Feindbild: „Flintenweiber“

  • Hallo!


    Das ist für mich eines seiner besten Bücher über den 2.WK !
    Es beschreibt objektiv den Kampf, wie er von beiden Seiten geführt wurde.
    Den Kampf zwischen russischen Scharfschützinnen und deutschen Scharfschützen, die sich gegenüber liegen, belauern und im richtigen Moment abdrücken ...


    http://www.amazon.de/Frauenbat…-G-Konsalik/dp/3704314307

    Konsalik war selber Frontsoldat an der Ostfront und wurde schwer verwundet.


    Weitere gute Bücher, die ich selber von ihm gelesen habe:


    - "Die Rollbahn"
    - "Das geschenkte Gesicht"
    - "Straf Bataillon 999"
    - "Heimaturlaub"
    - "Sie fielen vom Himmel"
    - "Das Bernsteinzimmer"
    - "Der Arzt von Stalingrad"


    Gruß


    Rainer

    Suche alles über das 336. Grenadier-Regiment der 161. Inf. Division und über U 297

  • Quote

    Original von Rainer RN
    Den Kampf zwischen russischen Scharfschützinnen und deutschen Scharfschützen, die sich gegenüber liegen, belauern und im richtigen Moment abdrücken...


    Hallo Rainer,


    ja diese Geschichte kennen wir alle: Leut. Zajtcew gegen Haup. König, oder umgekehrt. Die Story wurde schon vor Konsalik erfunden :9 .


    gruss Vladimir

  • Hallo!


    Nun ja, mal davon abgesehen das "Flintenweiber" wie hier auch schon geschrieben ein über lange Zeit in der Geschichte von Kriegen und Konflikten übertragener und sinnbildlicher und sicher von Männern eher abwertend gemeinter Begriff für Frauen war, die sich aktiv am Kriegsgeschehen beteiligten und es im dt.-sowj. Krieg natürlich auch "rote Weiber" und "revolutionäre Furien" unter diesen gab, also fanatische Kommunistinnen, genauso wie es solche Fanatikerinnen unter den Frauen und Mädels im BDM gab, sollte man sich vielleicht auch die Frage stellen wie ethisch und moralisch vertretbar es grundsätzlich ist Frauen für den aktiven Kriegseinsatz an der Front als Soldat zu verwenden.


    Soldat im Krieg sein und um sein Überleben zu kämpfen ist schlimm genug. Sich dabei aber auch noch gegen einen Angriff eines Frauenbattl. auf Leben und Tod erwehren und diese töten zu müssen ist sicher eine ganz andere Kategorie des sog. Kriegshandwerkes und traf die dt. Soldaten in Rußland völlig unvorbereitet, wie so viele andere Dinge auch. Dasselbe gilt natürlich auch umgekehrt und ändert nichts an der Perversion und Besonderheit einer solchen Situation.


    Zumindest in jedem deutschen Bericht den ich bisher zu solchen Kämpfen gelesen habe und in dem über getötete russ. Frauen die als Soldaten eingesetzt wurden berichtet wurde kam offenes Entsetzen und tiefe Bestürzung über solche Kämpfe und Opfer zum Ausdruck und ein völliges Unverständnis über diese Handlungen der sowj. Führung.


    Das die Sowjets nicht davor zurückscheuten Hekatomben an Menschen für den Machterhalt ihres Regimes zu opfern und zu verheizen ist ja nun allseits bekannt, daß so viele zigtausende Frauen dazugehörten mag jeder beurteilen wie er will. Man sollte diese Tatsache aber mal realistisch und sachlich betrachten und nicht wie so oft rein einseitig.

    Edited once, last by Hoth ().

  • Moin,


    so sehr grausam das Thema über die russischen Scharfschützenfauen auch sein mag, es war genau so.


    Die Aussagen der Damen sprechen für sich, der erste Schuss auf einen Feind..., ich stelle mir solch eine Situation nicht einmal ansatzweise vor, es ist grauenhaft.


    Die noch lebenden Frauen sind schwer gezeichnet, heute alleine gelassen, es ist ein schweres Thema, ein Trauerspiel.


    Gruß
    Michel

  • Guten Tag!


