Flüchtlingstransporte 1945 aus Ostpreußen

  • Hallo,


    ich suche zum Frachtschiff "Mars" (gebaut 1939 von der Werft Deschimag, Werk Seebeck in Bremerhaven für die Dampfschifffahrts-Gesellschaft „Neptun“ in Bremen) alle noch verfügbaren Daten insbesondere
    Passagierlisten und Schifftagebuch, da meine Vorfahren auf der Fahrt vom
    27.02.1945 von Pillau nach Kopenhagen (Ankunft 11.03.1945) dabei waren.
    Sie kamen erst 1947 nach Deutschland zurück.
    Die Fotos von dem Museumsschiff in Königsberg habe ich bereits von einer Mitforscherin, deren Vorfahren auf dem gleichen Transport dabei waren.


    Zitat Wikipedia:


    "Im Jahr 1940 wurde sie von der Kriegsmarine beschlagnahmt, im selben Jahr zurückgeliefert aber im Jahr 1942 erneut beschlagnahmt und bis Kriegsende für Transportaufgaben im Ostseeraum eingesetzt.
    Im Dezember 1943 wurde das Schiff bei einem Luftangriff auf Bremen beschädigt, aber später wieder repariert.
    Gegen Kriegsende wurde sie zum Flüchtlingsschiff und konnte so ab Ende 1944 geschätzte 20.000 Menschen vor der vorrückenden Roten Armee retten.
    Sie war das letzte Schiff, das am 14. April 1945 den eingekesselten Hafen von Pillau, heute Baltijsk, mit etwa 4000 Flüchtlingen in Richtung Kopenhagen verließ.


    Bei Kriegsende im Mai 1945 wurde die Mars wiederum vom englischen Ministry of War Transport in Kopenhagen beschlagnahmt und als Empire Forth aufgelegt.


    1946 wurde das Schiff an die sowjetische Regierung übergeben und nach der Umbenennung in Ekwator („Äquator“) mit der Nummer M-582 zunächst als Ausbildungsschiff betrieben. 1948 erfolgte eine weitere Umbenennung in Vityaz.


    Bis 1949 wurde die Vityaz in Wismar zum Forschungsschiff umgerüstet. Nach einer Erprobung im Schwarzen Meer lief das Schiff zu seiner ersten Forschungsfahrt in das Japanische, Ochotskische und das Beringmeer aus. Während der Reise im Verlauf des Internationalen Geophysikalischen Jahres 1957 wurde das nach dem Schiff benannte Witjastief 1 im Marianengraben entdeckt, das mit 11.034 m die tiefste bekannte Stelle des Weltmeeres darstellt. Bei den Forschungsreisen, die das Schiff vorwiegend in den Pazifik führten, wurden die Manganknollen auf dem Meeresgrund entdeckt und erforscht. Nach 65 Forschungsreisen, auf denen mehr als eine Million Seemeilen (fast zwei Millionen Kilometer) zurückgelegt wurden, erfolgte 1979 die Außerdienststellung des Schiffes.
    Die Vityaz als Museumsschiff


    Nach einer längeren Liegezeit legte man die Vityaz schließlich ab 1981/82 als Museumsschiff auf. Nachdem man die Vityaz in den Jahren 1991 bis 1994 in der Jantar-Werft, der früheren Königsberger Schichau-Werft, überholt und für den weiteren Museumseinsatz vorbereitet hatte, wird sie seit dem 12. April 1995 im Kaliningrader Meeresmuseum ausgestellt."


    MfG Andreas

  • Moin Andreas,


    Passagierlisten aus jener Zeit und das STB (Schiffstagebuch), da hast Du Dir aber etwas vorgenommen.
    Zu der Passagierliste kann ich nur sagen wenn es diese überhaupt gibt. Denn ich kann mir nur schwer vorstellen das zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch jemand in Pillau daran gedacht hat Namen zu verzeichnen. Alle waren froh wenn sie überhaupt noch ein Schiff erwischen konnten.


    Aber nichts desto trotz würde ich in diesem Fall mal in Kopenhagen an das National Museum wenden.


    Hier mal die Adresse:


    Ny Vestergade 10
    København K 1471


    Vielleicht hast Du ja Glück und es weiß jemand ob es eine Liste gab und wo diese nun einsehbar ist.


    Viel Erfolg


    Ostseegrüße von der Pam

    Zu Hause ist da wo Herz und Seele sich Willkommen fühlen (Rudolf Wolf U-30)

  • Hallo Andreas,


    ich habe noch einen Hinweis gefunden:


    Die "Mars" wurde am 13.04.1945 in Pillau durch Bomben beschädigt.
    Die Quelle dafür ist eine Aussage des Kapitäns oder ein Kapitänsbericht.


