Finnland im Zweiten Weltkrieg

  • Ein Thema über das ich so gut wie keine Infos bekommen konnte, ist die aufgekündigte "Waffenbrüderschaft" der Finnen im letzten Kriege.
    Meine Frage , gibt es Literatur in deutscher Sprache die beschreibt was sich damals genau in Finnland abspielte ? wurde auch auf deutsche Soldaten geschossen ?
    in einer Arte Doku sagte eine Finnische Frau, die Deutschen wurden aus dem Land getrieben......
    Frauen die mit deutschen Soldaten Kinder hatte oder für die Deutschen gebarbeitet gingen mit, weil ihnen schlimes drohte.

  • Hallo und Willkommen "Sveaborg".

    ich habe die Überschrift geändert. Das Wort "Verrat" halte ich für nicht angemessen und einseitig.

    Desweiteren verwenden wir hier im Forum Grußformeln an Anfang und Ende eines Beitrags.

    Nun guten Start.


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo,
    Ich lerne gerne dazu, warum ist dieser Begriff für dich unangemessen?
    Wie schon geschrieben, habe ich keinerlei Kenntnis der Vorgänge in Finnland 1944.
    Meiner laienhaften Auffassung nach, waren die Deutschen gut genug (nach dem Schweden abgelehnt) hatte 200 Finnen 1915 militärisch auszubilden und die Grundlagen der finnischen Armee mit einem exzellent ausgebildeten Unterfürher bzw. Offizierskorps zu schaffen, das bis in die 60iger Jahre hineinreichte.
    Nachdem Finnland jahrhundertelang abwechselnd von Schweden und Russland unterworfen wurde, versprach man dem deutschen Generalstab eine Armee mit 200.000 Mann an der Seite Deutschlands anzutreten um einen finnischen Freiheitskampf gegen Russland zu führen.
    1916 standen 2000 Finnen in dem Königlichen Preußischen Jägerbataillon Nr. 27 eingegliedert im preußischen Heer und wurde vornehmlich im Osten eingesetzt.
    Männer des Bataillons erbrachten auch große Leistungen bei dem Kampf gegen die russ Besatzer bis Finnland mit nicht geringer Hilfe Deutschlands 1918 unabhängig wurde.
    Mir ist auch klar das es keine Freundschaft zwischen Völkern gibt, sondern nur Interessen.

    Grüzi sva

    Edited once, last by Sveaborg (July 3, 2011 at 11:36 PM).

  • Hallo,

    Quote

    Ich lerne gerne dazu, warum ist dieser Begriff für dich unangemessen?

    Weil "Verrat" negativ wertend ist. Wenn ein Land wie Finnland für sich beschliesst, einen Krieg, in dem es nichts mehr zu gewinnen gibt, durch Waffenstillstand zu beenden, ist das sein legitimes Recht.

    Rechtfertigt deutsche Hilfe 1914-18 weiteres siinnloses Blutvergiessen 1944?


    Grüße

    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Quote

    Original von Thilo

    Rechtfertigt deutsche Hilfe 1914-18 weiteres siinnloses Blutvergiessen 1944?


    Grüße

    Thilo


    klar ist es naiv von mir einen Land vorzuwerfen, als es brenzlig wurde "stiften" zu gehen, das doch denn Deutschen zu einem nicht unerheblichen Teil seine Unabhängigkeit verdankte.
    Verrat war es sicher aus der Sicht der deutschen Landser , die Auffassung der Nachgeborenen, Finnlands Schritt wäre keinesfalls ehrenrührig dürfte damals nur wenige gehabt haben.
    Aber auch damit kann ich mich irren , wie schon erwähnt habe ich keinerlei Infos zu diesem Thema.

    grützi Svea

  • Hallo ringsum -

    Zweifellos ist die Haltung Finnlands sehr zwiespältig gewesen. Wärend Mannerheim noch das RK empfing verhandelte er schon mit der SU. Ausnutzen konnte er da auch seinen Sieg in der Schlacht von Tali-Ihantala über die sowj. Truppen. Nicht zu vergessen das sich die dt. Wehrmacht schon überall auf dem Rückzug befand und die Ünterstützung für die finnische Armee kaum noch vorhanden war.
    Man kann aber darüber geteilter Meinung sein warum dann finnische Truppen gegen die Wehrmacht auch kämpften. Hätten sie nur kapituliert - ok - aber die Handlung danach finde ich auch als Verrat. Sind ja wohl aber nicht die Einzigen die ihr Mäntelchen nach dem Wind drehten. Bedenken muß man aber auch das Finnland sich dadurch die sowjetische Besatzung ersparte.

