Stralsund Marinelazarett

  • Hallo und guten Tag,
    jetzt mal Bilder von einem Gebäude das nicht im klassischem Sinne eine Kaserne ist - es geht um (wie oben zu lesen) das Marinelazarett Stralsund.
    Ich hoffe das das hier auch herein passt.


    Stralsund Marinelazarett,


    Für den Bau war, wie man so schön sagt das Beste gerade genug.
    Das beginnt schon mit der Lage – das Lazarett wurde auf dem was man in Stralsund „Beckers Park“ nannte erbaut. In direkter Lage am Strelasund – besser geht es kaum.
    Auf dem Gelände stand die Lackfabrik des Kommerzierats Becker.
    Die Geschäftsleitung verkaufte das Gelände 1935 an die Marine
    Am 28.Mai 1936 begannen die Bauarbeiten.
    Das Lazarett wurde am 14.Oktober 1938 übergeben und blieb den ganzen Krieg über in Betrieb.
    Nur wenige Wochen nach Kriegsende, am 4.Juni 1945 wurde das Krankenhaus vom russischen Stadtkommandanten der Zivilen Nutzung übergeben.
    Das 4. Stockwerk wurde im August 1954 an die Volkspolizei See übergeben. Später nutzte die Volksmarine diese Etage weiter. Erst mit der Wende ist auch diese Etage der Zivilen Nutzung übergeben.
    Erst hat die Hansestadt Stralsund das Krankenhaus betrieben. Dann wurde das Haus (zusammen mit dem Gelände des so genannten „Krankenhaus West“[ dazu kommt in einem anderen Beitrag noch etwas]) an die „DAMP“ Gruppe verkauft. Diese wiederum hat erst vor wenigen Wochen ihrerseits an „HELIOS“ verkauft.


    Auch das Gebäude (also nicht nur das Baugelände) an sich entsprach den neusten Erkenntnissen und Anforderungen.
    Das Gebäude ist in Blockbausweise/Eisenbeton-Sklett verkleidet mit Oldenburger Klinkern entworfen und umfasst 53000m2.
    Der Entwurf stammt aus der Feder des Berliner Regierungsbaumeisters Alfred Stieler. Der Bau ist leicht gekrümmt und im norden befinden sich 3 Flügel.
    In dem Krankenhaus standen 325 Betten in Ein- bis Sechsbettzimmer zu Verfügung.
    Das Hauptgebäude ist 175 Meter lang.
    Es wurde darauf geachtet das Verwaltung, Wirtschaftsräume, Behandlungsräume und Krankenzimmer von einander getrennt waren.


    Durch die leichte Krümmung des Gebäudes, der Ausrichtung nach Süden und der Tatsache das alle Patienten Zimmer nach Süden zeigten sowie der großen Fensterfronten wurde erreicht das die Zimmer sehr hell waren. Es gab eine art kleinen Balkon vor den Zimmern. (Anmerkung – die Südlange hat aber im Sommer das Problem das es sehr, sehr warm in den Zimmern wird!)
    Auch die Ausstattung der Zimmer war sehr modern. So verfügten die Zimmer über Schwesternrufanlage, Fußbodenbeleuchtung (was immer damit gemeint ist? Vielleicht eine Art Fluchtweg Kenzeichnung?) und auch eine Rundfunkanlage mit Kopfhöreranschluss. Auch die Medizinische Ausstattung war natürlich auf dem neuesten stand der Technik und medizinischen Erkenntnis!
    Die Gesamtleitung unterstand dem Geschwaderarzt Dr. Nadler.
    Ihm zur Seite standen 7 Sanitätsoffiziere, 19 Schwestern, 35 Sanitätssoldaten, 5 Abteilungsärzte, 8 Verwaltungsbeamte und 79 Angestellte (ich weiß aber nicht auf welchen Zeitraum sich diese Angaben beziehen!)


