Waffentechnische Lehranstalt der SS in Dachau

  • Guten Tag,
    zu dieser Lehreinrichtung habe ich bisher im Forum keinen Hinweis gefunden, deswegen eröffne ich somit ein neues Thema.
    Bei den Anhängen (Quelle: BArchB) handelt es sich um einen Nachweis für die W.T.L.-SS in Dachau für 9.1944.
    Über Hinweise zu :
    Hstuf. Otto Arras
    Stubaf. Dr. Rumrich
    Hstuf. Dr. Müller

    würde ich mich freuen.
    Im Anhang WTL2 ist eine Ers. Abt. SS-V.D. für 10.1943 erwähnt. Um welche Einheit handelt es sich dabei ?
    Der SS-Angehörige war Jahrgang 1921 und von Berufkaufm. Angestellter.
    Beste Grüße, westermann

  • Guten Tag,
    im Anhang ein Nachweis (Quelle: BArchB SSO) für eine "SS-Waffenmeister-Lehrwerkstätte II" im SS-Lager Dachau. Evtl. war dies ein Vorläufer der WTL. ?
    Als technischer Leiter hat ein SS-Hstuf. Pietsch unterschrieben. Dabei dürfte es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Hans Pietsch (1908-1987) handeln. Hier seine Daten aus der WSS-Führerliste :


    Pietsch, Hans
    SS-Hstuf.
    * 25. 4.1908 in Leipzig ; + 5.3.1987
    SS-Nr. 222 177
    SS-Flak AuE.Rgt. 4.44
    Hstuf. Inst.Abt.10 1.44

  • Hallo zusammen,


    gerade durch Zufall wieder entdeckt...


    „…Spätestens ab 1938 existierte in Dachau eine Waffenmeisterlehrwerkstätte, in der Waffenmeisterkurse abgehalten wurden. Während des Krieges fand die Erweiterung zur „Waffentechnischen Lehranstalt Dachau“ statt, in der SS-Angehörige eine Ausbildung als „Technische Führer W“ erhielten…“

    (Hermann Kaienburg, Die Wirtschaft der SS, Metropol Verlag, 2003, S. 122, Anm. 18 Vgl. BDC Akte Karl Plötz)


    Über die Anfänge habe ich leider nicht viel finden können...


    Aus dem Merkblatt des SS-FHA, Waffeninspektion, für die Laufbahn des Waffenmeisterpersonals in der Waffen-SS vom 1.9.1941:



    Das Waffenmeisterpersonal der Waffen-SS setzt sich zusammen aus:



    I Waffenmeistergehilfen


    II technische Unterführer (W)


    III technischen Führern (W)


    Ihnen obliegt die Instandhaltung und Instandsetzung der Waffen und Geräte.



    Allgemeines:


    Aufnahmebedingungen: Eintrittszeiten und Dienstdauer gemäß Merkblatt für den Eintritt als Freiwilliger in die Waffen-SS, welches bei den SS-Ergänzungsstellen erhältlich ist.

    Für die unter I – III Genannten kommen nur solche Männer in Betracht, die das Zeugnis über die bestandene Industrie-Facharbeiterprüfung oder das Gesellenzeugnis einer Handwerkskammer oder Innung über die abgeschlossene praktische Lehrzeit vorlegen können als Mechaniker, Maschinenschlosser, Maschinenbauer, Werkzeugmacher, Werkzeugschlosser, Lehrenfeiler, Feinmechaniker oder Büchsenmacher. Bewerber, die in Industriebetrieben ihre Lehrzeit verbracht haben, erhalten den Vorzug.

    In dem Einstellungsgesuch ist der Wunsch zur Verwendung als Waffenmeistergehilfe besonders zum Ausdruck zu bringen.


    Dienstlaufbahn:


    I. Waffenmeistergehilfen:


    1 Jahr Frontdienst. Im letzten Vierteljahr dieses Jahres werden die Bewerber nachmittags in die Truppenwaffenmeisterei kommandiert, um ihre Eignung für spätere Verwendung im Waffenmeisterdienst zu erweisen.

    Zu Beginn des zweiten Dienstjahres werden die Geeigneten dauernd in die Waffenmeisterei als Gehilfen kommandiert und in einem besonderen Waffenmeistergehilfenlehrgang von 4 Monaten Dauer bei der Waffentechnischen Lehranstalt der SS München-Dachau weiter gebildet. Am Ende dieses Lehrganges findet eine Prüfung statt. Nach dem Ergebnis dieser Prüfung ist zu entscheiden:


    1.) Ob der Prüfling als Waffenmeistergehilfe bei der Truppe in Frage kommt, oder ob er für waffentechnische Dienste ungeeignet ist – ist er ungeeignet, tritt er in die Front zurück.

