Griechenlandfeldzug

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    Original von Hamburg44
    ...war eine friedliche Sicherung der Südost-Flanke nicht mehr möglich.


    Hallo Hamburger,


    was ist denn eine friedliche Sicherung in einem europäischen Angriffskrieg für eine Rüstungswirtschaft, die auf die südosteuropäische Hegemonialzone existentiell angewiesen war? Vasallenstaaten?


    Grüße
    cpa95


  • Oha cpa, wo das denn? Ich hatte mich bislang kaum zu den Italienern geäußert.


    Was die ökonomische Bedeutung des Balkan betrifft dürfte diese völlig unzweifelhaft sein.


    Allerdings wirst Du wohl nicht abstreiten können, auch wenn hier wieder die bösen und typischen Dunstschwaden ala "Angriffskrieg" und "reflexartig" durchwabern, daß Deutschland nicht nur im Hinblick der Fokussierung auf "Barbarossa" keinerlei Interesse an einem milit. Eingreifen auf dem Balkan hatte, weder eines italienischen, geschweige denn eines eigenen, sondern im Gegenteil, das man bestrebt war, die bislang traditionell guten Handelsbeziehungen zum Balkan, insb. zu Jugoslawien und auch zu Griechenland und die seit 1933 ständig gestiegenen Handelszahlen weiter auszubauen und mit dem erhofften Beitritt Jugoslawiens zum Stahlpakt oder zumindest einer starken diplomatischen Annäherung auch auf diesem Wege den polit. und wirtschaftl. Einfluß in der Region zu verstärken und diese aus einem Krieg herauszuhalten. Gerade auch im Hinblick auf "Barbarossa". Daher auch die Verärgerung über den milit. Alleingang Italiens, der diesen dt. Zielen und Bestrebungen zuwiderlief, und das nicht erst seit dem stümperhaften Verlauf des ital. Feldzuges gegen Griechenland.


    Das im übrigen die Briten auf dem Balkan 1941 ganz aktiv bestrebt waren, nicht nur in milit. Hinsicht, sowohl Einfluß auf die Handelsbeziehungen dieser Länder zu bekommen und diese unter Druck zu setzen und diese Länder und damit idealerweise die gesamte Region in einen Krieg gegen Deutschland hineinzuziehen, um diese Feststellung kommen ja nun selbst nicht mal die Autoren des 3.Bandes von DRiZWK herum.


    Mal davon abgesehen, daß rein sachlich die Briten auf dem Balkan bzw. in Griechenland genausowenig verloren haben wie Deutsche oder Italiener, aber auch die Briten sich bekanntermaßern wenig Gedanken über die Neutralitäts-und Souveränitätsrechte fremder Staaten machten.


    Schon Anfang 1940 hatte man z. B. in Studien die Bedeutung Griechenlands und dessen Inseln für künftige Kriegshandlungen untersucht und hierbei auch Kreta besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Man kam zum Entschluß, daß von dieser Insel aus nicht nur Vorstöße ins Ägäische Meer möglich sein würden, sondern der Besitz der Insel den Schutz von Ägypten und Malta erhöhen würde. Man würde desweiteren etwaige Aktionen ital. Luft-und Seestreitkräfte wirkungsvoll bekämpfen und den gesamten östlichen Mittelmeerraum sichern können. Schon Ende April 1940!! planten zu dem Zeitpunkt noch der gemeinsame franz.-brit. Stab die Insel zu besetzen, falls Italien an dt. Seite in den 2.WK eintreten würde. Man beachte hierbei als pikante Randnotiz eben nur einmal wie schon o. g. kurz den Fakt, daß man also alliierterseits wie schon in Norwegen 1940 erneut plante, fremdes Territorium einfach zu besetzen und diesmal dann griechische Souveränitätsrechte zu mißachten.


    Das magst Du nun natürlich anders sehen, aber solche Aspekte sollte man durchaus nicht immer so einfach unter den Tisch fallen lassen, wenn es um die "klassische Aufgabenverteilung" geht und man tatsächlich über die "lieben Briten" und die "pösen Teutschen" sprechen will. ;)

    Edited 3 times, last by Hoth ().

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    Original von cpa95
    Wenn man die Beiträge hier liest, erstaunt etwas, das niemand die ökonomische Bedeutung des Balkangebiets für die deutsche Kriegswirtschaft (Bauxit, etc.) erwähnt.

    Hm, wahrscheinlich weil das letztlich Basiswissen ist. Nur wegen den deutschen Rüstungsbedürfnissen wollte Hitler Frieden auf dem Balkan haben.
    Was allerdings auch bedeutet, wenn jemand gegen diese (natürlich völlig friedlichen Bedürfnisse) handeln täte würde er, wie in der Realität, einschreiten. Das nennnt man dann "neudeutsch" Angriffskrieg.
    Aber natürlich war das nur das allerallerallerletzte Mittel, ansonsten nutzte das 3.Reich eh nur völlig friedliche Mittel (mit keinerlei Druckmittel - stattdessen "bat" das dte Regime die anderen Staaten nur um Rohstoffe in völlig friedlichen Austausch mit völlig friedlichen Gütern) , im Gegensatz zu den Briten / Amerikaner und vor allem Sowjets.

