Der Krieg in Afrika

  • Hallo !


    War Montgomery schlauer als unser "Wüstenfuchs" wie es die Briten gerne heute noch in ihren Dokus beschreiben oder spielten andere Umstände eine viel wichtigere Rolle ?


    Eure Meinung dazu ?



    zbV800

  • hallo.


    Die Frage läßt sich wohl so nicht beantworten,da die beiden nie die gleichen Mittel hatten .
    Keiner wird sagen können,wie Montgomery mit nur einem 1/4 seiner Truppen/seines Materials vorgegangen wäre......


    Gruß
    Jan
    EDIT: Schreibfehler

    suche alles über das Gebirgs-Jäger-Regiment 756

    Edited once, last by fezzo1 ().

  • Hallo, ich habe mal gelesen, dass bei El Alamein der Hauptvorteil der 8. britischen Armee in der Entschlüsselung des deutschen Funkcodes gelegen haben soll (Ich bin mir jetzt nicht sicher, ob es der bekannte Enigma-Code war, glaube aber, es war ein bissl anders) .


    Montgomery verstand sich aber perfekt zu inszenieren, indem er angeblich sinnierend vor einem Bild von Rommel gesessen haben will, um dessen Pläne zu durchschauen ;-) So stilisiert man sich auch zum genialen Feldherren. Die britische Materialüberlegenheit tat ein Übriges.


    Viele Grüße
    Herman

  • Hallo,


    aus meinen Quellen geht hervor, dass bis zum 10. 7 1942 der deutsche Horchdienst, nämlich die Nachrichten Fernaufklärungs Kompanie 621, hervorragende Aufklärungsergebnisse dem Deutschen Afrika Korps über die Briten lieferte. Bis zu diesem Zeitpunkt scheint der Vorteil also eindeutig bei der dt. Aufklärung (hierzu gehören neben der Funkaufklärung noch andere Aspekte wie Spionage, Gefangenenvernehmung, Luftaufklärung usw.) gelegen zu haben.
    Dann, am 10.7.42 wurde die NFA 621 auf ihrem weit vorgeschobenen Aufbauplatz bei Tell el Eisa, westl von El Alamein überrrollt geriet mit ihrem gesamten Material in australische Gefangenschaft oder die Aufklärer fielen.
    Dann war vorerst Schluß mit Feindlagebildern etc. und die Briten lernten sehr schnell Ihren Vorteil zu nutzen.
    Das DAK hat wohl nie wieder eine solch präzise Aufklärung der Feindverbände erhalten.


    Quelle: Behrendt, Hans - Otto:" Rommels Kenntnis vom Feind im Afrikafeldzug.


    Bezüglich nachfolgender brit. Feindaufklärung liegen mir derzeit keine Unterlagen vor.


    Gruß Karl

  • Hallo Hermann,

    Quote

    Original von Herman
    ......
    Montgomery verstand sich aber perfekt zu inszenieren, indem er angeblich sinnierend vor einem Bild von Rommel gesessen haben will, um dessen Pläne zu durchschauen ......


    ... allerdings war Rommel zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr in Afrika,was den Alliierten verborgen geblieben war.


    Karl,
    die Aufklärung der Briten war schon seit Anfang 1942 fast zahlengenau über alle Pläne und Stärken der Achsentruppen im Bilde.
    ebenso wußte man überviele Angriffe vorher schon Ziel und Zeitpunkt,so ,daß man entsprechend reagieren konnte.


    Die Nachrichtendienste werden oft im Zusammenhang mit Afrika genannt.
    Fakt ist aber,daß der Mangel an Munition,Treibstoff und schweren Waffen zu der Niederlage bei El Alamein geführt hat.



    Gruß
    Jan

    suche alles über das Gebirgs-Jäger-Regiment 756

    Edited once, last by fezzo1 ().

  • Hallo


    Mehr als bei anderen Generälen des 2.Wk spielt bei der milt. Leistungsbeurteilung von Montgomery und Rommel die Propaganda eine große Rolle.


    Wie jeder Mensch hatten auch diese ihre Stärken und Schwächen.


