Aufbau einer Kriegsindustrie im eroberten Teil der Sowjetunion

  • Hallo Leute,


    die Planungen, die Anfänge, die Entwicklungen und das Ende der Kriegsindustrie im eroberten Teil der Sowjetunion soll hier das Thema sein.


    Mein Beitrag beschränkt sich vorläufig auf die Schwerindustrie im Bereich der Südfront - Ergänzungen sind aber erwünscht.



    KRIWOJ ROG - grösstes Eisenerzgebiet der Sowjetunion, sehr hochwertiges Erz (19 Mio. Jahrestonnen)


    Vorfinden der Anlagen bei Eroberung:


    Umfangreiche und gründliche Sprengungen, Demontage von vielen tranportierbaren Geräten (zBsp. 1950 von 2000 Elektromotoren), fast alle Facharbeiter deportiert, grosser Strommangel - mittelfristig keine Förderung möglich


    Mittelfristige Planung:


    Kein Schwerpunkt im Wiederaufbau, da Mittel nur für wenige Schwerpunkte reichen - diese wurden zuerst mit der Manganerzförderung, dann mit der Steinkohleförderung und später mit dem Iwan-Programm, also dem Aufbau von Produktionswerken in der Ukraine vornehmlich für die Munitionsfertigung gesetzt.


    Beginnend im August 1941 Demontage von mehreren 10.000 to Bauteilen, reparierten Maschinen und Anlagen nach Nikopol!


    Gruß

  • Hallo Leute,


    STEINKOHLEABBAU IM DONEZGEBIET -
    grösstes Kohlegebiet der Sowjetunion, zahlreiche Ergänzungsbetriebe wie Kokereiein, Giessereien, Brikettieranlagen und Metallverarbeitende Industrie.


    Vorfinden der Anlagen bei Eroberung:


    Umfangreiche Zerstörungen an fast allen Anlagen über und unter Tage, Deportation von fast allen Facharbeitern, katastrofale Verkehrsinfastruktur da Strassen fast unpassierbar und Eisenbahnlinien zerstört oder Züge für Wehrmacht reserviert, Stromversorgung fast komplett ausgeschaltet - so das nicht einmal die notwendigsten Entwässerungsarbeiten der Schächte erfolgten konnte. Erbeutung von 1.3 Millionen Tonnen Steinkohle, die allerdings den Bedarf der Eisenbahn, der Truppe für Heizzwecke und der Stromerzeugung nur kurzfristig (zudem wegen der og. Probleme auch nur rein rechnerisch) lösen konnte.


    Mittelfristige Planung:


    Da sowohl die Stromerzeugung, die Facharbeiter, notwendige Maschinen und die umfangreichen Zerstörungen eine mittelfristige Rückkehr zur Vorkriegsproduktion ausschloß - wurde eine Konzentration auf einige wenige geeignete Anlagen beschlossen. Diese sollten binnen Jahresfrist ca. 5 - 10 % der Ursprungsförderung erreichen und so den dringendsten regionalen Bedarf decken.


    Entwicklung:


    Sofort nach Eroberung der Anlagen wurden mehrere Zehntausend Arbeiter zur Räumung von Trümmern, Bergung von Ausrüstung und einfachen Bauarbeiten eingesetzt. Die Förderung wurde zuerst an den einzelnen gering beschädigten Schächten wieder aufgenommen. Nach Vereinheitlichung der regionalen Führung und Verteilung der Patenschaftbetrieben, wurden Aktionspläne aufgestellt, der Bedarf an Maschinen und Anlagen aus dem Reich, Facharbeitern und regionaler Zulieferer ermittelt und angefordert.


    Es erfolgten umfangreiche Lieferungen von Maschinen, Bergwerksausrüstung, Schienenfahrzeugen, kompletten Kraftwerken, Brikettieranlagen etc. aus bestehenden Betrieben im Reich, sowie aus erbeuteten Anlagen in Polen, Frankreich, Benelux und Lothringen.


    Die Förderung wurde schon kurz nach der Eroberung der Gebiete, wenn auch nur an einzelnen Gruben, wieder aufgenommen. Gefördert wurde im:
    -Novemer ´41 bis März ´42 ca. 25.000 to
    -April ´42 ca. 30.000 to
    - Mai ´42 ca. 60.000 to
    -August ´42 ca. 90.000 to
    -Oktober ´42 ca. 240.000 to
    -Dezember ´42 ca. 392.000 to


    Stand 31.12.1942
    -68 Bergwerke und 314 Kleinschächte wieder in Betrieb
    -100 Bergwerke und 167 Kleinschächte in Fördervorbereitung
    -697 Werke lagen still, davon 334 ersoffen
    -Personalstand: ca. 100.000 Zivilarbeiter, ca. 8.200 Kriegsgefangene, 2.206 deutsche Angestellte.


    Gruß

  • Hallo Leute,


    STEINKOHLEABBAU IM DONEZGEBIET Teil 2


    -Weitere Planungen
    Der Bedarf an Steinkohle lag, schon bei derzeitigem Verbrauch, deutlich unter dem Bedarf. Zusätzlich gingen immer mehr Kokereien, Kraftwerke in Betrieb - und noch immer musste Kohle aus dem Reich für den Eisenbahnbetrieb in Zwischenbunkerdepots in Westrussland geliefert werden.


    Ein grosser Schritt war allerdings die Wiederinbetriebnahme des, von den Russen beim Rückzug zerstörten, Großwasserkraftwerks Saporoschje. Der Staudamm war mit gewaltigen Lieferungen aus Deutschland (ua. Zement, Baustahl, Turbinen, Steuerung, Elektrik, Baumaschinen etc.) wieder ab Januar 1943 in Betrieb. Die Stromfernleitungen und Umspannwerke waren ebenfalls wieder hergestellt und ermöglichten erstmals einen geregelten Betrieb.


