 30 abgedeckt, darüber eine Schicht Asphaltbeton. Bei der Batterie Nr. 26 waren nur die Baugrube und das teilweise ausgeführte Fundament des Turmblockes vorhanden. In diesem Zustand verblieben beide Batterien bis Mitte der zwanziger Jahre, dann wurde gemäss einem Beschluss der Regierung der UdSSR die Rekonstruktion und Wiederbewaffnung der Befestigungen von Sewastopol begonnen.


    Als erstes wurde beschlossen, die Batterie Nr. 25 am Kap Chersones fertigzustellen. Dieses Projekt war mit der Absicht verbunden, die Artillerie, die Einrichtungen der Feuerleitung und weitere technische Mittel zu entwickeln. Die Arbeiten unterstanden einer Projektgruppe der Ingenieurverwaltung der Seestreitkräfte des Schwarzen und Asowschen Meeres mit dem Militäringenieur Boris Sokolow an der Spitze mit Heranziehung des Leiters des Ingenieurstabes der Küstenverteidigung des Schwarzen und Asowschen Meeres, dem früheren zaristischen General Boris Butler. An den Projektierungen hat auch der russische Festungsbauer Nikolai Ungerman, Spezialist für Panzerturmbauten, teilgenommen.


    Im Hinblick auf die operativen und taktischen Aufgaben von Batterien war bei der Projektierung vorzusehen:


    Standfestigkeit gegenüber drei Treffern auf den gleichen Punkt der Betoneindeckungen oder der Kasemattwände durch Geschosse aus 406 mm Schiffsgeschütze unter Berücksichtigung von Durchschlägen sowie Abplatzen von Beton.
    Standfestigkeit gegenüber drei Treffern auf den gleichen Punkt von Überdeckungen oder an der Sohle einer Wand durch Fliegerbomben von einem Gewicht von zwei Tonnen unter Berücksichtigung von Durchschlägen, Sprengwirkung und Abplatzen von Beton
    Volle Sicherheit der inneren Räume gegen das Eindringen von chemischen Kampfstoffen bei völliger Sicherstellung der Arbeit des Personals (einschliesslich innerhalb der Türme) ohne Gasmaske und Schutzanzüge während eines Gasangriffs und verseuchter Umgebung auf der Esplanade der Batterie
    Volle Autonomie in der Energieversorgung der Batterie (Kraftstrom, Wasser, Dampf, Pressluft)
    Die Möglichkeit des Auswechselns von ausgeschossenen Geschützrohren durch eigenes Personal in Kampfpausen
    Verwendung neuester Geräte zur Feuerleitung und der Nachrichtenverbindungen


    Die kompliziertesten Fragen bei der Projektierung und beim Erbauen waren:


    Die Errichtung von Kommandopunkten des Batteriekommandeurs und der Feuerleitung der Turmartillerie und ihre Verbindung durch unterirdische Poternen mit dem zentralen Posten und den Türmen im Hauptblock in der Batterie


    Verteidigung der Kehlseite der Batterie und ihres Einganges unter Berücksichtigung der Möglichkeit von schräg darauf gezieltem Feuer der feindlichen Schiffsartillerie von 406 mm sowie von Treffern von Fliegerbomben bis zu zwei Tonnen Gewicht an der Wandsohle
    Funkzentrale mit Sende- und Empfangsstationen und geschützten Antennen


    Voller Gasschutz der inneren Räume und Panzertürme
    Qualitativ einwandfreie Süsswasserversorgung der Sanitätsstation, der Küchen, der Kochkessel für die Mahlzeiten und zur Kühlung der Dieselmotoren


    Zwischendecken für die vielfältigen technischen und Kommunikationsnetze unter Berücksichtigung der Notwendigkeit, dass diese durch zahlreiche hermetische Trennwände, Deckungen und Panzertüren gekreuzt werden und gegen Betonabplatzungen zu schützen sind


    Einrichtungen zum Schutz der Kessel- und Dieselauspuffanlagen, den Öffnungen für Ventilation und Kanalisation, für Wasserversorgung und für die Beschickung mit festen und flüssigen Brennstoffen vor Geschoss- und Bombentreffern


    Mechanisierung der Munitionsförderung aus dem vorhandenen Kampfvorrat in den unteren Räumen


    Mechanisierung der Geschützrohrreinigung nach dem Schiessen
    Vollwertige Verteidigung gegen Luft- und Landstreitkräfte im Umfeld mit dem eigenen Personal der Batterie unter gleichzeitiger Beibehaltung der Kampfführung gegen die übrigen Waffen des Gegners.