    Eigentlich sollte man voraussetzen, dass die verantwortlichen Kriegsführer der Wehrmacht wussten, dass ihre Männer in Russland auf bewaffnete weibliche Soldatinnen treffen könnten/würden.
    Aus deutscher ethisch-moralischer Sicht sorgte diese Gegebenheit unter den Soldaten sicherlich für große Bestürzung und Verwunderung.
    Ein kluger Schachzug könnte man meinen, da die Wehrmacht völlig unvorbereitet weiblichen Offizieren, Panzerfahrerinnen, Fallschirmspringerinnen, Pilotinnen, MG- und Flakschützinnen gegenüberstanden.
    Doch es war kein taktischer Winkelzug, sondern die Konsequenz durchgeführter. Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau in der Sowjetunion.
    Bewaffnete russische Kämpferinnen hatte es bekanntlich bereits in großer Zahl im ersten Weltkrieg gegeben.
    Mangelnde Aufklärung und fehlende Einsichten in andere Kulturkreise führen dann augenscheinlich und nachhaltig zu Irritationen.


    Gruß
    Jane

  • Hallo Jane,


    danke für Deinen interesanten Beitrag.
    Schauen wir einmal, was zum Thema "Flintenweiber" auf dem Balkan noch rüberkommt.
    Wie gesagt, der Begriff taucht schon im Jahre 1941 in Ermittlungsvorgängen der SiPo in der Untersteiermark und der Oberkrain auf.
    Die Behandlung war dort eigentlich die Gleiche wie für die männlichen "Banditen", Unterschiede hat man, wie eingangs erwähnt, nicht gemacht.
    Allerdings wurden die Gefangenen, wenn man welcher habhaft werden konnte und so wie ich das sehen und beurteilen kann, bei der SiPo abgeliefert.


    Gruß aus München


    Marcus

    Suche ALLES zu Polizei-Bataillonen aus dem Wehrkreis VII und dem Einsatz in Slowenien sowie zur PV. Litzmannstadt
    "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)


  • Hallo!


    Der Einsatz von Frauen in der Roten Armee hatte wohl kaum etwas mit der von Dir hier so gelobten "Gleichberechtigung" von Männer und Frauen im "Arbeiter-und Bauernparadies" Sowjetunion zu tun, sondern war schlichtweg eine Reaktion der Sowjets aus der Notlage der verheerenden Verluste an männlichen Soldaten schon in den Anfangswochen des dt.-russ. Krieges heraus. Wenn es jedoch "Gleichberechtigung" sein sollte, Männer und Frauen verheizen zu können, dann hat sie die sowj. Führung allerdings in der Tat hergestellt. ;)


    Es gab weiterhin zum einen bis Kriegsbeginn in der RA weder eine reguläre Wehrpflicht für Frauen, zum anderen übernahmen Frauen zunächst nur unterstützende Tätigkeiten z. B. als Sanitäterinnen, in Nachrichten-und Nachschubeinheiten usw. um Männer für den Fronteinsatz freizumachen, während die Aufstellung regulärer Kampfeinheiten aus Frauen und die entsprechende Ausbildung als Waffenträger, z. B. Pilot, Scharfschütze etc., erst im Verlaufe des Krieges ab etwa 1942 begann, so daß die WH-Führung wohl kaum ihre Soldaten schon zum Kriegsbeginn darauf hinweisen und vorbereiten konnte.


    Insofern hat der Schock und die Überraschung der WH-Soldaten in der SU auch auf Frauen an der Waffe und an der Front zu treffen und diese bekämpfen zu müssen weder mit mangelnder Aufklärung und schon gar nichts mit der fehlenden Einsicht in andere "Kulturkreise" zu tun, sondern schlichtweg mit der Tatsache, daß man zu Kriegsbeginn nicht voraussehen konnte, zu welchen drastischen Maßnahmen das stalinsche System greifen würde um sich zu retten.

    Edited once, last by Hoth ().

  • Für Leute die sich ernsthaft für das Thema interessieren empfehle ich hierzu Literatur des miltärgeschichtlichen Forschungsamtes:
    Frauen im Kriegsdienst von Ursula Gersdorff


    2 X Moin ;)

    Edited once, last by Caprinus ().

