Entlausungsanlage (Ergänzungsvorschlag)

  • Hallo, Andreas,


    habe einen Bericht über eine Entlausungsanlage gefunden. Im LdW gibt es darüber noch nichts. Besteht Interesse an der Einfügung (als Beispiel)?


    Entweder unter:
    255. Infanterie-Division
    http://www.lexikon-der-wehrmac…riedivisionen/255ID-R.htm


    oder:
    Rückwärtige Dienste (Infanterie-Division) (Wehrmacht)
    unter
    3. Sanitätsdienste


    http://www.lexikon-der-wehrmac…ruckwartigeDinsteID-R.htm



    Oder:
    Verwundetenversorgung in der Wehrmacht
    http://www.lexikon-der-wehrmac…at/Sanitatsversorgung.htm
    unter
    Sanitätstruppe
    Division

    bei: Entlausungsstationen (wird von mir favorisiert)


    Es grüßt Margarete



    Bericht der San.-Komp. 1/255 vom 30.04.1942
    für den Divisionsarzt der 255. J.D.


    Erfahrungen über Entlausungs- und Badeanlagen


    Im Russlandfeldzug hat die Komp. im ganzen dreimal Gelegenheit gehabt, behelfsmässig Entlausungs- und Badeeinrichtungen selbst zu bauen.


    In Tretjakowo wurde eine vorhandene defekte Dampfmaschine instand gesetzt und zur Bereitung heissen Wassers verwandt. Das heisse Wasser wurde durch Rohre in einen Raum geleitet, in dem aufgefundene Blechkübel und zwei Metallbadewannen aufgestellt waren. Eine gleichfalls defekte Heizungsanlage in einem vorhandenem Entlausungsofen konnte instand gesetzt werden. Die Entlausung funktionierte tadellos, es konnten in 5 Wochen 1200 Entlausungen vorgenommen, und cirka 1500 Bäder verabfolgt werden.


    Eine zweite Entlausungs- und Badeanstalt hat sich die Komp. in Moshajsk selbst gebaut. Dort wurde ein Entlausungsofen behelfsmässig gebaut und mit vorgefundenen Badewannen eine Badeeinrichtung geschaffen. In den drei Wochen, in denen die Komp. in Moshajsk eingesetzt war, konnten etwa 200 Entlausungen vorgenommen, 700 Bäder verabfolgt werden. Ausserdem wurden schätzungsweise 1500 Decken entlaust.


    Die dritte Entlausungsmöglichkeit hat sich die Komp. in Bhf. Temkino gebaut. Auch hier wurde sowohl der Entlausungsofen wie auch die Badegelegenheit völlig neu geschaffen. Bisher sind in Bhf. Temkino 300 Entlausungen erfolgt.


    Die Erfahrung hat gezeigt, dass auch mit primitivsten Mitteln völlig zuverlässige Entlausungsmöglichkeiten geschaffen werden können. Die in den Entlausungsöfen erzielte Temperatur wurde dauernd durch ein Thermometer kontrolliert. Temperaturen zwischen 90 bis 100 Grad wurden ohne Ausnahme erzielt.


    ....…………………………………….Unterschrift nicht lesbar
    ....…………………………………….Oberstabsarzt und Komp.-Chef.






    San.-Komp. 2/255....……………………………………..O.U., den 30. April 1942.


    Erfahrungen über Entlausungs - und Badeanlagen.


    Eine vollständig ausgebaute Duschanlage wurde von der San.-Komp. 2/255 nach Instandsetzung im Waldlager Bobruisk und eine Badeanlage kombiniert mit einem Heissluftentlausungsofen in Tretjakowo in Betrieb genommen.


