Verladestellen Chersonnes, Krim

  • Hallo zusammen,


    gibt es eine Karte mit den Verladestellen für die Evakuierung der Dt. Truppen von der Krim im Mai 1944. Ich suche die Verladestellen K2 und J1b. J1b müsste in der Sewernadabucht gelegen sein, K2 bei Chersonnes.


    Gruß


    Stefan

  • Hallo Stefan,


    die Verladung fand ja unter sehr schwierigen Bedingungen statt. Die Sewernajabucht ist sehr langgestreckt. Woher hast Du die Angaben?


    Hast Du bereits allgemeine Karten von Sewastopol vorliegen?


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    Es geht um meinen Großonkel, der am 12.05.1944 bei Chersones ertrunken ist. Es gibt einen Rückkehrerbericht von Oberstleutnant Mäffert. Er war der Komandant der Art.Reg 173. Mein Großonkel war sein Adjudant.


    Die Einheit hat sich am 11.05.1944 vom Feind gelöst (ca. bei Maxim Gorki II) und hat sich zur Verladestelle J1b begeben (Severnaja Bucht). Am 12.05. 3.00 Uhr sollte Sie sich von der Severnaja Bucht nach K2 bei Chersones durchschlagen, da dort scheinbar eine Verladung noch möglich sei. Das war leider nicht der Fall. Mein Großonkel, hatte sich zusammen mit einem Unteroffizier ein Floß gebaut und wollte damit fliehen. Das Floß ist durch Packbeschuss gekentert und mein Großonkel dann ertrunken. Die Meldung erfolgte durch den überlebenden Unteroffizier an Obslt. Mäffert.


    Ich würde den Ort K2 deshalb gerne genauer eingrenzen.


    Gibt es eigentlich Informationen darüber, wo die Gefallenen begraben wurden bzw. wo könnte man da nachforschen?


    An Karten habe ich nur Google Maps und eine russische 100er Topokarte vom Kap Chersonnes .


    Gruß


    Stefan

  • Hallo



    schau Dir mal diese Karte an


    such Dir Ssewastopol und dann hast Du auch die gesuchte Bucht


    Zur Orientierung anbei ein Screenshot

    Files

    mit freundlichen Grüssen


    Uli

  • Hallo Stefan,


    vielleicht auch interessant für dich unter ,,Bilder u. Fotos der Reisebericht Krim''
    von ,,Beresina''



    mfg Eumex

  • Hallo Stefan,


    1. hier gibt es eine gute Karte zum „Endkampf“ um Sewastopol:
    http://www.horst-kaiser.de/AR.117_9-Dateien/image037.jpg
    Das A.R. 173 gehörte zur 73. Infanterie-Division ( 73. ID). Deren Stellungen finden sich auf der Karte „ganz unten“.


    2. Hier Berichte über die schlimmen Vorgänge bei der versuchten Flucht übers Meer:
    http://kriegsende.aktuell.ru/deutsche/19/


    http://www.godenholm.de/3.Ebene/text/damianweb2.htm


    http://www.horst-kaiser.de/AR.117_9.htm


    3. Zu Deiner Frage: „Gibt es eigentlich Informationen darüber, wo die Gefallenen begraben wurden bzw. wo könnte man da nachforschen?“
    Falls Du Namen und Geburtstag kennst, kannst Du hier feststellen, ob Dein Großonkel erfasst ist:
    http://www.volksbund.de/graebersuche.html



    Ich wünsche Dir und allen Forumslesern ein friedliches, gutes und gesundes Jahr 2012!
    Bernhard

  • Hallo zusammen,


    erst mal Danke für die super Links/Infos.


    Anbei die Daten vom Volksbund:


    Nachname:
    Glaser
    Vorname:
    Dietrich
    Geburtsdatum:
    04.03.1918
    Todes-/Vermisstendatum:
    01.05.1944
    Todes-/Vermisstenort:
    Alma Tamak/Baidary/Belbeck/Kap Lukul/Ba-
    chtschisaraij/BijukUsenbasch/Sewastopol/


    Da weiß ich schon ein bischen mehr!


    Ich werde trotzdem beim Volksbund nachfragen. Vieleicht haben die eine Ahnung wo die Gefallenen nach der Kapitulation begraben wurden.


    Schönes Neues Jahr 2012.


    Gruß


    Stefan

  • Hallo Stefan,


    1. lautet das Datum tatsächlich 01.05.1944?
    Im Bericht von Oberstleutnant Mäffert ist ja vom 12.05.44, 3.00 Uhr die Rede. Der Monatserste wird -soweit ich weiß- dann angegeben, wenn kein genauer Todestermin bekannt ist.


