Kämpfe in Vorpommern (Oderautobahnbrücke bis Prenzlau)

  • Hallo Ulf,


    ich könnte die Infos per email senden und Du könntest die Fotos komprimieren und hier hinein stellen, wenns schneller als bis zum Sonntag gehen soll. Dankeschön für die weiteren Infos


    Grüße


    Holger

  • Hallo Holger,

    hallo Ulf, Roland und alle anderen,


    ich möchte versuchen den Weg der Sturmgeschütz-Brigade 210 für den fraglichen Zeitraum westlich der Oder zu skizzieren.

    Diese Daten stammen u.a. aus dem Heft: "Die Abwehrkämpfe 1945 an der Oder und in Mecklenburg unter der Berücksichtigung der Sturmgeschütz.Brigade 210" von Günter Lindenberg (ehemals 1./210), Mitteilungen des Ordonanzoffiziers Leutnant Apprich und des Adjutanten Leutnant Althoff.

    Von Leutnant Naumann 3./210 gibt es scheinbar ein Tagebuch, das in den Bericht von Lindenberg mit eingearbeitet ist.

    Mein Vater, Leutnant Heinrich Köhler, 3./210, hat Lindenberg ebenfalls zu gearbeitet, es gibt von ihm aber keine präzisen Detailangaben zu Kolbitzow.

    Er schrieb 1991 in einem Brief an Herrn Wilhelm Zimmermann aus Hamburg, der als gebürtiger Prenzlauer auch sehr viel über die Ereignisse in der Ueckermark geschrieben hat: ..."die Kämpfe ( der Brig. 210) zwischen Oder und Prenzlau, sind nach gegenwärtigen Erkenntnissen nicht aufzuklären."


    Fest steht, dass es nach dem Tod des Batteriechefs 3./210, Hptm. Vincon am 17.3. im Brückenkopf Altdamm keinen neuen Batteriechef für die 3. Batterie mehr gab. Die Zugführer Naumann und Köhler haben die verbliebenen Geschütze in ihren Zügen geführt.

    Leider ist mir in all den Jahren aus den Erzählungen meines Vaters der Name Richard Weiß nicht in Erinnerung

    Die Batterien und zum Teil die Züge der Brigade wurden oft sehr weit voneinander eingesetzt und die Kampftage mit ereignisreichen Abwehrkämpfen haben wenig Platz und Zeit zum Verschnaufen gelassen.

    Und wie ich oben schon schrieb ist das KTB, was vielleicht noch mehr Aufschluss hätte geben können, bei Schwerin/Hagenow verloren gegangen.


    Ich muss es gleich vorweg sagen, die genauen Umstände und der Ort des Todes von Richard Weiß sind aus den Unterlagen, die mir vorliegen, nicht überliefert.

    Die 3. Batterie war um den 23.4. aber an den Abwehrkämpfen im Raum Kolbitzow beteiligt.


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    Um einen grösseren Zeitraum darzustellen, möchte ich zeitlich etwas ausholen.


    Mein Vater schreibt:

    In der Nacht vom 16. zum 17. März, als der Brückenkopf (Altdamm) geräumt wurde, führte ich die Nachhut mit 6 Sturmgeschützen. 100 Meter vor der Autobahnauffahrt in Untermühle wurde ein Geschütz von einer russischen 17 cm Kanonen-Granate getroffen und brannte aus. Die letzten Fahrzeuge mussten sich dann dort vorbei und durch die Panzersperren unter der Brücke hindurchschlängeln und von Norden auf die Autobahn fahren.

    Die Brigade 210 wurde, nach 75 Panzerabschüssen seit dem 7.2.1945, im Wehrmachts-Bericht genannt.

    Die verbliebenen Einheiten im kleiner werdenden Brückenkopf Altdamm ziehen sich auf Stettin zurück oder setzen noch nach Tagen mit Booten über die Oder über.


    Am 18.3 waren Teile der Brigade in Nadrensee in der Werkstatt der Brigade und waren anschliessend bis zum 20.3. in ?Neuendorf ? bei Oderberg?

    Am 21.3. werden die 1. und 3. Batterie verladen und in den Raum Müncheberg im Oderbruch verlegt.

    Die 2. Batterie fährt am 23.3. Angriffe auf den russischen Brückenkopf bei Küstrin mit, wo einige Geschütze in Stacheldrahtsperren liegen bleiben.

    Um den 6.4. herum holt Leutnant Naumann neue Sturmgeschütze aus Berlin, sicherlich von Alkett.

    Die Sturmgeschütz-Brigade 210 wird in Sturmartillerie-Brigade 210 umbenannt, da jeder Batterie nun ein fest eingegliederter Zug Begleitinfanterie und der Brigade ein Pionierzug zugeteilt wird.