    Zwischen der Artillerieverwaltung der Roten Armee und dem Leningrader Maschinenbautrust wurde am 24. August 1925 ein Vertrag „zur Vollendung des Baues der Batterie Nr. 8 (vormals Nr. 25) der Festung Sewastopol" geschlossen, in welchem stand:


    „ … Der Maschinenbautrust verpflichtet sich zur Erfüllung und die Artillerieverwaltung zur Abnahme folgender Arbeiten:


    Aus zwei Drillingstürmen mit zwölf-zölligen Geschützen des Schlachtschiffes Poltawa vier Stück zwölf-zöllige Geschützaufstellungen mit allen zugehörigen Teilen ausbauen, instandsetzen und mit eigenen Materialien bis zu einer Winkelerhöhung von 35 Grad fertigstellen


    Vertikale und horizontale Vorholzylinder instandsetzen und mit eigenem Material fertigstellen


    Montage der Handsteuerung und Installation der obenerwähnten Vorholzylinder, darüber der zwei Küstenturm-Anlagen mit jeweils zwei zwölf-zölligen Kanonen, Kaliberlänge 52, einschliesslich aller Zubehörteile und Mechanismen, die vom staatlichen Leningrader Metallbetrieb fertiggestellt wurden entsprechend des Vertrags mit der Artillerieverwaltung vom 29. Oktober 1923 und bereits nach Sewastopol gebracht wurden …, einschliesslich Montage und Einhängung …:
    des vertikalen Drehpanzers mit Keilen und Panzerbolzen


    der überlappenden Böden des horizontalen Panzers (Turmdecke), mit allen überlappenden Panzerböden des Kommandoturms, Bolzen und Gewindestifte zum Befestigen der Decke mit dem vertikalen Panzer und dem Gerippe des Turms


    Anlegen der Kanonen mit den Geschützböden auf die Lafetten


    Instandsetzen … des in der Festung Sewastopol vorhandenen Hebekrans mit 100 t Tragkraft."
    Nach den geltenden technischen Bestimmungen der Ingenieurhauptverwaltung der Roten Armee über massive Betonbauten von Batterien mit starrer innerer Armierung und flexibel abfedernden äusseren Schichten wurden Überdeckung und Wände in hartem Stampfbeton geschüttet in einer Mischung von 1:1.5:3 in Schichten von 15 bis 18 Zentimetern. Die Unterbrechung zwischen den Schüttungen betrug höchstens 20 Minuten. Die Zuführung des Betons erfolgte mit Loren, Schubkarren, Tragen und mit kurzen Transportbändern. Der Beton in der starren Verschalung wurde durch Handstampfen verdichtet. Die Betonfabrik bestand aus zwölf Haupt- und vier Reserve-Betonmischern „Smit" und vier „Eger" mit einer Produktivität von 6'600 m3 Beton in 24 Stunden. An der Betonierung eines Hauptblockes arbeiteten ununterbrochen ca. fünf Tage lang (5 x 24 Stunden) 800 Arbeiter, 400 Pioniere, 200 Mann des Personals der Batterie, 400 Mann der 6. Artillerie-Brigade und 1'200 Mann der Lehrtruppen der Marine des Schwarzen Meeres.


    Der Bau unterirdischer Poternen im Kalksteinfels wurde mit kleinen Sprengungen und Bohrmaschinen vorgenommen. Zur Beschleunigung der Arbeiten wurden diese gleichzeitig von beiden Seiten jeder Poterne her begonnen.


    Die Turmmontage wurde von Arbeitern der Leningrader Metallwerke unter Leitung von Militäringenieuren durchgeführt, verantwortlich für den Aufbau der Türme G. Kolokolzew, für die Durchführung der Arbeiten B. Rusenow und als Leiter des südlichen Bezirks der Panzerfestungen W. Atol. Zur Auffüllung des Personals der Batterien kamen im Juni 1926 aus Leningrad 400 Matrosen und Kommandeure des Linienschiffes Marat (früher Petropawlowsk) nach Sewastopol.


    Quelle: Zur Geschichte der Küstenbatterie Nr. 35 („Maxim Gorki II"). Dimitrij Stognij in Martin Egger's Fortifications page.


    Regards. Landser 8).

  • Hello, the second part follows.............................


    Der Bau der Batterie Nr. 35 - 2º


    Die Turmbatterie auf Kap Chersones, die zu dieser Zeit eine neue Nummer erhielt - Nr. 35 -, kam im Herbst 1929 zum Bau. Ihr erster Kommandeur wurde Genrich Steinberg.


    Die Batterie war mit vier 305 mm Geschützen in Zwillingstürmen ausgestattet und stellte sich damit als die am stärksten bewaffnete der Küstenverteidigung am Schwarzen Meer dieser Zeit dar. Die beiden Türme standen in linear überhöhender Stellung zueinander (der zweite Turm stand von der Küste weiter entfernt und etwas höher als der andere), was die Möglichkeit bot, das Feuer auf Seeziele mit kleineren Winkelerhöhungen zu führen (die Türme verdeckten einander nicht). Jeder Turm mit einem Gewicht von ca. 1'000 Tonnen bestand in der Vertikalen aus drei Abschnitten, dem Kampfraum mit den Geschützen, Zielvorrichtungen und den Mechanismen für den Ladevorgang, dem Arbeitsraum mit den Höhen- und Seitenrichtmaschinen und den Umlade- und Aufzugseinrichtungen zur Förderung der Granaten und Kartuschen an die Geschütze, wo Mannschaften zum Umladen der aus den unterirdischen Magazine herangeführten Munition vornahmen. Die Höhe des Turmes vom unteren Punkt, mit welchem er sich auf das Betonfundament stützte, bis zur Panzerdecke des Kampfraumes, belief sich auf 9.6 Meter, jedoch überragte er den Betonblock der Batterie nur um 2.1 Meter. Der Durchmesser des Turmes in Höhe des drehbaren Panzeraufsatzes lag bei 11.3 Meter, der Durchmesser des horizontalen Kugellagerkranzes bei 9.18 Meter.


