Literatur zum Thema Kriegsverbrechen an Kriegsgefangenen

  • Hallo!
    Da zumindest ein User nicht dem Umgang mit der Suchmaschine gewöhnt ist; hier mal eine einige Bücher aus dem Rez. Thread zu dem Thema: Kriegsgefangene.


    Keller, Rolf: Sowjetische Kriegsgefangene im Deutschen Reich 1941/42.
    Behandlung und Arbeitseinsatz zwischen Vernichtungspolitik und
    kriegswirtschaftlichen Erfordernissen. Göttingen: Wallstein Verlag 2011.
    ISBN 978-3-8353-0989-0; 511 S.; EUR 42,00.


    Rezensiert für H-Soz-u-Kult von:
    Karsten Linne, Hamburg


    Stiftung niedersächsische Gedenkstätten: Bergen-Belsen.
    Kriegsgefangenenlager 1940-1945, Konzentrationslager 1943-1945,
    Displaced Persons Camp 1945-1950. Katalog der Dauerausstellung,
    Göttingen: Wallstein 2009, ISBN 978-3-8353-0612-7 Marc Buggeln: Arbeit &
    Gewalt. Das Außenlagersystem des KZ Neuengamme,
    Göttingen: Wallstein 2009, ISBN 978-3-8353-0543-4
    Rezensiert von: Edith Raim


    Klaus-Dieter Müller (Hg.): Das Tagebuch des Levan Atanasjan.
    Erinnerungen eines ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen, Leipzig:
    Leipziger Universitätsverlag 2009, ISBN 978-3-86583-365-5
    Rezensiert von: Reinhard Otto


    Stefan Geck: Dulag Luft - Auswertestelle West. Vernehmungslager der
    Luftwaffe für westalliierte Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg, Bern /
    Frankfurt a.M. [u.a.]: Peter Lang 2008, ISBN 978-3-631-57791-2
    Rezensiert von: Felix Römer


    Johannes Ibel (Hg.): Einvernehmliche Zusammenarbeit? Wehrmacht, Gestapo,
    SS und sowjetische Kriegsgefangene, Berlin: Metropol 2008, ISBN
    978-3-938690-65-9
    Rezensiert von: Andreas Hilger


    Renate Held: Kriegsgefangenschaft in Großbritannien. Deutsche Soldaten
    des Zweiten Weltkriegs in britischem Gewahrsam, München: Oldenbourg
    2008, ISBN 978-3-486-58328-1
    Rezensiert von: Panikos Panayi


    Kontakte e.V. (Hg.): "Ich werde es nie vergessen". Briefe sowjetischer
    Kriegsgefangener 2004 - 2006, Berlin: Christoph Links Verlag 2007, ISBN
    978-3-86153-439-6
    Rezensiert von: Andreas Hilger




    Hier sogar ein eigener Thread:
    Bücher über Kriegsgefangenschaft

    Glück Auf!
    "Basil"


    "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)

  • Hallo,


    wenn ich auch noch eines Hinzufügen dürfte


    Zur Frage der Einschätzung Kriegsverbrechen ja/nein:


    Jörg, Friedrich, Das Gesetz des Krieges


    Gebundene Ausgabe: 1085 Seiten
    Verlag: Piper
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3492031161
    ISBN-13: 978-3492031165


    Taschenbuch: 1085 Seiten
    Verlag: Piper
    Sprache: Deutsch
    ISBN-10: 3492221165
    ISBN-13: 978-3492221160
    bzw
    ISBN-10: 3492121160
    ISBN-13: 978-3492121163

  • Guten Morgen,
    gestern habe ich auf einen Fernseh-Tip geantwortet, Thomas (Huba) hat mich freundlich :D darauf aufmerksam gemacht doch meine Fragestellung wo anderst zu plazieren.


    Ich denke in Bereich Kriegsverbrechen richtig zu liegen, und hänge meine Frage hier an, da vielleicht in diesen Büchern die Antwort liegt, ich sie aber nicht besitze, bzw. gelesen habe.


