Spezialgerät für Stützpunkt im Atlantik

  • Hallo zusammen,


    wie bereits an anderer Stelle in diesem Forum geschildert, war mein Großvater Lt. und Kp-Fhr der 1./PiBtl 353 (FPN 22030B). Diese Kp. war nach meinen bisherigen Recherchen (feldgrau.net) zunächst in Tregarvan/Bretagne (bei Brest und Lanveoc) stationiert und wurde dann im Juni 1944 in die Normandie befohlen, wo sie in den Kämpfen um La Haye-du-Puits vernichtet wurde (vgl. Georges Bernage, Normandie 1944, "Blindzitat" aus "8armycorpsnormandy.fr").


    Ich habe einen Feldpostbrief meines Großvaters vom 10. April 1944, in dem es u.a. wie folgt heißt:


    "Ich habe in den letzten drei Tagen eine Riesenfähre gebaut, mit der ein Spezialgerät der Marine auf einen Stützpunkt im Atlantik übergesetzt werden soll. Morgen wird der Tanz losgehen. Ich freue mich schon auf die Überfahrt. Hoffentlich landen wir nicht gleich in England (dann gehe ich für etliche Zeit nach Kairo zum Steine kloppen). So ein Apparat macht natürlich viel Arbeit. Jeden Tag habe ich hier etliche Generale zu Besuch, die mir neben den anerkennenden Bemerkungen über "meine Fähre" den letzten Rest meines Kognak's vertilgen. Aber auch der wird einmal alle."


    Ich will wissen (um es bewußt militärich zu formulieren - pardon für den Ton):


    - welcher Stützpunkt könnte hier gemeint sein (Jersey oder eine andere Kanalinsel?)?
    - was für ein "Spezialgerät" könnte gemeint sein (Festungsartillerie?)?
    - gibt es über diese "Riesenfähre" und/oder das "Spezialgerät" irgendwelche Berichte oder gar Photos?


    Meinen Dank im Voraus!


    Gruß,
    Marcus

    Inter arma enim silent leges (Unter den Waffen schweigen nämlich die Gesetze) Cicero
    - suche alles zur 353. I.D., insb. zum PiBtl 353 und zur KG 353 I.D. "Böhm" -

  • Hallo Marcus,


    Hier ein paar Spüren für deine suche:


    Das 1/PiBtl 353 lag im Ort Tregarvan, diese Ort liegt am Rand vom Kanal " L'Aulne " und am Hang vom Menez Hom. Anbei ein Ausschnitt der Michelin Karte von 1945.


    " Riesenfähre " Fähre auf Französisch bedeutet " Bac "
    Auf der Rechte Seite vom Dorf Tregarvan war ein Fähredurchfahrt.


    " Stützpunkt " Der Berg " Menez Hom " mit seine Höhe von 330m war ein Funkmeßstellung.


    " Spezialgerät " auf dem Menez Hom stand warscheinlich ein FuSAn oder ein Radargerät " Freya " von der Kriegsmarine.


    Grüße
    Fredy

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  • Hallo
    Nun war das Freya-FM kein "Riesengerät" und großen Rundsuchgeräte (Wassermann etc.) waren -sozusagen- Bausätze und konnten somit an Ort und Stelle zusammengebaut werden.

  • Hallo Stefan, hallo Fredy,


    ich habe bereits Zweifel daran, dass die Kriegsmarine 1944 überhaupt Stützpunkte "im" Atlantik gehabt hat (welche sollten das sein?). M.E. kommt hier nur der Marinestützpunkt Brest (in unmittelbarer Nähe) oder eine der Kanalinseln (dafür spricht die geäußerte Befürchtung, nach England abgetrieben zu werden) in Betracht. Wenn aber tatsächlich die halbe Generalität den Bau der "Riesenfähre" begutachtet hat, dann müßte es doch in den Quellen irgendwas dazu geben, oder? Wer kann da bitte mal nachschauen?