    Ausser Saunen waren in den meisten Dörfern keine sonstigen Bade- und Entlausungsanlagen vorhanden. Die Sauna ist zur Körperreinigung und als Badegelegenheit eine ausgezeichnete Einrichtung. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die regelmässige Benutzung der Saunen (nicht umgebaut) nicht läusefrei macht, auch wenn Decken, Zeltbahnen, Kleidung und sonstige Ausrüstungsgegenstände oben im heisseren Teil der Sauna aufgehängt werden. Meist ist die Temperatur nicht hoch genug (mindestens 60 Grad) und auch nicht gleichbleibend hoch, andererseits steht die Sauna beim Kompaniebaden u.s.w. nicht solange für die einzelnen Trupps zur Verfügung, dass mit Sicherheit die Läuse getötet werden. Soll entlaust werden, so muss genü-gend Zeit gelassen und regelmässig nachgefeuert werden. Selbst die in einer ordnungsgemässen Entlausungsanstalt durchgeführte Entlausung bringt nur kurze vorübergehende Erleichterung, wenn nicht restlos alle Leute der Einheit erfasst werden und wenn nach Durchführung der Entlausung wieder Unterkunft mit verlaustem Lagerstroh oder verlauste Bunker bezogen werden.


    Die Anlage behelfsmässiger Badeanlagen scheiterte, abgesehen von den jeweils nur kurzen Autenthalten am gleichen Ort, am Nichtvorhandensein eines genügend grossen Kessels zum Bereiten von heissem Wasser und von Rohren zum Zuleiten von Wasser oder von genügend Eimern zum Wassertragen, um den Kessel füllen zu können.


    Das Wasser ist immer knapp in den Ostgebieten, es muss also gespart werden, auch beim Waschen, Vollbäder sind ein Luxus. Zum Sparen kann zweckmässig ein Zerstäuber oder eine Luftschutzhandspritze verwendet werden. Eine richtige Wasserpumpe zum Hochpumpen an eine Deckenbrause wird, ebenso wie diese, in den wenigsten Fällen vorhanden und zu beschaffen sein. Auch an Leitungsrohren mit den dazugehörigen Kniestücken und Gummischläuchen (Gartenschläuchen) mangelt es immer. Zur Anlage einer primitiven behelfsmässigen Badeanlage ist notwendig:


    1. ein einfacher Waschkessel mit 60-80 Liter Inhalt,
    2. Ziegelsteine und Ofenrost oder Eisenstäbe,
    3. 1 Eimer und 1 Luftschutzhandspritze, mit der der Badende angespritzt wird.


    Die beim russischen Heer verwendeten Entlausungsvorrichtungen sind gut. Es wurde beobachtet:


    1. ein Entlausungsanhänger (bespannt und motorisiert) für Dampfbetrieb (die Schlangenrohre waren meist defekt),
    2. eine Heissluftentlausungskammer (ortsfest- soll aber auch auf Fahrzeugen vorhanden sein) mit abnehmbaren Kammerwänden und einfachster Heizung.
    Die beiden Entlausungsvorrichtungen hatten jedoch nur ein Fassungsvermögen von höchstens 6 Garnituren.


    3. die in beiliegender Skizze beschriebene Heissluftkammer hat sich sehr bewährt. Sie kann je nach dem Vorhandensein von Ofenrohren und Ziegelsteinen, sowie Blech verschieden gross gebaut werden. Nach 4-5 tägiger Arbeit kann sie in Betrieb genommen werden. Es können bequem Temperaturen bis 110 Grad erzeugt werden.


    Die von mir bis jetzt beobachteten Entlausungsmöglichkeiten (russischen) waren sämtliche beschädigt oder ganz zerstört. Teile derselben, z. B. Wände von Entlausungskammern, Teile der Feuerung wurden gewöhnlich in der nächstgelegenen Unterkunft verwertet.


    Die Entlausungsanlage war aber zerstört und konnte nicht mehr für die Allgemeinheit nutzbar gemacht werden. Aufgefundene Bade- und Entlausungsanstalten dürfen unter keinen Umständen zerstört oder „ausgeschlachtet“ werden.


    ....…………………………………….Dr. Fahrenholz (?)
    ....…………………………………….Oberstabsarzt u. Komp.-Chef.


    Quelle: NARA T315 R1782

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