282. Infanterie-Division

  • Mein Großvater wurde bei Kämpfen im August 1943 bei Charkow/Tschewtschenki tödlich verwundet. Er war damals in der 6. Kompanie Grenadier-Regiment 848 - Unterstellung 282. Infanterie-Division eingesetzt. Hat jemand weitere Infos dazu?


    Danke und Gruss, Jens

  • Hallo,


    zur 282. ID gibt es ein mehrbändiges Werk der Divisionsgeschichte. Hast Du ein genaues Datum?


    Grüße
    Thomas

  • Von dem mehrbändigen Werk habe ich auch schon gehoert. Mein Großvater ist am 16.08.43 bei Tschewtschenki am Kopf verwundet worden und zwei Tage spaeter im Lazarett in Dnjepropetrowsk gestorben. Gibt es Infos/Fotos zu diesen beiden Orten? Vielleicht auch Infos zu Gefechten in diesen Tagen?

  • Aus den Feldpostbriefen meines Onkels:
    den 04.09.1943
    Durch einen besonderen Umstand fährt ein Kamerad von uns nach Dnepropetrovsk um eine Sache zurückzuholen, die wir versehentlich zuviel dorthin gesandt haben. Zum Glück haben wir nämlich einen Teil der Geräte dorthin abgeben können, sodaß das tägliche Ein- und Ausladen und Auf- und Abbauen nicht mehr so umfangreich ist.
    Wir sind also im vollen Rückzug. Völlig geordnet, doch verhältnismäßig beschleunigt. Unser O-Leutnant legt die Sache so aus, daß der Kubanrückzug seinerzeit unfreiwillig, dieser freiwillig sei. Außerdem soll es zur Sicherung gegen Winterrückzüge sein. Gleichzeitig wurden dann einige Beförderungen und Kriegsverdienstkreuze verliehen. Viel wichtiger für die Stimmung sind allerdings Marketenderwaren (hauptsächlich Zigaretten und Alkohol) und Verpflegung, die im Rückzug meistens auch reichlich fließen.
    Im übrigen haben wir fast ununterbrochen zu …
    Nächtelang bin ich nicht mehr aus dem Zeug gekommen. Als wir z.B. abends um 24 Uhr in Artemovsk ankamen, habe ich gleich die Radiosonde aufgebaut und eine Meldung gemacht, Dienst dann bis zum nächsten Morgen um 9 Uhr. Kaum hatte ich mich etwas gewaschen, hieß es Gerät sortieren. Alles, was nicht so unbedingt erforderlich war, sollte per Bahn nach Dnepropetrovsk. Gegen Abend hieß es wieder Stellungswechsel. Zum Mittag- und Abendessen keine Zeit. Lediglich von den … zubereiteten Bratkartoffeln konnte in 10 freien, (d.h. gestohlenen Minuten) gegessen werden. Ich hatte zum Glück aufgrund der gänzlich schlaflosen Nacht etwa gegen 21 Uhr zu fahren über Konstantinowka hinaus). Ich kam daher schon um 24 Uhr am Bestimmungsort an. Lager auf dem Boden. Meine Decken nicht zu finden, dafür aber eine schöne, große Decke , die wohl R. (zur Zeit in Urlaub) gehört. Als es regnete, wachte ich einmal auf, schlief jedoch im allgemeinen gut. Die anderen Kameraden kamen erst gegen 4 Uhr an. Um 6 Uhr wurde aufgebaut, den Nachtdienst (also auf heute) übernahm ich. Nach kurzer Ruhe in 3 bis 4 Morgenstunden mußten die letzten 10 Radiosonden gesucht werden, die offenbar versehentlich nach Dnepropetrovsk gesandt wurden. Leider bin ich Geräteverwalter und gewissermaßen verantwortlich, wenn ich auch Benzinfässer aufgeladen habe, als die Dinger wahrscheinlich verladen wurden. Nun warten wir auf weiteren Stellungswechsel. Doch ist gestern ein Schwein geschlachtet worden und es gibt Schweinebraten.

  • In Band 3, ab S. 963 gibt es dazu einiges.


    Die russischen Angriff liefen seit 1.8.1843 (57. Armee). in wechselnden Kämpfen wurde die Front etwa bis zum 7.8.1943 zusamm gehalten.


    Am 9.8. wurde der Nordflügel und die Mitte der 282. ID unter Druck zurückgenommen. Die III./848 (damit wohl auch der Rest des 848) war hierbei in heftige Kämpfe verwickelt. Die Linie Werchnij-Ssaltoff - Rogatschewka wurde von der 282. ID gehalten. Vor der Front war eine russische Panzerbrigade eingesetzt, da ca. 30 Pz. und StuG gezählt worden waren. Das III./8484 wurde von zwei Seiten angegriffen, und verfügte über 2 5cm Pak, zur Unterstützung wurden zwei pzJKomp. der 320. ID angefordert. Ihr verspätetes Eintreffen hatte zur Folge, dass deie III./848 hohe Verluste erlitt und sich auf Wesseljoe zurückzog, dann weiter nach Russkije-Tischki. 6 Fahrzeuge der 1./sPzJAbt. 560 wurden in Marsch gesetzt, um weitere Unterstützung für die Division zu bringen.