    Gefunden habe ich diesen Hinweis auf Seite 247 im Buch "Unternehmen Rettung" von Fritz Brustat-Naval, 5. Auflage, Köhler Verlagsgesellschaft mbH Hamburg, 2001, ISBN 3-7822-0829-3.


    Gruss aus dem Norden
    Achim

    In Memoriam: Richard Möller *06.06.1907 MIA 16.01.1945 und Wolfgang Möller *04.02.1936 +11.05.2012

  • Hallo,


    habe in Schön: "Flucht über die Ostsee 1944/45 im Bild" nachgesehen


    Quote

    Passagierlisten und Schifftagebuch, da meine Vorfahren auf der Fahrt vom 27.02.1945 von Pillau nach Kopenhagen (Ankunft 11.03.1945) dabei waren.


    27.2.45


    (...)


    Mit Fahrziel Swinemünde verläßt Mars mit 2200 Flüchtlingen an Bord um 19:00 Uhr Pillau.


    Quote

    Sie war das letzte Schiff, das am 14. April 1945 den eingekesselten Hafen von Pillau, heute Baltijsk, mit etwa 4000 Flüchtlingen in Richtung Kopenhagen verließ.


    14.4.45


    Dampfer Mars (2468 BRT) überlebt im Hafen Pillau fünf Bombenangriffe und verläßt am Abend unbeschädigt mit 3700 Flüchtilingen und 31 Verwundeten an Bord Pillau mit Fahrziel Kopenhagen.



    Mars war aber nicht das letzte Schiff, das Pillau verließ, die letzten Transporte fanden am 25.4. statt, am gleichen Tag ging Pillau verloren.



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Ein Hallo an alle !


    Mit Großmutter ist mit ihren fünf Kindern ebenfalls über Pillau geflüchtet.
    Mein Onkel sagt, das sie ende April 1945 mit einem der letzten Schiffe Pillau verlassen konnten. Dieses Schiff war ein Fischkutter, und hat sie nach Wismar gebracht. Leider weiß er das genaue Datum und den Namen nicht mehr.
    Meine Mutter war gerade erst sechs jahre alt und kann sich an fast nichts erinnern.
    Für meinen Onkel, der so um die zehn Jahre alt war und seinen vierzehnjährigen "großen" Bruder, war das Abenteuer pur.


    mfg bfg

  • Hallo Andreas
    Es ist sehr unwahrscheinlich eine Passagierliste von „Mars“ zu finden. Am 10.03.1945 (nicht 10.03) kam „Mars“ nach Kopenhagener Freihafen mit ca. 3.000 Flüchtlingen. Es kamen durchsnittlich 5.000 Flüchtlinge pro Tag nach Kopenhagen. Zuerst nach 05.05.1945, Dänemarks Befreiungstag wurde Flüchtlinge registriert, aber dann waren die auf 58 Schulen und viele andere Gebäuden verteilt. Ob ein Schifftagebuch existiert liegt es ganz bestimmt in London.
    Das hat keine zwecks nach Nationalmuseet in Kopenhagen zu schreiben. Wenn etwas zu finden ist liegt es in Statens Arkiver in Kopenhagen. Wenn du mir schreibt Namen und Geburtsdatum und andere Informationen kann ich versuche etwas zu finden. In welsche Lager waren deine Vorfahren?
    Gruß aus Dänemark
    Olaf Berg Nielsen

  • hallo Olaf Berg Nielsen,
    inzwischen ist seit dm 16.6.2012 ja einige Zeit vergangen. Hat Dein freundliches Angebot, nach dem Verbleib der Angehörigen in den Lagern zu forschen, Erfolg gehabt? Ich bin die Mitforscherin, die Andreas erwähnt, und wäre ebenfalls daran interesiert. Bei Interesse maile ich dir gern ein paar alte Aufnahmen zu Passagieren der Mars.
    Schönen Gruss aus dem Rheinland
    Anne

  • Hallo an alle !


    Mein einziger noch lebender Onkel hat mir gegenüber mal erzählt, das der Abfahrttag in Pillau der 26.04 1945 war.
    Da er zu dem Zeitpunkt der Flucht erst 10 Jahre alt war kann er sich da ja auch geirrt / vertan haben.
    Erwähnt hat er auch das dass wirklich eines der letzten Schiffe war die dort herauskamen.
    Er wusste auch noch den Namen des Schiffes, Fischkutters ( evtl Kriegsfischkutter ?) zu nennen:
    Wiking 1 oder Viking 1
    Ich konnte dieses Schiff bisher auch nicht ausfindig machen.
    Vieleicht weiß hier etwas von den Marineexperten ?