    Die Wehrmacht hat beim Vormarsch in Russland 1941 in ca. 4 Monaten ca. 3 Millionen Gefangene gemacht. Jeder kennt die Bilder der endlosen Elendskolonnen.
    Es wird immer wieder berichtet, dass diese Gefangene erbärmlich behandelt wurden und die meisten an Hunger und Krankheiten usw. im Winter 1941-42 umkamen.
    Das ist also ein Zeitraum von ca 8 Monaten, über den sehr harten Winter 1941-42.


    Erst gestern hat unser Bundespräsident in einem norddeutschen Lager (eines der größten Lager..), wo 65.000 Russen umkamen derer gedacht, und das ich auch gut so !


    Auch wenn es sich vielleicht makaber Anhört, vertehe ich aber nicht so ganz wo diese 3 Millionen Gefangenen bzw. die Toten des Zeitraums 1941-42 geblieben sind.
    Ohne jetzt groß recherchiert zu haben : wenn man die ganzen Meldungen über Opfer (nur russische Kriegsgefangene) in Lagern in Deutschland, gefundene Massengräber usw.
    überschlägig zusammenzählt kommt man doch vielleicht auf eine halbe Million Opfer, wo aber ist die große Masse an Gefangenen geblieben ?


    Zur Klarstellung : mir geht es NICHT darum die Opfer, die es zweifellos gegeben hat anzuzweifeln, sonder ich frage mich, wo sind diese Massen an Gefangenen geblieben.
    Ich kann mich an keine Berichte erinnern wo über viele riesige Kriegsgefangenlager (die es ja gegeben haben muss !) für die Gefangenen 1941-42 berichtet würde,
    und es müsste ja dann auch überlall riesige Massengräber gefunden werden oder noch unenddeckt sein, wo all die Toten verscharrt wurden,
    denn 2-3 Millionen kann man ja nicht einfach so nebenbei im Straßengraben verscharren.


    Bekannt ist mir dass das NS-Regime keinerlei Interesse hatte diese Gefangen gut zu behandeln, im Gegenteil, als Untermenschen deklariert sollten so viele wie möglich umkommen.
    Dann kenne ich Berichte über die völlige Überforderung der deutschen Dienststellen hinter der Front diese Massen an Gefangenen von 1941 zu versorgen
    (selbst wenn sie in Einzelfällen wollten) und das auch deshalb so viele umkamen. Das erklärt mir dennoch nicht wo die Masse der Opfer geblieben ist.


    Hat jemand eine plausible Erklärung ?


    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.

  • Hallo ZAG,


    ich glaube Du gehst von der falschen Hypothese aus, dass nämlich die sowjetischen Kriegsgefangenen alle bis Deutschland kamen und dort in Lager gesperrt wurden und dann umkamen. Insbesondere in der Zeit des rasanten Vormarsches der Wehrmacht bis in den Herbst 1941 hinein wurden Millionen Gefangene gemacht, die aber nicht Richtung Deutschland transportiert wurden, sondern noch auf "heimatlicher Erde" in Lager zum Verhungern gesperrt wurden, so dass Sie auch in "heimatlicher Erde bestattet" wurden, ihre Friedhöfe suchst Du in Deutschland vergeblich.
    Wer es damals als sowjetischer Kriegsgefangener bis Deutschland schaffte, hatte, so zynisch es auch klingt, eine deutlich höhere Überlebenschance. Aber das ist nur eine statistische Größe. Schau Dich mal in Deiner Heimat um, ich bin mir sicher, Du wirst einige "Russenfriedhöfe" , meist verschämt in der Landschaft liegend finden. Frage mal bei der russischen Botschaft an, die kennt sie alle und die Botschaftsmitarbeiter schwärmen aus, jetzt, wo sich das Kriegsende jährt, um Kränze und Blumengebinde an diesen Orten abzulegen.


    Wer suchet, der findet.


    Als Beispiel hier mal ein Link zu einer Gedenkstätte in meiner Heimat. http://www.blumen-für-gudendorf.de/index.php/datenbank-der-opfer


    Gruß


    Paul

    G-W-G'

    Edited once, last by Paul Spohn ().

  • Hallo,


    Historiker streiten sich zwar über den Umfang, erwähnt werden sollte aber dazu noch, dass ein
    gewisser Teil der Gefangenen auch in Konzentrations- und Vernichtungslagern landete und deshalb
    nach ihrem Tod in Massengräbern oder Krematorien landete.


