Adolf Hitler Kaserne (Hardt Kaserne) Schwäbisch Gmünd

  • Hallo zusammen,


    dies ist mein erster Beitrag hier im Forum. In diesem Thema geht es um die 1937 errichtete Adolf Hitler Kaserne (später bekannter als Hardt Kaserne) auf dem Hardt in Schwäbisch Gmünd (Ostalbkreis/Baden-Württemberg, ca. 50 km östlich von Stuttgart). Schwäbisch Gmünd war von 1913-1991 Garnisonsstadt. Mir sind die historischen Details dieser Kaserne (inbesondere 2. Weltkrieg) nicht komplett bekannt.



    Ein historischer Überblick zu der Kaserne:


    1937 - Die Kaserne wird auf dem Hardt (Oberbettringer Strasse) errichtet.
    1939/1940 - Bezug der Kaserne durch das Bau-Ersatz-Bataillon 5
    1940-1945 - Nutzung unbekannt, zum Kriegsende hin waren hier französische Kriegsgefangene untergebracht (Quelle)
    1945-1948 - Für Unterbringung von Flüchtlingen genutzt (Quelle)
    1951-1991 - Nutzung durch US-Streitkräfte div. Einheiten u.a. 56th Field Artillery Brigade (später Pershing II Stützpunkt)
    1990/1991 - Rückgabe an die Bundesrepublik Deutschland
    1991-2004 - Teilweise Nutzung der Mannschaftsunterkünfte als Asylbewerberunterkünfte (Gebäude 405/406), Gebäude 403/404 saniert (Landratsamt bzw. LEL - Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume)
    2004-Heute - Übernahme des Geländes durch die Stadt Schwäbisch Gmünd Abriss des Gebäudes 405 und der Sporthalle, zukünftig teilweise Überbauung ("Junges Wohnen - ehemalige Hardt Kaserne), Nutzung des ehemaligen T-Bereichs durch den städtischen Bauhof ("PDF Junges Wohnen- ehemalige Hardt Kaserne")


    Überblick zur Lage der Kaserne in Schwäbisch Gmünd (Bing Maps):


    1. Hardt Kaserne
    2. Bismarck Kaserne (in eigenen Thema abgehandelt)


    Luftbild der Kaserne (Bing Maps):


    1. Stabsgebäude (Gebäude 407)
    2. Mannschaftsunterkunft (Gebäude 403 - heute Landwirtschaftszentrum)
    3. Mannschaftsunterkunft (Gebäude 404 - Landratsamt)
    4. Mannschaftsunterkunft (Gebäude 406 - Asylbewerberunterkunft - noch in Nutzung - künftig warscheinlicher Abriss)
    5. Mannschaftsunterkunft (Gebäude 405 - ehemalige Asylbewerberunterkunft - Abriss 2005)
    6. Sporthalle (Abriss 2005)
    7. Ehemaliger T-Bereich (heutige Nutzung durch städtischen Bauhof, künftig Verkleinerung für Überbauung)


    Bilder der Kaserne (2002)


    Bild 1 zeigt die Hauptzufahrt zur Kaserne mit Stabsgebäude (Gebäude 407) in der Bildmitte. Die ehemalige Wache lag auch in diesem Bereich.


    Bild 2 zeigt einen Teil von Gebäude 406 und Gebäude 405 (damals noch vorhanden) die zu diesem Zeitpunkt als Asylbewerberunterkünfte verwendet wurden. Mittig im Bild hinten befindet sich die Sporthalle (auch inzwischen abgerissen) und ganz rechts Gebäude 404 (Sanierungszustand 2002).


    Bild 3 zeigt eine nähere Perspektive der Gebäude 406 und 405.


    Quellen: Bing Maps (Karten/Luftbild), US Army Germany (Nutzung der Kaserne nach 1945), Stadt Schwäbisch Gmünd (Bebauungsinformation)


    Weitere Bilder folgen unten.

  • Hallo Reinhard,


    danke schön, ich freue mich etwas beitragen zu können. Danke für den Link. Gerhard, er meint: Korrigierter Link
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    Weitere Bildinformationen sind in den Bilddateinamen enthalten.