    LG bfg

  • Hallo „Anne11“ und „bfg“


    Ihr beiden können mir einen E-Mail senden: olaf-berg@mail.dk


    Hallo „bfg“


    Ich versuche zurzeit für ein andere Deutscher wo seine Verwandte in
    Dänemark war ausfinden. Die sind mit W.M.S. Wikinger nach Kopenhagen gekommen.


    Das Wahlfang-Fabrikschiff „Wikinger“ hat am 25.03.1945 Gotenhafen verlassen
    mit ca. 2.100 verwundeten Soldaten und ca. 1.500 Flüchtlinge. Dabei waren 700
    Werftarbeitern und Werkangehörige.


    Ein kleines Kind von diese Familie ist an Bord W.M.S. Wikinger
    gestorben und liegt auf der Kriegsgräberstätte in Kopenhagen West.


    Mit freundlichen Grüßen


    Olaf

  • Hallo „bfg“


    Es gabst wirklich ein „Wiking 2“. Walfangschiff 243 BRT, ein kleines
    Schiff. Baujahr 1929.


    Ich habe ein Bild von „Wiking 7“, der typgleich mit seinem Schwesterschiff
    war.


    Gruß Olaf

  • Hallo Zusammen,


    wie bereits Olaf schrieb gab es die "Wiking 2". Es gab aber auch laut Erich Gröner "Die deutschen Kriegsschiffe 1815 - 1945 ein Schiff gleicher Größe mit dem Namen "Wiking 2". Alle "Wiking-Schiffe" waren Schwesterschiffe und trugen die Namen "Wiking 1" bis "Wiking 5". Das dazugehörige Mutterschiff war das Walfangmutterschiff "Wikinger". Später kamen weitere Walfangboote ("Wiking 6" bis "Wiking 9") dazu.


    Die "Wiking 2" wird in der Auflistung der beteitigten Schiffe von Martin Schmidtke Buch "Rettungsaktion Ostsee 1944/45 aufgeführt. Die "Wiking 1" wird im besagtem Buch nicht aufgeführt, sondern ist nur im Gröner erwähnt. Im Gröner wird das Boot als Funkbeschickungsfahrzeug/Horchschiff für U-Schallanlagen und Zielschiff für Funkmeßanlagen aufgeführt.


    Vielleicht wurde das Schiff hauptsächlich in der Ostsee eingesetzt und wurde dort auch für Evakuierungen 1945 eingesetzt. Viele kleine Schiffe die sich an den Evakuierungsfahrten beteiligten sind nicht aufgeführt bzw. erwähnt.


    Gruß
    Lothar

  • Hallo !


    Ist denn bekannt, ob die Ziffern der Wiking Walfangboote mit "Normalen" Zahlen oder in "Römischen" Zahlen an den Bordwänden der Schiffe aufgemalt waren ?


    Ich spekuliere darauf das mein damals zehnjähriger Onkel eine eng geschrieben römische II und eine I verwechselt haben könnte.....


    LG bfg

  • Hallo bfg,


    Nach Ankauf des Walfangmutterschiff "Vikingen" und fünf Walfangboote wurden die Schiffe in "Wikinger" und "Wiking 1" bis "Wiking 5" unbenannt. Die Schiffe behielten ihre Namen mit arabischen Zahlen. Auch alle mir bekannten deutsche Kriegsschiffe oder eingezogene ehemaligen Zivilschiffe unter der Flagge der Kriegsmarine hatten anschließend arabische Zahlen. Diese wurden auch auf den Bordwänden aufgetragen. Schiffe mit römische Zahlen sind mir nicht bekannt.


    Gruß
    Lothar

  • Hallo zusammen,


    Quote

    Walfangmutterschiff "Vikingen"


    hier die die Geschichte/Vita des hier angesprochenen Schiffes.


