Marine-Werdegang meines Großvaters (1. und 2. WK)

  • Heute gabs mal wieder interessante und (ausnahmsweise?) sehr detaillierte Post von der WASt:


    ... Über den militärischen Werdegang Ihres Großvaters konnte folgendes festgestellt werden:


    Name: Lietzow, Hermann
    geb.: 27.02.1899 in Zackenzin/Pommern


    Dienstzeit in der kaiserlichen deutschen Marine: 01.09.1918 bis 15.11.1919


    Kommando, Standort, Dienststellung (soweit vorhanden):
    01.09.1918 - nicht vermerkt: I.Matrosendivision, KIEL
    nicht vermerkt - 15.11.1919: II.Matrosendivision, WILHELMSHAVEN Entlassungsgrund: Demobilmachung


    Diensteintritt in die Kriegsmarine: 20.07.1940


    20.07.1940 - 22.07.1940: 4.Schiffsstammabteilung, WILHELMSHAVEN
    23.07.1940 - 28.07.1940: Stützpunktkompanie Führer der Vorpostenboote im Westraum
    29.07.1940 - 23.10.1940: Vorpostenboot VP 1804/18.Vorpostenflottille -vermutl. BREST/Frankreich- Matrose an Deck
    24.10.1940 - 01.03.194? (Jahr nicht feststellbar): 1./18.Schiffsstammabteilung, BUXTEHUDE; Arbeitsdienst
    02.03.194? (Jahr nicht feststellbar) - 14.04.1942: Ausbildungsstammkompanie LEBA
    15.04.1942 - 13.05.1942: Küstenüberwachungsstelle LABOE
    14.05.1942 - 02.03.1943: Ausbildungsstammkompanie LEBA
    03.03.1943 - 08.09.1943: Küstenüberwachungsstelle SWINEMÜNDE
    09.09.1943 - 04.04.1944: Küstenüberwachungsstelle GOTENHAFEN
    05.04.1944 - 14.02.1945: 21.Schiffsstammabteilung LEBA
    15.02.1944 - 19.02.1945: 2.Marinersatzabteilung WILHELMSHAVEN
    20.02.1945 - 02.04.1945: 6./5. Marineersatzabteilung KAMPEN auf SYLT
    ab 03.04.1945: U-Jagdschulungsstelle BORNHOLM


    Beförderungen:
    01.06.1941: Matrosenhauptgefreiter d.L.
    01.06.1943: Matrosenstabsgefreiter d.L.


    Orden u. Ehrenzeichen:
    Datum nicht vermerkt: Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer


    Der oben genannte befand sich nach der Kapitulation (08.05.1945) in britischer Gefangenschaft. Die Dauer ist nicht vermerkt. Er wurde am 30.07.1945 bei einer britischen Entlassungstelle registriert.


    Abschließend möchten wir noch bemerken, dass Hermann Lietzow nach eigenen Angaben während seiner Dienstzeit bei der kaiserlichen Marine noch beim Hafenschutzboot "Kehrwieder" (Netzsperrverband) sowie auf dem Kreuzer "Berlin" (ohne Zeitangabe) kommandiert war.
    ______________________________


    Dass mein Großvater Soldat in beiden Weltkriegen war, wurde in unserer Familie wohl so nebenbei mal erzählt - aber dass er soviel rumgekommen ist, hätte ich nie geahnt. Leider ist er schon 1979 gestorben, da war ich noch zu jung um Fragen zu stellen und er nach seinen beiden Schlaganfällen zu krank zum erzählen. Immerhin hat er es irgendwie in den ganzen Kriegsjahren geschafft, drei mal zu einer Einheit in der Nähe seiner Heimat am Lebasee in Pommern (und damit in die Nähe von Familie und Hof) kommandiert zu werden.


    Bleiben noch ein paar Fragen: Die Abkürzung "d.L." bei den Dienstgradnennungen bedeutet "der Laufbahn"? Was wurde in der "U-Jagdschulungsstelle Bornholm" ausgebildet? Und war es bei Marineangehörigen üblich, das sie so oft versetzt wurden und teilweise nur einige Tage in den verschiedenen Einheiten verbrachten? Am 01.06.1941 wurde Großvater zum Matrosenhauptgefreiten ernannt. Das heisst dann, das er vorher (in der kaiserlichen Marine) schon Matrosengefreiter und dann Matrosenobergefreiter gewesen ist?


