Kapitulation der Heeresgruppe E

  • Gibt es genaue Berichte über die Kapitulation der Heeresgruppe E am 12./13.1945 in Schönau(heute Sostanj). Ich habe da Berichte von meinem Onkel, die ich so noch nirgends sonst wo gelesen habe. Ist das bekannt?

  • Hallo Theo,


    Zunächst: Herzlich willkommen hier im Forum!


    Es gibt in der Forschung einige Auseinandersetzungen mit dem Thema. Allen voran ist in diesem Zusammenhang wohl folgende Publikation zu nennen:


    Schmidt-Richberg, Erich: Der Endkampf auf dem Balkan. Die Operationen der Heeresgruppe E von Griechenland bis zu den Alpen, Heidelberg 1955.


    Die Berichte deines Onkels, sofern du bereit wärst sie mit uns zu teilen, würden hier aber natürlich trotzdem auf sehr interessierte Ohren stoßen.


    Beste Grüße,
    Isbjoern

    Immer auf der Suche nach allem zur 50. Infanterie-Division, insb. dem IR/GR 123 sowie dem XXII. Festungs-Infanterie-Bataillon 999 bzw. der Brigade Klotz/Clotz

  • Hallo,
    Ja ich bin beim Bearbeiten des Kriegstagebuches und div. Berichte meines Onkels darauf gestoßen, dass hier wenig bekannt ist. Ich kenn zwar das Buch von Schmidt-Richberg nicht. Aber ich habe mich nun so im Internet informiert, auch die Berichte von Roland Kaltenegger gelesen. Bei ihm steht z.B. dass Löhr wahrscheinlich nicht von den Engländern an Tito's ausgeliefert worden ist. Dem widerspricht mein Onkel(+1997). Also fragen kann ich ihn aber nicht mehr. Aber er schreibt, dass Löhr eine oder zwei Nächte in Völkermarkt/Ktn. bei einem Arzt untergebracht war in englischem Gewahrsam. Er hatte mit diesem Arzt auch brieflichem Kontakt. Mein Onkel war Truppenarzt und der persönliche Arzt von Löhr.
    Ich weiß noch nicht wie ich so Auszüge von meinem Memorystick herüberbringe und welcher Aufwand das ist. Es kommen auch sehr persönliche Sachen vor.
    Bsp.:...Löhr war sofort entschlossen, die Kapitulationsbedingungen streng einzuhalten. Während die Truppen durchrollten und hastig nach Kärnten strebeten, blieben wir und warteten. Es wurde Tito erwartet, das Schloss des Grafen Paschta vorbereitet. Pindor stellte die Verpflegung. Wir hatten noch lange genug an Vorräten. Es erschien aber niemand und wir warteten vergebens. Von den Bergen kamen lokale Partisanen, begrüßten uns mit deutschem Gruß, benahmen sich sehr anständig und hatten sichtlich Angst. Wir qwaren noch im Besitz unserer Waffen und das imponierte. Oberst Langer verhandelte mit den kleinen Leuten. Wir blieben in Alarmbereitschaft und erwarteten die Befehle. Löhr berief Offiziersversammlungen und stellte uns in Aussicht, dass uns jetzt die Gefangenschaft erwartet. Nachdem dies überall in Deutschland der Fall war, dünkte uns unser Schicksal nicht schlimmer, als das der anderen Truppenteile in der Heimat. Resseguier betonte sogar, dass die Gefangenschaft unter Tito lange nicht so scheußlich wäre, wie z.B. englische Kriegsgefangenschaft. Wir hatten das beruhigende Gefühl, dass wir mit Tito schon lange in Verhandlungen standen, dass dieser Fall schon besprochen wurde und dass wir unsere Verabreungen mit peinlicher Gewissenhaftigkeit eingehalten hatten. Nichtsdestoweniger waren wir recht schockiert. Als erste desertierten NSFO mit samt seiner Dienststelle. I c verschwand. Die gesamte GFP verschwand. Pindor überlegte lange, blieb aber. Leider verschwand Savade mit allen unseren Panzerspähwagen. Ein empfindlicher Verlust. L. wurde etwas unsicher. Ich sprach auf ihn ein und bat ihn doch den Befehl zum Abmarsch zu geben. Er erwiederte dazu sei es zu spät. In Ferlach stünden Toto-Truppen und der Weg nach Marburg sei nicht mehr gangbar. In Marburg selbst wären Bulgaren. . . . .usw.