    Montgomery hatte, wie die meisten franz. und britischen Offiziere, die taktische und operative Sichtweisen des 1.Weltkrieges "inhaliert" und war auf diesem stehen geblieben. Bewegungskrieg war nicht im Ansatz sein Gebiet, seine Stärken konnte er bei Stellungskämpfen bzw. "Durchbruchsoperationen" ala 1.Weltkrieg (zb. 2.Schlacht von El Alamein) ausspielen. Aber auch hier (die Durchbruchsschlacht von El Alamein stand kurz vor dem Scheitern trotz der mehrfachen Überlegenheit der 8.Armee) waren die Leistungen eher gemischt.


    Rommel dagegen hatte sich die Lehren der Sturmtruppentaktik des 1.Weltkrieges und die Erfahrungen der deutschen Panzertruppe zu eigen gemacht und setzte sie oft genug mit Bravour um.
    Trotzdem war er nmA mit der Führung von Truppenverbänden ab Korpsgröße überfordert. Das er mit der Rolle des Afrikakorps, als Nebenkriegsschauplatz, nicht einverstanden war ist noch nachvollziehbar. Durch seine Neigung Befehle zu ignorieren, zu manipulieren und die Ignoranz hinsichtlich logistischer Einflüsse schädigte er mehrfach, durch Überdehnung der eigenen Versorgungslinien, die Kriegsanstrengungen der Achse. Ohne Hitler als großen Befürworter wäre er nicht GFM, auch nicht Befehlshaber des Afrikakorps (etc.) und wahrscheinlich auch nicht Kommandeur der 7.Panzerdivision geworden.


    Beide Generäle nutzten Propaganda um in der Öffentlichkeit und ihre "Führern" zu manipulieren und ihren krankhaften Ehrgeiz zu befriedigen. Rommel schenkte nach dem Frankreichfeld Hitler ein "Erfahrungsbericht" der 7.Panzerdivision in welchen es von feindlichen Verbänden und Gegenangriffen eingetragen waren die nicht existent waren. Rommel wurde praktisch ständig von offizieren Kriegsberichterstattern des 3.Reichs begleitet.
    Montgomery gab die Leistungen anderer Offiziere für eigene aus. So wurde die 1.Schlacht um El-Alamein aufgrund Aufstellung und Plänen von Claude Auchinleck geschlagen. Montgomery hatte zu diesen Plänen kaum etwas bis nichts beigetragen.
    Die britische Angriffsschlacht von El-Alamein stand (wie schon geschrieben) kurz vor dem Abbruch. Die 8.Armee hatte trotz mehrfacher Überlegenheit auf allen Gebieten sehr viel höhere Verluste als die Achsenkräfte. Dazu kommt das Montgomery über die Entschlüsselung von Enigma klaren Einblick in die Situation und Planungen der Achse in Nordafrika nehmen konnte.
    Bei den anschließenden "Verfolgungs"kämpfen wurde klar das Montgomery kein Verständnis für den Bewegungskrieg hatte.
    Das wäre ja ansich kein Problem. Man muß ja auch als Offizier seine Stärken und Schwächen kennen. Montgomery kannte seine Schwächen (Bewegungskrieg) und seine relativen Stärken (Kämpfe ala 1.Weltkrieg). Ein Problem wird es nmA wenn man sich öffentlich aber auf eine Stufe mit anderen Offizieren stellt. zb.das er sich in der Beurteilung von Bewegungskriegen zb. mit Rommel vergleicht.


    Letztlich halte beide für völlig überschätzt und ihre Leistungen für grotesk überzeichnet. Und das hat seinen Ursprung in der Kriegspropaganda und den Neigungen beider diese für ihren Ehrgeiz zu nutzen.

  • Quote

    Original von klext
    Letztlich halte beide für völlig überschätzt und ihre Leistungen für grotesk überzeichnet. Und das hat seinen Ursprung in der Kriegspropaganda und den Neigungen beider diese für ihren Ehrgeiz zu nutzen.


    Hallo Klext,


    ich bin da ganz deiner Meinung.
    Es wäre interessant zu wissen,wie Rommel´s Karriere an der Ostfront voran gekommen wäre?
    Wäre er dort vielleicht zu einer tragischen Person wie Feldmarschall Paulus geworden?
    Ich weiß,es ist Spekulation und wir werden es nie erfahren.


