9.Armee in den Zeitraum vom 24.06.1944 bis 03.07.1944

  • Liebe Forumsmitglieder,


    auf Wunsch, stelle ich hier, die bereits von mir eingestellten Beiträge zur 9.Armee in dem Zeitraum vom 24.06.1944 bis 03.07.1944 mit den unterstellten A.K.’s, Pz.K.’s und den jeweiligen Divisionen, neu als einen geschlossen Themenkomplex ein.
    Ich bitte Euch, während ich dies zusammenstelle auf das Thema nicht zu antworten.
    Nach Fertigstellung habt ihr dann dazu die Gelegenheit, das Thema zu ergänzen.
    Ich werde dies zusätzlich mit Verlinkungen zu unseren LDW und den mir zur Verfügung stehenden Kartenmaterial ergänzen.
    Die Wortwahl ist teilweise wörtlich von den Autoren, aus den hier zitierten Quellen übernommen worden.


    Quellen:
    „Mittlere Ostfront Juni 44", Gerd Niepold, Herford 1985 (Leihgabe)
    „Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Osten 1944“, Horst Hinze, Stuttgart 1980
    „Die 35. Infanterie-Division im 2. Weltkrieg", Hans Baumann, Karlsruhe 1964 (Leihgabe)
    „Geschichte der rheinisch-westfälischen 6. Infanterie-Division 1939-1945", Horst Großmann, Friedberg 1958
    „Geschichte der 36. Division", Festschrift zum Kameradentreffen der 36.I.D., Kaiserslautern 1973 (Leihgabe)
    „Mein Weg mit der 45. Inf.-Div.", Rudolf Gschöpf, Verlag „Buchdienst Südtirol“ 2002
    „Geschichte der 134. Infanterie-Division", Werner Haupt, Tuttlingen 1971 (Leihgabe)
    „Der Schicksalsweg der 20. Panzer-Division", Rolf Hinze, Bochum 1981 (Leihgabe)
    „Die Truppenkennzeichen der Verbände und Einheiten der deutschen Wehrmacht und Waffen-SS und Ihre Einsätze im 2. Weltkrieg 1939-1945", Peter Schmitz und Klaus-Jürgen Thies, Osnabrück 1987 (Leihgabe)
    Mitteilungsblätter des Frontkämpferbundes der 45.I.D. Wels
    Manuskript von Franz Schneiderhauer (Kp.Chef der 14.(Pz.Jg.)/I.R.133 – 45.I.D.) geriet hier am 29.07.44 in russischer Gefangenschaft
    Lexikon der Wehrmacht
    Forum der Wehrmacht hier Dank, an die Vereinsmitglieder die mir Literatur zur Verfügung gestellt haben.
    „Die Heeresgruppe Mitte“ Franz Kurowski, Edition Dörfler
    „Operation Bagration“ Ian Baxter, Melchior Verlag 2010
    „Ostfront 1944“ Rolf Hinze, Motorbuch Verlag 2011
    „Die Schlachten der Heeresgruppe Mitte 1941 – 1944“ Werner Haupt, Dörfler Verlag
    Verschiedenes Kartenmaterial




    Einleitung


    Der Untergang der 9. Armee war Teil jener Katastrophe, welche im Sommer 19 44, an der Ostfront über die deutsche Heeresgruppe Mitte hereinbrach. Die Heeresgruppe befand sich damals in einer etwa bogenförmigen Stellung von ostwärts Polozk im Norden über ostwärts Witebsk, Orscha, Mogilew, Rogatschew, Shlobin bis nördlich Kowel im Süden - Frontlänge ca.. 1.100 km. Mit der Verteidigung waren vier Armeen beauftragt und zwar von Norden nach Süden:


    3. Panzer-Armee
    4. Armee
    9. Armee
    2. Armee


    Das sowjetische Oberkommando wählte den dritten Jahrestag des Kriegsbeginns gegen die Sowjetunion für die Eröffnung ihrer Sommeroffensive im Jahr 1944 mit dem Ziel der Zerschlagung der deutschen Heeresgruppe Mitte.
    Der sowjetische Deckname für diese Operation lautete „Bagration“.
    Ein beziehungsvolles Wort, denn Pjotr Bagration war ein erfolgreicher russischer Feldherr, der zur Zeit Napoleons lebte. Bagration wurde zwar während des Feldzuges Napoleons gegen Russland am 7. September 1812 tödlich verwundet, aber den Feldzug hat Napoleon unter hohen Verlusten verloren.


    Der sowjetische Grossangriff begann am 22. Juni 1944, gegen die 3. Panzer-Armee, wurde am 23. Juni auf die 4. Armee ausgedehnt und erfasste am 24. Juni auch die 9. Armee. Die Hauptfront der 2. Armee wurde erst im Juli angegriffen, doch ist deren linker Flügel durch den Verlauf der Schlacht bei der 9. Armee bereits ab 27. Juni ebenfalls in den Großkampf hineingezogen worden. Während die Flügelarmeen mehr oder weniger stark angeschlagen wurden, ist es den Sowjets infolge falscher deutscher Führungsmaßnahmen gelungen, die 4. und 9. Armee in mehreren Kesseln einzuschließen und zu zerschlagen.
    Das Schicksal der 9. Armee war innerhalb von 9 Tagen besiegelt.
    Wer über Stalingrad informiert ist, wird wissen, das 1942/43 die 6. deutsche Armee dem sowjetischen Ansturm 10 Wochen lang ausgehalten hat. Unwillkürlich drängt sich daher die Frage auf, wieso die 9. deutsche Armee im Sommer 1944 in so kurzer Zeit zugrunde ging.
    Hier einige Unterschiede zu Stalingrad:
    Die 6. Armee mit ihren 20. Divisionen war seinerzeit wesentlich stärker, als die 9. Armee
    mit ihren 10 Divisionen, auch die Luftlage war in Stalingrad wesentlich anders, als 1944 im Raum Bobruisk. Stalingrad wurde in den Berichten des Oberkommandos der Deutschen Wehrmacht 123 mal genannt, denn es sollte eine Legende werden. Als es zu einer Tragödie wurde, war es weithin bekannt, die Niederlage
    nicht mehr zu verschweigen. Der Kampf der 9. Armee bei Bobruisk ist 1944, nur 6 mal im Wehrmachtbericht erwähnt worden. Von Stalingrad weis man sogar heute, das dies eine große Industriestadt an der Wolga ist. Bobruisk hingegen – etwa 580 km ostwärts Warschau und 610 km südwestlich Moskau (Luftlinie)
    ist selbst 1944 kaum bekannt geworden, heute ist diese Stadt so gut wie unbekannt. Sie liegt an der Beresina, einem westlichen Nebenfluss des Dnjepr, hatte seinerzeit ca. 45.000 Einwohner und war ein bedeutender Umschlagplatz für Holz und Getreide. Die Beresina, 585 km lang, entspringt in einem Waldgebiet ca. 80 km nordostwärts Minsk, fließt dann in südsüdöstlicher Richtung und mündet bei Gorwal in den Dnjepr, etwa 25 km nordnordwestlich Retschiza. Der Fluss windet sich durch ein vielfach versumpftes Wald- und Buschgelände und ist ab Borissow schiffbar.


    Im Unterschied zu Stalingrad gibt es bisher keine geschlossene kriegsgeschichtliche Darstellung über den Untergang der 9. Armee 1944 bei Bobruisk. Hier wie dort wurde mit größter Tapferkeit gekämpft und es wäre müßig, darüber zu diskutieren, ob das sterben bei Hitze und Durst schöner war, als bei Hunger und Kälte.
    Somit ist auch das Drama der 9. Armee im Jahre 1944 wert, vor der Vergessenheit bewahrt zu werden. Dieser Großverband hatte im ,Juni 1944 einen Abschnitt von ca. 220 km Frontlänge zu verteidigen. Der Abschnitt begann etwa 50 km nordostwärts Bobruisk am Drut, einem nördlichen Nebenfluss des Dnjepr und endete ca. 130 km südwestlicht Bobruisk am Ptitsch, einem nördlicher Nebenfluss des Pripjet. Die Armee verfügte über drei Korp's, das XXXV.A.K. links, das XLI.Pz.K. in der Mitte und das LV.A.K. rechts. Alle 10 Divisionen der Armee waren von Norden nach Süden in nachstehender Reihenfolge eingesetzt:
    XXXV.A.K. mit 134.I.D., 296.I.D., 6.I.D., 383.I.D. und 45.I.D.
    XLI.Pz.K. mit 36.I.D., 35.I.D. und 129.I.D.
    LV.A.K. mit 292.I.D. und 102.I.D.
    Wie zu ersehen, nannte sich das mittlere Korps zwar „Pz.K.", doch war hier zunächst keine Panzer - Division vorhanden. Der Vollständigkeit halber ist zu erwähnen, das in der damaligen G1iederung der 9. Armee eine Division als Reserve erscheint, nämlich die 707.I.D. Man muss aber anmerken, das diese Division für einen Großkampf weder vorgesehen, noch geeignet war.


    Im folgenden wird über, den Ablauf des Geschehens bei den eingesetzten Divisionen von Tag zu Tag berichtet, ferner in knapper Darstellung die Entwicklung der Lage aus Sicht der Korps geschildert und schließlich wird der Versuch unternommen, das Dilemma der Armee zwischen dem Wunschdenken „oben“ und den tatsächlichen Ereignissen „vorne“ aufzuzeigen.
    Trotz der Kürze des Textes, war mir wichtig die täglich steigende Dramatik der Ereignisse besonders beim XXXV.A.K. und XLI.Pz.K. wenigstens anzudeuten. Zum besseren Verständniss werden auch die gleichzeitigen Vorgänge an den Flügeln der 9. Armee behandelt. Das ist links, also im Norden, das XII.A.K., welches bereits zur 4. Armee gehörte. Rechts, das heißt im Süden, wird das Geschehen beim LV.A.K. bis 05.Juli weiterverfolgt obwohl dieses Korps, mit der Masse von der 9.Armee abgespalten, bereits am 27. Juni der 2. Armee unterstellt worden ist.
    Die 9. Armee als solche ist zwar am 3. Juli 1944 von der Heeresgruppe Mitte aufgelöst, nach Zuführung neuer Verbände am 10.Juli1944 aber wieder errichtet wurden.


    Ein weiterführendes Thema von Mr. T:
    Panzer- und Sturmgeschützlage Heeresgruppe Mitte Juni 1944


    Als Anhang eine Karte aus : Ostfront 1944 von R. Hinze.


    Grüße Matthias

  • Hallo Miteinander,
    Die Belorussische Operation, in einer Darstellung aus sowjetischer Sicht.
    Auf Grund der Menge in mehreren Teilen.


    Quellen:


    Militärverlag der DDR
    K.K. Rokossowski – Soldatenpflicht
    S.M. Schtemenko – Im Generalstab Band 1
    G.K. Shukow – Erinnerungen und Gedanken Band 1 u. 2
    Autorenkollektiv – Geschichte der Kriegskunst
    Kurt Vohwinkel Verlag
    H.Teske – Die silbernen Spiegel
    Dietz Verlag Berlin
    H. Kühnrich – Der Partisanenkrieg in Europa 1939 – 1945
    Econ – Verlag GmbH
    J. Piekalkiewicz – Der zweite Weltkrieg


    Die Lage im Sommer 1944


    Die militärpolitische Lage der Sowjetunion war dank den im Winterfeldzug errungenen Siegen äußerst günstig. Hieraus ergaben sich auch die Aufgaben der Roten Armee im Sommer-Herbst-Feldzug 1944. sie bestanden darin, das Sowjetland vollständig von den faschistischen Okkupanten zu befreien und den Völkern Europas bei ihrer Befreiung aus der faschistischen Sklaverei zu helfen. Zur Erreichung dieses Zieles waren mehrere aufeinanderfolgende Stöße in verschiedene Richtungen geplant. Den Hauptstoß sah man für die westliche Richtung vor - der kürzesten zur Grenze nach Deutschland. Die Zerschlagung zweier starker strategischer Gruppierungen des Gegners - der Heeresgruppen Mitte und Südukraine - gewährleistete die Befreiung Belorusslands und der restlichen Gebiete der Westukraine und schuf zugleich günstige Bedingungen für die Aufspaltung der im Baltikum stehenden gegnerischen Gruppierung sowie für die Entfaltung der Offensive in der südwestlichen strategischen Richtung. Die Offensive in Belorussland wurde dadurch begünstigt, das die sowjetischen Truppen in einer günstigen konzentrierten Lage standen und dort starke Partisanenkräfte im Rücken des Gegners handelten. Das deutsche Oberkommando, das Belorussland große Bedeutung beimaß, baute in diesem Raum eine starke Verteidigung auf. Die Tiefe der vorbereiteten Verteidigungsabschnitte erreichte 250-270 km. Hier verteidigte sich die Heeresgruppe Mitte und die Flankenverbände der benachbarten Heeresgruppen. Insgesamt zählten die in Belorussland handelnden deutschen Truppen 1,2 Millionen Mann (einschließlich der rückwärtigen Dienste), 9500 Geschütze und Granatwerfer, 900 Panzer und Sturmgeschütze und etwa 1300 Flugzeuge. Der Gegner nutzte für die Verteidigung geschickt das Wald- und Sumpfgelände aus. Er konzentrierte seine Hauptkräfte in den Richtungen, die für die angreifenden sowjetischen Truppen am besten zugänglich waren, hauptsächlich in den Richtungen Witebsk, Orscha, Bobruisk und Kowel. Die Verteidigungsstreifen waren in ihrer Mehrzahl an den Westufern der zahlreichen Flüsse errichtet, die in der Regel von breiten sumpfigen Uferstreifen gesäumt wurden. Die taktische Zone war am stärksten ausgebaut und mit den Hauptkräften besetzt; ihre Tiefe betrug 12 km und mehr.
    Die Schwäche der gegnerischen Verteidigung bestand in der unzureichenden Bereitstellung von Reserven. Bei einer Gesamtbreite der Verteidigung von mehr als 1000 km standen in den Reserven der Armeen und der Heeresgruppe Mitte lediglich 11 Divisionen. Die meisten von ihnen waren zur Bekämpfung der 143000 Mann starken belorussischen Partisanenarmee eingesetzt. Darüber hinaus konzentrierte das deutsche Oberkommando, das damit rechnete, das die Rote Armee ihren Hauptstoß am Südabschnitt der sowjetisch-deutschen Front führen würde, 24 von den 30 Panzer- und motorisierten Divisionen, die ihm im Juni 1944 zur Verfügung standen, südlich des Flusses Pripjat. Der sowjetische Generalstab ergriff zudem Maßnahmen zur Desinformation des Gegners. So wurde im Streifen der 3. Ukrainischen Front eine Konzentrierung von Truppen für den Angriff vorgetäuscht, während in Belorussland eine gedeckte Umgruppierung von taktischen und operativen Verbänden, besonders der Panzertruppen, sowie ihre Konzentrierung vorgenommen wurden. Für die Operation zog das sowjetische Oberkommando die Truppen der 1.Baltischen, der 3., 2. und 1. Belorussischen Front, die Fernfliegerkräfte, die Dneprflottille und die Verbände der belorussischen Partisanen heran. Die Fronten wurden aus den Reserven des Hauptquartiers mit Menschen und Kampftechnik sowie mit Panzer-, Artillerie, Granatwerfer-, Flieger- und Pionierverbänden und -truppenteilen aufgefüllt. Im Bestand der vier Fronten befanden sich mehr als 1,4 Millionen Mann, 31000 Geschütze und Granatwerfer, 5200 Panzer und Selbstfahrlafetten sowie etwa 5000 Kampfflugzeuge.


    Die Vorbereitung


    Die Belorussische Operation wurde mehr als zwei Monate lang vorbereitet. Den endgültigen Entschluss fasste das Hauptquartier Ende Mai, nachdem es die Vorlagen der Kriegsräte der Fronten erörtert halle. Das Wesen der Idee bestand darin, die Offensive mit den Kräften der vier Fronten an breiter Front zu eröffnen, die gegnerische Verteidigung an sechs Abschnitten zu durchbrechen, die Gruppierungen in den Räumen Witebsk und Bobruisk einzukreisen und zu vernichten und anschließend mit konzentrischen Stößen der drei Belorussischen
    Fronten in allgemeiner Richtung Minsk im engen Zusammenwirken mit den Partisanen die Hauptkräfte der Heeresgruppe Mitte einzukreisen und zu vernichten.
    Im weiteren sollte der Stoß verstärkt und die Angriffsfront verbreitert werden. Den Truppen, die zur Westgrenze der Sowjetunion vorzustoßen hatten, wurde als konkrete Aufgabe die Linie Lepel-Beresina-Sluzk vorgegeben (in eine Tiefe von 160 km). Nach ihrer Erfüllung sollten die folgenden Aufgaben entsprechend der entstandenen Lage präzisiert werden.
    Die 1. Baltische Front unter dem Oberbefehl von General I.Ch. Bagramjan erhielt die Aufgabe, im Zusammenwirken mit der 1. Belorussischen Front die gegnerische Gruppierung von Witebsk-Lepel zu zerschlagen. Ihr stand bevor, mit den Truppen der 6. Gardearmee und der 43. Armee die gegnerische Verteidigung nordwestlich von Witebsk zu durchbrechen, den Raum Beschenkowitschi einzunehmen und mit Teilkräften den Gegner im Raum Witebsk einzukreisen und zu vernichten. Im Anschluss daran wollte sie den Richtung Lepel vortragen.
    Die 3. Belorussische Front, die unter dem Oberbefehl von General I.D. Tschernjachowski stand, sollte im Zusammenwirken mit der 1. Baltischen und der 2. Belorussischen Front die gegnerische Gruppierung von Witebsk- Orscha zerschlagen und zu diesem Zweck zwei Stöße führen: den ersten mit der 39. und der 5. Armee aus dem Raum südwestlich Liosno auf Boguschewsk-Senno und den zweiten mit den Kräften der 11. Gardearmee und der 31. Armee entlang der Minsker Chaussee in Richtung Borissow. Dabei sollte die Hauptgruppierung der Front den Angriff in die Tiefe vortragen, um rasch zur Beresina vorzustoßen lediglich die 39. Armee war für die Einkreisung und Vernichtung des Gegners im Raum Witebsk im Zusammenwirken mit den Truppen der 1. Baltischen Front bestimmt.
    Der 2. Belorussischen Front, die General G. F. Sacharow befehligte, wurde die Aufgabe gestellt, im Zusammenwirken mit den Truppen der 3. und der 1. Belorussischen Front die Mogiljewer Gruppierung des Gegners zu zerschlagen
    und zu diesem Zweck mit den Kräften der 49. Armee einen Stoß in Richtung Mogiljew-Beresino zu führen.
    Die 1. Belorussische Front Oberbefehlshaber General K. K. Rokossowski hatte die Aufgabe, mit den Truppen des rechten Flügels den Gegner im Raum Bobruisk einzukreisen und zu vernichten. Mit diesem Ziel wurden zwei Stöße festgelegt: mit der 3. und der 48. Armee aus dem Raum nördlich Rogatschew und mit der 65. und der 28. Armee aus dem Raum südlich Paritschi. Beide in Richtung Bobruisk. Anschließend sollten die Truppen der Front in Richtung Ossipowitschi, Puchowitschi und Sluzk angreifen. Die im Zentrum und am linken Flügel handelnden Truppen sollten den bezogenen Abschnitt fest behaupten und bereit sein, in Richtung Lublin zum Angriff überzugehen. Wenn sie die Linie Lepel-Beresina-Sluzk erreicht hatten, sollten die Truppen des linken Flügels der 3. Belorussischen Front und der rechten Flanke der Stoßgruppierung der 1. Belorussischen Front den Gegner in allgemeiner Richtung Minsk verfolgen, während die übrigen Kräfte in Richtung Molodetschno-Baranowitschi die Verfolgung aufnahmen. Alle hatten im Zusammenwirken mit der 2. Belorussischen Front, die den Gegner frontal verfolgte, östlich Minsk die Einkreisung der gegnerischen Hauptkräfte zu vollenden. Die 1. Baltische Front hatte die Offensive in westlicher Richtung vorzutragen mit dem Ziel, die 3. Panzerarmee zu zerschlagen, die Heeresgruppe Nord zu isolieren und dabei Flankenstöße von Norden her zu unterbinden. Das schwer zu gängige Polessjegebiet sollte die Operation zur Einkreisung des Gegners erleichtern. Die Fernfliegerkräfte sollten Schläge auf die Flugplätze und Eisenbahnlinien des Gegners führen und mit Teilstreitkräften den Angriff der Bodentruppen unterstützen. Den Partisanenverbänden wurde die Aufgabe gestellt, massenhaft Diversionsakte im Rücken des Gegners, in besondere gegen seine Verbindungswege, durchzuführen und allseitig die Truppenteile der Roten Armee bei der Befreiung Belorusslands zu unterstützen.
    Aus der Idee des Hauptquartiers ist ersichtlich, das die Belorussische Operation entschiedene Ziele verfolgte. Das gleichzeitig sechs Durchbrüche an sechs weit voneinander entfernten Abschnitten eingeplant wurden, schloss die Möglichkeit aus, das der Gegner massiert Reserven einsetzte, gewährleistete die Aufspaltung seiner Gruppierung in Teile und schuf günstige Bedingungen für die anschließende Einkreisung und Vernichtung jedes einzelnen Teils. Neu war, das die Einkreisung starker Gruppierungen des Gegners nicht nur in der näheren operativen Tiefe, sondern bis in eine Tiefe von 200 km vorgesehen war. Bei der Lösung die er Aufgabe spielten die Truppen der 3. und der 1. Belorussischen Front die Hauptrolle. Sie sollten den Gegner parallel verfolgen und seine Hauptgruppierung überholen. Zu diesem Zweck verstärkte das Hauptquartier die beiden Fronten mit beweglichen Truppen und Fliegerkräften. Die Oberbefehlshaber fassten ihre Entschlüsse in Übereinstimmung mit den Aufgaben. An diesen Entschlüssen war die geschickte Wahl der Richtungen der Hauptstöße, die auf die Einkreisung und Vernichtung starker gegnerischer Gruppierungen zielten, besonders lehrreich. So wurden für die Zerschlagung des Gegners in den Räumen Witebsk und Bobruisk die Hauptstoßrichtungen der Armeen gegen die Flanken der einzukreisenden gegnerischen Truppen gewählt. Diese Richtungen führten auf dem kürzesten Weg in den Rücken des Gegners. Die Stöße richteten sich gegen Abschnitte, an denen die gegnerische Verteidigung sehr schwach war, obgleich einige Armeen auch Stöße gegen starke Stellen führten, so nördlich Rogatschew und entlang der Minsker Chaussee. Die Kräfte und Mittel wurden entschieden massiert. Dies erreichte man dadurch das man den Armeen schmale Durchbruchsabschnitte zuwies, die Hauptstoßrichtungen gegen die angrenzenden Flanken wählte und die in die en Richtungen handelnden Verbände verstärkte. Eine Armee, die an einem 22-80 km breiten Abschnittsangriff, erhielt einen zwischen 6 und 12 km breiten Durchbruchsabschnitt zugewiesen, an dem je 50-80 Prozent ihrer Kräfte und Mittel konzentrierte. Um die Überlegenheit über den Gegner zu gewährleisten und ein hohes Angriffstempo zu erzielen, wiesen die Truppen einen tiefen operativen Aufbau auf. Obwohl sich die Fronten nur in einer Staffel aufstellten, verfügten sie über für diese Zeit starke bewegliche Gruppen. Darüber hinaus wurden auch in einigen Armeen, die in der Hauptstoßrichtung der Front handelten (11. Gardearmee, 3. und 65. Armee), bewegliche Gruppen gebildet. Es erregt einiges Interesse, vergleicht man die Planung der Einkreisung und Vernichtung der gegnerischen Gruppierungen mit der Planung dieser Handlungen in den vorausgegangenen Operationen. Insbesondere war die Einkreisung und Vernichtung der Witebsker Gruppierung des Gegners an den angrenzenden Flügeln (an den Nahtstellen) der beiden Fronten, in der taktischen und der näheren operativen Tiefe mit den Kräften lediglich der allgemeinen Armeen vorgesehen. Dies war dadurch bedingt, das die beweglichen Truppen für die Lösung der Hauptaufgabe bestimmt waren, d. h. den Angriff auf Minsk vorzutragen. Außerdem war bei der günstigen konzentrischen Lage der Truppen die Entfernung der 43. und der 39. Armee zum Punkt des Zusammentreffens
    nur gering (22-34 km) und konnte mit den Kräften der allgemeinen Verbände schnell überwunden werden.
    Die Einkreisung und Vernichtung der Bobruisker Gruppierung des Gegners sollte durch die Kräfte einer Front in der operativen Tiefe verwirklicht werden. Die Hauptrolle bei der Einkreisung spielten die Panzertruppen.
    Die Truppen sollten in beiden Fällen, bei Witebsk wie bei Bobruisk, an der äußeren Einkreisungsfront den Angriff fortsetzen. Ihr schneller Vormarsch sollte den eingekreisten Gegner daran hindern, nicht nur das taktische, sondern auch das operative Zusammenwirken mit den eigenen Truppen, die außerhalb des Ringes handelten, aufrechtzuerhalten. Zugleich wurden damit günstige Bedingungen für eine rasche und vollständige Liquidierung des eingekreisten Gegners geschaffen. Man plante die Armeeangriffsoperationen in eine Tiefe von 45-160 km. Die Unterschiede in der Festlegung der Tiefe der Aufgaben entsprangen der konkreten Lage sowie den zu lösenden Aufgaben. So erklärte sich die geringe Operationstiefe für die Armeen der 1. Baltischen Front und für die 39. Armee der 3. Belorussischen Front daraus, das mit ihrem Vorstoß auf die ihnen vorgegebenen Linien die Aufgabe zur Einkreisung und Zerschlagung der Witebsker Gruppierung des Gegners sowie zur Einnahme einer günstigen Linie (westliche Dwina) für die folgenden Armeeoperationen erfüllt war.
    Die Dauer der Armeeoperationen (5-10 Tage) und das Angriffstempo (7 -15 km je Tag) wurden durch den Inhalt der Aufgaben und durch die Bedingungen für ihre Erfüllung bestimmt. Das niedrige Angriffstempo der Armeen des rechten Flügels der 1. Belorussischen Front resultierte aus der Unterschätzung der sich aus dem Sumpf- und Waldgelände ergebenden Schwierigkeiten. Die Schützenverbände der ersten Staffel der Armeen hatten die Aufgabe, die taktische Verteidigungszone des Gegners am ersten Angriffstag zu durchbrechen.
    Aus diesem Grund wurden ihnen schmale Durchbruchsabschnitte (für Korps 2,5-5 km, für Divisionen 2-2,5 km) zugewiesen und bedeutende Verstärkungsmittel zugeteilt. Es war kennzeichnend für die Praxis der Aufgabenstellung an die Schützendivisionen, das die Gefechtsaufgaben in eine nächste, eine folgende und eine Tagesaufgabe unterteilt wurden, obwohl die Vorschriften jener Periode dies noch nicht vorsahen. Die nächste Aufgabe der Division beinhaltete den Durchbruch von ein bis zwei Stellungen, die folgende die Einnahme des Hauptstreifens und die Tagesaufgabe die Einnahme des zweiten Streifens, d. h. die Vollendung des Durchbruchs der gesamten taktischen Zone. Jede Front teilte 40-60 Prozent ihrer Panzer zur unmittelbaren Unterstützung der Infanterie ein, wodurch es möglich wurde, an den Durchbruchsabschnitten eine Dichte von 12-22 Gefechtsfahrzeugen je Frontkilometer zu schaffen. Die Steigerung der Dichte an Panzern zur unmittelbaren Unterstützung der Infanterie ermöglichte, die Wucht des ersten Stoßes im Vergleich zu 1943 zu verstärken und das Tempo des Durchbruchs der gegnerischen Verteidigung zu erhöhen. Auch die Möglichkeit, das Zusammenwirken zwischen der Infanterie und den Panzern zu organisieren, verbesserte sich, da einzelne Panzer- und SFL-Truppenteile den Schützenregimentern zugeteilt wurden. Man plante, die Panzerkorps, die die beweglichen Gruppen der Armeen bildeten, für die Vollendung des Durchbruchs des Hauptstreifens oder zur Einnahme des zweiten Verteidigungsstreifens des Gegners aus der Bewegung am ersten Angriffstag einzusetzen. Nach vollendetem Durchbruch der taktischen Zone sollten die Panzerkorps den Angriff vortragen mit dem Ziel, den Gegner einzukreisen (so das 1. Gardepanzer- und das 9. Panzerkorps) oder in den Rücken seiner zurückweichenden Truppenteile vorzustoßen und vorbereitete Linien aus der Bewegung einzunehmen (das 2. Gardepanzer- und das 11. Panzerkorps). Die beweglichen Gruppen der Fronten wollte man nach dem Durchbruch der taktischen Verteidigungszone des Gegners am zweiten und die 5. Gardepanzerarmee am dritten Tag der Operation einsetzen. Dabei legte man die Einführung der Panzerarmee, indem man die Schwierigkeit eines Durchbruchs der starken gegnerischen Verteidigung entlang der Minsker Chaussee berücksichtigte, in zwei möglichen Varianten fest: im Streifen der 11. Gardearmee oder im Streifen der 5. Armee mit der Aufgabe, anschließend auf die Minsker Chaussee vorzustoßen und den Angriff auf Borissow vorzutragen. Die Kräfte und Mittel der allgemeinen Armeen, in deren Streifen die beweglichen Gruppen eingeführt wurden, sowie die Frontfliegerkräfte sollten die Einführung in die Schlacht sicherstellen.
    Die Massierung der Artillerie ermöglichte, an den Durchbruchsabschnitten eine Dichte von 150-205 Geschützen und Granatwerfern mit 76 mm- und größerem Kaliber je Frontkilometer zu schaffen. Der Charakter der Artilleriegruppierung wurde in den meisten Armeen durch die Existenz starker Armee-Artilleriegruppen
    geprägt. Zugleich begann man in einer Reihe von Armeen, nach den Vorschriften für den Durchbruch einer Stellungsverteidigung 1944 Regiments-, Divisions- und Korpsartilleriegruppen zu bilden. In allen Armeen stellte man Armee-Flakartilleriegruppen auf, jede in Stärke einer Flakdivision der Reserve des Obersten Befehlshabers und eines Armee-Flakregiments, zuweilen aber auch noch stärkere.
    Die Dauer der Artillerievorbereitung verringerte sich im Vergleich zu 1943 auf 125-140 Minuten. Die Tiefe des Niederhaltens war für durchschnittlich 4-5 km vorgesehen.
    Neu bei der 2. und der 1. Belorussischen Front war, das neben der Unterstützung des Sturmangriffs der Infanterie und der Panzer mit einer einfachen Feuerwalze und der überschlagenden Zusammenfassung des Feuers an einigen Abschnitten auch eine zweifache Feuerwalze in eine Tiefe von 1,5-2 km eingeplant wurde. Die neue Methode der Artillerieunterstützung war durch das Erfordernis einer zuverlässigen Sicherstellung des Sturmangriffs der Infanterie und der Panzer beim Durchbruch einer starken Stellungsverteidigung des Gegners, durch die größeren Möglichkeiten der sowjetischen Artillerie sowie durch das gestiegene Können der Generale und Offiziere bedingt. Die Luftarmeen der Fronten (3.; 1., 4. und 16.) sollten die Stoßgruppierungen der Fronten zuverlässig decken, die lebende Kraft, die Feuermittel und die Führungsstellen des Gegners niederhalten, den Angriff der Infanterie und der Panzer beim Durchbruch der gegnerischen Verteidigung und bei seiner Entwicklung unterstützen, jeden organisierten Rückzug des Gegners und das Festsetzen auf in der Tiefe vorbereiteten Linien unterbinden, das Heranführen gegnerischer Reserven verhindern und ununterbrochen aufklären. Die Handlungen der Fliegerkräfte waren in Form des «Fliegerangriffs" vorgesehen. Man plante, die unmittelbare Luftvorbereitung in der Nacht vor dem Angriff mit Schlägen der Fern- und
    Nachtbombenfliegerkräfte zu eröffnen. Während der Artillerievorbereitung war in den Streifen der 3. und der 2. Belorussischen Front ein massierter Schlag der Bomben- und teilweise auch der Schlachtfliegerkräfte geplant. Die Luftvorbereitung sollte ohne Pause in die Luftunterstützung hinüberwachsen. Besondere Aufmerksamkeit widmete man der Sicherstellung der Einführung der beweglichen Gruppen in die Schlacht und ihrer anschließenden Handlungen.


    Weiter...

    Grüße Matthias

  • weiter....