    Die Bauzeit betrug rund 2 Jahre. In dieser Zeit wurden außerdem noch das Torhaus, das Chefarzthaus und die Marinewaschanstalt gebaut. Die Waschanstalt ist erst vor ein paar Jahren abgerissen worden. Heute stehen das ein „ALDI“ Markt und Wohnhäuser. (siehe Luftbild)


    Das Lazarett wurde nicht nur von der Marine sonder auch von anderen Truppenteilen genutzt.


    Noch eine Bemerkung zu den beiden Plastiken an dem Gebäude:
    An der Nordseite, am Mittelflügel befindet sich die Plastik eine Möwe. Der Künstler war der Berliner Gerhard Schliepstein.
    Und an der Westseite, links neben der Haupeinfahrt befindet sich ein Plastik von „Herakles der die Hydra zerschmettert“. Das Werk wurde von dem Berliner Bildhauer Wamper geschaffen


    Ich möchte darauf hinweisen das ich meine Infos aus verschiedenen Beiträgen in Lokalen Zeitungen habe – der Autor ist immer der Stadtarchivar Dr. Andreas Neumerkel. Also alle Zahlen, Daten und Fakten stammen aus Beiträgen von diesem Mann! Und sind nicht von mir rechachirt worden.


    Und nun zu den Bilder:
    000 Luftbild von Google Maps
    001 eine von zwei Plastiken. In diesem Fall ist es die Möwe an der Nordseite
    002 Luftbild mit der gesamt Ansicht der Anlage. Im Hintergrund ist das Geländer der Kasernen Anlage "Schwedenschanze" zusehen.
    003 Die Westseite mit dem Eingangsbereich.
    004 Die Hauptzufahrt heute. Hier ist auch gut die zweite Plastik zusehen.


    Mit freundlichen Grüßen
    Jens

  • Weitere Bilder
    005 weitere Ansicht von Westen aus auf den neuen Besuchereingang
    006-alt die West und die Südseite (ich könnte mir gut vorstellen das das Bild vom Schornstein der Marinewaschanstalt aus gemacht wurde)
    006-neu die West und die Südseite von der Straße aus
    007-alt die Südansicht vom Park aus gesehen.
    007-neu die Südansicht vom Park aus gesehen.


    MfG
    jens

  • Und hier noch ein paar Bilder


    008 - hier mal ein Bild von der Südseite. Man kann (denke ich) gut den kleinen (der ist nur ganz schmal) Balkon erkennen, der sich an der ganzen Südseite entlangzieht erkennen.
    009 - ein Blick aus einem der Zimmer. Man kann den Park erkennen und die Kirchen von Stralsund. Auch sind die Fenster gut zuerkennen - man kann (auch heute noch) die beiden unteren beiden Teile nach oben schieben. So das man auf den Balkon heraus treten kann.
    010- eine Aufnahme der Südseite von Osten (Seeseite) her gesehen. Das ist eine Aufnahme aus DDR Zeiten.


    So und zu Abschluss wieder den Link zu Bing.
    Bing


    Und wieder die Bitte - wenn einer Fehler sieht oder Hinweise & Korrekturen machen kann wäre ich sehr Dankbar!


    So das soll es hier gewesen sein - vielleicht ist ja etwas für den einen oder anderen dabei. Viel Spaß!
    MfG
    Jens

  • Hallo@ all,
    ich habe ein neues Foto für meine kleine Sammlung ersteigern können und möchte es nicht vorenthalten.


    Es zeigt die Südseite des Krankenhauses und einen Boxkampf.
    Laut Rückseite ist es aus dem Jahr 1944.


    001 - Rückseite des Fotos -
    002 - der Boxkampf (auch wenn es nur eine Kleinigkeit ist - man kann toll die dreiteiligen Fenster sehen die zum öffnen nach oben geschoben werden)

    MfG
    Jens

  • Hallo Matrose 1970,


    mein Groß-Onkel Erich Krause ist in diesem Lazarett am 22.05.1945 verstorben. Er ruht auf dem Ehrenhain/ Kriegsgräberstätte des Zentralfriedhofes Stralsund.