    Im Kampfraum des Turmes, kreuz- und quergeteilt durch Panzerschottwände, waren zwei 305 mm Geschütze, Kaliberlänge 52, mit einem Gewicht von mehr als fünfzig Tonnen eingebaut. Die Geschützrohre ruhten auf Lafetten von 2.5 Meter Höhe und ca. zehn Meter Länge, die mit der Plattform des Kampfraumes vernietet waren und zur dreihundert Tonnen schweren Masse des drehbaren Teils des Turmes beitrugen. In der vertikalen Panzerwand, 305 mm stark und aus zwölf gebogenen Tafeln von 2.5 Meter Länge bestehend, die miteinander schwalbenschwanzartig verbunden waren, waren für die Geschützrohre zwei Schiessscharten eingearbeitet, abgedeckt durch mitschwingende Panzerschilde und segeltuchartige Überzügen gegen chemische Kampfstoffe. Die Panzerturmdecke, 203 mm stark, gebildet aus sechs Tafeln auf eisernen Winkeln und Balkenrahmen, besass zwei Öffnungen für Periskop-Zielfernrohre und Visiere des Turmkommandanten, die von oben mit gepanzerten Kappen abgedeckt waren.


    Der Turm ruhte auf massivem Beton, zur Bewegung befähigt durch einen horizontalen Kugellager- und einen seitlichen Rollenlagerkranz, darunter ein starrer Stahlkranz, der ebenso wie im beweglichen Teil zum Durchführen der Elektrokabel und der Rohrleitungen genutzt wurde.


    Jedes Geschütz verfügte über ein „System für automatischen Ladevorgang", welches von den Metallwerken erarbeitet worden war, das aber zu jenem Zeitpunkt nur bei einer Rohrerhöhung bis höchstens 15 Grad arbeitete, ferner über Aufzüge zum Antransport der Granaten und Kartuschen aus der Umladestation in den Kampfraum.


    Zur Entgegenname der Munition aus den Munitionsräumen und zur Beschickung der Aufzüge bei jeder beliebigen Seitenrichtstellung des Turmes befand sich in der Übergabestation eine zentrale bewegliche Plattform (ein Übergabetisch).


    Die Seitenrichtung des Turmes, die Höhenrichtung der Geschütze, das Öffnen und Schliessen der Verschlüsse und der Munitionstransport mit den Aufzügen bis zu den Ladeschalen u.s.w. erfolgten durch Elektroantrieb mittels ständig vorhandenem Strom, der universal-hydraulischen Geschwindigkeits-Regulierungsanlage „Jenny" und einem manuellen Reservegetriebe.


    Die Höhenrichtung konnte für jedes Geschütz einzeln oder für beide gemeinsam vorgenommen werden. In dem Mechanismus zur Seitenrichtung des Turmes war eine Reibungsmuffe vorhanden, welche die Schussabgabe erlaubte, ohne zuvor die Drehbewegung des Turmes zu stoppen (beim Feuer aus nur einem Geschütz betrug die Verwindung des Turmes höchstens einen Winkel von fünf Grad).


    Das Ausblasen der Geschützrohre erfolgte nach jedem Schuss automatisch mittels Pressluft, auch die Rohrwischer wurden pneumatisch betätigt.


    Zum Schutz der Räume unterhalb des drehbaren, gepanzerten Teils war deren Betonschacht mit einer starren Überdeckung von 305 mm Stärke bewehrt.


    Für die Montage der Türme und Geschütze für den Fall, dass ein ausgeschossenes Rohr (jedes von ihnen war auf 200 Schuss berechnet) aus dem planmässig vorhandenen Reservebestand ersetzt werden musste, war ein auf Eisenbahnschienen laufender Bockkran mit vier Laufkatzen und einer Lasthebekapazität von 150 Tonnen vorhanden. Er befand sich in einem speziellen Schutzraum im Fels nicht weit von der Kasatschei-Bucht.