    So wurden allein bei der 3. Belorussischen Front zur Unterstützung der 5. Gardepanzerarmee vier - ein Bomben-, ein Schlacht- und zwei Jagdfliegerkorps - und für die Kavallerie-mechanisierte Gruppe ein Jagdfliegerkorps und drei selbständige Fliegerdivisionen eingeteilt.
    Um die Aufgaben der Pioniersicherstellung der Operation zu erfüllen, wurde in der Hauptstoßrichtung der Fronten eine hohe Dichte an Pioniertruppen geschaffen. Sie betrug acht Pionierkompanien je Frontkilometer bei der 1. Baltischen Front, 7,2 bei der 3. Belorussischen Front, 13 bei der. 2. Belorussischen Front und 11 Pionierkompanien bei der 1. Belorussischen Front. Eine besondere Stellung nahmen die Pionieraufklärung, die Vorbereitung der Truppen auf Handlungen in Wald- und Sumpfgelände, der Bau von Straßen, Knüppeldämmen und Brücken sowie die Überwindung von mit sumpfigen Stellen gesäumten Uferstreifen ein. So wurden bei der 3. Belorussischen Front allein 335 km Straße instand gesetzt, 30 km Straße mit Knüppelbelag gebaut und etwa 30 km Kolonnenwege angelegt. Um bei der Offensive Flüsse überwinden zu können, wurden Einzelteile für Behelfsbrücken vorgefertigt: insgesamt bei allen vier Fronten mehr als 2500 laufende Meter.
    Die Schwierigkeiten. die sich für die pioniertechnischen Arbeiten unter den Bedingungen des Wald- und Sumpfgelände auftaten, machten es notwendig, die Pioniertruppen in der Vorbereitungsphase auf der Frontebene zentralisiert einzusetzen. Bei Angriffsbeginn wurde ein beträchtlicher Teil der Pioniertruppen
    den Truppenteilen und Verbänden unterstellt. Der große Umfang der pioniertechnischen Arbeiten machte die Einbeziehung von Angehörigen aller Waffengattungen notwendig.
    Das Wald- und Sumpfgelände bedingte einige Besonderheiten in der Organisation und Durchführung der Aufklärung. Da die Beobachtungsmöglichkeiten eingeschränkt waren, wurde es erforderlich, eine große Anzahl zusätzlicher Beobachtungsstellen auszubauen. Dieser Umstand hob zugleich die Bedeutung anderer Methoden und Arten der Aufklärung (Stoßtruppunternehmen, Abhördienst, Artillerie-, Pionier-, Luft- sowie Funkaufklärung). Insbesondere die Funkaufklärung erfasste im Verlauf der Kampfhandlungen fast alle Stäbe der
    deutschen Armeekorps und Divisionen. Eine beachtliche Rolle bei der Beschaffung von Angaben über den Gegner spielte die Agenturaufklärung, womit sich das au gedehnte Netz der Partisanenabteilungen und -verbände auf dem Gebiet Belorusslands befasste.
    Der Beginn der Belorussischen Operation fiel auf den 3. Jahrestag des Überfalls auf die UdSSR. Diese Gelegenheit ermöglichte, auf der Grundlage einer tiefgründigen Erläuterung der militärpolitischen Bilanz der drei Kriegsjahre und der Befehle des Obersten Befehlshabers noch zielstrebiger die politische Erziehung der Armeeangehörigen zu organisieren. In der parteipolitischen Arbeit wurden wie in den anderen Operationen vielfältige Formen und Methoden angewendet: Information, Versammlungen, Kundgebungen, Lektionen, Seminare, individuelle Gespräche, Treffen von Veteranen mit neu eingezogenen Jahrgängen usw. Die mehr als 630000 Kommunisten im Bestand der vier Fronten waren eine feste Stütze der Kommandeure und Politarbeiter bei der Ausbildung der Truppen. Man richtete das Hauptaugenmerk auf die Stärkung der Kompanieparteiorganisationen, deren Anzahl sich bis zum Beginn der Operation auf fast das Doppelte erhöht hatte. Dies ermöglichte, die Aufgaben zur politischen und militärischen Erziehung der Armeeangehörigen unmittelbar in den Einheiten noch operativer zu lösen.
    Die Maßnahmen zur allseitigen materiellen und technischen Sicherstellung der Operation zogen sich über etwa drei Monate hin. In dieser Zeit wurde eine gewaltige Arbeit geleistet, um Eisenbahnstrecken und unbefestigte Straßen anzulegen, um den Materialtransport zu verwirklichen und um die Technik und die Kfz.-Transportmittel instand zu setzen. Im Durchschnitt wurden bei den Fronten und Armeen folgende Vorräte angelegt: 3,5-4,4 Kampfsätze Munition, 2-4 Auffüllungen Treibstoff und 10-20 Tagessätze Verpflegung. Es war charakteristisch,
    das eine beträchtliche Menge Munition unmittelbar in den Räumen der Feuerstellungen der Artillerie konzentriert wurde. Um die Organisation der medizinischen Sicherstellung zu verbessern, entfaltete man im rückwärtigen Raum rechtzeitig ein Netz von Lazaretten, die (die Armeen des linken Flügels der 1. Belorussischen Front nicht berücksichtigt) über etwa 590000 Betten verfügten.
    Man zog die Schwierigkeilen, die sich für die Bevorratung bei den Armeen aus dem Wald- und Sumpfgelände ergaben, in Betracht und verlegte in den meisten Fällen die Versorgungsstellen näher an die Truppen. Es war festgelegt, im Verlauf der Operation Transportwege, besonders Eisenbahnstrecken, anzulegen beziehungsweise instand zu setzen. Die Nachschubmöglichkeiten waren wegen Mangels an Kfz.-Transportmitteln, insbesondere bei der 1. Baltischen Front, eingeschränkt. Dies konnte einige Schwierigkeiten im Laufe des Angriff hervorrufen.


    Oberbefehlshaber General K. K. Rokossowski berichtete:


    Da es das Gelände in der Richtung Rogatschew-Bobruisk nur gestattete, zu Beginn der Offensive die 3. und Teilkräfte der 48. Armee zu konzentrieren, musste diese Gruppierung durch einen Stoß in einer anderen Richtung unterstützt werden. Andernfalls konnte der Gegner Kräfte von den nicht angegriffenen Abschnitten abziehen, um einen Durchbruch seiner Verteidigung zu verhindern. Zwei Hauptstöße lösten aber alle Probleme. Die Hauptgruppierung des rechten Frontflügels konnte gleichzeitig in die Schlacht eingreifen, was an einem verhältnismäßig begrenzten Abschnitt nicht möglich war. Dadurch war es dem Gegner unmöglich, zu manövrieren. Selbst ein Erfolg an einem der beiden Abschnitte musste diesen in eine schwierige Lage versetzen, während die Front den Angriff energisch entwickeln konnte. Am 22. und 23. Mai wurde der Operationsplan im Hauptquartier endgültig erarbeitet.
    Die Operation erhielt den Decknamen „Bagration“ und stellte allen vier Fronten wichtige strategische und politische Aufgaben. Sie sollten den Frontvorsprung des Gegners im Raum Witebsk-Bobruisk-Minsk beseitigen, die Heeresgruppe Mitte vernichten, die Belorussische SSR befreien, die Befreiung Polens einleiten und die Kampfhandlungen auf das Territorium des faschistischen Deutschlands verlegen. Großer Wert wurde auf die Organisierung des Zusammenwirkens, vor allem der 3. und der 1. Belorussischen Front, gelegt. Deren Truppen sollten schnell nach Westen vordringen und sich mit ihren Flanken westlich Minsk vereinigen.
    Unsere Front hatte die Offensive mit den vier Armeen ihres rechten Flügels zu beginnen. Diese Hatten die Bobruisker Gruppierung des Gegners einzuschließen und zu vernichten, den Raum Bobruisk-Gluscha-Glussk zu besetzen und im folgenden in den Richtungen Bobruisk-Minsk und Bobruisk-Baranowitschi vorzugehen. Die Truppen des linken Flügels sollten erst antreten, nachdem die gegnerischen Truppen im Raum Minsk eingeschlossen waren und der rechte Flügel die Linie Baranowitschi erreicht hatte. Die 3. Armee hielt nördlich Rogatschew einen kleinen Brückenkopf am westlichen Dneprufer, der für Operationen aller Waffengattungen in Richtung Bobruisk ausreichte. Dagegen stand es bei der 48. Armee des Generals Romanenko wesentlich ungünstiger. Sie hatte einen Streifen südlich der Eisenbahnlinie Shlobin-Bobruisk am Nordufer der Beresina besetzt und besaß einen kleinen Brückenkopf jenseits des Flusses. Der Armeeoberbefehlshaber wollte von dieser Linie aus angreifen. Beim Besichtigen der vorderen Linie stellte ich jedoch fest, das ein Angriff von hier unmöglich war. Selbst für einzelne leichte Geschütze mussten Knüppeldämme in mehreren Schichten gelegt werden. Das Gelände in der Umgebung bestand fast durchweg aus Sümpfen mit kleinen Inseln, die mit dichtem Wald und Unterholz überzogen waren. Hier konnte man weder Panzer noch schwere Artillerie konzentrieren. Ich befahl daher Romanenko, seine Hauptkräfte auf den Brückenkopf bei Rogatschew an den linken Flügel der 3. Armee zu verlegen und gemeinsam mit dieser zu handeln. Die Truppen, die auf dem Brückenkopf an der Beresina zurückblieben, sollten möglichst starke gegnerische Kräfte fesseln und damit zum Erfolg des Hauptstoßes beitragen. Auch die 65. und die 28. Armee, die den zweiten Stoß führten, hatten sumpfiges Waldgelände vor sich, das von den Nebenflüssen des Pripjat durchschnitten wurde.
    Die Soldaten und Offiziere hatten die schwierige Aufgabe, dieses gefährliche Gelände in zügigen Kämpfen zu überwinden. Darauf bereiteten sich alle gründlich vor. Die Infanteristen lernten dicht hinter der vorderen Linie schwimmen, Sümpfe und Bäche mit Behelfsmitteln überwinden und sich im Wald orientieren. Für die MGs und die leichte Artillerie wurden viele Sumpfskier und -schlitten angefertigt sowie Boote und Flöße gebaut. Die Panzersoldaten hatten ein besonderes Training: General Batow zeigte mir im rückwärtigen Raum seiner Armee einen »Tankodrom« in einem Sumpf. Anderthalb Stunden lang beobachteten wir, wie die Panzer nacheinander in den Sumpf fuhren und ihn überwanden. Zusammen mit den Pionieren hatten die Panzersoldaten alle Kampfwagen mit Faschinen, Bohlen und Dreiecken ausgerüstet, mit deren Hilfe sie die breiten Fließe passierten. Den Heldenmut, die Findigkeit und die aufopferungsvolle Arbeit unserer Pioniere möchte ich besonders hervorheben. Im Juni räumten sie innerhalb von 20 Tagen 34 000 Minen, legten in der Hauptstoßrichtung 193 Gassen für Panzer und Infanterie, schufen Dutzende Übersetzstellen über Drut und Dnepr und bauten Kilometer um Kilometer Knüppeldämme und Gleisstraßen. Bei dieser angestrengten Arbeit waren Kommunisten und Komsomolzen die Schrittmacher und das Rückgrat der Truppen.
    Anfang 1944 gab es gewisse kriegsbedingte Schwierigkeiten. Im Zuge unseres Vormarsches vom Kursker Bogen bis zum Dnepr waren in den erbitterten Kämpfen Lücken in die Reihen der Parteimitglieder gerissen worden. So bestanden in 1224 Kompanien keine Parteiorganisationen mehr, weil die Genossen in den Kämpfen um die Befreiung der Heimat den Heldentod gefunden hatten.
    Bis zum Beginn der Belorussischen Operation bestanden in den meisten Einheiten wieder vollwertige, gut arbeitende Partei- und Komsomolorganisationen. In jeder Kompanie gab es fünf bis zehn Kommunisten und zehn, ja manchmal sogar zwanzig Komsomolmitglieder. Da damals in erster Linie Armeeangehörige in die Partei aufgenommen wurden, die sich im Gefecht ausgezeichnet hatten, wuchs der Einfluss der Partei bei allen Kampfhandlungen unermesslich.
    Nach Erhalt der Anweisungen des Hauptquartiers musste ich mich intensiv mit meinem Stab und den Oberbefehlshabern der Armeen beschäftigen. An Ort und Stelle wurde alles Nötige für den bevorstehenden Angriff erarbeitet: die Truppenführung zu Beginn und im Verlauf der Operation, die Tarnung der Truppenbewegungen, der Nachschub von technischer Ausrüstung und Munition, die Auswahl und Ausrüstung der Marschwege und Straßen sowie allerlei Kriegslisten, um den Gegner über unsere Absichten zu täuschen.
    Besonderen Wert legten wir sowohl auf die Luft- als auch auf alle Arten der Truppen- und Funkaufklärung. Piloten der 16. Luftarmee fertigten von den gegnerischen Befestigungen in der Richtung Bobruisk vollständige Luftbildaufnahmen an. Die Truppe erhielt sofort Karten mit den eingezeichneten Daten. Allein die kühnen Aufklärer der Armeen des rechten Flügels der Front brachten von über 400 Stoßtruppunternehmen 80 »Zungen« und wichtige Dokumente mit. Von den Stäben aller Stufen wurden ständige Kontrollen der Tarnmaßnahmen auf der Erde und aus der Luft gefordert. Der Gegner durfte nur das sehen, was wir ihm zeigen wollten. Die Konzentrierung und Umgruppierung der Truppenteile vollzog sich ausschließlich nachts; tagsüber rollten Transportzüge mit Panzer- und Geschützattrappen von der Front ins Hinterland. An vielen Stellen richteten wir Scheinübergänge ein und täuschten Straßenbauten vor. An zweitrangigen Abschnitten konzentrierten wir große Mengen von Geschützen, die einige Feuerüberfälle unternahmen und danach in den rückwärtigen Raum gebracht wurden. In den Feuerstellungen blieben nur Geschützattrappen. In solchen Täuschungsmanövern war der Chef des Stabes der Front, General Malinin, unerschöpflich.


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    Grüße Matthias

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    General S.M. Schtemenko (Generalstab) schrieb:


    Vorher hatten wir zu dritt die Lage gründlich untersucht und die Möglichkeiten jeder Front analysiert. Dabei wurde klar, das wir die Gruppierungen des Gegners bei Witebsk, Orscha und Mogiljew gleichzeitig zerschlagen mussten. Auch ein enges Zusammenwirken mit der 1. Belorussischen Front, die den Gegner im Raum Bobruisk zu liquidieren hatte, war erforderlich. Die eben erwähnten vier Gruppierungen des Gegners bildeten ein einheitliches Ganzes, gehörten zu den Hauptkräften seiner Heeresgruppe Mitte und bildeten das Rückgrat seiner Verteidigung in Belorussland. Seine Hauptkräfte hatte der Gegner in der taktischen Zone konzentriert, ein typisches Merkmal seiner Verteidigung in dieser Periode. Das bedeutete für uns, beim Durchbrechen der Stellungen des Gegners große Mengen Artillerie einzusetzen, um ihn gerade in der taktischen Zone niederzuhalten und zu zerschlagen. Gleichzeitig war es jedoch auch erforderlich, auf seine Reserven in der Tiefe - so gering sie auch sein mochten - einzuwirken. Deshalb erwogen wir gleichzeitig die Variante eines tiefen Stoßes mit einem starken Panzerkeil in Richtung Borrissow - Minsk, um die Reserven des Gegners zu vernichten, bevor er sie in das Gefecht einführen konnte. Aller Voraussicht nach musste ein solcher Schlag für die schnelle Entwicklung der Operation in allen Richtungen - auch in der Bobruisker - entscheidend sein. Aber keine der drei Belorussischen Fronten verfügte über eine Panzerarmee. Sie musste vom Hauptquartier erbeten werden; wir kamen überein, das Tschernjachowski mit Unterstützung des Generalstabes darum ersuchen sollte. Nachdem entschieden war, wo die Hauptanstrengungen im Sommerfeldzug 1944 zu konzentrieren waren, erhob sich sofort die Frage nach dem Zeitpunkt. Erste Berechnungen ergaben, das vor Beginn der Offensive in Belorussland eine operative Pause benötigt würde, um die Truppen umzugruppieren und materielle Mittel, vor allem Munition und Treibstoff, heranzuführen und zu bevorraten. Das war unvermeidlich mit einer Überbeanspruchung der Eisenbahn verbunden. Somit wurde die schwierige Transportlage eine Ursache dafür, zeitweilig zur Verteidigung überzugehen. Der Generalstab betrachtete die Verteidigung nicht als Selbstzweck, sondern als eine notwendige Maßnahme, die es gestattete, uns gründlich auf die entscheidende Offensive vorzubereiten. Dabei wurde auch in Betracht gezogen, das der Übergang zur Verteidigung an der gesamten sowjetisch-deutschen Front, kombiniert mit der operativen Tarnung, den Gegner hinsichtlich der wirklichen Absichten des sowjetischen Oberkommandos täuschen würde. Als wir unseren Vorschlag Mitte April erstmals im Hauptquartier vortrugen, lehnte Stalin ihn ab. Er war dafür, die Angriffshandlungen fortzusetzen. "Wir werden es uns noch überlegen", sagte er, obwohl er genau wusste, das viele Oberbefehlshaber von Fronten gegen Teiloperationen waren, die meist wenig Erfolg brachten. Erst einen Tag später willigte Stalin ein, in der Nordwestund der Westrichtung zur Verteidigung überzugehen. Entsprechende Direktiven folgten am 17. und 19. April. Hinsichtlich der übrigen Fronten befahl der Oberste Befehlshaber, nichts zu übereilen und sie - wie er sich ausdrückte - "allmählich in die Verteidigung zu überführen". So wurden sie praktisch erst in der Zeit vom 1. bis 7. Mai angewiesen, zur Verteidigung überzugehen. Hervorzuheben ist, das alle diese Anweisungen inhaltlich vom Geiste der Vorbereitung auf die Offensive durchdrungen waren. Das Hauptquartier forderte:


    ,,1. Eine gründliche tägliche Beobachtung des Gegners mit der Aufgabe zu organisieren, sein Verteidigungs- und Feuersystem bis zum einzelnen Feuernest, der Granatwerfer- oder Artilleriebatterie festzustellen. Alle nachträglichen Veränderungen in der Lage des Gegners rechtzeitig zu berücksichtigen und in die Aufklärungs- und Zielschemata einzutragen.
    2. Zur Tarnung des eigenen Verteidigungssystems, der Gruppierung der eigenen Feuermittel und der Munitionsvorräte die Feuertätigkeit der Artillerie, der Granatwerfer und der Infanteriewaffen einzuschränken und mit der Feuerführung spezielle Feuermittel zu beauftragen; alle Feuerstellungen, auf die sich der Gegner eingeschossen hat, zu wechseln; die Feuerführung nur aus zeitweiligen oder Reservefeuerstellungen zu gestatten; je Einheit eingesetzter Waffen besonders hohen Kalibers (120-mm-Granatwerfer, 122- und 152-mm-Haubitzen) ein streng einzuhaltendes tägliches Verbrauchslimit festzusetzen."


    Der Generalstab erarbeitete die allgemeine operative Idee und danach den Operationsplan für den Sommerfeldzug 1944 auf der Grundlage von Vorschlägen aller Oberbefehlshaber der Fronten, die bis ins einzelne über die Lage informiert waren. Der Kriegsrat der 1. Belorussischen Front sah seine Aufgabe darin, die gegnerischen Truppen in dem ausgedehnten Raum Minsk - Baranowitschi - Slonim - Brest - Kowel - Luninez – Bobruisk zu zerschlagen. Nach Erreichen dieses Operationszieles sollten unsere Armeen die Linie Minsk - Slonim - Brest westlicher Bug erreichen. Damit hätten sie die wichtigsten Rochadeeisenbahnlinien und -straßen des Gegners in einer Tiefe von 300 Kilometern durchschnitten, was die Verhinderung des Zusammenwirkens seiner operativen Gruppierung in westlicher Richtung bedeutete.


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    Grüße Matthias

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    Partisanen:


    Teske führte in seinem Buch ,Die silbernen Spiegel' noch eine andere Großaktion der Partisanen an. Er schrieb: ,24 Stunden vor Beginn der russischen Offensive führten die Banden in der Nacht vom 19./20. Juni 1944 die bisher umfangreichste Großaktion durch. Es wurden 10500 Sprengstellen gezählt – das sind in einer Nacht zwei Drittel der Gesamtsprengungen des ganzen Monats Mai - und 3500 Sprengkörper ausgebaut (im gesamten Mai 7000). Diese Aktion der sowjetischen Partisanen war die Einleitung für eine große Offensive der Roten Armee. in deren Ergebnis die deutsche Heeresgruppe Mitte völlig zusammenbrach. Nach Unterlagen des Zentralen Stabes der Partisanenbewegung in Moskau wurden in der Nacht zum 20. Juni 1944 - entgegen den niedrigeren Angaben Teskes 40000 Sprengungen an den Gleisanlagen durchgeführt. Durch diese Massenaktion wurden viele Eisenbahnlinien völlig lahmgelegt, so die Linien Orscha-Borissow, Orscha-Mogiljew, Molodetschno-Polozk, Molodetschno-Lida, Baranowitschi-Osipowitschi. Baranowitschi-Brest. Baranowitschi-Minsk, Baranowitschi- Luninez. Staruschki-Urjetsche USW. Teske berichtete über die Auswirkungen dieser Großaktion auf die Führung der deutschen Truppen: Die Folge war die fast völlige Unterbrechung des gesamten Betriebes, stellenweise länger als 24 Stunden, vor allem an sämtlichen Zulaufstrecken und Querverbindungen. Der materielle Verlust war so groß, das bei den sofort mit allen verfügbaren Kräften einsetzenden Instandsetzungen stellenweise das zweite Gleis zur Gewinnung von Schienen wenigstens für ein Gleis abgebaut werden musste.
    Die Partisanen des Mogiljewer Gebietes, die ihren Schlag gegen die Eisenbahnlinie Orscha-Mogiljew gerichtet hatten, zerstörten 40 Kilometer Schienenwege und sprengten an 5000 Stellen die Schienen, so das der Verkehr bis zum Eintreffen der Roten Armee zum Erliegen kam, wobei 10 feindliche Züge, die nicht mehr abtransportiert werden konnten, erbeutet wurden. Der Anteil der sowjetischen Partisanen an der Zerschlagung der Heeresgruppe Mitte durch die Aktion vom 19. zum 20. Juni 1944 wurde von Teske folgendermaßen eingeschätzt. Die in
    dieser Nacht schlagartig einsetzende Banden-Großaktion als Vorbereitung für die russische Offensive bewirkte teilweise völliges Stillegen des Bahnbetriebes auf allen wichtigen Zulaufstrecken zu den Einbruchsgebieten. Sofort einsetzende Aushilfemaßnahmen ... kamen zu spät. Die Rasanz der russischen Offensive war zu stark, und die Verhinderung des schnellen Herankommens von Eingreifdivisionen durch die Partisanen zu wirksam ... Die Partisanen hatten ihr Meisterstück geliefert: durch kluge Verteilung ihrer Kräfte in enger Zusammenarbeit mit der Roten Armee zu verhindern, das deren Offensive durch auf der Eisenbahn beschleunigt herangeführte deutsche Verbände - wie beim Kampf um den Orjolbogen – abgestoppt werden konnte. Mit dieser Aktion in der Nacht zum 20. Juni 1944 erschöpfte sich aber nicht die Mitwirkung der Partisanen an der Befreiung Belorusslands und der Zerschlagung der deutschen Heeresgruppe Mitte. In den folgenden Tagen und Wochen wurden die Aktionen gegen die Nazitruppen im Hinterland verstärkt fortgesetzt. An vielen Stellen wurden immer wieder feindliche Militärzüge zum Entgleisen gebracht. Allein in drei Tagen, vom 26. bis 28. Juni 1944, wurden 141 Eisenbahnzüge zum Entgleisen gebracht. davon auf den Linien Orscha-Minsk 20, Minsk-Baranowitschi 16, Minsk-Molodetschno 14, Baranowitschi-Wolkowysk 26, Brest-Baranowitschi 28. Ständig wurden die weiteren Aktionen der Partisanen mit der Roten Armee abgestimmt. Zu diesem Zweck befanden sich bei den Truppen der 1. Baltischen, der 3., 2. und 1. Belorussischen Front Operativgruppen des Belorussischen Stabes der Partisanenbewegung, die die Operationen der Partisanen mit denen der sowjetischen Truppen koordinierten. Hunderte von gemeinsamen Aktionen wurden so durchgeführt. Es ist keineswegs zufällig, das Teske, der ein einigermaßen klares Bild über die Kraft der sowjetischen Partisanenbewegung hatte, den Schlägen der Partisanen gegen die Verbindungs- und Nachschublinien nicht nur eine taktische Bedeutung beimaß, sondern erklärte, das dass Partisanenwesen russischerseits als operatives Kampfmittel benutzt wurde. Auch der General des Transportwesens, der auf einer Besprechung am 12. Dezember 1943 in Slepjanka, an der der Chef des Generalstabs der Heeresgruppe Mitte, die vier Armeechefs und Abteilungsleiter des Oberkommandos der Heeresgruppe teilnahmen, einen Bericht über die Transportlage gab, schätzte die Aktionen der sowjetischen Partisanen ähnlich ein: Das ganze ist eine zentral und nach operativen Gesichtspunkten geleitete Aktion, die uns an unserer empfindlichsten Stelle trifft.
    Auch Dixon/Heilbrunn bezeichneten diese Operationen als geradezu klassisches Beispiel- für die Koordinierung des Kampfes regulärer und irregulärer Streitkräfte. Sie berichteten, das im Frühjahr 1944 plötzlich im Hinterland Ruhe eintrat. Die Front der Heeresgruppe Mitte war merkwürdig verzerrt-, Sie sah ungefähr wie ein Fragezeichen aus, dessen Oberteil stark angeschwollen war. Durch geschickte Täuschungsmanöver gab die Rote Armee den Anschein, als beabsichtige sie in allernächster Zeit einen Angriff auf den zurückspringenden Bogen der deutschen Front. Daraufhin verlegte die Heeresgruppe Mitte ihre sämtlichen operativen Reserven und andere Verbände vom Norden nach dem Süden und benutzte hierzu die einzige zur Verfügung stehende Bahn von Orscha über Minsk nach Brest. Die Partisanen, die zuvor diese Strecke häufig angegriffen hatten, störten diese Bewegung fast gar nicht. Die Rote Armee wollte, das sie reibungslos vonstatten gehe, und hatte den Partisanen befohlen, sich still zu verhalten. Kaum waren die deutschen Verstärkungen im Süden eingetroffen, da griff die Rote Armee überraschend mit stark überlegenen Kräften im Norden an, und als die Heeresgruppe die dringlichst benötigten Verstärkungen vom Süden nach Norden auf dem Bahnweg zurücksenden wollte, um die wankende Nordfront zu stützen, brachten die Partisanen, wiederum auf Befehl der Roten Armee, durch eine wahre Orgie von Massenzerstörungen den Bahnverkehr fast völlig zum Erliegen. Die Heeresgruppe Mitte, ihrer Reserven entblößt und von jeglichem Nachschub abgeschnitten, brach zusammen.


    Die Partisanenbrigade „Tschkalow“ nahm wichtige Flussübergänge über den Slutsch im Rayon Pogosta ein. Am 30. Juni nahm eine Pinsker Brigade am gleichen Fluß im Rayon Starobin – Grabowo Übergänge ein.
    Partisanen des Minsker Gebietes zerschlugen rückwärtige Einheiten der 3.I.D. des 104 Luftwaffenregiments und den Stab der 36. I.D.. Bis zum 27. Juni eroberten sie im Gebiet der Dörfer Beresowka und Kasaratschi Übergänge über den Ptitsch, wobei 150 dt. Soldaten und Offiziere getötet und 40 gefangengenommen wurden.
    In den ersten Tagen des Juli wurde auch der Stab des 217. Grenadierregiments (57.I.D.) vernichtet, wobei 120 Mann den Tod fanden. Insgesamt töteten die belorussischen Partisanen während dieser Offensive der Roten Armee 15000 deutsche Soldaten und Offiziere und nahmen mehr als 17 000 gefangen.
    Eine sehr bedeutende, aber durch Zahlen kaum messbare Hilfe wurde der sowjetischen Armee durch die Übermittlung von Nachrichten und erbeuteten Dokumenten gegeben.
    Die Kenntnis über den Feind war eine Existenzfrage für die Partisanenverbände, die rechtzeitig darüber informiert sein mussten, welche Aktionen der Gegner gegen sie beabsichtigte, wo Truppen konzentriert wurden und welche Stärke sie hatten. Nachdem die Mehrzahl der Partisaneneinheiten über eigene Funkverbindungen verfügte, war der regelmäßige Kontakt zwischen dem Zentralen Stab und den unteren Stäben kein Problem mehr. Der wechselseitige Nachrichtenaustausch erhöhte gleichzeitig die Sicherheit der Partisaneneinheiten. Bei den größeren Partisanenverbänden bestanden deshalb starke Aufklärungseinheiten, die Streifzüge, teilweise über mehrere hundert Kilometer Entfernung, durchführten und ihre Ergebnisse an den Zentralen Stab und an die Rote Armee übermittelten.
    Die Partisanen lieferten Informationen über Geschützstellungen, Befestigungsanlagen, Truppenkonzentrierungen oder Transportstauungen, um der sowjetischen Luftwaffe Ziele anzugeben.
    Es gab Fälle, wo die Partisanen bis zu einer Stärke von 10000 Mann und mehr konzentrisch im Zusammenhang mit Aktionen der Roten Armee eingesetzt wurden.
    Von Januar bis Mai 1944 - um ein Beispiel zu nennen – ermittelten die Aufklärer der Partisanenabteilungen Belorusslands den Standort von 21 feindlichen Stäben, 598 Einheiten sowie 163 Feldposten. Außerdem wurden neben Befestigungen und Verteidigungsanlagen 36 Flugplätze festgestellt. Diese Ergebnisse und mehr als 500 im gleichen Zeitraum erbeutete wichtige Dokumente wurden mit dem Fligzeug in das sowjetische Hinterland gebracht oder per Funk übermittelt.


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    Grüße Matthias

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    Die Bobruisker Operation.