    2.) Ob der Prüfling für die Unterführerlaufbahn im waffentechnischen Dienst geeignet ist. Bei Eignung ist ein einjähriger Unterführerlehrgang bei der Waffentechnischen Lehranstalt der SS zu besuchen.


    Nach Abschluss des einjährigen Lehrganges auf der Waffentechnischen Lehranstalt der SS für die waffentechnische Führerlaufbahn geeignet befundene erhalten eine weitere 1 ¼ -jährige Ausbildung zum waffentechnischen Führer auf der Waffentechnischen Lehranstalt der SS.



    Die Teilnahme am Unterführer- oder Führerlehrgang setzt eine 12-jährige Dienstverpflichtung voraus.



    II. Erreichbare Dienstgrade als technische Unterführer (W):


    SS-Unterscharführer bis SS-Hauptscharführer


    In den letzten Jahren der 12-jährigen Dienstzeit wird der Besuch der Fachschulen für Verwaltung und Technik ermöglicht, an dessen Ende die Abschlußprüfung I (untere Laufbahn) oder die Abschlußprüfung II (mittlere gehobene Laufbahn) abgelegt werden kann.


    III. Waffentechnische Führer:


    Nach Beendigung des Waffenmeistergehilfen-Lehrganges und nach erfolgter 12-jähriger Dienstverpflichtung findet bei Eignung die Kommandierung zu einem waffentechnischen Lehrgang bei der Waffentechnischen Lehranstalt der SS statt, der den Lehrgängen bei einer höheren, technischen Lehranstalt entspricht. Die Ausbildung auf der Waffentechnischen Lehr-anstalt der SS dauert 2 ¼ Jahre.

    Diese Lehrgänge schließen mit der Prüfung zum techn. Führer (W) unter gleichzeitiger Ablegung der Ingenieurprüfung – Fachrichtung Maschinenbau.

    Ernennung zum waffentechnischen Führer und zum SS-Untersturmführer erfolgt infolgedessen nach einer Gesamtdienstzeit von 4 ½ bis 5 Jahren.


    Erreichbare Dienstgrade:


    SS-Untersturmführer bis SS-Obersturmbannführer


    Die technischen Führer W, die auf Grund einer früheren Waffenmeisterausbildung auf einer Heeres-Waffenmeisterschule die Abschlußprüfung II (Prüfung für den gehobenen techn .Revisions- und Abnahmedienst) noch nicht abgelegt haben oder auf Grund damaliger Verhältnisse noch nicht ablegen konnten, haben diese Prüfung auf der Waffentechnischen Lehranstalt der SS München – Dachau nachzuholen, um über die Dienststellung eines SS-Hauptsturmführers weiter aufrücken zu können.


    Fürsorge und Versorgung:


    Fürsorge und Versorgung der Angehörigen der Waffen-SS erfolgt entsprechend der Wehrmachtsversorgung nach dem SS-Fürsorge- und Versorgungsgesetzt. Nach der Entlassung aus der Waffen-SS kommt Übernahme in die Beamtenlaufbahn, insbesondere Polizei, Geheime Staatspolizei, Zoll usw. in Frage. Beim Erwerb einer Siedlung erfolgt weitgehenste finanzielle Unterstützung. 12-jährig Gediente erhalten den Zivilversorgungsschein.

    (Jörg-M. Hormann, Das Verordnungsblatt der Waffen-SS – Eine Auswahl, Fitsch-Form-Verlagsgesellschaft Hannover, 1980, S. 22-23)



    V.Bl.d.W.-SS, 2.Jahrgang, 1941, Nr. 17 vom 15.09.1941, Ziff. 360

    SS-Waffenmeisterschule München-Dachau: Die SS-Waffenmeisterschule München-Dachau führt ab 1.9.1941 die Bezeichnung: „Waffentechnische Lehranstalt der SS München – Dachau“

    (Jörg-M. Hormann, Das Verordnungsblatt der Waffen-SS – Eine Auswahl, Fitsch-Form-Verlagsgesellschaft Hannover, 1980)



    Die Lehrgänge bis 1943 sind weitgehend unbekannt, ab 1943 liegen dann ein paar Hinweise mehr vor...


    Die Schule bestand bis Ende des Krieges...


    Herzliche Grüße Roland

    Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel - man weiss nie, was man bekommt. Forrest Gump