    Weißt Du wo die Unterlagen aus dieser Zeit abgeblieben sind? Von der WASt habe ich noch keine Antwort erhalten.


    Beste Grüße!
    Dirk

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Hallo Dirk,
    also es gibt in Stralsund mehre Grabanlagen aus dieser Zeit. Die infrage kommenden habe ich mal auf dem Foto markiert. Ich hoffe das Du das erkennen kannst.
    Die erste Anlage an die ich denken musste waren die beiden Grabfelder auf dem alten St. Jürgen Friedhof. Da gibt es wieder zwei Grabfelder mit kleinen Steinen und dem Namen der Soldaten. Leider habe ich auf den Fotos die ich zu Hause habe den Gesuchten nicht gefunden.
    Und dann gibt es da auf dem neuen Friedhof den Ehrenhain, der im Zusammenhang mit dem, Bombenangriff 1944 angelegt wurde.
    Ich kann Dir aber leider nicht sagen wo die Soldaten beigesetzt worden sind die nach dem 8. Mai 1945 verstorben sind.
    Aber der neue Friedhof ist wohl eher denkbar.


    Mir kommt da aber eine Geschichte in den Sinn die mir ein befreundeter Stadtführer erzählt hat, er hat vor Jahren für einen auswärts lebenden Freund eine Anfrage beim "Eigenbetrieb Städtischer Zentralfriedhof" gestellt. Die Mitarbeiter konnten anhand von Büchern genau sagen wo der oder die gesuchte Person beigesetzt worden ist.
    Das denke ich wäre Dein Ansprechpartner. http://www.stralsund.de/buerge…dtischer_Zentralfriedhof/


    Ob es aus der Zeit vom Marine Lazarett im heutigen Helios Hanseklinikum Stralsund noch Unterlagen gibt...keine Ahnung - aber hier mal für eine mögliche Anfrage die Internetseite.
    http://www.helios-kliniken.de/klinik/stralsund.html


    Und immer eine gute Adresse (aber ich weiß nicht ob man da zum Militär Auskunft bekommt) ist das Stralsunder Stadtarchiv. Vielleicht haben die ja Unterlagen des Krankenhaus übernommen.


    http://stadtarchiv.stralsund.de/


    ich hoffe das ich Dir ein ganz klein wenig helfen konnte



    MfG
    Jens


    Ich hänge mal ein paar Bilder vom Ehrenhain mit ran - so hast du einen ersten Überblick.


    (das Foto mit den kleinen roten Grabsteinen zeigt die Gräber für die Menschen die beim Bombenangriff ums leben gekommen sind, davon gibt es mehrere auf dem Feld)


    Doppelte Verlinkungen herausgenommen, Diana

  • hallo Matrose 1970,


    vielen Dank für die tollen Bilder und Infos! Ich war im September auf dem Ehrenhain und habe meinen Onkel dort gefunden. Dank dem DRK und dem Volksbund!
    Er hat so eine kleine rote Tafel in der Reihe, wie auf dem Foto. Du sprichst von einem Bombenangriff? Das Stadtarchiv Stralsund hat mir seine Sterbeurkunde zugeschickt, darauf steht: Todesursache Herz-Kreislaufschwäche!! Er wurde 26 Jahre alt.


    Meine Familie vermutete immer nur, dass Erich vermisst wird bzw. gefallen sein muss. ich habe in wenigen Tagen sein Schicksal geklärt. Aber jetzt beginnt die eigentliche Suche.... Was hat er getrieben? Wo war er eingesetzt? Gibt es Unterlagen, Dokument, Feldpostbriefe, Bilder usw...? Krankenbuchlager?