    Gruß,


    Toni

  • Hallo Tonis,
    danke für die Bilder.
    Wie ich gestern erfahren habe werden gerade die restlichen Unterkunftsgebäude abgerissen bzw. ein letztes Gebäude steht noch bereits entkernt und soll in der zweiten Woche des neuen Jahres vollständig "recyclet" werden... ;-(
    Leider hat die Stadtverwaltung dem Ansinnen einiger Engagierter, in einem gut erhaltenen Gebäude ein Museum zur Garnisonsgeschichte Gmünds einzurichten, letztlich doch nicht entsprochen. Und dieses Gebäude wurde auch gleich als erstes abgerissen... Schade.


    Wieder ein Stück Heimatgeschichte der jüngeren Zeit verloren gegangen.


    Und wer weiß vor Ort noch, das gerade in diesem Haus Truppenteile der 25. Inf.-Div. einquartiert waren, die dann in Rußland kurz vor Moskau kamen. Zurück kamen von den tausenden Landsern nur 6, alle schwer verwundet.
    Und schon über 1oo Jahre vorher passierte vergleichbares, als aus Gmünd Truppen der damaligen 25. Inf.-Div. lagen,die als Verbündete Napoleons ebenfalls bis kurz vor Moskau kamen und ebenfalls kamen von den tausenden nur ein paar Soldaten zurück, die man -nicht nur sprichwörtlich gesehen- an einer Hand abzählen konnte...


    Dies als eine Art "Roten Faden", dazu die vielen noch erhalten gewesenen baulichen Details und die durchaus interessante Geschichte der letzten Jahrzehnte in Gmünd, damit hätte man sicherlich ein interessantes kleines Museum der Gmünder Garnisonsgeschichte machen können. Aktive gab es ja. Aber wenn der Gebäudeeigner nicht mitmacht..


    Schade drum.


    Meint MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo zusammen,


    ich darf hier vielleicht ein paar unwesentliche Ergänzungen hinzufügen:


    Auf Bild 2, am unteren Bildrand links, etwas außerhalb, ein kleineres, einzelnes Gebäude müsste das Offizierscasino gewesen sein, später NCO - Club.
    Nach Einzug der Amerikaner war am Ende der "Oberbettringe Straße", L 1161, heute "In der Vorstadt", Richtung Oberbettringen der T - Bereich mit Abstellmöglichkeiten, insbes. Schadfahrzeuge, entlang der Straße erweitert und später wieder aufgegeben worden.


    In gleicher Richtung (Oberbettringen), aber etwa 200 m weiter, war auf der linken Seite, ca. 50 m von der Straße abgesetzt durch die US - Army ein größeres eingezäuntes Gelände zur Abstellung von Fahrzeugen zur Aussonderung, bzw. eingemottete Fahrzeuge, gestanden. Dahinter befand sich ein sehr kleines Wiesengrundstück, das auch als Übungsgelände genutzt worden war.


    Nicht zu vergessen ist der kleine Flugplatz bei Mutlangen mit dem Übungsgelände "Mutlanger Heide", lange zuvor von den Deutschen genutzt, auf dem später die Pershing - Silos errichtet worden sind.


    Hinzu kommen eine erhebliche Anzahl von einfachen, mit Erde und Niedrigbewuchs überdeckten Munitionsbunkern mit großen Eisentoren, die eine Einfahrt mit Lkw gestatteten, diesich in dem Waldstück hinter dem "Lindenfeld" , befinden.
    Auf dem Feld davor befindet sich auch die Lindenfeldsiedlung, oberhalb Unterbettringen.
    Ob diese schon von der Wehrmacht benutzt wurden, weiß ich allerdings nicht. Heute sind diese unbenutzt.


