Polizeifliegerei

  • Hallo zusammen,


    ich bin auf ein interessantes Thema gestossen, zu dem ich bisher noch nie etwas gelesen habe und möchte Euch das Fernschreiben nicht vorenthalten.


    Prag Burg Nr. 56 Prag, 26. Juli 1942
    Der Chef der Ordnungspolizei



    Fernschreiben an alle Dienststellen


    Ich verbiete ab sofort die Bezeichnung Polizeifliegerei und alle damit zusammenhängenden Ausdrücke.


    Die Äremelstreifen der in der Polizeifliegerei tätigen Offiziere und Männer sind sofort abzulegen.


    Die gesamte Polizeifliegerei wird auf Befehl des Reichsmarschalls Göring in die Luftwaffe überführt.


    gez. Daluege



    Wer weiß etwas über diese Polizeifliegerei?
    Auftrag, Ausstattung, Standorte etc.?
    Existieren Bilder oder Zeichnungen des Ärmelstreifens an der Uniform?
    Was könnte der Hintergrund dafür sein, dass Daluege so barsch reagiert (... verbiete ab sofort die Bezeichnung Polizeifliegerei u. alle damit zusammenhängenden Ausdrücke)?


    Wieso konnte eigentlich Göring die Überführung von Polizisten in die Luftwaffe befehlen, obwohl dies Himmlers Zuständigkeit berührte?


    Also Fragen über Fragen und ich hoffe, dass es Forum-Mitglieder gibt (z.B. unsere Luftwaffe-Expereten) die ein wenig Licht in die bei mir zu diesem Thema vorhandene Dunkelheit bringen können.


    Herzliche Grüße und Dank im Voraus


    Dieter

  • Hallo,


    Göring sagte sinngemäß: Alles, was fliegt, untersteht mir...


    daher gab es keine Heeres- oder Marinefliegerkräfte...


    Grüsse
    Fred

    Halle/Saale: Heeres- und Luftnachrichtenschule // Siebel Flugzeugwerke

  • Morjen,
    Polizeiflieger gab es schon vor dem Krieg. Die flogen u.a. auch die Bf 109 mit Polizeikennung in der Grenzüberwachung (da gab es mal ein Buch über das Thema). Zur Partisanenbekämpfung wurde sogar der Storch heran gezogen, mit Abwurfeinrichtung für 50kg Bomben. Die Uniform war die entsprechende Polizeiuniform mit einem Ärmelband ähnlich dem der mot. Gendarmerie u.a.
    Die Ausbildung der Polizeiflieger erfolgte auf Luftwaffenschulen.


    Eines übersah der Dicke allerdings: Es gab auch Zoll-Flieger, kamen an der Ostfront zum Einsatz und auf die hatte er keinen Einfluß obwohl deren Ausbildung teilweise durch die Luftwaffe durchgeführt wurde.
    Möglicherweise waren ihm aber die beiden Fi 156 und die beiden Piloten nebst den Bordwarten egal oder das Reichsfinanzministerium saß am längeren Hebel. Die Zollflieger hatten zur normalen ZGD-Uniform ein eigenes Flugzeugführerabzeichen, es gehört zu den absoluten Raritäten! (Eines ist im Bestand des Zollmuseums in Hamburg, dort wird auch die Geschichte der Zollfliegerei dargestellt.#
    h.

  • Hallo h.,


    herzlichen Dank für Deine Antwort und die interessanten Informationen.
    Besonders neugierig macht mich die Grenzüberwachung mit Bf 109 und Polizeikennung.
    Weißt Du darüber noch mehr? Wie sah denn diese Kennung aus?


    Dass der Storch bei der Polizei zum Einsatz kam, ist mir bekannt. So wurde er z.B. durch die Höheren SS- und Polizeiführer bei Inspektionsbesuchen bzw. der Beobachtung von Einsätzen genutzt.
    Entsprechend dem Befehl von Daluege dürfte es sich dann aber nicht mehr um Polizeiflieger gehandelt haben. Vielleicht konnte er auf diese Maschinen der Luftwaffe zurückgreifen.


    Herzlichen Gruß
    Dieter


  • Morjen,


    Die Kennung so aus dem Kopf: D-POL-und dann Ziffern/Buchstaben.
    Die Jungs flogen auch Fw 58, Hs 126 und Ar 65. Bei mir in der Nähe war so eine Einheit 1938 bis Kriegausbruch auf einem Feldflugplatz stationiert.
    Das erwähnte Buch erschien in dem Verlag der die Zeitschrift Flugzeug herausbring oder brachte, ist so in etwa 25 Jahre her!!!
    h.

  • Hallo Ebscherknoche,
    herzlichen Dank für das Foto.


    Hallo AviaB.33,


    kannst Du die Ortsangabe der Einheit "bei mir in der Nähe" etwas präzisieren?
    Gerne auch als PN. Auch Dir herzlichen Dank für die ergänzenden Infos.