    Nur über den Umfang der in Konzentrations- und Vernichtungslagern inhaftierten Kriegsgefangenen
    besteht keine Einigkeit. Ich las von 5 bis hohen 6 stelligen Zahlen alle möglichen Angaben.


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited 2 times, last by Tobias Giebel ().

  • Hallo zusammen,
    vielen Dank für Euere Einschätzungen und den interessanten Ausarbeitungen.


    Mir ist auch klar, dass die 3 Millionen Gefangenen von 1941 nicht alle nach Deutschland kamen.
    Daher habe ich ja meine meine "Daumen"-Schätzung von ca 500.000 genannt die vielleicht nach Deutschland kamen, aber auch hier wird nicht unterschieden.
    Die "Russenfriedhöfe" in Deutschland unterscheiden auch nicht wann der Gefangene kam, verstarb, sondern den ganzen Zeitraum 1941-45.


    Mieine Fragestellung war, wo die 3 Millionen russ.Kriegsgefangenen geblieben sind, die im Herbst 1941 da waren untergebracht,
    verpflegt werden mussten und von denen ein großteil aufgrund der beschriebenen Gründe und Umstände verstorben ist.


    In Deutschland selbst waren ja bereits viele hunderttausend (keine Ahnung wieviele) Gefangene Polen, Serben, Franzosen, Belgier, Engländer usw.
    BEVOR diese Masse an russischen Gefangenen kam !


    Die Konzentrations- und Vernichtungslager, waren meines Wissens 1941 erst im Aufbau begriffen und "arbeiteten" erst ab 1942 voll,
    und waren für deportierte Juden gedacht und konnte m.E. nicht einfach "nebenher" noch 2-3 Millionen russ.Gefangene umbringen.
    Und das alles in dem Zeitraum 1941-42 !
    Später >42 wurden dort auch immer wieder tausende Russen umgebracht, das ist richtig, das haben ich auch gelesen.


    Die beiden PDF von Reinhard sind sehr interessant, vielen Dank dafür.
    Aber auch hier werden vielfach die Zahlen der Kriegsgefangen bzw. deren Opfer nur Beispielhaft für 1941 genannt, dann aber meist über den Zeitraum 1941-45 vermengt.
    Hilfreich war die Karte die zeigte, dass es an der Ostgrenze 1941 spezielle Lager gab, aber es sind nur ca. 6-7.


    Also mir ist es nach wie vor nicht klar wo 2-3 Millionen russ.Gefangener , die ab Herbst 1941 DA waren, geblieben sind.


    Danke nochmals
    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.

    Edited once, last by ZAG ().

  • Hallo,


    Quote

    Die Konzentrations- und Vernichtungslager, waren meines Wissens 1941 erst im Aufbau
    begriffen und "arbeiteten" erst ab 1942 voll,


    das ist so nicht richtig. Die erste "Säuberungswelle" sowjetischer Kriegsgefangener in deutschen
    Kriegsgefangenenlager durch Einsatzkommandos des RSHA begann bereits im August 1941 und
    lag bereits bei einer Größenordnung von mehreren zehntausenden Kriegsgefangenen, die in
    Sachsenhausen und Buchenwald ermordet wurden.


    Weiter überschätzt du vielleicht die Dimensionen, was das Reichsgebiet (!) betrifft. Nach neueren
    Erkenntnissen von Rolf Keller und Reinhard Otto [1], basierend auf Nachforschungen im Archiv des
    russischen Verteidigungsministeriums, waren während des Krieges "nur" zwischen 1,2 Millionen
    und 1,5 Millionen sowjetische Kriegsgefangene in Kriegsgefangenenlagern auf reichsdeutschen
    Gebiet (also ohne Generalgouvernement, Tschechei etc.) inhaftiert, von denen 350.000 verstarben
    (zuzüglich die bereits erwähnten, in Konzentrationslagern ermordeten). Der Anteil auf heutigem
    Bundesgebiet dürfte somit dementsprechend geringer sein.


