Kapitulation der Heeresgruppe E

  • Hallo Byron.
    Ja ich habe das schon auch gelesen!
    1.Die Frage ist nur ob beide Boote "Motorschaden" hatten oder nur eines
    2. Und muß man wegen Motorschadens ein Boote verlassen?
    3. Gibt es bei Motorschaden Verletzte und Schwerverletzte?


    Als langjähriger Skipper weiß ich schon, dass man das Boot nicht wegen eines Motorschadens verläßt, und erst wenn ein Boot sinkt und es verläßt gilt man als Schiffbrüchiger.
    Nach Hptm Pinkert waren 50 ehemalige deutsche Gefangene und ein Offizier(Schiffbrüchige)in Levitha und nahmen Verbindung auf.
    Was sind 50 ehemalige Gefangene auf einer englisch-italienisch besetzten Insel.


    Nach meinem Onkel, der das ja nur von den Offiziersbesprechungen im Stab weiß und nicht dabei war:
    Ein Schiff mit einem Bataillon wurde versenkt, das zweite erreichte Calino. Die Soldaten des gesunkenen Schiffes gingen in die Boote und arbeiteten sich mit ihren Verwundeten ohne Waffen als Schiffbrüchige weiter zur nächsten Insel, wo sie Rettung erhofften. So kamen sie nach Levitha. die dortige Besatzung erschrak, da sie ein deutsches Landungsmanöver vermuteten. Es kamen noch schnell herbeigerufene Fallschirmtruppen, und so gelangte die Insel in unseren Besitz.



    Aber was ist das alles gegen 11.3.11
    Schickst Du mir bitte die Bröschüre oder die Seiten diesbezügl. von Brand an meine mail?


    Grüße
    GT

  • Hallo,


    ich muss mich mal einmischen: so wie ich das lese haben doch nicht die 'Schiffbrüchigen' die Insel eingenommen sondern die Schiffbrüchigen sind, nach der Erläuterung des Schriftstellers, die 50 Gefangenen, die wohl auf der Insel waren. Die waren also wohl zuvor von den Engländern aufgegriffen worden. Wurde deshalb die Insel genommen, weil die Gefangenen befreit werden sollten?


    Oder worum geht es jetzt?


    Gruß
    Udo

    Literatur: Glückauf zum Untergang-Die Kriegstagebücher des Feldwebel Kurt Pfau / Mit der 60. Infanteriedivision von Danzig nach Stalingrad - Arthur Krügers Kindheit und Soldatenzeit 1937-1945 / Kohlenstaub und Wüstensand-Biografie eines Afrikakämpf.

  • Hallo Gerhard und Udo,


    die Story verlief wie folgt:


    Die etwa 50 deutsche Gefangenen sollten mit einem britischen Dampfer von der Insel Astypaläa nach Leros gebracht werden. Viele von ihnen waren verwundet und nach der Versenkung ihrer Schiffe, hatten sie als Schiffsbrüchige Zuflucht auf Astypaläa gefunden und von den Italienern interniert.
    Der britische Dampfer hatte unterwegs eine Panne und konnte seine Reise nach Leros nicht fortsetzen. Hier wird es in dem Bericht erwähnt:


    .....An Gefangenen wurden 9 Engländer , darunter 1 Offizier (der Kapitän des vor einigen Tagen mit den deutschen Gefangenen eingelaufenen Dampfers).


    Es is ist natürlich klar, dass die Brandenburger die Insel nicht besetzt haben um die Gefangenen zu befreien, das war ein Nebeneffekt.


    Gerhard, ich sende Dir eine mail


    Byron



  • Hallo Udalerich und byron, schönen Sonntag!


    Es geht mir darum, ob mein Onkel solche Dinge erfunden hat oder von Löhr falsch informiert wurde! Mir ist schon klar, dass man solche Schilderungen mit einer ent-euphorisierenden Brille lesen muß und auf die Fakten begrenzen sollte. Ich muß dann auch annehmen, dass andere Aufzeichnungen ebenso nicht den tatsächlichen Fakten entsprechen. Wie z.B.:
    17.11. Wie eine Bombe kommt am Morgen die Nachricht, dass Leros kapituliert hat. Eine ungeheurig schneidige Tat. Eine beispiellose Blamage für die Engländer! Unsere Fallschirmjäger sprangen zufällig in das englische Hauptquartier und fingen den Befehlshaber der Insel, einen englischen General, sowie einen italienischen Admiral. 700 Leute sind gelandet und nahmen ohne schwere Waffen 3000 Engländer und 5000 Italiener gefangen! Sie erbeuteten dazu 40 Geschütze und weiteres großes Kriegsmaterial. All dies mit verhältnismäßig wenig Luftwaffe und ohne Kriegsmarine, gegen die überlegene englische Kriegsflotte. das ist Löhr! Noch nie ging ihm auch eine noch so hoffnungslos ausschauende Sache schief. Sicher wird sein Name nicht genannt werden. Am Abend geht eine Sondermeldung durch. Müller wird genannt, obwohl er in Calino saß und erst nach Leros kam, als es schon genommen war. Müller sträubte sich, Leros überhaupt anzugehen. Er hatte schon bei Kos Bedenken. Wäre es schief gegangen, sö wäre allerdings Löhr schuld gewesen. Am Abend findet ein Uffz.-Abend beim V.O.statt. der OB ist anwesend. 15 Offiziere sind dazu eingeladen. Löhr sitzt mit der Stabshelferführerin Gutenbrunner und dem Spieß an einem Tisch. Nach einigen mäßigen Darbietungen wird getanzt, obwohl das Tanzen verboten ist. Man hat L. überrumpelt und ihn gar nicht gefragt. Da der Chef und alle anderen Offiziere tanzten, musste ich als Letzter auch das Tanzbein schwingen. Löhr sagte zu Grampe: "Sehen sie, der A. tanzt auch!" Um 12 Uhr verdrücke ich mich, es gibt bereits die ersten Betrunkenen, ein widerlicher Anblick. Im Übrigen wurden 2 Pistolen, 6 Tischtücher, die Hälfte des Bestecks und 110 Gläser gestohlen. Zudem versuchte man in dieser Nacht, in der in der Nähe gelegenen Marketenderei einzubrechen. 18.11. Überall liegen heute englisch-amerikanische Flugblätter herum. Kein Mensch hatte in der vergangenen Nacht einen Anflug von feindlichen Flugzeugen bemerkt. Weichs sandte ein langes Gratulationsschreiben an L., anlässlich der Eroberung Leros'. Vom Führer kam ebenfalls ein Gratulationsschreiben an das Luftwaffenkommando SO, an die Kampfgruppe Müller, an das Regiment Brandenburg, sowie an alle bei Leros beteiligten Kommandostellen, nur nicht an die Heeresgruppe E. Am Abend mit Hubert, Mally, Haller und Prem bei Jestrabek. Es ist kaum möglich, das alles zu essen, was dort geboten wird. 19.11. Noch immer anhaltendes Regenwetter. Ikaria, Patmos und Lissa (Adria) werden heute besetzt. 20.11. Am 25. soll das Unternehmen gegen Samos losgehen, der letzten Insel in der Ägäis, die noch in Feindeshand sind.


