Grundsätzliches zu Aufbau und Organisation der OrPo

  • Hier soll in Abrissen auf die grundsätzliche Organisation der Ordnungspolizei kurz vor und während des 2. Weltkrieges eingegangen werden.


    Eine Übersicht über den Einsatz der Ordnungspolizei wurde von unserem Forums-Mitglied RolandP ja bereits im Lexikon der Wehrmacht erstellt.


    Auf eine Darstellung der Kommandostellen und der einzelnen Einheiten verzichte ich, da diese Themen zu komplex sind. Hier wird auf die entsprechenden Threads hier verwiesen.


    Ebenso wird auf die Polizei-Division nicht eingegangen, da es sich um eine Fronteinheit handelte.


    Sinn dieser Übersicht soll sein, Personen, die den Lebenslauf von Angehörigen zu rekonstruieren versuchen, das mühsame Zusammensuchen von Basisinformationen im WWW oder hier in verschiedenen Threads zu ersparen in Teilen.


    Die hier von mir zusammengefassten Erkenntnisse fußen vor allem auf


    Friedrich Wilhelm: „Die Polizei im NS-Staat“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, 2. Auflage 1999


    sowie auf


    Tages- und Sonderbefehle des Kommandos der Schutzpolizei München, Staatsarchiv München


    Bestand zur Gendarmerie im Bayerischen Hauptstaatsarchiv.


    Ich werde versuchen, zunächst kurz die einzelnen Organisationsbereiche der Ordnungspolizei vor dem Krieg darzustellen.


    Wer sich weiter interessiert, dem sei vor allem das o.a. Buch empfohlen.



    Gruß aus München an Alle



    Marcus

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  • Die Schutzpolizei der Gemeinden und des Reiches:


    1. Grundsätzliche Organisation:



    In Orten über 5 000 Einwohnern bis ca. 30 000 Einwohnern lag die Polizeihoheit beim „(Ober-) Bürgermeister als Ortspolizeibehörde“.


    In den größeren Städten oblag die Führung dem Kommandeur der Schutzpolizei bei der staatlichen Polizeiverwaltung, also der Polizeidirektion oder dem Polizeipräsidium.


    Der Aufbau von unten nach oben war:


    - Polizei-Revier, ggfs., mit Revier-Zweigstellen, Faustregel 20 000 – 30 000 Einwohner je Revier
    - in Großstädten Schutzpolizei-Abschnitt-Kommandos für mehrere Reviere
    - Kommandeur der Schutzpolizei
    - Polizeidirektion bzw. -präsidium
    - Höherer SS- und Polizei-Führer
    - Hauptamt Ordnungspolizei.


    In großen Städten wurde nach der Überführung der Landespolizei in die Wehrmacht 1935 schnell wieder begonnen, geschlossenen Polizei-Einheiten zu bilden, es entstanden dann


    - Schutzpolizei-Hundertschaften
    - Ausbildungs-Hundertschaften
    - Ausbildungs-Abteilungen.


    2. Kriegseinsatz des Einzeldienstes:


    Die Schutzpolizei stellte sofort Teile der Feldgendarmerie.


    Der restliche Schutzpolizei-Einzeldienst hingegen musste sofort weitere Aufgaben übernehmen. Er wurde hierbei durch den Verstärkten Polizeischutz aufgestockt.


    An Aufgaben seien hier – zusätzlich zu den normalen Polizeitätigkeiten - beispielhaft aufgezählt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):


    - Objektschutz an den verschiedensten Objekten wie Umspannwerke, Wasserwerke, kriegswichtige Industrieunternehmen, Zwangsarbeiter-Lagern,
    - Kriegsfahndung nach entwichenen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern usw.,
    - Überwachung der diversen Verbote, vor allem des Schwarzschlachtens,
    - Unterstützung der Gestapo vor Ort, so wurden Festnahmeaufträge i.d.R. von den örtlichen Dienststellen auf Ersuchen der Gestapo oder SiPo erledigt.


    Ferner waren bereits ab dem September 1939 ständig Personalabgaben für die besetzten Gebiete befohlen.


    Dort musste ja in den annektierten Gebieten wie z.B. dem Wartheland, Westpreußen, Elsass-Lothringen oder in den CdZ-Gebieten wie Untersteiermark und der Oberkrain eine deutsche Polizei analog zum „Altreich“ aufgebaut werden.


    Somit gab es schließlich im ganzen besetzten Gebiet verteilt einen der oben geschilderten Organisation sehr ähnlichen Aufbau.


    Dieser obige Aufbau weicht in den besetzten Gebieten noch mit teilweise anderen Bezeichnungen ab, ich will hier den Aufbau von unten nach oben während des Krieges in den besetzten Gebieten darstellen für die Schutzpolizei:


    - Schutzpolizei-Dienstkommando in den besetzten Städten
    - ggfs. SS- und Polizei-Standortführer
    - Kommandeur der Ordnungspolizei
    - Befehlshaber der Ordnungspolizei
    - SS- und Polizei-Führer
    - Höherer SS- und Polizei-Führer
    - Hauptamt Ordnungspolizei.