    Etwa die Hälfte aller Kriegsgefangenen wurde in frontnahen Kriegsgefangenenlagern inhaftiert,
    weitere in Gefangenenlagern in Polen und anderen Gebieten. Abzurechnen sind wiederum Freiwillige,
    die in der Wehrmacht Dienst taten und zum großen Teil in Kriegsgefangenenlagern angeworben wurden
    (je nach Quelle ebenfalls mehrere hunderttausend).


    [1] Rolf Keller, Reinhard Otto, "Das Massensterben der sowjetischen Kriegsgefangenen und die
    Wehrmachtsbürokratie - Unterlagen zur Registrierung der sowjetischen Kriegsgefangenen 1941-1945"


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited 6 times, last by Tobias Giebel ().

  • Hallo Tobias,
    danke für Deine Ausführungen.


    Einsatzkommandos waren doch mobile Mörderbanden, die in Russland umherzogen, Patrisanenbekämpfung, Zivilisten aller Art mordeten, Dörfer abbrannten
    und bestimmt auch viele russ.Gefangene getötet haben.
    Was haben aber die mit stationären Lagern wie Sachsenhausen und Buchenwald zu tun ?


    Und wieso überschätze ich das, Deine Zahlen 1,5 Mio usw.beziehen sich doch auch wieder auf den ganzen Kriegszeitraum.


    Ich schaffe es nicht, hier klarzumachen, dass ich den ZEITRAUM ab Herbst 1941 bis Frühjahr 1942 meine.
    Wo die 3 Mio Gefangenen blieben.


    Etwa die Hälfte aller Kriegsgefangenen wurde in frontnahen Kriegsgefangenenlagern inhaftiert,
    weitere in Gefangenenlagern in Polen und anderen Gebieten. Abzurechnen sind wiederum Freiwillige,
    die in der Wehrmacht Dienst taten und zum großen Teil in Kriegsgefangenenlagern angeworben wurden
    (je nach Quelle ebenfalls mehrere hunderttausend).


    Wo also waren diese riesigen Lager "im frontnahen Gebiet", Polen, Gen.Gouv usw. wo ein Großteil der Gefangenen umgekommen ist.


    Ob die normalen "Hiwis" für normale Wehrmachtseinheiten erst in Gefangenelagern rekrutiert wurden, muss ich auch bezweifeln.
    Mein Großvater hatte auch einen Hiwi, Pjotr, ein treuer Brusche der als Pferdepfleger und Wagenlenker bis Juni 1944 mitfuhr.
    Und der wurde Sommer 1941 irgendwo aufgelesen. Ob solche sogleich in die Einheit übernommen Gefangene auch in der
    Statistik mitgezählt wurden kann ich nicht sagen.


    Richtig ist, dass für irgendwelche Freiwillgenverbände, Wachmannschaften, Wlassowarmee usw., in den Gefangenelagern
    rekrutiert wurde. Aber auch das war erst später.


    Vielleicht hat das Buch die Antwort darauf.


    Danke nochmals
    Grüße, ZAG

    Mainfränkische Einheiten, 454.Sich.Div.

  • Hallo,


    Quote

    Einsatzkommandos waren doch mobile Mörderbanden, die in Russland umherzogen, Patrisanenbekämpfung, Zivilisten aller Art mordeten, Dörfer abbrannten
    und bestimmt auch viele russ.Gefangene getötet haben.
    Was haben aber die mit stationären Lagern wie Sachsenhausen und Buchenwald zu tun ?


    in diesem Fall bezieht sich die Bezeichnung auf die SS-Angehörigen, die in den Kriegsgefangenenlagern
    die Gefangenen aussortierten, die verlegt und vernichtet werden sollten. Kommissare, parteitreue Kommunisten,
    Juden und andere.


    Quote

    Ich schaffe es nicht, hier klarzumachen, dass ich den ZEITRAUM ab Herbst 1941 bis Frühjahr 1942 meine.
    Wo die 3 Mio Gefangenen blieben.


    Doch, das schaffst du, aber 1,5 Millionen über den gesamten Kriegszeitraum bedeutet ja wohl logischerweise
    dementsprechend weniger im Jahre 1941.


    Quote

    Ob die normalen "Hiwis" für normale Wehrmachtseinheiten erst in Gefangenelagern rekrutiert wurden, muss ich auch bezweifeln.


