Luftangriff auf Bari, 2.12.1943

  • Hallo,


    beim Luftangriff der deutschen Luftwaffe auf den Hafen von Bari/Italien am 2.12.1943 sollen alliierte Transportschiffe mit Gasladungen getroffen worden sein.


    Weiß jemand etwas darüber? Einheiten der Luftwaffe, Einzelheiten zu dem Angriff, etc.?



    Vielen Dank
    Thomas

  • Hallo,


    meine da irgendwas im Zusammenhang mit chenmschen Kampfgasen gehört zu haben! In irgendeinem Forum wurde das auch schon behandelt, muss mal schaun!


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

  • Hallo Tobias, vielen Dank,



    damit ist der Angriff bestätigt.
    Ist Dir etwas über den Verband der Luftwaffe und über die alliierten Schiffe bekannt?

  • " Freitag, 3. Dezember 1943, Berlin


    Das Deutsche Nachrichtenbüro DNB meldet:


    In der vergangenen Nacht griffen starke deutsche Kampffliegerverbände den feindlichen Versorgungsstützpunkt Bari in Apulien an und verursachten durch Bombentreffer im Hafengebiet nachhaltige Zerstörungen. NAch bisher vorliegenden unvollständigen Meldungen wurden 2 Frachter versenkt. 2 andere, mit Treibstoff oder Munition beladene Schiffe explodierten nach den Bombentreffern. Zahlreiche weitere Frachter erlitten erhebliche Beschädigungen. "



    mehr gibts später :)

  • "Am späten Nachmittag des 2. Dezember 1943 starten 96 Bomber JU 88 der I. und II. Gruppe des KG 54 sowie die I. und II. Gruppe des KG 76 auf den Flugplätzen Vilaorba und Aviano im Raum von Mailand zum Angriff auf Bari, eine wichtige Hafenstadt mit 250000 Einwohnern, an der Adriaküste östlich von Neapel.


    Leutnant M. Ziegler: << Am späten NAchmittag flogen wir mit 2 anderen MAschinen als Pfadfinder. Unsere JU88 war voll beladen mit Düppel- Störstreifen und Leuchtbomben für die Zielmarkierungen. Es war schon dunkel als wir die Küste südlich Ravenna kreuzten. Wir sollten von der Adria her unser Ziel anfliegen. In Höhe von Kap Rossa gingen wir auf 7000 Meter und stellten dann fest, dass der Hafen von Bari wie im tiefsten Frieden hell erleuchtet war. Wir begannen mit dem Abwerfen von Stanniol-Störstreifen, und weil der Hafen in hellem Licht lag, hätten wir uns den Abwurf von Leuchtbomben sparen können. >>


    Am Abend des 2. Dezember sind im Hafen von Bari mehr als 30 allierte Schiffe, deren Ladungen - Kriegsmaterial und Nachschub - gerade gelöscht werden. Um die arbeiten im Hafen zu beschleunigen, wird unbedachterweise bei anbruch der Dunkelheit die gesamte Beleuchtung eingeschaltet. NAchdem Pfadfinder-Maschinen Stanniol-Streifen abgeworfen und so die Radargeräte der Allierten lahmgelegt haben, erscheinen deutsche Kampfverbände fast unbemerkt über Bari. Erst als um 19.30 die Bomben im Hafen explodieren, eröffnet die Flak das Feuer.


    Kein Scheinwerfer versucht sie abzufangen, kein Sperrballon schützt den zurzei wichtigsten Versorgungshafen der Allierten auf dem europäischen Kontinent, und kein einziger allierter Jäger erscheint über Bari. So problemlos und ohne Verluste ist noch nie eine Aktion verlaufen. Durch Volltreffer explodiern 2 Munitionsschiffe mit solcher Gewalt, dass die Fensterscheiben in einem Umkreis von 12 Kilometern zerspringen. Eine Ölleitung am Kai wird getroffen, und das ausströmende Öl entzündet sich an dem Benzin des brennenden Tankers und breitet sich zu einem riesigen Flammenteppich aus. Auch die bisher verschonten Schiffe brennen lichterloh.


    Dieser nur 20 Minuten dauernde ANgriff ist einer der erfolgreichsten des Krieges: Niemals wurden, mit Ausnahme von Pearl Harbor, so viele Schiffe mit einem Schlag versenkt: Insgesamt sind 19 Transporter mit 73 343 BRT vernichtet und 7 schwer beschädigt. Die Verluste unter den Wachmannschaften und Seeleuten betragen über 1000 Mann. Es vergehen Wochen, bevor der Hafen seine Arbeit wieder voll aufnehmen kann. DAS IST DER ÖFFENTLICHE TEIL DES DESASTERS, DER ZWEITE TEIL DER TRAGÖDIE WIRD NOCH JAHRZEHNTELANG NACH DEM KRIEGE GEHEIMGEHALTEN!:


    Als der Angriff beginnt, ist der Frachter <<SS John Harvey>> am Pier, 17 andere Schiffe haben daneben festgemacht oder liegen vor Anker. Seine Ladung besteht neben der hochbrisanten Munition aus ETWA 100 TONNEN GELBKREUZ-GAS (schweres Senfgas) in Bomben, jede 45,5 kg schwer, ein äußerst gefährlicher völkerrechtswidriger Kampffstoff, den die allierte Führung << für alle Fälle >> in ihrem Arsenal auf dem italienischen Kriegsschauplatz haben will. Gleich zu Beginn des Angriffes bekommt die <<SS John Harvey>> einen Volltreffer und geht mit der ganzen Besetzung unter. Obwohl die Gasbomben ohne Zünder sind, bersten viele von ihnen; der gefährliche Kampfstoff beitet sich im Hafenbecken aus. Das an der Wasseroberfläche schwimmende Gift - zum Glückt treibt wenigstens der größte Teil aufs Meer heraus - wird zur tödlichen Bedrohung für die Überlebenden des Angriffs. Viele der Seeleute und Soldaten können aus dem verseuchte Wasser wieder an Land gezogen werden. Doch weder die Rettungsmannschaften noch die Geretten ahnen etwas von dem Senfgas. Den militärischen Diensstellen im Hafen ist zwar bekannt, welche gefährliche Ladung die <<SS John Harvey>> an Bord hat, jedoch denkt in dem herrschenden Chaos keiner daran. Einige der Überlebenden erinnern sich später daran, dass sie eine <<Knoblauchgeruch>> wahrgenommen haben, doch misst dem niemand eine Bedeutung bei. Und in den überfüllten Krankenhäusern kümmert sich keiner um die Menschen, die zwar mit Öl verschmiert, aber nicht verletzt sind. Sie werden einfach in ihrer durchnässten, mit Senfgas getränkten Kleidung in allen möglichen Quartieren untergebracht. Bereits 2 Stunden danach klagen die ersten von ihene über furchtbare SChmerzen, als hätten sie Sand in den Augen. Erst wtwa 12 Stunden nach dem Angriff entdeckendie Hafenbehörden einige Senfgasbomben, und man besinnt sich nun auf die Ladung der <<SS John Harvey>>. Die Spitäler werden sofort informiert, dass möglicherweise ein Teil der geretteten mit Senfgas in Berührung gekommen ist. Bereits 18 Stunden nach dem Angriff wird der erste Todesfall durch Einwirkung des gefährlichen Gifstoffes gemeldet. Insgesamt gibt es 617 Vergiftete, von denen 83 sterben, der letzte einen Monat nach dem Unglück. Wäre den Rettungsmannschaften und Ärzten bei der Bahndlung bekannt gewesen, dass Kampfstoffe im Spiel sind, und hätte man sogleich die entsprechenden Maßnahmen getroffen, wäre es nicht zu so vielen Todesfällen gekommen.


    Auch der Fall <<Bistera>> wird streng geheimgehalten: Das Schiff <<Bistera>>, das beim Angriff unbeschädigt bleibt, fischt 30 Überlebende aus dem Hafenbecken und dampft - den Weisungen der Hafenbehörde entsprechen - nach Tarent. Vier Stunden später auf hoher See wird die gesamte Mannschaft von unerträglichen Augeschmerzen befallen. Als die <<Bistera>> 18 Stunden nach dem Angriff Tarent endlich erreicht, gelingt es der fast völlig erblindeten Mannschaft nur mit Mühe, das Schiff festzumachen.


    Der Ausfall des Hafens von Bari für den Nachschub, einige Wochen vor der Landung der Allierten bei Anzio und Nettuno, die ihnen den Weg nach Rom öffnen soll, hat noch ein schwerwiegendes Nachspiel: Er trägt erheblich dazu bei, dass es den Deutschen gelingt, die Allierten dort länger als bei jem anderen Feldzug dieses Krieges aufzuhalten."


    Quelle: Janusz Pieckalkiewicz, Luftkrieg 1939-1945

    Edited once, last by Flo ().

  • Hallo Flo,


    herzlichen Dank für ausführliche Antwort und die genannte Quelle.


    Viele Grüße
    Thomas

  • Hallo,


    wirklich interessant! Gibt es eine Liste mit den Namen der versenkten/zerstörten und beschädigten Schiffen?