    Ferner gab es seit August 1928 einen ersten Gleitflug auf dem Hornberg bei Degenfeld, der zunächst nur mit Gleitern, z. B. dem SG 38 und dem Doppelsitzer Goevier, Gö 5 usw. von der DFS, später NSFK ersatzlos übernommen worden war. ( 28. Mai 1937).
    Mit Kriegsbeginn wurde der Flugbetrieb eingestellt, aber ab 1941 ein Sonderlehrgang für Lastenseglerpiloten eingerichtet.
    Dort und auf dem Fluggeländer bei der Teck war der Terra - Film "Himmelhunde" produzier worden.
    Luftwaffenkommando IX errichtete dann auf dem Hornberg eine Außenstelle zur Erprobung für die Horten Nurflügelflugzeuge.
    Bau von Tragflächen für die He 162 durch das NSFK.
    16. April 45 Teilzerstörung durch US Jäger ( Ich vermute Jabo) ,, dabei leider vor allem ein Bauernhof in der Nähe getroffen ( Tote und Verwundete).
    28.April 1951 beginnt Wiederaufnahme Segelflug. ( In der Flugzeughalle hängt heute noch ein Gleiter).
    Auf dem Hornberg stand und steht neben dem Berggasthof oberhalb das Knörzerhaus (Gaststätte), das Major Knörzer von den Pionieren der Reichswehr aus Schwäbisch Gmünd dort hat errichten lassen. Leider ist das große Bild des Erbauers, Knörzer, vor Jahren von den neuen Besitzern oder Betreibern abgehängt worden.


    Dann gibt es bei Schwäbisch Gmünd den Schießtalsee, heute Bud Spencer Bad, der von de Pionieren als Übungsplattz aufgestaut worden war.
    Quellen: Eigene Wahrnehmungen, Zeitzeugen, Segelfliegerpiloten, div. Zeitungsartikel, Gerd Zipper:" Der Hornberg", geschädigte Landwirte usw..
    https://www.deutsche-digitale-…FEY3PCIYSY7R6PC6JEDYQ6QXU


    http://www.oocities.org/~orion…major2/KNOERZER_HANS.html


    Hoffe das Thema nicht zur sehr strapaziert zu haben.


    Gruß Karl


    Zusatzbemerkung: Ich glaube mich zu erinnern, dass wir das Thema schon mal hatten, finde die vielen Beiträge aber nicht !!!

  • Hallo Karl,


    Danke für die Anmerkungen. Da war für mich auch neues dabei ( das mit dem heutigen Bad Spencer Bad etwa.. ) .
    Die ECM ( earth coverd manuals = erdbedeckte Lagergebäude ) sind erst zur US-Zeit erbaut worden.


    Mit freundlichen Grüßen
    und einen guten Rutsch und ein gutes, gesundes und friedvolles neues Jahr wünschend


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Leider wurde jetzt wieder ein Kasernengebäude abgerissen, es soll eine Wohn-Neubebauung erfolgen, es ist aber noch nicht mal klar ob ein Investor gewonnen werden kann. Von den ehemals 5 Gebäuden stehen jetzt noch 2, dauerhaft durch das Landratsamt genutzt und dadurch vor Abriss geschützt. Eines dieser Gebäude wurde in den Originalzustand zurück-renoviert und sieht elegant aus, ich will später mal ein Foto posten.
    Das jetzt abgerissene Gebäude wurde irgendwann mal komplett grün angestrichen, die Natursteinelemente sind überstrichen und kommen deshalb nicht zur Geltung. Alle Fenster sind mit Muschelkalkkonsolen eingefasst, auch der Sockel und die Ecksteine sind aus Muschelkalk. Die Wand im Erdgeschoss ist ca. 55 cm dick und besteht schon aus Lochziegeln, also eine gute Wärmedämmung für diese Zeit. Die Decken sind aus Stahlbetonträgern mit dazwischen eingelegten Betonsteinen. Der Keller ist massiv, trotz Bagger und Ziegelschutt ist er nicht eingebrochen.
    Die Muschelkalkonsolen der Fenstereinfassungen werden einfach vernichtet, ein Jammer. Ich habe mir 14 Stück aus dem Schutt geholt und mache mir damit eine Luxus-Beeteinfassung. So eine Konsole aus Muschelkalk kostet grob geschätzt neu ca. 35 Euro aufwärts. Bei ca.150 Fenstern mit je 4 Konsolen alleine dadurch eine Wertvernichtung von ca. 21.000 Euro.

