Kriegsverbrechen ja oder nein

  • Hallo, Miteinander !


    @ basil: meinst Du dieses Buch ?:


    http://www.br-online.de/wissen…n/ethik/mord/hintergrund/


    @ springer:
    sicher hast Du Recht, wenn Du sagst, dass es Vorfälle, wie Plünderungen,
    Vergewaltigungen, Brandschatzungen, etc, in fast jeder kriegerischen Auseinandersetzung gegeben hat. Leider erschliesst sich aber für mich bisher nicht die Notwendigkeit für solche "Begleiterscheinungen"


    Erklärungsversuche hat es weiter oben schon gegeben.


    Und: diese "Begleiterscheinungen" dürfen nicht mit den Verbrechen der Nazis verwechselt werden, denn die waren (politisch) gewollt und motiviert.



    Gruß
    Gerd

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Hallo Gerd!
    Ja.

    Glück Auf!
    "Basil"


    "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)

  • Hallo Gerd,


    Quote

    Leider erschliesst sich aber für mich bisher nicht die Notwendigkeit für solche "Begleiterscheinungen"


    laß es mich ganz einfach formulieren:


    Wenn du dich dran gewöhnt hast, Leute zu töten, Freunde sterben zu sehen und selbst praktisch permanent vom Tode bedroht bist, was kümmert dich dann noch ein Diebstahl oder ein Sexualdelikt?


    Da verschieben sich Normen und Werte ganz schnell, im Umkehrschluss sollte man überlegen, ob damalige Ereignisse mit heutigen Maßstäben zu messen sind.



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo!


    Man braucht das Thema gar nicht am 2.WK festzumachen. In der gesamten Geschichte der Menschheit und der Kriegsgeschichte kam es zu grausamsten Verbrechen und Geschehnissen als Begleiterscheinungen von milit. und kriegerischen Auseinandersetzungen. Nicht weil diese Begleiterscheinungen "notwendig" sind, sondern weil sie im Wesen des Menschen liegen und in dem des Krieges selbst vorhanden sind und durch die Extremsituation Krieg lediglich offengelegt und potenziert werden.


    Eien ähnliche Diskussion gab es ja in einem anderen Thread vor einiger Zeit schon mal. Ich hatte damals einen Link zu einem interessanten Welt-Artikel gepostet, der durchaus eine Antwort auf die Frage gibt, weshalb es zu jeder Zeit der Menschheitsgeschichte bis heute, selbst unter den kultiviertesten und zivilisiertesten Völkern zu Kriegen und Auseinandersetzungen kam, die mit massiven Verbrechen einhergingen:


    Folterer quälen freiwillig. Es macht ihnen Spaß


    Die Lust an der Grausamkeit ist größer als alle moralischen Hemmungen. Drei neue Studien gehen dem Ursprung des Bösen nach.


    http://www.welt.de/kultur/lite…Es-macht-ihnen-Spass.html

    Edited once, last by Hoth ().

  • Hallo, Miteinander !


    @ Hoth:
    Danke für den Link; der Bericht ist sehr interessant !


    Zu den heutigen Maßstäben: gestern, in der "Aktuellen Stunde" (WDR) wurde von einer jungen Frau berichtet, die durch eine andere jungen Frau, aus einer "Bierlaune" heraus, zusammengeschlagen wurde und nach zwei Jahren immer noch an diesem Trauma leidet.


    Ich denke, damals wird Alkohol, ebenfalls eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben. (was die Taten aber nicht entschuldigt)


    Gruß
    Gerd

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)

  • Wirklich Gerd?
    Du findest den interessant?
    Das finde ich, ehrlich gesagt, äußerst erstaunt.


    Dazu hat er kaum Bezüge zu diesem Threadthema.

    Edited once, last by klext ().

  • Hallo, Klext !


    Das ich den Bericht interessant finde, beinhaltet noch keine Wertung.


    Gruß
    Gerd

    Gruß
    Gerd (der aus Bielefeld)


