Auseinandersetzung: Das Amt und die Vergangenheit

  • Hallo,


    über das Buch* der Kommission, welches sich mit dem Auswärtigen Amt in der NS-Zeit und den personellen Kontinuitäten in der BRD auseinandersetzt, gab es in der Vergangenheit vielfältige Auseinandersetzungen, sowohl auf politischer, medialer und auch wissenschaftlicher Ebene.


    * Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes, Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit: Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, 2010



    Basil hatte ja schon auf die Rezension bei hsoz hingewiesen: http://hsozkult.geschichte.hu-…de/rezensionen/2011-1-109


    Evtl. hat ja von Euch schon jemand das Buch gelesen und kann seinen persönlichen Eindruck wiedergeben. Danke dafür im Voraus.


    Anbei noch ein Artikel dazu aus der Tagespresse.


    Viele Grüße
    Steffen

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    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

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  • Hallo,


    Anbei noch ein Artikel. Demnach gab es eine gerichtliche Einigung des Verlages mit dem ehemaligen SS-Untersturmführers und AA-Mitarbeiters Felix Otto Gaerte, der seine SS-Zugehörigkeit hartnäckig abstreitet.


    Viele Grüße
    Steffen

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    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • Hallo miteinander,


    das Buch gibt es übrigens auch bei der Bundeszentrale für politische Bildung für 7 € zzgl. Porto.


    Herzliche Grüße
    Maikäfer

  • Hallo,


    ein paar Neuigkeiten zum Thema.


    Nach der Kritik am Buch über das Auswärtige Amt (Das Amt und die Vergangenheit: Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik, 2010) seitens eines renommierten dt. Historikers hat sich dieser Kritik mit Richard J. Evans nun auch ein renommierter britischer Kenner der NS-Historie angeschlossen.


    Der Bestseller "Das Amt" über das Auswärtige Amt und seine Rolle in der Nazi-Zeit hat einen erbitterten Streit ausgelöst. Mit Johannes Hürter vom renommierten Institut für Zeitgeschichte hat nun erstmals ein Kenner dieser Materie das Buch umfassend analysiert. Sein Urteil ist vernichtend.


    http://www.spiegel.de/politik/…and/0,1518,754558,00.html


    Der renommierte britische Historiker Richard J. Evans hat sich den Bestseller "Das Amt" vorgeknöpft. Er hält die Arbeit seiner Kollegen über die deutschen Diplomaten unter Hitler für mangelhaft - und wirft den Herausgebern des Buchs "Pflichtverletzung" vor.


    http://www.spiegel.de/politik/…and/0,1518,765349,00.html



    Nicht funktion. ersten Link ersetzt =). Kordula

    Edited once, last by Hoth ().

  • Ich gruesse Sie!


    Dass dieses Buch nur den Zweck verfolgen sollte das "Establishment" des AA aufzuwirbeln war klar. Fischer und seine Gefolgsleute ist dieses gelungen. Das ganze fing schon frueher im AA an, als Mitarbeitern mit einer angeblichen "NS-Vergangenheit" der ehrende Nachruf im behoerdeneigenen Mitarbeiterheft , "AA-Intern", verweigert wurde, bzw. die Praxis des Nachrufes mit dem Satz "ehrenden Gedenken" voellig unter Fischers Anweisung wegfiel.


    Dies war ein Bruch mit allen Traditionen des AA.


    Auf die Spitze wurde es sogar einmal getrieben, als einem Mitarbeiter der ehrende Nachruf verweigert werden sollte, weil er in der HJ gewesen sein soll, nichteinmal in der NSDAP.
    Besonders schaendlich ist die Tatsache, dass dies nur fuer Mitarbeiter (Beamte, Angestellte und Tarifbeschaftigte) gelten soll, nicht jedoch fuer die ehemaligen Minister und Staatssekretaere ! Wenn man weiss, dass z.B. BM Genscher einst in der NSDAP war, jedoch wg. dieser Regelung einen Nachruf erhalten wird, der sicherlich ein ehrendes Gedenken beinhalten wird, so ist das schon sehr verwunderlich. Dass hier mit zweierlei Maass gemessen wird hat viele veraergert.

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

  • Quote

    Original von suum cuique



    Dies war ein Bruch mit allen Traditionen des AA.


    Und das war auch gut so!
    Übrigens hat Fischer das Buch nicht geschrieben ;) Auch nicht beraten oder so....
    Nun warte ich nur noch auf das "Wessen Brot" ;)


    PS Geht es hier wieder einmal um Eure Politik, oder um Geschichte?


    Hier nochmal das Sachlusszitat aus dem Spiegelartikel von oben


    Quote

    Nach Evans Einlassungen dürfte es für die Kommission noch schwieriger sein, Kritik so einfach zurückzuweisen. Denn Evans begrüßt, dass die alte Legende von den sauberen Diplomaten angegangen wird. Jedoch: "Die Defizite und Übertreibungen des Buches machen es denen einfacher, die immer noch an diesen Mythos glauben."


    Die "Wahrheit" (dies es nat. so nicht gibt) wird - wie immer- irgendwo in der Mitte liegen!

    Glück Auf!
    "Basil"


    "Ich bin ein Egoist und kümmere mich nicht um andere?. Sogar behinderte Delphine kommen zu mir, um mit mir zu schwimmen" (Stromberg)

    Edited once, last by basil ().

  • Hallo!


    Wer insbesondere Hürters deutliche Kritik liest wird unschwer feststellen, daß hier nicht allein Sachkritik, sondern vor allem handwerkliche Fachkritik an den beteiligten Autoren geübt wurde, die selbst für einen unvoreingenommenen und neutralen Interessen unschwer erkennen läßt, daß es sich bei diesem Buch um eine Auftragsarbeit gehandelt hat, das in erster Linie die zu Fischers Amtszeiten vorgenommenen "Entnazifizierungsmaßnahmen" rechtfertigen und unterstützen soll und eine klare politische Zielsetzung und nicht die rein sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema an sich verfolgt.

  • Hallo Basil:
    Den Bruch zur Tradition, den Verstorbenen ein "ehrendes Andenken" zu erhalten als "und das war auch gut so" zu kommentieren kann ich nicht nachvollziehen.


    Aber evtl. reden wir nur aneinander vorbei.



    Fischer hat das Buch nicht geschrieben, ich vermute auch, dass er intellektuell dazu nicht faehig gewesen waere, er gehoert jedoch zu den Initiatoren der "Nachrufaktionsaffaere"

    Beste Grüße, Andreas


    "Die Würde des Menschen ist unantastbar". (Art.1GG)

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