    Gruß Micha

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  • Hallo Micha


    Warum hätte Rommel eine "tragische Person wie FM Paulus" werden sollen?
    Offiziere die bei Hitler "einen Stein im Brett" hatten mußten, auch wenn sie gegen Hitlers Befehle handelten, kaum etwas befürchten. Siehe Hauser bei Charkow.

  • Nabend, <Spekulation an>: Ich denke auch, dass Rommel nicht wie Paulus stur in Stalingrad geblieben wäre, er wäre ausgebrochen und wenn es die Hälfte der Armee gekostet hätte. Am Ende wäre er denoch der Held geblieben, wie später OGF Gille nach dem Ausbruch aus dem Kessel von Tscherkassy. <Spekulation aus>


    Viele Grüße
    Herman

  • Hallo


    Da stellen sich gleich mehrere Fragen.
    Ist Paulus "stur" in Stalingrad geblieben und wenn warum?
    Was hätte Rommel (vielleicht) an seiner Stelle gemacht und wäre das möglich gewesen?


    a.) Paulus hatte den Ausbruch mehrfach beantragt, auf die wahrscheinlichen Folgen für die 6.Armee hingewiesen und dieser Ausbruch wurde sehr sehr deutlich abgelehnt. Er konnte auch die Situation weder an der Südflanke noch im Gesamtbereich der Ostfront nicht übersehen. Dazu wurde erst kurz vorher ein größerer Heeresverband über längere Zeit aus der Luft versorgt und schließlich freigekämpft.
    Auch wenn die lokalen Luftwaffenbefehlshaber eine Luftversorgung für unmöglich hielten kann sich Paulus gesagt das diese nicht wissen welche Verstärkungen der Luftwaffe möglicherweise zugeführt werden können.
    Hitler lehnte die Aufgabe Stalingrads auch später ab. So sollte die Op.Donnerschlag die Verbindungen nach Stalingrad freischlagen, von einem Rückzug von Stalingrad war da noch lange nicht die Rede.



    Als Seydlitz (Korpskommandeur LI.AK) seine, mit Sicherheit richtige und von Paulus ebenso gesehene, Analyse und Schlussfolgerung an Paulus übergab und als „Argumentsunterstützer“ die Front einiger Divisionen zurücknahm folgten schwere Verluste dieser Divisionen und ein Verbot Hitlers auszubrechen, bzw. überhaupt irgendwo an den Kesselfronten Frontverkürzungen vorzunehmen.
    Der Ausbruch konnte faktisch nicht durchgeführt werden, auch wenn Paulus gewillt gewesen wäre den Befehl Hitlers zu verweigern. Hitler hätte von diesen Plänen immer vorher erfahren zb. auch über Luftwaffenkanäle.


    b.) Es gab auch bei der PzArmee Afrika einen durchaus ähnlichen Vorgang. Nachdem der britische Angriff „Operation Supercharge“ zum Durchbruch durch die Achsenlinien führte wollte Rommel den Rückzug antreten. Dazu sollten die deutschen und italienischen Panzerverbände den Rückzug der italienischen Infanterieverbände decken. Hitler intervenierte auf entsprechende Meldung Rommels und befahl das seine Verbände die Schlacht durchkämpfen sollten. Rommel gehorchte dem Befehl.
    Ich halte es also für wenig wahrscheinlich das Rommel anders als Paulus gehandelt hätte, und er hätte auch kaum anders Handeln können als Paulus. Möglichweise hätte sein guter Draht zu Hitler andere Ergebnisse bewirkt aber auch das halte ich für unwahrscheinlich (siehe Nordafrika).

  • Quote

    Letztlich halte beide für völlig überschätzt und ihre Leistungen für grotesk überzeichnet.

    Etwas mißverständlich ausgedrückt.
    Der erste Teil gilt nmM für beide, der zweite sehr viel mehr für Montgomery den ich auch insgesamt als den, erheblich, schlechteren General sehe.
    Montgomerys Leistungen wird übrigens bei einigen britischen Historikern auch eher kritisch gesehen.

  • Quote

    Original von klext
    Warum hätte Rommel eine "tragische Person wie FM Paulus" werden sollen?