  • Hallo Theo,


    Das liest sich natürlich äußerst interessant!


    Quote

    Ich weiß noch nicht wie ich so Auszüge von meinem Memorystick herüberbringe und welcher Aufwand das ist. Es kommen auch sehr persönliche Sachen vor.


    Ich verstehe deine Bedenken und ich wollte dich mit meiner Nachfrage keinesfalls unter Druck setzen. Ich freue natürlich umso mehr, solltest du uns dennoch an deinen Erkenntnissen (gerne auch um das Private gekürzt) teilhaben lassen wollen.


    Bei technischen Fragen/Problemen (->Memorystick) stehe ich ggf. natürlich gerne mit Rat zur Verfügung.


    Beste Grüße,
    Isbjoern


    Edit: Rechtschreibung

    Immer auf der Suche nach allem zur 50. Infanterie-Division, insb. dem IR/GR 123 sowie dem XXII. Festungs-Infanterie-Bataillon 999 bzw. der Brigade Klotz/Clotz

    Edited once, last by Isbjoern ().

  • Hallo Theo,


    danke für die sehr interessanten Informationen aus dieser kritischen Zeit.
    Würde gerne mehr davon lesen.
    Oberst Lange war Stopak (Panzerbekämpfung) bei der H.Gr. E, Major Oswald Ressèguier war Ia. in Vertretung.
    Löhr wurde in Jugoslawien am 26.02.1947 als Kriegsverbrecher verurteilt und exekutiert, Hauptanklage: die 10.000 Zivilistenopfer bei der Bombardierung von Belgrad und weiterhin die Sühnemassnahmen auf seinem Befehl im ganzen Balkan.


    In den Rollfilmen der NARA Nr. 184, 185 und 186 sind die Kriegstagebücher der H.Gr. E aus dem Ende 1944-Anfang 1945 enthalten. Sie sind sehr aufschlussreich.


    beste Grüsse


    Byron

  • Hallo zusammen,
    wollte größeres Word-Dokument anhängen, sagt mir aber ,dass zu groß wäre ca. 240kb
    Versuchs morgen eventuell nocheinmal
    Gute Nacht

  • Hallo Theo,


    Ich habe dir diesbezüglich eine private Nachricht geschickt. Eine mögliche Alternative wäre es im Zweifelsfall aber immer das Dokument einfach in zwei (kleinere) Dokumente aufzuteilen um so die erlaubte Maximalgröße nicht zu überschreiten.


    Beste Grüße,
    Isbjoern

    Immer auf der Suche nach allem zur 50. Infanterie-Division, insb. dem IR/GR 123 sowie dem XXII. Festungs-Infanterie-Bataillon 999 bzw. der Brigade Klotz/Clotz