    Das Krankenhaus hat angeblich keine Unterlagen mehr aus der Zeit, laut Aussage einer Mitarbeiterin.

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Hallo Dirk,
    schön das Du dann doch schon einiges zusammen getragen hast.


    Aber ein wenig um es Vorsichtig auszudrücken bin ich dann doch was du zu den "kleinen roten Tafeln" schreibst.
    Ich bin bisher immer davon ausgegangen das diese Tafeln nur für die Menschen sind die bei dem Bombenangriff am 06.10.1944 ums leben gekommen sind. So waren bisher immer die Aussagen, egal mit wem man sich unterhalten hat.
    Interessant ist auch das man Soldaten die nach Kriegsende verstorben sind da beigesetzt hat.



    Was die Unterlagen de Krankenhauses angeht, kann es schon sein das die vernichte oder verlegt (Zentralestelle?) worden sind.
    Aber es gibt einen Arzt in Stralsund und Umgebung der sich mit der Aufarbeitung von NS Verbrechen beschäftigt, vielleicht kann er dir ja weiter helfen.


    http://www.ns-eugenik.de/


    MfG
    Jens


    Verlinkung gerichtet, da nachfolgender Text in der url-Adresse eingebettet war, Diana

    Wer hat Infos zur 75. Infanterie-Division - 2.I.R.202 1939 bis 1942 Bilder, Karten usw

  • Hallo,
    na ja, ich danke Dir! Ich habe wieder etwas dazu gelernt!!!
    DANKE!
    MfG
    Jens

    Wer hat Infos zur 75. Infanterie-Division - 2.I.R.202 1939 bis 1942 Bilder, Karten usw

  • Hallo!


    vielleicht sollte ich hier noch ergänzend erwähnen in welcher Einheit er diente und ein paar Daten zusammenfassend hier lassen, falls sich noch andere interessiert zeigen oder Parallelen aufweisen.


    Erich Krause


    * 06.09.1919 in Buslar, Kreis Pyritz, Pommern
    + 22.05.1945 Marine Lazarett Stralsund


    Unteroffizier
    2. Abteilung Artillerie-Regiment 292
    Feldpostnummer: 22605 D
    Das Regiment unterstand nach Aufstellung der 292. Infanterie-Division
    letztes Lebenszeichen: wurde 1945 von Warschau nach Ostpreußen verlegt

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Guten Tag.


    Bilder von Standorten heute, so der Subtitel.
    Stralsund Marinelazarett, der Threadtitel, soweit, so gut.


    Die letzten Posts haben alle nichts mehr mit dem Thema dieses Threads zu tun, ist euch das noch nicht aufgefallen?


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Moin!


    ehrlich gesagt, es ist mir nicht aufgefallen! Ich greife hier nach jedem Strohhalm. Ich bitte um Nachsicht und Unterstützung.


    Vielen Dank!
    Dirk

    Beste Grüße!
    Dirk

  • Hallo Jens,


    Und immer eine gute Adresse (aber ich weiß nicht ob man da zum Militär Auskunft bekommt) ist das Stralsunder Stadtarchiv. Vielleicht haben die ja Unterlagen des Krankenhaus übernommen.


    http://stadtarchiv.stralsund.de/


    ich hoffe das ich Dir ein ganz klein wenig helfen konnte

    ich habe heute aus dem Stadtarchiv Stralsund von Herrn Dr. Neumerkel, im übrigen ein ganz exzellenter Wissenschaftler, die Todesbescheinigung aus der Sterbeakte von Erich Krause erhalten und somit wieder ein kleines Rätsel gelöst.

    Er ist wie auf der Sterbeurkunde verzeichnet an Herz-und Kreislaufschwäche verstorben, allerdings auf Grund eines Steckschusses in seiner linken Schulter.

    Behandelnder Arzt war ein ein Dr, Weinholz.

    Die WASt. Auskunft steht aber immer noch aus.

    Beste Grüße!
    Dirk