    Gruß,
    Marcus

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  • Hallo MHR


    Du hast völlig recht.
    Die KM hatte im Atlantik keine Stützpunkte, einzig ein paar Kanalinseln (Jersey, Guernsey).
    Im KTB des PioBtl könnte es evtl. enthalten sein.

  • Hallo Gerd,


    ich denke, die Siebelfähre ist ein heißer Tip. Mein Großvater wird sich ja nicht in drei Tagen eine eigene Konstruktion ausgedacht haben. Zudem haben wir hier schon an anderer Stelle - mit Hilfe von Fredy - herausgefunden, dass im nahegelegenen Lanveoc Schwimmpontons u. a. dazu verwendet wurden, um künstliche Anleger für Wasserflugzeuge zu bilden. Mit derartigen Pontons hätte man relativ leicht eine "Riesenfähre" zusammensetzen können.


    Bleibt die Frage, was da transportiert werden sollte. Wenn man die Kanalinseln ausnimmt, könnte es sich um ein "Spezialgerät" der Marine gehandelt haben, das man weder auf dem Seeweg noch auf dem Landweg in den Marinestützpunkt Brest bringen konnte. Ein Spezial U-Boot? Einen Kran zur Reparatur von U-Booten? Ein Geschütz?


    Wie kommt man denn an das KTB des PiBtl 353 ran?


    Gruß,
    Marcus

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  • Guten Morgen,


    in der "Chronik des Seekrieges 1939 - 1945* ", habe ich etwas gefunden:


    Zitat:
    "In der Nacht vom 5./6.7.(1944,G.W.) werden von Villers-s-M. erstmalig
    26 "Neger-Einmann-Torpedos gegen den Landungsraum angesetzt..."


    Eventuell wurden die Einmann-Torpedos ja mit den "Riesenfähren" dorthin transportiert ?






    * Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges
    1939-1945; Gerhard Stalling Verlag

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo Gerd,


    Dein Hinweis ist zumindest denkbar. Aber ob man die Einmann-Uboote schon im April 1944 in die Bretagne gebracht hat? Zu dem Zeitpunkt haben die die Invasion doch noch ganz woanders erwartet, oder? Naja, als mögliche Alternative derzeit jedenfalls nicht völlig auszuschließen.


    Danke und Gruß,
    Marcus

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  • "In der Nacht vom 5./6.7.(1944,G.W.) werden von Villers-s-M. erstmalig 26 "Neger-Einmann-Torpedos gegen den Landungsraum angesetzt..."


    Hallo,


    dabei handelte es sich um den Einsatz von "Neger"-Kleinkampfmitteln, der vom Strand bei Trouville in der Seine-Bucht gegen das alliierte Landungsunternehmen geführt wurde und für den u.a. Walter Gerhold nach Beschädigung des polnischen Kreuzers Dragon mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde. Im Anhang mal ein Presseartikel zu diesen damals für die Bevölkerung neuartigen "bemannten Torpedos" und dem Einsatz mit namentlicher Nennung von einigen Beteiligten.
    Quelle: Neue Warte am Inn Nr. 30 vom 26.Juli 1944, Seite 3


    Gruß, J.H.

  • Hi allseits,


    eine Verständnisfrage:
    wie kommt es zu der Bezeichnung "Neger-Einmann-Torpedos".
    Kann jemand helfen?


    Danke + Gruß,
    Kordula

  • Hallo Kordula,


    soviel ich weiß, soll der Name des Marinebaurat Richard Mohr entstammen. Mohr = Schwarz = Neger. Der damalige Sprachgebrauch, leider.


    Wir denken an Sarotti-Mohr oder an Mohrenköpfe.


    Gruß aus Hessen
    Lothar

  • Hi Lothar,


    danke für Erläuterung. Meldet sich sonst niemand, dann war's das wohl.


    Und nun noch ein wenig OT:
    Da konstruiert ein Herr Mohr etwas, das wird dann mit "Neger"... bezeichnet.
    Schon der Name "Mohr" in unserem Dritten Reich hatte ja etwas - wie blöd -
    so einen Namen zu tragen, denke ich mal.
    Erinnert mich an "unsere Ober-Nazis", die doch so vollumfänglich dem Ideal
    des arischen Menschen entsprachen.
    Empfehle Hilsenraths "Der Nazi & der Friseur".
    Bringt die Absurdität des Wahns auf den Punkt.