  • Hallo zusammen, Also 2. Versuch!
    Ich stell das direkt mit Kopieren herein., da wo ich gestern zu Ende geschrieben hatte:
    . . . . . . Eben wollten wir uns in Marsch setzen, als zwei oder drei Burschen in Tito-Uniformen erschienen und uns ein kleines Zetterl brachten mit der Aufforderung, die Kapitulationsverhandlungen sofort in Letusch aufzunehmen.Als bevollmächtigter Verhandlungspartner wurde ein Oberstleutnant genannt. Letusch befand sich nicht weit von unserem Standort. Wir nahmen an, von dort sofort in Gefangensc haft abgeführt zu werden, und so war die Auswahl des Personals schwierig. Ich meldete mich freiwillig als Ordonanzoffizier, verabschiedete mich von Mally und bald fuhren wir los. Ich saß neben Löhr im ersten Wagen. Im zweiten Wagen fuhren Schmidt-Richberg und Vogl. Günther und der Schreiber vom Chef waren auch mit. Vor einem Gasthaus blieben wir stehen. Wir waren in Letusch. Bald erschien ein Bub von 16 oder 17 Jahren in knallrotem Hemd. Er stellte sich als Bataillonskommandant vor. Er log uns einen entsetzlichen Blödsinn vor. Nach etwa zwanzig Minuten kam ein etwa 20-järiger Jüngling in grasgrüner, funkelnagelneuer Uniform und stellte sich als Politkommissar und Generalleutnant vor. Er war der Verhandlungspartner. Ich musste mit aller Gewalt ein Lachen unterdrücken. So saßen der Generaloberst und Generalleutnant mit den beiden Buben zu Tisch und besprachen die Kapitulation. Es waren die alten Verhandlungsgrundlagen Titos.
    Freier Abzug. Ablieferung der Waffen und Fahrzeuge bis zur Grenze. Als Löhr die Zahl unserer Truppen erwähnte und Generalstabsfragen und O.Qu.-Fragen anschnitt, erschraken die beiden und lehnten weitere Verhandlungen ab. Sie seien nicht zuständig, sondern der Zonenstab IV, der aber in Schönstein liege. So machten wir uns wieder auf, nahmen uns für alle Fälle den grünen Kommissar mit, stießen wieder zu unseren Leuten und fuhren Richtung Schönstein. Dem Kommissar und Oberstleutnant war die Sache etwas unheimlich. Er fragte unentwegt, ob nicht etwa Ustascha in der Nähe sei und ob wir ihn sicher beschützen würden, wenn diese auftauchen würden. Vor Ustascha hatte er einen mächtigen Respekt. Es war die letzte via triuphalis. Löhr unter seinen Truppen! Wo immer wir auftauchten, wurde die Truppe zuversichtlich. Alles jubelte ihm zu. „Führ uns nach Hause, Vater Löhr“, riefen sie. „Gib uns Schießbefehl“, „Mach Ordnung“!
    Grenzenlos war das Vertrauen der Soldaten zu ihrem Heerführer, der sie von Südgriechenland ohne nennenswerte Verluste heraufgeführt hatte und alle Schwierigkeiten und noch so hoffnungslose Lagen, mit unglaublichem Geschick meisterte. An stehenden Kolonnen fuhren wir vorbei. Gerüchte tauchten auf, vorne würde geschossen. Die Partisanen hätten die Straße gesperrt und die Soldaten würden entwaffnet. Löhr beruhigte die Leute und erklärte, es müsse sich um Missverständnisse handeln, hatte er doch bindende Zusagen in der Tasche. Die Straße wurde schließlich ganz unbefahrbar. Die Kosaken des Generals Panwitz versperrten mit ihren Pferden die Fahrbahn und so mussten wir einige Kilometer zu Fuß gehen. Wieder wurden wir aufgehalten. Die Soldaten wiesen auf ihre schwere Flak, auf die Munition und verlangten stürmisch den Schießbefehl. Die Disziplin war mustergültig und friedensmäßig. Noch immer waren wir unbesiegt und ungebrochen und jederzeit einsatzfähig. In Schönstein war tatsächlich eine Sperre von den Titos aufgerichtet. Ein Kapitän zur See berichtete uns die Lage. Der Befehlshaber des 15. Korps sei gefangen abgeführt worden und die Truppe wurde entwaffnet. Es sah hier schon recht ungemütlich aus. Während Löhr nach Warmbad Schönstein geführt wurde, fuhren Vogl und ich zurück und berichteten Harhausen und Mally. Mit dem engeren Führungsstab fuhren wir dann nach Warmbad Schönstein nach. Wir kamen hier nicht weiter und die ersten Fluchtpläne entstanden hier. Langenfaß war ebenso wie ich entschlossen nicht in Gefangenschaft zu gehen. Auch Mally war zur Flucht schon bereit. Nur der engste Führungsstab weilte in Warmbad Schönstein. Mit vieler Mühe und mit Hilfe Mallys bekam ich meinen Sanka, Schramml schlug sich in abenteuerlicher Weise auch zu uns durch. Von unseren Leuten blieben wir getrennt und sahen sie nie wieder.Löhr hatte in Warmbad Schönstein mit einem jugoslawischen Oberstleutnant, einem Russen und mit einem Amerikaner zu verhandeln. Die Abmachungen Titos wurden nicht anerkannt und die Abmachungen in Letusch belächelt............
    also bis hiwerher vorerst!!!!!
    Bezüglich Ortsnamen habe ich recherchiert:
    Schloß Schönstein= Sostanj(mit jeweiligem Hatscheck über beiden S)
    Tüffer= Lasko (mit Hatschek überm S)