    Jeder Turm befand sich in einem eigenen einzelnen Eisenbetonblock und verfügte über je zwei Granat- und Kartuschmagazine von zwanzig Meter Länge und 4.5 Meter Breite. Diese Räume besassen Stellagen zur Aufbewahrung der Granaten und Kartuschen (letztere befanden sich in hermetisch verschlossenen Stahlbehältern), mengenmässig der Berechnung von Schuss je Rohr entsprechend. Sie verfügten über eine Löschwasseranlage und eine selbstschreibende Temperatur- und Luftfeuchtigkeitskontrolle. Für Anlieferung und Einlagerung in die Munitionsräume gab es ein spezielles mechanisiertes System, das auf folgende Weise wirkte: Die Granaten und Kartuschen wurden mit Lastkähnen zur Batterie-Anlegestelle in der Kasatschei-Bucht (ca. 1.5 km vom Batterieblock entfernt) gebracht, auf Lastkraftwagen umgeladen und zum Eingang der Batterie gebracht. Hier wurde jede Granate und Kartusche mittels kleiner schmalspuriger Loren an das einspurige, an der Decke befestigte Transportsystem innerhalb der Batterie übergeben und zu den Luken der Munitionsräume, die der Entgegennahme dienten, befördert. Zur Überführung der Munition in die Umladeabteilung der Türme wurden Schmalspurloren und Kräne verwendet.


    Ausser den Munitions- und Umladeräumen befanden sich in jedem Turmblock der Batterie zahlreiche weitere Räume (Wohn- und Unterkunftsräume, Sanitäranlagen, Ventilationsräume usw.) in zwei Etagen. Im Block des zweiten Turmes befand sich ferner die zentrale Elektrostation für Kraft- und Lichtstrom mit Dieselgeneratoren, Stromumwandlern, Transformatoren, einer alkalischen Akkumulatoren-Batterie der schwedischen Firma Jungner usw., der Kesselraum (drei Dampfkessel System „Schuchow"), der Raum für die Kompressoren und die Druckbehälter für die Pressluft, die Räume für die Vorräte an Brennstoffen, Wasser und Schmierölen, eine komplett ausgestattete mechanische Werkstatt mit unentbehrlichen Werkbänken, ein zentraler Stand mit Geräten für die Feuerlenkung, die medizinische Station mit Operationsraum und Lazarett sowie die Messe und die Unterkünfte des Kommandopersonals der Batterie.


    Ein rechteckig gestalteter Zugang in den Kasemattblock des zweiten Turmes stellte den Haupteingang in die Blöcke der Batterie dar. Er war geschützt durch eine Eisenbetonwand, hermetisch schliessende Panzertüren und besass eine Gasschleuse mit Sanitätsdurchlass. Der Block des ersten Turmes verfügte über keinen besonderen Eingang, sondern war mit dem Block des zweiten Turmes durch eine geneigte Poterne verbunden, an welche auch die Räume der Nachrichtenverbindungszentrale der Batterie angegliedert waren und die über Funkstationen vom Typ „Buchta" (Kurzwelle), „Bris" (Langwelle) und „Reid" (Ultrakurzwelle) verfügten. Als Notausgang aus Turmblock 1 konnte die Luftansaugegalerie mit ihrer Filter- und Ventilationsausstattung dienen, die von der unteren Etage des Blocks ausging und in der Steilküste am Meer mündete.


    Für die Feuerleitung verfügte die Batterie über zwei Kommandostellen, die Hauptfeuerleitstelle (rechts) und die Reserveleitstelle (links), seitlich von den Geschütztürmen in einer Entfernung von 300 bis 500 Metern gelegen. Jeder Leitstand besass eine gepanzerte Turmhaube mit 406 mm Wandstärke und 305 mm Stärke der Turmhaubendecke, einen breiten Schacht mit sechsmetrigem Entfernungsmesser von Zeiss, Nachrichtenzentrale, autonome Elektrostation und eine Reihe anderer Räume in vier Etagen unter der Erdoberfläche. Mit den Artillerieblöcken waren die Feuerleitstellen durch Poternen verbunden, die in einer Tiefe von zwanzig Metern durch den Fels gesprengt waren. Die Poterne der am meisten gefährdeten Feuerleitstelle besass eine seitliche Abzweigung, die zur Steilküste des Ufers hin mündete und zugleich zum Hinausführen der Kanalisations- und Drainagerohre sowie als zusätzlicher Ausgang diente.


    Die Kasematten der Batterie hatten hauptsächlich gewölbte Überdeckungen aus Monoguss-Eisenbeton, gestützt auf eine abplatzsichere Lage Stahlschwellen Nr. 30, durchgehend aneinandergelegt und entsprechend dem Gewölberadius gebogen. Eine solche Konstruktion, vorgeschlagen durch den Oberst Sawrimowitsch, bot meist effektiven Schutz vor abplatzenden Betonteilen von der Innenseite der Gewölbe bei Treffern von schweren Granaten oder Bomben. Ein Teil der Räume besass flache Decken mit einer abplatzsicheren Lage von stählernen Doppel-T-Trägern.