    Grüße, Kordula

  • Ohne Kordula zu nahe treten zu wollen, möchte ich mir erlauben wie folgt beizutragen:

    Anhand der mir zugänglichen Quellen ist der Nachname "Mohr" in Deutschland bis auf das Jahr 1340 zurück nachzuweisen und hatte wohl mehrere Bedeutungen:


    - "dunkelhäutiger" (jedoch wohl eher "schwarzhaariger" Mensch)

    - die Herkunft der betreffenden Person (beachte, dass das heutige Wort Moor früher mit "h" geschrieben wurde = "Mohr", oder Tal = Thal)
    Stammte jemand also aus einem "Moorgebiet" konnte es durchaus sein, dass er den Familiennamen Mohr / Moor erhielt.


    - schließlich könnte der Name "Mohr" auch noch von einem in der heutigen Zeit nicht mehr gebräuchlichen Wort für "Muttersau" stammen, welches dazu führte, das manch ein Schweinebauer den Namen Mohr
    erhielt.


    Ob also die Vorfahren des Herrn Mohr Schweinebauern waren, oder aber versuchten in einem Moor um ihr Überleben zu können entzieht sich meiner Kenntnis, hier müßte man wohl eine eingehende Ahnenforschung betreiben.
    Diese sollte jedoch unnötig sein, da wie wir wissen Namen, anders als andere Worte in dern Sprachen der Völker, nicht für eine Klassifizierung dienen, sondern dazu dienen einem Individuum einen Namen zu geben. Dies läßt sich übrigens auch z.B. auf Ortsnamen übertragen, wie z.B. Mohrungen (sumpfiger Ort).


    Ich hoffe, etwas zum allgemeinen Verständnis der deutschen Sprache beigetragen zu haben.

  • Hallo Marcus,


    Sorry, dass ich mich erst nach diesem ganzen OT-Geschwätz melde. Mit 'Spezialgerät' kann durchaus ein Teil eines Küstengeschützes, Lafette oder Schutzschild, aber auch Panzerungen für z.B. Entfernungsmesser etc. gemeint sein.
    Was den Stützpunkt betrifft, so gab es nicht nur auf den britischen Kanalinseln Küstenbatterien, sondern auch auf vielen der französischen Küste vorgelagerten Inseln. In jedem Fall ist die Bezeichnung 'Stützpunkt im Atlantik' richtig, denn der beginnt nunmal an der nordwestfranzösischen Küste.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Ich tippe auf ein Geschütz für eine der vielen Küstenbatterien auf den Kanalinseln Jersey, Guernsey, Alderney (mal unter coastal battery Jersey, Guernsey suchen) - betrifft vielleicht die nicht vollendete Batterie Moltke.
    Beste Grüße
    Gebhard Aders

  • Nachtrag zu meinem letzten Beitrag:
    Die französischen Beute-Kanonen der Batterie Moltke auf Jersey sollten 1944 durch einen Zwillingsturm mit 15 cm Kanonen ersetzt werden. Vielleicht ist das damit gemeint.
    Beste Grüße
    G. Aders

  • Hallo zusammen,


    vielleicht ist es hilfreich zu betonen, dass nicht nur auf den Kanalinseln Küstenbatterien des Atlantikwalls errichtet wurden, sondern zumindest noch auf den folgenden französischen Inseln Ile de Ré, Ile de Groix, Ile d'Oléron, Ile Longue, Belle Ile, Cezembre und Ile de Yeu.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo zusammen,


    ich danke schon einmal für die vielen Hinweise. Ich habe leider momentan privat einiges um die Ohren. Sobald ich wieder mehr Zeit habe, werde ich die Hinweise mal näher durchsehen und mit KTB-Einträgen usw. abgleichen.


    Horrido,
    Marcus

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