    Letusch= Letus (enenso)
    Frasslau= Braslovce (Ebenso über s und c)
    Schloß Heilenstein= Polzela (auch hier gibt es ein Schloß)



    Viel "Spaß" beim Lesen GT

  • Hallo,


    Über die erwähnte Offiziernamen folgendes:


    Oblt ......Vogel war Ord.Offz. z.b.V. im Löhrs Stab


    Oberst Joachim Haarhausen, 01.01.43-15.04.45 IIa.(Adjutant H.Gr. E)


    Major ......Mally, bis 17.09.43 Fü.der Kfz.Staffel , dann H.Qu.Meister


    Major Walter Langenfaß, ab 06.1944 Id. H.Gr. E


    ..... Schramml ist mir nicht bekannt

  • Hallo allerseits,


    Der Schramml, Obergefr. oder Feldwebel, war der Fahrer, des Sanka mit dem Mein Onkel unterwegs war. Dies war ein Citroen!!
    (Warum kein Opel???)
    Er schreibt aber auch immer wieder von einem weiteren Sanka, der bei der Rückkehr hinten nach fuhr. Muss ein größeres Fahrzeug gewesen sein, wo mind 2 Personen liegend transportiert werden konnten. Zudem war dann noch ein Anhänger dran, den er als den Enlausungsanhänger bezeichnet. Für diesen großen Sanka hatte er den Fahrer Dauth , Obgfr oder FW, aus Korneugurg b. Wien. Dieser Anhänger wurde ihm in Mitrovica gestohlen schreibt er. Übrigens, wie funktionierte ein Entlausungsanhänger ?(
    Braucht man da soviel an Geräten, oder ist da auch gleich eine Dusche eingebaut.
    Hätte sowas bei meinen früheren(vor 1990) 16-maligen Durchfahrten durch YU nach GR auch gebraucht, natürlich ohne Nissenkamm etc.
    Interessant sind für mich die einzelnen Rangbezeichnungen schon, weil m.O. die selten erwähnt, zumindest bei jenen Personen, die er meist um sich hatte. Ich werde demnächst noch was einstellen, denn 2-3 Tage fehlen ja noch.
    Schöne Grüße
    GT