    Im Streifen der 1. Belorussischen Front wurde am 23. Juni durch eine gewaltsame Aufklärung festgestellt, das der Gegner seine Verteidigung stark besetzt hatte. In der Nacht vor dem Angriff wurde eine Luftvorbereitung durchgeführt. Am Morgen des 24. Juni gingen die Truppen nach einer Artillerievorbereitung zum Angriff über. Den größten Erfolg erzielten sie in der Richtung Paritschi. Die Verbände der 65. und der 28. Armee durchbrachen gemeinsam mit dem 1. Gardepanzerkorps am ersten Tag der Operation den ersten und an einzelnen Abschnitten auch den zweiten Verteidigungsstreifen des Gegners. Die Einführung des Panzerkorps verlief erfolgreich. Es stieß zu den Gefechtsordnungen der Infanterie vor, als diese den Kampf um den dritten Streifen aufnahm. Gerade zu diesem Zeitpunkt bedurften die Schützentruppenteile wegen Mangels an Panzern zur unmittelbaren Unterstützung der Infanterie und des Wechsels der Feuerstellungen der Artillerie der Verstärkung. Die rechtzeitige Verstärkung der Anstrengungen ermöglichte, die gestellte Aufgabe in hohem Tempo zu erfüllen.
    Durch die Einführung der Kavallerie-mechanisierten Gruppe des Generals I.A. Plijew in die Schlacht am Morgen des zweiten Tages wurde der Erfolg ausgebaut. Sie rückte rasch nach Nordwesten vor. Dadurch konnte das 1. Gardepanzerkorps den Angriff zügig vortragen und bis ausgangs des dritten Tages der Operation von Südwesten nach Bobruisk vorstoßen. Das hohe Angriffstempo wurde in bedeutendem Maße gewährleistet durch die Tapferkeit und das Heldentum der Armeeangehörigen. So drang die Panzerbesatzung des Leutnants D. J. Komarow von der 15. Gardepanzerbrigade als eine der ersten in die Station Tschornyje Brody ein; der Panzer wurde jedoch beschädigt und ging in Flammen auf. Ein gegnerischer Panzerzug beschoss heftig die angreifenden Einheiten und fügte ihnen Verluste zu. Daraufhin rammte die Besatzung den Panzerzug mit ihrem brennenden Panzer. Drei Segmente des Panzerzugs wurden außer Gefecht gesetzt. Die Deutschen begannen panikartig zu fliehen. Die durch die Heldentat angefeuerten Genossen der vier Panzersoldaten, die Gardisten der 15. Gardepanzerbrigade unter dem Kommando des Obersten K. G. Koshanow, nahmen die Station aus der Bewegung. Für ihren im Gefecht bewiesenen Mut und ihr Heldentum wurde Leutnant D.J. Komarow und dem Panzerfahrer M.A. Buchtujew der Titel Held der Sowjetunion verliehen.
    In der Rogatschewer Richtung entwickelte sich der Angriff äußerst zögernd. Im Verlauf der ersten drei Tage gelang es der 3. und der 48. Armee lediglich, den ersten Verteidigungsstreifen des Gegners zu durchbrechen und zum zweiten vorzustoßen. Das niedrige Tempo erklärt sich aus mehreren Ursachen: aus der Existenz einer starken gegnerischen Verteidigung, die an den Westufern von mit breiten sumpfigen Uferstreifen gesäumten Flüssen (Drut, Dobriza, Dobysna) errichtet war; aus dem unzureichenden Niederhalten der gegnerischen Verteidigung, besonders seiner Panzerabwehrmittel, in der Tiefe; aus der misslungenen Einführung des 9. Panzerkorps in die Schlacht, als es angesichts des Gegners über den Drut übersetzte, in einer Richtung, in der nur ein geringer Erfolg errungen und die nur schwach pioniertechnisch sichergestellt war. Dies alles Führte dazu, das die Einführung des 9. Panzerkorps in die Schlacht am ersten Tag der Operation verhindert wurde. Erst am Morgen konnte das Korps im Streifen der Verbände an der rechten Flanke der 3. Armee vorstoßen, wo sich ein Erfolg abzeichnete, und bis zum Tagesausgang gemeinsam mit diesen den Durchbruch des ersten Streifens vollenden. In der Nacht zum 26. Juni änderte sich die Lage krass. Als die Südgruppierung der Front an die Zugänge nach Bobruisk vorgestoßen war, drohte dem Gegner die Einkreisung, und er begann seine Truppen vor der 3. und der 48. Armee zurückzuführen. Dies wurde rechtzeitig durch die Aufklärung entdeckt. Das 9. Panzerkorps und die allgemeinen Verbände, die rasch den zweiten Streifen überwunden hatten, nahmen die Verfolgung auf. Gleichzeitig verstärkten die Fliegerkräfte der Front ihre Schläge, um einen planmäßigen Rückzug des Gegners zu vereiteln. Sie flogen täglich etwa 3000 Einsätze. Das 9. Panzerkorps nutzte die Schläge der Fliegerkräfte aus, löste sich von der Infanterie, rückte, den Gegner in beiden Richtungen verfolgend, 50 km vor und stieß von Osten her auf Bobruisk. Bis zum Morgen des 27. Juni durchbrach das Korps die Rundum Verteidigung des Gegners und vereinigte sich mit Teilkräften nördlich der Stadt mit den Truppen des 1. Gardepanzerkorps. Dadurch wurde die Einkreisung der 40000 Mann starken Gruppierung des Gegners vollendet. Die Vernichtung des eingekreisten Gegners wurde der 48. und Teilkräften der 65. Armee übertragen. Eine gewaltige Rolle bei der Lösung dieser Aufgabe spielte die 16. Luftarmee der Front. Am 27. Juni konzentrierte der Gegner, der bestrebt war, aus der Einkreisung auszubrechen, südlich Titowka eine starke Gruppierung seiner Truppen. Den sowjetischen Schützentruppenteilen war es noch nicht gelungen, zum 9. Panzerkorps durchzustoßen, und so bestand eine reale Gefahr, das der Gegner aus der Einkreisung au brechen würde. Auf Befehl des Oberbefehlshabers der Front stiegen mehr als 500 Flugzeuge auf und führten einen massierten Schlag auf den Gegner. Dieser verlor durch diesen Schlag fast alle seine Panzer und seine Artillerie und erlitt auch gewaltige Verluste an Menschen. Später vollendeten die aus dem Osten herangerückten Verbände der 48. Armee im Zusammenwirken mit Truppenteilen der 65. Armee bis zum 28. Juni, 13.00 Uhr, südöstlich der Stadt die Vernichtung des eingekreisten Gegners. Die Liquidierung seiner in Bobruisk eingekreisten Gruppierung wurde am 29. Juni abgeschlossen. An der Zerschlagung des eingekreisten Gegners war auch die Schiffsartillerie der Dnepr-Kriegsflottille beteiligt. Darüber hinaus setzte die Flottille während des Kampfes um Bobruisk mehr als 66 000 Mann sowie 1550 Geschütze und Granatwerfer vom linken auf das rechte Ufer der Beresina über. Die Hauptkräfte der Front, die den Angriff an der äußeren Einkreisungsfront vortrugen, stießen bis ausgangs des 29. Juni auf die Linie Swislotsch-Ossipowitschi-Staryje Dorogi vor, wobei sie 100-110 km kämpfend zurücklegten. Das Ergebnis der Bobruisker Operation war die Zerschlagung des rechten Flügels der Heeresgruppe Mitte. Die Truppen der 1. Belorussischen Front umfassten die gegnerische 4. Armee tief von Süden her. Die Operation liefert Lehren für die Einkreisung und Vernichtung einer starken gegnerischen Gruppierung auch in kurzer Zeit. Dies wurde erreicht durch kühne Handlungen der beweglichen Truppen und starker Fliegerkräfte sowie durch die Aufspaltung der gegnerischen Gruppierung im Verlauf ihrer Einkreisung.
    In der Operation wurde ein enges Zusammenwirken zwischen den Schützen und beweglichen Truppen aufrecherhalten. Die Schützentruppen nutzten geschickt den Erfolg der Panzerverbände aus. Die Panzerverbände ihrerseits trugen, wenn sie den Einkreisungsraum erreicht hatten, den Angriff an der- äußeren
    Einkreisungsfront vor und schufen so günstige Voraussetzungen dafür, das die Kräfte der Infanterie die eingekreisten Gruppierungen liquidieren konnten. Die Truppen der 2. Belorussischen Front führten zur gleichen Zeit, als die Operationen von Witebsk-Orscha und von Bobruisk abliefen, die Mogiljewer Operation durch. Im Verlauf von sechs Tagen überquerten sie sechs Wasserhindernisse, darunter den Dnepr, befreiten Mogiljew und rückten 90 km weit vor. Mit ihrem Vorstoß umfassten die Truppen der Belorussischen Fronten tief die Verbände der Heeresgruppe Mitte. Die sowjetischen beweglichen Truppen standen 100 km und die Hauptkräfte des zurückweichenden Gegners 130 bis 150 km vor Minsk. Das Hauptquartier forderte in seinen Direktiven vom 28. und 29. Juni von den Truppen der Belorussischen Fronten, den Vormarsch zu beschleunigen und die Einkreisung des Gegners östlich von Minsk zu vollenden. Die 1. Baltische sowie Teilkräfte der 3. und der 1. Belorussischen Front sollten in westlicher Richtung angreifen und eine äußere Einkreisungsfront aufbauen.


    Die Einkreisung der Minsker Gruppierung des Gegners.


    Die Truppen der 1. Baltischen Front umgingen am 4. Juli, nachdem sie 110-130 km weit vorgestoßen waren und den starken Widerstandsknoten des Gegners Polozk eingenommen hatten, die rechte Flanke der Heeresgruppe Nord und schufen günstige Bedingungen für einen anschließenden Stoß der sowjetischen Truppen in das Baltikum. Die 3. Belorussische Front forcierte am 29. und 30. Juni die Beresina und befreite am 1. Juli Borissow. Ihre Kavallerie-mechanisierte Gruppe nahm am 2. Juli den Raum Wilejka-Krasnoje ein. Am selben Tag stieß die Kavallerie-mechanisierte Gruppe der 1. Belorussischen Front in den Raum Gorodsej-Stolbzy vor. So waren die Verbindungswege der Minsker Gruppierung des Gegner nach Vilnius und Baranowitschi abgeschnitten. Am Morgen de 3. Juli drangen von Nordosten her das 2. Gardepanzerkorps und Teile des 3. Gardepanzerkorps der 5. Gardepanzerarmee in Minsk ein, denen nach einigen Tagen von Süden das 1. Gardepanzerkorps folgte. Das Ergebnis der Vereinigung der Truppen der 3. und der 1. Belorussischen Front war die Einkreisung einer mehr als 100000 Mann starken gegnerischen Gruppierung östlich von Minsk. Als am selben Tag die allgemeinen Verbände herangerückt waren, wurde die Befreiung der Hauptstadt Belorusslands abgeschlossen.


    Ende


    Grüße Matthias
    Beide Bilder aus H.Kühnrich Der Partisanenkrieg ....

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    Grüße Matthias

  • Die 9. Armee im Zeitraum 24.06. - 03.07.1944


    Dem AOK 9 waren folgende Korps unterstellt:
    XXXV.A.K. - 134.I.D., 296.I.D., 6.I.D., 383.I.D.und 45.I.D.
    XXXXI.Pz.K. - 36.I.D.(mot.), 35.I.D. und 129.I.D.
    LV.A.K. - 292.I.D. und 102.I.D.


    Achtung: Das XXXXI.Pz.K. wird auch als LVI.Pz.K. in den Unterlagen/Literatur angegeben/beschrieben!


    Armeereserve: G.R.130 (45.I.D.)
    HGr.-Reserve beim AOK 9: 707.I.D. und 20.Pz.D.


    Unterstellte Heerestruppen:
    Höherer Pionierführer 10
    Pionier-Bataillon 268
    Brücken-Bau-Bataillon 159
    Brücken-Bau-Bataillon 255
    Straßen-Bau-Bataillon 576
    Bau-Pionier-Bataillon 79
    1. / Stellungs-Bau-Bataillon 999
    Brückenkolonne B 34
    Brückenkolonne B 868
    Bau-Park-Bataillon 10
    Armee-Park-Pionier-Kompanie
    Pionier-Horchzug 4


    Unterstellte Armee-Einheiten:
    HArko 307
    Armee-Pionierführer
    Armee-Nachrichten-Regiment 511
    Armee-Nachschubführer 531
    Korück 532
    (zu den Einheiten keine Garantie der Vollzähligkeit)
    Siehe auch hier im LdW am 23.Juni 1944


    22.Juni – 23. Juni 1944
    Am 22. Juni verhält sich der Gegner vor der Front der Armee noch ruhig. Die Armee vermutet, das dadurch das Abziehen von Reserven bewirkt werden soll, beurteilt dieses Verhalten aber als Täuschung. Seit Tagen schon hat die Armee vor ihrer Front einen Aufmarsch des Gegners allergrößten Stils festgestellt und zwei
    Angriffsschwerpunkte erkannt. Am linken Flügel vor 134. und 296.I.D . sowie südlich Bobruisk vor dem XLI. Pz.K. Da die Armee über keine nennenswerte Reserven verfügt, hat sie bei der Heeresgruppe unmissverständlich darauf hingewiesen, das im Falle des Losbrechens des sowjetischen Großangriffes an eine sichere Abriegelung tiefer Feindeinbrüche nicht zu denken ist. Vom OKH wurde jedoch der sowjetische Angriffsschwerpunkt in diesem Sommer aus dem Raum Kowel-Tarnopol erwartet, von wo die Entfernung bis Danzig-Königsberg nur etwa 430 km beträgt. Dementsprechend waren vom OKH fast alle Reserven im Großraum Lemberg konzentriert worden. Die Heeresgruppe Mitte verfügte am 22. Juni 1944 an Reserven nur über folgende größere Verbände: eine halbe Panzergrenadier-Division, 1 Panzer-Division und 2 Infanterie-Divisionen, dies bei einer Frontlänge von 1.100 km.
    Am 23. Juni leitet der Feind um 02.00 Uhr größere Angriffe beim XLI.Pz.K. mit heftigem Artilleriefeuer ein, der Schwerpunkt liegt nördlich und nordwestlich Kobylschtschina. Es gelingen ihm hier mehrere Einbrüche, bis auf zwei können sie bis zum Abend beseitigt werden. Auch das XXXV.A.K. meldete Angriffe nordwestlich Rogatschew, welche abgewiesen wurden. Am Abend dieses Tages besteht zwischen dem Oberbefehlshaber der Armee, General Jordan und seinem Chef des Stabes Übereinstimmung, das man am Vorabend einer neuen gewaltigen Schlacht steht.


    24. Juni 1944
    Als sich dies am Morgen des 24. Juni bestätigt und sich an der linken Armeegrenze zwischen 57. und 134.1.D. ein größerer Durchbruch entwickelt, gibt die Heeresgruppe die 707.I.D., bisher Reserve, zwecks Bereinigung der Lage frei. Um 09.40 Uhr beantragt die Armee bei der Heeresgruppe, die 20.Pz.D., ebenfalls bisher Reserve, hinter den Nordflügel des XXXV.A.K. zu führen. Um 12.00 Uhr genehmigt die Heeresgruppe, das eine Kampfgruppe der 20.Pz.D. an der Naht zur 4. Armee angreift, da dort die Lage noch immer nicht bereinigt ist. Inzwischen hat sich aber die Lage beim XLI.Pz.K. verschärft, wo dem Gegner mehrere Einbrüche gelungen sind. Um 17.00 Uhr zeichnet sich ein Durchbruch zwischen 35. und 36.I.D. ab. Zwischen 18.00 und 20.00 Uhr kommen Armee und Heeresgruppe zu der Ansicht, das südlich Bobruisk der gefährdetste Raum der Armee liegt. Die Heeresgruppe befiehlt daher, das die 20.Pz.D. das Gefecht beim im XXXV. A.K. sofort abzubrechen und am 25.Juni früh südlich Bobruisk einzugreifen habe. Eine Pz.-Kompanie sei bei der 134.I.D. zu belassen, im übrigen ist die 20.Pz.D. noch immer Heeresgruppen-Reserve. Der Armee-Gefechtsstand befindet sich im sogenannten “Waldlager" bei Bobruisk.


    25. Juni 1944
    Das XXXV.A.K. konnte bisher zwar einen Durchbruch von Nordosten und Osten nach Bobruisk verhindern, doch ist trotz örtlicher Abwehrerfolge die Lage auf dem Nordflügel kritisch, da die 15 km breite Lücke zum Südflügel der 4.Armee wegen Kräftemangel nicht geschlossen werden kann. Das XXXV.A.K. nimmt die Stärke des Gegners vor seiner Front mit 12 Schützen-Divisionen und 1 Panzer-Korps an. Als operativ am gefährlichsten wird abends die Lage beim XLI.Pz.K. beurteilt, weil hier der Stoß des Gegners nicht nur auf Bobruisk zielt, sondern offensichtlich auf Minsk und weiter nach Westen. Das XLI.Pz.K. schätzt die Stärke der sowjetischen Verbände in seinem Abschnitt auf 10 Schützen-Divisionen und 2 Panzer-Korps mit je 300 Panzern. Im rückwärtigen Armeegebiet wird Glussk zur Verteidigung vorbereitet. Nachmittag spricht der Chef des Generalstabes der 9.Armee mit dem Generalstabschef der Heeresgruppe Genlt. Krebs und schlägt vor, das XXXV.A.K. in eine Brückenkopfstellung ostwärts Bobruisk zurückzunehmen, um Kräfte für die Verteidigung im Westen und Süden von Bobruisk frei zu bekommen. Die Antwort lautete:


    "Halten hilft auch!"


    Aus den Abendmeldungen geht hervor, das XXXV.A.K. und XLI.Pz.K. zusammen rund 120 feindliche Panzer abgeschossen haben. Um 22.30 Uhr spricht der Oberbefehlshaber der 9. Armee General Jordan, mit dem Oberbefehlshaber der Heeresgruppe, Feldmarschall Busch und beantragt die Zurücknahme der Südfront des XXXV.A.K., Antwort:


    "Shlobin ist zu halten, vielleicht macht der Russe morgen Atempause!"


    Gegen Mitternacht gibt der Generalstabschef der 9.Armee dem Chef der Heeresgruppe noch mal eine Lageorientierung und verlangt Handlungsfreiheit. Man antwortete: Wir können nicht und verweist auf die Befehle des OKIH, sprich Hitler. Somit musste das Verhängnis zwangsläufig seinen Lauf nehmen.


    26. Juni 1944
    Der linke Flügel der Armee ist nach dem Abzug der 20.Pz.D.zertrümmert. Die Mitte des XXXV.A.K geht kämpfend auf' die Ola. zurück. Beim XLI..Pz.K.. steht der Feind am Morgen mit Angriffspitzen 20 km südsüdwestlich Bobruisk, das Korps ist durchbrochen. Am rechten Flügel der Armee ist das LV.A.K. zwar noch voll kampffähig, sieht aber auf Grund der Entwicklung der Lage beim XLI.Pz.K. seinen linken Flügel bedroht. Am Abend des 26.Juni ist das XXXV.A.K. ostwärts Bobruisk praktisch eingeschlossen, nachdem beim ersten Angriff der 20.Pz.D. auf die Straßenbrücke bei Titowka, diese nicht freigekämpft werden konnte. Dabei würde die 20.Pz.D. dringend in Bobruisk gebraucht, um zu verhindern, das der Feind westlich um Bobruisk herumgreift. Der Antrag der Armee auf Ausweichen des XXXV.A.K., wozu vielleicht gerade noch Zeit gewesen wäre, wurde erneut abgelehnt. Die Antwort der Heeresgruppe lautet:


    „Auffanglinien bilden, energische Führer einsetzen. Genehmigung zum Absetzen kommt unter keinen Umständen in Frage!“


    Das Kriegstagebuch der 9.Armee weißt unter dem 26.Juni folgenden Eintrag auf:


    „Die Lage treibt mit lawinenartiger Geschwindigkeit der Krise zu.“


    Gegen Abend wird der Armee-Gefechtsstand eiligst nach Protassewitschi, 3 km westlich Ossipowitschi verlegt.


    27. Juni 1944
    Am 27.Juni bietet sich eine deprimierende Morgenlage:
    Das XXXV.A.K. ist ostwärts Bobruisk eingeschlossen, das XLI.Pz.K. südlich und südwestlich Bobruisk aufgerissen, das LV.A.K. das durch in Gefahr links überflügelt zu werden. Die 20.Pz.D., die Hoffnung der Armee zur Abwendung des Ärgsten, wurde nicht optimal eingesetzt. "Von oben" kamen nur Halte-Befehle, Absetz-Genehmigungen stets zu spät. In der vergangenen Nacht wurde Ossipowitschi und Marina Gorka heftig bombardiert und dabei die Fernsprechzentrale der Armee schwer getroffen. Um 06.10 Uhr trifft ein Kurier der Heeresgruppe mit folgendem Befehl ein:


    "Aufgabe der 9.Armee ist es, die Lücke südostwärts Bobruisk zu schließen und die Verbindung zu den Nachbararmeen aufrecht zu erhalten. Hierzu kämpft sich die Armee unter Mitnahme allen Geräts auf die Brückenkopfstellung Bobruisk zurück. Die 20.Pz.D. ist zur Lösung dieser Aufgabe zum Angriff anzusetzen."


    Der stellvertretende Oberbefehlshaber der Armee gibt daher um 07.10 Uhr an das XXV.A.K. und XLI..Pz.K. den bereits erwähnten Befehl, sich zu vereinigen und nach Ossipowitschi durchzuschlagen. Falls dies nicht mehr möglich sei, sollte das XXXV.A.K. nach Norden zur 4. Armee durchbrechen. Der Generalstabschef der Armee wurde daraufhin zur Berichterstattung zur Heeresgruppe nach Minsk befohlen. Dort muss er auf Grund einer Führeranweisung um 09.15 Uhr folgenden Gegenbefehl an die Armee übermitteln:


    "Auftrag der 9. Armee bleibt unverändert. Mit rücksichtsloser Energie hat die 20.Pz.D. die Straßen von Bobruisk nach Westen und Nordwesten freizukämpfen."


    Bald darauf erfährt die Armee durch Luftaufklärung, das sich 3000-4000 motorisierte und bespannte Fahrzeuge von Shlobin Richtung Bobruisk bewegen. Gemäß Gegenbefehl von 09.15 Uhr funkt nun die Armee um 10.10 Uhr an das XXXV.A.K., XLI.Pz.K., an die 20.Pz.D. und an den Kommandanten des Festen Platzes Bobruisk die ebenfalls bereits erwähnten Weisungen: Bobruisk unbedingt zu halten.
    Beresina - Übergänge Titowka und Schatkowo erkämpfen; 20.Pz.D. Straße nach Ossipowitschi freikämpfen. Mittags steht fest, das weder die Beresina - Übergänge, noch die Straße nach Ossipowitschi frei gekämpft werden können. Um 16.05 Uhr funkt die Heeresgruppe einen weiteren Gegenbefehl Hitlers an die Armee, den diese um 16.25 Uhr weitergibt. Demnach sollte sich jetzt das XXXV.A.K. und XLI.Pz. zur Linie Ossipowitschi – Staraja Ostroff durchschlagen und dort eine neue Abwehr aufzubauen. Das war bestenfalls eine Wunschvorstellung des OKH und der Heeresgruppe, welche nicht einmal auf Unkenntnis der Lage beruhte, man wollte diese einfach nicht zur Kenntnis nehmen. Am frühen Nachmittag ist auch die Einschließung des XLI.Pz.K. auf dem Beresina - Westufer vollzogen. Um 17.15 Uhr meldet das XXXV.A.K. der Armee die Absicht, in der kommenden Nacht, nach Norden zur Olsa durchzubrechen. Es ist die letzte Meldung des XXXV.A.K. Um 18.00 Uhr wird das abgesprengte LV.A.K. gemäß Befehl der Heeresgruppe, der 2. Armee unterstellt. Damit hat die 9.Armee das erste ihrer drei Korps verloren. Gegen Abend gewinnt der Gegner Glussk, 40 km südwestlich Bobruisk und Ossipowitschi, 45 km nordwestlich Bobruisk. Kurz vorher hat die Armee noch rasch ihren Gefechtsstand nach Marina Gorka verlegt. Es ist auch ein neuer Armeebefehlshaber eingetroffen, General von Vormann. Den bisherigen Befehlshaber General Jordan hat Hitler als Sündenbock für eigene Unfähigkeit abberufen.


    28. Juni 1944
    In der Nacht von 27. auf den 28.Juni versuchte die Armee immer wieder Funkkontakt zum XXXV.A.K. herzustellen, doch dieses meldet sich nicht mehr. Hingegen bestand Funkverbindung in dieser Nacht zum XLI.Pz.K. Die Armee wurde um 01.05 Uhr von Genlt. Hoffmeister unterrichtet, das die 338.I.D. im Kampf um Bobruisk steht, sich der Kommandeur der 134.I.D. erschossen hat, das die Artillerie und schweren Waffen größtenteils vernichtet sind und zum XXXV.A.K. keine Funkverbindung mehr besteht. Seine Meldung endet mit:


    "Erbitte Freiheit für die Truppe gez. Genlt. Hoffmeister XLI.Pz.K.“


    Um 08.35 Uhr gewährt die Armee Handlungsfreiheit. In den folgenden Stunden ist der Funkverkehr zum XLI.Pz.K. unterbrochen. Um 12.45 Uhr genehmigt die Heeresgruppe auch die Aufgabe von Bobruisk, welches bisher noch gehalten werden sollte. Zehn Minuten später funkt die Armee an das XLI.Pz.K.


    "Fester Platz, Bobruisk ist aufzugeben."


    Aber erst vier Stunden später wird dieser Spruch vom XLI.Pz.K. bestätigt. Es ist anzunehmen, das dass Korps die Armee von der Ausbruchsabsicht unterrichtet hat, überliefert ist darüber nichts. Es ist aber auch möglich, das sich das Korps mit Absicht in Stillschweigen hüllte, um dem Gegner nichts zu verraten oder weil in letzter Stunde noch ein Eingriff' Hitlers befürchtet wurde. Die Armee scheint tatsächlich während der nächsten acht Stunden über das Schicksal der ausbrechenden Bobruisker im Ungewissen geblieben zu sein. Inzwischen zerbricht man sich beim A.O.K.9 den Kopf, wann, wo und wie die anrollende 12.Pz.D eingesetzt werden soll. Nachdem die 20.Pz.D. bereits "verheizt" ist, was von der Heeresgruppe der Armee angelastet wird, ist dieses Kopfzerbrechen verständlich.
    Die Abendlage der 9. Armee weist aus: Am linken Flügel ein Loch von 70 km zur 4. Armee, im Zentralraum Bobruisk besitzt der Gegner weitgehend Bewegungsfreiheit, am rechten Flügel verteidigen improvisierte Kampfgruppen stützpunktartig die Lücke zur 2.Armee, der Gegner steht 5 km nördlich Ossipowitschi. Die 12.Pz.D. ist die einzige kampfkräftige Division der Armee. Im Kriegstagebuch der Armee ist unter dem 28. Juni eingetragen:


    "Die 9.Armee hat als Kampfverband praktisch zu bestehen aufgehört."


    Um 00.00 Uhr übernimmt Feldmarschall Model zusätzlich zu seiner Heeresgruppe Nordukraine auch den Oberbefehl über die Heeresgruppe Mitte. Feldmarschall Busch wurde abgelöst.


    weiter.....

  • weiter ...


    29. Juni 1944
    Am Morgen des 29. Juni gibt man sich bei der Armee keiner Illusion hin. Das XXXV.A.K. wurde bei dem Versuch, aus dem Bobruisker Ost-Kessel auszubrechen, vernichtet. Nun verfolgt man mit Spannung und Sorge das Schicksal des XLI.Pz.K., welches in der vergangenen Nacht aus, dem Bobruisker West-Kessel ausgebrochen, aber noch lange nicht gerettet ist. Zur links benachbarten 4. Armee besteht keine Verbindung. In dem Loch zur rechts benachbarten 2. Armee versuchen improvisierte Kampfgruppen das Vorgehen des Feindes nach Westen zu verzögern. Die 4.Pz.D. soll hier die Lage stabilisieren, sie befindet sich auf dem Transport nach Baranowitschi (210 km westlich Bobruisk!). Für die 9. Armee ist das nächstliegende Probleme jedoch der Einsatz der 12.Pz.D. Wie soll man den Kampf gegen den übermächtigen Gegner auf 150 km Frontbreite weiterführen, wo doch nur eine Panzerdivision zur Verfügung steht. Die Armee will einen Befreiungsangriff zum XLI.Pz.K. hin, aber von der 12.Pz.D. ist schon die Hälfte ihrer Kräfte im Kampf gebunden. Am späten Vormittag lag noch immer keine Meldung von der Gruppe Hoffmeister (XLI.Pz.K.) vor. Erst gegen Mittag stellt die eigene Luftaufklärung zwei motorisierte Kolonnen hart südlich Golynka fest, gleichzeitig aber auch eine mot. Feindkolonne südwestlich Yelikowo (Oktjabr) auf dem Marsch nach Nordosten.
    Dieser Gegner wird von der eigenen Luftwaffe angegriffen. Um 17.00 Uhr meldet die Luftaufklärung, das sich die motorisierte Spitze der Gruppe Hoffmeister mit einigen Panzern in Richtung SSwisslotsch bewegt und dahinter eine geschlossene Infanteriekolonne marschiere. Aufklärung der Armee stellt um Sutin (26 km südsüdwestlich Marina Gorka) Banden fest, welche Brücken zerstört haben. In Richtung Tscherwen (30 km nordostwärts Marina Gorka) wird jedoch noch kein Feind festgestellt. Um 16.30 Uhr befiehlt der neue Oberbefehlshaber der Heeresgruppe, Feldmarschall Model:


    "Aufgabe der 9. Armee ist es, das Feindvorgehen von Südosten auf Minsk unter angriffsweisem Einsatz der 12.Pz.D. zum Stehen zu bringen."


    Es bleibt also der Verantwortung der Armee überlassen, ob sie diesen Kampfauftrag mit dem Entsatz der Gruppe Hoffmeister in Übereinstimmung bringen kann.


    30. Juni 1944
    Ab 00.00 Uhr ist Minsk als "Fester Platz" der Armee unterstellt. Zur Verteidigung der Stadt stehen vorerst nur 1.800 Mann Versprengte und Ausgekämpfte zur Verfügung. Im Zentrum der Armee ist die "Gruppe Lindig" (12.Pz.D. und 390.F.A.D.) nach wie vor der einzige kampfkräftige Verband. Mit Spannung verfolgt man beim Armeestab den Kampf der "Gruppe Hoffmeister". Erst gegen Mittag geht ein Funkspruch von Genlt. Hoffmeister ein:


    "Ausbruchsgruppe nach schweren Kämpfen auf Weg nach Norden. Erbitte Versorgung."


    Nachmittag wird ein weiterer Funkspruch der "Gruppe Hoffmeister" empfangen:


    "Sswisslotsch-Brücke besetzt."


    Die Armee befindet sich in einem Dilemma, wird die ganze 12.Pz.D. für einen Befreiungsangriff dem XLI.Pz.K. entgegen eingesetzt, bricht mit Sicherheit die 390.F.A.D. und damit die Südflanke der "Gruppe Lindig" zusammen. Das Ergebnis wäre, das die "Gruppe Hoffmeister" zwischen Ossipowitschi und Marina Gorka erneut eingekesselt würde, einschließlich 12.Pz.D. Aber man konnte doch nicht schon wieder eine Panzer-Division verschleißen, nachdem erst vor wenigen Tagen die 20.Pz.D. bei Bobruisk zugrunde ging. Anderseits sollte man auch die letzten 20.000 Bobruisker auf 30 km Distanz einfach verkommen lassen!?
    Nach Besprechung der Möglichkeiten mit der Führung der 12.Pz.D. erhält sie von der Armee den Befehl für den Entsatzangriff, die Bemessung der Kräfte wird der Division freigestellt. Inzwischen wird die Versorgung für die Versprengten und Ausbrechenden in Marina Gorka eingeleitet und dort auch Eisenhahn- und mot. Transportraum zum Abtransport bereitgestellt. Nachmittag wird die Armee von der Heeresgruppe über die gleichfalls sehr schwierige Lage der Nachbarn links und rechts unterrichtet:
    Die Divisionen der nördlichen 4.Armee, auch schon arg angeschlagen, kämpfen noch ostwärts der Beresina, während der Gegner bei Brodets den Fluss, bereits nach Westen überschritten hat. Zur Sicherung von Minsk wird die Tiger-Abteilung 505 zugeführt. Bei der südlichen 2. Armee geht Sluzk verloren. Für morgen wird der 9.Armee die Zuführung der 28.Jg.D. versprochen, als Ausladebahnhöfe sind Dsershinsk und StoIpce vorgesehen.


    01.Juli 1944
    Nachdem heute um 02.10 Uhr morgens das Pz.Gr.Btl. I/25 und die 6.Kp. des Pz.R. 29 zum Entsatzangriff' den Bobruiskern entgegen angetreten sind, verfolgt die Armee mit Spannung den weiteren Ablauf. Sie hat Fernsprechverbindung zur 12.Pz.D. und diese hat Funkverbindung zur Kampfgruppe I/25, so das Führung und Meldung gewährleistet ist. Während der ganzen Nacht jedoch bestand keine Verbindung zur "Gruppe Hoffmeister", was mit großer Sorge vermerkt wird. Endlich um 05.05 Uhr meldet sich das XLI.Pz.K.:


    "Sofort dringend Stuka, Sswisslotsch feindbesetzt, eigener Standort westlich Ssloboda ...."


    Für die Armee ist dies die Bestätigung, das es dem XLI.Pz.K. nicht gelungen ist, den gestern gemeldeten Erfolg im Sswisslotsch-Beresina-Winkel zum weiteren Durchstoßen auszunutzen. Um 07.10 Uhr funkt daher die Armee an das XLI.Pz.K.:


    "Zum Entsatz angesetzte Panzereinheit 05.20 Uhr Malinowka, keine Feindberührung."


    Und um 08.40 Uhr nochmals:


    "08.40 Uhr eigene Panzer Pruditschi ...."