    In den annektierten Gebieten war die Organisation analog zum Aufbau im „Altreich“ zu sehen.


    3. Kriegseinsatz der geschlossen Einheiten:


    Bereits bei der „Wiederangliederung Österreichs“ und folgend beim Einmarsch in das Sudetenland und die Rest-Tschechoslowakei kamen die Schutzpolizei-Hundertschaften zum Einsatz.


    Ab dem Sommer 1939 waren starke Kräfte am Westwall eingesetzt und am 26.08.1939 wurde der Verstärkte Polizeischutz zur Dienstleistung einberufen.


    Es wurden verschiedene Arten von Polizei-Bataillonen gebildet:


    1. „normale“ Polizei-Bataillone, diese wurden bei Kriegsbeginn aus den vorhandenen Schutzpolizei- und Ausbildungs-Hundertschaften gebildet und bestanden also aus aktiven Polizisten. Ab dem Winter 1939 wurden die dort eingesetzt aktiven Beamten aber nach und nach aus diesen Bataillonen – soweit sie nicht aufgelöst wurden – herausgezogen und durch die Männer des Verstärkten Polizeischutzes, der dann Polizei-Reserve genannt wurde, ersetzt.
    2. Reserve-Polizei-Bataillone, bei denen die Offiziere und Unterführer zunächst immer aktive Beamte waren und die Mannschaften von vornherein VPS-Männer bzw. Polizei-Reservisten waren.
    3. „Anwärter-Bataillone“, Nummernfolge 250ff., bestehend aus Angehörigen der Werbungsaktion im Herbst 1939, Jahrgänge 1918 – 1921
    4. „Wachtmeister-Bataillone“, Nummernfolge 300ff., bestehend aus Angehörigen der Werbungsaktion im Herbst 1939, Jahrgänge 1910 – 1917.


    Ferner bestanden dann später u.a. noch
    - Polizei-Reserve-Kompanien
    - Polizei-Einsatz-Kompanien
    - Polizei-Landesschützen-Kompanien
    - Polizei-Genesenden-Kompanien
    - Polizei-Ersatz-Kompanien.....

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  • Die Gendarmerie und motorisierte Gendarmerie


    1. Grundsätzliche Organisation


    Die Gendarmerie war die klassische Dorfpolizei auf dem Lande.


    Sie war im Deutschen Reich in Orten bis maximal 5 000 Einwohnern tätig, der Regelfall war aber eine Obergrenze von 2 000 Einwohner.


    Es gab hier den klassischen Einzelposten der Gendarmerie, ansonsten dürfte die maximale Anzahl der Gendarmen auf einem Posten 6 Mann betragen haben.


    Die Gendarmerie nahm grundsätzlich alle polizeilichen Aufgaben wahr.


    Ausnahme waren hier vor allem


    - schwere Kriminalität, die durch die zuständige Kriminalpolizeistelle bearbeitet wurde
    - staatspolizeiliche Delikte, die durch die zuständige Gestapo-Stelle bearbeitet wurde
    - Verkehrsüberwachung auf den Straßen zwischen den Ortschaften, die bei Reichsstraßen der motorisierten Gendarmerie oblag.


    Kraftfahrzeuge waren normalerweise nicht vorhanden, der Gendarm verrichtete seinen Dienst zu Fuß oder mit dem dienstlichen Fahrrad.


    Gliederung von unten nach oben (Regelfall):


    - Gendarmerieposten
    - Gendarmerie-Kreis (für einen Landkreis)
    - Gendarmerie-Hauptmannschaft (für mehrere Landkreise, nicht immer vorhanden)
    - Kommandeur der Gendarmerie, i.d.R. beim Regierungspräsidium oder bei der Landesregierung eingerichtet
    - Sachbearbeiter für die Gendarmerie beim Landes-Innenministerium
    - Hauptamt Ordnungspolizei im RMdI.


    Die motorisierte Gendarmerie war für die verkehrspolizeiliche Überwachung der Reichsstraßen und -autobahnen zuständig.


    Sie wurde im Jahre 1936 aufgestellt und war zunächst in sogenannte Bereitschaften gegliedert.


    Es gab


    1 / 3 – Bereitschaften
    2 / 3 – Bereitschaften
    3 / 3 – Bereitschaften
    4 / 3 – Bereitschaften,


    wobei sich die Stärke an den jeweiligen Stationierungsorten orientierte.
    Eine 1 / 3 – Einheit umfasste 36 Mann.


    Die motorisierte Gendarmerie stellte offensichtlich den Grundstock für die Feldgendarmerie der Wehrmacht.


    2. Kriegseinsatz


    Die motorisierte Gendarmerie bildete sofort zu großen Teilen die Feldgendarmerie.