  • Hallo Interessierte,


    Also was ein Entlausungsanhänger ist, bzw. wie der aussieht?
    Is auch nicht so wichtig!
    Ich erzähl euch wie es weiterging im Schloß Schönstein, nachder Sicht m.O.:
    Es ging alles recht schleppend vor sich und mir war es bald klar, dass überhaupt nicht verhandelt, sondern nur diktiert werden sollte. Die Verzögerung lag an unseren schwer bewaffneten Truppen. Löhr und Schmidt-Richberg hofften noch immer, im Verhandlungswege etwas zu erreichen, nicht einmal den Stab ließen sie uns nachkommen. In Schönstein wurde inzwischen weiter entwaffnet. Einige Buben führten dies durch. Auch Mädchen, in Uniform und mit Maschinenpistolen bewaffnet, beteiligten sich daran. Österreicher und Bayern wurden getrennt untergebracht. Man sah schon rotweißrote Armbinden und Kokarden. Im Kärntner Raum lag angeblich ein Bataillon der sagenhaften „Österreichischen Freiheitsarmee“, ein Polizeiregiment schloss sich diesem Verein in Lauffen an. Sonst habe ich nicht gehört, dass jemand den Werbungen gefolgt sei. Das Bataillon selbst bestand aus Deserteuren und Kriminellen, die sich einer großen Strafe entzogen. Im Gelände des Warmbader Sanatoriums wurde ein Gebäude als Offiziersgefangenenlager eingerichtet. Leute, die bei uns nichts mehr zu tun hatten, wie Hauptmann Steinmann und Hauptmann Wolf begaben sich dorthin, im Glauben, wie Soldaten behandelt zu werden, was in den ersten Tagen auch der Fall war. Mally hielt die Verbindung mit unserer, auf der Straße stehenden Truppe aufrecht. Warnstorff, Haller, Frey, Brendl schlugen sich in die Büsche und erreichten später auch Kärnten. Leider hatte Pindor reichlich Verpflegung und Schnaps. Einem alten Soldatenbrauch folgend blieben die Leute bei der Verpflegung und entflohen nicht. Sonst wären wohl mehr unserer Männer durchgekommen. Wir selbst lungerten auf einer Wiese vor unserer Unterkunft herum. Wir wurden schon scharf bewacht und konnten uns nur in unserem Gelände bewegen. Wir machten auch Gebrauch von dem Heilbad. Ich selbst wohnte mit Janota im Vorzimmer von Löhr und aß mit ihm. Bei jedem Frühstück redete ich ihm zu, zu verschwinden und die Truppe sich durchschlagen zu lassen, was ohne nennenswerte Verluste sehr leicht gegangen wäre. Wir waren bis zur letzten Minute noch stark genug um den ganzen Tito zum Teufel zu jagen. Leider wurde jetzt Löhr unsicher. Er zögerte und schwankte. Er schenkte Haarhausen zu viel an Gehör. Diesem schwebte eine theatralische Niederlage vor und er war zu bequem etwas zu riskieren. Lieber ging er zu Grunde. Morgens und abends war Löhr mit meinen Plänen einverstanden, tagsüber wurde er vom Chef und Haarhausen umgestimmt. Er endtäuschte die Truppe, die mit ihm durch Dick und Dünn gegangen wäre. Alles war zum Verschwinden vorbereitet, er aber entschloss sich im entscheidenden Augenblick anders. Er sagte immer, jede Kriegshandlung würde gegen das Völkerrecht sprechen und fürchtete, so ein Kriegsverbrecher zu werden. Das war er als O.B. Südost sowieso schon, nur konnte er es in seinem Gerechtigkeitssinn und im Bewusstsein seiner persönlichen Sauberkeit nicht glauben. Das ganze Verhalten, hinterlistig und gemein, wie wir es gewohnt waren, deutete aber darauf hin, dass man angesichts der Truppen freundlich sei, dass es den Jugoslawen aber in erster Linie um die Person Löhr’s ging. Dieser wollte es aber nicht wahrhaben. Hätte er sich damals gleich geopfert, hätten wir Zehntausende Soldaten gerettet. So überlegte und grübelte er und konnte nicht schlüssig werden. Er glaubte, es mit soldatischen Gegnern, wie in alten Zeiten, zu tun zu haben. Manchmal war auch er der Meinung, dass man mit ihm in Belgrad einen Schauprozess aufziehen würde. Schon um das schwindende Ansehen Titos zu stärken. Auch für diesen Fall war alles vorbereitet und wurde nichts vergessen. So vergehen die Tage in Hochspannung. Schon gibt es die ersten Offiziersselbstmorde und vereinzelt Auflösungserscheinungen. Der jugoslawische Stadtkommandant von Schönstein reißt Mally die Orden von der Brust. Das Bestialische dieser Menschen wurde nur durch die Angst vor unseren, noch immer in guter Disziplin dastehenden Truppen gezügelt. Eines Tages war der Zonenstab IV verschwunden! Grund: Es tauchte das Gerücht auf, die Ustascha sei in Anmarsch und ließe sich nicht entwaffnen! Das Gerücht genügte, dass der Zonenstab in schlotternder Angst nach Eisenkappl fuhr. Nun waren wir allein auf weiter Flur. Ein jugoslawischer Major verbot uns zwar, den Standort zu verlassen, aber schließlich brachten wir Löhr doch so weit, dass wir Richtung Bleiburg losfuhren.