    Aber das XLI.Pz.K. meldet sich nicht mehr. Später erfährt die Armee über die 12.Pz.D., daß eine Gruppe des XLI.Pz.K. unbekannter Stärke mit den Generalen Hoffmeister, Conrady und Engel offensichtlich weder nachts bei Ustish noch morgens bei Lipen auf das Sswisslotsch-Nordufer gelangen konnte. Trotzdem war der Angriff' des verstärkten I./Pz.G.R.25 nicht vergeblich, denn im Laufe des Tages stellte sich heraus, das dadurch ca. 15.000 Bobruisker befreit wurden. Unterdessen geht auch an den übrigen Fronten der Armee der Kampf weiter. Auf Grund der Lage an den Flügeln erteilt die Armee schon mittags der "Gruppe Lindig" (12.Pz.D. u. 390.F.A.D.) Befehl, spätestens am Abend auf den Zitowka-Bach hart nördlich und westlich Marine Gorka und den Wolma-Bach nordostwärts Marina Gorka zurückzugehen. Heeresgruppe und Armee sind sich in der Lagebeurteilung nicht einig: Der Generalstabschef der Heeresgruppe erklärt, das der Stoß des Gegners über
    Nieswiecz auf Baranowitschi zielt, der Generalstabschef der 9. Armee vertritt hingegen die Ansicht, daL) der Gegner auf Stolpce vorgehen wird, er sollte recht behalten. Die Armee befiehlt jedenfalls der 12.Pz.D. sofort eine Vorausabteilung nach Stolpce in Marsch zu setzen. Der Armee - Gefechtsstand wird ab 17.20 Uhr nach Mir verlegt, das ist ca. 20 km westsüdwestlich Stolpce. Im Ergebnis des heutigen Tages steht dem stolzen Erfolg der 12.Pz.D. allerdings der Verlust des letzten Korps der Armee gegenüber.


    02.Juli 1944
    Die Lage der Armee ist labil, das Gesetz des Handelns diktiert der Gegner. Die "Gruppe Lindig" (12.Pz.D. u. 390.F.A.D.) verteidigt am Morgen einen 15-20 km breiten Streifen beiderseits Marina Gorka, das der Feind mittags überraschend in Besitz nimmt. 45 km westlich Marina Gorka sichert die "Gruppe Meinecke" (1 verstärktes Btl.) das Straßenkreuz Minsk - Sluzk/Marina Gorka - Stolpce. Doch um 05.10 Uhr erreichen die ersten Feindpanzer die Njemen-Übergänge bei Stolpce von Süden, das verstärkte II./Pz.G.R.5 der 12.Pz.D. kommt um eine halbe Stunde zu spät. Die Straßenbrücke ist zerstört, die Eisenbahnbrücke zwar begehbar, aber vom Feind gesperrt. Die Armee verlegt daraufhin eiligst ihr Hauptquartier von Mir (20 km westsüdwestlich Stolpce) nach Novaya Mysh (8 km westlich Baranowitschi). Durch den raschen Vorstoß des Gegners ist zunächst ein Teil des Armeestabes, 90% der Fernsprechmittel und 80% der Funkmittel abgeschnitten. Die Armee hat dadurch Führungsschwierigkeiten, sie kann ihre Befehle nicht zeitgerecht absetzen und Meldungen an die Armee sind beim Eintreffen meist schon überholt. Die Heeresgruppe orientiert die 9.Armee, das die 2. Armee von Süden mit 4.Pz.D. und 28.Jg.D. auf Stolpce angreift und fordert, das sich die 12.Pz.D. raschest von Osten her an diesem Angriff beteiligt. Aber die 9. Armee hat derzeit zur "Gruppe Lindig" keine Fernmeldeverbindung und sie besitzt am späten Nachmittag noch immer kein klares Bild über die Lage in Stolpce. Erst abends erfährt das AOK 9 von einem zur "Gruppe Lindig" entsandten Ordonnanz-Offizier nach dessen Rückkehr Genaueres von diesem Abschnitt. Nach den Vorstellungen der 9. Armee soll nun die 390.F.A.D. mit ihren sechs Sicherungs-Bataillonen allein die Verbindung zur links benachbarten 4. Armee herstellen, da die 12.Pz.D. nach Stolpce befohlen ist. Die 390.F.A.D. ist mit ihrem Auftrag klar überfordert, so das in der Folge der südliche Eckpfeiler für die 4. Armee schon vor dem Entstehen zusammenbricht, was wesentlich zum Untergang auch dieser Armee beiträgt. Mit der Verfügbarkeit der 12.Pz.D. im Raum Stolpce rechnet das AOK 9 nicht vor dem 3. Juli abends.


    03.Juli 1944
    Am frühen Morgen werden überraschend von der "Gruppe Kessel" einige Funksprüche aufgenommen und zwar um 04.28 Uhr:


    "Wie Lage in Stolpce? "
    "Wo Führungsstab AOK 9? Wie Lage dort?"
    "Marschgruppen der Armee ostwärts Jeremicze."


    Und dann trifft mit großer Verspätung um 05.11 Uhr ein Spruch von gestern 15.40 Uhr ein:


    "Wo Fußteile "Gruppe Hoffmeister" ... ?
    "Antreten mit mot- und hot-Staffeln Brücke Sula16.00 Uhr."


    Diese Brücke über den Sula - Bach befindet sich 13 km nördlich Stolpce. Die Verbindung bricht dann wieder ab und erst um 15.20 Uhr empfängt die Armee von der "Gruppe Kessel" die wichtige Meldung vom Übergang Jeremicze. Sie kann an die 12.Pz.D. im Raum Stolpce nicht weitergegeben werden, weil auch nach dort keine Verbindung zustande kommt. Bis zum Abend hat sich die Lage südwestlich von Stolpce wie folgt entwickelt:
    Die 4.Pz.D. trat morgens zum Angriff nach Norden an, nahm Nieswiecz, warf gegen 11.00 Uhr den Feind aus Gorodeja und konnte bis zum Abend gegen zähen Feindwiderstand noch mehrere Kilometer nach Nordosten vordringen. Dann, 10 km von der 12.Pz.D. entfernt, blieb der Angriff liegen. Von der 28.Jg.D. trafen am 3. Juli 13 Züge ein, welche teils in Baranowitschi und Pogorzelce teils nordostwärts davon auf freier Strecke ausgeladen wurden. Die vorderste Regimentsgruppe wurde sofort auf Gorodeja angesetzt und bekam ostwärts dieses Ortes Gefechtsberührung. Linker nördlicher Nachbar der Armee am Westrand des von Banden beherrschten Nalibocki-Waldes ist eine "Gruppe Weidling", eine Verbindung zu dieser Gruppe besteht nicht. Rechts, als südlicher Nachbar der Armee, befindet sich eine "Gruppe Harteneck", zu dieser besteht eine lockere Verbindung.
    Trotz Zuführung von Kräften bedeutet der heutige Tag das Ende der 9. Armee. Denn nachdem sie seit 27. Juni ein Korps nach dem anderen verloren hatte, waren ja nur Truppenreste, Versprengte und Ausgekämmte übrig geblieben, aus denen man eilig Alarm-Einheiten und "Gruppen" bildete, die begreiflich auch das Blatt nicht mehr wenden konnten. Als Armee war dieser Torso natürlich nicht mehr ansprechbar.
    Die Heeresgruppe unterstellte daher am heutigen Vormittag das bisherige AOK 9 als "Gruppe Vormann" der 2. Armee. Das Drama der 9. Armee war zu Ende.


    Bild 1 Brücken über die Berisina (von 1942) Aufnahme von Norden nach Süden.
    Bild 2 Kopieausschnitt von Orginalkarte vom 24.Juni 44 - NARA T78 136-0481


    Grüße Matthias

  • XXXV.A.K. vom 24.06. - 29.06.1944


    Dem XXXV.A.K. waren folgende Divisionen unterstellt:
    134.I.D., 296.I.D., 6.I.D., 383.I.D. und 45.I.D.


    Korpsreserve:
    G.R.133 (45.I.D.)


    Korpstruppen:
    Arko 136
    Korps-Nachrichten-Abteilung 435
    Korps-Nachschubtruppen 435


    Unterstellte Heerestruppen:
    Artillerie-Regiments-Stab 41
    I. / Artillerie-Regiment 36
    schwere Artillerie-Abteilung 616
    schwere Artillerie-Abteilung 991
    Sturmgeschütz-Brigade 244
    Beobachtungs-Abteilung 37
    Beobachtungs-Abteilung 61
    Beobachtungs-Abteilung 59
    Pionier-Regiments-Stab 507
    Pionier-Bataillon 746
    Bau-Pionier-Bataillon 11
    Bau-Pionier-Bataillon 248
    I. / Stellungs-Bau-Bataillon 999
    schwere Panzerjäger-Abteilung 665
    Granatwerfer-Bataillon 19
    (zu den Einheiten keine Garantie der Vollzähligkeit)


    Siehe auch hier im LdW am 23.Juni 1944


    24. Juni 1944
    Infolge Versagens des Naht-Bataillons der 57.I.D. ( XII.A.K., 4. Armee) gelingt dem Feind am linken Flügel des XXXV.A.K. ostwärts Podsely am frühen Morgen ein Einbruch von 10 km Tiefe nach Westen. Die Armee unterrichtet das Korps, das, die 707.I.D. (bisher Heeresgruppen-Reserve) zur Beseitigung des Einbruches frei gegeben wurde. Ein Regiment dieser Division befindet sich ohnehin 40 km nordostwärts Bobruisk und greift seit Mittag auf die Einbruchsteile an. Das zweite Regiment muss aber erst aus dem Raum l8 km südlich Bobruisk antransportiert werden. Außerdem erhielt eine Kampfgruppe der 20. Pz.D., diese ebenfalls Heeresgruppen-Reserve, Befehl, den Raum Bartschiza zu erreichen, um die Lage bei der 134.I.D. , wiederherzustellen. Der Angriff der gepanzerten Gruppe bei Tscherebomirka/Kruschinowka verlief erfolgreich, musste jedoch auf Befehl der Heeresgruppe abends abgebrochen werden, da sich südlich und südwestlich Bobruisk eine als wesentlich gefährlicher beurteilte Lage entwickelt hatte. Das XXXV.A.K., welches abends den Abschuss von insgesamt 80 feindlichen Panzern meldete und tiefere Einbrüche bisher verhindern konnte, beurteilte den Verlauf dieses Tages als "glücklich".


    25. Juni 1944
    Am Morgen des 25. Juni besteht folgende Lage: Der Nordflügel des Korps ist zerrissen, Teile der 134. und 707.I.D. kämpfen südwestlich Buda, zur links benachbarten 57.I.D. besteht keine Verbindung, nach rechts bemüht sich die 134.I.D. die Fühlung mit der 296.I.D. zu halten, Feind hat Gegend 10 km nordwestlich Oserane erreicht, die 296.I.D. ist trotz tapferster Gegenwehr ebenfalls durchbrochen, sie konnte jedoch mit den zugeführten Reserven bisher ein Vordringen des Gegners auf der Rollbahn Rogatschew-Bobruisk über die Dobyssna nach westen verhindern, etwa 6 km südwestlich Rogatschew ist eine größere Panzer-Bereitstellung gemeldet. Die 6.I.D. hat sich befehlsgemäß auf die Dobyssna zurückgezogen, 383. und 45.I.D. konnten im wesentlichen trotz schwerer Angriffe ihre Stellungen behaupten, die 6., 383. und 45.I.D. sind durch die Abgabe von Reserven an den Nordflügel jedoch so geschwächt, das sie ihre Front nur mehr mit dünner Besetzung verteidigen können. Der Gegner setzt seine Angriffe im ganzen Korpsabschnitt fort. Als am Abend die 20.Pz.D. vom Nordflügel abgezogen wird, blickt man auf dem Korps-Gef.Std. dem morgigen Tag mit großer Sorge entgegen.


    26. Juni 1944
    Dem Kommandierenden General, Genlt. von Lützow, präsentiert sich heute folgende Morgenlage:
    Die Reste der 134.I.D. wehren sich verzweifelt zwischen der Dobyssna und der Rollbahn Mogilew-Bobruisk. Wie erwartet, konnte das Regiment der 707.I.D.,welches gestern bei Buda kämpfte, den Panzervorstoß des Gegners an die Rollbahn Mogilew-Bobruisk nicht aufhalten. Wo sich das Regiment jetzt befindet, ist nicht bekannt. Die mittlere Korpsfront wird auf die Ola zurückgedrängt. Der Südflügel wird noch von der 45.I.D. gehalten. Die Hilferufe der Truppe um Verstärkung und vor allem um Luftschutz können nicht erfüllt werden. Der Komm. General und sein Chef des Stabes stellen sich die Frage, wie lange die Truppe unter diesen Umständen der vielfachen Übermacht noch standhalten wird. Gegen 10:00 Uhr wird folgender dringender Befehl der Armee über Fernschreiber empfangen:


    "1) Feindl. Mot-Verbände mit Panzern im Vorstoß aus südlicher und südwestlicher Richtung auf Bobruisk.
    2) Bobruisk wird gehalten.
    3) 383.I.D. ist im Kw-Transport nach Gegend südwestlich Bobruisk zu verlegen. Größte Eile geboten!
    4) Kolonnen-Raum stellen O.Qu. und XXXV.A.K."


    Der diesbezügliche Befehl des Korps an die 383.I.D. ergeht per Funk. Gleichzeitig bemüht sich das Korps einen Flankenschutz, vor allem Panzerabwehr, 12 km nordostwärts Titowka zum Schutz der Beresina-Straßenbrücke aufzubauen. Mittags wird ein Kommandowechsel bekannt. Der Oberbefehlshaber der 9.Armee General Jordan, wird zur Heeresgruppe nach Minsk. beordert, um mit Feldmarschall Busch zu Hitler zu fliegen. Die Führung der Armee übernimmt vertretungsweise der Komm. General des XLI.Pz.K., General Weidling.
    Um 15.10 Uhr erlässt der neue Armeeführer den folgenden dringenden Funkbefehl an das XXXV.A.K.:


    "Für XXXV.A.K. kommt es darauf an:
    a) mit rechtem Flügel solange auszuharren, bis 36.I.D. aus Brückenkopf Paritschi auf Beresina-Ostufer abgeflossen ist.
    b) unter rücksichtsloser Entblößung der nicht oder weniger stark angegriffenen und deshalb vorgestaffelten Frontabschnitte diejenigen Verstärkungen an Infanterie, Artillerie und Panzerabwehr vorsorglich hinter die Brennpunkte zu führen, die notwendig sind, um weitere Feinddurchbrüche zu verhindern. Es muss dabei in Kauf genommen werden, das die so entblößten Nebenabschnitte auch von schwächerem Feind eingedrückt werden. Der Zusammenhalt der Front ist auf diese Art unter allen Umständen zu wahren.
    c) Reserven, die nicht mehr rechtzeitig an die verschiedenen Brennpunkte herangeführt werden können, sind in diejenigen Abschnitte der Bobruisker Brückenkopfstellung zu führen, auf welche der Feind zustrebt."


    Bei diesem Befehl ist wohl nur der Punkt a) sinnvoll, die Punkte b) und c) sind überflüssig. Denn seit 24. Juni wird bereits rücksichtslos entblößt, wo dies möglich scheint. Seither fristet das XXXV.A.K. mit Improvisationen sein Noch-Dasein. Wie "auf diese Art unter allen Umständen" der Zusammenhalt der Front gewahrt werden soll, bleibt rätselhaft. Der ganze Befehl ist unter den Vorzeichen des sich bereits deutlich abzeichnenden Zusammenbruches der Armee zu sehen und sollte wohl auch eine Rechtfertigung General Weidlings gegenüber Feldmarschall Busch und Hitler sein. Bobruisk war inzwischen von Hitler zum "Festen Platz" erklärt worden, der unbedingt zu halten ist. Zum Kommandanten des "festen Platzes" wurde Genmjr. Hamann bestimmt. Diesem standen allerdings vorläufig nur eilig aufgestellte Alarm-Kompanien aus rückwärtigen Diensten zur Verfügung. Am Abend bietet das XXXV.A.K. ein trostloses Bild:
    Die 134.I.D. ist aufgerieben, der linke Korpsflügel hängt in der Luft. Um 19.00 Uhr liegt das Feuer sowjetischer Panzer auf der Beresina-Straßenbrücke. Die Mitte der Korpsfront ist an mehreren Stellen durchbrachen. 6., 45. und 296.I.D. sind stark angeschlagen, die Truppe ist allgemein erschüttert, ihre Hilferufe um Verstärkung und Luftschutz blieben ungehört. Die 383.I.D. ist befehlsgemäß mit Masse nach Bobruisk abgegeben worden. Hitler hat das Absetzen auf die "Brückenkopfstellung Bobruisk" genehmigt. Diese Genehmigung ist bereits illusorisch, wenn es nicht gelingt, die Beresina-Straßenbrücke wieder frei zu kämpfen.


    27. Juni 1944
    Das Korps ist seit gestern abends ostwärts Bobruisk praktisch eingeschlossen. Die Brückenkopfstellung konnte nur lückenhaft besetzt werden. Der linke Flügel befindet sich nahe der Eisenbahnbrücke. Zur 6. und 296.I.D. besteht Funkverbindung, beide Divisionen meldeten bereits schwere Verluste. Auch zur 45.I.D. auf dem rechten Flügel besteht Verbindung. Dieser Division ist es vormittags nur mit letzter Anstrengung gelungen, einen Durchbruch zu verhindern. Der vom Kommand. General des XLI.Pz.K. persönlich geleitete Angriff zur Öffnung der Titowka-Sperre ist nicht durchgedrungen. Als am frühen Nachmittag des 27.Juni die ohnehin nur mehr stützpunktartig besetzte Ostfront des Korps und der rechte Flügel mehrfach durchbrochen wurde, erließ der Kommand. General des XXXV.A.K. gegen 17:00 Uhr folgenden Befehl (auszugweise):


    "Korpsbefehl für den Durchbruch nach Norden zur 4.Armee:
    2. XXXV.A.K. durchbricht mit den ostwärts der Beresina befindlichen Divisionen den nördlichen Einschließungsring und stößt mit Schwerpunkt beiderseits Podretschje über Kosulitschi-Usochi zunächst bis zum Olsa- Abschnitt durch.
    3. Aufträge:
    a) 296.I.D. durchbricht ... den feindlichen Sicherungsring und stößt ... Nowyje Welitschki ... Podretschje ... Kosulitschi-Kostritschi ... Bazewitschi .. , (vollständig bei 296.I.D.).
    b) 134.I.D. aus ... Staraja Scharojewtschina über Jassnyj Les auf Dumanowschtschina .... Morchowitschi-Ljubonitschi … Sapolje... Olsa (vollständig bei 134.I.D.)
    .c) 20.Pz.D. und 36.I.D ... . über den Raum ostwärts Titowka westlich Dumanowschtschina auf Morchowitschi und sodann Weg 134.I.D., vor ihr voraus. Dieser Fall tritt nur ein, wenn sie nicht über Bobruisk durchgeschleust werden können.
    d) 6.I.D., 45.I.D. und Teile der 383.I.D. hinter 134.I.D. Beide Divisionen (6 u. 45) .. Aufgabe der Rückendeckung und später der Nachhut.
    4. Durchführung überraschend 20:30 Uhr.
    5. Nachrichtenverbindung nur durch Funk.6. Korpsstab hinter linkem Flügel 296.I.D."


    Diesem Befehl des XXXV.A.K. an seine Divisionen ging ein Hin und Her von Befehlen, Gegenbefehlen, Meldungen und Anträgen zwischen Heeresgruppe, Armee und den Korps voraus, aus nachträglicher Sicht geradezu unglaublich. Hervorgerufen wurde dieses Durcheinander einerseits durch Hitlers unsinnige Befehle aus seinem fernen Hauptquartier und den Heeresgruppen-Oberbefehlshaber Mitte Feldmarschal Busch, der nicht den Mut hatte, Hitlers sturen Haltebefehlen entgegenzutreten, auf der anderen Seite das Ringen der 9. Armee und des XXX und XLI. Korps um sinnvolle Aufträge bzw. Handlungsfreiheit. Dieser nervenzermürbende Kampf der Frontgenerale gegen "Oben" wird beim XLI.Pz.K. ausführlicher dargestellt werden.


    Nach Ausgabe des Befehles des XXXV.A.K. sind seinen Verbänden nur drei Stunden Zeit bis zum befohlenen Beginn des Ausbruches geblieben. Die befehlsgemäße Durchführung war mit Sicherheit auf Grund der von Stunde zu Stunde ungünstiger gewordenen Lage nicht mehr möglich. Von der 134.I.D. gab es nur mehr versprengte Kampfgruppen, die sich der nächsten noch intakten Einheit angeschlossen hatten, gleichgültig, welche Division das war. Die 383.I.D. wird in dem Korpsbefehl nur mit "Teilen" erwähnt, was richtig ist, weil sich die Masse seit gestern auf dem Beresina-Westufer befand. Teile der 45.I.D.,welche zu diesem Zeitpunkt ihren Kommandeur unterstanden haben sich - wie bereits geschildert – über die Eisenhahnbrücke auf das Beresina-Westufer abgesetzt. Die 36.I.D. und Teile der 20.Pz.D. haben denselben Weg genommen. Nur von der 6.I.D. und 296.I.D. sowie von den nicht im Rahmen ihrer Stammdivisionen eingesetzt gewesenen Grenadier-Regimentern 58, 130, 133 ist überliefert, das sie gemäß Korpsbefehl zum Ausbruch angetreten sind, jedoch nicht gleichzeitig um 20:30 Uhr, sondern unabhängig von einander zwischen 21:00 und 23:00 Uhr.
    Auf Grund der Lage war es den Verbänden, die der Befehl erreichte, höchst wahrscheinlich nur mehr möglich, ungefähr im Sinne desselben zu handeln.


    28. Juni 1944
    Von den ursprünglichen fünf Divisionen des Korps konnten am Ausbruch ostwärts Bobruisk nur die 6.I.D. und 296.I.0. teilnehmen. Die 134.I.D. war schon vor zwei Tage aufgerieben worden, die 383.I.D. wurde auf das Westufer der Beresina befohlen und die 45.I.D. hatte aufgrund der Lage keine andere Möglichkeit mehr, als sich über die Eisenbahnbrücke in den West-Kessel abzusetzen. Außer der 6. und 296.I.D. sowie Korps -Truppen waren am Ausbruch aus dem Os t -Kessel noch das G.R. 130 und G.R.133 sowie zwei Artillerie-Abteilungen der 45.I.D. ohne Geschütze beteiligt. Lagebedingt, nicht zuletzt auch wegen Mangel an Nachrichtenmitteln, wurde nicht um 20:30 Uhr gleichzeitig in zwei Kolonnen ausgebrochen, sondern es sind zwischen 21:00 und 23:00 Uhr vier bis sechs größere Kampfgruppen getrennt zum Angriff angetreten. Von einigen dieser Gruppen ist folgendes überliefert:
    G.R.58 trat am 27.6. um 23:00 Uhr an, bei Chimy kam es zu einem Schusswechsel, nördlich Welitschky konnte unbemerkt die Rollbahn Mogilew -Bobruisk überquert werden, der Wald nordwestlich Welitschky wurde mit dem Marschkompass durchschritten. Südlich Morchowitschi kam es neuerlich zu einer Feindberührung. G.R.58 wich nach Westen aus, ging dann weiter nach Norden vor, wurde aber im Raum Ljubonitschi-Ssergejewitschi in ein Gefecht mit übermächtigem Gegner verwickelt und dabei, da eigene schwere Waffen fehlten, am 28.6. Vormittag aufgerieben.
    Vom G.R.130 liegen keine Berichte über den Ausbruch vor, es wurde lediglich bekannt, das der Rgt.Kdr. Oberst Kammerer dabei gefallen ist. G.R.133 hat den Befehl des XXXV.A.K. für den Ausbruch zwischen 18:00 und 19:00 Uhr per Funk empfangen. Nach völliger Dunkelheit gelang unbemerktes lösen vom Feind. Um 22:00 Uhr wurde nach vorheriger Unbrauchbarmachung der letzten schweren Waffen und des letzten Geländefahrzeuges (von der 14. Kompanie) lautlos zum Angriff angetreten. Die sowjetischen Sicherungen werden überrumpelt, aber an der Rollbahn Mogilew-Bobruisk die von russ. Kolonnen stark belegt war, entsteht eine wilde Schießerei und ein Chaos. Alsbald erscheinen auf der Straße sowjetische Panzer mit eingeschalteten Scheinwerfern und feuern ohne Rücksicht auf ihre eigen Kämpfer in das Getümmel. Ein Großteil dieser deutschen Kampfgruppe kann unter Verlusten die Rollbahn nach Nordwesten überqueren. Rgt.Kdr. Oberst von Horn gerät hier nach schwerer Verwundung in Gefangenschaft. Der Ausbruch schien zunächst geglückt zu sein. Nach Tagesanbruch zählt diese Kampfgruppe noch etwa 300 Mann und befindet sich in der Nähe der Mündung der Olsa in die Beresina. Es wird gerastet, doch gelingt eine Neugliederung wegen hoher Offiziersverluste, Durchmischung mit anderen Einheiten und wegen Erschöpfung der Männer nur unvollkommen. Nur wenigen kleinen Gruppen und Einzelkämpfern gelingt es, die Olsa und Beresina zu überwinden und nach tagelangen Märschen und großen Strapazen wieder Anschluss an deutsche Truppen zu finden. Eine Kampfgruppe, welche hauptsächlich aus Korps-Truppen bestand, erreichte ebenfalls am 28. Juni die Olsa, blieb aber hier im Pak- und Granatwerferfeuer liegen, auch von dieser Gruppe entkamen nur wenige Männer. Der Kommandierend General des XXXV.A.K. Genlt. von Lützow, wird am 28.Juni morgens an der Rollbahn Mogilew-Bobruisk erschöpft liegend von den Sowjets aufgefunden - es gab kein XXXV.A.K. mehr. Die 9.Armee verlor am 28. Juni ihr zweites Korps.


    29. Juni 1944
    Das Korps mit seinen fünf Divisionen 6, 45, 134, 296 und 383 war vier Tage nach Beginn des sowjetischen Großangriffs von den Lagekarten verschwunden. Die 6. und 296.I.D. sowie Reste der 134.I.D. wurden beim Ausbruch aus dem Bobruisker Ost-Kessel aufgerieben. Die 383. und 45.I.D. gerieten durch die Ereignisse zum XLI.Pz.K., wo sie während der Ausbruchskämpfe aus dem West-Kessel zugrunde gingen.


    Grüße Matthias
    EDIT: Quelle Karte-bearbeitet und zur Verfügung gestellt vom Frontkämpferbund der 45.I.D.



    weiter mit 134.I.D. .....

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    Grüße Matthias

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  • 134. Infanterie-Division 24.06. - 01.07.1944


    Allgemeiner Zustand der Div. am 20.6.1944.
    134.I.D. war personell voll aufgefüllt, am 01.04.44 Neuzuführung des Gren.Rgt.636, gleichzeitige Auflösung desselben und Aufteilung auf die 3 Grenadier Regimenter der 134.I.D., Auffüllung auf je 2 Bataillonen mit je 3 Schtz.-Kp. und 1 M.G.-K.P., 13.u.14.Kp..
    Materiell war die Div. Ausgestattet wie nie zuvor, im März Neuzuführung der 3.(Fla.) Pz.Jg.Abt.134 mit 12 2cm Fla auf Sfl., im Mai der Sturmgesch.-Abt.1134 als 2./Pz.Jg.Abt.134 mit 12 Sturmgeschützen.


    Die Division war voll einsatzfähig.


    Gliederung 20.06.1944


    Stab/134.I.D. und Div.-Kartenstelle
    Kdr. Generalleutnant Philipp
    la Oberstleutnant i.G. Degen
    Ic Oberleutnant Boltendahl
    Ib Major Obermeyer
    IVa OstInt. Dr.Stützel
    IVb OFArzt Dr.v.Halem
    IVc OstVet. Dr. Kumm
    Ib/WuG Oblt.(W) Wörner
    V Lt. Hellbach
    O3 Oblt. Schütze
    Div.Adjutant Major Eisenreich
    Div.Stab Hptm.Sommer
    Div.Pfarrer Gohl


    Gren.Rgt. 439 Kdr. Oberst von Lilienhoff-Zwowitzki
    Stabs-Kp./439 (mit Nachr.-, Pi.- u. Reiter-Zug).
    I./439 Hauptmann von Garnier ( 3 Schtz.-Kp. u. 1 M.G.-Kp.)
    II./439 Hauptmann Zorn ( 3 Schtz.-Kp. u. 1 M.G.-Kp.)
    13.(I.G.)Kp./439
    14.(Pz.Jg.)Kp./439.


    Gren.Rgt. 445 Kdr. Oberst Kusminski
    I./GR. 446 Hauptmann Schwarze
    II./GR. 446 Hauptmann Siewert
    Sonst wie Gren.Rgt. 439.


    Gren.Rgt. 446 Kdr. Oberstleutnant Klasing
    Stabs-Kp./446 (mit Nachr.-, Pi.-, Reiter- und Radfahr-Zug)
    I./GR. 446: Hauptmann Grosslaub 2.Kp. Oblt.Bächle, 4.Kp.Oltn.Obermeier
    1I./GR. 446 Hauptmann Müller.
    Im übrigen wie Gren.Rgt. 439.


    Art.-Rgt.134 Kdr. Oberst Witt
    Stab/A.R. 134
    I./A.R. 134 Hauptmann Lohse, Stabs-Battr., 1./A.R. 134 Lt. Gehre, 2./A.R. 134 Lt. Faden, 3./A.R. 134
    II./A.R. 134 Major Berner, Stabs-Battr., 4./A.R. 134, 5./A.R. 134, 6./A.R. 134
    III./A.R. 134 Major Tränkner, Stabs-Battr., 7./A.R. 134, 8./A.R. 134, 9./A.R. 134
    IV./A.R. 134 Hauptmann Buskühl, (schwere Abteilung) Stabs-Battr., 10./A.R. 134, 11./A.R. 134, 12./A.R. 134


    Div.Füs.Btl.(A.A..) 134 Rittmeister Aumüller
    Stab/Div.Füs.Btl.(A.A.)134
    1./Div.Füs.Btl.(A.A.)134
    2./Div.Füs.Btl.(A.A.)134
    3./Div.Füs.Btl.(A.A.)134
    4.(s.Schw.)/Div.Füs.Btl.134
    (Schwadronführer Oblt.Thieme und Schwadronführer Oblt.Kolbe)


    Pz.Jg.Abt.134 Hauptmann Kolbe
    Stab/Pz.Jg.Abt.134
    1./Pz.Jg.Abt.134
    2./Pz.Jg.Abt.134 (= Sturmgesch.Abt.1134)
    3.(Fla. )/Pz.Jg.Abt.134.


    Pi.-Btl.134 Major Prahl
    Stab und Kampfmittelstaffel/Pi.Btl.134
    1./Pi.-Btl.134
    2./Pi.-Btl.134
    3./Pi.-Btl.134


    Nachr.Abt.134 Hauptmann Borup
    Stab/N.A.134
    1.(Fe)/N.A.134
    1.(Fu)/N.A.134
    le.Nachr.Kol.134


    Felders.Btl.134
    Stab/Felders.Btl.134
    1./Felders.Btl.134
    2./Felders.Btl.134
    3./Felders.Btl.134
    4./Felders.Btl.134
    5./Felders.Btl.134 (dt. Personal des Ost-Bau Btl.134, Friedhof-Kdo. und sonstige Kdos.)


    Nachschubtruppen 134 Hauptmann Gerberding
    Stab/Dinatru134
    Kf.-Kp.134 Rittmeister Messloh
    Fahrschwadron 1/134
    Fahrschwadron 2/134
    Nachschub-Kp.134
    Werkstatt.-Kp.134


    Verwaltungstruppen134
    Bäck.-Kp.134
    Schlacht.-Kp.134
    Verw.-Kp.134


    San.-Truppen134 Oberstabsarzt Dr. Baum
    San:-Kp.1/134 (besp.) Stabsarzt Dr. Schröder
    San.-Kp.2/134 (mot.)
    Kr.Kw.Kp.134


    Vet.-Kp,134
    Dr. Mauderer
    Dr. Lampe
    Dr. Kampick


    Feldgend.-Trupp134
    Feldpost134


    Frontleitstelle der 134.I.D. in Bobruisk
    Wachtmeister Karius


    Divisionsreserve:
    F.E.B. 134
    Alarm-Kp.Th


    Die 134. ID. stand als Flügeldivision zwischen Retka und Weritschew. GR. 446 war links, GR. 445 in der Mitte, GR. 439 und Div.Btl.134 rechts eingesetzt. Die Armee hatte in den letzten Tagen in Erkennung des Feindaufmarsches Teile der 707.Sich.Div. ins Hinterland der 134.I.D. und Teile der 45. ID. hinter die Naht zur rechts benachbarten 296. ID. herangeführt.
    Der neue Stellungsabschnitt begann etwa 25 km nördlich von Rogatschew an der Einmündung der Dobriza in den Drut. Die HKL verlief am Westufer des Drut fast 15 km geradlinig nach Norden und erreichte bei Retka die Grenze zur 4. Armee. Die HKL war alles andere als befriedigend. Die bisher in Front gestandene 20.Pz.Div. hielt nur Stützpunkte, es gab keine durchlaufenden Gräben. So war es erste Aufgabe der Soldaten der 134.I.D., eine Abwehrstellung mit Kampfständen, Bunkern und Gräben zu errichten. Die Arbeiten erstreckten sich über Wochen. Die Feindlage blieb einigermaßen ruhig, da die Schlammperiode Operationen auf der Erde behinderte. Dagegen war die russische Luftaufklärung sehr rege. Schlacht- und Kampfflugzeuge belästigten die Kolonnen auf den wenigen Nachschubstraßen und griffen wiederholt Batteriestellungen und Unterkünfte an.