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

  • aus der Wrackliste habe ich folgendes:


    02.12.1943 JOHN L. MOTLEY 134 7176 MunitionAK USA Bari 3 Bombentreffer, explodiert
    02.12.1943 SAMUEL J. TILDEN 134 7176 Liberty / TT USA Bari 2 Bombentreffer
    02.12.1943 JOSEPH WHEELER 134 7176 MunitionAK USA Bari 1 Bombentreffer, Munition explodiert
    02.12.1943 JOHN HARVEY 134 7177 MunitionAK USA Bari explodiert während dt. Luftangriff, beladen mit Senfgas ( ! )
    02.12.1943 JOHN BASCOM 134 7176 Liberty USA Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 FROSINONE x CONGO ( F ) 107,6 5201 Dampfer I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 LOM 72,8 1268 MunitionAK N Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 TESTBANK 129,2 5083 Frachter GB Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 BOLLSTA 81,3 1832 Dampfer N Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 CASSALA 1797 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 BARLETTA 1975 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 DEVON COAST 646 GB Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 FORT ATHABASCA 148,6 7132 "Fort"-Typ GB Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 LARS KRUSE 84,4 1807 Frachter GB Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 NORLOM 122,9 6326 AK N Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 VEST 5074 Frachter N Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 FORT LAJOLE 134,7 7134 "Fort"-Typ GB Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 CORFU 1409 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 GOGGIAM 1934 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 ARDITO 3732 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 AUBE 1055 F Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 GENEPESCA II 1628 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 LUCIANO ORLANDO 86 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 LWOW 1409 PL Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 PORTO PISSANO 226 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 PUCK 1065 PL Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört
    02.12.1943 VOLODDA 4673 I Bari durch Explosion von JOHN HARVEY zerstört

  • Hallo,


    wie viele Angriffe auf Bari gab es eigentlich? Wollen wir einen Versuch starten alle zu sammeln?


    Ich z.B. las gerade von einem Angriff italienischer Torpedobomber am 6./7. Juli 1944, bei dem ein Dampfer von 5000 BRT versenkt wurde.


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited once, last by Tobias Giebel ().

  • Warum wurden soviele Schiffe durch die John Harvey zerstört? Dachte, die hatte nur Gasbomben geladen und die anderen beiden Schiffe mit der Munition an Bord hätten die größten Schäden verursacht.

  • Morison, History US Navy Band IX, spricht von einer Kettenreaktion nach den Treffern auf zwei vollbeladenen Munitionsfrachtern. In dem Chaos wird das wohl kaum noch zu trennen gewesen sein.


    Die Liste stammt von der Schiffswrackliste.


  • Das war aber dann kein alliierter Dampfer.

    Gruß:


    Nimbus

  • Quote

    Original von nimbus0


    Das war aber dann kein alliierter Dampfer.


    doch, es war ein alliierter Dampfer! Die Flugzeuge gehörten zur ANR (Aeronautica Nazionale Repubblicana), die Luftwaffe der italienischen Armee, die durch deutsche Gnaden, nach der Kapitulation Italiens, auf deutscher Seite weiter kämpfte!


    Siehe zu dem Thema:


    http://de.wikipedia.org/wiki/A…ca_Nazionale_Repubblicana (teilweise falsch!!!)


    oder:


    Hans Werner Neulen, "Am Himmel Europas - Luftstreitkräfte an deutsche Seite 1939-1945"


    Gruß
    Tobias

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited 3 times, last by Tobias Giebel ().

  • Hallo,

    ich habe neues zu dem Luftangriff auf Bari, 2.12.1943 finden können.


    https://www.youtube.com/watch?v=Np3cp0wPNTc

    https://www.youtube.com/watch?time_continue=79&v=NonWxm4aYHc

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13531696.html

    https://verschwiegenegeschicht…ress.com/2017/02/12/1219/


    es sind aber auch in der italienischen Presse Informationen darüber zu finden.


    Von der allgemeinen, speziell deutschen Presse und den Polit-Büros wird dieser Tatbestand nicht erwähnt, sogar verheimlicht….

    Warum eigentlich? Dieser extrem grausame Vorfall findet sich leicht im englischsprachigen Bereich im Internet, z.B. im englischen Wikipedia.



    Gruß


    Reinhard

  • N'Abend Reinhard,


    vielen Dank für Deine Hinweise, aber neu sind diese Informationen nicht wirklich, vom verschwörungstheoretischen Teil der letztgenannten Seite mal abgesehen ;)


    Schau' mal -> HIER und -> Post #6 hier im Thread.


    Gruß, Stefan

    "Es gibt nichts, was ein deutscher Offizier nicht kann!" (Oberst Manfred v. Holstein)

  • Danke Stefan,


    sehr interessante Dokumente ein Wunder das nicht alles vernichtet wurde - ist auch gut so.


    Gruß


    Reinhard

  • Hallo zusammen,


    Das After the Battle-Magazine hatte bereits in Ausgabe 79 darüber ausführlich berichtet:

    https://www.afterthebattle.com…uct=82&controller=product


    Ist also wirklich kein Geheimnis - außerdem ist normalerweise im Krieg jede Partei auf jede Eventualität vorbereitet. Kampstoffzwischenfälle gab es laut Fritz Hahn bereits im Polenfeldzug.


    Gruß, Thomas


    P.S.: 'Senfgas' bzw. in Deutschland 'Lost' (nach den Chemikern Lommel und Steinkopf) oder Gelbkreuzkampfstoff ist kein Gas, sondern ein Aerosol.

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"