    Die Planungen sahen einen weiteren Ausbau der Förderung auf 30.000 to/Tag bis Mitte 1943 und 60.000 to/Tag bis Ende 1943 vor. Damit wäre dann der komplette Kriegsbedarf für die wachsende regionale Produktion und den Bedarf der Eisenbahn gedeckt worden. Gewaltige Reserven an rollendem Material, welches bisher für den Transport von Kohle an die Ostfront benötigt wurde, konnte anderweitig verwendet werden.


    Im Zuge der russischen Operationen nach Stalingrad gingen Anfang 1943 einige Werke verloren und das gesamte Gebiet wurde erstmals mit einer Rückeroberungswahrscheinlichkeit konfrontiert. Kurzfristig gelang es der Wehrmacht jedoch die Gebiete bis März 1943 wieder zurückzuerobern.


    Die Förderung entwickelte sich wie folgt:
    -Januar ´43 ca. 450.000 to
    -Februar ´43 ca. 182.000 to
    -Juli ´43 ca. 456.000 to (höchste Monatsmenge während der dt. Besatzung)


    Die Qualität der Kohle war durch zahlreiche neue Lesebänder deutlich verbessert und die Logistik hatte sich eingespielt. Von den im Juli 1943 verladenen 487.000 to Steinkohle erhielt die regionale Wirtschaft 277.000 to, die Wehrmacht 110.000 to und die Eisenbahn 100.000 to.


    Die Versorgung der Arbeiter wurde neu geregelt. Zur Versorgung der Werksangehörigen bauten viele Werke eine eigene Infrastruktur auf. So hatten zBsp. einige Werke Landwirtschaftsflächen von mehren Tausend Hektar auf denen Nahrungsmittel für die neuen Betriebskantinen, aber auch für den Eigenverbrauch der Zivilbevölkerung erzeugt wurden. Es wurden Richtlinien erlassen die eine faire Behandlung der Zivilbeschäftigten anmahnten und die Unterschiede bei der Verpflegung zwischen Zivilbeschäftigten und Deutschen wurden abgeschafft. Tauschhandel von Kohle gegen Dinge des täglichen Bedarfs wurde erlaubt, jeder Arbeiter erhielt zu seinem Lohn von 1 RM/Schicht 700 KG Kohle/Monat zur eigenen Verwendung. Prämiensysteme wurden eingeführt und Hausrat, Schuhe, Kleidung und zBsp. im April ´43 300 Armbanduhren an verdiente Zivilarbeiter eines Werkes ausgeteilt.


    Im Laufe des August 1943 begannen die Operationen der Russen im Südabschnitt die zur Schrittweisen Rückeroberung der og. Gebiete führte. Manche Anlagen wurden noch demontiert, viele gesprengt und andere vielen den Russen fast unversehrt in die Hände.


    Die Förderung konnte bis Mitte August ´43 sogar noch auf Rekordmengen pro Tag gesteigert und dank eingespielter Logistik komplett verladen werden. Dann brach die Fördermenge und die Transportlogistik schnell zusammen.


    Gruß

  • Hallo peiper2,


    die gesamte Schwerindustrie von Mariupol am Azovschen Meer hat nicht einmal Pause genacht und ist unzerstört am 08.10.41 in die deutsche Hände gefallen! Hast Du Unterlagen, die über deren Aufgaben etwas aussagen können. Ich weiß nur, dass dort die zerstörte gepanzrte Technik aller Art repariert wurde. Hauptsächlich produzierten (und produzieren heute noch) beide Werke Roheisen, Stahl und Walzprodukte.

    Gruß Viktor

  • Hallo Leute,


    #viktor 7


    Ja, über Mariupol habe ich auch Unterlagen - nehme ich mal als nächstes auf.


    Gruß

  • Hallo Leute,


    Quelle ua. Militärarchiv Freiburg W08-1/55


    METALLVERARBEITENDE INDUSTRIE IN MARIUPOL


    Mariupol war überraschend schnell eingenommen worden. Hier war zum ersten Mal der Fall eingetreten, dass grosse Werke, vor allem das Stahl- und Walzwerk "iljitsch", das Eisenkombinat "Asow-Stahl" und das Röhrenwerk "Kuibyschew" beim Einmarsch der deutschen Truppen am 15.10. im Betrieb angetroffen wurden. In den Hafen- und Lageranlagen lagen grosse Mengen an Vorräten und Rohstoffen, so ua. 20.000 to Getreide und Kohlelager.


    Die Stromerzeugung in Mariupol erfolgte in eigenen Werken - Kokskohle wurde in einer eigenen Kokerei zu Koks und dieser in einem Hochofen zu Generatorgas verarbeitet, welches wiederrum verstromt wurde. Die Beute an Kokskohle betrugen ca. 90.000 to - allein für die Verstromung wurden aber 1000 to/Tag benötigt. Deshalb war man sehr auf die og. Entwicklung bei der Steinkohle angewiesen.


    Die Stromleitung von Mariupol nach Stalino (welches im Verhältnis wenig zerstört wurde) war ab Mitte November 1941 wieder in Betrieb. Die Bahnverbindungen von Stalino nach Mariupol waren teilweise demontiert, die erbeuteten Loks in einem erbärmlichen Zustand - dazu der harte Winter und wenig Verständnis der Wehrmacht für Nutzung des geringen Transportraumes für die Stromerzeugung - führte zur Lähmung der Transportleistung, so dass es anfangs nur gelang ca. 500 to Kohle/Tag von den Halden bei Stalino anzuliefern.


    Die Eisenindustrie in Mariupol erhielt noch 1941 den Auftrag, vordringlich Material zur Wiederherstellung der Gruben und der Elektrizitätswirtschaft herzustellen. Das Werk "Asow" hatte eine eigene Großküche die täglich 24.000 Portionen aussteilte, die Versorgung erfolgte teilweise aus eigenen Gütern welche ca. 4000 Hektar Garten- und Ackerland umfassten. Zur weiteren Verbesserung der Versorgungslage wurden Tauschtranporte organisiert. So fuhren russische Abordnungen mit LKW durch das Hinterland und tauschten einfache, eigene Erzeugnisse wie Nägel, Ersatzteile für Panje-Schlitten, Pflüge oder Schaufeln - gegen Landwirtschaftliche Erzeugnisse oder in den Häfen gegen Fische.