    Hallo Klext,


    ich habe mich da etwas dumm ausgedrückt.
    Gemeint habe ich eigentlich die Nachkriegszeit.In dieser Zeit ,eigentlich bis heute,wird Paulus als der "Zauderer" betitelt der seine Armee für Hitler opferte und Rommel als der Held von Afrika und Widerstandskämpfer.
    Die Gründe für Paulus verhalten in Stalingrad hast Du ja bereits angeführt und ich glaube nicht das da Rommel anders gehandelt hätte oder anders handeln hätte können.Wie Du auch schon geschrieben hast,hat auch die Propaganda des III.Reich einen entscheidenen Anteil an Rommel´s "Stern".Nicht zu vergessen die britische,ich glaube von ihr stammen doch die Aussagen von der "Gespensterdivision" und der "Wüstenfuchs".Auch die frühere Bundesrepublik war ja daran noch beteiligt und hat Paulus im Prinzip noch zum Verräter abgestempelt.Von daher ist Paulus für mich eine tragische Person.Schon deshalb,weil sich sogar teilweise seine untergebenen Soldaten von ihm abwendeten.
    Was ja bei Rommel´s untergebenen eigentlich nicht der Fall ist.Er ist immer noch "ihr" Wüstenfuchs.
    Die Propaganda jener Zeit wirkt sich ja bis heute aus.Ein gutes Beispiel konnten wir hier ja schon lesen.


    Zitat Hermann:
    Ich denke auch, dass Rommel nicht wie Paulus stur in Stalingrad geblieben wäre, er wäre ausgebrochen und wenn es die Hälfte der Armee gekostet hätte.


    Meiner Meinung nach werden Rommel´s Leistungen wirklich überschätzt.Es gab bei weiten mehr Generale,die bedeutend mehr als Rommel geleistet haben.


    Gruß Micha

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  • Danke für eure Einschätzung bis hierher.
    Ich glaube man kann sagen, dass Montgomery von den Briten heute in der Nachbetrachtung der Briten etwas überzeichnet wird.
    Hätte Rommel die Waffen und das Material gehabt wie die Engländer, die Sache in Afrika wäre anders gelaufen.


    Egal. Zum Schluß kann man feststellen,dass in den USA auch heute noch Rommel in den Militär-Akademien gelehrt u. besprochen wird.


    Man kennt den Wüstenfuchs, aber Montgomery.. ;)


    zbV800

  • Quote

    Original von zbV800
    Ich glaube man kann sagen, dass Montgomery von den Briten heute in der Nachbetrachtung der Briten etwas überzeichnet wird.
    zbV800


    Hallo zbV800,


    auch Rommel wird meiner Meinung nach stark überschätzt.


    Gruß Micha

    Suche alles zur 208.Infanterie-Division

  • Hallo


    Kurz noch einen Kommentar von mir.
    Ich finde das Auchinleck besser als Montgomery war. 8o
    Welcher Heerführer nun der bessere war ist auch immer abhängig von den untergebenen Einheitsführer und ob die, die Idee des Schlachtplanes auch weiterführer.


    Grüße
    Ralf

    Edited once, last by SanUO ().

  • Hallo,


    man sollte nicht vergessen, daß es 1940/1941 und selbst nach dem unglaublichen Erfolg im Frankreichfeldzug immer noch viele Skeptiker und enorme Widerstände im Heer gegen die Panzerwaffe, gegen die Vorantreiber wie Guderian selbst und den von den Panzerführern favorisierten und vorgesehenen selbständigen und raumgreifenden Angriffs-und Bewegungsverfahren gab und auch noch nicht sehr viele erfahrene dieser neu, modern und über veraltete Muster hinaus denkenden und handelnden Panzerführer selbst. Der ehemalige WK-1-Infanterie-Kdr. Rommel hat offenbar sehr schnell die Möglichkeiten dieser Waffe und ihre neuartigen Einsatzmethoden, Vorteile und Möglichkeiten begriffen und umgesetzt. Als Kdr. einer durch seine Führung sehr erfolgreichen Pz.Div. hatte er im Frankreich Erfolge und wichtige Erfahrungen im Führen eines solchen Verbandes sammeln können.