    Geschichte:
    1929 erbaut als Walfang-Mutterschiff VIKINGEN von Swan, Hunter & Wigham Richardson Ltd. Wallsend on Tyne für die Reederei The Viking Whaling Co., Ltd, Newcastle
    (Johan Rasmussen & Co. Sandefjord). Anlieferung am 31.08.1929.
    Die VIKINGEN wurde zuerst unter englischen Flagge (Newcastle) registriert
    1931 Verkauf an Viking Corporation (Johan Rasmussen & Co).
    1933 Als Eigentümer registriert: South Sea Chatering co. Ltd., Newcastle
    1934 Wechsel unter panamesische Flagge, Besitzer jetzt Viking Corporation (Johan Rasmussen & Co., Sandefjord)
    1938 Verkauf an die Deutsche-Ölmühlen - Rohstoffe GmbH. (Hamburger Walfang-Kontor GmbH), Hamburg, umbenannt in WIKINGER .
    1945 Alliierte Kriegsbeute, beschlagnahmt in Kiel. Wurde von den Briten übernommen, Eigner war das britische Verkehrsministerium, Bereedert von Kerguelen Sealing & Whaling Co., Ltd., London
    In der Saison 1945/46 operierte das Schiff unter englischer Flagge als EMPIRE VENTURE.
    1946 an die Sowjet Union als Reparation übergeben. Umbenennung in SLAVA. Eigner jetzt das Fischerei-Ministerium/Odessa.
    1971 Nach Japan verkauft und in FUJI MARU umbenannt
    Zur Verschrottung an Taiwan verkauft. Ankunft auf dem Kaohsiung scrapyard am 13.07.1971.

  • Hallo Augustdieter !


    Hast Du denn auch was über die Walfangboote der "Wikinker" ?


    Da würde ich mich über die technischen Daten, und vor allem über ein Foto riesig freuen !!


    LG bfg

  • Hallo bfg,


    ein Foto das eindeutig ist suche ich auch wobei ein Foto nicht zutrifft denn zu dem Wahlfangmutterschiff (Walkocher) gehörten zeitweise bis zu 13 Fangboote.
    Diese lassen sich in drei Gruppen einteilen, die bei Smith's Dock, Middlesbrough gebaute " Erstausstattung" , die bei der Deschimag in Wesermünde gebauten
    und die gecharterten Fangboote.


    Quelle der Anlage: "Hansa" Deutsche Schifffahrtzeitschrift div Jg. und Wiki.


    Ergänzung:


    Ein Teil der Fangboote lief als Vorposten-Boote bei der 15. Vorpostenflottille

  • Hallo,

    ich bin auf der Suche nach dem Schiffsnamen des Schiffes, welches am 11.04.1945 von Pillau nach Koppenhagen ablegte. Aus dem Tagebuch meiner Oma geht hervor, das sie am 11.April 1945 um 5 Uhr verschifft und um 9 Uhr abgefahren ist. Das Schiff ist am 14. April gehen 4 oder 16 Uhr in Kopenhagen angekommen.

    Im Tagebuch gibt es für den 13. April den Eintrag: "Es ist um die Mittagszeit. Eben war ein Fliegerangriff. Ein Schiff, die Karlsruhe ist getroffen worden und untergegangen."

    VG, Klaus

    PS: kann mir jemand sagen, wie man Fragen in die Runde geben kann?

  • Hallo Klaus,


    Schön nennt für dem 11. 4.


    Ab Hela nach Swinemünde Neidenfels

    Ab Pillau nach Stralsund Würzburg und Rügen.


    Beim Untergang der Karlsruhe fanden 970 Menschen den Tod.


    Grüße aus Lauterbach

    Thilo

    :

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,

    vielen Dank für die schnelle Antwort.


    Leider finde ich im Internet keinen Hinweis zum Lazarettschiff Würzburg oder Rügen. Diese Schiffe hatten demnach Stralsund zum Ziel. Im Tagebuch meiner Oma gibt es keinen Hinweis zu einen Zwischenstopp in Stralsund oder anderswo. Einzige Orientierungspunkte sind die Einträge:

    - 11. April " .. um 9 Uhr (21 Uhr?) in Pillau ausgelaufen"

    - 12. April "Wir sind auf See an der Halbinsel Hela"

    - 14. April " … es ist schon Land zu sehen"

    - 15. April " sind gestern so gegen 4 Uhr (16 Uhr?) in Kopenhagen gelandet"


    Gibt es denn "Ankunftsinformationen (Logbücher)" von Kopenhagen oder Stralsund oder sogar Passagierlisten?


    VG aus Alsfeld

    Klaus

  • Hallo,

    im Buch von Schmidt/Kludas: Die deutschen Lazarettschiffe im zweiten Weltkrieg, Stuttgart 1978, finden sich zwar keine Einsatzdetails zu den von dir genannten Schiffen, aber recht aufschlußreiche Ausführungen zur Architektur und Ausstattung.

    "Ankunftsinformationen" wurden damals beim Hafenkapitän/Hafenamt gesammelt und wären jetzt in den entsprechenden Archiven, wenn überliefert.

    Gruß,

    JR