    Vielleicht weiß wer anderes oder ergänzendes dazu


    Gruß
    GT

  • Hallo zusammen,
    Noch eine Fortsetzung:
    Nun waren wir allein auf weiter Flur. Ein jugoslawischer Major verbot uns zwar, den Standort zu verlassen, aber schließlich brachten wir Löhr doch so weit, dass wir Richtung Bleiburg losfuhren. Für alle Fälle besorgten wir uns einige Panzerspähwagen und einige Zwillingsflakgeschütze mit Kriegsmarine und fuhren hohnlachend an den verdutzten Posten vorbei. Nicht ein Schuss fiel. Das war bezeichnend für das Soldatentum der Titos. Wir fuhren nicht auf der Hauptstraße, sondern durch ein einsames Gebirge über Crna nach Poljana. Dort trafen wir auf Widerstand und man nahm uns die Panzerfahrzeuge weg. Wir hatten nur mehr unseren Marineschutz. Nach Bleiburg ließen sie uns nicht hinein, sondern wir wurden nach Feistritz am Nordhang des Petzen geleitet.
    Feistritz bestand nur aus einer Zollstation mit den enzsprechenden Beamtenunterkünften. In einer Beamtenwohnung wurden wir untergebracht. Löhr bezog ein Speisezimmer. Ich lag auf dem Boden in der Küche. Am Tisch lag noch ein angebissenes Butterbrot. Der ganze Hausstand war noch da. Alles wurde von den Bewohnern in wilder Flucht verlassen. Ein erschütterndes Bild! Ob es bei mir zu Hause auch so aussieht? In Feistritz wurden wir von unseren Truppen völlig abgetrennt und isoliert. Die Banditen benahmen sich auch dementsprechend ungenierter. Wir wurden von Berittenen scharf kontrolliert, unsere Abwehrkraft war nur gering. Kamen irgendwelche Kerle zum O.B., konnte ich sie nicht mehr anmelden. Sie stießen mich mit ihren MP’s auf die Seite und drangen glatt in sein Zimmer, die Zigarette im Mund, ein. Löhr glaubte nun doch nicht mehr daran, dass man mit ihm verhandeln wolle. Nun war aber alles zu spät.
    In Bleiburg standen englische Panzer. Der rührige Langenfass unterhandelte mit ihnen. Er unterhandelte mit allen und wäre fast von den Bulgaren, die sich hier ebenfalls herumtrieben, geschnappt worden. Zu guter Letzt fuhr er auf eine Mine und verletzte sich die Hand.
    In Feistritz verarztete ich ihn noch und Haarhausen verlieh ihm das Verwundetenabzeichen. Am 13.5. Nachmittag überstürzte sich alles. Kapitän zur See Huch meldete, dass die Marine zu den Waffen gegriffen habe und sich durchschlage und nicht mehr zu halten sei (vermutlich hat Huch den Befehl gegeben), gleichzeitig kam ein Funkspruch, dass sich eine Kolonne von LKW’s am Wege zu uns befände, um uns zu liquidieren und gleichzeitig meldete Langenfass, dass sich der englische Oberst bereit erklärt habe, uns in seinen Schutz nach Völkermarkt zu bringen. Sofort wurde schnellster Aufbruch unter ständiger Schussbereitschaft befohlen. Im selben Augenblick erlitt Oberst Haslauer einen Angina-pectoris-Anfall.
    Ich rannte zu ihm, versorgte ihn und legte ihn in meinen Sanka. Als ich zurückkam fuhr der Wagen mit Löhr eben davon. Auf meinem Platz saß Haarhausen. Ich wollte ahnungslos einsteigen, als mich Haarhausen anbrüllte, hier sei kein Platz mehr und ich sollte mich davon machen. So war Harhausen. Die ganze Zeit konnte ich Ordonanzoffizier spielen, als es hieß, wir seien unter englischem Schutz, wurde ich nicht mehr gebraucht. Ich eilte zu meinem Sanka und war wieder Arzt. . . . . .


    Viel "Spaß"(-lustig ist es ab jetzt nicht mehr-) beim Lesen
    GT

  • Prima Theo,


    mach nur weiter. Sowas kriegt man nicht in den Büchern zu lesen


    Kann man erfahren wer der Stabsarzt war?


    Byron

  • Hallo byron,
    Ich werde das machen! Aber wahrsch. nicht direkt.


    Vorerst ersuche ich um Geduld weil ich eine Woche nun außer Haus bin.
    Ich werede auch noch das Ende der Flucht schildern!
    Gruß GT

  • Hallo Gerhard Theo,
    ich kann mich Byron nur anschliessen, immer weiter...immer weiter...


    Quote

    Vorerst ersuche ich um Geduld weil ich eine Woche nun außer Haus bin.


    Keine Sorge, wir sind dann noch hier! =)


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • In Ordnung Gerhart Theo,


    Geduld ist eine Tugend ;)


    Ich mach mal aber eine Schätzung, so als Ratspiel:


    Gen.Arzt Dr. Dretteneberg oder Stabsarzt Dr. Heil ?