    Als weitere Erzeugnisse der "Asow-Werke" werden genannt: Grob- und Mittelbleche, Panzermaterial, Sämaschinen, Bunkeröfen, Graugusserzeugnisse wie Kolbenringe, Bremsklötze für die Eisenbahn und Räder für Grubenhunde.


    Die Friedrich Krupp AG wurde zum Patenschaftsbetrieb ua. für die Werke in Mariupol ernannt. Im Rahmen des "Iwan-Programmes", also dem Aufbau einer umfangreichen Munitionsfertigung, wurden auch die Werke in Mariupol mit der schrittweisen Umrüstung beautragt. Ende 1942 wurden neue Maschinen zur Umrüstung auf die Munitiionsfertigung geliefert. Die Munitionsfertigung wurde bis zum 25. 08.43 auf Hochtouren ausgebaut - nach ersten Warnungen kam am 01.09.43 der Befehl zur Räumung des Gebietes.


    Nun musste also schnellstens Evakuiert und nicht transportierbares gesprengt werden. Sprengstoff war nicht ausreichend vorhanden und musste unzureichend besorgt werden. Wenigstens existierte ein Evakuierungsplan, der die Dringlichkeit des Materials regelte. Vorrangig wurden die gerade erst installierten Werkzeugmaschinen für die Munitionserzeugung verladen - aber selbst von diesen kamen schlussendlich nur ca. 50 % wieder im Reich an. Am 8. September erfolgten die letzten Sprengungen in Mariupol.


    Tragisch auch die Geschichte der Kokserei, die am Tag der Inbetriebnahme der aufwändig erneuerten Anlage - den Befehl zur Räumung und Sprengung erhielt. Von den gesamten gelieferten Anlagen- und Maschinen, die in das Donezgebiet geliefert wurden, konnten nur 20 % evakuiert werden.


    Tätigkeitsbericht per 31.12.1942 für Metallverarbeitende Betriebe im Donezgebiet:


    -elf Großwerke im Betrieb
    -Produktion von 8.000 - 10.000 to/Mo an Fertigprodukten
    -umfangreiche Reparatur-, Wartungs- und Ersatzteilfertigung für örtliche Quartiermeister


    Gruß

  • Hallo Leute,


    SONSTIGE MELDUNGEN, SONSTIGE WERKE - Teil 1 -


    Das vorhandene Datenmaterial besteht teilweise nur aus Halbsätzen und zusammengefassten Meldungen. Deshalb erfogt hier nur eine reine Datennennung:


    -Anlage zur Herstellung von Ferromangan in Dnjeprodserschinsk nur wenig beschädigt 1941 erbeutet, Betrieb wurde sofort wieder fortgeführt, musste aber bereits nach 1 Monat wegen Strommangel wieder beendet werden - keine weiteren Daten - aber es scheint sehr wahrscheinlich das mit der Besserung der Stromversorgung und spätestens zum Januar 43 mit Anlaufen von Saporoshje wieder produziert wurde


    -in Nikolajew betrieb die Marine schon kurz nach der Eroberung umfangreiche Werftätigkeiten, starke Behinderung durch Strommangel lt. Meldung von Ende 1941


    -genannte Lieferungen von Material:
    -35 Lokomobile aus D für die regionale Stromerzeugung
    -4 komplette Brikettfabriken
    -3 komplette Kraftwerke
    -im Mai 1942 Verladung allein in Salzgitter von 27 Waggonladungen für diverse Werke in der Ukraine und 50 Waggonladungen für das neue Kraftwerk Stalino. Inhalt: ua. Grubenloks, E-Motoren, Kabel, Pumpen, Schaltanlagen, Grubenhämmer, Transportbänder


    -bis Juli ´42 Aufträge für Material aus dem Reich im Gesamtwert von ca. 55 Millionen Reichsmark erteilt


    -Berichte über erhebliche Differenzen für die Verwendung der regionalen Zivilarbeiter. Beschwerde über "Abwerbungsmassnahmen" von Fachkräften durch Saukel (Bevollmächtigter für Arbeitseinsatz) für Arbeitsstellen in D


    -Elektrizitätswerk Kress (bei Nikopol) betriebsbereit erbeutet


    -"Baustoffe wurden zum Teil aus den, von der Berg- und Hüttenwerksgesellschaft Ost betriebenen Steinbrüchen und Ziegeleien geliefert, Stahl- und Moniereisen kamen aus erbeuteten Beständen, Zement kam aus Deutschland"


    -Einrichtung von zentralen Ingenieurbüros in Stalino und Dnjepropetrowsk


    -die neue Maschinenfabrik in Kramatorsk meldet den Anbau von Mais, Gemüse, Sonnenblumen und Kartoffeln auf 1200 Hektar zur Eigenversorgung


    -weiterer Bericht über, von der Schwerindustrie betriebene eigene Korn- und Ölmühlen, Bäckereien, Gemüsetrocknungsanlagen, Milchkuhhaltung, Marmeladenfabriken etc.


    -das Werk "Molotow" in Dnjepropedrowsk meldet den Bestand von 3 eigenen Frachtkähnen für Tauschwirtschaft mit Dörfern entlang des Dnjepr


    -Werksgruppe Dnjepropedrowsk meldet Lieferungen von Januar-März ´42, 2.225 to Walzgut für die Wehrmacht, 116 to an die Bahn und von 904 to an die regionale Landwirtschaft. Eigenproduktion von ua. Wassertürmen für die Bahn.