    2. Die Angabe
    "Todes-/Vermisstenort: Alma Tamak/Baidary/Belbeck/Kap Lukul/Ba-
    chtschisaraij/BijukUsenbasch/Sewastopol/"
    bedeutet einfach, dass Dein Großonkel nicht gefunden, bzw. nicht identifiziert wurde.
    (Oder dass zumindest auf deutscher Seite zur Zeit der Meldung keine Unterlagen vorlagen.)
    Da die Verhältnisse völlig chaotisch waren, wurde als Vermisstenort das gesamte Gebiet um Sewastopol angegeben.


    Ich habe die genannten Orte mal in eine Karte eingetragen:
    [Blocked Image: http://up.picr.de/9177666vfq.jpg]


    3. Liegt Dir der komplette Rückkehrerbericht vor? Enthält er vielleicht noch mehr Angaben? Wurde der Körper Deines Großonkels an Land gebracht?


    4. Falls er angespült wurde, hat sich in diesen Tagen wohl niemand groß darum gekümmert, der Tote wurde höchstens -entschuldige den Ausdruck- "verscharrt". Die sterblichen Überreste aller Deutschen die man bisher auf der Krim gefunden hat, wurden vom Volksbund auf dem Sammelfriedhof Gontscharnoje bestattet.


    Gruß
    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    erst mal Dank an alle für die vielen interessanten Rückmeldungen.


    Anbei der Rückkehrerbericht.


    Deshalb meine Bemerkung „da weiß ich schon mehr“.


    Ich denke damit sind fast alle Fragen beantwortet. Ob mein Großonkel anschließend angespült wurde kann ich nicht sagen. Deshalb meine Frage nach einem Ort wo die ganzen Gefallenen oder "Angespülten" begraben/vergraben worden sind.

    Trotz der recht genauen Angaben würde mich interessieren wo die Verladestellen waren. Im Prinzip ist die Einheit ja von Maxim Gorki II quer rüber zur Severnaja Buch, um dann von dort fast an der gleichen Stelle am Kap Chersones zurückzukommen.


    Gruß
    Stefan

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    • DRK4.jpg

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  • Quote

    Original von Stefan100
    mein Großonkel, der am 12.05.1944 bei Chersones ertrunken ist. r Art.Reg 173. Mein Großonkel war Adjudant.


    Hallo, Stefan,


    wundert mich nicht, dass Dein Großonkel versucht hat, mit einem Floß zu entkommen.


    Sein Name steht in der Verlust-Liste der Kämpfe in Sewastopol (17.4. - 12.5.44) unter vermißt:
    12.5. - Oblt. d. R. - Glaser Dietrich - Rgt.Adj. - A.R.173


    Walter Mäffert steht in der Liste direkt über dem Namen Deines Großonkels ebenfalls als vermißt.


    Anliegend drei Seiten aus einem Bericht der 73. Infanterie-Division über die Zeit vom 10.4.-13.5.1944,
    hier: Kämpfe im Kampfraum Sewastopol und Absetzen auf das Festland vom 16.4.-13.5.1944.

    Quelle: NARA T78 R139 Abwicklungsstab

      Zitat (11.5.1944):
      "Die zur Verladung bereitgestellten Truppenteile können mangels
      Schiffsraum nicht verladen werden und erleiden in der Nähe der An-
      legestelle laufend empfindliche Verluste. Um 23.00 Uhr setzt sich
      die Truppe befehlsgemäß ohne Feinddruck aus der Cherssones-Stellung
      ab und begibt sich an die befohlenen Anlegestellen. Von G.R.170 und
      186 verbleibt je eine verstärkte Kompanie in der Schutzstellung.
      Bis 24.00 Uhr sind jedoch keine Schiffe zur Verladung eingetroffen.
      Die Truppe steht mit Handwaffen und dem am Mann tragbaren Gerät
      diszipliniert und geordnet an den Anlegestellen.
      Funkverkehr kommt
      wegen Ausfall von Gerät nicht zustande.


      12.5.44. Der Feind hat die eigenen Absetzbewegungen wahrgenommen
      und stößt nunmehr mit starken Infanterie- und Panzerkräften der aus-
      weichenden Truppe nach. Er wird vorübergehend durch die in der Schutz-
      stellung eingesetzten Truppen zum Stehen gebracht. Ein Durchbruch von
      Feindpanzern (2.00 Uhr) kann jedoch nicht verhindert werden. Damit sind
      die an der Ostküste Kasatscha-Bucht bereitgestellten Truppenteile
      abgeschnitten.


