Bilder/Dokumente abfotografieren - eine Hilfestellung

  • Liebe Forumsmitglieder,
    mancher hat keinen Scanner und klagt, daß er Bilder und Dokumente nicht bereitstellen kann. Im Zeitalter der digitalen Fotografie sollte das jedoch kein Problem sein.
    An dieser Stelle möchte ich eine kleine Hilfestellung für das Abfotografieren von Bildern und Dokumenten geben:


    Ich gehe davon aus, daß eine kleine digitale Fotokamera mit optischem Zoom im Taschenformat verwendet und freihändig gearbeitet wird.
    Diese netten kleinen Dinger haben meist auch ein Programm, das nur für das Abfotografieren von Schrift da ist.


    1. Aufnahmefehler vermeiden
    - Das Dokument sollte immer so positioniert sein, daß es eben liegt.
    - Es liegt unabhängig vom Inhalt im Querformat da.
    - Die Linse der Kamera sollte sich mit ihrem Mittelpunkt möglichst genau über dem Mittelpunkt des Dokumentes befinden, wenn ausgelöst wird.
    - Die Kamera sollte Parallel zur Dokumentenunterlage gehalten werden.
    - etwas mehr Abstand (1..1,5m) zwischen Kamera und Objekt ist besser
    - direkte Sonnenbestrahlung bitte vermeiden - ebenso wie direktes Blitzen
    - sollte eine Unterlage gewählt werden - nie eine weiße sondern eher eine dunkle wählen
    - sollen Teile abgedeckt werden - nicht mit weißen Abdeckungen arbeiten



    2. So geht es am Besten:
    --> siehe Foto1.jpg
    Handelt es sich um ein Schriftstück, kann man die Kamera in den Modus für das Abfotografieren von Schrift schalten.


    Man platziert das zu kopierende Objekt auf dem Fußboden an einer möglichst hellen Stelle so, daß das Licht von vorne kommt.
    Je mehr Licht da ist, desto geringer ist auch die Gefahr, das Ganze beim Auslösen zu verwackeln.
    Dann stellt man sich so hin, daß man bei gesenktem Kopf das Objekt schön unter sich hat. Man steht mit etwas gespreizten Beinen fast über dem zu fotografierenden Bereich.
    Nun wird mit dem Zoom der Kamera das Objekt so eingefangen, daß dieses das Bild so gut wie möglich ausfüllt.
    Prüfen: sehe ich Schatten oder Reflexe? Wenn nein, dann:
    Den Auslöser langsam (nicht ruckartig) durchdrücken und die Kamera auslösen.
    Nun das Ergebnis kontrollieren.


    3. Was man lieber nicht macht:
    - Das Objekt auf den Tisch legen und abfotografieren
    - eine helle Bildunterlage wählen
    - direkte starke Lichtbestrahlung


    4. Wenn es gerade nicht hell draußen ist
    --> siehe Foto2.jpg
    Selbstverständlich geht das Ganze auch mit künstlichem Licht. Mehrere eingeschaltete Lampen sind dann i.d.R besser als nur eine. Auch hier gilt: Das Licht kommt von vorne und das Dokument liegt auf dem Fußboden außerhalb des direkten Scheins einer Lampe.


    5. Kamerainterne Hilfsmittel
    Die kleinen Kameras haben eine Fülle von Programmen für alles Mögliche.
    In der Regel reicht für unsere Zwecke die Programmautomatik. Aber selbstverständlich kann auch ein anderes Programm günstig sein. Hier hilft nur ausprobieren.
    Bei Schriftstücken kann es sinnvoll sein, das entsprechende Programm zu wählen. Das bleibt aber auszuprobieren.
    Der Sucher dieser kleinen Kameras kann bei diesen kurzen Entfernungen zu Sorgen führen, weil er nicht durch das Objektiv arbeitet, sondern irgendwo versetzt angebracht ist. (Bei Spiegelreflexkameras ist das anders). So ist es besser, mit dem Bildschirm auf der Kamerarückseite zu "zielen". Manche Kamera bietet sogar ein zuschaltbares Raster an, das für unsere Zwecke sehr hilfreich ist. Die passende Einstellung steht dann im Menü.