    -gemeldete installierte Leistung per 31.12.42 im Donezgebiet von 35.000 kW, davon ca. 3.000kW für die Steinkohleförderung und ca. 30.000 kW für die Wasserhaltung aller Gruben


    -Berichte über Materiallieferungen aus dem OKW-Beutelager in Danzig


    -Jahresbericht ´42. Hütte Kamenskoje erzeugt wieder ua. Feinbleche - Hütte Pedrowski ua. Flakschlitten - Hütte Makejewka ua. Spaten, Autofedern, Bolzenketten - Maschinenfabrik Kramatorsk meldet Instandsetzung von Bergwerksgerät - Als sonstige regional erzeugte Güter werden Hufeisen, Schneeketten, Walzen, Zahnräder und Blechgeschirr genannt.


    Gruß

  • Quote

    Original von peiper2
    Mariupol war überraschend schnell eingenommen worden. Hier war zum ersten Mal der Fall eingetreten, dass grosse Werke, vor allem das Stahl- und Walzwerk "iljitsch", das Eisenkombinat "Asow-Stahl" und das Röhrenwerk "Kuibyschew" beim Einmarsch der deutschen Truppen am 15.10. im Betrieb angetroffen wurden. In den Hafen- und Lageranlagen lagen grosse Mengen an Vorräten und Rohstoffen, so ua. 20.000 to Getreide und Kohlelager.


    Hallo Peiper,


    eine kleine Korrektur, Mariupol wurde eine Woche früher, also am 08.10.41 eingenommen. Ich vermute mit dem Datum 15.10.41 ist die Inbetriebnahme der Produktion in vollem Umfang gemeint.


    Wie überraschend schnell die Stadt eingenommen wurde belegen zahlreiche Zeugnisse, darunter aus darüber, dass der Krisenstäbe der Stadt noch tagten, als die deutschen Truppen schon die Strassen der Stadt unter Kontrolle hatten!

    Gruß Viktor

  • Hallo Leute,


    #viktor 7


    Es ist auch möglich, dass die ersten Mitarbeiter der Technischen Einsatzgruppen an diesem Tag eintrafen oder an diesem Tag erst von der "grossen Beute" erfahren haben. Der Bericht wurde ja von den Techniker verfasst.


    Bezüglich der überraschenden Einnahme wurde ähnliches auch von Tichwin (östlich Wolchow) mit seinen Bergwerksanlagen berichtet - allerdings war die Stadt nur sehr kurz in deutscher Hand. Da ist die Infanteriespitze sogar mit der Strassenbahn ins Zentrum gefahren.


    Jetzt kommt noch Teil 2 von Sonstiges und dann die umfangreichste Geschichte über die Manganerzförderung.


    Gruß

  • Hallo Leute,


    SONSTIGE MELDUNGEN, SONSTIGE WERKE -Teil 2 -


    -Meldung vom 04.06.42: Derzeit werden im Südraum 40 % des Zugverkehres für die Heranschaffung von Kohle für den Zugverkehr eingesetzt. Ohne beschleunigte Förderung von Donezkohle wird sich der Bedarf für Strecken (hinter den Kaukasus) auf 60 % erhöhen


    -Meldung vom 04.06. (Besprechung ua. Hitler, Speer) über Sofortmassnahmen zur Steigerung des Kohleabbaus: Zusätzliche Bereitstellung von Kriegsgefangenen inkl. Bewachung, Erhöhung der Verpflegungssätze der Zivilarbeiter auf Deutsches Niveau, Gleichstellung von Wehrmacht und Industrie bei Werkstattaufträgen, Materialtransporte werden nun als "Wehrmachtstransporte" deklariert, äusserste Strenge wenn Zivilarbeiter nicht gut behandelt werden, bevorzugter Ausbau der Infrastruktur


    -Pleiger (Chef der Berg-und Hüttenwerksgesellschaft Ost) meldet wenig bis gar kein Interesse der privaten Schwerindustrie an einem Engagement im Osten, da angeblich über Gebühr mit Ausbau Kriegfertigung Reich sowie an neuen Werken in Polen, Tschechei, Frankreich, Benelux und Balkan gebunden. Pleiger betont daraufhin die "nationale Pflicht sich als Paten der Ukrainischen Betriebe anzunehmen und diese für die Deutsche Kriegsindustrie nutzbar zu machen". Pleiger setzt sich mit dem zögernden Alfred Krupp kurzfristig in ein Flugzeug und besucht mit ihm "ausgesuchte Werke" (voraussichtlich die später zugeteilten in Mariupol). Krupp lässt sich "überzeugen" und die restliche Privatwirtschaft zieht nach. Paten heisst diesbezüglich vereinfacht erklärt: Keine Eigentumsrechte, Verantwortung für technische Wiederherstellung gegen Aufwandsrechnung, Ankündigung einer "angemessenen Berücksichtigung" bei der Aufteilung der Betriebe in einer Friedenswirtschaft


    -Es wurden Paten:
    -Dortmund-Hörter Hüttenverein - Hütten Stalino und Rykowo
    -Gutehoffnungshütte - Hütte und Maschinenfabrik Kramatorsk
    -Hoesch AG - Hütte Kriwoj Rog
    -Klöckner AG - Hütte Konstantinowka
    -Krupp AG - Werke in Mariuopol, Röhrenwerk Kuibyschew und neue Maschinenfabrik Kramatorsk
    -Mannesmann-Werke - Hütte Taganrog
    -Vereinigte Stahlwerke - Hütte Makejewka
    -Mitteldeutsche Stahlwerke - mehrere Werke im Raum Dnjepropetrowsk


    -Bericht über ersten grösseren russischen Luftangriff am 01.08.1943 auf das Stadtgebiet von Stalino, vorher keinerlei grössere Angriffe


    -Auszug aus dem Kriegstagebuch der Wirtschaftsinspektion Süd: Beim Rückzug aus Taganrog praktisch keine Wirtschaftsgüter entkommen. Mit Ausnahme der Elektrizitäts- und Wasserwerke konnte auch nicht mehr gesprengt werden


    -vom November ´41 bis August ´43 wurden insgesamt 4.071.000 to Steinkohle gefördert