    Der Schutz vor chemischen Angriffen im Inneren der Batterieräume war folgendermassen ausgeführt: die verseuchte Luft wurde von der Oberfläche durch geschützte Kopfplatten in ein System sich verbreiternder Zellen genommen, im System einer Kalorifen-Heizung erwärmt, zwangsweise durch eine Anlage von Ventilationsfiltern, bestehend aus 240 Filtern des Typs FP-360 mit einer summarischen Produktionskapazität von 86'400 m3/h, geschickt und mittels zentrifugaler Ventilatoren des Typs „Sirokko" durch ein System von Röhrleitungen in die Räume gegeben, um dort eine bestimmte Luftdichte zu erzeugen. Gemäss der Anforderung, keine verseuchte Luft durch die Drehöffnungen und Schiessscharten der Geschütztürme, aber auch durch die Sehschlitze der Kommandotürme zuzulassen, erfolgte hier der Luftwechsel sechzig Mal in der Stunde.


    Die autonome Wasserversorgung der Batterie erfolgte durch einen Haupt- und einen zweiten Grundwasserbrunnen, die 3.5 km von der Batterie entfernt lagen (im Umfeld der Batterie war das Grundwasser stark versalzen). Das von geschützten Pumpstationen geförderte Wasser wurde in doppelt geführter Wasserleitung, die in tiefen Gräben verlegt und „weich" montiert war, in den Block von Turm 2 geleitet. Für das Wasserversorgungssystem der Munitionsräume und der Sanitäranlagen gab es unter dem Block einen kleinen Grundwasserbrunnen mit Meerwasser. Die Systeme zur Kühlung der Dieselmotoren und der Warmwasserheizung besassen einen geschlossenen Kreislauf. Für den Fall eines Ausfalles des Wasserversorgungssystems war unter dem Betonblock ein Reservoir mit einem Vorrat an Süsswasser angelegt.


    Zur Verteidigung der Zugangswege zur Batterie über Land und zur Rundumverteidigung waren fünf Eisenbetonbunker mit einer Wand- und Deckenstärke bis zu 0.5 m errichtet und mit je drei schweren Maschinengewehren versehen. Zur Luftabwehr gab es Vierlings-Fla-MGs „M 4", die beweglich auf Lastkraftwagen montiert waren, sowie zwei ortsfeste Fla-MGs. Für das Übungsschiessen verfügte die Batterie über fünf 45 mm Geschütze „21 K".


    Quelle: Zur Geschichte der Küstenbatterie Nr. 35 („Maxim Gorki II"). Dimitrij Stognij in Martin Egger's Fortifications page.


    Die Kämpfe um Sewastopol 1941-1942 follows. Thank you Arnold for allowing me to post this thread ;). Regards. Landser  8)

  • Hallo Arnold,


    ich habe in den Aufzeichnungen von Diedrich Bruns (Regimentskommandeur) gelesen, dass einige Angriffe mangelhaft vorbereitet und die Soldaten schlicht ins Feuer geschickt wurden.


    Zum Angriff am 18.10.1941 (Assis/Krim)äußert er sich so bezüglich des IR 16.



    Das IR 16 kam am Vortag verspätet in die Bereitstellung und konnte nicht mehr eingewiesen werden. Das IR 47 hatte sich im Nebel auf einen Landstrich zwischen zwi Seen verlaufen.


    Gruß


    Georg

  • arnold

    Quote

    War das Debakel vorhersehbar - und wäre es zu verhindern gewesen?


    "Inzwischen liefen bei den deutschen Stäben die Planungen für "Unternehmen Störfang"- den entscheidenden Angriff auf Sewastopol.
    Hafen und Stadt, so lautete der erste operative Gedanke, mußten in die direkte Waffenwirkung deutscher Geschütze kommen, um die sowjetische Zufuhr an Soldaten und Waffen zu unterbinden.


    Zwangsläufig führte diese grobe Planung zur konkreten Entscheidung, S. mit Schwerpunkten im Norden und Nordosten anzugreifen. (...)


    Hans Speth verkannte die Nachteile nicht: "Um das gesteckte Ziel zu erreichen, mußten unsere Einheiten die Höhen nördlich der Sewernaja-Bucht nehmen. Uns war klar, das die eingesetzten Divisionen damit zunächst auf die stärksten Forts "Maxim Gorki", "Stalin", "Molotow", "GPU" und "Lenin" treffen würden."


    Negative Gedanken dieser Art seien aber zurückgestellt worden.
    Das wichtigste Ziel, den Hafen durch direktes Feuer zu sperren, habe schon im Vorfeld der konkreten Befehlsgebung schwerwiegende Bedenken erst gar nicht aufkommen lassen."


    aus: Horst Brünig: In der Hölle von Sewastopol -Augenzeugenbericht vom Kampf um die stärkste Seefestung der Welt



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

    Edited 2 times, last by Thilo ().

  • Hello gents, a bit more...............................................


    Die Kämpfe um Sewastopol 1941.


    Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde die Küstenbatterie Nr. 35 organisatorisch der 1. selbständigen Artilleriedivision der Küstenverteidigung der Hauptbasis der Schwarzmeerflotte unterstellt, ebenso wie die Turmgeschütz-Küstenbatterie Nr. 30 (4 x 305 mm) und die offene Küstenbatterie Nr. 10 (4 x 203 mm). Die Aufgabe der Division war der Kampf mit Grosskampfschiffen des Gegners: Schlachtschiffen und Kreuzern. Mit Beginn der Kampftätigkeit auf der Krim im November 1941 mussten die schweren Küstenbatterien allerdings ihre Geschütze gegen die feindlichen Landstreitkräfte richten.