  • Hallo,


    gleichfalls nicht einzusteigen, aber auf eine tatsache aufmerksam zu machen:


    In der OSSOAWIACHIM, eine paramilitärischen staatlichen Massenorganisation wurden seit ca. 1930 Jungen und Mädchenfür einen Dienst in der Vaterlandsverteidigung vorbereitet. Sie erlernten hier gleichberechtigt(!) das Fahren von Kfz, Schiessen, auch als Scharfschütze, funken, schanzen, und sicherlich mit als Wichtigstes, das Führen von Luftfahrzeugen. Pilotinnen gab es daher schon frühzeitig. Daß diese nach den Anfangserfolgen/Anfangsniederlagen nicht abseits der männlichen Truppen stehen wollten, ist daher nur als selbstverständlich zu sehen. Als Funkerinnen und Sanitäterinnen war das fast normal, ab 1942 auch dann in kämpfenden Einheiten als Pilotinnen und Scharfschützen eingesetzt zu werden. Die sowjetische Führung hat das am Anfang abgelehnt, konnte sich aber wachsendem Druck auch nicht mehr sperren.


    Ich erinnere dabei an die bekannten Fliegerinnen, die in einem selbständigen Bomber- bzw. Nachbomberegiment kämpften, oder auch als Jagdfliegerinnen.
    Von daher wurde nichts hochgejubelt, und schon gar nicht gefordert.


    Auch die DW hat sich solchen Dingen verweigert, später wurden dann die Einheiten des Whrmachtsgefolges aufgestellt und im Zuge der Totalen Kriegsführung auch Frauen verstärkt zu Ablösung von Soldaten sowohl im frontnahen, als auch im Heimatkriegsgebiet herangezogen. Über den Zwangsarbeitseinsatz von Frauen in der Rüstungsindustrie braucht ma ja hier nicht mehr zu schreiben, den gab es fast seit Kriegsbeginn...


    Grüsse
    Fred

    Halle/Saale: Heeres- und Luftnachrichtenschule // Siebel Flugzeugwerke

  • Morjen,
    es gerieten auch weibliche Mitglieder der US-Streitkräfte wie z. B. beim Absturz eine C-47 bei Aachen im September 1944 in deutsche Kriegsgefangenschaft. Im speziellen Fall ein weiblicher Lieutenant des Sanitätscorps. Kam wohl in ein Luftwaffen Stalag.


    h.

  • Guten Abend,


    in den hier im Forum eingestellten Rezensionshinweisen habe ich nachfolg. Titel gefunden
    (leider auf Englisch). Sobald entliehen, gelesen und verstanden :D , würde ich versuchen,
    etwas dazu hier zu schreiben. Bis dahin muß die Rezension ausreichen =) .


    Gruß, Kordula


    Quote

    Anna Krylova: Soviet Women in Combat. A History of Violence on the Eastern Front,
    Cambridge: Cambridge University Press 2010, XVI + 320 S., ISBN 978-0-521-19734-2, GBP 55,00


    Anna Krylova untersucht die Geschichte der insgesamt knapp einen Million Frauen, die während des deutsch-sowjetischen Krieges 1941-1945 bei der Roten Armee dienten. Die meisten Soldatinnen waren in quasi-zivilen Bereichen (Medizin, Kommunikations-, Versorgungs- und Verkehrswesen) beschäftigt. Aber nicht sie stehen in dieser Monografie im Mittelpunkt, sondern die rund 120.000 bewaffneten Kombattantinnen. Sie drangen als Scharfschützinnen, Kampfpilotinnen, Panzerfahrerinnen oder als Angehörige von Infanterieregimentern bis ins Innere des Militärischen vor, dorthin nämlich, wo auch das Töten des Gegners alltägliche soldatische Aufgabe war. Im ersten Kriegsjahr war solcher Kampfeinsatz noch dem individuellen Durchsetzungsvermögen einzelner Frauen geschuldet, ab 1942/43 wurde er von der politischen Führung der Sowjetunion ausdrücklich gefördert und gefordert. Damit verstieß sie gegen den bisherigen Konsens kriegsführender Staaten, Frauen nur für nichtkombattante (oder als solche definierten) Funktionen zuzulassen, sie überschritt damit Grenzen, die die britische und die amerikanische Armee nicht zu übertreten wagten.
    ... alles lesen.

  • Hallo und guten Abend!


    Prima Kordula, die Vorankündigung macht neugierig.
    Freue mich auf Dein Feedback zu der gefundenen Lektüre.


    Beste Grüße
    Jane

  • Hallo zusammen,


    ohne mich hier in die Diskussion einmischen zu wollen,


    folgendes Foto, aus einem Album eines Heeresangehörigen (Fundstelle Ebay), belegt auch, dass der Begriff bereits im Polenfeldzug „gängig“ war …



    Herzliche Grüße Roland

    Files

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump

  • Hi Gennadij,


    danke sehr.
    Kannst Du erklären/ergänzen, wo die Fragezeichen (=??) stehen?