    Die Sachbearbeiterin der WASt hat die persönlichen Unterlagen (Wehrpass, Soldbuch, Stammrolle und Erkennungsmarke(n)) in dem Auskunftschreiben auffälligerweise nicht erwähnt. Mit den detaillierten Angaben kann ich aber davon ausgehen, das diese Unterlagen bei der WASt vorliegen - oder?


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 8 times, last by Johann Heinrich ().

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    Original von Johann Heinrich


    Bleiben noch ein paar Fragen: Die Abkürzung "d.L." bei den Dienstgradnennungen bedeutet "der Laufbahn"?


    Hallo Johann


    Mein Tipp: d.L. der Landmarine


    Quote

    Original von Johann Heinrich
    Die Sachbearbeiterin der WASt hat die persönlichen Unterlagen (Wehrpass, Soldbuch, Stammrolle und Erkennungsmarke(n)) in dem Auskunftschreiben auffälligerweise nicht erwähnt. Mit den detaillierten Angaben kann ich aber davon ausgehen, das diese Unterlagen bei der WASt vorliegen - oder?


    Gruß, J.H.


    Kann auch sein das dieses nicht abgeprüft wurde...Ich schlage vor durchzurufen oder schriftlich anzufragen. Ich würde erstmal ersteres machen. Habe bis jetzt gute Erfahrungen gemacht was telefonische Anfragen angeht.


    Viele Grüße
    Andreas

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

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    Original von 32. Infanterie Division
    Ich schlage vor durchzurufen oder schriftlich anzufragen.
    Viele Grüße
    Andreas


    Hallo Andreas,


    vielen Dank nochmals für die Hilfe! Anfrage ist raus...


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Hallo,


    vielleicht können mir die Marine- und Dokumenten-Cracks bitte noch einmal weiterhelfen:


    Von der WASt kamen am Montag 48 kopierte Seiten mit sämtlichen noch erhaltenen Personalunterlagen der Kaiserlichen- und Kriegsmarine zu meinem o.g. Großvater Hermann Lietzow. Leider konnte ich in den Dokumenten keinerlei Hinweise auf seine Erkennungsmarkennummern finden, danach hatte ich bei der WASt noch einmal extra angefragt. Bei den Unterlagen waren aber Kopien der Stammrollen (1. und 2.WK), die jeweils mit einer fünfstelligen Nummer genannt sind: Die zuerst eingetragene Stammrollennummer lautet 43337 MS und später dann die zweite Stammrolle mit der Nummer 29564 MS - die erste Stammrollennummer wurde dann auf schriftliche Verfügung wegen Doppelerfassung gestrichen.
    Dazu meine Frage: Ist die Stammrollennummer eigentlich identisch mit der Nummer der für die Person vergebenen Erkennungsmarke? Wenn ja, wären dann die Erkennungsmarken genauso (z.B. 43337 MS) gestempelt worden? Leider kenn ich mich mit den EM der Marine nicht so gut aus, es gab da ja wohl auch sehr viele verschlüsselte Marken?!


    Was ich ja auch überhaupt nicht erwartet hatte: Bei den Dokumenten war eine "Abstammungs-Erklärung" von 1937 enthalten, in der Großvater die arische Abstammung von sich selbst und seiner Familie schriftlich erklären mußte. Sogar ein "Auszug aus dem Strafregister" und Führungszeugnis anl. der Einberufung zur Kriegsmarine war dabei.


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 4 times, last by Johann Heinrich ().

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    Original von Johann Heinrich

    Bei den Unterlagen waren aber Kopien der Stammrollen (1. und 2.WK), die jeweils mit einer fünfstelligen Nummer genannt sind: Die zuerst eingetragene Stammrollennummer lautet 43337 MS und später dann die zweite Stammrolle mit der Nummer 29564 MS - die erste Stammrollennummer wurde dann auf schriftliche Verfügung wegen Doppelerfassung gestrichen.
    Dazu meine Frage: Ist die Stammrollennummer eigentlich identisch mit der Nummer der für die Person vergebenen Erkennungsmarke? Wenn ja, wären dann die Erkennungsmarken genauso (z.B. 43337 MS) gestempelt worden?
    Gruß, J.H.