    Die ersten scharfen Schüsse im Kampf gab die Batterie Nr. 35 am 7. November 1941 ab. Um 14.15 Uhr gab der Kommandeur der 1. Selbstständigen Artilleriedivision der Küstenverteidigung, Kapitän Konstantin Radowski, dem Kommandeur, Kapitän Alexeij Leschtschenko, den Befehl, vordringende deutsche Infanterie und Kraftfahrzeuge etwa einen Kilometer nordöstlich des Vorwerkes Mekenzi zu beschiessen (es handelte sich um die Vorausabteilung der 50. Infanteriedivision, die in Richtung des Tales Kara-Koba vorging). Nach zehn Minuten eröffnete die Batterie das Feuer und belegte den im Befehl angegebenen Raum mit 41 Schuss. Nach sowjetischen Angaben verloren die Deutschen infolge dieses Beschusses bis zu 30 Kraftfahrzeuge und eine Batterie Artillerie.


    Am 8. November eröffnete die Batterie erneut das Feuer auf den Raum des Vorwerkes Mekenzi, vernichtete nach sowjetischen Angaben eine Fernkampfbatterie und brachte drei Granatwerferbatterien der Deutschen zum Schweigen.


    Am 9. November, um 14.20 Uhr, beschoss die Batterie Nr. 35 eine Bereitstellung deutscher Infanterie im Raum der Höhe 137.7. Nach sowjetischen Angaben zeigte das Resultat des Beschusses die Vernichtung von bis zu einem Bataillon der Infanterie. Am gleichen Tage wurde die Batterie zum ersten Mal von der deutschen Luftwaffe mit Bomben angegriffen.


    Vom 13. November ab nahm die Batterie immer wieder, je nach den Erfolgen der Deutschen, den Feuerkampf gegen die 72. Infanteriedivision auf, die in Richtung Balaklawa vorrückte. Vom 7. November bis zum 16. Dezember 1941 hatte sie insgesamt 26 mal das Feuer eröffnet und dabei 210 Stück 305 mm Granaten verbraucht.


    Da die Batterie Nr. 35 nunmehr in das Kampfgeschehen einbezogen war und sich entsprechende Verschleisserscheinungen an den Geschützrohren zeigten (ca. 85%), mussten bereits Ende November die beiden Geschütze von Turm 1 als nahezu unbrauchbar angesehen werden. Nach Abgabe von etwa dreihundert Schuss pro Rohr (bei einer vorausberechneten Norm von zweihundert) zeigten sich am Mündungsteil der Seelenrohre Rissbildungen und die Mantelrohre begannen sich aufzubauchen. Bei weiterer Feuerabgabe musste mit Rohrkrepierern gerechnet werden. Darum begann man am 5. Dezember 1941 damit, die Rohre auszutauschen. Da jedoch der Bockkran auseinandergenommen war und ausserdem der Austausch geheimgehalten werden sollte, wurden die Arbeiten ohne Einsatz des Kranes vorgenommen.


    Von der Anlegestelle in der Kasatschei-Bucht, wo die Reserverohre lagerten, verlegte man Schienen bis zum Hauptweg, der rechtwinkling horizontal auf die Batterie zuführte. Auf die Schienen wurden Unterlagen aus Eichenholz aufgelegt und auf diese mit Hilfe von Winden die Ersatzrohre. Die Schienen hatte man mit einer Gleitschicht aus Fett versehen, und die Rohre wurden mit Traktoren auf den zum Turm führenden Hauptweg gezogen.


    Auf dem Hauptweg befanden sich zwei Wagengestelle, die vom Bockkran der Batterie stammten und durch Trossen miteinander verbunden waren. Auf diese wurde das Rohr umgeladen und, mit dem Verschlussteil in Bewegungsrichtung, durch zwei Traktoren vom Typ „Stalinez" in ca. 17 Minuten zum Turm herangezogen.


    Zuvor hatte man die beiden unbrauchbaren Rohre auf folgende Weise demontiert: Die vordere horizontale Panzerung (das Dach des Turmes) wurde angehoben und mit Hilfe von Winden und auf Gleitrollen zur Seite geschoben. Die vordere vertikale Panzerung wurde abgeklappt und ebenso zur Seite geschoben. Die Rohre wurden mit Winden um 250 mm angehoben und in spezielle Kastengestelle auf Eichenholz-Unterlagen abgesenkt. Traktoren zogen sie dann aus dem Turm heraus und schleppten sie zur Seite.


    Die Ersatzrohre wurden auf den gleichen Gleitschienen und Unterlagen mit Hilfe von Flaschenzügen in den Turm hineingezogen und mittels Winden in die Rohrlager abgesenkt. Um die Arbeiten zu maskieren, hatte man den Turm mit einer zeltartigen Tarnung überdeckt.