    Name/Vorname: Kudzjawzewa Mazija
    Geburtsdatum: 2.6.1903


    Truppenteil: ??
    Dienstgrad: –
    Zivilberuf: Studentin
    Gefangennahme: 19.9. [1941] in Lubny ??
    Ob gesund, krank, verwundet eingeliefert: gesund


    Rückseite:
    6.3.42 von Stalag ???
    28.5.43 verstorben an Akutoder. ???


    -------------------------
    Mazija Kudzjawzewa ist zum Zeitpunkt der Gefangennahme 38 Jahre alt.
    Wenn Du mir (uns) den Truppenteil übersetzt, erklärt das vielleicht das hohe Alter?


    Dienstgrad ohne Eintrag = einfache Soldatin; ist das "normal"?
    Todesursache Akutoder.: habe ich als Eintrag bisher nie gesehen;
    hast Du dieses Wort schon öfter gefunden?


    Grüße, Kordula

  • Hi, Kordula!
    Truppenteil: Schwarzenarb(eiterin). Arbeiterin ohne Qualifikation (das Fach). Ich glaube, keine Soldatin. Ziwilarbeiterin, darum hat das hohe Alter.
    Lubny, Poltawagebiet
    http://maps.google.com/maps?q=…pn=1.708474,6.229248&z=11


    6.3.42 von Stalag 365 (einer Meinung nach)?
    Akutoder. vielleicht ist ein Druckfehler.
    Priwet,
    Gennadij

    -----------------------------------------------------------------------
    Suche alles über Fluchtversuche von russischen Kriegsgefangenen

  • Guten Tag, alle,


    in meinem Beitrag vom 10.06.2011 habe ich verschiedene Links zu interessanter Literatur eingestellt, die sich mit dem Thema dieses Beitrages befasst. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass kaum jemand der Diskutanten den Links gefolgt ist und in den Berichten gelesen hat (außer vielleicht Herr Hoth).


    In der Dissertation über die österreichischen Soldatinnen wird von weiblichen Landesschützen berichtet, von Ärztinnen, die die zerfetzten Körper der im Kampf verletzten wieder zusammen flickten (das übersteigt z. B. auch mein Vorstellungsvermögen – wie das wohl ist, tausende und abertausende Schwerstverletzte zu sehen, Tag für Tag….?). Was wohl schlimmer ist, selbst zu schießen oder den Zerschossenen verarzten - ich weiß, es nicht vergleichbar....


    Ich empfehle jedem, den Beitrag im „Dictionary of War“ zu lesen. Dann ist frau/man echt schon schlauer.
    http://www.forum-der-wehrmacht…?postid=233431#post233431



    Jane, nach meiner Schilderung der Begegnung mit dem schlesischen Jäger hattest Du dies geschrieben:


    Quote

    Margarete
    Dein frauenfeindliches Erlebnis mit dem einstigen schlesischen Jäger, dürfte für ein Schlüsselerlebnis zwischen Tür und Angel gesorgt haben, wo man gewiss lange dran zu knabbern hat ...


    Das, was der schlesische Jäger zu mir und meiner Mutter sagte, war wirklich heftig und wird mir wohl immer im Gedächtnis bleiben.
    Dennoch denke ich, dass seine Äußerung (in Bezug auf mich) nicht frauenfeindlich war. Er ist lediglich mit einem anderen Frauenbild aufgewachsen, ihm wurden andere „Werte“ vermittelt.
    Ich entsprach nicht diesem „Bild“ und das verunsicherte ihn. Wenige Tage später stand er mit einer Flasche Sekt vor meiner Tür.


    Es grüßt Margarete

  • Quote

    Original von Margarete
    in meinem Beitrag vom 10.06.2011 habe ich verschiedene Links zu interessanter Literatur eingestellt, die sich mit dem Thema dieses Beitrages befasst. Irgendwie habe ich den Eindruck, dass kaum jemand der Diskutanten den Links gefolgt ist und in den Berichten gelesen hat (außer vielleicht Herr Hoth).


    Hi Margarete,
    gestehe, daß ich zu den Nur-angelesen-Habenden gehöre.
    Werde das nachholen.
    Gruß, Kordula

  • Hallo zusammen,


    noch ein Paar Fotos, nicht einheitlich beschriftet, also keine böse Gedanken in Bezug zur Rotarmistinnen zu erkennen.


    gruss

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