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    Original von klextWas allerdings auch bedeutet, wenn jemand gegen diese (natürlich völlig friedlichen Bedürfnisse) handeln täte würde er, wie in der Realität, einschreiten. Das nennnt man dann "neudeutsch" Angriffskrieg. Aber natürlich war das nur das allerallerallerletzte Mittel, ansonsten nutzte das 3.Reich eh nur völlig friedliche Mittel (mit keinerlei Druckmittel - stattdessen "bat" das dte Regime die anderen Staaten nur um Rohstoffe in völlig friedlichen Austausch mit völlig friedlichen Gütern)


    Sehr schön ;) :D


    Grüße
    cpa

  • Hallo Zusammen, Hallo Karl, Hallo Klext und Hallo CPA...


    das hier bislang nicht auf wirtschaftliche Bedeutung des Griechenlandfeldzuges eingegangen wurde, liegt alleine daran, das dies nicht zur Ausgangsfrage gehört.
    Ich würde daher gerne wissen, ob die Frage nun geklärt ist und dieses Thema als erledigt angesehen werden kann?


    Oder sollten wir dieses Thema unter einer neuen Überschrift, z.b. Der Balkanfeldzug, oder Infos zum Balkanfeldzug behandeln?


    Gruß Taiko

  • Hallo zusammen,


    mit Interesse habe ich Eure Diskussion verfolgt.
    Sicherlich hat jeder von Euch immer wieder "bedenkenswerte" Aspekte zur Fragestellung beigetragen; alleine es kommt m.E. auf den Blickwinkel an - zeitlich, politisch, militärisch, taktisch, strategisch, wirtschaftlich...
    Daher will ich auch nichts weiter zur "Verwirrung" beitragen. Wie komplex die angesprochene Thematik ist, hat mir ein Buch gezeigt, das ich vor kurzem lesen konnte:


    Titel: Kooperation als Machtkampf : das faschistische Achsenbündnis Berlin-Rom im Krieg 1940/41
    Verfasser: König, Malte
    Ort/Jahr: Köln : SH-Verl., 2007
    Umfang: 368 S.


    Siehe auch hier: Fundstelle


    Es handelt sich um die Dissertation eines ausgewiesenen Kenners des deutsch-italienischen Verhältnisses, und es ist ihm m.E. gelungen die zwei entscheidenden Jahre der "Achse" minutiös und wissenschaftlich korrekt unter Auswertung einer Vielzahl deutscher und italienischer Primärquellen darzustellen. Dabei nehmen die hier zur Diskussion stehenden "Feldzüge" des Duce naturgemäß einen großen Raum ein, denn sie haben Schlüsselfunktion im deutsch-italienischen Verhältnis.
    Wer also keine Scheu vor dem "wissenschaftlichen Zitierapparat" hat und sich m.E. sehr ausgewogen über das heikle Thema informieren will, dem kann ich das Buch nur empfehlen.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)

  • Hallo zusammen!




    Karl


    Quote

    Edit: Originärquelle: La Marina Italiana, Vol- 7


    Ich denke, dass dort der Fehler zu suchen ist - und es wäre nicht der einzige in diesem Werk.


    In dem von mir - in meinem vorhergehenden Beitrag - eingebrachten (zweiten) Link, findet sich der Bericht eines beteiligten Offiziers. Dem ist nicht nur deutlich zu entnehmen, dass die britischen Seestreitkräfte den Kampf angenommen haben, sondern auch, dass die Italiener das Gefecht unerwartet abbrachen. Ersteres wäre auch kaum anders vorstellbar, da sich BRECONSHIRE ohne aktive "Rückendeckung" wohl kaum unbeschadet in Sicherheit hätte bringen können. Zu letzterem sei bemerkt, dass nicht unerhebliche Teile des italienischen Verbandes zu den schnellsten Einheiten der RM zählten. Mit der LITTORIO verfügte der Veband gar über den modernsten, stärksten und schnellsten Schlachtschifftyp, den Italien je in Dienst stellte. Schwer vorstellbar, dass sich die RN einem energischen Vorstoß der Italiener hier so ohne weiteres hätte entziehen können.



    MfG

    Whoever saves one life, saves the world entire.
    Talmud Jeruschalmi

    Edited 2 times, last by Rote-Kapelle ().

  • Mein seit 1987 verstorbener Vater war als Funker in Thessaloniki im Einsatz.
    Kann mir jemand etwas über die Nachrichtenstruktur an diesem Kriegsschau-
    platz sagen oder Hinweise zu Veröffentlichungen geben. Dank im voraus.

  • Hallo,
    zuerst einmal "Herzlich willkommen" hier im Forum.
    Hast du schon einen Antrag hier
    http://www.dd-wast.de/
    gestellt? Dort kann es bis zu einem Jahr dauern.
    Thessaloniki ist nicht in der Standortliste des LdW. Dafür aber Saloniki
    http://www.lexikon-der-wehrmac…tsverzeichnisKasernen.htm
    Und es hat wenig Sinn jetzt eine grosse Raterei zu beginnen, als Funker kann er bei Heer, Luftwaffe oder Marine gewesen sein.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

    Edited once, last by Rainer ().

  • Hallo Rainer,
    vielen Dank für Deine sachdienlichen Hinweise, denen ich gleich nachgehen
    werde. Herzlichen Gruß von der Ostseeküste