    Die Arbeiten des Rohrwechsels der Geschütze in Turm 1 waren am 10. Januar 1942 abgeschlossen.


    Am 17. Dezember 1941 begann die deutsche 11. Armee mit dem ersten Sturmangriff auf Sewastopol. Im Laufe dieses Tages eröffnete die Batterie Nr. 35 fünfmal das Feuer mit Turm 2 und verbrauchte dabei 39 Granaten. Gegen 16.00 Uhr ereignete sich in der Batterie eine Katastrophe. Als nach dem neunten Schuss das linke Turmgeschütz geladen war, berührte der sich schliessende Verschluss vor der endgültigen Verriegelung die Abfeuervorrichtung, und es erfolgte ein vorzeitiger Abschuss. Der Verschluss wurde abgerissen, ein Feuerstrahl schoss in den Kampfraum des Turmes und verursachte einen starken Brand. Die Turmbesatzung versuchte, das Feuer zu bekämpfen, aber es entzündeten sich zwei Kartuschen in der Ladevorrichtung des rechten Geschützes und vier weitere in den Schächten beider Munitionsaufzüge. Es folgte eine Explosion, die so stark war, dass der nahezu 1'000 Tonnen schwere Turm in die Höhe sprang. Die Panzerwände wurden in einzelne Tafeln zerrissen und fielen herunter. Die Panzerdecke wurde ebenfalls zerrissen und nach allen Seiten auseinandergeschleudert, das 88 Tonnen schwere Mittelteil aber drehte sich in der Luft, fiel in den Turm zurück und zerschmetterte die Bodenstücke der Geschütze. Die gesamte Besatzung des Turmes (ca. 40 Mann) kam um. Der sofort reagierenden, technisch hochqualifizierten Mannschaft der Munitions- und Transporträume gelang es, das System der Berieselungsanlage in Gang zu setzen und die Feuerschutz-Schotte zur Umladeabteilung des Turmes zu schliessen, somit eine Explosion der Munitionsräume zu verhindern und die Batterie vor vollständiger Vernichtung zu bewahren.


    Als Ursache für die Katastrophe stellte sich heraus, dass an dem pilzförmigen Zündstift der Abfeuervorrichtung ein glimmender Rest des Gewebebeutels, der die Kartuschladung umgibt, haften geblieben war. Dieser berührte beim Schliessen die neue Kartusche, die sich entzündete und den Schuss auslöste, bevor der Verschluss ganz geschlossen war.


    Quelle: Zur Geschichte der Küstenbatterie Nr. 35 („Maxim Gorki II"). Dimitrij Stognij in Martin Egger's Fortifications page.


    Regards. Landser  8)

  • Hello gents, more on the fighting at Sewastopl...............................................


    Die Kämpfe um Sewastopol 1942.


    Die Arbeiten zur Wiederherstellung des zerstörten Turmes unter gleichzeitigem Austausch der abgenutzten Geschützrohre begannen Mitte Januar 1942 und dauerten nur zwei Monate. Der Austausch der Rohre erfolgte nach dem gleichen Verfahren wie zuvor bei Turm 1. Das Besondere war hier jedoch, dass umfangreiche Reparaturarbeiten und eine dauerhafte Instandsetzung aller Mechanismen und Konstruktionen vorgenommen werden mussten. Wichtig waren davon die Instandsetzung des Drehkranzes, die Verkleidung des Drehzapfens, der Austausch des Lafettenschwanzes des linken Geschützes, die Begradigung der Kampfplattform, Wiederherstellung der drehbaren Panzerwände und -decke des Turmes, der Austausch der Rohrdurchführungen, Elektromotoren mit Anlassstationen und die Kabelführung. Zur Wiederherstellung des Turmes wurden die Produktionskräfte aller passenden, in Frage kommenden Unternehmen Sewastopols ausgenutzt: die Morskoi-Werke Nr. 201, das Artillerie-Instandsetzungswerk Nr. 1'127 und das Elektromechanische Unternehmen Nr. 5.


    Im April 1942 war Turm 2 für ein Probeschiessen fertiggestellt, und so wurde die Batterie Nr. 35 wieder voll kampffähig.


    Vom 20. Januar bis zum Mai 1942 eröffneten die Geschütze des Turms 1 insgesamt 23 mal das Feuer und verbrauchten dabei 140 Granaten. Einige Male geschah dies zum Schutz von in den Sewastopoler Hafen einlaufenden Kriegs- und Transportschiffen, welche Kriegsmaterial und anderen Nachschub heranbrachten. In dieser Zeit wurden auch Versuche vorgenommen, die 305 mm Geschütze zur Fliegerabwehr einzusetzen, indem mit Schrapnells auf deutsche Flugzeuge geschossen wurde.


    Am 7. Juni 1942 begannen die Einheiten der deutschen 11. Armee die Operation Störfang, den zweiten Angriff auf die Festung Sewastopol. Nur am ersten Tag des Angriffs gab die Batterie Nr. 35 insgesamt vierzehn Schuss ab, davon elf gegen Infanterie und Panzer und drei gegen Feuerstellungen der Artillerie.