    In der Zeit bis zum 10.4. werden die 1. und 3. Batterie auf der Kopframpe in Müncheberg verladen und auf der Schiene zum Bahnhof Angermünde gefahren.

    Von dort geht es in den Bereitstellungsraum in den Schwedter Forst bei Heinersdorf.

    Der Kommandeuer Major Langel wird zu einem Artillerie-Regiment versetzt und Hauptmann Hellmuth Bock wird neuer Kommandeur.

    Die 1. und 3. Batterie sind hier der 547. VGD, Generalmajor Fronhöfer, unterstellt. Diese gehört zum XXXXVI. Panzerkorps.

    Am 14.4. besucht der KG General Gareis die Brigade 210.

    Die 2. Batterie liegt am 14.4. bei der "Divisionsgruppe Standartenführer Müller (27. SS-Freiwilligen-Division, 28. Freiwilligen-Division und Panzer-Jagd-Abteilung 6) als Einsatzreserve im Raum Damitzow-Pomellen.

    Russische Übersetzversuche in Kompaniestärke über die Oder gelingen im Raum zwischen Schwedt und der Autobahnbrücke Stettin ab dem 15.4..


    Am 20.4. beginnt dort der russische Großangriff insbesondere über 2 Kriegsbrücken bei Nipperwiese und Fiddichow.


    Am 20.4. verlegen die 1. und 3. Batterie aus dem Bereitstellungsraum bei der 547. VGD im Schwedter Forst bei Heinersdorf im Kettenmarsch in Richtung Kolbitzow und sind nun beim Oderkorps.

    Die beiden Batterien erreichen am 21.4. den Raum Kolbitzow.


    Am 23.4. unterstützen die 1. und 3. Batterie den Angriff der 281. I.D. auf Kolbitzow, der Kommandeur Hptm. Bock wird durch einen Halsschuss schwer verwundet. Er erliegt wohl dort seiner schweren Verletzung.

    Günter Lindenberg schreibt zum 23.4. : "... die Brigade 210 gerät bei Kolbitzow in eine ihrer schwersten Bewährungsproben."

    Am 23.4. fahren 2. Geschützen der 1. Batterie mit aufgesessenen Fallschirmjägern in den Ort hinein und erobern, wahrscheinlich mit Teilen der 281. I.D., Kolbitzow zurück.

    Im KTB der Heeresgruppe Weichsel kann man lesen, dass Kolbitzow am 23.4. wiederholt den Besitzer gewechselt hat.
    Ebenfalls am 23.4. kommt der Befehl, dass das Generalkommando des XXXXVI. Panzerkorps mit dem Generalkommando des Oderkorps wechselt da der KG von-dem-Bach-Zillewski mit seinem Stab dem Großkampf nicht gewachsen ist.

    Also gehört die Brigade 210 jetzt wieder zum XXXXVI. PzK und nicht mehr zum Oderkorps.


    Auch Leutnant Naumann, 3. Batterie, ist am Abend des 22.4. in Kolbitzow. Mein Vater mit seinem Zug wahrscheinlich auch.

    Ich schätze, dass die 3. Batterie am 23.4. maximal noch 10 Geschütze hatte zzgl. Versorgungstrupp.


    Zum 23.4., dem offiziellen Todestag von "Opa Richard" schreibt Lindenberg:

    "Mit kleineren Änderungen können die eigenen Linien gehalten werden, so dass Kolbitzow und Pritzlow in deutscher Hand bleiben. der Gegner stößt aber durch bis in die Linie Hohen-Reinickendorf - Tantow."

    Am 24.4. um 01.00 Uhr wird die Front bei Kolbitzow zurückgenommen.


    Am 24.4 unterstützen Sturmgeschütze der Brigade 210 die Gruppe Wellmann bei der Verteidigung von Tantow.

    Am 25.4. befindet sich der Brigadestab 210 im Gutshaus der Familie von Winterfeld in Damerow bei Pasewalk.


    Teile 210 sind am 25.4 bei der 1. Marinedivision ostwärts Schmölln.

    Zu den Verteidigern dieses Brückenkopfes ostwärts Schmölln zählen u. a. die restlichen 14 Sturmgeschütze der Brigade 210.

    Zum Abend des 25.4. ziehen sich die Verteidiger auf den östlichen Bereich des Randowbruchs zurück.

    Noch in der Nacht zum 26.4. gelingt es ersten russischen Verbänden die Stellungen am Randowbruch zu überwinden.


    Ich bedauere, dass ich nicht weiter zur Klärung des Schicksals von Richard Weiß beitragen kann, obwohl die 3. Batterie/210 bestimmt nicht mehr als 60 Mann stark war.


    Gruß!

    Stuart

  • hallo Stuart,


    herzlichen Dank für Deine Beschreibung der Lage zum damilgen Zeitpunkt. Das bringt mir doch näher was vor 75 Jahren passierte.


    Viele Grüsse


    Holger