    Gruß - Alte61- Achim

    Suche alles über die Pz.Aufkl.Abtl. 14 der 14.PD in Litauen ab 15.08.1944

  • Hallo,

    aus militärischer Sicht (Waffenbrüderschaft, allerdings Sonderstellung unter den Verbündeten des III. Reiches) betrachtet kann man es als Verrat bezeichnen.

    Aus verantwortungsvoller, menschlicher und weitschauender (politischer) Verantwortung seinem eigenen Land gegenüber ist diese Handlungsweise als vernünftig zu bezeichnen.

    Zumal aus heutiger Sicht können wir das zusätzliche Leid und Elend, das die Durchhaltestrategie/Kriegsverlängerung Deutschland gebracht hat, bestens beurteilen.

    Man kann dem "Marschall von Finnland", sein diplomatisches Geschick und Taktieren gegenüber allen diplomatischen Initiativen des III. Reiches zur Bündnispartnerschaft nicht absprechen, auch wenn es für das DR sehr schmerzhaft war ( Militärischer Attentismus).
    Letztlich ging es in Finnland um das Überleben als unabhängige Republik und nicht als von der SU okkupierter Staat. Deswegen hielt sich Mannerheim immer ein "Hintertürchen " offen. Er wollte vor allem den völligen Bruch mit den USA vermeiden, wurde aber letztlich auf die "bedingungslose Kapitulation" hingewiesen. Deswegen hat er aus vorgenennten Gründen und zwangsläufig - das Kriegsende zu Ungunsten des DR und deren Verbündeten war absehbar - dem Druck der Alliierten, vor allem Rußlands nachgegeben.
    Finnland und dies gilt es zu bedenken, war nie ein Bündnisparter im eigentlichen ( vertraglichen) Sinne.

    Sehr schwer wog für Finnland vor allem die erfolgreiche russische Offensive gegen Finnland, beginnend am 9. Juni 1944, der Rückzug deutscher Truppen vor Leningrad, der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte und die Invasion in der Normandie.
    Das waren Gründe genug über Stockholm mit der SU aktive Friedensverhandlungen aufzunehmen.

    Quellen: MGFA "Das DR und der II. Weltkrieg Bd. 6, S. 829, Bd. 8 S. 979 f. " ( Dort jeweils weitere Quellenangaben)
    "Jägerskiöld, Suomen Marsalkka: S. 284 sowie ders., Mannerheim S. 245 f,

    Gruß Karl

  • Hallo zusammen,

    Um zur Ausgangsfrage zurückzukommen:

    Quote

    Original von Sveaborg
    Ein Thema über das ich so gut wie keine Infos bekommen konnte, ist die aufgekündigte "Waffenbrüderschaft" der Finnen im letzten Kriege.
    Meine Frage , gibt es Literatur in deutscher Sprache die beschreibt was sich damals genau in Finnland abspielte ? wurde auch auf deutsche Soldaten geschossen ?
    ...

    Es gibt, wenn auch nicht viel, deutsche Literatur zu diesem Thema.
    - Deutschland und Finnland im zweiten Weltkrieg. Genesis und Scheitern einer antisowjetischen Militärallianz. - Manfred Menger. Inwiefern dieses Buch noch politisch beeinflusst ist (Militärverlag der DDR, 1988; also noch gerade aus DDR-Zeiten) kann ich leider nicht sagen.
    - Der Operationsplan Tanne, Operationsgebiet östliche Ostsee und der finnisch-baltische Raum 1944. - U. von Gersdorff. (Stuttgart: Deutsche Verlangsanstalt, 1961)

    Und ja, es wurde auf deutsche Soldaten geschossen. Finnland und Deutschland haben wohl noch versucht so viel wie möglich deutsche Soldaten vor dem 15. September aus Finnland raus zu bekommen. Mit Beginn der Operation "Tanne" am 15. September war es dann endgültig aus mit der Zusammenarbeit.