    Grüsse


    Byron

  • Hallo,
    Jetzt bin ich doch noch einmal da
    Ich wollte eigentlich kein Ratespiel machen aber von den genannten ists keiner. Wundert mich, dass es auch für Insider nicht leicht ist.


    Mein O. war beim Lw-Stab IV, Buckarest,in der Ukraine usw.,. Nikolajew, Poltawa, Sewastopol, Krim, Mariopol, Griechenland,-Saloniki, war ein Wiener. . .


    Also ich muß noch packen, denn eine Woche bin ich weg
    Ski heil
    GT

  • Hallo
    Ich finde diese Augenzeugenberichte von den letzten Kriegstagen sehr intressant. Besonders weil sie unverfälscht sind.


    byron Ich hab in meinen handschriftlichen Unterlagen einen
    Oberstleutnant Duensing. Was war er?
    Welche NARA-Rolle beschäftigt sich mit 1945?


    mfg Jan

    Wer sich den Gesetzen nicht fügen will, muss die Gegend verlassen, wo sie gelten. (Johann Wolfgang Goethe)

  • Servus Ian,


    Einen Obstlt. Duensing fand ich in meinen Archiven nicht. Ich fand aber einen 01. (Ord.Offz.beim Ia. des Militär-Befehlshabers Griechenland Gen.Ltn. Scheurlen ) : 01.12.43-20.01.44 Major Friedrich-Karl Dünensen


    Scheurlen wurde ab 15.09.1944 zum Militärbefehlshaber Mazedonien ernannt, das nach dem Abzug aus Griechenland.
    Es kann sein dass ich den Namen dieses Majors, der wahrscheinlich später zum Obstlt. befördert wurde, fallsch abgeschrieben habe, da die Liste mit den Offizieren des Stabes in einer für mich schwer zu lesender Schrifft im Kriegstagebuch stand. Leider konnten mich auch deutsche Freunde beim Enrziffern nicht viel helfen. Es kann also sein dass er "Duensing" und nicht "Dünensen" heisst.
    Es kann ebenfalls sein, dass er nicht der GR-Armee angehörte, sondern aus irgendeinem Stab Jugoslawiens kam, mir leider unbekannt.


    Ein sehr interessantes Kriegstagebuch dass sich mit den Kämpfen in Jugoslawien vom 10.44 bis zum 01.1945 sehr ausgiebig beschäftigt (1.013 Seiten) ist das des 91. Armeekorps [(Kdr. Gen.Ltn. Werner von Erdmannsdorff) NARA T 314 Roll 1.630].
    Das hat mir sehr geholfen.
    Für spätere Monate musst Du in den NARA-Listen vom Sturmpanzer.com nachschauen was es alles da gibt.


    http://www.sturmpanzer.com/Def…=5&tabid=611&item=2&sec=1


    beste Grüsse


    Byron

  • Hallo Theo,


    Entschuldige meine späte Antwort, aber leider war ich wie angekündigt kurze Zeit fernab von jeder Möglichkeit ins Internet zu gelangen.


    Auch ich folge deinen Ausführungen mit größtem Interesse und freue mich auf Fortsetzungen. Deine Rücksichtnahme auf allzu Privates in den Aufzeichnungen ist nur verständlich und wird hier im Forum sicherlich mehr als verstanden werden. Ich wünsche dir einen schönen Urlaub!


    Beste Grüße,
    Isbjoern


    Nachtrag: Missgeschick: Mein Beitrag war eigentlich als private Mitteilung an GerhardTheo gedacht. Da ich zuviele Forumsfenster auf einmal geöffnet habe, habe ich die Nachricht aber ungewollterweise als diesen Beitrag verfasst... Ich lasse das Gesagte dennoch hier stehen - jetzt will ich nur eventueller Verwirrung vorbeugen, falls der eine oder andere nicht ganz nachvollziehen kann worauf ich mit meinem Gesagten Bezug nehme.

    Immer auf der Suche nach allem zur 50. Infanterie-Division, insb. dem IR/GR 123 sowie dem XXII. Festungs-Infanterie-Bataillon 999 bzw. der Brigade Klotz/Clotz

    Edited once, last by Isbjoern ().