    Hallo, die erste Stammrollennummer wurde gestrichen da besagte Person beim zweiten Dienstantritt bzw. Mobilisierung eine neue Stammrollennummer bekam. (Bei der Kriegsmarine kann man in der Tat von Stammrollennummer sprechen, bei allen anderen Waffengattungen wäre der Begriff bezügl. Erkennungsmarken irreführend)


    Die Erkennungsmarke bei seinem zweiten Dienstantritt 20.7.1940 sah wenn die Vorschriften eingehalten wurden (was bei der Kriegsmarine die Regel war) für den Dienstantritt 1940 wie folgt aus:


    Hermann Litzow


    N 29564 MS


    möglicherweise auch


    Hermann Litzow


    29564 MS


    29564 ist die (Marine)stammrollennummer unter der Hermann Litzow im Jahrgang erfasst wurde. Das Einstellungsjahr wurde in diesem Fall soweit ich das weiss ausnahmsweise nicht gestempelt und würde dieser Nummer mit einem / normalerweise folgen. Das MS ist ein Ausbildungskennzeichen und steht höchstwahrscheinlich für Mobilisiert für den Seemännischen Dienst. Die Erkennungsmarke war wahrscheinlich aus Aluminium und eloxiert um diese vor Einflüssen wie Salzwasser zu schützen. Sie war kleiner (50 x 33 mm) als die Erkennungsmarken der anderen Waffengattungen.


    Ich habe dir zu einigen Zeitabschnitten was rausgesucht:


    Dienstantritt bei


    4.Schiffsstammabteilung, WILHELMSHAVEN


    4. Schiffsstammabteilung (4.S.St.A.)
    Durch Teilung der 2.S.St.A. zum 1.4.1938 in Wilhelmshaven aufgestellt. Zum 1.1.1944 wurde die Abteilung in 4. Marine-Ersatzabteilung umbenannt.


    Abteilungskommandeur:
    02.05.1938 - 21.06.1942 KKapt.(Ing.)/FKapt.(Ing.) Kersten (Hans)
    30.06.1942 - 18.10.1942 Kapt.z.S. Schröder (Willy)
    19.10.1942 - 31.03.1943 KKapt.(Ing.) Muth (Wilhelm)
    01.04.1943 - 28.09.1943 FKapt. Frey (Richard)
    27.09.1943 - 31.12.1943 KKapt.M.A. Rost (Richard)


    23.07.1940 - 28.07.1940: Stützpunktkompanie Führer der Vorpostenboote im Westraum


    Führer der Vorpostenverbände West (F.d.V.West)
    Am 6.9.1939 wurde die Dienststelle Führer der Vorpostenverbände West (F.d.V.West) aufgestellt. Unter dem B.S.N. übernahm der F.d.V.West die Führung der Vorpostenflottillen in der Nordsee. Im Juli 1940 verlegte er
    von Wesermünde nach Trouville, wo er einsatzmäßig zunächst dem mit der Sicherung im Westraum beauftragten Flottenchef, ab Oktober 1940 dem B.S.W. unterstellt wurde. Mit der Neuordnung der Befehlsverhältnisse der Sicherungsstreitkräfte im Westraum wurde die Dienststelle des F.d.V.West zum 17.2.1941 aufgelöst.


    Führer der Vorpostenverbände West (F.d.V.West):
    06.09.1939 - 15.10.1939 Kapt.z.S. Kähler (Otto)
    28.09.1939 - 15.10.1939 KAdm. Wolfram (Eberhard), m.d.V.b.
    16.10.1939 - 05.04.1940 KAdm. Wolfram (Eberhard)
    06.04.1940 - 16.02.1941 Kapt.z.S. Schiller (Heinz)
    1. Admiralstabsoffizier:
    00.10.1939 - 16.02.1941 KKapt./ FKapt. Petri (Woldemar)
    Verbandsingenieur:
    06.09.1939 - 16.02.1941 KKapt. (Ing.) Jöns (Johannes)



    29.07.1940 - 23.10.1940: Vorpostenboot VP 1804/18.Vorpostenflottille - Matrose an Deck


    18. Vorpostenflottille


    Aufgestellt aus der 18. Vorpostengruppe zum 28.7.1940. Im Sommer 1945 aufgelöst.


    Flottillenchef:
    28.07.1940 - 02.10.1940 Kaptlt. Wolters (Karl), m.W.d.G.b.
    03.10.1940 - 25.04.1941 KKapt. v. Jagow (Dietrich)
    02.05.1941 - 30.10.1941 KKapt. Boit (Albrecht)
    26.07.1941 - 02.08.1941 KKapt. Kramer (August) i.V.
    30.10.1941 - 01.11.1942 KKapt. Wolters (Karl)
    01.11.1942 - 28.01.1945 KKapt. Boit (Albrecht)
    29.01.1945 - 00.06.1945 KKapt. Albrand (Karl Wolf)


    24.10.1940 - 01.03.194? (Jahr nicht feststellbar): 1./18.Schiffsstammabteilung, BUXTEHUDE; Arbeitsdienst


    18. Schiffsstammabteilung (18.S.St.A.)


    Mit Standort in Buxtehude wurde zum 1.10.1940 die 18.S.St.A. aufgestellt. Sie verlegte im Mai 1943 nach Husum, am 16.12.1943 weiter nach Belfort/Frankreich, wo sie in das 6.S.St.R. eingegliedert wurde. Im
    Dezember 1944 wurde die Abteilung vom Heer als Sicherungsbataillon Külken übernommen.


