Armbinde "Deutsche Wehrmacht"

  • Hallo an die Spezialisten,


    warum trugen Soldaten mit ganzer Luftwaffenuniform (aber ohne Brustadler, und Schulterklappen) aber mit Koppel und Schiffchen mit Adler,
    noch eine Armbinde "Deutsche Wehrmacht" obwohl sie ohnehin als Wehrmachtsangehörige erkennbar waren?


    Grüße, ZAG

  • Ich kenne das Bild zwar nicht, von dem du sprichst. Aber ich vermute, das hier sogenannte Hiwis in Wehrmachtsuniformen gesteckt wurden. Zum Beispiel russische Gefangene, die bereit waren, der Wehrmacht zu dienen, wenn sie nur aus dem Lager kamen. Diese trugen dann keine Hoheitszeichen, da sie ja keine Angehörigen der Wehrmacht waren. Um sie aber kenntlich zu machen, steckte man sie in vorhandene Uniformen. Um jeden klar zu machen, das man es nicht mit Partisanen etc. zu tun hatte, bekamen sie halt noch ne Armbinde. Das verhinderte sicherlich des öfteren, das jemand den Abzug betätigte, wenn fremdsprachige Männer, ohne Deutschkenntnisse in deutscher Uniform auf einen zukamen. Aber worum es tatsächlich geht, kann man wohl nur spekulieren.


    Grüße Maik

    Setze ich mich vor meine Pommern und Märker und habe schon die Hälfte meiner Monarchie verloren und verliere nur selbst den Kopf nicht, so jage ich den Teufel in die Hölle. Friedrich der Große an Rüchel, Potsdam 1781

    Edited once, last by SG Maik ().

  • Hallo!


    Quote

    ZAG: ... aber ohne Brustadler ...


    ... das dürfte das Problem gewesen sein, denn dieser "Brustadler" war das Hoheitsabzeichen, dass den kleinen Unterschied zwischen einem Kombatanten und einem Nicht-Kombatanten gemacht hat. Fehlte dieser, musst man den Kombatantenstatus andersweitig ergänzen.


    Hatte hier schon mal einen klainen Beitrag geschrieben ...


    Grüße
    Sven

  • Hallo,


    ich denke, da wollte man kiregsvölkerrechtlich sichergehen. Zu einer Uniform gehören die entsprechenden Hoheitsabzeichen, ohne diese war der Uniformierte kein Soldat im völkerrechtlichen Sinne, im Falle einer Gefangennahme stand er nicht unter dem Schutz der Haager Landkreigsordnung.


    Somit hätte es nicht gegen die Bestimmungen des Volkerrechts verstossen, ihn bei der Gefangennahme als Terroristen/ Partisanen/ Verbrecher standrechtlich zu erschiessen.




    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo...
    das ging ja wie der Blitz !!!!


    Es sind Flaksoldaten in der Heimat mit Lw-Rahmenpersonal (mit Brustadler und
    Schulterklappen) und die Soldaten schauen nicht wie "Hiwis" aus.
    Es schaut eher nach Anfang des Krieges aus (kaum Lametta).


    Ihr habt recht, im Ausland, oder als Hiwis, RAD usw. macht es Sinn
    aber in der Heimat, und als Deutsche in (fast) vollständiger Uniform....
    komisch


    Vielen Dank für Euere Stellungnahmen !


    Grüße, ZAG

  • Hallo!


    Der Volkssturm wurde im September 1944 aufgestellt und da standen bereits die alliierten Einheiten recht nah an den Reichsgrenzen.



    Quote

    ZAG: ... Ihr habt recht, im Ausland, oder als Hiwis, RAD usw. macht es Sinnaber in der Heimat, und als Deutsche in (fast) vollständiger Uniform....komisch ...


    ... wenn eine deutsche Person an der Flak steht und mit dieser auf feindliche Flugzeuge schießt, dann ist dies doch eine Kampfhandlung, oder nicht? Wenn also später herauskommen sollte, dass "Zivilisten", also Nicht-Kombatanten in die Kampfhandlungen eingegriffen haben, dann wäre dies ein klarer völkerrechtlicher Verstoß, der auch geahndet werden darf...


    Grüße
    Sven

  • Hallo,


    einfacherer Grund:


    Soldaten erfüllen hoheitliche Aufgaben, die Uniform weist den Soldaten als Träger dieser hoheitlichen Aufgaben aus. Und zur korrekten Uniform gehören Hoheitsabzeichen.


    Umgekehrt darf man auch heute keine Uniform staatlicher Organe (BW, Polizei usw.) ohne entsprechende Berechtigung tragen.



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo, bin neu hier und moechte mich gerne mal diesem Thema anschliessen.


    Ich hab naemlich genauso ein Bild eines Verwandten. Der trug im Heimaturlaub (!) neben einer normalen Luftwaffenuniform auch so eine Armbinde. Das Bild datiert um 1940.


    Die Vermutung, dass es sich um fremdvoelkische Truppe handelt, kann voellig ausgeschlossen werden.
    Ich hab solche Armbinden am Kriegsende beim Volksturm gesehen, weil die halt keine Uniform hatten.