    Unabhängig davon, das ich nicht explizit von Hiwis gesprochen habe, wurden auch diese dort angeworben,
    die Masse wurde jedoch an der Front rekrutiert.


    Deine Frage war, warum man hier in Deutschland relativ wenige Friedhöfe und Massengräber findet.
    Die Antwort habe ich gegeben: Weil die meisten sowjetischen Kriegsgefangenen schlicht und ergreifend nicht
    auf bundesdeutschem Gebiet umgekommen sind. Die im Reich internierten sowj. Kriegsgefangenen wurden
    recht bald als Zwangsarbeitskräfte ausgebeutet. Ihre Rationen waren dementsprechend höher um die
    Arbeitskraft zu erhalten, die Sterberate entsprechend niedriger.


    Aber naja, vielleicht gibt ja noch jemand eine Antwort die dir passt. Viel Glück dabei!


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited once, last by Tobias Giebel ().

  • Hallo Tobias, hallo zusammen,


    Ihre Rationen waren dementsprechend höher um die
    Arbeitskraft zu erhalten, die Sterberate entsprechend niedriger.


    ... mir fiel dazu ein, dass es hier in der Nähe einen Friedhof gibt, auf dem sowjetische Kriegsgefangene beigesetzt sind, welche beim Ausbau der heutigen Bundesstraße 213, einer Hauptverbindungslinie zwischen den Niederlanden und den Nord/Süd-Autobahnen in D, ums Leben gekommen sind. Nach Aussagen des VDK seien dafür die unmenschlichen Arbeitsbedingungen, Hungerrationen und Fleckfieber als Ursachen anzusehen.


    Das Lager und der Hintergrund der Bauarbeiten wird auf der folgenden russ. Internetseite beschrieben:


    http://www.sgvavia.ru/forum/115-1432-1


    Da ich leider kein Russisch kann, bleibt für mich so manches an Informationen im Dunklen. Aber diese Seite scheint sehr interessant zu sein und ggf. auch Hinweise auf andere Kriegsgefangenenlager zu geben ...



    Gruß,


    Joseph



    P.S.: Interessant erscheint mir auch die Inschrift auf einem der Grabsteine: "104 komisarow". Soll damit angedeutet werden, dass es sich bei den dort beigesetzten sowj. Gefangenen ausschließlich um "Kommissare" handelte? Das wäre angesichts des "Kommissarbefehls" doch eher unwahrscheinlich ...?!

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo ZAG,


    lso mir ist es nach wie vor nicht klar wo 2-3 Millionen russ.Gefangener , die ab Herbst 1941 DA waren, geblieben sind.


    ich befürchte, dass sich diese Fragestellung ohne Bildung einer 5-köpfigen ARGE nicht annähernd beantworten lässt.
    Wie soll man auf einer Zigarettenlänge über gefühlt Hunderte von DULAGS, STALAGS, Todesmärschen und Bahntransporten ins Reich ein Fazit ziehen ?


    Einige Möglichkeiten, die mir spontan einfallen - ohne quantitative Einordnung.


    ( ) Vorzeitige Freilassung, weil deutschfreundliche Nationalität (Westukrainer)
    ( ) Flucht in die Wälder und weiteres Partisanenleben
    ( ) Hunger- und Erschöpfungstod in der Marschhitze am Wegesrand, Begraben durch Einheimische oder zwangsverpflichtete Arbeitskommandos
    ( ) "Entsorgung" beim Bahntransport in rückwärtige Gebiete / Reichsgebiet. Massengrab in der Nähe des Bahndamms.
    ( ) Sofortige Liquidation wegen jüdischer Rassezugehörigkeit, oder durch Denunziation von Politkommissaren und anderen parteitreuen Mitgefangenen.
    ( ) Testen der Genickschussanlage im Reich mit russischen Kriegsgefangenen durch die SS (Herbst 41)
    ( ) Spontane Mordaktionen an Kriegsgefangenen mit Verscharren im Massengrab, Exhumierung und Verbrennen der Leichen durch Sonderkommandos bei den Rückzügen 44.
    ( ) Hunger- und Erschöpfungstod im Allgemeinen während den Arbeitseinsätzen im besetzten Land, Generalgouvernement und Reichsgebiet.
    ( ) Überlebenskämpfe um die nicht ausreichenden Lebensmittel in den Lagern
    ( ) Kannibalismus
    ( ) Kältetode von November 41 bis März 42
    ( ) Zwangsrekrutierungen für diverse Hilfwilligenarbeit (Demjanjuk, Trawniki, etc)
    ( ) Überfordertes und dadurch verrohtes Bewachungspersonal, Erhaltung der Ordnung mit schwerem MG



    Gruß
    Udo

  • Hallo,
    nur ein Gedanke zur Ergänzung von udos Aufzählung.