    [Quelle: Finland in the Second World War, between Germany and Russia. - Olli Vehviläinen (engl. Übersetzung: Gerard McAlester)]

    Quote

    Original von Sveaborg
    ...
    in einer Arte Doku sagte eine Finnische Frau, die Deutschen wurden aus dem Land getrieben......
    Frauen die mit deutschen Soldaten Kinder hatte oder für die Deutschen gebarbeitet gingen mit, weil ihnen schlimes drohte.

    ...aus dem Land getrieben... das ist wohl wie man dies (vor 15. September) definiert, und wird von Gegend zu Gegend anders gewesen sein. Nach dem 15. September wird dies wohl eine recht gute Beschreibung gewesen sein.
    Das Frauen mit Kindern von deutschen Soldaten eine unsichere Zukunft nicht abwarten wollten, ist wohl zu begreifen. Wenn man sieht was sich in anderen Ländern in dieser Hinsicht abgespielt hat, war eine solche "Flucht" wohl keine Fehlentscheidung.
    Man sollte aber auch nicht vergessen, dass diese Frauen oft auch nur mit dem Mann den sie liebten mit wollten. Ob man es dann auch als Flucht bezeichnen sollte...???

    Gruß, Oliver.

    Suche alles über die 12. SS-Panzerdivision "Hitlerjugend".

  • Hallo und Danke an alle, die sich zu meiner Frage die Mühe machten, einen Kommentar zu schreiben.

    OliverP. genau diese Infos habe ich gesucht, danke !

  • Hallo zusammen,

    man kann es nennen wie man will, aber Mannerheim ging es wohl immer
    um den Erhalt von Finnland und nur darum. So wie sich sein Tun heute darstellt,
    hatte er eine freies Finnland im Sinn. Wenn er die Möglichkeit/
    Chance 1944 nicht genutzt hätte wäre das Schicksal von Finnland gleich dem der
    baltischen Staaten verlaufen. Man mag es Instinkt oder politische
    Weitsicht nennen, für Finnland tat er das Richtige.

    Gruss Dieter

  • Quote

    Original von Thilo
    Rechtfertigt deutsche Hilfe 1914-18 weiteres siinnloses Blutvergiessen 1944?

    Finnland hat lange auf die Hilfe von England in der Auseinandersetzung mit Russland gehofft. Da kam aber nichts!


    Quote

    Original von Karl Grohmann

    Sehr schwer wog für Finnland vor allem die erfolgreiche russische Offensive gegen Finnland, beginnend am 9. Juni 1944, der Rückzug deutscher Truppen vor Leningrad,


    Mit der Blockade von Leningrad wurde wohl auch eine Eisenbahnline Richtung finnischer Grenze blockiert. Nachdem dies wegfiel fanden wohl sofort Militärtransporte in Richtung Fin.- russ. Front statt.


    Quote

    Original von OliverP

    Und ja, es wurde auf deutsche Soldaten geschossen. Finnland und Deutschland haben wohl noch versucht so viel wie möglich deutsche Soldaten vor dem 15. September aus Finnland raus zu bekommen. Mit Beginn der Operation "Tanne" am 15. September war es dann endgültig aus mit der Zusammenarbeit.

    Die Operation Tanne fand erst auf Druck der Russen statt, wenn es nach den Finnen gegangen wäre, wären die Deutschen von dannen gezogen, erst als die Russen drohten den Waffenstillstand mit Finnland zu beenden wurde dies geplant und durchgeführt. Der Abzug war zunächst mehr oder weniger abgesprochen, was den Russen nicht gefiel und weswegen russ. Verbindungsoffiziere entsandt wurden. Die meisten Opfer (auch nach dem Krieg) sind, aber durch die Hauptsächlich erfolgte Verminung entstanden.

    vg
    mra

    -die Feder ist uns von Haus aus ein fremdes Handwerkszeug. Aber nun hat unser Leid einen schreiben heißen –