    Wohl nur sehr wenige Panzerführer überhaupt hätten zum Zeitpunkt der Übernahme des Afrikakorps durch Rommel diese neuartigen Operationskonzepte der Panzerwaffe so radikal und damit auch so erfolgreich umgesetzt und angewandt. Rommel betrat also auch Neuland nicht nur vom Kriegsschauplatz her, sondern auch von der Kriegsführung. Nie zuvor wurde bisher so ein Krieg wie der in Afrika geführt. Dagegen war der Frankreich-Feldzug ein wohlgeordnetes Kriegsspiel. Die Frage ist also, was hat Rommel aus den ihm gebotenen Möglichkeiten gemacht.


    Die Hobbystrategen von heute die natürlich wie immer die besseren Generäle gewesen wären und alles besser wissen sollten sich bewußt sein, unter welchen unglaublichen und fatalen Friktionen dieser gesamte Feldzug von Anfang an bis praktisch zum Schluß stand und was Rommel daraus überhaupt gemacht hat und vor allem auch was seine Pläne verhinderte. Bekanntermaßen war ja selbst die dt. Militärführung nebst Hitler überrascht, was Rommel mit den anfangs wenigen dt. Truppen, die eigentlich nur zur Stärkung der Italiener vorgesehen waren, überhaupt erreichen konnte, ehe man die Bedeutung dieses Kriegsschauplatzes überhaupt begriff. Es gäbe dazu noch vieles zu sagen.


    Was einen Vergleich Rommel-Paulus betrifft, wenn so etwas überhaupt sinnvoll wäre, gehorchte Rommel natürlich auch den milit. Zwängen und der Befehlshierarchie, hat aber im Gegensatz zu Paulus bei El Alamein letztlich in ähnlich kritischer Situation des totalen Verlustes sogar einen entsprechenden Führerbefehl verweigert und den Rückzug befohlen. Es gibt also keinen Grund darüber zu mutmaßen, daß Rommel sich wie Paulus verhalten hätte, denn er hat es in einer ähnlichen Situation eben nicht. Trotz eindeutigem Befehl des Obersten Befehlshabers. Das spricht ja nun klar für Rommel und seinen Begriff von Verantwortung für seine Soldaten und Untergebenen. Eine klare Befehlsverweigerung, genauso wie die Weigerung der Durchführung des Befehls Hitlers zum Erschießen von gefangenen Deutschen der auf der Gegnerseite kämpfenden franz. Fremdenlegion.


    Man mag über Rommel natürlich verschiedener Meinung sein, Fehler macht jeder Mensch und Militär, erstaunlich ist aber immer wieder die heutige "Fachkenntnis" seiner Kritiker und Nichtmilitärs zu seinen operativen Fähigkeiten zum Führen von Verbänden aufwärts einer PD, obwohl das recht schnelle Aufrücken von dt. Offz. in die nächsthöhere Führungsebene eines der Erfolgsprinzipien und im Verlaufe des 2.WK üblich war, vor allem unter den Panzerkommandeuren. Aller selbsternannter "Experten" zum Trotz hat er aber das Afrika-Korps bzw. die Panzerarmee Afrika unter den ihm möglichen Bedingungen erfolgreich geführt. Das nicht nur in den Augen seiner Gegner, selbst kritische dt. Zeitgenossen reiben sich zwar an ein paar pers. Besonderheiten, keiner behauptet aber es hätte besser gemacht haben zu können.


    Wie auch immer, Rommel war sicher für die Zeit und für den Kriegsschauplatz Afrika der richtige Mann. Was der Verlauf des Krieges auch belegt. So lange er versorgungstechnisch und zahlenmäßig auch nur annähernd erfolgreich sein konnte war er es. Ob in Abwehr oder Angriff. Als sich das Kräfteverhältnis auch auf diesem Kriegsschauplatz entscheidend änderte konnte er nur noch versuchen das beste daraus zu machen, was ihm selbst mit einem erfolgreichen Rückzug über tausende KM gelang.


    Das ihm die volle Anerkennung seiner insg. hervorragenden milit. Leistungen nur noch bei seinen ehemaligen Gegnern und nicht mehr in der Heimat zu teil wird ist natürlich absurd, entspricht dem heutigen kranken Zeitgeist in diesem Land, spricht aber letztliich nur für ihn. Schön zumindest, daß auch weiterhin amerikanische und andere ausländische Militärs von Rommels Erfahrungen und Methoden für ihre Ausbildung lernen und diese schätzen.