    Abteilungskommandeur:
    01.10.1940 - 23.03.1943 Kapt.z.S.(Ing.) Peters (Max)
    24.03.1943 - 31.12.1943 Kapt.z.s.(Ing.) Meincke (Richard)
    00.12.1943 - 00.06.1944 Kapt.z.S. Schulz-Carstensen (Nicolai)
    06.09.1944 - 00.12.1944 KKapt. Külken (Walter)

    02.03.194? (Jahr nicht feststellbar) - 14.04.1942: Ausbildungsstammkompanie LEBA


    Es wird eine Ausbildungsstammkompanie in Leba Pommern gewesen sein ...siehe nachfolgend 05.04.1944 - 14.02.1945: 21.Schiffsstammabteilung LEBA



    15.04.1942 - 13.05.1942: Küstenüberwachungsstelle LABOE


    14.05.1942 - 02.03.1943: Ausbildungsstammkompanie LEBA


    03.03.1943 - 08.09.1943: Küstenüberwachungsstelle SWINEMÜNDE


    09.09.1943 - 04.04.1944: Küstenüberwachungsstelle GOTENHAFEN


    05.04.1944 - 14.02.1945: 21.Schiffsstammabteilung LEBA


    21. Schiffs-Stamm-Abteilung (21. SStA)


    * 1.1.1944 in Leba/Pommern aus der dort. Ausbildungs-Stamm-Kompanie; Oktober 1944 nach Kopenhagen verlegt (4 Kompanie).


    Unterstellung:


    2. Admiral der Ostsee, 5. Schiffs-Stamm-Regiment


    15.02.1944 - 19.02.1945: 2.Marinersatzabteilung WILHELMSHAVEN


    2. Ersatz-Marine-Artiiierie-Abteilung


    * 26.8.1939 in Wilhelmshaven, März 1941 Varelbusch, Oktober 1941 Zeven, September 1943 in Esens,
    wird 1.1.1944 10. Marine-Ersatz-Abteilung


    Unterstellung:


    Küstenbefehlshaber Ostfriesland, 1941 Küstenbefehlshaber Deutsche Bucht



    20.02.1945 - 02.04.1945: 6./5. Marineersatzabteilung KAMPEN auf SYLT


    6. Marine-Ersatz-Abteilung (6. MEA)


    * 1.1.1944 in Hörnum/Sylt.


    Unterstellung:


    2. Admiral der Nordsee, 2. später 4. Marine-Ersatz-Regiment


    ab 03.04.1945: U-Jagdschulungsstelle BORNHOLM


    Beste Grüße


    Andreas

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

  • d.L. könnte für "der Landwehr" stehen. Allerdings wurde die Landwehr 1918 abgeschafft.

  • Quote

    Original von G.K.
    d.L. könnte für "der Landwehr" stehen. Allerdings wurde die Landwehr 1918 abgeschafft.


    Hallo G.K in meiner Antwort siehe oben hatte ich bereits geschrieben:


    Hallo Johann


    Mein Tipp: d.L. der Landmarine



    MfG
    Andreas

    Immer auf der Suche nach Daten, Bildern und Material über die 32. Infanterie Division, sowie über Straf,- und Bewährungseinheiten.

  • Quote

    Original von G.K.
    d.L. könnte für "der Landwehr" stehen. Allerdings wurde die Landwehr 1918 abgeschafft.


    Hallo G.K.,


    bist Du sicher, das die Landwehr 1918 abgeschafft wurde? Mir liegt aus den oben genannten Unterlagen u.a. auch eine Kopie des Wehrstammbuchs meines Großvaters vor, in dem auf Seite 22 seine Überführung in die Landwehr I (römisch 1) am 23.3.1937 durch das Wehrmeldeamt Lauenburg i. Pommern (mit Dienstsiegel) eingetragen ist?


    http://img85.imageshack.us/my.php?image=3862003fq6.jpg[/IMG]


    Gruß, J.H.


    andreas : Vielen Dank für die umfangreiche Hilfe. Bin schon mittendrin am auswerten - Danke!

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited 3 times, last by Johann Heinrich ().