    -Kohlelieferungen vom Reich nach Russland zwischen Juni ´41 bis August ´43 insgesamt 17.480.000 to, davon 13.330.000 to für die Eisenbahn


    -Großwasserkraftwerk Saporoschje meldet lt. Tagesmeldung Energielieferung für den 31.08.43 insgesamt 42 MW und für den 03.09.43 nur noch 8 MW


    -Meldung über Evakuierung Energie Donezgebiet: 67 Waggons mit Kraftwerksteilen, Transformatoren, Kabeltrommeln - Turbinen konnten nur in Sugress und Kramatorsk verladen werden


    -Meldung über Evakuierung aus dem Dnjepr-Gebiet: Da deutlch mehr Zeit und Bahnmaterial zur Verfügung stand konnte hier mehr verladen werden. Gemeldet wurden 3437 Waggons mit Räumungsgut der Eisenindustrie und 518 Waggons mit Räumungsgut der Elektrizitätsindustrie


    -Bericht über Sprengungen der Munitionsferigungsanlagen der Stahlwerke Braunschweig und der Aluminiumwerke in Saporoshje


    -Aussage von Generalmajor Nagel von der Wirtschaftsinspektion Süd nach dem Krieg: "Was beim Rückzug der Deutschen Truppen zerstört worden ist, hat bei weitem nicht den Umfang erreicht, wie die Zerstörungen der Russen bei deren Rückzug."

  • Hallo Leute,


    MANGANERZFÖRDERUNG IN NIKOPOL - Teil 1 -


    -Einführung


    Manganerz und das daraus gewonnenes Konzentrat (Ferromangan) war für die damalige moderne Metallindustrie ein unverzichtbarer Grundstoff. Erst durch die Zugabe von Ferromangan (reines Mangan ist dazu nicht erforderlich) wird Eisen biegsamer, härter und durch den sinkenden Kohlenstoffanteil zu Stahl. Schon bei der wehrwirtschaftlichen Vorbereitung des Ostfeldzuges, bei derumfangreiches Datenmaterial angesammelt, Verwaltungsstrukturen geschaffen und entsprechende Soforteinheiten gebildet wurden - wurde der Manganerzförderung- und Verarbeitung besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Folgende Einteilungen wurden verwendet: Manganerz (mit ca. 25% reinem Mangananteil), erzeugte Mangankonzentrate (als Legierung geeignet, ca. 43,5 % Mangananteil) und Reicherze (direkt gewonnenes, unverarbeitetes, aber iV. überdurchschnittlich hoch angereichertes Erz mit ca. 30 - 35 % Mangananteil - kann höchstwahrscheinlich teilweise direkt als Legierung eingesetzt oder zumindest erleichtert aufbereitet werden)


    -Bedeutung


    Deutschland verfügt über keine nennenswerten Vorkommen, überseeische Lieferanten fielen nach Kriegsbeginn aus und auch sonstige Lieferländer (die teilweise auch nur Handel betrieben) waren aus vielerlei Gründen keine sichere Lieferquelle (Druck von Allierte Seite, Preise ständig erhöht, Transportweg bedroht, Vorkommen erschöpft etc.).


    Da Stahl aber für eine Kriegsindustrie unabdingbar benötigt wurde und Ferromangan als Legierung nicht ersetzt werden konnte - war die Bedeutung sehr groß. Ohne die gesichterte Bereitstellung dieses Rohstoffes war auch die Förderung und Verhüttung der vorhandenen Eisenerzmengen in entscheidenden Teilen sinnlos. Deshalb entschied man sich, gerade weil Maschinen, Fachkräfte, Strom, Kohle und Logistik nie ausreichend vorhanden waren - das eigentlich dringend benötigte und hervorragende Qualität versprechende Eisenerzgebiet von Kriwoj-Rog vorerst nicht vordringlich auszubeuten, sondern beschloss eine Konzentration auf die Förderung von Manganerz in Nikopol zu legen.


    -Daten vor dem Angriff auf Russland
    1940 Gesamteinfuhr von Manganerz 119.000 to, davon 65.000 to aus Russland
    1941 bis 22.06.41 Gesamteinfuhr von 116.000 to, davon 75.000 to aus Russland
    Russische Gesamtförderung ca. 1.200.000 to Manganerz


    -Vorfinden der Anlage bei Eroberung
    Umfangreiche Sprengungen, hölzerne Fördertürme und Schachtausbauten durch Feuer zerstört, zahlreich ausgebaute Anlagenteile (teilweise aber nur ins Umfeld verschleppt), 80 % der ungelernte Arbeitskräfte und 30 % der Facharbeiter konnten registriert werden, schon im August ´41 wurden wieder 3.300 Arbeiter beschäftigt, Stromversorgung war mangelhaft aber immerhin für das Notwendigste vorhanden, Infrastruktur war wenig beschädigt und im Gegensatz zum Donezgebiet war noch Sommer und damit leichter arbeiten und transportieren. Von den 4 veralteten Aufbereitungsanlagen waren 3 schwer beschädigt, aber die Anlage in Scholochowo wurde unzerstört, aber mit demontierten Motoren erbeutet. Diese waren jedoch nur in der Umgbung vergraben und nach einer Generalüberholung konnte schon im Dezember ´41 die lokale Aufbereitung beginnen. Die Förderung wurde schon nach den ersten Reparaturen der weniger zerstörten Anlagen, kurz nach der Eroberung, wieder aufgenommen. Es wurden 12.000 to Konzentratbestände (Ferromangan) erbeutet und nach Witkowitz transportiert. Über die Mengen der erbeuteten Erzmengen wird nur als "große Mengen" berichtet.


