Kessel von Tscherkassy

  • Hallo Männer !


    Hab mal gelesen das bei Tscherkassy deutsche Truppen von der Roten Armee eingekesselt wurden.
    Nachdem alle Granaten verschossen wurden, sammelten sich alle noch kampffähige Deutsche (ca. 50.000) um in 3 Kolonnen hinter den verbliebenen Sturmgeschützen aus dem Kessel auszubrechen.
    Die Soldaten waren nur mit Seitengewehren bewaffnet und verursachten unter den Russen solche Verwirrung, dass ihnen der Ausbruch glückte.
    Etwa 20.000 deutsche Soldaten konnten sich durchschlagen...


    Weiß jemand was genaueres über diesen Kesselausbruch ?
    Unter den Soldaten soll auch Leon Degrelle und seine Einheit gewesen sein, weiß noch jemand was genaueres über ihn ?
    Danke für jede Hilfe...


    Ronin

  • Ziehen wir mal die Heldengeschichten ab und bleiben bei den Fakten.


    Bei Tscherkassy-Korsun wurden am 28.1.1944 durch eine Zangenoperation der 1. und 2. Ukrainischen Front folgende deutsche Truppen eingeschlossen:
    -Generalkommando XI. Armeekorps
    -Generalkommando XXXXII. AK
    -57., 72., 88. Infanterie-Division
    -Korpsabteilung B
    -Große Teile der 112., 255. und 332. Inf.Div.
    -Schwache Teile der 167. und 389. Inf.Div., 213. Sicherungsdivision und der 14. Panzerdivision


    -5. SS-PzGren.Div Wiking
    -SS-Freiw. Sturmbrigade Wallonien, diese Truppe führte Degrelle, nachdem der eigentliche Kdr gefallen war. Irgendeine besondere Bedeutung Degrelles für den Kesselausbruch kann ich aus der faktenbezogenen Literatur zu dieser Operation nicht erkennen.


    Gesamtstärke etwa 7 - 8 Divisionen mit 54.00 Mann.


    Am 17.2.1944 konnte durch einen Entsatzangriff und gleichzeitig erfolgenden Ausbruch aus dem Kessel die Verbindung zur deutschen Front wiederhergestellt werden.
    Am Entsatz-Angriff waren beteiligt:
    Generakommando III. Panzerkorps mit
    -1., 16. und. 17. Panzerdivision
    -1. SS-PzDiv "LAH"
    -Schweres Panzer-Rgt Bäke (für diesen Einsatz gebildet aus II./PzRgt 23 und schw. PzAbt 503).
    -außerdem für die Ostfront relativ starke Fliegerkräfte des VIII. Fliegerkorps


    Insgesamt erreichten weit über 30.000 der im Kessel eingeschlossenen Soldaten die deutschen Linien, ca. 3.000 Verwundete waren bereits vorher ausgeflogen worden.
    Ein großer Teil der Soldaten dürfte dabei beim Übergang über einen Fluß ertrunken sein, da natürlich kein Brückengerät mehr mitgeführt werden konnte.


    Das Märchen von 20.000 mit dem bloßen Seitengewehr angreifenden Soldaten kannst Du vergessen. Versuche Dir das nur mal in der Praxis vorzustellen - solche Abenteuer gingen schon im Ersten Weltkrieg regelmäßig schief. Sicher kam es zu einzelnen Nahkämpfen, aber ganz bestimmt zu keinen Massenangriffen. Solche Ausbrüche funktionieren nur mit schmalen tiefgegliederten Angriffskeilen, die aus der Tiefe genährt werden - aber nicht durch Angriffe auf breiter Front. Die Geschütze wurden nicht deswegen zurückgelassen, weil es keine Munition mehr gab, sondern weil einfach nicht mehr genug Zugmittel (mot. oder Pferde) da waren bzw. weil der Betriebsstoff fehlte.


    Die wahren Gründe für den insgesamt geglückten Ausbruch lagen ganz woanders:
    Tscherkassy war eines der ganz wenigen Beispiele, wo es von deutscher Seite schnell genug gelang
    a) ausreichend gepanzerte Truppen für einen Entsatzangriff zusammenzuziehen. Ausreichend bedeutet hier, für die bei Tscherkassy vorhandenen Feindkräfte ausreichend.
    b) diese Entsatztruppen auch auf die Schnelle ausreichend zu versorgen, so daß sie nicht schon nach wenigen Kilometern mit Betriebsstoffproblemen zu kämpfen hatten, wie dies bei anderen ähnlichen Unternehmen so oft der Fall.
    c) Luftwaffeneinsatz in dem Maß sicherzustellen, daß an Schwerpunkten Luftnahunterstützung geflogen werden konnte und eine direkte Bedrohung durch die feindliche Luftwaffe zumindest soweit verhindert wurde, daß Bewegungen auf dem Gefechtsfeld möglich blieben.
    d) die Truppen im Kessel aus der Luft insoweit zu versorgen, daß ihre physische Substanz und zumindest die infanteristische Kampfkraft erhalten werden konnte.


    Wenn diese Voraussetzungen nicht geschaffen werden können, gehen solche Kesselausbrüche fast vorhersehbar schief. Das bewies wenige Wochen später der Fall Tarnopol und dann im Sommer 1944 die Kessel beim Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte.


    (Literatur:
    Jahnke, Günter / Lerch, Bernd: Der Kessel von Tscherkassy 1944 - Analyse und Dokumentation. Donauwörth 1996.
    Vormann, Nikolaus von: Tscherkassy. (= Die Wehrmacht im Kampf, 3) Neckargemünd 1954).