    Edited once, last by Hoth ().

  • Hallo Ralf


    Wie du hab auch ich die Ansicht das Auchinleck besser (erheblich) als Montgomery war.


    Das britische Offiziers"material" (im Schnitt) war von der Qualität erheblich schlechter als das deutsche und die Führung muß die Qualität / Ausbildungstand ... der Untergebenen (Offiziere wie Mannschaften) ebenso wie mögliche Kampfkraft der eigenen Verbände richtig einschätzen. Sonst wird das nix mit Erfolgen.


    Auchinleck hatte als OB Nahost für die Führung der 8.Armee mit Cunningham und Richtie, untertrieben ausgedrückt, kein gutes Händchen. Sein Einschalten in die Operativen Abläufe bei der Op.Crusader brachte die Befreiung Tobruk und das sich das DAK zurückziehen mußte. Cunningham hätte die Operation vorzeitig abgebrochen.
    Als Auchinleck bei der 1.Schlacht um El Alamein die 8.Armee direkt (als faktischer OB) führte wurde Rommel in sehr beweglichen Kämpfen von ihm geschlagen. Allerdings muß man dabei auch ein kräftemäßiges Ungleichgewicht feststellen. Dazu nur einen Aspekt - die Briten operierten mit einer schon weit überlegenen Luftwaffe von nahegelegenen - ausgezeichnet ausgebauten Luftbasen, die deutsche krankte an Versorgungsgütern. Interessant, aber kaum nachvollziehbar wäre ein Schlagabtausch bei einigermaßen Kräftegleichstand gewesen (zb. bei Beginn der Op.Theseus).


    Dazu (zum Thema britische Offiziere und Führungskräfte in NA) gibts ein hochinteressante Buch von Barnett, Correlli.



    -----------------
    Die deutsche Panzerwaffe war, in ihren operativen Möglichkeiten, nach dem Frankreichfeldzug innerhalb des deutschen Offizierskorps voll anerkannt und wurde auch von ehemaligen "Gegnern" (zb.Rundstedt, Sodenstern) auch höchst erfolgreich eingesetzt. Wer waren also die "Skeptiker" und welche "enormen Widerstände" soll es noch gegeben haben?


    Wie schon geschrieben. Rommel hat seine Erfahrungen als SturmtruppenKdr in die Möglichkeiten der deutschen Panzerwaffe erfolgreich integriert. Nicht mehr aber auch nicht weniger.


    Er hat schon in seiner Anfangsphase des NA-Krieges die logistischen Erfordernisse seinem Ehrgeiz Ägypten zu erobern völlig untergeordnet. Schließlich blieb das DAK mit Tobruk im Rücken an der ägyptischen Grenze hängen. Völlig unzureichender, völlig überdehnte Linien hatten die Folge das die Verbände äußerst schlecht versorgt wurden. Das hatte nun nichts mit der Bedrohung der Seelinien durch die Briten zu tun denn nach dem Rückzug auf Tripolitanien konnte Rommel auf gut gefüllte Lager in den dortigen Räumen zurückgreifen. In dieser Zeit war das wirkliche Nadelöhr der Transport der Güter von Tripolis / Bengasi zur Front durch den Mangel an LKW-Tonnage und nicht möglichen Küstenschiffahrt. Das war aber VORHER auch gegenüber Rommel klar vom OKH und auch Hitler kommuniziert worden.


    Dann gibt es halt "Hobbystrategien" die sich Fachliteratur auch anderer Staaten anlesen, vergleichen und ihre Schlüsse daraus ziehen. Diese stehen immer wieder im Gegensatz zu altbekannten Thesen / Märchen und Propaganda. Und es gibt Menschen die einfach altbekannte Thesen und Märchen für die Realität halten, vielleicht weil diese so gut in ihr allgemeines Weltbild passen.