    Herzliche Grüße und schönes Wochenende
    Dieter

  • Hallo


    Der ehemalige Zugführer in der 4. Kompanie des Pol.Btl. 9 Karl Jonas bestand 1936 die Flugzeugführerprüfung und war danach als Polizei-Flugzeugführer in Wien beschäftigt.


    Quelle: Angrick, Besatzungspolitik u. Massenmord, S. 396


    Grüsse Daniel

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hallo zusammen,


    Die Polizeifliegerei bestand aus (luft-) polizeilich tätigen Fliegern und Flugzeugen des Reichsluftaufsichtsdienstes (RLAD), der dem Reichluftfahrtministerium unterstand. Durchaus möglich, dass fliegerisch ausgebildete Polizisten zum RLAD kommandiert oder versetzt wurden. Es gab zwischen RLM und Polizei ja auch sonst einige Berührungspunkte, da Göring Chef der preußischen Polizei und, wie allgemein bekannt, RLM- und Luftwaffenobermacker in diversen Rängen war. Alles, was flog, gehörte eben Göring.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo zusammen,


    Die folgende Abbildung aus E.-J. Graf von Westarp (Hg.): Westarpscher Taschenkalender für die Luftwaffe sowie für Luftschutz, Luftverkehr und Luftsport. 4. Jahrgang 1939. Grimmen in Pommern: Waberg 1939 zeigt schematisch die Kennzeichnung von Flugzeugen des Reichluftaufsichtsdienstes (RLAD).



    Gruß, Thomas

  • Hallo Dieter,
    als Anhang hier erst einmal die Begründung des Chefs der Ordnungspolizei warum er nicht anders konnte.
    Ich werde dann noch ein paar Dokumente aus meinem Archiv einstellen um die Polizeifliegerei etwas "aufzuhellen". Aber da kann bestimmt noch einiges ergänzt werden.
    Beste Grüße
    Werner

  • Hallo Thomas und Werner,


    herzlichen Dank für eure interessanten Beiträge.
    Ich hatte gar nicht mehr geglaubt, zu diesem Thema noch etwas zu hören.


    Herzlichen Gruß und schönes Wochenende
    Dieter

  • Hallo,


    hier habe ich einen zeitgenössischen Text der die Geschichte der Fliegerstaffel der Ordnungspolizei zwischen Aufstellung im Februar 1939 und November 1941 beschreibt.


    Das Foto der Me 109 (ich denke es ist eine Me 108 ?) mit dem Kennzeichen D-Pol-98 hat nichts mit der Fliegerstaffel der Polizei zu tun.
    Diese Maschine und andere mit Pol- Kennzeichen gehören zum sogenannten Reichsluftaufsichtsdienst (RLAD) der wiederum Teil der Luftwaffe war und aus den "Luftpolizeien" der Länder hervorging.
    Das ist ein eigenes Kapitel.


    Beste Grüße


    Werner

  • Hallo,


    mit Rd.Erl. vom 26.1.1942 wurde die Fliegerstaffel der Ordnungspolizei in eine Polizei-Flieger-Abteilung umgegliedert.
    Hier der Erlass:


    Beste Grüße


    Werner

  • Hallo Werner,


    herzlichen Dank für die interessanten Informationen.
    Hast Du eine Quellenangabe für die "zeitgenössischen Texte"?


    Herzlichen Gruß
    Dieter

  • Hallo Dieter,


    die Polizeiflieger wurden am 1. November 1942 zum Fliegergeschwader zbV 7 zusammengefasst. Es bestand aus sieben Staffeln und einer Ergänzungsstaffel. Am 1. September 1944 wurde zusätzlich eine Einsatzgruppe aufgestellt, die aus einer Aufklärungs- und einer Schlachtstaffel bestand. Aufgabengebiete waren Kurier- und Verbindungsdienste, Verwundetentransport und Bekämpfung von Partisanen.


    Beste Grüße
    Sven

  • Hallo Dieter,
    den Text habe ich vor Jahren aus einer Broschüre der Polizeischule für Technik und Verkehr Berlin abgeschrieben.


    Hier noch ein Erlass in Folge des Schreibens des Chrfs der Ordnungspolizei vom 26.7.1942.

  • Hallo Sven,
    auch Dir herzlichen Dank für die weiterführenden Informationen.
    Hast Du dazu auch eine Quellenangabe?


    Herzlichen Gruß
    Dieter

  • Hallo Leute,


    es folgen nun ein paar Beiträge aus der Propagandazeitschrift "Die Deutsche Polizei", Jahrgang 1942, zum Thema Polizeifliegerei.


    Grüsse Daniel

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    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Hi,


    hier der nächste Beitrag.
    Die Qualität bitte ich zu entschuldigen, da sich das Buch sehr schlecht scannen lässt, weil es einfach zu dick ist. Kaputt machen will ich es ja ausserdem auch nicht.


    Grüsse Daniel

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    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.