    Der Divisionsgefechtsstand befand sich in einem Wald unweit des Dorfes Barki im rechten Abschnitt. Die NA.134 verlegte von hier aus Fernsprechverbindungen zum Korpsgefechtsstand sowie zu den einzelnen Regimentern und selbständigen Bataillonen. Die rückwärtigen Dienste fanden Unterkunft in den teilweise noch erhalten gebliebenen Ortschaften Nowosselki, Falewitschi, Bol. Kruschinowka, Bartschiza und Glybokowitschi. Oberst Bader ließ in der Nähe des Divisionsgefechtsstandes ein sogenanntes „Erholungszentrum“ bauen. Dies bestand aus mehreren Bunkern, die fast zivil eingerichtet wurden. Hier konnten die Regimenter und Bataillone jeweils vier bis sechs Soldaten auf „Urlaub“ schicken.


    24. Juni 1944


    Um 02:30 Uhr heulten plötzlich Hunderte Geschützen beim Gegner auf und Ihre Granaten prasselten auf das Hauptkampffeld der Division. Pausenlos lagen die Einschläge auf den Gräben, Bunkern und Artillerie-Stellungen. Als das erste fahle Tageslicht über dem Horizont aufstieg, stürzten sich Pulks von Schlachtflugzeugen auf die HKL. Kaum ein Quadratmeter Boden der nicht mehrmals umgewühlt wurde. Die Grenadiere in den Gräben konnten in diesen Minuten nicht die Köpfe heben. Die Kanoniere konnten nicht zu den Geschützen eilen. Die Fernsprecher bekamen keine Verbindung mehr, alle Leitungen waren in den ersten Minuten zerschossen. Der Höllenlärm währte 45 Minuten, dann sprang das russische Feuer nach rückwärts. Hier schlug es in die Unterkünfte der rückwärtigen Dienste, kein Trossfahrzeug konnte angeschirrt, kein LKW in Bewegung gesetzt werden. Dann griffen auf schmalster Front die sowjetischen Schützen an. Gleichzeitig rollten die Panzer mit dem fünfzackigen Stern gegen den Drut vor, wo sowjetische Pioniere mit vorbereiteten Material Panzerbrücken bauten. Die Geschütze des A.R. 134, soweit sie den Feuersturm überlebt hatten, nahm den Kampf auf, für die Grenadiere begann der Nahkampf. Der Schwerpunkt des Angriffs lag praktisch auf dem ganzen Divisionsabschnitt,. Nur teilweise konnten die feindlichen Schützenwellen vor der HKL abgewehrt werden, in den zerrissenen Verbindungen zwischen den Kompanien und Bataillonen ergossen sich die erdbraunen Gestallten bald gefolgt von ihren Kampfwagen.
    Am Abend dieses Tages bestand folgende Lage:


    Das links eingesetzte G.R. 446 hatte sich bei Rekta nicht zu halten vermocht, sein III. Batl. war in das Waldgebiet von Salitwinje zurückgedrängt worden. Kampfgruppen des I./446 verdeitigten sich bis zum Abend in den Ruinen von Oserane, so das sich das Btl. mit Masse gegen den Dobriza-Bach absetzen konnte. Mit besonderer Wucht wurde das in der Mitte des Divisionsabschnittes eingesetzte G.R.445 von den sowjetischen Angriff getroffen. Nach dem die meisten Kp.-Führer und der Rgt.-Kommandeur bis zum Nachmittag durch Tod oder Verwundung bereits ausgefallen waren, das Regiment gegen Abend dann noch von einem massiven Luftangriff erfasst wurde, hatte es als Truppenverband aufgehört zu existieren. Dem rechts benachbarten G.R.439 erging es kaum besser. Zwar konnten beim III./439 bis Mittag 30 sowjetische Kampfwagen vernichtet werden, aber nachmittags verfügte der Btl.Kdr. nur mehr über 50 Mann. Die Reste der Regimenter 445 und 439 befanden sich am Abend im Raum Kruschinowka - Tolotschkowo.


    Bericht aus „Geschichte der 134.Infanterie-Division“ von W.Haupt.
    Das GR. 446 konnte sich südlich Retka nicht mehr halten. Das III./GR. 446 wich in das Waldgebiet von Salitwinje zurück, als die Verbindungen zu den Nachbarn längst gerissen waren. Das I./GR. 446 klammerte sich in den Ruinen von Oserane fest. Die 2. und 3. Kompanie wurden überrannt. Teile der 4. Kompanie unter Führung der Feldwebel Jentzsch und Gautsch hielten sich am und im Friedhof Oserane. Damit gelang es, wenigstens das Absetzen des Bataillons zu decken. Die Kampfgruppen der beiden Feldwebel sowie des Leutnants Dolm und des Feldwebels Mittag verteidigten sich den ganzen Tag. Erst gegen Abend gab Feldwebel Jentzsch den Befehl zum Durchbruch. Seine Kampfgruppe hatte große Teile des GR. 446 gerettet. Feldwebel Jentzsch erhielt für diesen Einsatz später das Ritterkreuz.Das südlich Oserane liegende GR. 445 konnte die Stellung nichtlange halten. Die Verluste waren groß. Sämtliche Kompanieführer fielen durch Tod oder Verwundung aus. Leutnant Neubauer (Adj.I/GR.445) - der wenige Tage später fiel - und Leutnant Zahn (Ord.Off.II/GR. 445) wurden verwundet. Oberst Kuschinski brach erschöpft nach Verwundung zusammen. Als gegen Abend ein massierter Luftangriff gegen das Regiment geführt wurde, riss die HKL. GR. 445 existierte als Truppenverband nicht mehr!Die Kämpfe spielten sich beim benachbarten GR 439 nicht anders ab. Zwar gelang es dem III./ GR. 446 (Hauptmann Zorn) bis zum Mittag 30 Kampfwagen abzuschießen. Doch das Bataillon existierte praktisch nicht mehr!


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    Grüße Matthias

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    25. Juni 1944


    Absetzen in die 2.Linie (Neue Widerstandslinie: Dobriza)


    Am frühen Morgen war die russische Luftwaffe wieder da. Alsbald tauchten auch die feindlichen Panzer wieder auf. Und die Salvengeschütze orgelten aufs neue ihre Granaten auf den Abschnitt der 134. I.D.. Während der Nacht hatten Melder und Ordonanzoffiziere da und dort eine Kampfgruppe aufgespürt. Auf dem Di.Gef.Stand ergab sich ein tristes Bild der Lage:


    Der Gegner setzt seinen Angriff fort, die 134. I.D. ist aufgesplittert, auf den linken Flügel droht Umfassung. Es waren bereits Geschütze gesprengt worden, teils wegen Munitionsmangel, teils waren die Pferde umgekommen. Alle Fernsprechverbindungen sind zerschossen, zur Störungsbehebung lässt der Gegner keine Zeit, nur zum Korps besteht zeitweise Funkverbindung. Der gestern Nachmittag erfolgte Gegenangriff der 20.Pz.D. brachte keine spürbare Entlastung auf den linken Flügel, da dessen Schwerpunkt zu weit nördlich lag und dann abgebrochen wurde. Das Eintreffen einer Pz.-Kp. der 20. Pz.D. am Abend des gestrigen Tages im Raum Kruschinowka-Dobriza wirkte sich gestern ebenfalls nicht mehr aus. Heute morgen war von der links benachbarten 57. I.D. das I./G.R. 164 unterstellt worden - eine wirkungsvolle Maßnahme, da keinerlei Verbindung zu dieser Einheit bestand. Dieses Btl. war von seiner Division schon am 24. Juni abgesprengt worden, als die Naht zwischen 4. und 9. Armee platzte und sollte sich irgendwo im Raum Chomitschi-Podsely befinden. Am frühen Morgen des heutigen Tages meldete sich Oberst von Horn, der Kommandeur des G.R. 133 der 45. I.D., auf dem Div.-Gef.-Stand der 134. I.D.. G.R. 133 lag vor Beginn der sowjetischen Offensive als Korpsreserve im Wald 4 km südwestlich Raduscha und wurde um den 20. Juni weiter nach Norden verlegt. Es kommt heute nach einem Nachtmarsch im Einsatzraum an. Der Rgt.-Kdr. wird in die Lage eingewiesen und erhält den Auftrag, zunächst eine Auffangstellung zu beziehen, sodann durch Gegenangriff mit Teilen der 134. I.D. die alte HKL am Drut wieder zu gewinnen. Zwischen Dobriza und Drut trifft das vorrückende Regiment auf zurückgehende eigene Truppen, wenig später auf angreifenden, von Sturmgeschützen unterstützten Gegner. G.R. 133 tritt unverzüglich zum Gegenangriff an, Mortkowo und Falewatschi werden wieder in Besitz genommen. Da links und rechts kein Anschluss besteht, zur 134. I.D. die Nachrichtenverbindungen meist gestört sind, von dort auch keine Lage-Orientierung zu erhalten war, geht das Regiment nachmittags, gegen weit überlegenen Gegner kämpfend, auf Mortkowo hart ostwärts der Dobriza zurück. Nach Einbruch der Dunkelheit setzt es sich auf das Dobriza-Westufer ab, wo Verbindung mit dem Div.Btl. 134 aufgenommen werden konnte.


    26. Juni 1944


    Absetzen in 3.Linie (Neue Widerstandslinie: Dobysna)


    Es sollte wieder ein heißer Tag werden, nicht nur weil die Sonne um diese Jahreszeit im Zenit steht. Der Rest des G.R. 446 mit seinem Kommandeur Obstl. Klasing hält am Morgen des 26. Juni bei Bartschiza eine dünne Sicherungslinie. Nachmittag bezieht der Kommandeur der G.R. 439 Oberst von Lilienhoff mit dem Rest seines Regiments und einer Anzahl geschützloser Artilleristen des A.R. 134 unter Führung zweier Abt.Kdre. nochmals eine Widerstandslinie in Höhe des Divisionsgefechtsstandes. G.R. 133 von der 45. I.D. hielt mittags, zurzeit nur schwach angegriffenen noch an der Dobyssna. Gegen Abend setzten sich die Kampfgruppen der Division befehlsgemäß an die Ola ab. Es war jedoch Glückssache, ob und wann Befehle und Meldungen ihre Empfänger erreichten. Die Führung litt unter dem Mangel an Nachrichtenmitteln und war zu einer Sache des Instinkts geworden. Der Kdr. des G.R. 133 hatte jedoch Fernsprechverbindung zu seinen beiden Bataillonen und fallweise Funkverbindung zum Korps. Das Regiment befand sich abends bei Palkowitschi. Um 19:00 Uhr wird auf dem Div.Gef.Std. bekannt, das sich sowjetische Panzer 15 km nordostwärts Bobruisk nahe der Rollbahn Mogilew - Bobruisk befinden. Alle entbehrlichen Fahrzeuge, beladen mit Verwundeten, streben hierauf Bobruisk zu. Über den Gegner und wo noch eigene Widerstandsgruppen halten, darüber ist man abends auf dem Div.Gef.Std. nur lückenhaft unterrichtet. Die Rote Luftwaffe hatte während des ganzen Tages wiederum unangefochten den Luftraum beherrscht.


    27. Juni 1944


    Das am linken Flügel eingesetzt gewesene III./G.R.446 wird von der Division abgesprengt, kann eine Brücke über die Olsa im Handstreich nehmen und sucht sich dann, völlig auf sich allein gestellt, einen Weg durch Wald und Sumpf nach Nordwesten.
    Einigen anderen versprengten Gruppen war es in der Nacht von 26. auf 27. Juni noch gelungen, über die Eisenbahnbrücke nach Bobruisk zu kommen, andere erreichten schwimmend Bobruisk. Einige weitere Gruppen suchten irgendwo zwischen den Rollbahnen Mogilew-Bobruisk und Rogatschew-Bobruisk Anschluss an noch intakte deutsche Einheiten. Der Div.Kdr., Genlt. Philipp, übergab die Führung der Division an Oberst von Lilienhoff und setzte dann seinem Leben selbst ein Ende. Es gab keine 134.I.D. mehr, nur noch Versprengte. Oberst v. Lilienhoff konnte sich mit einer Kampfgruppe über die Rollbahn Rogatschew-Bobruisk nach Süden zur 6.I.D. durchschlagen und gelangt in der folgenden Nacht über die Eisenbahnbrücke nach Bobruisk. Nachmittags sicherten Teile des G.R.439 und der 383.I.D. an der Eisenbahnbrücke. Gegen 17:00 Uhr erlässt das Korps einen Befehl zum Durchbruch nach Norden zur 4. Armee. Den Divisionen werden bestimmte Aufträge für die Durchführung erteilt:


    "134.I.D. bricht aus dem allgemeinen Bereitstellungsraum südwestlich Staraja Scharojewschtschina über Jassnyj Les auf Dumanowschtschina und sodann weiter über Morchowitschi-Ljubonitschi auf Sapolje an der Olsa durch. Durchführung überraschend 20:30 Uhr."


    Diesen Befehl konnten nur die Truppenteile befolgen, die er erreichte. Die 134.I.D. als Kampfverband hat diesen Befehl gewiss nicht erhalten, denn es gab sie nicht mehr. Der formal stellvertretende Divisionsführer Oberst v. Lilienhoff hat von dem Befehl möglicherweise bei der 6.I.D. erfahren. Einige Gruppen der Division mögen mündlich von anderen Einheiten über diesen Befehl unterrichtet worden sein. Andere Gruppen werden davon nichts gehört haben. Der Ausbruch verzögerte sich, da die Zeit zur Vorbereitung des Unternehmens - 3 Stunden - zu kurz war, er fand dann in der Nacht statt. Über den Ausbruch von Kampfgruppen der 134.I.D. liegen nur spärliche Berichte vor. Das I./G.R.133 wurde am 27. Juni morgens stark angegriffen, mit Unterstützung eines Sturmgeschützes konnte der Angriff abgewehrt werden. Im übrigen hielt G.R. 133 tagsüber bei nur geringer örtlicher Kampftätigkeit noch immer an der Ola im Raum Palkowitschi.


    28. Juni 1944


    Absetzen in der Nacht vom 28./29.06. von Bobruisk nach Norden, an der Beresina entlang, es beteiligten sich nur versprengte Gruppen, soweit sie Anschluss an andere Einheiten gefunden hatten und von diesen informiert wurden.


    29. Juni 1944


    Eine nach Norden in den Abschnitt der 4.Armee abgesprengte Kampfgruppe wird am Westufer der Beresina etwa 55 km nordnordwestlich Bobruisk festgestellt. Sie bekommt Verbindung mit einer Versprengten-Gruppe der 707.I.D..


    30. Juni 1944


    Ssloboda und Glasfabrik stark vom Feind besetzt. Weiterer Rückzugsweg verlegt.
    Am 30.06 Glasfabrik gestürmt. Weg frei, jedoch schwere Verluste, da keine schweren Waffen mehr – alle ostw. der Beresina geblieben.
    Neue Sperrlinie am Sswisslotsch, weiterkommen am Tage nicht möglich. Eigener Scheinangriff auf Brücke westl. Ort Sswisslotsch, Absetzen der Masse in der Nacht vom 30.06./01.07. durch erkundete Furt.
    In der Nacht vom 30.06./01.07.44 erstmalig Auftreten von unbekannten Offizieren in deutschen Uniformen, welche sich sehr um die Führung der einzelnen Gruppen bemühten.
    Vermutung: „Seydlitz“-Offiziere.


    01. Juli 1944


    Erst aus späteren Berichten erfuhr man, das es doch einigen größeren und kleineren Kampfgruppen auch dieser Division gelungen ist, vom Bobruisker Ost-Kessel in den West-Kessel zu gelangen und aus diesem den Ausbruch nach Nordwesten im Rahmen des XLI.Pz.K. zu schaffen. Oberst von Lilienhoff sicherte am 30.Juni spät nachmittags mit seiner Kampfgruppe des G.R.439 im Sswisslotsch-Beresina-Dreieck nach Norden und Osten. er ist am Abend bei Malinowka gefallen, während Teile seiner Gruppe hier den Sswisslotsch überwinden konnten (Furt?). Einer weiteren Gruppe unter Oberst Witt, Kdr. A.R.134, gelang nach Ausschaltung von Feindwiderstand der Sswisslotsch-Übergang bei Lipen.
    Eine dritte Gruppe unter Obstl. Klasing, Kdr. G.R.446, kämpfte sich nördlich Ossipowitschi durch und erreichte am 4. Juli eine Kampfgruppe der 12.Pz.D.. Insgesamt sind schätzungsweise etwa 1000 Mann den Einschließungen der Sowjets entkommen und im Raum Minsk gesammelt worden. Dieser Rest wurde teils zu den Ersatztruppenteilen in Marsch gesetzt, teils auf anderen Front-Einheiten aufgeteilt. Am 3.8.1944 ist die 134.I.D. offiziell aufgelöst und nicht wieder aufgestellt worden.


    Grüße Mattias


    weiter mit 296.I.D. ...


    Bildquelle:„Geschichte der 134.Infanterie-Division“ von W.Haupt.

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    Grüße Matthias

  • 296. Infanterie-Division 24.06. - 28.06.1944


    Hinweiß: Für den Zeitraum vom 20.06.44 bis zum Ende der Division gibt es nur sehr wenige Aufzeichnungen


    Infolge der verhältnismäßig langen Kampfpause (letzter Kampf der Division Febr./März) sowie der laufend durchgeführten Ausbildungslehrgänge und des zugeführten Ersatzes, teilweise von Wiedergenesenen bzw. Soldaten aus rückwärtigen Armeediensten, konnte die Division als weitgehend aufgefüllt angesehen werden. Die Stimmung und Kampfmoral in der Truppe waren gut. Die Besetzung mit Waffen war ausreichend, die Ausbildung infolge zahlreicher Lehrgänge zufriedenstellend.


    Gliederung 20.06.1944


    Div.Kdr. Generalleutnant Arthur Kullmer (bis 19.06.44)
    Stellv.Div.Führer Oberst Issmer
    Ia Major i. G. Horst Marticke (02.44 – 01.07.44 gefallen)


    Grenadier-Regiment 519 Kdr. Oberstleutnant Willi Albert Eckardt


    Grenadier-Regiment 520


    Grenadier-Regiment 521 Kdr. Oberstleutnant Rolf Pulkowski (bis 22.06.44)
    Kdr. Major Willi Schütz (23.06.- 28.06.44)
    Stabs-Kp. GR 521 Kdr. Hauptmann Dr. Emil Deeg


    Artillerie-Regiment 296 Kdr. Oberst Tellenbach


    Füslilier-Bataillon 296


    Feldersatz-Bataillon 296


    Panzerabwehr-Abteilung 296


    Pionier-Bataillon 296


    Infanterie-Divisionen-Nachrichten-Abteilung 296


    Infanterie-Divisionen-Nachschubführer 296


    Verwaltungsdienste 296


    Sanitätsdienste 296
    1 Sanitäts-Kompanie 296 (besp.)
    2 Sanitäts-Kompanie 296 (besp.)
    1.Krankenkraftwagenzug 296
    2.Krankenkraftwagenzug 296
    Feldlazarett 296


    Vor Beginn der Kämpfe am 22.6.1944 war die 296.I.D. mit den Gren.Rgt.519, 520 und 521 sowie dem A.R. 296 im Abschnitt beiderseits. der Rollbahn Rogatschew-Bobruisk wie folgt eingesetzt:
    Grenze rechts zur 6.I.D. in Gegend hart nördlich Lutschin, Grenze links zur 134.I.D. in Gegend hart südlich Wertitschew. Im rechten Div. Abschnitt befand sich eine Kampfgruppe aus verschiedenen Einheiten (Sturm-Kp. der Gren.Rgt. bzw. Alarmeinheiten) mit rechter Grenze wie vorher angegeben und linker Grenze südlich der Rollbahn Rogatschew.
    Als mittleres Regt. war 520 mit linker Grenze etwa in Gegend Kolossy-Nord eingesetzt. Im Anschluss daran befand sich das Gren.Regt.521. Das Gren.Regt.519 war mit einem Btl. (II/519) als Divisionsreserve und III./519 wahrscheinlich als Korpsreserve hinter dem linken Divisionsflügel in einer Zwischenstellung eingesetzt. Die HKL zog sich vom rechten Flügel am Westufer des Dnepr entlang und verlief dann entlang des Höhengebiets am Westufer des Drut, sprang jedoch am linken Flügel, d.h. an der Naht zur 134.I.D. vom Drut ab.


    (Bei der Divisionsreserve und Korpsreserve gibt es unterschiedliche Angaben, am 20.06.44 stellte die I.R.296 keine Korpsreserven, Divisionsreserve ist das F.E.B. 296 und das Div.Füs.Btl.296 (BMA RH15/328))


    Infolge der günstigen Sichtverhältnisse und der breiten Dnepr bzw. Drutniederung konnte die Stellung der Division als sehr gut bezeichnet werden. Feindliche Annäherungen konnten an vielen Stellen bereits bis auf 3 km beobachtet und bekämpft werden.


    Der Div. Gefechtsstand befand sich in Koschhary, während die Qu.-Staffel in Rawenstwo untergebracht war.
    Der Rgt.-Gefechtsstand von G.R. 520 befanden sich in der Nähe von Kolotowka,
    der Rgt.-Gefechtsstand von 521 in Sapolje,
    der Rgt.-Gefechtstand vom A.R. 296 ebenfalls in Koschary.
    Inwieweit vorgeschobene Gefechtsstände besetzt waren, lässt sich nicht feststellen.


    Am 23.6.1944 griff der Gegner um 2 Uhr in Rgt.-Stärke gegen den linken Flügel der Division an und erzielte nach einer etwa 30 Minuten währenden Feuervorbereitung einen Einbruch in Btl.-Stärke im Abschnitt des II./G.R.521. Mit Hilfe von örtlichen Reserven konnte im Gegenstoß die HKL bis 07 Uhr wieder in eigne Hand gebracht und der Gegner verlustreich zurückgeschlagen werden. Aufgrund von Gefangenenaussagen sollte dieses Feindunternehmen zur Einnahme einer beherrschenden Höhe führen, um somit die Ausgangsstellung für den Grossangriff am 24.6.1944 gewinnen zu können.


    Nach Bekannt werden dieser Aussage wurden vom A.R.296 die bekannten Bereitstellungsräume des Gegneres sowie die durch Luftaufnahmen ermittelten Brückenübergänge über den Drut laufend unter Art.-Störungsfeuer genommen.


    24.Juni 1944
    Der Gegner fühlt ab 00.30 Uhr im gesamten Divisionsabschnitt mit Stoßtrupps vor, so das die HKL - Besatzung alarmiert ist, bevor sein Angriff beginnt. Ab 02:30 Uhr Trommelfeuer auf die HKL mit Massierung von Kolossy nach Norden. Ab 03:30 Uhr verlegt der Gegner sein Feuer nach rückwärts und greift mit Panzerunterstützung an. Er erzielt nördlich Kolossy und nördlich Kostjaschowo Einbrüche. Trotz unverzüglich angesetzter Gegenstöße konnten diese nicht bereinigt werden, da die Einbruchstellen vom Gegner sofort durch den Einsatz von Schlachtflugzeugen und Salvengeschützen abgeschirmt wurden. Auf den sorgfältig vorbereiteten Brückenstellen am Drut führte er rasch Sturmgeschütze nach. Das in Reserve befindliche G.R.512 riegelt Vormittag zwischen Bronnoje und Rogatschew ab. Zur Stützung des Nordflügels der Division wird mittags das erst kurz vor Beginn der sowjetischen Offensive als Armeereserve in den Wald 5 km südwestlich Tichinitschi verlegte G.R.l30 der 45.I.D. frei gegeben. Dieses Regiment bezieht eine Auffangstellung an der Dobriza zwischen Sslapischtscha und Tolotschkowo. Es konnte jedoch nicht verhindert werden, das der Gegner bis 15.00 Uhr die Verbindung zwischen seinen Brückenköpfen bei Kolossy und Kostjaschowo herstellte. Gegen 17.00 Uhr unterrichtete das Korps die Division, das im Laufe der Nacht von der rechts benachbarten 6.I.D. das G.R.58 zugeführt werde. Die als Korpsreserve in diesem Raum befindliche II./A.R.98 der 45.I.D. (gegen 18:00 Uhr) wurde zur Verstärkung der Artillerie herangeführt und ging etwa 9 km westlich Rogatschew bei Strenki und Kolotowka in Stellung. Im Laufe des Nachmittags wurden alle weiteren Angriffe des Gegners abgeschlagen. Am Abend verlief die HKL der Division in folgender Linie: Von Lutschin bis Sapolje unverändert, von dort westlich Chomitschi Sapolskije, weiter in nordwestlicher Richtung zum Dobriza-Bach, wo Verbindung mit dem G.R.130 aufgenommen werden konnte. Zum rechten Nachbar, der 6.I.D.,blieb der Anschluss während des ganzen Tages erhalten. Der Div.- Gef.Std., befindet sich abends nach wie vor in Koschary, 15 km Westlich Rogatschew .


    25.Juni 1944
    Als frühmorgens die Kompanien des G.R.58 an die Dobriza kommen, sitzt der „Russe“ bereits in den Stellungen. Der Angriff des G.R.58, unterstützt durch Teile des A.R.296 und II.A.R.98 wirft den Gegner zurück und bis Mittag ist das Westufer der Dobriza von Bronnoje bis Sslapischtscha fest in der Hand des Regiments. Um 08:30 Uhr nehmen die Sowjets im ganzen Divisionsabschnitt, ihre Angriffe wieder auf. Bis nachmittags wogen die Kämpfe fast pausenlos hin und her. Da trifft um etwa 15.00 Uhr auf dem Div.Gef.Std. die Hiobsbotschaft ein, das der Gegner die Rollbahn Rogtschew-Bobruisk nach Süden überschreitet. Mit Mühe kann die Division ein Aufspalten durch den tapferen Einsatz des G.R.58 nördlich und des II./G.R.520 südlich der Rollbahn verhindern. Trotz starkem Nachstoßen des Gegners mit Panzern und Sturmgeschützen gelang es, eine Zwischenstellung einzunehmen und für den Rest des Tages zu halten. Als an der Rollbahn nochmals eine Krisenlage entstanden war, verhinderte das vorausschauend dorthin verlegte G.R.130 einen Durchbruch. Das verstärkte A.R.296 (mit II./A.R.98 und H.A.Abt.991(S.A.A. mit 2 Batt. 10 cm Kanonen)) konnte stets mit allen Batterien rechtzeitig Stellungswechsel machen und hatte während des ganzen Tages mit ausreichenden Munitionseinsatz immer wieder Bereitstellungen des Gegners mit Feuerzusammenfassungen belegt. Auf Befehl des Korps setzte sich die Division um 23.00 Uhr auf die Dobyssna ab. Die Absetzbewegung wurde durch Fliegerangriffe gestört. G.R.58 von der 6.I.D. hä1t den Abschnitt Parchimkowskaja – FiIipkowitschi, G.R.130 von der 45.I.D. befindet sich beiderseits Dworez. Die Division muss die schwere Art.Abt.991 während der Nacht nach Bobruisk abgeben.


    26.Juni 1944
    Am Morgen des 26.6. hatte der Gegner an der Dobyssna vor der Front der Division aufgeschlossen, sich erneut bereitgestellt und setzte um 09.00 Uhr den Angriff fort. Trotz massierten Einsatz von Panzern und Sturmgeschützen (an einer Stelle 70 Stück) konnte der Zusammenhalt innerhalb der Division, welche sich kämpfend nach Westen zurückzog, gewahrt werden. Im Laufe des Vormittags überwindet der Gegner nordwestlich Liskowskaja die Dobyssna. Ebenfalls vormittags geht links zu einer abgesprengten Kampfgruppe der 134.I.D. die Verbindung verloren. G.R.130 von der 45.I.D. verliert mittags infolge Panzerdurchbruch die Verbindung zum links benachbarten G.R.58 der 6.I.D. Der Kommandeur des A.R.296 rafft sämtliche in der Nähe seines Gef.Std. befindliche Soldaten zusammen und schirmt nach links ab. Das A.R.296 verfügt zwar noch über fast alle Geschütze, leidet jedoch stark unter Munitionsknappheit. Nachschub auf der Rollbahn Rogatschew-Bobruisk war tagsüber praktisch unmöglich, weil diese Straße laufend von feindlichen Jagdbombern überwacht wurde, welche selbst einzelne Fahrzeuge angriffen. Um 24.00 Uhr setzt sich die Division befehlsgemäß auf die Brückenkopfstellung Bobruisk an der Ola ab. Hier besteht rechts eine lockere Fühlung zur 6.I.D..



    27.Juni 1944
    Bis etwa 09.00 Uhr ist die Stellung an der Ola bezogen. Um 09.30 Uhr wird ein erstes Vorfühlen der Sowjets gemeldet. Eine Stunde später setzt der Gegner seinen Angriff planmäßig fort. Er greift sowohl entlang der Rollbahn Rogatschew-Bobruisk gegen Michalewo an, als auch aus dem Raum Palkohitschi-Pawlowitschi nach Süden. Gegen Mittag wird auf dem Div.Gef.Std. in Krassnaja Dubrowa bekannt, das feindliche Panzer im Rücken der Division den Straßenknotenpunkt Titowka beherrschen. Etwa zur selben Zeit wird der linke Flügel der Division auf Leititschi zurück geworfen. Zum G.R.130 bestand keine Verbindung mehr, mit einer Kampfgruppe der 134.I.D. konnte kurzzeitig Fühlung genommen werden. G.R.58 hatte gemeldet, das es in der Linie Dworjaninowitschi-Woltscha Gora befände. Die Artillerie litt bereits stark unter Munitionsmangel, Munitionieren war wegen laufender Fliegerangriffe auf die Straßen nicht möglich. Die Muna für Art. Munition lag in unmittelbarer Feindnähe. Im Bereich der Rollbahn entwickelten sich verlustreiche Kämpfe, Einbrüche und Gegenstöße wechselten einander ab. Fernsprechverbindungen konnten kaum noch unterhalten werden, so das zunehmend Unklarheit über die Lage herrschte. Zum Korps bestand fallweise Funkverbindung. Nachmittag (16:30 Uhr) traf vom Korps ein Befehl ein, etwa folgenden Inhalts:


    "XXXV.A.K. ist ostwärts der Beresina eingeschlossen.Das Korps schlägt sich nach Nordwesten durch und erreicht Bazewitschi an der Olsa, das von der 4.Armee gehalten wird.“


    Vom stellvertretenden Divisionsführer Oberst Issmer wird daraufhin eine Kommandeur-Besprechung einberufen. Noch während diese im Gange ist, trifft ein weiterer Befehl mit folgendem Auftrag ein:


    "296.I.D. durchbricht aus einem Bereitstellungsraum aus Gegend südlich Borschtschewka den feindlichen Sicherungsring und stößt, rechts tief gestaffelt, in nordwestlicher Richtung zunächst auf Nowyje Welitschki und sodann auf Podretschje durch. Weiterer Weg über Kosulitschi-Kostritschi auf Bazewitschi an der Olsa. Durchführung: 20.00 Uhr. Nachrichtenverbindung nur durch Funk."


    Oberst Issmer teilt daraufhin Kampfgruppen ein, dankt für die hervorragenden Leistungen der Truppe und entlässt die Führer zu ihren Einheiten. Es war die letzte Kommandeur-Besprechung der 296.I.D. wann tatsächlich zum Ausbruch angetreten wurde, ist nicht bekannt.


    28.Juni 1944
    Die Division hat ihren letzten Gefechtstand ,Den Befehl des XXXV.A.K. für den Ausbruch nach Norden empfangen, ist nach eingenommener Bereitstellung zum Angriff angetreten und durchbrach in der Nacht die Einschließung des Gegners. Die Kampfgruppen wurden jedoch dann im Bereich der Rollbahn Mogilew-Bobruisk zersprengt. Ein Teil erreichte den Raum Podraschje, eine andere Gruppe blieb im feindlichen Feuer südwestlich Wolossowitschi liegen und geriet hier in Gefangenschaft.


    Ab 29.Juni
    Keine Angaben vorhanden.