    Aber an einer normalen Uniform im Heimaturlaub? 1940 hat doch jeder in Deutschland gewusst, dass das ne Luftwaffenuniform war.


    Das muss irgendeine besondere Bedeutung haben. Hat jemand eine Idee? Vielen Dank fuer die Hilfe, vielleicht kann man dadurch mehr ueber den Verwandten herausfinden.

    Grüße und Herzlichen Dank!
    corsa

  • Hallo!
    Das Ärmelbind ist gesetschlich ein Hoheitsabzeichen. Leicht identifizierbar, wie es die Regeln es sagen. In Narvik 1940 wurden diese gelbe Bänder gebraucht - auf Norwegischen beuteuniformen.


    Gruss
    Björn

  • Quote

    Original von ZAG
    Hallo an die Spezialisten,


    warum trugen Soldaten mit ganzer Luftwaffenuniform (aber ohne Brustadler, und Schulterklappen) aber mit Koppel und Schiffchen mit Adler,
    noch eine Armbinde "Deutsche Wehrmacht" obwohl sie ohnehin als Wehrmachtsangehörige erkennbar waren?


    Grüße, ZAG



    Hallo zusammen,


    ich spekuliere auch gerne und manchmal bringt das auch richtig gute Ergebnisse aber über was reden wir. Ich habe noch nichts gesehen
    außer der wagen Beschreibung.


    Der Hintergrund der Armbinden(siehe Anhang) ist, dass die Träger mit der
    Armbinde den Kombattanten-Status hatten.
    Erläuterung zum Kombattanten-Status hatten wir schon mehrfach ausführlich im Forum.

  • Haallo, Zusammen,


    Beispiel:


    während des Krieges, gab es "blaue" und "graue" Eisenbahner.
    Als "graue" Eisenbahner wurden die Eisenbahn-Truppen bezeichnet(z.B. Eisenbahnpioniere).
    Blaue" Eisenbahner waren Reichsbahner, die in die besetzten Gebiete abkommandiert wurden.


    Zitat*


    "Die größere Zahl der in den besetzten Gebieten deutschen Eisenbahner,gehörte zeitweise dem Wehrmachtsgefolge an.Damnit hatten sie die Pflichten eines Soldaten, aber nicht seine vollen Rechte.**Als äußeres Kennzeichen, trugen die, zum Wehrmachtsgefolge gehörigen Eisenbahner gelbe Armbinden mit der Aufschrift "Deutsche Wehrmacht".Ausserdem bekamen sie einen Kombattantenausweis, der sie zum Führen von Waffen berechtigte und zum Kampfeinsatz verpflichtete.***Sie unterlagen den militärischen Strafvorschriften, insbesondere den Kriegsgesetzen, aowie der Diziplinarstrafordnung für das Heer.Die rechtliche Stellung des Wehrmachtsgefolges war unklar.****Nach dem Diziplinarrecht mußte das Wehrmachtsgefolge Waffen tragen, während es nach dem Völkerecht (Haager Landkriegsordnung) im Falle der Bewaffnung als Spion behandelt werden konnte..."



    * Quellen: Kreidler, Eugen: Die Eisenbahnen im Machtbereich der Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg; Musterschmidt-Verlag, 1975


    ** ebendort: "Die Zivilpersonen, die auf Grund des Erlasses des Chefs des Oberkommandos der Wehrmacht und des Oberbefehlshabers der Wehrmachtsteile dem Wehrmachtstrafgesetzbuch und der Diziplinarstrafordnung unterworfen waren, galten für die Dauer dieser Anordnung als Angehörige im Sinne des § 21 des Wehrgesetzes, ohne damit die Eigneschaften Soldaten erhalten zu haben. Aktiven Militärdienst gemäß § 7 Absatz 1 des Wehrgesetes, leisteten sie nicht... [Absolon, S 216]"
    :
    *** ebendort, Seite 372: Dokument 15:


    "Deutsche Reichsbahn
    Eisenbahnabteilungen
    des Reichsverkehrsministeriums
    L2 g Rs/Bm Berv 139 (o)


    Betr. Kennzeichnung des Kombattanten"


    vom 25. September 1944


    **** ebendort: Erlaß des Oberbefehlshabers des Heeres vom 13. März 1940

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo, das von Augustdieter gezeigte Bild scheint tatsaechlich die Armbinde zu sein, die auch mein Angehoeriger traegt (ist zwar nur ein Schwarzweissbild und daher nicht zu erkennen, ob das Ding gelb ist, aber vom Schriftbild kommt es absolut hin).


    Trotzdem bleibt die Frage: Mein Angehoeriger trug die Binde an einer
    normalen Luftwaffenuniform im Urlaub.
    Mit dieser Uniform sollte er doch schon hinreichend Kombattantenstatus gehabt haben, auch ohne die Armbinde.