  • Hallo "Hardtkaserne",


    nette Überraschung - schön, das Du Dich hier angemeldet hast (:-) ) und die traurig stimmenden Bilder eingestellt hast.
    Es waren übrigens zwei Gebäude aktuell vom Abriß betroffen. Auf den ersten Bild links davon stand quer und siomit parallel zur Oberbettringer Straße ein zweites Mannschafts- bzw. Stabsgebäude... ( Die Häuser 406 und 407 ) .


    Beim ersten Bild war ich rund eine viertel Stunde vor Dir am gleichen Foto-Standort..
    ..und habe mir danach noch die ehemaligen KFZ-Hallen auf dem Nachbargrundstück angeschaut, die dort vom DRK und dem städtischen Bauhof genutzt werden. Darunter noch zwei KFZ-Hallen aus der Wehrmachtszeit ( Variante "Beheizt" ). Im Abschnitt der vom DRK genutzten Halle ist sogar noch das ursprüngliche Kopfsteinpflaster vor der Halle vorhanden.


    Über gelegentlich weitere Bild-Berichte vom Abriß oder den Resten der alten Anlage würde sicherlich nicht nur ich mich freuen. Danke im Voraus.


    Mit freundlichen Grüßen


    MunaLisa
    ( gerade über die Pershing-Zeit der Gmünder Truppe recherchierend.. )

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Ein letzter, vorsichtiger Blick in den Keller des abgerissenen Gebäudes. Ein paar Schilder mit Essensausgabezeiten (zuletzt war es eine Asylbewerberunterkunft) fanden sich , aber auch eine Tür, die mit "Small Arms" beschriftet ist, das war die Waffenkammer der US-Army, die hier bis Anfang der 90er stationiert war.
    Interessant ist, dass die Kellerdecke trotz des Schuttberges plus Bagger darauf keinerlei Risse hat. Die Zwischenwände sind auch recht dick. Ein richtiger Bunker war der Keller wohl nicht, er ragt ca. 50 cm aus dem Erdreich heraus und hat Kellerfenster. Aber eventuell war die Decke verstärkt um den Keller als eine Art provisorischen Behelfs-Schutzkeller zu nutzen - dazu taugt er , das über ihm abgerissene Gebäude plus Bagger hält er locker aus. Bild 1 zeigt den Kellerzugang an der Südseite des Gebäudes, im Hintergrund links das renovierte Gebäude, das vom Land genutzt wird (LEL= Landesanstalt für Entwicklung der Landwirtschaft und der ländlichen Räume ).
    [IMG:https://abload.de/img/wp_20170412_16_10_08_4yuzi.jpg]
    [IMG:https://abload.de/img/wp_20170412_16_07_18_ehu1q.jpg]
    [IMG:https://abload.de/img/wp_20170412_16_04_35_bhuz6.jpg]

  • Guten Abend "Hardtkaserne",


    Anrede und Gruß, unbekannte Welt?
    Schonmal die Regeln des Forums konsultiert? ;)


    Zudem wäre es fein, die Bilder übers Forum hochzuladen, haben wir doch so alle länger etwas davon.


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Hallo Hardtkaserne,


    interessante "Einblicke" in die unterste Etage des Unterkunftsgebäudes.


    Übrigens ist das mit dem Bagger auf dem Schuttberg´le und der Statik des Gebäudes jetzt nichts soo besonderes.


    Allen ein frohes Osterfest wünscht


    MunaLisa

    An Informationen zur Heeres-Neben-Muna Kupfer, Muna Siegelsbach, Muna Urlau, Muna Ulm und zur Aggregat 4 - speziell Logistik für den Verschuß und den Eisenbahntransport- interessiert.

  • Hallo,


    nun könnte man sich wundern, warum auf dem vorstehend abgebildeten Schild "Kleine Waffen - Munition Lager" in deutscher Sprache aufgemalt ist, wenn man aber weiß, dass eine ganz erhebliche Zahl deutscher Hilfskräfte in der Kaserne beschäftigt war, dann ist das verständlich.


    Gruß Karl