    Lt Stalinscher Beurteilung war jeder kriegsgefangene Sowjetbürger ein Vaterlandsverräter.


    Keine kriegführende Seite ist an der Aufklärung der Schicksale
    a) der Verräter und
    b) der verstorbenen/ermordeten gefangenen Soldaten interessiert.
    Das gehört nicht zum Heldenverständnis.


    Grüße
    fuchsi

    Suche zu Kriegslazarett 2/609 und 4/609 ab Juli 44 bis Januar 45.

  • P.S.: Interessant erscheint mir auch die Inschrift auf einem der Grabsteine: "104 komisarow". Soll damit angedeutet werden, dass es sich bei den dort beigesetzten sowj. Gefangenen ausschließlich um "Kommissare" handelte? Das wäre angesichts des "Kommissarbefehls" doch eher unwahrscheinlich ...?!


    Hallo,Joseph
    Komisarow ist der Familienname,Grabnummer 104,ErkennungsmarkeNr.14899,Todestag 07.09.1941.
    http://f-picture.net/fp/fd650fa05f6b40d392f8b5f495b131a9
    mfg karat

  • Hallo "Karat",


    vielen Dank für die Aufklärung - ich hätte nur nur die Abbildungen von Gräbern mit anderen Nummern sehen müssen. Aber der Nachname "Komisarow" war irgendwie zu bedeutungsvoll ....



    Hallo "fuchsi",



    heute war ein sehr interessanter Artikel zu einer Spurensuche im Spiegel (Nr. 20; S. 52 ff; "Opa Hans").


    Dabei wurde auch der Ort Gostynin ( Waldrode) genannt, wo eine Frau Bieron erwähnt wird (Buchautorin zur Geschichte der Stadt Gostynin). Ist es "Dein" Gostynin?


    Ich kann diesen Artikel nur empfehlen - auch den folgenden, ein Gespräch mit der Historikerin Jutta Scherrer über das Verhältnis der Russen zum WW2 und Stalin, etc. ...



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo Joseph,


    Danke für den Hinweis. Im "Spiegel online" habe ich ihn leider nicht gefunden.
    Gostynin und Waldrode bezeichnet den gleichen Ort (1941? - 45).
    Bin natürlich sehr daran interessiert zu wissen, wer da auf Spurensuche ist. und warum.
    Frau Szubska-Bieron ist seit einiger Zeit Deutsch Lehrerin an der Schule 2 und weicht mir leider aus. Wir kennen uns persönlich.


    Eventuell hast Du den Artikel zur Hand und kannst einen scan einstellen? ich hatte erst heute ein Gespräch mit einem 82-jährigem Herrn (12-jähriger Junge) welcher ganz offen mit mir gesprochen hat, wir werden die nächsten Tage zusammen sitzen., auch wenn ich im Moment bisschen "zutermint" bin.


    Der Grund meiner Interesse ist im Avatar ersichtlich und basiert auf Bitte einer älteren Dame welche das Grab ihres Schwagers sucht.


    Danke, Grüße, bleib gesund.


    Günther Fuchs alias "fuchsi"

    Suche zu Kriegslazarett 2/609 und 4/609 ab Juli 44 bis Januar 45.

  • Hallo Günther,


    den ganzen Artikel hier einzustellen, ist wohl nicht so anzuraten.


    Aber gerne sende ich ihn Dir persönlich zu. Gib mir ggf. bitte per PN Deine mail-Adresse. Es kann jedoch auch sein, dass dieser Artikel erst am Montag online erscheint - die Printausgabe ist vom heutigen Tage ...