  • Hallo,
    das Buch von Browning habe ich sogar 2x gelesen, es gehoert wohl zur Standartliteratur ueber Polizeiensaetze im Zusammenhang mit dem Holocaust im "Osten".
    Es hat aber weniger mit dem klassischen Kriegsverbrechen zu tun, da der Holocaust ein von staatlicher Seite angeodneter und geplanter Genozid war und nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit kriegerischen oder militaerischen Handlungen steht.
    (Wie z.B. Raub, Diebstahl, Vergewaltigungen oder Morde an Zivilisten, die eine militaerische Einheit oder Einzelpersonen oftmals spontan verueben).
    Die Einsaetze der Pol.Btl. waren daher keine klassischen Kriegsverbrechen im eigentlichen Sinne, waren sie doch geplanter, fester Bestandteil im Gesamtkonzept der "Endloesung" der Judenfrage, dem Massenmord an der juedischen Bevoelkerung in den eroberten Ostgebieten.
    Lesenswert ist das Buch allemal, zumal es einem erschreckende Einblicke in die Psyche und Denkart von Menschen ermoeglicht.
    Eingezogene, oft lebensaeltere Maenner, von denen grausamste Taten nun verlangt wurden. Besonders interessant die Gruppendynamik und Gruppendruck bei "ganz normalen Maennern" wie Du und ich, der da entstehen kann.
    Jeder, der das Buch gelesen hat wird sich fragen: Wie haette ich gehandelt und wird dann doch nicht zu einer korrekten Einschaetzung seiner selbst kommen koennen, da er alles mit derm Wissen und Wertmassstaeben von heute zwangslaeufig bewerten muss.
    Ein absolut erschuetterndes Buch.
    Kann sich nur jeder gluecklich schaetzen, der das Privileg der spaeten Geburt hatte.

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

  • Hallo erstmal,
    Ist ein Interessantes und schwieriges Thema.
    Zuerst sollte man mal klären in wie weit wer für Kriegsverbrechen zuständig ist und ob es auch als solches rechtlich sowie Moralisch gesehen wurde.


    Zum einen möchte ich mal sagen das es gerade im Osten auch durch angehörige der deutschen Truppen zu Vergewaltigungen kam. Was mir allerdings immer wieder auffällt ist die unterschiedliche Begeisterung der Truppen und die Akzeptanz und Duldung durch Vorgesetzte.
    Während es auf deutscher Seite sehr wohl zu Bestrafungen kam ( im Osten recht selten ) kann man aber durch die Bank weg eine Entrüstung des deutschen Offizierscorps sehen. Wohingegen es belege gibt das auf Seiten der Alliierten übergriffe gegen die Zivilbevölkerung erlaubt oder stillschweigend geduldet wurden.
    Ob es jetzt Kriegsverbrechen im eigentlichen Sinne sind, darüber streiten viele.
    Laut Hager Landkriegsverordnung ist in den besetzten Gebieten die öffentliche Ordnung Aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen. Dies kann man auch auf Vergewaltigungen ausweiten da diese ein Verstoß gegen die öffentliche Ordnung darstellt.
    Vergewaltigung im Krieg wurde aber erst sehr spät als Kriegsverbrechen anerkannt.



    Lager oder Soldatenbordelle gehören sicherlich mit zu den “Kriegsverbrechen”, wobei man da nicht den Fehler machen sollte diese den Soldaten zur last zu legen. Genauso wie man heute keinen Freier wegen Vergewaltigung anklagt , auch wenn die Frau von ihrem Zuhälter gezwungen wurde.


    Was die Strafaktionen aufgrund des Partisanenkriegs angeht. Auch darüber lässt sich streiten. Sicher ist das neugeborene und Kleinkinder sicher nichts mit dem Partisanenkrieg zu tun haben. Bei allen anderen ist die Sache nun mal nicht ganz klar. Da müsste man schon nachweißen können das die Soldaten WUSSTEN das ihre Opfer keinerlei Kontakt zu Partisanen hatten.

  • Quote

    Original von suum cuique
    Besonders interessant die Gruppendynamik und Gruppendruck bei "ganz normalen Maennern" wie Du und ich, der da entstehen kann.


    Der Gruppendruck und auch Gruppenzwang ist wahrlich nicht zu unterschätzen, gerade im Krieg, davon kann die US-Army auch ein Lied singen, sagte doch einer der Soldaten, der wegen verschiedener Morde an afghanischen Zivilisten verurteilt wurde, dass er unter Druck gesetzt wurde, indem ihm mit seiner Ermordung durch seine Kameraden gedroht wurde: http://www.zeit.de/2012/02/Soldaten-Kill-Team


    Quote

    Original von Ratte1977
    Zum einen möchte ich mal sagen das es gerade im Osten auch durch angehörige der deutschen Truppen zu Vergewaltigungen kam. Was mir allerdings immer wieder auffällt ist die unterschiedliche Begeisterung der Truppen und die Akzeptanz und Duldung durch Vorgesetzte.
    Während es auf deutscher Seite sehr wohl zu Bestrafungen kam...


    Interessantes Buch zu diesem Thema: Birgit Beck: Wehrmacht und sexuelle Gewalt. Sexualverbrechen vor deutschen Militärgerichten 1939-1945



    ...

    "Wir werden als Brandstifter geboren und sterben als Feuerwehrmann"


    [George Bernard Shaw]