    -Erste Erkundungen, Planungen, Ergebnisse
    Der Beauftragte des Wirtschaftsstabe Ost war, wie das technische Bergbaubataillon (mot.) 26, schon kurz nach der Eroberung der Anlage vor Ort und führte zahlreiche Sofortmassnahmen durch. So konnte durch Befragung von Arbeitern zahlreiches schon auf Waggons verladenes Material noch westlich des Dnjepr gesichert werden, andere Anlagenteile waren in der Umgebung vergraben und konnten ebenfalls gesichert werden. Aufräumungsarbeiten wurden eingeleitet, beschädigte Anlagenteile repariert, die Demontage von mehreren 10.000 to Material von Kriwoj-Rog und der Transport inkl. Wiederaufbau eingeleitet. Das Fördergebiet wurde erforscht und zwecks sinnvoller Nutzung eingeteilt. Schon Anfang September ´41 traf hierzu eine hochbesetze Abordnung von Fachleuten aus der dt. Minenindustrie ein. Von den vorhandenen 50 Schachtanlagen wurden 14 für die kurzfristige Förderaufnahme vorgesehen. Ein grosser Vorteil war, das die Erzschicht nur wenige Meter unter der Erde lag und so, bei schneller Beschaffung von Gerät, Facharbeiter und Strom - ein rasches Hochfahren möglich erschien. Als besonders vordringlich wird die schnellstmögiche Lieferung von Gleichstrom- und Diesellokomotiven und Material zur Wiederherstellung des Niederspannverteilungsnetzes genannt.


    Gruß

  • Hallo Leute,


    MANGANERZFÖRDERUNG IN NIKOPOL - Teil 2 -


    -Neuplanung der Förderung und Verarbeitung


    Die Russische Förderung der Gruben in Nikopol (nicht in Gesamtrussland) betrug ca. 1.200.000 to/Jahr Manganerz. Nur ein Teil davon konnten die Russen mit der damaligen, veralteten Aufbereitungstechnik überhaupt verarbeiten. Ein grosser Teil wurde deshalb als unverarbeitetes Erz exportiert. Die Auswertung der vorgefundenen Anlagenteile in Verbindung mit der langfristigen Planung, führte bei der dt. Expertenrunde zu einer grundlegende Neuplanung. Da die bestehende Aufbereitungstechnik in D mit der geplanten Förderung nicht mehr mithalten konnte und viele Argumente, ua. die Nähe zur Eisenerz- und Kohleförderung sowie zukünftige Absatzgebiete durch regionale Stahlherstellung, für Nikopol sprachen; entschloß man sich zum Neubau einer kompletten Aufbereitungsindustrie. Diese umfangreichen Neubauten sollten spätestens Anfang 1943 in Betrieb gehen und den dann erwarteten Mehrertrag verarbeiten.


    -Förderung


    Die Förderung begann bereits mit kleinen Mengen im November ´41 und stieg auf 18.100 t/März und 22.000 to/April ´42 an. Da parallel an der weiteren umfangreichen Erschliessung gearbeitet wurde, konnten die Förderzahlen stetig gesteigert werden, so daß bis 31.12.1942
    -642.000 to als Fördermenge Manganerz
    -103.000 to als vor Ort erzeugtes Mangankonzentrat gemeldet wurde.


    Der Anteil am Gesamtdeutschen Verbrauch entwickelte sich wie folgt:
    -Juli - Dezember ´41 - 40 % aus Nikopol (hauptsächlich vorgefundene Beutebestände)
    -Januar - Juni ´42 - 70 % aus Nikopol (fast ausschliesslich Eigenförderung)
    -Juli - Dezember ´42 - 128,6 % aus Nikopol (reine Eigenförderung)


    Damit förderte man im zweiten Halbjahr 1942 bereits deutlich mehr als bei damaliger Produktion benötigt wurde. Zu dieser Zeit wurde nun auch das Eisenerzgebiet von Kriwoj-Rog wieder in die Förder- und Produktionsplanungen einbezogen. Damit war die Planung für 1943 klar: Ausrichtung einer kompletten lokalen Industrie mit eigener Kohle, eigenem Eisenerz und Mangan, neuen Stromkraftwerken und einer umfangreichen Verarbeitungsindustrie.


    Da Manganerz auch ein bedeutendes Handelsgut und eine begehrtes Devisen- oder Tauschmittel war, wurde die Erkundung von Nikopol weit über den mittelfristigen Eigenbedarf betrieben. Es wurden dutzende Erkundungsbohrungen mit Tausenden Metern Bohrlänge getätigt und umfangreiche Forschungen betrieben. Im Ergebnisbericht wird genannt:
    -7.200.000 to sichere, bereits erschlossene Erzmengen
    -49.000.000 to wahrscheinliche Erzmengen
    -270.000.000 to mögliche Erzmengen


    -Das Ende
    Am 08.02.44 wurden sämtliche Anlagen in Nikopol gesprengt Bis dahin waren insgesamt 1.778.000 to Manganerz gefördert worden und die Tagesleistung hatte zu Hochzeiten die russischen Rekordwerte übertroffen. Insgesamt wurden 660.000 to Manganerz und 475.000 to Konzentrate (dank der neuen Aufbereitungsanlagen) nach Deutschland transportiert. 40.000 to Konzentrate und 229.000 to Roherz mussten beim Rückzug zurückgelassen werden. Dabei muss berücksichtigt werden, daß die Förderung zuletzt bei mehr als 100.000 moto lag und Nikopol seit Oktober ´43 im unmittelbaren Frontbereich lag.


    Speer hielt gg. Hitler schon am 30.09.43 Bericht über die Konsequenzen, die bei einem Verlust von Nikopol zu erwarten waren. Speer bezifferte die zwischenzeitlich im Reich angesammelten Vorräte als ausreichend für die Produktion in bisherigem Umfang für 12 Monate. Bei Einplanung einer schnellstmöglichen technischen Alternativsuche, zumindest in Teilbereichen, ausreichend für ca. 18 Monate.