    Auszug : Abwicklungsstab Rudolstadt vom 14.09.1944 (NARA):
    Über das weitere Schicksal der Division als geschlossener Verband sowie der unterstellten Einheiten kann nichts Genaueres ausgesagt werden.
    Die Kampfgruppen schlugen sich teilweise nach Bobruisk durch, bzw. stießen nördlich von Bobruisk in nordwestlicher Richtung vor. Inwieweit noch stärkere Kampfgruppen der Division bestanden, konnte bisher
    noch nicht ermittelt werden. In der Nacht vom 27. zum 28.6.1944 kamen infolge der Dunkelheit und der Beresina - Sümpfe die Kampfgruppen auseinander und vermischten sich mit Kampfgruppen aus anderen Divisionen.


    Sämtliche Teile der Division, die in Wolkowysk und Bialystok gesammelt wurden, wurden in zwei Btl. zusammengefasst und dem LV. und XXIII.A.K. zugeleitet. Die Wiedergenesenen, aus den Lazaretten
    entlassene Soldaten der Division, werden auf Antrag des früheren Div.-Kommandeurs Herrn Generallt. Kullmer, zu dessen Division (558.l.D) versetzt.


    Der vorläufige Gefechtsbericht der 296.I.D. setzt sich aus Berichten von Offizieren zusammen, die an den Kämpfen teilgenommen haben.


    Da keinerlei schriftliche Gefechtsmeldungen bzw. Unterlagen mehr vorhanden sind, können die Zeitangaben nur als Anhalt dienen.


    Auszug Tessin:Sie wurde Juni 1944 bei der Hgr. Mitte (9. Armee) im Kessel von Bobruisk vernichtet und am 3. 8. 1944 auch formell aufgelöst.


    Ein Soldatenfriedhof bei Chodossowitschi, Kreis Rogatschew, Oblast Gomel, Belarus erinnert an die Gefallenen.


    Grüße Matthias


    weiter mit 6.I.D. ...

    Grüße Matthias

  • 6. Infanterie Division 24.06. bis 01.07.1944


    Die 6.I.D.war am 20.06.44 eingesetzt nördlich und südlich Shlobin, die 50 km breite HKL verlaufend mit dem Djepr.
    Der Div.Gef .St. befand sich in Kabanowka etwa 1 km nördlich der Straße Shlobin-Bobruisk.
    Der Gef.Stand des Gran. Rgt.18 lag in Shlobin.
    Der Gef.Stand des Gren.Rgt.37 lag in Luki, etwa 7 km nördlich Shlobin.
    Der Gef.Stand vom Gren.Rgt.58 ist nicht bekannt. (vermutlich Paporotnaja)
    Die Division ist voll einsatzfähig, am 14.6.44 waren als Ersatz Genesende in Stärke von 150 Mann eingetroffen. Die Kompanien hatten durchschnittlich eine Ist-Stärke von 120-130 Mann.


    G.R. 18 mit 3./Pi.B.6
    G.R. 58 mit 2./Pi.B.6
    G.R. 37 mit 1./Pi.B.6


    Am 24.6.44 abends wurde das G.R.58 mit dem Füs.B.6 der 296.I.D. zugeführt.
    Die 1.Pi.Kp (G.R.37) und 3.Pi.Kp (G.R.18) übernahmen gemeinsam mit der 2.Pi.Kp. und einer Kampfgruppe (F.E.B.6 ?) den Regimentsabschnitt vom G.R. 58.


    Gliederung 22.06.1944



    Div.-Kommandeur Generalmajor Heyne
    Ia Mj. i.G. Steinhardt-Hantken
    Ib Mj. i.G. v. Rippeck
    Ic Obltn. Ahrens
    OI Rittm. Franz
    Div. Arzt Oberstabsarzt Dr. Lorenz


    Grenadier-Regiment 18 Kdr.Oberst Höke bis 28.6.44 gef.
    I.G.R. 18 Hptm. Deneke bis 27.06.1944 gef.
    - 1./ G.R.18 Lt. Thielebein
    II.G.R. 18 Hptm. Hellweg gefallen 27.06.1944 - 01.07.1944
    - Obtl. Rompzick
    III.G.R.18


    Grenadier-Regiment 37 Kdr. Oberst Boje, Rgt.-Führer Mj. Rippeck (26.6.44 u. 27.6.44) dann Mj. Stute
    I.G.R. 37
    II.G.R. 37
    III./G.R. 37 Mj. Stute ab 28.6. Hptm Schulte
    Adj. Lt. Knöpker
    11./ G.R.37 Oblt. Schulte
    - Lt. Strasser
    - Lt. Marzen
    - Fhj.Fw. Dorsch
    12./G.R. 37 Lt. Schmidt


    Grenadier-Regiment 58 Rgt.-Führer Mj. Stampe (seit 20.6.44)
    Adj. Hptm. Deppe
    I./G.R. 58
    1./ G.R.58 Lt. Nolte
    II./G.R. 58
    III.G.R, 58 Hptm. Ohms
    - Hptm. Haverkamp


    Artillerie-Regiment 6 Kdr. Oberst Wiesner
    I./A.R. 6
    II./A.R. 6
    III./A.R. 6
    IV./A.R. 6 (A.R.42)


    Füsilier-Bataillon 6
    siehe Panzerabwehrabteilung 6


    Panzerabwehrabteilung 6
    Die 3. Kompanie erhielt im März 1944 die Bezeichnung Sturmgeschütz-Abteilung 1006.


    Pionier-Bataillon 6 Kdr.Hptm. Geisel
    1./Pi.B.6 Heiduschka
    - Fw. Reiners
    2./Pi.B.6 Niemeyer
    3./Pi.B.6 Heer
    Ofw. Möller (sprengte Straßenbrücke über die Dobyssna Shlobin-Bobruisk)


    Feldersatz-Bataillon 6


    Div.NaAbtl.6 Kdr. Major Coenen


    Kommandeur der Infanterie-Divisions-Nachschubtruppen 6


    Verwaltungsdienste 6


    Sanitätsdienste 6 Oberstabsarzt Dr. Schulz
    1. / Sanitäts-Kompanie 6
    2. / Sanitäts-Kompanie 6
    1. / Krankenkraftwagenzug 6
    2. / Krankenkraftwagenzug 6
    Feldlazarett 6 Dr. Corsten


    Veterinär-Kompanie 6


    Division Reserve: F.E.B.6, Füs.B.6


    24.Juni 1944
    Die Division wird am 24. Juni noch nicht angegriffen, es wird nur verstärkte Artillerie- und Stoßtrupptätigkeit des Gegners gemeldet. Im Hinblick auf die Lage hier und beim linken Nachbar befiehlt das Korps nachmittags ein Regiment aus der Front zu ziehen und zur 296.I.D. in Marsch zu setzen. Es ist das G.R.58 dessen Reg.Kdr. nachts d0rt eintrifft. Er erhält auf dem Gef.Std. der 296.I.D. wo gerade die Geheimakten verbrannt werden den Auftrag, auf dem Westufer der Dobriza eine Auffangstellung zu beziehen. Im Übrigen beobachtet die 6.I.D, an diesem Tage starken Einsatz der roten Luftwaffe und Bombardierung der Trossräume.


    25.Juni 1944
    Die Division meldet schwere Kämpfe bei Kabanowka im Abschnitt des G.R.37. wobei dessen Kommandeur im Nahkampf gefallen ist. Die Lage im Raum Rogatschew und nordwestlich davon ist bei der Division nur lückenhaft bekannt, weil die Nachrichtenverbindungen häufig gestört sind. Alle Straßen und fahrbaren Wege unterliegen laufenden Fliegerangriffen. Die Bewegungen eigener Truppen und Fahrzeuge ist deshalb seit Tagesanbruch kaum möglich. Seit Beginn der Kämpfe ward von der Truppe kein einziges deutsches Flugzeug mehr gesehen, der Luftraum wird unangefochten vom Gegner beherrscht. Mit Einbruch der Dunkelheit geht die Division befehlsgemäß auf die Dobyssna zurück. Sie bezieht im Raum Krassny Bereg sowie an Rollbahn und Eisenbahn Shlobin-Bobruisk Stellung. Die 24 to - Brücke über die Dobyssna im Zuge der Rollbahn wurde in den Abendstunden im letzten Moment gesprengt, ehe sie von den Panzern des Gegners überschritten werden konnte.


    26.Juni 1944
    Die Division meldet in den Morgenstunden heftige Kämpfe zwischen der Eisenbahn und Rollbahn Shlobin-Bobruisk. Das G.R.37 hat schwerste Verluste, sein Kommandeur ist bereits gestern gefallen, heute fiel auch der Ib der Division, welcher stellvertretend die Führung des Regiments übernommen hatte. Der 6.I.D. mangelt es auch an Munition für die schweren Waffen, die Verwundeten können nur unter großen Schwierigkeiten abtransportiert werden. Die Fernsprechverbindung zum Korps ist seit vormittags unterbrochen, Funkverbindung nur fallweise.



    27.Juni 1944
    Die Division steht morgens an der Ola ohne Verbindung nach links und rechts. Sie kämpft mit Front nach Nordosten, Osten und Süden. Ausgesandte Spähtrupps werden vom Gegner bei Tschernew beschossen, bei Barak stehen Panzer und feuern auf alles, was sich auf der Rollbahn Rogatschew-Bobruisk bewegt.
    Gelegentlich kann Funkkontakt zum Korps hergestellt werden. Der Div.Gef.Std. befindet sich nachmittags in Koimin zwischen der Rogatschewer und Shlobiner Rollbahn. Hier wird auch der Korpsbefehl für den Ausbruch aus dem Bobruisker Ostkessel empfangen, Demgemäß soll die 6.I.D. gemeinsam mit der 45.I.D. hinter der134.I.D. (Anmerkung: die es nicht mehr gibt !) folgen. Beide Divisionen haben gleichzeitig die Aufgabe der Rückendeckung und später der Nachhut. Nach dem Erhalt dieses Befehls findet noch eine Kommandeur-Besprechung statt, anschließend lässt der Div.Kdr. die Geheimsachen vernichten. Die größtenteils noch intakte und gut munitionierte Artillerie wurde zerstört. Um 23:00 Uhr trat die Division zum Ausbruch an.
    G.R.18 mit der 3./Pi.Btl.6, einem Sturmgeschütz und einem Zug der Pz.Jg.Abt.6 bildete die Nachhut.


    28.Juni 1944
    Die 6.I.D. hat den letzten Korpsbefehl ebenfalls erhalten, trat um 23:00 Uhr zum Ausbruch an und überquerte nach Überwindung geringen Widerstandes schwungvoll die Rollbahn Rogatschew-Bobruisk. In der Folge erhielt die Kampfgruppe teils von links, teils von rechts Feuer, wobei Verluste entstanden.
    An der Rollbahn Mogilew-Bobruisk stockte der bis dahin geschlossen geführte Durchbruch, da der Gegner mit rasch herangeführten Kräften, auch Panzer hier sperrte. wiederholte Angriffe scheiterten im zusammengefassten Feuer des Gegners. Die geschlossene Führung ging verloren, der Kampf löste sich in Einzelaktionen auf. Verschiedene Gruppen, darunter auch der Div.Kdr., erreichten dennoch gegen Abend den Raum zwischen Sapolje und Bazewitschi. Nach notdürftiger Ordnung und Gliederung entwickelte sich eine Schießerei nach allen Richtungen, die bis in die Morgenstunden des 29.Juni dauerte.


    29.Juni 1944
    Der Divisions - Kommandeur Genlt. Heyne erreicht mit einer kleinen Gruppe das Westufer der Olsa und geriet hier am 29. Juni in Gefangenschaft. Nur wenigen kleinen Gruppen und Einzelkämpfern der Division ist es gelungen, nach tagelangen entbehrungsreichen und gefahrvollen Märschen wieder eigene Truppen zu finden.


    30.Juni 1944
    Keine Angaben vorhanden.


    01.Juli 1944
    Wie erst nachträglich bekannt geworden ist, erlitten die Verwundeten der letzten Tage ein besonders trauriges Schicksal. Die bespannten Verwundeten-Fahrzeuge blieben am 28. Juni irgendwo nordostwärts Bobruisk im Sumpfstecken und gerieten in das Feuer des Gegners. Die Lage musste so ausweglos gewesen sein, das sich der Divisionsarzt Oberstabsarzt Dr. Lorenz erschoss, nachdem er einen Beckenschuss erhielt, diesem Beispiel folgte auch Oberstabsarzt Dr. Schulz nach Bauchschuss. Nur wenige Kommandeure der Division überlebten und entgingen der Gefangenschaft. Einer davon war Oberst Wiesner, Kommandeur A.R.6, dem es gelang, eine kleine Zahl von Rückkämpfern vom A.R.6, G.R.18 und von der Pz.,Jg.Abt.6 auf zwei Lkw nach Warschau zu bringen. Von der ganzen Division konnten in den ersten Juli-Wochen insgesamt ca. 1.100 Mann gesammelt werden. Auf Befehl des OKH wurde die Division ab 25.7.1944 als 6. Grenadier-Division wieder aufgestellt, später umbenannt in 6. Volksgrenadier-Division.


    Auszug Abwicklungsstab Rudolstadt vom 11.9.44 (NARA) Abschrift vom Orginal
    Seit 23.6.44 war ans Richtung Rogatschew bei der linken Nachbar-Div. starker Gefechtslärm zu hören. und es war dem Russen gelungen, seinen Brückenkopf bei Rogatschew in westl. Richtung zu erweitern, so das die Div. in der linken Flanke und im Rücken bedroht wer. Am Abend des 25.6.44 kam der Befehl zur Absetzbewegung, die H.K.L. wurde bis die Gegend von Minkoff zurückgenommen. Da der Russe immer weiter nach Westen vordrang,. mußte sich die Div. entlang der Straße Shlobin-Bobruisk weiter absetzen. Am 26.6. wurde die HKL. bis in die Gegend von Ostroff zurückgenommen. Da dar Russe inzwischen schon in das Gebiet der neuen HKL eingedrungen war, entwickelten sich hier heftige Kämpfe. Bei einem Gegenstoß fiel der Kdr. des Gren.Rgt.37, Ritterkreuzträger Oberst Boje. Am 26.6. abends lag der Div.Gef .St. in Omelno an der Straße Shlobin-Bobruisk. Im weiteren Verlauf der Kämpfe wurde die Div. immer mehr auf der Straße Shlobin-Bobruisk zusammengedrängt, die Absetzbewegung kam jedoch ins Stocken, weil der Russe inzwischen von Norden her auf Bobruisk vorgestoßen war und die Straßenkreuzung Bobruisk-Mogilew und Bobruisk-Shlobin durch vorgestoßene Panzer unter Feuer hielt. Am 27.6.44 erfolgte gegen 17.30 Uhr ein Angriff russ. Schlachtflieger auf die dicht aufgeschlossen in Richtung Bobruisk stehenden Teile der Div., so daß erhebliche Verluste entstanden. Da keine Möglichkeit zum. weiteren Absetzen der Div. mehr bestand, kam der Befehl zur Vernichtung aller Fahrzeuge und Geschütze. Damit war der größte Teil der Div. zerschlagen.
    Restteile in Stärke von etwa 500 Mann konnten aus Bobruisk entkommen und wurden später bei Marina-Gorka von der 12.Pz .Div. aufgenommen. Eine größere Anzahl von Verwundeten aus den Kämpfen vom 25.6.-29.6.44 wurden nach Bobruisk (Zitadelle) gebracht, und konnten abtransportiert werden. Die Rückkehrer der ehem.6.J .D. wurden auf dem Tr.Üb.Platz Sennelager gesammelt und in die inzwischen neu aufgestellte 6.J .D. eingereiht. Die neu aufgestellte 6.J.D. ist inzwischen zu neuem Einsatz im Osten aus dem Sennelager abgerückt.


    Hauptmann und Sachbearbeiter


    Handschriftlich vermerkt: Hptm. Schulte (z.Zt. Laz.) trifft in den nächsten Tagen hier ein. (Hptm Schulte war der letzte Bataillons Führer vom III./G.R.37 und war für die Abwicklung der 6.I.D. abkommandiert.


    Grüße Matthias


    Weiter 383.ID. ....


    Bildquelle: Die Geschichte der rheinisch-westfälischen 6. Infanterie-Division 1939-1945, Horst Großmann

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    Grüße Matthias

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  • 383. Infanterie Division vom 24.06. - 03.07.1944


    Die Division – nach vorangegangener äußerst intensiver Ausbildung in bester Verfassung und personell und materiell auf einen hohen Stand gebracht – liegt seit dem 1. Januar 1944 im Abschnitt zwischen Niwy (8km südl. Shlobin) und der Ola. Linker Nachbar 6.I.D., rechter Nachbar 45.I.D.



    Div.-Kdr. Genlt. Hoffmeister bis 25.6., Div.F. Oberst Zierhold (26.6.) ab 27.6. Genmjr. Gihr
    Ia, Major i.G. Sohn
    Ic, Hauptmann Koy
    IIa, Major Griesinger (30.6.1944 gefallen)
    Ivb Divisionsarzt Oberfeldarzt Dr. Vorgrimler
    Major Wurdak Stab 383.I.D.
    Kdt. Stbs.Qu., Leutnant W. Frhr. von der Borch


    Grenadier-Regiment 531, Kdr. Major Benzin (29.6. gefallen) (Eichenl.)
    Rgts.Adjutant Oberleutnant Wessel (29.6. gefallen)
    I./ 531, Hauptmann Scharf
    III./ 531, Hauptmann Grimsel (29.6. gefallen)


    Grenadier-Regiment 532, Kdr. Oberst Arthur Jüttner
    II./ 532, Hauptmann Hoffer (29.6. gefallen)
    III./ 532, Hauptmann Kluge (27.6. gefallen)


    Grenadier-Regiment 533, Kdr. Obstlt. Meineke, vertr. Major Wolfsmeyer
    I./ 533 ??
    Btl.Adj. Leutnant Gebauer
    III./ 533, Hauptmann Marquardt


    Divisions-Füsilier-Batallion383, Major Schmidt


    Panzerjäger-Abteilung 383, Hauptmann Weigand


    Artillerie-Regiment 383, Major Brandt
    Regimentsadjutant, Oberleutnant Radler
    O1, Leutnant Hein
    z.b.V., Hauptmann Mühlmann
    Rgts.Nachr.Offz. u. Führ. Stbs.Battr., Oberleutnant Heinz Weber
    I./ A.R.383, Major Gerlach
    II./ A.R.383, Major Klassen
    3./ A.R.383
    4./ A.R.383 Hauptmann Potreck
    III./ A.R.383, Hauptmann Wolfgang Hesse
    IV./ A.R.383, Major Holzamer (27.6. Freitod)


    Pionier-Batallion383, Hauptmann Fuchs (30.6. gefallen)
    1./ Pi.Btl.383
    2./ Pi.Btl.383
    3./ Pi.Btl.383 Leutnant Sackel


    Nachrichten-Abteilung 383, Major Thiel


    Feldersatz-Btl. u. Divisionskampfschule 383 Hauptmann Mertens


    Kodina383, Rittmeister Schley

    Verwaltungs-Dienste 383


    Sanitätsdienste 383
    Oberstabsarzt Dr. Herwig, 383. I.D.


    Veterinär-Kompanie 383


    Divisionsreserve:
    F.E.B.383
    Div.-Füs.Btl.383


    Kommandant des sogenannten „Niwi-Blockes“ Major Rudat gef. 24.6.44


    Das Divisions-Füsilier-Batallion383 war in Juni 1944 aus das Radfahr-Schwadron 383 (Kp.Führ. Hauptmann Kluge) gebildet. Der Hauptmann ist am 27.6.1944 als Kdr. III./ Grenadier-Regiment 532 gefallen.
    Das Regiment hat neben der Kommandeur, Oberst Jüttner, 3 Kompaniechefs mit RK. Einer davon gehörte zum Gruppe Jüttner und ist mit ihm 44 Tagen durch Feindesland zur eigenen HKL gelaufen.



    24.Juni 1944
    Auch diese Division meldet tagsüber nur örtliche Kampftätigkeit, nachts jedoch starke Fliegerangriffe, wobei im Artillerieraum etwa 500 Bomben fallen. Gegen Mitternacht greift der Russe in Bataillonsstärke beim G.R.532 an, bricht ein, wird aber im Gegenstoß sofort wieder aus dem Graben geworfen. Auf Befehl des Korp's musste die Division das Füs.Btl.383 aus der HKL herauslösen. Das Btl. wurde im Lkw-Transport nach Norden geworfen, um der schwer ringenden 134.I.D. zuhelfen. Der Abschnitt des Btl. wird mit Alarm-Kompanien der Division besetzt.


    25.Juni 1944
    Die HKL wird heute heftig bombardiert, anschließend starke Angriffe mit Einbrüchen. Der Gegenangriff des G.R.352 gewinnt im wesentlichen die alte Stellung wieder. Das I./G.R.531 wird mittags eilig mit Lkw nach Bobruisk transportiert. Die Division nimmt am Abend nach Abstimmung mit der 6.I.D. ihren linken Flügel in den Raum Pristan zurück. Auch die III./A.R. 383 wird nach Bobruisk in Marsch gesetzt. Gegen 22:00 Uhr erhält die Division befehl, sich mit allen Teilen für den Abmarsch nach Bobruisk bereit zu machen, nur Teile des G.R.533 und des A.R.383 sollen als Sicherung zunächst noch zurückbleiben. Im übrigen sei der Abschnitt der Division teils von der 6.I.D., teils von der 45.I.D.- zu übernehmen. Neuer Divisionsgefechtsstand wird vorläufig nach in Wily an der Eisenbahn Shlobin-Bobruisk eingerichtet.


    26.Juni 1944
    Die Division befindet sich am Morgen in der „Elchstellung“ südostwärts Schtschedrin. Sie erhält mittags Befehl, beschleunigt den Raum südwestlich Bobruisk zu erreichen. Da sich die erforderliche Lkw-Beistellung verzögert, beginnt der Abtransport erst nachmittags, empfindlich durch laufende Tieffliegerangriffe gestört. Das Abfließen der Division wird gegen 18:00 Uhr jäh unterbrochen, da auf der Rollbahn von Mogilew durchgebrochene feindliche Panzer die Straßenbrücke über die Beresina nach Bobruisk sperren. Der Divisionsstab mit der Masse der Division erreicht wie befohlen Bobruisk und wird westlich und südlich der Stadt zur Verteidigung eingesetzt, Div.Gef.Std, im „Waldlager" westlich der Stadt. Abgesprengte Gruppen der Division werden zur Sicherung der Eisenbahnbrücke auf dem Ostufer der Beresina eingesetzt, Teile des G.R.533 verbleiben noch in der "Elch-Stellung." Der bisherige Abschnitt der 383.I.D. wird teils von der 6.I.D. teils von der 45.I.D. übernommen die Straßenbrücke nicht mehr passierbar ist, stauen sich vor der Eisenbahnbrücke die Fahrzeuge von fünf Divisionen, welche versuchen, hier das Beresina-Westurer_zu erreichen. Die Brücke wird immer wieder von sowjetischen Fliegern angegriffen, sodass sie alsbald durch beschädigte Fahrzeuge blockiert ist. Zur Fliegerabwehr steht zu wenig Flak zur Verfügung. Da es in diesem Augenblick im Brückenbereich an energischen Offizieren in ausreichender Anzahl fehlt, kommt es zu Panik-Erseheinungen und es beginnt sich ein Chaos zu entwickeln. Der Div.Kdr. Genlt. Hoffmeister, muss auf Befehl der Armee das Kommando über das XLI.Pz.K. übernehmen, mit der Führung der 383.I.D, wird vertretungsweise Oberst Zierhold beauftragt.


    27.Juni 1944
    Die Division, seit gestern mit Masse auf dem Beresina-Westufer ist unter den Befehl des XLI.Pz.K. getreten, weiterer Ablauf der Geschehnisse dort selbst. Teile des G.R.533 sind unter den Befehl der 45.I.D. auf dem Ostufer gekommen. Eine andere Kampfgruppe der 383.I.D. sichert am 27. Juni morgens an der Eisenbahnbrücke auf dem Beresina-Ostufer. Die Division kam gestern befehlsgemäß mit Masse noch nach Bobruisk und übernahm die Sicherung nach Süden und Südwesten. Der Gegner fühlt im Laufe des Vormittags nur mit schwachen Infanteriekräften vor, die abgewiesen werden. Das Dorf Starzy, 15 km westsüdwestlich Bobruisk, wird stärker angegriffen, das dort eingesetzte Sich.Btl. 1003 zieht sich auf Kamenka zurück und wird dort vom I./G.R.531 aufgenommen. Nachmittags wehrt diese Kampfgruppe einen Vorstoß des Gegners mit Panzern ab und zieht sich abends befehlsgemäß auf die Stadtrandstellung von Bobruisk zurück. Den Befehl über die Division übernimmt Genmjr. Gihr. Das XLI.Pz.K. übermittelt den Armeebefehl, wonach die 383.l.D. den "Festen Platz Bobruisk" zu verteidigen hat. Der Div.Gef.Std. wird vom Südteil in den Nordteil Bobruisks verlegt.


    28.Juni 1944
    Schwache Teile der Division, die am Vortag abends noch an der Eisenhahnbrücke sicherten und Teile, die sich bei der 45.I.D. befanden, gelangten in der Nacht über diese Brücke nach Bobruisk und stießen hier wieder zur Division. Der Gegner tastet mit Infanterie und Panzern die Stadtrandstellung ab, einzelne Positionen gehen dabei verloren. Die Angriffe aus der Luft haben nachgelassen, dafür erfolgen häufige Feuerüberfälle mit "Stalinorgeln". Bei der Truppe sickert durch, das in der kommenden Nacht Ausgebrochen werden soll. Die Brunnen geben kein Wasser mehr her, man leidet Durst. Genmjr. Gihr, eigentlich Div.Kdr. der 707.I.D., welche jedoch zerteilt eingesetzt wurde, nimmt am Nachmittag als Führer der 383..I.D. an der Besprechung beim Korps teil. Gleichzeitig beginnen die Sowjets die Stadt mit Phosphor - Granaten zu beschießen, sodass bis zum Abend viele Brände entstehen, die nicht gelöscht werden können.


    29.Juni 1944
    Der Division harrt heute die schwere Aufgabe der Nachhut. Um 01:00Uhr begann sie sich vom Feind zu lösen, um 02:00 Uhr eilen die letzten Sicherungsgruppen wegen der Hitze im Laufschritt der Ausfallstraße nach Norden zu, begleitet von Feuerüberfällen des Gegners durch Salvengeschütze. Die Spitze der Division (G.R.533) bricht bei Nasarowka ersten Feindwiderstand. Das Gros trifft jedoch im Raum Luki-Pawly-Antonowka auf eine starke Sperre des Gegners und erleidet am frühen Morgen durch gut liegendes Werfer- und Artilleriefeuer vom jenseitigen Beresinaufer empfindliche Verluste. Unglücklicherweise müssen alsbald die letzten Geschütze der Division gesprengt werden, nachdem keine Munition mehr vorhanden ist. Da der eigene Angriff an dieser Stelle nicht durchdringt, wird nach Westen ausgewichen. Dei diesem Gefecht soll auch Genmjr. Hamann, der Kommandant des „Festen Platzes Bobruisk" gefallen oder verwundet in Gefangenschaft geraten sein. Nach flüchtiger Ordnung in einem Waldstück wird die Straße nach Ssolomenka erreicht. Hier kommt es nochmals zu einem erbitterten Gefecht, an dem auch Banden beteiligt sind und der Gegner Panzer einsetzt. Nach Abschuss von 3 oder 4 Panzern ist die Straße frei gekämpft. Bei diesen Kämpfen fiel der Führer des G.R.531, Eichenlaubträger Mjr. Benzin. Gegen Abend wird die Woltschanka überschritten, wobei es zu Panikszenen kommt, als die Brückenstelle aus südlicher Richtung von Panzern beschossen wird. Nur mit größter Energie gelingt es den Führern, die Truppe im Wald nordoswärts Russoljanka wieder zu sammeln. Die Nachhut der Division trifft nachmittags im Wald westlich Ponjuskewitschi eine seltsame Situation an: Vorne, auf der Kreuzung mit der Straße Ssytschkowo-Schatkowo liegt Panzerfeuer und rufen eigene Gruppen nach Pak, während einige hundert Meter rückwärts ein deutscher Oberst zwei 7.Scm-Pak und zwei 8.8cm-Flak zurückhält. Mjr. Wurdak vom Stab der 383.I.D. und der Divisionsarzt der 383.I.D., Oberfeldarzt Dr. Vorgrimler, greifen hier ein und befehlen die Geschütze nach vorne. Kurz darauf werden von 6 sperrenden Panzern 5 abgeschossen, der sechste fährt rauchend davon. Die Straße ist frei, der vermeintliche Oberst wird als Agent entlarvt und unschädlich gemacht. Nach Einbruch der Dunkelheit kommt die Kampfgruppe des Mjr. Wurdak an die Woltschanka, die Brücke kann gerade noch vor nachstoßenden Panzern gesprengt werden. Im Raum Werbki-Russoljanka wird gerastet. Die Kämpfer sind äußerst erschöpft, leiden Hunger und Durst, auch Apathie macht sich jetzt bemerkbar. In der in Russoljanka eingerichteten Verwundeten-Sammelstelle liegen 400 Verwundete; das Stichwort "Verrat" geht um.


    30.Juni 1944
    Beim Morgengrauen wird der Weitermarsch angetreten und nach einigen Stunden Tschutschja erreicht, im Norden ist Gefechtslärm zu hören. In Tschutschja wird die Division gesammelt geordnet und dann der Marsch fortgesetzt. Stoljary wird passiert, dann Oktjabr, die Spuren des kurz zuvor stattgefundenen schweren Kampfes sind nicht zu übersehen. Die Divisionsführung erhält Meldung, das um den Sswisslotsch-Übergang gekämpft wird und das Feind von Süden und Südwesten mit Panzern und motorisierter Infanterie im Anmarsch ist. Der 383.I.D. wird befohlen, eine Abwehrstellung gegen diesen Gegner zu beziehen. Eine Kampfgruppe der Division geht weiter nach Norden vor und ist am Sturm auf Ssloboda beteiligt. Einem Stoßtrupp der Division gelingt es, die entscheidende Brücke über den Sswisslotsch-Fluß im Handstreich zu nehmen. Doch der mit so vielen Opfern erkämpfte Erfolg kann nicht ausgeutzt werden, zu stark ist hier der Gegner, die Brücke geht nach einigen Stunden wieder verloren.


    01.Juli 1944
    Nochmals wurden am Abend des 30.Juni südwestlich Ssloboda die Reste der Division von einigen wenigen noch übrig gebliebenen Offizieren geordnet. Nachdem eine Nachhut eingeteilt worden ist, setzt sich die Hauptgruppe spät abends in Marsch, stößt aber im Morgengrauen des 1.Juli vor Ustish auf starken Feindwiderstand. Nach schwerem, verlustreichen Kampf kann der Ort genommen werden, wobei zwei Panzer mit Panzerfaust abgeschossen wurden. Nachdem nordostwärts Brizalowitschi einige Agenten in deutscher Uniform ("Komitee Freies Deutschland"?),welche versuchten, die eigenen Gruppen fehlzuleiten, unschädlich gemacht worden sind, kann der Sswisslotsch auf der Brücke bei Lipen/Starosselje überschritten werden. Gegen Mittag nehmen die ersten Gruppen der 383.I.D. bei Baranzy 1 Verbindung mit einer Kampfgruppe der 12.Pz.D. auf. Unterdessen hält die Nachhut am 1.Juli bis gegen 06:00 Uhr südwestlich Ssloboda und setzt sich dann ebenfalls Richtung Brücke Lipen in Marsch. Diese Kampfgruppe unter Führung von Mjr. Wurdak verfügt noch über einige mot. Fahrzeuge und mehrere bespannte Fahrzeuge. Alle Fahrzeuge werden bis zur Bruchgrenze mit Verwundeten beladen. Unter abenteuerlichen Umständen kann unterwegs noch ein Panzer der 20.Pz.D. vereinnahmt werden. Auch die Nachhut erreicht die 12.Pz.D. bei Baranzy 1 und wird nach Pogoreloje bzw. Marina Gorka weitergewiesen. Insgesamt fanden sich in diesem Raum etwa 500-600 Mann der 383.I.D. zusammen .


    02.Juli 1944
    Auch von der 383.I.D. erreichen letzte Gruppen und einzelne Versprengte erst in der Nacht von gestern auf heute Pogoreloje. Da der Gegner scharf nachdrängt, ist nur eine kurze Rast möglich. Nach flüchtiger Ordnung muss weitermarschiert werden, das Ziel ist Marina Gorka. Fußkranke, Erschöpfte und Verwundete werden von Fahrzeugen der 12.Pz.D. mitgenommen, so weit dies möglich ist. Die zu Fuß Marschierenden treffen gegen Mittag nach 45 km durchgehendem Marsch total erschöpft in Marina Gorka ein. Hier erfolgt sofortige Verladung auf Großraum-Transporter, welche von der Armee bereitgestellt waren. Marina Gorka liegt um diese Zeit bereit unter Salvengeschütz-Störungsfeuer.