    *********************************************************


    6. Für den, der mehr wissen möchte
    - Kamera und Objektiv
    Die kleinen Kameras decken mit ihren Zoomobjektiven die Bereiche vom
    Weitwinkelobjektiv (für einen großen Bildausschnitt bei geringer Entfernung) bis zum Teleobjektiv (weit entfernte Objekte "heranholen" und möglichst bildfüllend darstellen) ab.
    Weitwinkelaufnahmen haben oft (Rand-)Verzerrungen im Bild. In vielen Fällen ist das egal - aber nicht beim Kopieren von Bildern und Fotos. Also muß mehr Abstand her, damit man das Objektiv aus diesem Bereich herausbekommt.
    Dann haben alle Objektive eine sogenannte Naheinstellgrenze. Das bedeutet, daß erst ab einer bestimmten Mindestentfernung überhaupt ein Scharfstellen möglich ist.
    Daher legt man das Bild/Dokument einfach auf den Fußboden. Damit erreicht man noch 4 Dinge:
    - Der eigene Körper beschattet das Bild/Dokument nicht so sehr.
    - Man bekommt die Kamera besser ausgerichtet.
    - Geringe Verwerfungen im Bild/Dokument fallen nicht mehr so ins Gewicht.
    - um die Naheinstellgrenze muß man sich keine Gedanken machen


    Da es sich um flache, ebene Objekte handelt, kann das Thema Schärfentiefe hier vernachlässigt werden.


    Licht, am Besten diffuses Licht, ist ganz wichtig. Gerichtetes Licht bringt oft Reflexionen auf dem gemachten Foto. Das ist hier höchst unerwünscht. Daher legt man das Bild immer so, daß es nicht von einem vollen Lichtstrahl getroffen wird.
    Schaut man aus der Position der Kamera und nimmt man schon mit bloßem Auge Reflexe auf der Vorlage wahr, werden die auch im Foto sichtbar sein. Daher probiert man herum, bis das nicht mehr der Fall ist (Vorlage verschieben, eigene Position etwas ändern).
    Ziel ist, eine kontrastreiche, scharfe Aufnahme zu erhalten. Die Belichtungszeit sollte kurz sein - so ab 1/125 , damit man beim Auslösen nicht verwackelt.


    - Aufrüstung
    Selbstverständlich kann man das Ganze noch etwas ausbauen. Ein Stativ mit Neigekopf, ein Fernauslöser und ein indirekt ausgerichteter Aufsteckblitz mit Bouncer sind tolle Hilfsmittel - es geht aber auch so.


    - Bildformate
    Das Gros der digitalen Taschenkameras legt die Bilder im .jpg-Format ab. Dieses ist universell verwendbar. Hat die Kamera elektronische Zusatzprogramme, die nach der Aufnahme zusätzlich an der Schärfe und dem Inhalt Berechnungen abnehmen, schaltet man diese ggf. ab, wenn die Vorlage (das aufzunehmende Bild/Dokument) schlecht ist. Als Faustregel kann man sagen: Je schlechter die Vorlage, desto weniger sollte die Kamera rechnen. So bleibt mehr von der eigentlich aufgenommenen Information übrig und man kann später mit einer Bildbearbeitungssoftware schauen, ob nicht noch etwas "herauszuholen" ist.


    Einige wenige Taschenkameras und die Spiegelreflexkameras bieten an, im sogenannten RAW-Modus zu fotografieren. Hier werden alle Informationen des Bildsensors unbearbeitet in eine Datei geschrieben. Der Vorteil liegt darin, daß die Daten "roh" vorliegen - vergleichbar mit einem Negativ (OK, der Vergleich hinkt kräftig) - und man in der Nachbearbeitung mehr Möglichkeiten hat. Dazu ist jedoch wieder entsprechende Software nötig.



    Viel Erfolg wünscht 1241

    Files

    • Foto1.jpg

      (9.83 kB, downloaded 1,294 times, last: )
    • Foto2.jpg

      (19.78 kB, downloaded 1,201 times, last: )

    Edited once, last by 1241 ().