    Weitere Angriffe am 9.8. abends führten bei Wessljoe zum Durchbruch, nun von etwa 50 russischen Panzern unterstützt. An diesem Tage wurden auch die Reg. 849 und 850 heftig angegriffen und zT versprengt. Der Rückzug des I./850 öffnete eine weiter Lücke in der Abwehrfront, so dass sich die II./848 (mit 6. Komp.) am 10.8. auf die Höhe 1,5 km südlich von Wesseljoe zurückziehen mußte. Da auf der anderern Flanke des 848 Petrowskoje angegriffen wurde, kam die gesamte Regimentsfront ins Wanken.


    Neben dem 848 versuchte am 11.8.1943 die Kampfgruppe Oberst Schmidt, I./849, I./113, StuG-Batt. der 393, ein Zug Hornissen, eine le. Flak-Batt. 2cm, ein Funktrupp, die Lücke zwischen 848 und 850 zu schließen.
    Die Bataillone der 848, 849 und 850 waren inzwischen auf 25-50 Mann Kampfstärke zusammengeschrumpft. Am 12.8. erfolgte der endgültige Durchbruch bei der 282. ID. Die eigene Artiellerie war wegen zahlreicher russischer Panzer ind der Panzerabwehr gebunden, die Infanterielinien wurden daher überrannt. Im Abschnitt 850 brach ein Panik aus, das Zurückweichen wurde aber gestoppt.


    Am 13.8. befand sich die 282. ID in der Linie Satischje-Saikin-Kulinitschi, rechts 849, vermutlich Mitte 848, links 850. Auch dieser Tag verging mit weiteren russischen Angriffen. Die Divisionsartillerie hatte abends noch 100 Granaten pro Batterie. "Die Verluste an Menschen waren ungeheuerlich." Am 14.8. richteten sich gegen die Divisionslinie 13 russische Angriffe, in der Masse rechts beim 849. Nachmittags wurde auch 850 auf der linken flanke angegriffen.


    Verluste bis zum 15.8.: das III./849 hatte an diesem Tag noch 23 Mann Verpflegungsstärke, der gesamten Division standen noch drei 7,5 und drei 5cm-Pak zur Verfügung, um 16.00 hatte die Artillerie noch 60 Schuss pro Batterie. Heftige Kämpfe tobten am 15.8. dann um Saikin in der Mitte, die russischen Kräfte waren nun im Zentrum und links am stärksten. Saikin ging nach schweren Kämpfen verloren. Die Division zog tagsüber 571 Mann aus den Versorgungskräften ab und stellte sie in die Regimenter. Vom 848 ist hier nicht mehr die Rede.

  • Fortsetzung des Feldpostbriefes vom 4.9.1943:


    Über die Kriegslage im Großen denken wir noch viel weniger nach als am Kuban. Ich sagte schon, daß ich von Artemovsk nach Konstantinowka … allein auf einem offenen LKW fuhr. Der Anblick der brennenden (früher einmal ganz nahen) Stadt Artemovsk war schaurig-schön, rings am Horizont der Feuerschein der brennenden Dörfer. In dieser absoluten Sinnlosigkeit besaß ich als lästiges Gepäck eine einzelne lose Flasche Sekt, nachdem Hauke und ich zwei weitere in Wassiljewka noch vertilgt hatten. Außerdem hatte ich Zeit, Durst und Hunger. Ich fand ein halbes, trockenes Brot (Brot ist seit Monaten so reichlich, daß es kein Verbrechen ist, irgendwo etwas zu nehmen.) und verzehrte so nach und nach den größten Teil der Sektflasche. So wurden die großen Gedanken verscheucht und es blieb eine schaurig-schöne Fahrt durch die Sternennacht.


    Traurig, teils erschütternd war der Anblick der abziehenden Russen, die alle restlos evakuiert wurden und Ernte und Garten in Stich lassen. Eine Frau saß in Artemosk einen Strumpf noch zu flicken. In der endlosen Reihe, die im Staube der Straße verschwand, humpelten Greise und beinlose Männer, gingen schwangere Frauen und Mütter von Kindern übersät. Nur wenige reiche Menschen hatten einen kümmerlichen Wagen, der von einer Kuh oder einem Pferd gezogen wurde. Die weitaus meisten zogen mit kleinen Handwagen fort, selbstgebaute, nicht runde Räder krochen über die Löcher und den Staub der Straße und schleuderte ihre geringe Habe – einige Tücher und einige Säcke mit Mehl, Getreide und etwas Mais - hin und her.
    … Die riesige Sonnenblumenernte, an der sie gerade Tag und Nacht gearbeitet haben, die wertvollen Kartoffeläcker und viel Mais blieb dort. Wir zogen etwas später aus. Noch am selben Abend wird alles in Flammen gestanden haben.

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