    03.Juli 1944
    Major Wurdak führte einen Transport von 2.200 Mann, darunter 500 Schwerverwundete, über Minsk-Molodeczno-Lida ebenfalls nach Wolkowysk. Bei diesem Transport befanden sich aber auch Angehörige der Infanterie-Divisionen 36, 134, 296 und 707 sowie der 20. Panzer-Division. Von diesem Transport wurden unterwegs Einsatzfähige bereits wieder für die Front abgezweigt, ein Teil dieses Transportes gelangte nach Hohensalza. Die Schwerverwundeten wurden nach Siedlce befördert. Am 3.8.1944 ist die 383.I.D. formell aufgelöst und nicht wieder aufgestellt worden.



    Auszug Abwicklungsstab Rudolstadt (NARA) Abschrift vom Orginal :Leiter Abwicklungsstab der 383.I.D. Kdt. Stbs.Qu., Leutnant W. Frhr. von der Borch (niedergeschrieben am 31.07.44 in Gumbinnen)


    01.07.
    ....... Im Schutze einer Panzer-Abteilung marschierte die in Starosselje wiederum als Nachhut ausgeschiedene 383.I.D. - eskamen noch etwa 500 - 600 Mann zusammen - im Gewaltmärschen bei ständigen Nachrücken des Feindes nach Pogoreloje. An diesem Tage traten noch besondere Verluste daduech eun, das viele Leute völlig erschöpft liegenblieben und nicht mehr weiterzukriegen waren. Verpflegung war seit mehrerern Tagen nicht mehr ausgegeben worden. Zum Trinken war nur Moorwasser vorhanden. fasst alle Leute waren schwer fusskrank......


    02.07.
    Von Pogoreloje wurde, da der Feind unsere Marschgruppen in der Flanke auszumarschieren drohte, der Marsch nach kurzer Rast fortgesetzt und im Laufe dieses und nächsten Zages die Bahnlinie nach Minsk bei Marina Gorka und weiter westlich gelegenen Stationen erreicht. Von dort erfolgte der Abtransport mit Verwundeten- oder Räumzügen bzw. Lkw bis Wolkowysk, Bialystock, Warschau etc., wo die in kleinen Gruppen anlangenden Leute von den Auffangstäben gesammelt wurden.


    Unterschrift: W. Frhr. von der Borch
    Leutnant


    Grüße Matthias


    Weiter 45.I.D. .......


    Bildquelle: NARA T78 136-0481/0485
    EDIT: linkes Bild 24.6.44, rechtes Bild 28.6.44

  • 45. Infanterie-Division 24.06. - 03.07.1944
    Die Division war gemäß letztgültiger Gliederung voll aufgefüllt, sogar das im Juni 1943 aufgelöste G.R.130 wurde Ende Mai 1944 wieder aufgestellt. Auch die Artillerie war mit drei leichten und einer schweren Abteilung vollzählig, dasselbe gilt für die übrigen Divisions-Einheiten, lediglich die Pz.Jg.Abt.45 verfügte nur über 2 statt 3 Kompanien.


    HKL von ca. 12 km Ausdehnung war nur mit 3 Bataillonen besetzt (I. u. II./G.R.135 und Füs.Btl.45).
    Die linke Divisionsgrenze bildete das Ola-Flüßchen, die rechte Grenze, zugleich Korps-Grenze, die Beresina.
    Linker Nachbar die 383.I.D. Rechter Nachbar jenseits der Beresina war die 36.I.D. des XLI.Pz.K.


    Der Div.Gef.Std. befindet sich 3 km südwestlich Schtschedrin.


    Div.Kdr. Genmj. Engel
    Ia Mj.i.G. Grüner
    Ib Mj.i.G. Stößlein
    IIa Hptm. Kopp


    Grenadier-Regiment 130 Kdr. Oberst Kammerer
    Regimentsstab
    Stabs-Kp.Hptm.Pachernigg
    I. Bataillon Mj. Kunterwald
    II. Bataillon Hptm. Freiberg


    Grenadier-Regiment 133 Kdr. Oberst von Horn
    I. Bataillon Hptm.Koschorek
    II. Bataillon Hptm. Weise
    Stabsarzt Dr. Hans Mally
    14. Kompanie Hptm. Ing. Franz Schneiderbauer


    Grenadier-Regiment 135 Rgt.Fü. Mj. Borgemeister
    I. Bataillon Hptm. Edzards
    II. Bataillon


    Divisions-Füsilier-Bataillon (A.A.) 45 Kdr. Mj. Ehrhardt
    1.Schwadron Lt. Scherber
    2.Schwadron Oblt. Haupt
    3.Schwadron Lt. Grotefendt
    4.Schwadron Hptm. Esser


    Artillerie-Regiment 98 Kdr. Obstlt. von Seewald
    I. Abteilung Hptm. Branowitzer-Rodler
    II. Abteilung Mj. ten Hompel
    III. Abteilung Hptm. Dr. Neumann
    Artillerie-Regiment 99
    I. Abteilung Kdr.Mj. Grzegorek


    Feldersatz-Bataillon 98 Kdr. Hptm. Gruhl


    Pionier-Bataillon 81 Btl.-Fü. Oblt. Liebisch
    1.Kompanie Oblt. Poschusta
    2.Kompanie Oblt. Richter
    3.Kompanie Oblt. Nagele


    Panzerjäger-Abteilung 45 Abt.Fü. Hptm.Enders
    1.Kompanie Hptm. Bester
    2.Kompanie Oblt. Janesch
    Sturmgeschütz-Kp1045


    Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 65 Kdr. Mj. Jordan


    Kommandeur der Infanterie-Divisions-Nachschubtruppen 45 Oblt. Franz Schmat


    Verwaltungsdienste 45


    Sanitätsdienste 45
    Feldlazarett 45
    Fw. Leo Jindrak


    Veterinärkompanie 45


    Armee-Reserve:
    G.R.130 in den Abschnitt der 296.I.D., II./A.R.98 zur 296.I.D.


    Korps-Reserve:
    G.R.133 zur 134.I.D.,
    I./A.R.98 zur 383.I.D.


    Divisions-Reserve:
    F.E.B.98 in Schtschedrin
    Pi.Btl.81 Raum Samen Rinja


    24.Juni 1944
    Man sah beim Divisionsstab mit einer gewissen Zuversicht den Angriffsvorbereitungen des Gegners entgegen, die in dem unübersichtlichen Wald- und Sumpfgebiet des rechten Korps-Abschnittes nicht so in Erscheinung getreten sind, wie dies am linken Flügel des Korps der Fall war. Bis zum Beginn der russischen Offensive mussten jedoch folgende Einheiten als Korps- bzw. Armee-Reserven ausgeschieden werden: Das G.R.130 in den Abschnitt der 296.I.D., das G.R.133 zur 134,I.D., die I./A.R.98 zur 383.I.D. und die II./A.R.98 zur 296.I.D. Die 45.I.D. war nun derart geschwächt, das sie ihre HKL mit 3 Bataillonen besetzen konnte. Zuversicht war der Sorge gewichen. Bei der 45.I.D. konnte der Gegner am Vortag vor Hellwerden die Vorpostenstellung auf der Insel Choljun durch Handstreich nehmen. Sie wurde ihm noch vormittags durch Gegenstoß des Füs.Btl.45 wieder entrissen. Der Großangriff beginnt jedoch auch hier in den frühen Morgenstunden des 24. Juni. Die ersten Angriffswellen des Gegners waren zur Irreführung der eigenen Grabenbesatzung in deutsche Uniformen gekleidet. Der Trick wurde sofort erkannt und blieb ohne Auswirkung. Bei nur kurzen Gefechtspausen werden während des ganzen Tages sämtliche Angriffe abgewehrt, einige Einbrüche im sofortigen Gegenstoß bereinigt. Die HKL wurde im ganzen Divisionsabschnitt behauptet, die Angriffe als Fesselung beurteilt.


    25.Juni 1944
    Der Gegner setzt am Morgen auch bei der 45.I.D. seinen Großangriff fort. Ungeachtet schwerer Verluste können die Sowjets nach Einsatz von Reserven an einigen Stellen in den vordersten Graben einbrechen. Es kommt in dem unübersichtlichen Wald- und Sumpfgelände zu erbitterten Nahkämpfen um jeden Bunker und jedes Widerstandsnest. Obwohl die III./A.R.98 und I./A.R.99 ein vernichtendes Feuer auf die vom Feind besetzten Stellungsteile legen, kann der Gegner diese durch Zuführung immer neuer Kräfte behaupten. Eine geordnete Bereitstellung zur Fortführung des Angriffs ist ihm jedoch nicht möglich. Im Laufe des Vormittags gelingt es durch schneidige Gegenstöße die Sowjets überall wieder auf ihre Ausgangsstellung zurückzuwerfen. Der Gegner lässt eine große Zahl von Toten und bemerkenswert viele schwere Waffen auf dem Gefechtsfeld zurück. G.R.135 und Füs.Btl.45 melden geringe eigene Verluste, die Kampftätigkeit flaut etwas ab. Ebenfalls noch Vormittag kommt durch die Divisions-Vermittlung der N.A.65 ein Ferngespräch zwischen dem Oberbefehlshaber der 9. Armee und dem Divisionskommandeur der rechts benachbarten 36.I.D. zustande, aus dem die Absicht für die weitere Kampfführung hervorgeht. Demnach muss die 36.I.D. im Falle der weiteren Verschärfung der Lage beim XLI.Pz.K. ihre HKL auf Skalka zurücknehmen – bisher hart nördlich Sduditschi - und um Paritschi einen Brückenkopf bilden. Hierauf findet um 12:00 Uhr auf dem Gef.Std. der 45.I.D. eine Kommandeur-Besprechung statt. Der Div.Kdr. unterrichtet, das in der kommenden Nacht das G.R.135 mit einem Absetzen in die vorbereitete "Sauriegel - Stellung „ zu rechnen habe - Verlauf:
    Beltscho (Beresina –Nordufer) -Dobrowolschtschina Südrand – Samen Rinja Südrand-Kote 133, hier Anschluss an Füs.Btl.45, dieses in der alten HKL verbleibend. Die Division ist zu dieser Maßnahme durch die Vorgänge beim rechten Nachbar jenseits der Beresina gezwungen. Es ist dadurch die Verlängerung des eigenen rechten Flügels erforderlich, wozu dem G.R.135 das Pi.Rtl.81 zugeführt und unterstellt wird. Große Sorge bereitet der Division die mit der Absetzbewegung verbundene kampflose Preisgabe zweier bisher mit Erfolg verteidigter Landbrücken, die hier dem Gegner den Einsatz von Panzern ermöglichen werden. Am Nachmittag nahmen die Sowjets ihre Angriffe wieder auf, es gelangen ihnen abermals einige Einbrüche. Im Hinblick auf die beabsichtigte Absetzbewegung begnügte sich die Division mit dem Abriegeln der Einbruchstellen. Der Beginn des Absetzens wurde für 21:00 Uhr befohlen, starke Nachhuten hatten bis 01:00 Uhr am Feind zu bleiben.


    26.Juni 1944
    In der Morgendämmerung nimmt der Feind mit massierter Infanterie seinen Angriff gegen die gesamte Front der Division wieder auf. Einbrüche und Gegenstöße wechseln einander ab. Besonders am linken Flügel, der durch das Herauslösen der 383.I.D. ohnehin geschwächt ist, entstehen mehrmals Krisen. Durch den persönlichen Einsatz aller Führer und die Tapferkeit jedes einzelnen hält die Abwehrfront der Division allen Durchbruchsanstrengungen des Gegners während des ganzen Vormittags stand. Um die Mittagzeit verschärft sich die Lage beim rechten Nachbar, der 36.I.D., jenseits der Beresina. Diese Division wurde im Brückenkopf Paritschi immer mehr zusammengedrängt und muss denselben vorzeitig räumen. Der Abzug der36.I.D. beginnt am frühen Nachmittag und muss von der 45.I.D. gedeckt werden. Die 45.I.D. muss deshalb ihren rechten Flügel bis Gorki ausdehnen, der Div.Kdr. setzt seine letzte Reserve ein, das Feld-Ers.Btl.98. Die Division befiehlt ferner die Zurücknahme der Front in die allgemeine Linie Gorki-Dworischtsche-Podsboromirskij-Ola Westufer. Um 16:00 Uhr ist die neue Verteidigungslinie bezogen. Der Div.Gef.Std. wird nach Pankratowitschi verlegt. Wie erwartet, treten am späten Nachmittag die ersten feindlichen Panzer auf. Zahlreiche Panzer werden abgeschossen, der Infanterie-Angriff wird nochmals aufgefangen. Gegen 17:00 Uhr befiehlt das Korps auf die verkürzte Widerstandslinie Ostrowki-Naumoff-Schtschedrin-Sselischtsche mit Einbruch der Dunkelheit zurückzugehen. Auf Grund der Gesamtlage im Korpsbereich wird der Befehl abends dahingehend geändert, die Absetzbewegung bis auf die Linie Ugly-Malewo Nord-Berwy-Tashilowitschi-Oktjabr an der Eisenbahn Shlobin-Bobruisk fortzusetzen. Nachhuten bleiben bis Mitternacht am Feind. Der Div.Gef.Std. wurde hart südwestlich Telusha eingerichtet.


    27.Juni 1944
    Durch unbemerktes Lösen vom Feind kam es im Verlaufe der Nacht zu keinen weiteren Gefechten. Die Truppe erreichte im ermüdetem Zustand die neue Stellung und konnte sich dort in Ermangelung von Kräften nur mehr stützpunktartig zur Verteidigung einrichten. Die offene Westflanke bis Bobruisk musste durch das natürliche Hindernis der Beresina mit ihren Nebenarmen und vorgelagerten Sumpfwiesen vorerst als ausreichend gesichert betrachtet werden. Der Div.Gef.Std. wurde am Südrand des Waldstückes hart westlich Telusha eingerichtet. Es ist bekannt, das sich der Straßenknotenpunkt Titowka in der Hand des Gegners befindet. Um 06:00 Uhr stand die Division in dünner Besetzung in der "Berta-Stellung". Nach mehrstündiger lebhafter Aufklärungstätigkeit griff der Gegner an der gesamten Front wieder an. Im Abschnitt des G.R. 135 setzte er zahlreiche Panzer ein und konnte nach erbitterten, aufopfernden Kämpfen in die eigene Widerstandslinie einbrechen. In Höhe der Artillerie-Stellungen konnten die Sowjets nach Abschuss von über 20 Panzern nochmals aufgefangen werden, Malewo ging verloren. Angriffe über die Beresina blieben aus. Um 12:00 Uhr erscheint der Kommandierende General des XXXV.A.K. ,Genlt. von Lützow, auf dem Div.Gef.Std. Während seiner Anwesenheit wird ein Funkspruch der 9.Armee übermittelt, wonach vom Korps sofort zu entscheiden und zu melden war:


    a) Durchbruch nach Bobruisk und Vereinigung mit dem XLI.Pz.K., von dort Antritt zum gemeinsamen Ausbruch,b) Durchbruch nach Norden und Vereinigung mit der 4. Armee, dort Beteiligung an den weiteren Abwehrkämpfen.


    Der Komm. General entscheidet sich für die Variante b).


    Kurz darauf kommt ein weiterer Funkspruch vom AOK 9 an das XXXV.A.K. folgenden Inhalts:


    "Das XXXV.A.K. ist ostwärts der Beresina eingeschlossen. Das Korps schlägt sich nach Nordwesten durch und erreicht Bazewitschi an der Olsa, das von Teilen der 4. Armee gehalten wird."


    Genlt. von Lützow befiehlt noch vom Div.-Gef.Std. der 45.I.D. aus eine sofortige Besprechung der Divisions-Kommandeure, die aber infolge der weiteren Lageentwicklung nicht mehr zustande kommt.
    Der Kommandierende General fährt auf seinen Gefechtsstand zurück.
    Der Div.Kdr. der 45.I.D., Genmjr. Engel befiehlt die Vernichtung aller Verschlusssachen. Gegen 15:00 Uhr erfolgt ein Panzerdurchbruch entlang der Straße Malewo-Telusha. Wenig später geht feindliche Infanterie von Osten gegen Telusha vor. Ostwärts des Ortes wird mit einer Alarmeinheit rasch ein Sperrriegel aufgebaut, doch fehlt es an panzerbrechenden Waffen. Die Division verlegt den Gefechtsstand nach Dubowka. Etwa um dieselbe Zeit, nämlich zwischen 16:00 und 17:00 Uhr, erging der Befehl des XXXV.A.K. wonach dieses nach Nordwesten ausbricht und die 45.I.D. gemeinsam mit der 6.I.D. die Nachhut bilden und in weiterer Folge Sapolje an der Olsa erreichen soll.
    Da sich die Lage von Stunde zu Stunde dramatisch verschärfte, hat die 45.I.D. diesen Befehl wahrscheinlich nicht mehr erhalten, Dafür spricht auch ein Bericht des Abwicklungsstabes 45.I.D. vom September 1944, der auf Angaben von Rückkämpfern beruht und in welchen der betreffende Korpsbefehl mit keinem Wort erwähnt wird. Es ist aber auch möglich, dass Genmjr. Engel aus eigenem Entschluss anders handelte, weil er das Erreichen des Bereitstellungsraumes unter den gegebenen Umständen als nicht mehr möglich erachtete. Eine Koordinierung mit der 6.I.D. war zu diesem Zeitpunkt auch bereits nicht mehr durchführbar, da Funkverbindung nur mehr zum G.R.135 und Füs.Btl.45 bestand. So mochte dem Div.Kdr. der kürzere Weg über die Eisenbahnbrücke nach Bobruisk erfolgversprechender erschienen sein. Während des Gefechtsstandwechsels greifen 526 Flugzeuge anderthalb Stunden (sowjetische Angaben) im rollenden Einsatz die auf engem Raum im Eisenbahn-Brückenkopf zusammengedrängten Divisionen des XXXV.A.K. mit Bomben und Bordwaffen an. Die geringe Abwehr durch 2cm-Flak ist bald zum Schweigen gebracht. Es entstehen beträchtliche Verluste an Menschen und Material, besonders unter den Trossen. Mit Beendigung der Luftangriffe setzt der Feind seinen vorübergehend eingestellten Angriff auf dem Boden wieder fort. Um etwa 19:00 Uhr ergeht von der Division der Befehl, sämtliche Fahrzeuge und die schwere Ausrüstung zu vernichten und kämpfend Bobruisk zu erreichen. Die Absetzbewegung gerät teilweise außer Kontrolle, die Truppe ist mit ihren physischen und psychischen Kräften am Ende. An der Brückenstelle herrscht ein Chaos. Die Eisenbahnbrücke scheint unter der Devise zu stehen "Rette sich, wer kann!" Alles drängt nach Bobruisk, vermeintlich ist man dort in Sicherheit, tatsächlich kommt man nur vom Regen in die Traufe. Immer wieder versuchten auch Soldaten schwimmend das Beresina-Westufer zu erreichen, viele von diesen ertranken.


    28.Juni 1944
    Im Bobruisker Ost-Kessel sind nur die beiden Grenadier-Regimenter 130 und 133 sowie zwei Artillerie-Abteilungen I. und II. des A.R.98 verblieben. Diese Einheiten haben sich in der vergangenen Nacht am Ausbruch des XXXV.A.K. beteiligt. Ihr Schicksal, soweit bekannt, wird daselbst behandelt. Die Rest-Division mit dem Div.Kdr. ist im Bobruisker West-Kessel unter den Befehl des XLI.Pz.K. getreten.


    29.Juni 1944
    Die 45.I.D. kann am 29. Juni erst nach Mitternacht antreten, während im Südteil und Westteil von Bobruisk bereits starke Brände wüten. Die Verwundeten und Kranken wurden nach Abgabe ihrer Waffen zu einem selbständigen Marschverband zusammengefasst und soweit nicht marschfähig, aber transportfähig, auf Panje-Fahrzeugen verladen. Diese Marschgruppe wurde zwischen den Angriffstruppen und der Nachhut eingegliedert. Die 45.I.D. unter Führung ihres Div.Kdr. nimmt von Bobruisk die Straße, welche hart westlich der Beresina zuerst nach Norden über Nasarowka, Luki führt, dann über Ponjuskewitschi nach Westnordwest abbiegt. Etwa 2 km nordwestlich Krassnoje wird der Woltschanka-Bach überschritten, gegen Abend Russoljanka erreicht, wo Rast befohlen wird. Die Kampfgruppe der 45.I.D. hatte sich unterwegs mehrmals sowjetischer Flankenangriffe aus Südwesten zu erwehren. Die Truppe, ohne ausreichende Verpflegung, ist bereits stark ermüdet. Nach etwa 3-stündiger Rast, Sammlung und Neuordnung in einem Waldgelände, wird wieder angetreten. Während des folgenden Nachtmarsches gelingt es der Division, sich der feindlichen Verfolgung zu entziehen.


    30.Juni 1944
    Die Division, besser gesagt was von ihr noch übrig ist, trifft am frühen Vormittag südlich Oktjabr ein. Während des Nachtmarsches über Kossje-Tschutschja kam es zu keiner Feindberührung. Nach einigen Stunden Rast wird zum Angriff auf Oktjabr angetreten. Die eigenen Kräfte waren neu gegliedert worden und mit
    scharfer Zusammenfassung der noch vorhandenen schweren Waffen zeichnet sich ein Erfolg ab: Oktjabr wird erstürmt, die Eisenbahnbrücke nördlich des Ortes in Besitz genommen und im weiteren zügigen Vorgehen kann dem Gegner auch noch der 4,5 km weiter nordwestlich bereits im Flussdreieck Sswisslotsch-Beresina gelegene Ort Ssloboda entrissen werden. Der weitere Angriff auf die wichtige Sswisslotsch-Brücke misslingt, da der Gegner am nördlichen Ufer mit Panzern steht.


    01.Juli 1944
    Nach den mehrstündigen verlustreichen Kämpfen um die Sswisslotsch-Brücke nördlich Ssloboda am gestrigen Tag, war die Rumpf-Division neuerlich zersprengt worden. Die Kampfgruppen waren, so wie sie aus Bobruisk eintrafen, nacheinander in den Kampf geführt worden, der sichtbar für jeden nicht zum Ziel führte. Tiefe Resignation war die Folge. Als sich am späten Nachmittag die Parole verbreitete "Ausweichen nach Südwesten", machten sich die Reste in Gruppen- bis Zugstärke selbständig. Als Führer, ohne Rücksicht auf den Dienstgrad, wurde derjenige anerkannt, welcher das größte Selbstbewusstsein ausstrahlte. Waffengattung und bisherige Einheit war nebensächlich, hingegen erschien der Besitz eines Marschkompasses vertrauenerweckend, kaum jemand besaß eine Karte. Unter diesen eher deprimierenden Umständen ist es trotzdem vielen kleinen Gruppen gelungen, den Sswisslotsch in der vergangenen Nacht zwischen Malinowka 2 und Ustish zu durchfurten. Die Männer bildeten dabei zur Sicherung von Nichtschwimmern und gehfähigen Verwundeten Ketten, indem sie sich gegenseitig am Koppel festhielten. Als diese Gruppen am 1. Juli frühmorgens nördlich Baranzy Kettengeräusche vernehmen und dann feststellen, das sie Panzer-Fahrzeuge mit dem Balkenkreuz vor sich
    haben, kommen sie aus ihren Verstecken und hören mit einem unbeschreiblichen Gefühl der Freude und Erleichterung, das es die 12.Pz.D. ist, die sie heraushaut. Die Männer werden nach Pogoreloje eingewiesen, wo bis zum Abend viele "Bobruisker" eintreffen.


    02.Juli 1944
    In Pogoreloje treffen auch während der Nacht vom 1.zum 2.Juli noch Versprengte der Division ein. Nach vollzogener Sammlung und Ordnung erfolgt am Morgen der Weitermarsch der Gehfähigen zur Rollbahn Bobruisk-Minsk. Ärzte und Sanitäter der 12.Pz.D. hatten vorher noch bei den dringlichsten Fällen verdreckte und bereits stinkende Verbände gewechselt. Auf der Rollbahn geht es weiter nach Marina Gorka. Hier wird teils auf Eisenhahnwaggons, teils auf Großraum-Lkw verladen.


    03.Juli 1944
    Die Reste der Division, trafen noch am 2. Juli in Minsk ein, laut Rückkämpfer-Berichten ging es hier zu "wie in einem Ameisenhaufen." In Minsk hieß es umsteigen auf die Eisenbahnlinie nach Molodeczno und von hier aus ging es über Lida nach Wolkowysk, das am 7. Juli erreicht worden ist. Diese Strecke musste teilweise im Fußmarsch zurückgelegt werden. In Wolkowysk waren Auffangstellen der 9. Armee eingerichtet, hier wurde gesammelt, geordnet sowie Bekleidung und Verpflegung ausgegeben. Dann ging es über Bialystok nach Warschau weiter, wo der Transport um den 18. Juli eintraf. Höhnisch betrachteten die Polen die nicht mehr siegessicher aussehenden Deutschen. Am 24.Juli wurde der kärgliche Rest der 45.I.D. in Linz an der Donau, der Hauptgarnison der Division, ausgeladen. Es sind ungefähr 1.000 Mann gewesen. Die Division wurde unverzüglich wieder aufgestellt, zuerst als 546. Grenadier-Division, dann 45. Grenadier-Division, schließlich 45. Volksgrenadier-Division. Und wenige Wochen später rollten bereits wieder die ersten Transporte an die ausgeblutete Ostfront.


    Auszugsweise ein Bericht vom 2.Geschützführer der 7./A.R.98.............................. Auf der Straße war die Hölle los. Alles was sich dort aufhielt, wurde mit Splitterbomben belegt. In den Sumpf, links und rechts des Weges konnten die Fahrzeuge nicht ausweichen. Durch das Kuschelgelände waren wir wieder gegen Sicht von oben geschützt und wie durch ein Wunder haben wir auch in dieser Feuerstellung keine Ausfälle gehabt. In dem heillosen Durcheinander erhielten wir nachher nur noch wenige Feuerkommandos. In der Dämmerung war Stellungswechsel und wir gingen auf den festen Weg, vorbei an diesem Chaos. Es war oft so schlimm, daß wir uns den Weg erst leer räumen mußten, um weiter zu kommen. Allgemeine Richtung war mehr nördlich. Wir kamen dann In die Ortschaft, in welcher das VA lag. Hier hatten sich schon andere Einheiten bedient. Wir bekamer1 nur noch Konserven mit Birnenkompott. Wenige Brote tauchten auch noch auf. In dieser Ortschaft sammelten sich schon viele Versprengte und wurden hier zu Kampfeinheiten zusammengestellt. Kurz hinter der Ortschaft, links und rechts war das Sumpfgebiet zu Ende, war plötzlich halt. Es war der Dienstag, der 27. Juni 1944, gegen 22 Uhr, als wir offiziell erfuhren, daß wir bereits seil Montagnacht eingeschlossen wären. Es wäre uns zwar geglückt aus einem Kessel in den nächsten zu gelangen. Jetzt standen aber sehr starke Feindkräfte in Richtung Bobruisk uns gegenüber. Wir sollten nunmehr in der Nacht versuchen, den Kessel in Richtung Babino, an der Rollbahn Rogatschew - Bobruisk (ca. 7 km östlich von Bobruisk), zu durchbrechen. Hier befände sich noch ein Brückenkopf, welcher mit Bobruisk Verbindung hätte. Um den Durchbruch zu gewährleisten, sollte alles Gerät, welches nicht mehr benötigt wird, hier vernichtet werden. Troß, überzählige Pferde, Feldkoche, Muniwagen, Schreibstubenwaren, alles mußte vernichtet werden. MG-Schütze Ogfr. Meier und einige Kanoniere Obernahmen nach rechts die Seitendeckung und dann begann in der Halbdunkelheit das schaurige Geschäft. Viele Stuten führten seit dem Frühjahr Fohlen. Es war ein grauenhafter Anblick, zusehen zu müssen, wie auch diese erschossen wurden. Überall loderten Feuer auf, die ganze Gegend war hell erleuchtet und jeder war froh, nachdem wir diesen Akt der Vernichtung hinter uns halten. Lediglich jedes Geschütz bekam noch ein zweites Paar Vorderpferde, so daß die Geschütze nunmehr 8-spännlg bespannt waren. Von den Protzen verschwand alles, was nicht niet· und nagelfest war. Dann ging es in Nordnordwest· Richtung weiter. Es war ein ständiges Stehen und Anfahren. Die Kanoniere hielten sich am Geschütz fest und ließen sich ziehen, da alles Übermüdet und Überanstrengt war. Wir sind so die ganze Nacht hindurch marschiert, .....


    Grüße Matthias


    Weiter mit A.K. XXXXI. ...


    Bildquelle: Mein Weg mit der 45.Inf.-Div. - von Dr.R.Gschöpf

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    Grüße Matthias

  • Super Arbeit, ganz vielen Dank.


    Einen weiteren Literaturtipp hätte ich:


    Thomas Kröker: "Die Fehleinschätzung der sowjetischen Operationsabsichten im Sommer 1944 : der Zusammenbruch der HGr Mitte"


    Dissertation Universität Freiburg, 1984, 459 Seiten, erhältlich bei Universitätsbibliotheken (z. B. Universitätsbibliothek Bremen).


    Schwerpunkt liegt auf der Zeit vor dem eigentlichen Angriff, insbesondere dem Feindbild auf den veschiedenen Ebenen (OKH bzw. Fremde Heere Ost, Heeresgruppe Mitte, die einzelnen Armeen der Heeresgruppe), dazu den operativen Planungen einschließlich der Kontroverse um die festen Plätze, der personellen und materiellen Situation, der Logistik, Partisanenkrieg.
    Dazu dann eine Zusammenfassung der Abläufe auf operativer Ebenewährend der Offensive selbst.


    Insgesamt trotz ein oder zwei eigentümlichen Wertungen hervorragende Informationen, die man in anderen Quellen häufig nicht findet.

  • Hallo Miteinander,


    bevor ich mit dem A.K. XXXXI. weiter mache hier noch ein paar zusätzliche Informationen die ich heute erhalten habe.


    Quelle: Meine Kriegserlebnisse in der 7./A.R.98 - 45.I.D. April 1942 - Juli 1944 von T.-D. Hüttmann Eigenverlag (ich werde später hierzu noch berichten)
    Bild 1 Vernehmungsprotokoll (Nara)
    Bild 2 Karte von Dr. Rolf Hinze Buchquelle mir unbekannt
    beides aus dem oben zitierten Erlebnissbericht.


    Ich stelle beides ohne weiteren Kommentar ein.


    Grüße Matthias

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    Grüße Matthias

  • XXXXI.Pz.K. vomvom 24.06. - 01.07.1944


    Hinweis: In verschiedener Literatur wird es auch XLI.Pz.K. geschrieben.


    Dem XXXXI.Pz.K. waren folgende Divisionen unterstellt:
    36.I.D.(mot.), 35.I.D. und 129.I.D.


    Korpsreserve:
    G.R.118 ohne I./118
    Div.-Füs.Btl. 36


    Korpstruppen:
    Arko 35
    Korps-Nachr.Abt 441
    Korps-Nachschubtruppen 441
    Ost-BtL 441
    schw. Granatw.Btl. 441


    Kommandierender XXXXI.Pz.K. Generalleutnant Helmuth Weidling
    Korps-Gefechtsstand in Malimony


    24.Juni 1944
    Bald nach Beginn des sowjetischen Großangriffs funktionieren die Fernsprechverbindungen zu den Divisionen nicht mehr. Das Korps, nur dem Namen nach ein Panzer-Korps, hoffte mittags noch, die Einbrüche mit eigenen Kräften abriegeln zu können. Doch wird um 17:00 Uhr eine feindliche Angriffsspitze schon 6 km nordwestlich Tschernir gemeldet. Um 18.00 Uhr kommt die Armee zu der Ansicht, das die Lage südlich Bobruisk gefährlicher ist, als am Nordflügel des XXXV.AK. Später wird dass Korps von der Armee unterrichtet, das die 20.Pz.D. morgen früh zugeführt wird. Der Gegner dringt auch in der Nacht weiter vor und steht um Mitternacht 8 km südostärts des Bahnknies ostwärts Zelenkowitschi. Der Korps-Gef.Std. ist in Malimony.