    Ergänzung zu Kriwoj-Rog: Meldung per 31.12.42
    -347.000 to Eisenerz, überwiegend ins Reich abtransportiert, der Großteil stammt aus erbeuteten Lagern, ein kleinerer Anteil aus der wieder angelaufenen Förderung
    -beschleunigter Ausbau der Förderung für 1943 beschlossen
    -mehrere neue regionale Hochöfen im Bau/Planung


    Gruß

  • Hallo Leute,


    Sonstige Meldungen / Sonstige Werke -Teil 3-


    -Bericht der Sicherungsdivision 444 an den Befehlshaber Rückwärtiges Heeresgebiet Süd über die Ernährungslage im Donezbecken vom 14.10.41. "Der Berichterstatter hält die wenigstens notdürftige Sicherung der Ernährung für die Zivilbevölkerung im Industriegebiet des Donezbeckens während des Winters 1941/42 für geboten, um eine Gefährdung der Sicherheitslage durch Hungerrevolten zu vermeiden."


    -Bericht des Sonderbeauftragten für den Bergbau bei der Wirtschaftsinspektion Süd über die angespannte Ernährungslage im Donezgebiet, undatiert (Dezember 1941)
    Die einheimischen Bergarbeiter wandern wegen der schlechten Ernährungslage im Bergbau in die Landwirtschaft ab.


    -Schreiben der Bezirksinspektion Donez, Chefgruppe Donezkohlenbergbau, an den Wirtschaftsstab Ost über die Sicherstellung des Arbeitskräftebedarfs im Steinkohlenbergbau vom 19.6.1942 (Auszug)
    Zur Erfüllung des Kohlenförderprogramms im Donezbergbau werden 105.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigt. Etwa die Hälfte dieses Arbeitskräftebedarfes soll durch Kriegsgefangene gedeckt werden.


    -Einführende Ausführungen von Generalmajor Hans Nagel zu einer Kommandeur-Haupttagung der Wirtschaftsinspektion Don-Donez am 10.11.1942 (Auszüge aus einer schriftlichen Wiedergabe über die Ernährung der Bergarbeiter)
    Die Wirtschaftsinspektion lehnt die von der Bergbauverwaltung geforderte Erhöhung der Verpflegungssätze für Bergarbeiter im Donezbergbau ab und hat stattdessen ein Ernährungs-Überwachungs-Kommando eingesetzt, das die vollständige Zuführung der geltenden Verpflegungssätze laufend überprüfen soll.


    -Bericht der Berg- und Hüttenwerksgesellschaft Ost, Abteilung Donezkohle, für November 1942 (Auszug über die Schwierigkeiten, den Zechen Bergleute zuzuführen)
    Die Arbeitsämter sind zu schwach besetzt, um Bergleute, die in die ländliche Umgebung abgewandert sind, auf die Zechen zurückzuführen.


    Gruß

  • Hallo Leute,


    SONSTIGE MELDUNGEN / SONSTIGE WERKE -TEIL 4-


    Quelle: Bundesarchiv RW 30/105 ff.


    Berichte über


    -Errichtung eines Sägewerkes in Dnjepr 4.Qu/42
    -Fertigung von Panjewagen in Kamenskoje, Pawlograd und Kriwoj Rog (vom Typ Fuhrmann II) 4. Qu/42
    -Lieferung von Turbinen an das Kraftwerk Dnjepr 1.Qu/43
    -Kohlemangel in den Kraftwerken Dnjepropetromsk, Dnjepr und Kres 1. Qu/43
    -Aktiengesellschaft Siegener eröffnet neue Werke in D´sk und Dnjepr 1. Qu/43
    -Fertigstellung der Mitteleisenstraße im Werk Petrowski 1. Qu/43
    -Bericht über den Befehl zum Abbau des Stickstoffwerkes Kamenskoj 4. Qu/43


    Berichte aus der Aussenstelle 1 (Nikolajew) bis 30.06.42
    -Verhandlungen mit der Südwerft Nikolajew über die Herstellung von Spiralbohrern
    -Errichtung einer Reparaturwerkstätte für Waffen und Gerät
    -Herstellung von Rosten und Gusstücken zum Bau von Kesselanlagen sowie dem Mühlenbetrieb
    -Herstellung von ua. Äxten, Nägeln und Panjewagen in Selintern und Dormaschina


    Berichte aus Kiew (chronologisch geordnet)
    -Lieferung von Grieskohle an das Elektrizitätswerk Dnjeprope
    -Abtransport von erbeutetem Gummi aus Darnzia nach Italien
    -Aufträge für Holzverarbeitungsfabriken in Kiew (ua. für Sperrholzzelte und Pferdehütten)
    -Bau von Panjewagen in der Maschinenfabrik Franko
    -Erkundung der Insel Truchanow (Ruß, Kunstgummi, Talkum)
    -Lieferung von Eisenteilen für die Produktion des Pleskauwagens
    -umfangreiche Wehrmachtsaufträge an örtliche Textilbetriebe
    -zahlreiche Metallverarbeitende Betriebe ua. Produktion von Flussschiffen und Holzgasgeneratoren, genannter Betrieb: Hafen- und Motorenwerk USMA, Kiew
    -zahlreiche Betriebe der Spinnstoff- und Lederverarbeitung
    -Bericht über Verteilung von Werksschrebergärten und Einrichtung von Werkskindergärten


    Berichte aus Krementschug
    -Sägewerk und Möbelfabrik wieder in Betrieb
    -sonstige Industrie produziert ua. Entlausungsöfen und Lederprodukte


    Berichte aus Shitomir
    -Sperrholzfabrik Darnitza besichtigt, versenkte Flussdampfer werden geborgen und instandgesetzt, Firma Fuhrmann nimmt Produktion auf, Produktion von Geschirr und Kolophonium aus der Harzfabrik in Korosten


    Gruß

  • Hallo Leute,


    SONSTIGE MELDUNGEN / SONSTIGE WERKE -TEIL 5-


    -Errichtung einer Transformatorenstation zur Instandsetzung des Braunkohlebergwerkes Kamenz (Anfang ´42)
    -Erkundung der Pulverfabrik Schostka (Ende ´41)