    Fuer mich ist immer noch unklar, wozu er dann noch die Armbinde trug, zumal auf weiteren Fotos auch Luftwaffenangehoerige sind, die keine solche Armbinde tragen. Das muss doch noch eine besondere Bewandtnis mit diesen Binden haben.

    Grüße und Herzlichen Dank!
    corsa

  • Hallo Augustdieter,
    vielen Dank für Deine weiteren Auskünfte.
    Ich hoffe demnächst einen Ausschnittscan reinstellen zu können, die
    Bilder sind nicht mein Eigentum, daher habe ich zu meiner Fragestellung
    kein Bild angehängt.


    Hallo corsa,
    genau das war auch meine Fragenstellung, wozu die Armbinde wenn der
    Soldat sowieso zu 98% mit Luftwaffenuniform zu sehen ist.
    Also haben wir das gleiche "Problem"....


    Das mit den Eisenbahnern ist mir auch klar.


    Viele Grüße, ZAG

  • Nur mal als kleine Ergänzung. Soweit mir bekannt ist trugen einige Soldaten von Strafeinheiten auch kein Hoheitszeichen an der Uniform. Muß nun hier nicht zu treffen aber ......


    Gruß - Alte61 - Achim

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Das trifft leider - zumindest bei "meinem" Soldaten auch nicht zu. Der war nie in einer Strafeinheit und hat ausserdem eine komplette LW-Uniform mit Adler und Schulterstücken an und zusaetzlich noch diese Armbinde.


    Aber an so eine Art Bestrafung hatte ich auch schon gedacht, so eine Armbinde ist echt nicht gerade schmueckend an einer LW-Uniform, wenn man auch noch auf Fronturlaub ist).


    Diese Binden schien es gar nicht so selten zu geben, bei ebay gibt es zufaellig auch gerade ein Bild von einem Soldaten mit Armbinde (leider ist der Rest der Uniform nicht zu erkennen, koennte daher natuerlich auch ein Hiwi sein), aber ich tippe auch eher, dass es ein Luftwaffenangehoeriger ist (wie der Soldat im Vordergrund ohne Binde).


    Vgl.
    http://www.ebay.de/itm/Foto-So…D1%26sd%3D370770954367%26

    Grüße und Herzlichen Dank!
    corsa

  • Hallo,


    es gibt noch eine Möglichkeit:


    der "Soldat" war Zivilangestellter der Wehrmacht:


    "Zivilangestellte in der Wehrmacht
    § 35
    Der Reichskriegsminister kann die im Bereich der Wehrmacht angestellten Zivilpersonen den für Soldaten geltenden gesetzlichen Vorschriften ganz oder teilweise unterwerfen, wenn und solange militärische Notwendigkeit es erfordert. Sie sind für die Dauer dieser Anordnung Angehörige der Wehrmacht im Sinne des § 21."

    Quelle: Wehrgesetz 1935

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Guten Morgen an die Experten,


    hier das versprochene Ausschnitt-Bild das alles aussagt was ich hier
    angefragt habe.
    Ein Luftwaffen Flak Einheit, vermutl. irgendwo im Großraum Nürnberg.
    Ich schätze ca. 1940.


    Alle haben das normale Lw-Schiffchen mit Adler, und tragen eine
    ganz normale Lw-Uniform mit Alu-Koppel, aber :
    - keinen Brustadler
    - keine Schulterklappen (aber der Knopf ist noch dran!)
    - keine Kragenspiegel.


    Nochmal : wozu also noch die Armbinde "Deutsche Wehrmacht" ??


    Das Rahmenpersonal (Unteroffiziere, Offiziere) ist "vollständig" Luftwaffe.


    Nach einer Strafeinheit schaut das nicht aus...


    Grüße, ZAG

  • Hallo,



    ganz einfach:


    die Herren gehören zum Wehrmachtsgefolge nach § 35 Wehrgesetz,
    waren also Zivilangestellte, z.B. Feuerwehr oder Luftschutz.

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo ZAG!


    Ich schließe mich da Gerd an und denke es sind wie ja das LdW. schreibt einfach "Personen die zur deutschen Wehrmacht zählten, aber keine Soldaten oder Beamten waren" .
    Vieleicht mussten ja auch "zivile" Angestellte regelmäßig an Manövern oder Lehrgängen
    für den "Ernstfall" teilnehmen ? Die Armbinde sollte da vieleicht bei der Unterscheidung
    helfen ,das man eben nicht einen ausgebildeten Soldaten vor sich hatte...


    Gruß Robert

  • Hallo,
    vielen Dank für Euere Beiträge !


    Wenn diese Leute "Wehrmachtsgefolge" wie Luftschutz, Feuerwehr usw.
    waren und bei der Luftwaffe einen Lehrgang, Übung absolvierten,


    haben sie dazu ihre RLB-Uniform, Feuerwehr-Uniform usw. ausgezogen
    und eine
    Luftwaffen-Uniform mit abgetrennten Schulterklappen, Adler angezogen


    und danach wieder ihre RLB-Uniform, Feuerwehr-Uniform usw. angezogen...


    so müsste es dann also abgelaufen sein....(?)


    Grüße, ZAG