      Die Division hat auf Grund der Tatsache, daß nahezu keines der
      versprochenen Schiffe bereitgestellt war, starke Teile der in der
      Cerssones-Stellung eingesetzten Gren.-und Pioniereinheiten, nahezu
      das gesamte Artillerie-Regiment und die Masse der Panzerjäger-Abtlg.
      verloren. ......."


    Wenn Du den gesamten Bericht möchtest, merke Dir bitte die Seiten 912 - 926 für die 73. I.D.
    und schicke mir in einer PN Deine E-Mail-Adresse.
    (Gilt natürlich auch für andere Interessierte.)


    Gruß von Margarete


    edit: Was frau vergisst, muß sie editieren .... :rolleyes:

  • Hallo, Stefan,


    es erstaunt mich, dass Du nicht auf meinen Beitrag reagiert hast, obwohl Du im Forum unterwegs gewesen bist.
    Hast Du das Interesse an diesem Thema verloren?


    Gruß von Margarete

  • Hallo Margarethe,


    Danke für die Info. Ist meine Mail nicht angekommen?.


    Auch Lemmy vielen Dank für die Karte mit den Verladestellen. Die sind tatsächlich kreuz und quer über die Halbinsel. Da kann man verstehen, daß das AR aufgerieben wurde. Die Angaben decken sich ja sehr gut mit dem Rückkehrerbericht. Ich hatte gelesen das fälschlicherweise Nebelgranaten in Brand geseckt wurden und deshalb die Schiffe nicht unter Land gingen. Gibt es noch andere Gründe, natürlich neben der Luftüberlegenheit der Sowjets?


    Gruß


    Stefan

  • Hallo Margarete,


    bin immer wieder erstaunt über die Qualität Ihrer Beiträge. Insbesondere der Auszug aus der Verlust-Liste der Kämpfe um Sewastopol weckt mein Interesse. Ich brenne darauf, mehr aus dieser Liste zu erfahren. Wäre es möglich, die ganze Liste zu zeigen oder sie als PN zu erhalten.


    Freue mich auf Ihre Antwort.


    Viele Grüße
    direktor




  • Quote

    Original von direktor
    Insbesondere der Auszug aus der Verlust-Liste der Kämpfe um Sewastopol weckt mein Interesse. Ich brenne darauf, mehr aus dieser Liste zu erfahren.


    Hallo, direktor,


    muß gestehen, ich hab' das nicht so mit namenlosen Direktoren.  8)
    Wofür brennen Sie? Was nützt Ihnen die Liste?


    Morgendlicher Gruß von Margarete

  • Hallo Margarete,


    da haben Sie mich aber mit den "namenlosen Direktoren" zum Schmunzeln gebracht. Aber Margarete ist in diesem Zusammenhang auch nicht schlecht.


    Aber ernsthaft: Sie bekommen eine Email, die Ihre Fragen beantworten wird.


    Viele Grüße
    direktor

  • Hallo Margarete,


    ich beschäftige mit seit fast vierzig Jahren mit Fragen der Organisation und Stellenbesetzung militärischer Formationen der Wehrmacht. Neben der Auswertung von Sekundärliteratur (damit fing bei mir alles an) trat immer mehr die Auswertung amtlicher zeitgenössischer Quellen in den Vordergrund. Aber die Menge an vorhandenen Unterlagen des Militärarchivs ist natürlich von einen Einzelnen nicht zu bewältigen. Jetzt kommt das Internet ins Spiel. Da gibt es eine Reihe von Leuten, die sich mit gleichen oder ähnlichen Fragen auseinandersetzen. Und die Verlustlisten Krim könnten mir bei der Vervollständigung von Stellenbesetzungen offenbar sehr hilfreich sein. Bei einem gewollten Informationsaustausch profitieren auch beide Seiten davon. Wenn Sie Interesse haben, werde ich Ihnen gern eine Kostprobe meiner Arbeit, z.B. Stellenbesetzung der 73.Inf.Div. zusenden. Sie können dann frei entscheiden, ob Sie es für Wert befinden, mir die Verlustlisten der Krim zur Auswertung zu geben oder nicht.


    Viele Grüße
    direktor

  • Hallo, geheimnisvoller Direktor,


    Quote

    Original von Margarete vom 28.02.2012
    Wenn Du den gesamten Bericht möchtest, merke Dir bitte die Seiten 912 - 926 für die 73. I.D.
    und schicke mir in einer PN Deine E-Mail-Adresse.


    Gruß von Margarete

    Edited once, last by Margarete ().