    25.Juni 1944
    Am Abend muss man sich auf dem Korps-Gefechtsstand eingestehen, das dass Korps bereits zerschlagen ist. Die 35.I.D. ist in Kampfgruppen aufgesplittert und nach Westen abgedrängt, die 129.I.D. wurde ebenfalls zurückgeworfen, besaß mittags nur mehr 1/3 ihrer Gefechtsstärke, Anschluss zur linken und rechten Nachbardivision ist abends nicht mehr vorhanden. Das Korps besitzt nur noch Verbindung zur 36.I.D., welche den Brückenkopf Paritschi verteidigt und zur 20.Pz.D. Der Angriff der 20.Pz.D. hat nicht durchgeschlagen, das Loch südlich Bobruisk ist bereits zu groß, der Gegner um ein Mehrfaches überlegen. Auf Grund der Entwicklung der Lage auf dem Südflügel unterstellt die Armee um 24.00 Uhr die beiden vom XLI.Pz.K. abgedrängten Divisionen, die 35. und 129.I.D., dem LV.A.K.


    26.Juni 1944
    Um 10.15 Uhr werden dem Korps feindliche Panzer 15 km südlich Bobruisk gemeldet. 5 km südlich der Stadt wird eiligst ein schwacher Sperrriegel aufgebaut. Mittags hat der Gegner Glusha 25 km westsüdwestlich Bobruisk erreicht. Die 20.Pz.D. wird sofort nach Bobruisk befohlen, kann aber auf dem Westufer der Beresina nicht mehr nach Norden und fährt daher bei Stassjewka-Ugly auf das Ostufer und soll ostwärts Bobruisk nach abermaligem Uferwechsel die Stadt nach Südwesten und Westen abschirmen. Wertvolle Zeit geht verloren, die Lage ist äußerst besorgniserregend.


    27.Juni 1944
    Bei entsprechender eigener Luftunterstützung und zeitgerechtem Absetzen wäre es gelungen, das XXXV.A.K. auf das Beresina-Westufer zu bringen und mit dem XLl.Pz.K. zu vereinigen - eine Voraussetzung für den Weiterbestand der 9. Armee. Es kam aber anders, gegen 04:00 Uhr morgens wird auf dem K.Gef.Std. in Bobruisk bekannt, das feindliche Panzer bei Ssytschkowo, 10 km nordwestlich von Bobruisk an der Rollbahn nach Minsk stehen, eine andere Kräftegruppe des Gegners geht auf Jasen, 16 km nordwestlich Bobruisk an der Eisenbahn nach Ossipowitschi vor, eine weitere Gruppe bewegt sich auf Schatkowo an der Beresina, 8 km nordnordwestlich Bobruisk, das Korps steht somit kurz vor der Einschließung. Um 07:10 Uhr gibt der stellvertretende Armeeführer folgenden Befehl per Funk an das XXXV.A.K., XLI.Pz.K. und an den Kdt. des Festen Platzes Robruisk:


    "XLI.Pz.K. und XXXV.A.K. vereinigen sich zum Durchbruch Ossipowitschi. Wenn Vereinigung nicht mehrmöglich, dann XLI.Pz.K. mit 20.Pz.D. durchschlagen Ossipowitschi, XXXV.A.K. Durchbruch zu A.O.K.4. Festen Platz Bobruisk mit 383.I.D. halten. gez. Weidling"


    Das OKH, sprich Hitler, war mit diesem Auftrag nicht einverstanden und so ergeht um 10.30 Uhr von der Armee der folgende Gegenbefehl an das XXXV.A.K., XLI.Pz.K., an die 20.Pz.D. und an den Kommandanten des Festen Platzes Bobruisk:


    1) Veränderte Feindlage.2) Raum um Bobruisk unbedingt halten.3) Erkämpfen: Beresina-Ubergänge bei Titowka und Schatkowo.4) 20. Panzer-Division mit rücksichtsloser Energie Straße nach Ossipowitschi freikämpfen.5) Alle anders lautenden bisherigen Befehle ungültig.gez. Weidling"


    Das waren illusorische Weisungen. Wer sollte den Übergang Schatkowo frei kämpfen? Bis zur Stunde war noch nicht einmal der Übergang Titowka frei. Und die 20.Pz.D., hätte Flügel gebraucht, um auf die Straße nach Ossipowitschi zu kommen. Wie die Lage an der Front wirklich aussah, zeigt der Umstand, das dieser Gegenbefehl von den vier Empfängern erst zwischen 17:02 Uhr und 17:23 Uhr bestätigt wurde. Die Kommandeure werden sich beim Lesen gefragt haben, ob "die da oben" auf dem Mond leben. Am 27.Juni um 17.00 Uhr ging es für das XXXV.A.K. und XLI.Pz.K. nur mehr darum, ob und wie sie den morgigen Tag noch erleben oder überleben. Um 16:25 Uhr, zu einer Zeit, da die betroffenen Kommandostellen den Befehl von 10:30 Uhr noch nicht einmal quittiert hatten, funkte die Armee auf Grund einer Weisung HitIers einen neuen Befehl:


    "XLI.Pz.K. und XXXV.A.K. schlagen sich zur Linie Ossipowitschi-Staraja Ostroff durch, um dort neue Abwehr aufzubauen. General Hamann mit 383.I.D. hält festen Platz Bobruisk. Durchführungsabsicht melden.gez. Weidling"


    Wäre der Befehl von 10:30 Uhr zur Durchführung gekommen, so würden die beiden Korps um 16:25 Uhr bei Titowka und Schatkowo im Kampf gestanden haben und hätten nun um 90 Grad nach Westen schwenken sollen wie viel Unsinn in entscheidenden Stunden !?
    Das XXXV.A.K. falls es diesen Befehl überhaupt noch empfangen hat, geht darauf gar nicht mehr ein. Das XLI.Pz.K. antwortet gegen Abend mit der Meldung, das sich in den Wald 10 km westlich Bobruisk 100 Panzer und eine Schützen-Brigade zum Angriff bereitstellen und feindliche Panzer auch bei Schatkowo 10 km nördlich Bobruisk stehen. Damit ist auch die Einschließung des XLI.Pz.K. vollzogen. Gen. Hamann quittiert den Befehl erst am nächsten Tag. Das XXXV.A.K. teilt gegen 18:00 Uhr dem XLI.Pz.K. die Absicht mit, in der kommenden Nacht nach Norden durchzubrechen. Im übrigen unterrichteten sich die beiden Korps laufend gegenseitig über die Entwicklung der Lage. Während der ganzen Nacht kommen versprengte Gruppen von verschiedenen Einheiten aus dem Ost-Kessel über die Eisenbahnbrücke nach Bobruisk. Spätestens bei den Sammelstellen erfahren sie, das sie sich jetzt im Kessel befinden. Immer wieder versuchen Leute schwimmend das Beresina-Westufer zu erreichen. Diejenigen, denen dies gelingt, kommen haIbnackt und meist ohne Waffen an. Die Soldaten werden bekleidet, ausgerüstet (in Bobruisk befanden sich einige Armeelager), verpflegt, geordnet und in Kampfgruppen eingeteilt. Die so gebildeten Kompanien hatten zumindest für's Erste das Gefühl, noch nicht total verlassen zu sein. Der K.Gef.Std. befindet sich im Stadtzentrum von Bobruisk.


    28.Juni 1944
    In der Nach vom 27. auf den 28. Juni war Funkverkehr mit der Armee möglich. Der Zustrom von Soldaten aller Einheiten und Waffengattungen ohne Fahrzeuge und schwere Waffen hält bis in die Vormittagsstunden des 28. Juni an. Der Eisenbahn-Brückenkopf auf dem Beresina-Ostufer wurde offensichtlich von einer Kampfgruppe noch so lange als möglich für Versprengte gehalten, Der Führer des XLI.Pz.K. Genlt. Hoffmeister, hat um 01:05 Uhr die Armee um völlige Freiheit für alle Truppen zum Ausbruch aus Bobruisk gebeten. Um 07:18 Uhr fragt er nach der eigenen vorderen Linie im Raum Ossipowitschi und nördlich Bobruisk und wann mit dem Antreten eigener Truppen zur Erleichterung des Ausbruchs zu rechnen sei. Um 08:35 Uhr funkt das A.O.K.9 an das Korps:


    "Zum Durchschlagen volle Handlungsfreiheit."


    Um 10:00 Uhr geht ein Fernschreiben der Heeresgruppe vom Vorabend ein, in dem wieder eine Verteidigungslinie 50-100 km nördlich bzw. westlich Bobruisk angegeben und neuerlich befohlen wird, eine Division in Bobruisk zu belassen. Genlt. Hoffmeister erachtet dies alles bereits als gegenstandslos. In den folgenden Stunden unterrichtet die Armee das Korps, das der Ausbruch nur mit den eigenen Kräften zu unternehmen ist, das die Luftflotte 6 Betriebstoff abwerfen wird, das der Feind in Ossipowitschi steht und eine feindliche mot. Kolonne sich von Bartschiza auf Schatkowo bewegt, ferner, das der Südflügel der 4.Armee (linke Nachbararmee) am 28.6. bei Tschetschewitschi (ca. 60 km nordostwärts Bobruisk) stehen wird und das die günstigste Ausbruchsrichtung vermutlich über Sswisslotsch auf Pogoreloje führt.
    Um 12:55 Uhr funkt die Armee an das XXXV.A.K.,XLI.Pz.K. und an den Kommandanten des Festen Platzes:


    "Fester Platz Bobruisk ist aufzugeben. Durchbruch mit allen Kräften unter Führung Lützow am besten entlang der Beresina nach Norden. Beresina-Brücken sprengen."


    Dieser Funkspruch ist nicht nur ungenau, er lässt auch erkennen, das die Armee nicht voll im Bilde ist: Eine Vereinigung des XXXV.A.K. und XLI.Pz.K. war nicht mehr möglich; Genlt. Lützow ist mit seinem XXXV.A.K. schon in der vergangenen Nacht ostwärts der Beresina aufgebrochen, hingegen befindet sich das XLI.Pz.K. auf dem Westufer der Beresina, schließlich lässt sich auch die Richtungsangabe "entlang der Beresina nach Norden" nicht mit dem tatsächlichen Flussverlauf in Einklang bringen. Der Spruch wird vom XLI.Pz.K. um 17:11 Uhr und vorn Kdt. "Fester Platz" um 17:54 Uhr quittiert, vom XXXV.A.K. natürlich nicht, denn es existiert ja nicht mehr. Darauf dürfte man inzwischen auch, bei der Armee gekommen sein. Denn um 13:00 Uhr geht ein modifizierter Spruch heraus:


    "Fester Platz Bobruisk ist aufzugeben . Durchbruch mit allen Kräften am besten entlang Beresina nach Norden. Beresina-Brücken sprengen. gez. von Vormann"


    Man schien jetzt bei der Armee auch in Betracht gezogen zu haben, das die Korps möglicherweise lagebedingt den Spruch nicht empfangen können und wendete sich daher nun direkt an die betreffenden Verbände, nämlich an die 6.,36.,45.,296.I.D. und 20.Pz.D. Es fällt auf, das hier die 383.I.D. unter den Empfängern nicht genannt ist, hingegen die beim Ausbruch aus dem Ost - Kessel zugrunde gegangenen Divisionen 6 und 292 angeführt werden, was der Armee offenbar ebenfalls noch nicht bekannt ist.
    Der letztgenannte Funkspruch wird nur von der 20.Pz.D. bestätigt, aber auch erst am nächsten Tag um 07:03 Uhr. Kennzeichnend für die Lage ist auch, das diese Sprüche mit dem Zeichen für höchste Dringlichkeit versehen sind, auf dem Spruch von 13:00 Uhr finden sich überdies die Hinweise für die Funkstelle:


    "Gegebenenfalls blind absetzen. Falls keine Bestätigung, stündlich wiederholen."


    Alles in allem ist zu ersehen, wie die Verhä1tniss der Krise zustreben. Der Führer des XLI.Pz.K. hat schon vor den letzt erwähnten Sprüchen seinen Entschluss gefasst, denn die Lage spitzte sich von Stunde zu Stunde immer mehr zu. Nachmittag fand auf seinem Gefechtsstand die entscheidende Besprechung für den Ausbruch statt.
    Daran nahmen teil die Generale Conrady (36.I.D.), Engel (45.I.D.), Gihr (383.I.D.), von Kessel (20.Pz.D.) und Hamann /Kdt. „Fester Platz „) Auf Grund der Besprechung kam folgender mündlicher Befehl Genlt. Hoffmeisters zustande:


    1) Ausbruchsbeginn um 23:00 Uhr
    2) gepanzerte Gruppe der 20.Pz.D. an der Spitze
    3) Nachhut 383.I.D. bis 29.6. 02:00 Uhr in Sicherungsstellungen.
    4) Restliche Divisionen hinter 20.Pz.D. folgend, Kettenfahrzeuge und Volkswagen sind mitzuführen, alle anderen Fahrzeuge zu vernichten. Je Kompanie dürfen drei Pferde mitgenommen werden.
    5) Leichtverwundete müssen marschieren. Schwerverwundete sind in die Zidatelle zu transportieren und mit San.-Personal zurückzulassen.


    Es war höchste Zeit, das etwas unternommen wurde, denn der Artilleriebeschuss des Gegners verstärkte sich, die eigne Munition wurde zusehends knapper, in der Stadt entstanden immer mehr Brände. Noch vor Einbruch der Dunkelheit begann der Aufmarsch der Kolonnen zum Ausbruch. Der gegenseitige Anblick strahlte Zuversicht aus. Der Ausbruch beginnt pünktlich um 23:00 Uhr mit 20.Pz.D. voraus, gefolgt von 36. und 45.I.D.,während die 383.I.D. noch am Feind bleibt. In den Marschsäulen befinden sich auch Korps- und Heerestruppen und Versprengte. Von den Divisionen 6, 35, 134, 296 und 707, insgesamt mochten es ca. 30.000 Mann sein (Rückkämpfer-Schätzung). Ein bitterer Entschluss für alle Beteiligten war es, etwa 3.600 Verwundete (Überlebenden-Schätzung) zurück lassen zu müssen. Ihre Mitnahme hätte unter den zu erwartenden Umständen wohl für den Großteil den sicheren Tod bedeutet, abgesehen davon waren die nötigen Transportmittel nicht vorhanden.


    29.Juni 1944
    Der Korpsstab befindet sich in der Kolonne der 20.Pz.D. und fährt mit dieser am 28.6. nach 23:00 Uhr aus Bobruisk heraus. Vom Gegner ist bekannt, das sich Ossipowitschi in seiner Hand befindet und starke feindliche Kräfte mit Panzern von dort nach Nordosten vorgehen, um dem Korps den Rückzugsweg zu verlegen, ferner weiß man auch von dem sowjetischen Brückenkopf auf dem Beresina-Westufer bei Schatkowo. Die nächsten eigenen Kräfte vermutet man um Pogoreloje (ca. 60 km nordöstlich Bobruisk), ohne genauere Kenntnisse hierüber zu besitzen. Vom Korps wird den ausbrechenden Divisionen als erstes Zie1 der Woltschanka - Abschnitt ,als nächstes der Sswisslotsch-Fluss angegeben. Während der folgen den Stunden besteht fallweise Funkverbindung zur 36., 45. und 383.I.D. Die Übermittlung dringender Befehle und Meldungen erfolgt durch Ordonnanz-Offiziere. 1m Laufe des Tages erfährt man, das verschiedene Gruppen in der vergangenen Nacht versuchten, von Bobruisk nach Westen auszubrechen, aber bald auf starken Gegner stießen und umkehrten. Eine stärkere Kampfgruppe umging Schatkowo und gewann nördlich Ssytschkowo wieder Anschluss an das Gros. Zur Armee besteht während des ganzen Tages keine Funkverbindung. Am Abend, während der Rast bei Werbki, erfährt das Korps, das die eigenen Verbände immer wieder Flankenangriffe durch reguläre sowjetische Truppen und gut bewaffnete Banden aus westlicher und südwestlicher Richtung abzuwehren hatten. Mehrere Meldungen sprechen von Verrätern, Überläufern und Agenten in deutschen Uniformen, welche durch Führen in falsche Richtung und irreführende Parolen Verwirrung stiften. Der um 22:00 Uhr beginnende Nachtmarsch im Verbande der 20.Pz.D. wird vom Gegner nicht gestört. Feindliche Flugzeuge suchen mit Leuchtfallschirmen die ausgebrochenen Bobruisker.


    30.Juni 1944
    Seit Morgengrauen sind schwere Kämpfe im Raum Oktjabr-Ssloboda-Sswisslotsch im Gange, es geht darum, den Sswisslotsch-Übergang nach Norden zu erzwingen. Der Gegner hat alle Vorteile des Geländes auf seiner Seite: Der die Straße nach Norden und die Beresina-Eisenbahnbrücke blockierende Ort Oktjabr, der die Sswisslotsch-5traßenbrUcke beherrschende Ort Ssloboda, dann der zwischen den Straßenbrücken über Sswisslotsch und Beresina gelegene Ort Sswisslotsch, schließlich noch das überhöhte Nordufer des Sswisslotsch-Flusses. Beim Korps ist man sich bewusst, das die nächsten Stunden in diesem Raum die Entscheidung bringen werden. Als gegen Mittag von einem Stoßtrupp der 383.I.D. überraschend die Sswisslotsch-Straßenbrücke und kurz darauf auch die Beresina-Straßenbrücke erstürmt wird, lässt Genlt. Hoffmeister folgenden Funkspruch absetzen:


    "Brücke Sswisslotsch in eigener Hand. Verpflegung, Munition und Betriebsstoff knapp. Wo durchstoßen?"


    Die 12.Pz.D. fängt diesen Spruch auf und antwortet sofort: "Richtung Pogoreloje." Pogoreloje liegt gute 20 km westnordwestlich Sswisslotsch. "Also noch ein Tag Kampf und Marsch", um diese Folgerung dürften sich wohl in diesen Minuten die Gedanken beim Korpsstab gedreht haben. Während des mehrstündigen Kampfes um den Sswisslotsch-Übergang kommt es hier zu einem Stau der aus Bobruisk anrückenden Kolonnen. Diese sind dem beobachteten Feuer des Gegners vom Sswisslotsch-Nordufer und vom Beresina-Ostufer ausgesetzt. Um dem zu entgehen, weichen sie etwas westlich aus, wo das Gelände wenigstens Sichtschutz bietet. Als der Sswisslotsch-Übergang erkämpft schien, fehlt in diesen entscheidenden Minuten eine Feuerglocke eigener schwerer Waffen um den kleinen Brückenkopf und das Nachstoßen kampfkräftiger eigener Truppen. Das Korps meldet neuerlich in mehreren Funksprüchen an die Armee die Lage:


    "Auch heute schwere Durchbruchsgefechte. Truppe seit Bobruisk ohne Verpflegung bei täglich schweren Kämpfen und nächtlichen Märschen. Verluste über 12.500 Mann. General Hamann gefallen, ferner zahlreiche Kommandeure und Stabsoffiziere gefallen oder vermisst. Mangel an Munition, Sanitätsmaterial und Verpflegung."


    Um 14:30 Uhr teilt die Armee mit:


    "Versorgungsabwurf Oktjabr West."


    Nachmittags werden tatsächlich Versorgungsgüter abgeworfen, einiges davon landet leider beim Gegner. Dieser greift immer aufs neue die eigenen Brückenbesetzungen an und schließlich gehen beide Brücken im Laufe des Nachmittags wieder verloren. Da der Druck des Gegners auch von Süden und Südwesten immer stärker wird, entschließt sich Genlt. Hoffmeister, den Sswisslotsch-Übergang nach Einbruch der Dunkelheit weiter westlich zu versuchen. Dazu wurden zwei Kolonnen gebildet: Die bespannten und zu Fuß marschierenden Teile sollten sich entlang dem Sswisslotsch-Fluss nach Südwesten bewegen und möglichst durch eine Furt das Nordufer des Flusses gewinnen; die motorisierten und gepanzerten Teile hatten Auftrag, auf einer etwas südlicheren Route den Flankenschutz zu übernehmen, dann nach Norden einzudrehen und den Sswisslotsch auf einer Brücke bei Lipen zu übersetzen. Ziel für beide Kolonnen war Pogoreloje. Die beabsichtigte Durchführung wurde durch eine Reihe von Umständen behindert. Sehr nachteilig wirkte sich das Fehlen von Nachrichtenmitteln aus - nur das Korps besaß noch eine Funkstelle. Befehle und Meldungen konnten nur mehr durch Offiziere übermittelt werden, welche aber anderseits bei der Truppe dringend benötigt wurden. Es fehlte an Führern bis zur Kompanieebene herab, die meisten Kommandeure waren bereits gefallen, verwundet oder vermisst. Die taktischen Verbände in ihrer Durchmischung konnten als bestimmte Einheiten nicht mehr angesprochen werden. Das ganze Korps hatte sich in eine Anzahl kleinere und größere Gruppen "zerlegt", denen sich der einzelne nach eigenem Ermessen anschloss. "Führen" war zu einer Instinktsache geworden, da fast keine Karten vorhanden gewesen sind. Immer wieder waren auch die Wörter "Verrat" und "Agenten" zu hören, nicht grundlos, wie man später erfuhr. So ist es nicht verwunderlich, wenn nach einer Woche härtester Kämpfe gegen einen Gegner, der materiell und personell aus dem Vollen schöpfte und nach dem bereits bekannten Zusammenbruch ostwärts Bohruisk, da und dort Depression, Resignation und Apathie in den eigenen Reihen Eingang fand. Auch physisch waren die Kämpfer nahe dem Nullpunkt. In dieser Verfassung traten am 30. Juni nach Einbruch der Dunkelheit die Reste des XLI.Pz.K. zum weiteren Ausbruch an. Als dabei die Generale Hoffmeister, Conrady und Engel in einem SPW nach Südwesten fahrend gesehen wurden, verbreitete sich das Gerücht "Die Generale hauen ab und lassen uns in der Falle sitzen!"


    01.Juli 1944
    Der Führer des XLI.Pz.K., Genlt. Hoffmeister, befand sich in der Nacht von 30.6. auf 1.7. in der mot. Kolonne, welche von Genlt. v. Kessel geführt worden ist. Beim Korpsstab befanden sich auch die Generale Conrady und Engel. Trotz der schweren Kämpfe in der Nacht im Raum Ustish-Brizalowitschi kann in den Morgenstunden Funkverbindung zur Armee hergestellt werden. Um 05:05 Uhr meldet die Gruppe Hoffmeister:


    "Sofort dringend Stuka, Sswisslotsch feindbesetzt. Eigener Standort westlich Ssloboda, südlich des Sswisslotsch, Ausdehnung ungefähr 3 km ......"
    .
    Aus diesem Funkspruch geht indirekt hervor, das die mot. Kolonne Gen. Kessels in der vergangenen Nacht auseinander gerissen wurde und ein Teil mit dem Korpsstab sich am 1. Juli morgens noch (oder wieder) westlich Ssloboda befand. Nach dem Verlauf der Kämpfe in diesem Raum am gestrigen Tag ist auch die dringende Stuka-Anforderung verständlich. Ein Stuka-Einsatz schien Genlt. Hoffmeister wahrscheinlich das letzte Mittel, den Sswisslotsch zu überwinden. Bei der Gruppe Hoffmeister mögen sich auch noch letzte Ausbruchsgruppen aus Bobruisk eingefunden haben. Fest steht jedenfalls, das es keine weiteren Nachrichten vorn XLI.Pz.K. gibt, es hat an diesem Tag aufgehört zu existieren. Die Generale Hoffmeister, Conrady und Engel gerieten hier in Gefangenschaft.


    Grüße Matthias


    Bildquelle: Dr.Rolf Hinze (genaues Buch unbekannt) überarbeitet vom FKB der 45.I.D.


    Weiter mit 36.I.D.(mot.).......

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    Grüße Matthias

  • 36. Infanterie-Division (mot.) 24.06. – 01.07.1944


    Die 36.I.D. (mot.) verteidigte am 24.06.44 den Abschnitt (ca. 15 km) links an der Korpsgrenze zur 45.I.D., Sduditschi an der Beresina und zum rechte Nachbar der 35.I.D. im Raum Rakowitschi.


    Der Div.Gef .St. befand sich in Paritschi.

    Die Division ist zur Abwehr geeignet.


    Gliederung 20.06.1944


    Div.-Kommandeur Generalmajor Alexander Conrady
    Ia: Oberstleutnant i.G. Härtel

    Grenadier-Regiment 118 Kdr. Obstltn. Lauderer
    I./ 118
    II./118


    Grenadier-Regiment 87
    I./ 87
    II./ 87


    Kampf-Bataillon 499
    Kampf-Bataillon 488


    Artillerie-Regiment 36 Kdr. Oberst Ulrich Dinkelaker

    Füsilier-Bataillon 36

    Panzerabwehrabteilung 36

    Pionier-Bataillon 36 Kdr. Hptm. Helmut Schmischke


    Feldersatz-Bataillon 36


    Div.NaAbtl.36


    Kommandeur der Infanterie-Divisions-Nachschubtruppen 36


    Verwaltungsdienste 36


    Sanitätsdienste 36


    Veterinär-Kompanie 36


    Korpsreserve:
    Grenadier-Regiment 118 ohne I./118
    Div.-Füs.Btl.36


    Divisionsreserve:
    F.E.B.36


    24.Juni 1944
    Ab 04:00 Uhr liegt der ganze Divisionsabschnitt unter schwerem Artilleriefeuer, welches bis 05:30 Uhr dauert. Hierauf tritt der Gegner zum Angriff an. An der Naht zur rechtsbenachbarten 35.I.D. gelingt ihm ein Einbruch, der bis abends nicht bereinigt werden kann. Um nicht aufgerollt zu werden, biegt die Division den rechten Flügel (G.R.118) zurück, 19 feindliche Panzer werden abgeschossen, die Sorge um die rechte Flanke bleibt trotzdem bestehen.


    25.Juni 1944
    Die Division steht morgens in der Linie nördlich Sduditschi- südlich Pesstsch.Hudnja bis Kamenez Sslobodka mit offener rechter Flanke. Nachdem es der 35.I.D. bzw. den zugeführten Reserven im Laufe des Tages nicht gelungen ist, die Lücke rechts zu schließen und auch der Antrag der 36.I.D.den durchgebrochenen Gegner selbst anzugreifen, vom Korps abgelehnt wurde, nahm die Division ihren rechten Flügel zurück und bildete um Paritschi einen Brückenkopf.


    26.Juni 1944
    Die Division meldet schwere Abwehrkämpfe um den Brückenkopf Paritschi. Der Gegner greift mit kurzen Pausen immer wieder an, um die Flankenbedrohung gegen seinen Vorstoß auf dem Westufer der Beresina auszuschalten. General Weidling, seit heute Mittag mit der Führung der 9. Armee beauftragt, ordnet nachmittags entgegen dem Heeresgruppenbefehl die sofortige Räumung des Beresina -Brückenkopfes Paritschi auf dem Westufer und Übergang der Division in den ostwärtigen Brückenkopf Bobruisk an. Der Division gelingt es, alle schweren Waffen und Fahrzeuge auf das Beresina-Ostufer zu bringen. Nach beendetem Übergang wird um 17:30 Uhr die lange Kriegsbrücke über die Beresina bei Paritschi gesprengt.


    27.Juni 1944
    Am 27. Juni war die Division mit Teilen ein den Angriffen auf die Titowka-Sperre beteiligt, andere Teile sicherten gegen Rogatschew und Shlobin. Als Nachmittag das Misslingen des Angriffes zur Wiedergewinnung der Straßenbrücke nach Bobruisk feststand, vereinbarten die Kommandeure der 20.Pz.D. und 36.I.D., raschest die motorisierten Fahrzeuge und schweren Waffen über die Eisenbahnbrücke nach Bobruisk zu schleusen, anschließend sollten die bespannten Fahrzeuge folgen. Etwa zur selben Zeit, als die ersten diesbezüglichen Maßnahmen anliefen, konnte die 6. und 45.I.D. im Südosten dem übermächtigen Gegner nicht länger standhalten. Es kam zu einer mehr oder weniger ungeordneten Absetzbewegung, die teilweise zur Flucht wurde. Den sich entwickelnden Stau von Fahrzeugen an der Eisenbahnbrücke griff nun die Rote Luftwaffe massiv an. Die Truppe war dem Bomben- und Geschosshagel nahezu schutzlos ausgesetzt. Die schwache 2cm-Flak-Abwehr war rasch ausgeschaltet, an der Brücke brach Panik aus. Der Plan der beiden Div.Kdre. ließ sich nicht mehr durchführen. Die 36.I.D. musste ihre Geschütze, mot. Fahrzeuge und das schwere Gerät vernichten. Energische Führer scharten beherzte Männer um sich und diese Gruppen erreichten zu Fuß über die Eisenbahnbrücke Bobruisk.


    28.Juni 1944
    Die Division wird nach Neueinteilung in die westliche Verteidigungslinie von Bobruisk eingegliedert. Der Div.Kdr. Genmjr. Conrady, nimmt am Nachmittag des 28.06. an einer Kommandeursbesprechung beim Komm. General des XLI.Pz.K. Generalleutnant Hoffmeister teil.


    29.Juni 1944
    Die Division kann den Marsch aus Bobruisk nach Norden erst nach Mitternacht antreten, weil das Sammeln durch OT-Fahrzeuge und Panje-Fahrzeuge russischer Zivilisten, die vor ihren eigenen Leuten fliehen, stark verzögert wird. Die Vorwärtsbewegung kommt dann mehrmals wegen feindlicher Flankenangriffe zum Stillstand. Nach Waldkämpfen wird über Brussenka, Ssolomenka um etwa 15:00 Uhr Golynka (ca. 20 km nordwestlich Bobruisk) erreicht. Die Divisions-Kommandeure der 36.I.D. und 20.Pz.D. drängen bei Genlt. Hoffmeister auf Fortsetzung des Ausbruches noch an diesen Abend. Um 22:00 Uhr setzt sich die Kampfgruppe der 20.Pz.D. mit dem G.R.118 der 36.I.D. als Vorhut wieder in Bewegung.


    30.Juni 1944
    Der Nachtmarsch von 29. auf 30. Juni gelingt überraschend gut. Der Raum um Oktjabr wird feindbesetzt vorgefunden, der erste Angriff der eigenen Spitzengruppe scheitert. Nach Eintreffen von Verstärkungen erfolgt Vormittag ein zweiter Angriff. Das G.R.118 kann in Oktjabr eindringen, muss sich aber wieder zurückziehen, die eigenen Kräfte sind zu schwach. Es wird beschlossen, das Herankommen weiterer Kampfgruppen aus Bobruisk abzuwarten und dann neuerlich anzugreifen.


    01.Juli 1944
    Die Division hat den Ausbruch aus dem Bobruisker West-Kessel verhältnismäßig gut überstanden. Sie nahm anschließend, an den schweren Kämpfen im Sswisslotsch- Beresina-Dreieck teil. Am Abend des gestrigen Tages befand sie sich in der mot. Kampfgruppe der 20.Pz.D.welche von Ssloboda nach Südwesten eine etwas südlichere Route nahm, als die zu Fuß marschierenden Teile. Die mot. Kolonne wurde durch zahlreiche Baumsperren aufgehalten. Die Spitze stieß beim Haltepunkt Brizalowitschi an der Bahn Oktjabr-Ossipowitschi auf starken abwehrbereiten Feind. Es kam zu einem erbitterten Gefecht, we1ches sich bis in die Nacht hinzog. Die einzelnen Kampfgruppen gerieten dabei völlig durcheinander, eine einheitliche Führung war nicht mehr möglich. Einzelkämpfer und Gruppen überwanden in der Nacht den Sswisslotsch zwischen Ustish und Lipen und trafen bei Malinowka 1 auf Fahrzeuge der 12.Pz.D. Sie wurden nach Pogoreloje weitergeleitet, wo der Kdr. des G.R.118 bis zum Abend des 1. Juli ca. 600 Mann der 36.I.D. sammeln konnte. Dieser Divisionsrest ist ab Marina Gorka in die Heimat transportiert worden. Die Division wird ab 03.08.1944 als 36. Grenadier-Division neu aufgestellt.


    Grüße Matthias


    weiter 35.I.D. ....


    Bildquelle:Meine Kriegserlebnisse 7./A.R.98 T.-D. Hüttmann

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    Grüße Matthias

  • Quote

    Original von Matthias Köhler
    Gliederung 20.06.1944
    Artillerie-Regiment 36 Kdr. Oberst Ulrich Dinkelaker


    Hallo Matthias,


    kriegsgliederungsmäßig gehörte seit November 1943 das


    Art.Rgt. 268 zur 36.Inf.Div. (die Division war auch nicht mehr mot, sondern wurde 1943 zusammen mit der 14.ID(mot) entmotorisiert)


    Das komplette Art.Rgt.36 wurde damit Heerestruppe.


    Uwe