    Rommel war in El-Alamein geschlagen wurden wollte sich zurückziehen und wurde von Hitler daran gehindert. Die deutsch / italienische Panzerarmee wurde faktisch zerschlagen und die Reste konnten sich nur aufgrund Glück und größtenteils offenen rückwärtigen Verbindungen zurückziehen. Paulus war völlig eingekesselt, wohin und wie sollte er sich irgendwohin zurückziehen. Auch hier haben wir wieder ein Festhalten an altbekannten Mythen. Aber was interessieren Forschungsergebnisse, was interessieren Fakten und Zusammenhänge. Man kann ja schließlich alles so hinbiegen / hininterpretieren (selbst Fachliteratur kann man derart "uminterpretieren") bis alles paßt.


    Der Schluß ist schließlich prickelnd. Aus diesem Sortiment von Mythen und Märchen wird der Schluß gezogen: "Rommel war sicher für die Zeit und für den Kriegsschauplatz Afrika der richtige Mann".
    Mal als Vergleich. Wie hätten erfolgreiche Panzeroffiziere wie zb. Guderian / Reinhart, Model, Hoth den Krieg in NA geführt. Die, im Gegensatz zu Rommel, eine gediegene Generalstabsausbildung genossen hatten, idR der Logistik einen einigermaßen realisitschen Stellenwert zuerkannten, deren Operationen nicht permanent am seidenen Faden hingen und die die Schlagkraft ihrer Verbände sehr gut in die Pläne der höheren Führung einordnen konnten. Nur mal so zum nachdenken.
    Wahrscheinlich wäre auch Paulus "zu dieser Zeit und für diesen Kriegschauplatz" gewesen wenn der Kessel von Stalingrad und die Zerschlagung der 6.Armee nicht gewesen wären. :D


    Rommel wird studiert das ist richtig. Dabei studiert man aber seine taktischen Aushilfen, zb. sehr deutlich zu sehen bei der Op.Theseus aber nicht seine "strategischen" Fähigkeiten bzw. Ansichten.
    Und seine taktischen Fähigkeiten hat ihm hier niemand abgesprochen. Aber ein Heerführer ab Armeegröße und noch wichtiger, der mit wichtigen Verbündeten auf einem Nebenkriegsschauplatz kämpft muß seine Zielsetzungen den Plänen der höheren Führung unterordnen. Das tat Rommel nicht.
    Rommel hatte schon 1941 das Ziel Ägypten zu erobern. Trotzdem OKH / Hitler ihm klar mitteilten das er für 1941 keine größeren Verstärkungen zu erwarten hätte griff er an, trotzdem überschritt er die Möglichkeiten seine Verbände zu versorgen um ein vielfaches, trotzdem schrie er nach Verstärkungen.

    Edited 2 times, last by klext ().

  • Hallo,


    sag ich doch die Propaganda von damals wirkt sich bis heute aus.
    Rommel hat nicht mehr und nicht weniger geleistet als die anderen Panzer-Führer.
    Sei es ein Guderian,Hoth,Kleist,Hoepner,Manstein,Model,Nehring usw..
    Warum hätten diese Männer nicht auf den afrikanischen Kriegsschauplatz bestehen sollen?
    Sie haben doch oft genug ihr Können unter Beweiß gestellt.Auch sie führten ihre Truppen "von vorne",daß hat nicht Rommel erfunden.
    Er war nun mal der "Lieblingsgeneral" von Hitler,daß kann man nicht abstreiten und dies hat auch ungemein seine Karriere gefördert.
    Auch die Propaganda tat ihr übriges dazu,wurde doch jeder Sieg von Rommel hoch gepuscht.
    Das hat nichts mit "Hobbystratege" zu tun,daß ist einfach Fakt.Man brauch sich doch nur mal die Wochenschauen von damals anschauen.In diesen wurde Rommel immer namentlich erwähnt,was bei den anderen Generalen der seltenste Fall war.Gerade zu Anfangszeiten von "Barbarossa" waren doch große Erfolge an der Tagesordnung und keiner von diesen Generalen wurde propagandistisch so aufgebaut wie Rommel.
    Auch sein Tot wurde ja noch richtig,von seiten der Propaganda,ausgeschlachtet.
    Von daher kommt meine Meinund,daß Rommel ein "guter" General war aber nicht der "Über" General wie ihn viele sehen.


    Gruß vom Hobbystrategen Micha

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  • Quote

    ... .
    Wer waren also die "Skeptiker" und welche "enormen Widerstände" soll es noch gegeben haben?

    Naja, wie fast immer kommt bei Nachfragen keine Antwort.