    Kurze Zusammenfassung:


    Nach Auskunft der Stafthistorikerin Bieron soll ein sowj. Panzer einen der letzten mit Flüchtlongen und Verwundeten belegten Züge an der Eisenbahnbrücke in Gostynin am 18.01.1945 um 14.00 h in Brand geschossen worden sein. Die Flüchtenden seinen von sowj. Soldaten erschossen worden - darunter vermutlich auch der Großvater des Autors, "Opa Hans". Er habe zuvor in div. Lazaretten als Zahnarzt gearbeitet, zuletzt in einer Einrichtung in Gostynin namens "Gauarbeitsheilstätte" - heute eine psychiatrische Klinik. Ein aktuelles Foto eines Gebäudeteils (Türüberschrift "BUFET") ist abgebildet.


    Die Toten seien dann später mit einigen LKW abtransportiert und "irgendwo" verscharrt worden ...


    Im Grunde ist dieses schon der wesentliche Teil der Informationen zur Gostynin-Episode ...



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Danke Joseph,


    und genau hier scheiden sich die Geister in der Interpretation:
    Eindeutig und weit sichtbar gekennzeichneter Sanitätszug durch Panzer bewegungsunfähig geschossen, sowie ein Arzt der bidss auf den Bahnhof zurück kam und dort verstorben ist. Das sind für mich die einzigsten "gesicherten" Aussagen.
    Eine Aussage ist - mit zivilen Flüchtlingen, die andere Aussage ohne. Fakt: Wer noch seine Beine gebrauchen konnte, der lief oder kroch durch den Schnee, nur um weg zukommen.
    Zweite Aussage: Die nicht schnell gemnug weg kamen, wurden von sowjetischen Soldaten erschossen. Von zwei Panzern?
    Dritte, wesentliche Aussage: Der Zug wurde in Brand geschossen........alle, die nicht weg kamen, verbrannten. Im Gegensatz dazu: Der Zug wurde geplündert, alle die darin waren erschlagen und anschließend der Zug in Brand gesteckt.
    Einzelheiten möchte ich hier nicht datlegen - sie sind nicht gesichert.


    Danke, Grüße, bleib gesund.


    Günther Fuchs alias "fuchsi"
    Summe summarum: Es gibt KEINE Aussage oder Hinweis zum Verbleib der Toten.
    Die Gauarbeitsheilstätte bestand nach meinem Wissen seit Juli 44 nicht mehr, sondern war entweder in das Kriegslazarett 2/ oder4/605 umgewandelt worden.
    Die alles ist der Frau bekannt.
    Ich möchte und mache KEINEM einen Vorwurf, die Zeiten waren so. Aber ich möchte, dass über die Wahrheit auch gesprochen werden darf.


    Ich setze mich mit dem Spiegel in Verbindung.


    Danke sehr.



    Ich setze mich mit dem Spiegel in Verbindung

    Suche zu Kriegslazarett 2/609 und 4/609 ab Juli 44 bis Januar 45.

  • Hallo zusammen!



    Wo die Gefangenen geblieben sind?


    Mehrheitlich sind sie 1941 im deutschen Lagerwesen "versickert". Das bestand in diesem Jahr allein in den besetzten Teilen der Sowjetunion (Operationsbereich) aus 81 Einrichtungen (22 Armee-Gefangenen-Sammelstellen, 47 Durchgangs- und 12 Stammlager).


    Exemplarische Belegungszahlen:


    Dulag 203 -> 52.000 Gefangene am 17.10.41
    Dulag 131 -> 18.138 Gefangene am 6.10.41
    Dulag 130 -> 20.375 Gefangene am 3.11.41
    Dulag 220 -> 20.934 Gefangene am 3.11.41


    (Vgl. Hartmann, 2009, S. 583 ff.)


    Allein das Dulag 131 durchliefen bis November 1941 rund 160.000 Gefangene (vgl. Gerlach, 2000, S. 802).


