Das Ende - Kampf bis zum Untergang

  • Guten Tag und viele Grüße an die Forumsmitglieder;


    --- gestern abend hörte ich im Deutschlandfunk -gegen 19.20 Uhr - eine Rezension des Werkes von:


    Kershaw, Ian; Das Ende - Kampf bis zum Untergang NS-Deutschlands 1944/45


    Das Buch soll ca. 700 Seiten umfassen, wie ich aus dem Radio vernommen habe. Kershaw schreibt, daß vom 1. Juli 1944 bis zum Tag der deutschen Kapitulation noch 2,7 Millionen deutsche Soldaten gefallen seien. Nach seinen Berechnungen wären in diesem Zeitraum an der Ostfront an jedem Tag -durchschnittlich - fünftausend deutsche Soldaten bei den Abwehrkämpfen ums Leben gekommen. Die von Kershaw betrachtete Endphase des Zweiten Weltkrieges umfaßt 312 Kriegstage. Während dieser mehr als zehn Monate währenden Kampfhandlungen sind an der Ostfront 1.560.000 deutsche Soldaten gefallen, während die Verluste an der West-, Süd- und Nordfront sowie auf den Meeren 1.140.000 getötete Soldaten betragen würde.


    Stimmen diese Angaben überhaupt alle? Die Zahl der deutschen Gefallenen und der im Krieg getöteten deutschen Zivilisten ist sehr strittig. Kann es nicht sein, daß Kershaw diejenigen deutschen Soldaten, die nach der Gefangennahme in alliierten Kriegsgefangenenlager umgekommen sind, bei den 2,7 Millionen mitaufgeführt hat?


    Wer hat dieses mehrhundertseitige Werk gelesen? Die Rezension im Rundfunk dauerte weniger als zehn Minuten, aber als Hörer fielen mir zugleich einige Unstimmigkeiten auf. Auch wenn Deutschland im Juli 1944 kapituliert hätte, hätte es noch Hunderttausende an Toten gegeben. Die Rote Armee wäre schon einige Monate früher in Ostpreußen, in Schlesien und in Pommern einmarschiert. Die Zahl der getöteten deutschen Zivilisten wäre in Ostdeutschland womöglich noch größer gewesen, da niemand geflohen wäre. Bei einer Kapitulation im Sommer 1944 hätten die Westalliierten die mehreren Millionen Soldaten des deutschen Westheeres in der Gefangenschaft gar nicht versorgen können! Mehrere hunderttausend Kriegsgefangene wären im Spätsommer 1944 und im Winter 1944/45 auch bei den Westmächten verhungert oder anderweitig gestorben. Im Osten wären mehrere Millionen deutsche Zivilisten zusätzlich nach Ostrußland bzw. nach Sibirien verschleppt worden. Unter den deutschen Soldaten, die sich schon in dieser Zeit hätten ergeben müssen, hätte es Massenerschießungen gegeben.


    Dies sind meine ersten Gedanken, die mir zum Buch des Ian Kershaw eingetreten sind. Mal sehen, ob ich diese Literatur erwerben werde?


    Thomas Zürn

    T.Z.

  • Hallo Thomas,
    ich möchte hier Angaben zum Buch machen;


    Titel: "Das Ende: Kampf bis in den Untergang - NS-Deutschland 1944/45" [Gebundene Ausgabe]
    Original-Titel: The End. Hitler's germany, 1944-45
    Autor: Ian Kershaw
    Verlag: Deutsche Verlags-Anstalt; Auflage: 4 (7. November 2011)
    Seiten: 704
    ISBN-10: 3421058075
    ISBN-13: 978-3421058072
    Preis: 29,99 €
    (Quelle: amazon.de, letzter Zugriff: 12.01.2012 )
    Dort kann das Buch auch "eingesehen" werden.


    gruß
    Carmen

    Suche alles zur 129.ID. insb. GrenReg.427 ab 1944, sowie zum Fest.Btl. 650 1943-44, sowie zur 353.ID. insb. GrenRgt. 943 Juli-Aug. 1944.

  • Quote

    Original von ThomasZürnStimmen diese Angaben überhaupt alle? Die Zahl der deutschen Gefallenen und der im Krieg getöteten deutschen Zivilisten ist sehr strittig. Kann es nicht sein, daß Kershaw diejenigen deutschen Soldaten, die nach der Gefangennahme in alliierten Kriegsgefangenenlager umgekommen sind, bei den 2,7 Millionen mitaufgeführt hat?


    Hallo,


    grob nachgerechnet kann man sich auf die Angaben bei Overmans stützen, dort Tab. 38, S. 239. Die Zahl Juli 1944 bis 1945 stimmt demnach ungefähr, unter Berücksichtigung der Plausibilisierungen und Schätzungen (auch Todeszeitpunkte nach Kriegsende sind aufgeführt).


    Ob die Allierten besser oder schlechter zur Versorgung der Kriegsgefangenen 1944 gegenüber 1945 aufgestellt wären, was im Osten passierte wäre etc., ist rein spekulativ.


    Neben den Verlusten der Wehrmacht sind jedenfalls noch die Verluste unter den Zivilisten durch Kriegseinwirkung (zB die Bombardierungen im letzten Kriegsjahr) zu berücksichtigen.


    Kershaws Betrachtung hat da schon einiges für sich, dass dieses Kriegsjahr (mit deutschen Monatsverlusten, die zT weit höher waren als der Kriegszeitraum September 1939 bis zum Angriff auf die Sowjetunion insgesamt) und die Fortsetzung des aussichtslosen Krieges ab Juli 1944 besonders hohe Opferzahlen gefordert hat.


    Das Buch ist sehr zu empfehlen. Kershaw versucht aus unterschiedlichen Sichtweisen eine Erklärung zu geben, und Ereignisse zu schildern, warum man/u.a. die Wehrmacht der NS-Diktatur bis in den Untergang weitgehend folgte. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1598876/