    Der restliche Gendarmerie-Einzeldienst hingegen musste sofort weitere Aufgaben übernehmen. Er wurde hierbei durch den Verstärkten Polizeischutz aufgestockt.


    An Aufgaben seien hier – zusätzlich zu den normalen Polizeitätigkeiten - beispielhaft aufgezählt (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):


    Objektschutz an den verschiedensten Objekten wie Umspannwerke, Wasserwerke, kriegswichtige Industrieunternehmen,
    Kriegsfahndung nach entwichenen Kriegsgefangenen, Zwangsarbeitern usw.,
    Überwachung der diversen Verbote, vor allem des Schwarzschlachtens,
    Unterstützung der Gestapo vor Ort, so wurden Festnahmeaufträge i.d.R. von den örtlichen Dienststellen auf Ersuchen der Gestapo oder SiPo erledigt.


    Ferner waren bereits ab dem September 1939 ständig Personalabgaben für die besetzten Gebiete befohlen.


    Dort musste ja in den annektierten Gebieten wie z.B. dem Wartheland, Westpreußen, Elsass-Lothringen oder in den CdZ-Gebieten wie Untersteiermark und der Oberkrain eine deutsche Polizei analog zum „Altreich“ aufgebaut werden.


    Somit gab es schließlich im ganzen besetzten Gebiet verteilt einen der oben geschilderten Organisation sehr ähnlichen Aufbau.


    Dieser obige Aufbau weicht noch mit teilweise anderen Bezeichnungen ab, ich will hier den Aufbau von unten nach oben während des Krieges in den besetzten Gebieten darstellen für die Gendarmerie:


    - Gendarmerie-Posten
    - Gendarmerie-Kreis, der aber auch Gendarmerie-(Einsatz)-Züge oder -Kompanien haben konnte
    - Gendarmerie-Hauptmannschaft
    - Gendarmerie-Einsatzkommando mit mehreren Gendarmerie-Hauptmannschaften
    - Kommandeur der Gendarmerie
    - Kommandeur der Ordnungspolizei
    -Befehlshaber der Ordnungspolizei
    - SS- und Polizei-Führer
    - Höherer SS- und Polizei-Führer
    - Hauptamt Ordnungspolizei.

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  • Verstärkter Polizeischutz bzw. Polizei-Reserve


    Der Verstärkte Polizeischutz – ab 1940 als Polizei-Reserve bezeichnet – wurde laut dem eingangs erwähnten Buch von Wilhelm ab 1937 aufgestellt.


    Die Erfassung der Männer zum sogenannten VPS erfolgte spätestens ab 1938.


    Es wurden Männer der Jahrgänge 1900 – 1910, also die in der Weimarer Zeit ungedienten „weißen“ Jahrgänge, erfasst und zum Dienst herangezogen.


    Bevorzugt wurden freie und nichttechnische Berufe, da bei diesen keine Uk-Stellung zu erwarten war.


    Die Ausbildung erfolgte vor dem Krieg mehrmals monatlich bei den Kommandos der Schutzpolizei. Hier wurde dann vor allem Schießen und Marschieren geübt. Eine polizeifachliche Ausbildung fand nicht statt.


    Der VPS wurde am 26.08.1939 zur Dienstleistung bei der Polizei eingezogen.


    Der Dienst erfolgte dann sowohl bei der Polizei- als auch bei der Gendarmerie-Reserve.


    Während die älteren Jahrgänge sowie die nicht kv. gemusterten jüngeren i.d.R. Wachaufgaben in der Heimat übernahmen, wurden die anderen zu den VPS (später Reserve-Polizei)-Bataillonen zusammengefasst und zum Dienst eingeteilt.


    Aufgrund des Personalmangels im Einzeldienst wurden VPS-Männer, die für eine Verwendung im Einzeldienst der Schutzpolizei und Gendarmerie vorgesehen waren, noch extra für 2 – 3 Monate polizeifachlich an einer Polizeischule beschult.


    Der Einsatz konnte also sowohl


    in der Heimat bei Polizei-Revieren, Gendarmerie-Posten und Wacheinheiten
    im auswärtigen Einsatz bei Schutzpolizei-Dienstabteilungen, Gendarmerie-Posten, Polizei-Truppen-Verbänden wie Bataillonen und Kompanien


    erfolgen.


    Gegen Kriegsende wurden noch bis zu den Jahrgängen 1886 eingezogen.


    Eine zwischenzeitliche Beurlaubung, sei es aus wirtschaftlichen (Beruf des Reservisten), persönlichen (z.B. Bombenschaden) auch für mehrere Monate war während des Krieges nicht unüblich.

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  • Zum Abschluß:


    Fragen und Kommentare bitte ich, in diesem Thread


    Diskussion, Fragen u. a. zu "Grundsätzliches zu Aufbau und Organisation der OrPo"


    zu posten.


    Hier wollen wir erst einmal Tatsachen stehen lassen.


    Gruß aus München


    Marcus

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