    Zur Lager-Dislozierung siehe: http://www.moosburg.org/info/stalag/laglist.html


    Ausführlicher bei Mattiello, Gianfranco; Vogt, Wolfgang: Deutsche Kriegsgefangenen- und Internierteneinrichtungen 1939-1945. Koblenz 1986


    Da ein Totenkult gegenüber gefallenen Rotarmisten nicht erwünscht war, wurden die Verstorbenen in aller Regel anonym in Massengräbern (die den Lagern angeschlossen waren) beerdigt.
    In den Massengräbern des Dulag 126 lagen Ende April 1942 schätzungsweise 25.000 Russen. Über genaue Angaben verfügte aber selbst die Lagerverwaltung nicht (vgl. Hartmann, 2001, S. 125).


    Es ging freilich auch anders: In Roslavl wurden die Leichen am sogenannten "Lazarett" zu tausenden einfach auf den gefrorenen Boden geworfen. In Smolensk lagen sie unbedeckt in Gruben (vgl. Pohl, 2009, S. 221 bzw. Hartmann, 2001, S. 125).


    Zur Quellenlage und Buchführung des deutschen Kriegsgefangenenwesens:


    Sofern die Kriegsgefangenen die Sammelstellen erreichten, wurden sie erfasst. Das gelang 1941 rund 3,3 Millionen Russen. Problematisch ist hierbei allerdings die Tatsache, dass dort - wie in allen anderen Lagereinheiten des Operationsgebiets - listenmäßig erfasst wurde, also keine Personalisierung erfolgte. Eine Registrierung der Kriegsgefangenen war erst nach ihrer Überstellung in den (rückwärtigen) OKW-Bereich vorgesehen. Konkret bedeutet das, dass nur für rund die Hälfte aller sowjetischen Kriegsgefangenen Karteiunterlagen zur Verfügung stehen, die deren individuelles Schicksal klären. Für den OKH-Bereich liegt dagegen nur statistisches Material vor, und selbst das ist aufgrund der fragmentarischen Überlieferungssituation höchst unvollständig. Insbesondere 1941 verblieb und verstarb die Masse der sowjetischen Kriegsgefangenen aber genau in diesem Gebiet. Eine lückenlose Lokalisierung der Friedhofsanlagen wird mangels überlieferten Unterlagen (Pläne usw.) genauso wenig möglich sein, wie die Erarbeitung einer sowjetischen Kollektiv- und Individualbiografie.



    Zur Gräber-Geografie in Deutschland siehe: http://www.sowjetische-memoria…index.cfm?inhalt=hinweise


    Dieses Forschungsprojekt versucht alle Grabstellen und die darin befindlichen Leichname zu ermitteln. Bislang wurden 4.100 Standorte nachgewiesen. Die Gesamtzahl der auf deutschem Boden bestatteten Russen wird auf rund 760.000 geschätzt. Bereits dieser verhältnismäßig kleine Raum verdeutlicht die Dimensionen, mit denen wir uns hier befassen. Immerhin wird es nach Abschluss der Forschungsarbeiten möglich sein, genaue Ergebnisse für das Reichsgebiet vorzulegen. Und zwar sowohl hinsichtlich der Gesamtzahl der Toten, ihres Todeszeitpunktes als auch ihres Verbleibs.


    Schon heute liegen Einzelstudien hierzu vor. Beispielsweise: Otto, Reinhard: Die Rekonstruktion von Lagerfriedhöfen am Beispiel des Lagerfriedhofes des Stalag 326 (VI K) Senne in Ostwestfalen, in: Stiftung Sächsische Gedenkstätten (Hrsg.), Dresden 2003, S. 104–119


    Wer sich für den Forschungsstand interessiert: Sowjetische Kriegsgefangene in deutschem Gewahrsam 1941–1945. Zahlen und Dimensionen, in: VfZ 56 (2008) 4, S. 557-602




    Literatur:


    Gerlach, Christian: Kalkulierte Morde. Die deutsche Wirtschafts- und Vernichtungspolitik in Weißrussland 1941 bis 1944, Hamburg 1999


    Hartmann, Christian: Massensterben oder Massenvernichtung? Sowjetische Kriegsgefangene im "Unternehmen Barbarossa". Aus dem Tagebuch eines Lagerkommandanten, in: VfZ 49 (2001) 4, S. 97-158


    Ders.: Wehrmacht im Ostkrieg. Front und militärisches Hinterland 1941/42 (= Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte. Bd. 75). München 2009


    Pohl, Dieter: Die Herrschaft der Wehrmacht. Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941–1944. München 2009



    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

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