Gefallene in die Heimat überführen?

  • Auf dem Waldfriedhof Bad Homburg v. d. Höhe stieß ich auf ein Doppelgrab (tatsächlich zwei Bestattungen, keine bloße Gedenkinschrift) mit der Inschrift bei beiden "Gefallen im Osten":


    Zum Gedenken

    Nachname: Lehmann
    Vorname: Georg
    Dienstgrad: Obergrenadier
    Geburtsdatum: 24.06.1905
    Geburtsort: Homburg
    Todes-/Vermisstendatum: 08.01.1944
    Todes-/Vermisstenort: Towstyki, ca. 40 km nordw. Witebsk


    sowie sein Bruder:


    Zum Gedenken

    Nachname: Lehmann
    Vorname: Karl
    Dienstgrad:
    Geburtsdatum: (lt. Grab 25.06.1904)
    Geburtsort: (Homburg)
    Todes-/Vermisstendatum: 04.10.1943
    Todes-/Vermisstenort: nicht verzeichnet


    Karl Lehmann ruht auf der Kriegsgräberstätte in Bad Homburg-Waldfriedhof (Bundesrepublik Deutschland) .
    Endgrablage: Block G Reihe 6 Grab 14


    (beide Guelle Volksbund)


    Ich habe noch nie davon gehört, das Gefallene in die Heimat überführt wurden, zumal es sich wohl nicht um "Promis" handelte.


    Konnten die Angehörigen dies veranlassen?


    Übrigens: Der Kriegsgräberteil des Waldfriedhofs wird offensichtlich z. Zeit gerade geräumt.


    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Mir ist das auch völlig neu das deutsche Soldaten in die Heimat überführt wurden.
    Es könnte natürlich sein das dies zum Anfang des Krieges noch gemacht wurde!!!


    Ich weis aber das dies bei den Amerikaner der Fall war. Hier konnten es die angehörigen zum Beispiel anordnen.

  • Hallo,


    ja, es ist so das deutsche Soldaten teils auf die Heimtafriedhöfe überführt worden sind. Die Gründe sind unterschiedlich. Mir sind Fälle bekannt das aus grenznahen Gebieten (geringe Entfernung Todesort-Heimatort) eine Rückführung stattgefunden haben. Zeitraum bis etwa 1942/43.
    Weiterhin wurden im Lazarett verstorbene teilweise im Sarg oder als Urne auf Heimatfriedhöfe überführt und bestattet. Dieser Umstand ist Wenigen bekannt da es sich meist um private Bestattungen handelte und die Gräber nach der Ruhezeit eingeebnet wurden und deshalb heut nicht mehr nachvollziehbar sind. Der einzige Hinweis ist manchmal noch eine Inschrift auf dem Grabstein.
    Deshalb sind diese Namen kaum in der Gräbersuche des VDK zu finden da es sich nicht um Kriegsgräberstätten handelt.
    Wer Gelegenheit hat sich die Begräbnisbücher der Kirche anzuschauen, wird auf solche Informationen sehr oft stoßen.


    Was ist mit den Kriegsgräbern in Bad Homburg? Werden diese beseitigt oder neu gestaltet? Kriegsgräber haben lt.Gesetz Bestandsschutz.
    Man sollte sich da umgehend an die entsprechenden Stellen der Gemeinden oder Städte wenden. Ansonsten bitt ich um eine Info per PN.


    Gruß Ulla


  • Hallo Thilo,


    wie Ulla schon sagte, Kriegsgräber dürfen nicht beseitigt werden!!!


    Nachlesen kannst Du das hier:
    Gräbergesetz


    Falls das dort der Fall ist, bitten wir dringend um Kontaktaufnahme mit uns, dem VKSVG e.V. , www.vermisst-gefallen.net!!!!!!!!!!!!
    Wir haben gerade eine ähnlichen Fall,wo wir nun die Behörden zur Stellungnahme aufgefordert haben und uns auch vor weiteren rechtlichen Schritten nicht scheuen!

    Gruß


    Benny


    ******Nur die Sache ist verloren, die man aufgibt******
    G.E.Lessing

    Edited once, last by Benny-vermisst ().

  • Benny,


    Du hast eine Email von mir.


    Nach Neugestaltung sieht es dort nicht aus, Gräber sind im Ballungsraum Rhein-Main teuer und Kommunen können Geld schon gebrauchen... :evil:


    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    unten ein Zeitungsartikel zum Thema "Leichensendungen" vom November 1915,


    Grüße

    Thilo

    Files

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo,


    mein Großonkel ist als Soldat bei einem Bombenangriff auf Halberstadt gefallen. Der Leichnam wurde per Bahn zur Familie in Moringen im Solling geschickt, wo er dann von seinem Bruder mit dem Bollerwagen abgeholt wurde. Anscheinend wurde das auf Grund der relativ geringen Entfernung so geregelt.


    Grüße


    Dirk


  • Der Opa meines Opas ist in Frankreich gefallen im 1. Weltkrieg und ist auch mit der Bahn in Nachbar Ort gebracht worden und dort abgeholt worden.


    Liebe Grüße

    Celine

  • Hallo,

    es scheint doch kein so starres Regime gewesen zu sein, was der Verbleib der gefallenen Wehrmachtsangehörigen betraf. Hier und da gelang doch eine Beerdigung auf dem heimischen Friedhof.

    Selbst ist mir ein Fall untergekommen, wo ein Angehöriger des fliegenden Personals im April 45 seinen Verwundungen im hiesigen Reservelazarett(bei Magdeburg) erlag und der Leichnam nach Montabaur überführt wurde. Auch nicht gerade der kürzeste Weg.

    MfG Wirbelwind

  • Hallo,


    hier ein Führerbefehl vom November 1940, der eine Überführung gefallener oder verstorbener Wehrmachtangehöriger aus Operationsgebieten, besetzten Gebieten, dem Generalgouvernement oder dem neutralen Ausland einschließlich Dänemark in die Heimat verbot.


    Da die Reservelazarette (meist?) nicht in diesen Gebieten lagen, durften demnach in Reservelazaretten Verstorbene - wenn sie nicht bereits beerdigt waren - überführt werden.


    Viele Grüße

    Bernhard

  • Hallo Bernhard,


    interessantes Dokument, was Du hier ins Forum gestellt hast. Zu meinem geschilderten Fall ist noch zu ergänzen, dass zum Todeszeitpunkt des Betreffenden die Amerikaner sich fast schon am Stadtrand von Magdeburg befanden. Das betreffende Reservelazarett lag ca 14 km entfernt von diesem Standort. Wie es trotzdem gelungen ist, den Leichnam an die Heimatadresse zu überführen, ist mir nicht bekannt. Bin nur darauf gestoßen, als ich mir das Sterberegister angeschaut habe für diese Zeit. Bei dem Chaos in den letzten Kriegswochen wurden nicht mehr alle Befehle strikt befolgt und vielleicht hatten die Hinterbliebenen gute Beziehungen.


    MfG Wirbelwind