    Berichte aus dem Wirtschafts- und Rüstungskommando Luzk


    -diverse Berichte über Fertigung von Holzwaren/Sägewerken etc. in Smyga, Dubno, Werb, Radzillow, Kobryn, Pinsk (Sperrholzfabrik Tobal), Brest-Litowsk, Wagenfabrik Sasslaw


    -Produktionsausfälle in der Großsattlerei Dubno wegen Arbeitskräftemangel
    -Überprüfung der Eisenwerkstatt Brest
    -Lieferung von Maschinen aus Osnabrück zur Fahrzeugfabrik Sasslaw
    -Feuer in der Staatswerft Pinsk
    -Sonstige Werke in Brest: Seilerei, Seifensiederei, Tischlerei und Schlosserei - Fertigung von Spatentaschen und Geschirr, Panjewagenbau


    -Aufbau einer zentralen Landmaschinenproduktion in Proskurow
    Maschinenfabrik Lanz mit einer Grau- und Tempergiesserei und einem Traktorenersatzteilwerk
    Firma Heider und Kamenz mit Schmiedepressen


    Berichte aus dem Wirtschafts- und Rüstungskommando Nikolajew


    -Fabrik in Selintern - Herstellung von Eisenträgern, Bolzen, Spaten, Klauenbeilen, Holzhacken
    -Verladung von Asbest für die Südwerft Nikolajew
    -Fertigung von Feuergeräten und Panjewagen im Werk Leskop
    -Explosionen im Sauerstoffwerk der Nordwerft Nikolajew
    -Besichtigung der Waggonfabrik Krjukow
    -Einbau von Maschinen in der Waggonfabrik Roter Stern
    -Einbau einer Felgenbiegemaschine in der Pflugfabrik Kirowgrad


    Gruß

  • Hallo Karl Grohmann,


    nein, die Quellen sind bei Weitem nicht erschöpft. In Freiburg im Bundesarchiv liegen noch viele Meter Akten über diesen Bereich. Allerdings ist nur sehr wenig digitalisiert und online verfügbar - die Masse muss vorbestellt und dann vor Ort gesichtet werden.


    Da verwirrt mich eher die Auswahl - soll ich da die Unterlagen über das Molybdän-Wolfram Kombinat in Nishne-Baksan (Kaukasus-Elbrus Gebiet), Lageberichte kleinerer Wirtschaftsgebiete, zusammenfassende Meldungen der Wirtschaftsräume oder Lage- und Inspektionsberichte der Wirtschaftsführer bestellen???


    Dann gibt es da noch einen bisher nicht veröffentlichten "Nachlaß Hans-Ulrich Rudel" und das gesamte Filmarchiv der Luftwaffe ist mittlerweile Bestell- und für Könner auch Kopierbar ...


    Also ich werde mir einige Unterlagen bestellen und dann auch Auszugsweise wieder hier veröffenlichten - aber warum "opferst" du niicht auch ein, zwei Tage zur Recherche im schönen Freiburg?



    http://startext.net-build.de:8…id=RW_31_971&searchPos=26


    Gruß

  • Hallo Peiper 2,


    Deine Frage ist berechtigt. Allerdings, ich war schon dort, sowohl in Freiburg, als auch im MGFA.
    Danke für die Übersicht. Natürlich ist vieles sehr interessant, aber wie Du auch schreibst, wo anfangen und wo aufhören.
    Derzeit habe ich wieder jede Menge guten Lesestoff ( Konvolut) bekommen, so dass ich ab und zu sehen muss noch an die Luft zu kommen.


    Gruß Karl


    Falls Löschung erforderlich, weil nicht zum Thema, kein Problem.


    Grüße von Karl

  • Hallo Leute,


    derzeit habe ich mehrere Unterlagen in Bearbeitung und voraussichtlich noch vor Weihnachten einen Termin in einem Archiv - also wird der Thread wieder mit Fakten gefüllt.


    Ein Teil der Archivunterlagen wird detailliert die Technische Brigade Mineralöl umfassen, von welcher ich bisher im Internet trotz langwieriger Suche nicht viel mehr als den nachfolgenden Wiki-Beitrag gefunden haben, der nunmehr als Einleitung dienen soll.


    "Die Technische Brigade Mineralöl (TBM) war eine im Winter 1941/1942 in Templin aufgestellte Spezial-Einheit der Wehrmacht während des Deutsch-Sowjetischen Krieges. Die TBM sollte im Zuge der geplanten Sommeroffensive 1942 an der Ostfront auf dem Südflügel hinter den Angriffsspitzen der Wehrmacht die Ölquellen in Maikop, Grosny und Baku in Besitz nehmen. Danach sollte die Ölförderung wieder in Gang gebracht und die Felder ausgebeutet werden. Nach einer militärischen Grundausbildung und einer Weiterbildung im rumänischen Erdölgebiet von Ploieti wurden die Einheiten der Brigade mit technischem Gerät ausgestattet, welches zum Teil bei französischen Firmen beschlagnahmt wurde, und Richtung Rostow am Don in Marsch gesetzt.


    Zu diesem Zeitpunkt umfasste die Brigade 6500 Mann, ihr Kommandeur war Luftwaffen-General Erich Homburg, Leiter der Fachabteilung war Günther Schlicht. Zu ihrer Ausrüstung gehörten 100 Tiefbohrgeräte, 225 Förderanlagen und zehn transportable Destillationsanlagen mit einem Gesamtgewicht von 80.000 Tonnen und einem Wert von 80 Millionen Reichsmark.


    Als erste wurden am 9. August 1942 die Ölförderfelder rund um Maikop erobert, deren Förderanlagen von der Roten Armee vor ihrem Rückzug jedoch vollständig zerstört worden waren. Die weiteren Ziele, Grosny, Baku und der Irak, konnten während der Offensive, die im Dezember 1942 endgültig abgebrochen wurde, nicht erreicht werden. Während des anschließenden Rückzugs auf die Krim über den Kuban-Brückenkopf ging ein Großteil der technischen Ausrüstung der Brigade, die wenig später aufgelöst wurde, verloren."


    Gruß