    Am 9. Juni nahm die Batterie erneut zehnmal den Feuerkampf auf (siebenmal auf Infanterie und Panzer der deutschen 22. Infanteriedivision im Bereich des Kordons Mekenzi Nr. 1 und der Station Mekenzier Berge) und verbrauchte dabei 79 Granaten. Am 10. Juni feuerte die Batterie zehnmal bei einem Verbrauch von 72 Schuss. Am 11. Juni vernichtete die Batterie nach sowjetischen Angaben bei drei Feuerschlägen drei schwere Geschütze der Deutschen. Nach denselben Angaben wurden durch das Feuer der Batterie am 17. Juni (bei einem Verbrauch von 44 Granaten) zwei schwere Geschütze vernichtet, ein weiteres zum Schweigen gebracht und „eine grosse Menge" der Infanterie ausser Gefecht gesetzt, vom 23. bis 25. Zwei Kampfgruppen Infanterie und vom 26. bis 28. Juni eine deutsche schwere Batterie vernichtet.


    Die schweren Verluste, die das Feuer der Batterie Nr. 35 verursachten, veranlassten das Oberkommando der 11. Armee, den Druck in diesem Abschnitt mit allen Kräften zu verstärken. Am 23. Juni flogen deutsche Sturzkampfbomber vom Typ Ju 87 einen schweren Luftangriff auf die Batterie. Infolge des Einschlags schwerer Bomben in unmittelbarer Nähe wurde das rechte Geschütz von Turm 1 beschädigt (es entstand ein Riss am Rohrlauf). Bei erneuter Feuereröffnung platzten bei beiden Geschützen die Seelenrohre und der Turm fiel endgültig aus. Die restliche Munition wurde nun von Hand in die Munitionsräume von Turm 2 transportiert. Im kritischsten Augenblick der Schlacht um Sewastopol war auf diese Weise die Feuerkraft der Batterie Nr. 35 um die Hälfte herabgesetzt.


    In der Nacht zum 30. Juni 1942 wurde infolge des Durchbruchs der deutschen Streitkräfte zur Stadt die Kommandostelle des Sewastopoler Verteidigungsbezirks aus dem Stollen am westlichen Ufer der Südbucht in die Kasematten der Batterie Nr. 35 verlegt. Am 30. Juni um 09.50 Uhr sandte von hier aus der Oberkommandierende der Schwrzmeerflotte und des Verteidigungsbezirks, Vizeadmiral Filipp Oktjabrskij, an den Volkskommissar der Kriegsflotte in Moskau, Nikolai Kusnezow, ein Telegramm mit dem Bericht, dass es unmöglich sei, Sewastopol weiter zu halten, und mit der Bitte, das Kommandopersonal evakuieren zu dürfen. Um 19.30 Uhr begann in der Messe der Batterie die letzte Sitzung des Kriegsrates des Verteidigungsbezirks Sewastopol, bei dem entschieden wurde, dass das Kommandopersonal der Flotte und der Küstenarmee zum Kaukasus evakuiert werden sollten.


    Nach der Sitzung rief Vizeadmiral Oktjabrskij den Kommandanten der Batterie zu sich und forderte einen Bericht über den Zustand derTürme. Kapitän Leschtschenko führte aus, dass nur die beiden Geschütze von Turm 2 in gutem Zustand erhalten geblieben seien, für welche jedoch nur noch sechs Schrapnells und ca. dreissig verwendbare Granaten (ohne Pulver) übrig sind. Nach Anhörung des Berichts befahl der Oberkommandierende der Flotte dem Kommandanten der Batterie, dass es nunmehr seine Hauptaufgabe sei, die Evakuierung zu decken, und ordnete an, die Geschosse dafür aufzusparen, nach dem Verschuss der letzten Granate jedoch die Batterie zu sprengen.


    Ferner befahl Vizeadmiral Oktjabrskij, dass Kapitän Leschtschenko unter den Befehl des Kommandeurs der 109. Division der Küstenarmee, Generalmajor Pjotr Nowikow, dem verbleibenden Kommandeur des Verteidigungsbezirks Sewastopol, zu treten habe und die Batterie nur mit dessen Erlaubnis sprengen dürfe.


    Um 01.30 Uhr verliessen die Oberkommandos der Schwarzmeerflotte und der Küstenarmee die Batterie Nr. 35 und begaben sich zu den auf sie wartenden Flugzeugen und Unterseebooten zur Evakuierung.


    Quelle: Zur Geschichte der Küstenbatterie Nr. 35 („Maxim Gorki II"). Dimitrij Stognij in Martin Egger's Fortifications page.


    Regards. Landser  8)

  • Quote

    Original von weers
    Hallo Landser,
    Danke für diese ausführliche Beschreibung...


    Dem möchte ich mich anschließen. Tolles Material!
    Vielen Dank an landser162



    (P.S. Vielleicht schaffe ich bald das GR315 ;) )