    Stimmen die wichtigen Fakten mit euren Unterlagen überein?


    Schöne Grüße
    GT

  • Hallo byron,


    Danke für die Zusendung dieser beiden Dokumente(Brand, Müller).
    Ich habe nun einige Vergleiche anstellen können. Grundsätzlich konnte ich Übereinstimmungen finden. Bezüglich der Einnahme (18.10.43)von Levitha, dass vor den Brandenburgern bereits Schiffbrüchige die Insel eingenommen hätten allerdings so nicht. Ich denke, die Aufzeichnungen meines Onkels, der Truppenarzt, der persönliche Arzt von Löhr und beim Rückmarsch ab Mitrovica (nach Abgang Putkammers) auch zum Adjutant befohlen war, ist auch nicht wie ein Logbuch zu lesen, obwohl auch viele Details in zeitlichem Bezug dargestellt wurden.
    Aufgefallen ist mir aber, dass kaum bis überhaupt nicht die Befehlsgeber vorkommen.


    Schonen Gruß
    GT


    beigefügt: Gedicht eines Bayern aus der "Wacht im Südosten"

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  • Hallo Gerhard,


    Ich glaube der Onkel hatte weniges da oben im Stab der Hgr. E vom Geschehen erfahren. Es waren nicht nur 700 Fallschirmjäger die Leros besetzten. Hier ein Paar Zeilen aus meinem Buch zur Klärung:


    Mit der Rückeroberung der Dodekanes Inseln und insbesondere der gutbefestigten Insel Leros wurde General Müller, der Kdr. der 22. Inf.Div. am 24. September 1943 beauftragt.
    Von der 22. Inf.Div. gehörten seiner Kampfgruppe folgende Einheiten:
    II./ 16 (Major Aschoff), II./ 65 (Major Sylvester von Saldern), 2./ Pi.Btl. 22 (Oblt. Terslegen), 2./ Fla 22 (Oblt. Wirtwein), 3./ A.R. 22 (Oblt. von Metzsch), mit Leichtgeschützten und die 4./ A.R. 22 (Oblt. Heider) mit Geb.Kp. 15.
    Am 1.10.1943 wurden die zur Kampfgruppe gehörenden Teile der 22. Inf.Div. in Kreta verladen, das II./16 und der Stab der Kampfgruppe in Iraklion in den Transportern „Citta di Savonna“ sowie F 336, F 338 eskortiert von UJ-2109 und das II./65 mit Flak, Artillerie und Pionieren in Suda in die Transporter „Katherine Schiaffino“, „Karin“, „Trapani“, F 123, F 129, F 308, F 370, F 496 und F 532, eskortiert von UJ-2101 und UJ-2102.
    Außerdem unterstanden dem General Müller: I. /Fallsch.jäger-Rgt. 2. unter Hptm. Martin Kühne, zwei Kpn. des Regiments z.b.V. Brandenburg. (die 1./Küstenjäger-Kp. unter Hptm. Armin Kuhlmann, und eine Fallschirmjäger-Kp. 15./ Jäger-Rgt. 4. Brandenburg), die Pi.Land. Kp. 780 unter Oblt. Josef Bunte, das III. Btl. / G.R. 440 unter Hptm. Dörr, das III. Btl./Rgt. 1 Brandenburg unter Hptm. Gustav Froböse und das II. Btl./Lw.Jäg.Rgts. 22.


    Was die Luftwaffe betrifft, die hatte in diesem Kriegstheater die totale Überlegenheit . So war ihre Teilnahme:
    Gegen die Inselfestung Leros wurden in der Zeit 26.09.43-11.11.43 984 Flugzeuge eingesetzt. Der Jagdfliegereinsatz umfasste 161 Flugzeuge. Folgende Lw-Einheiten wurden eingesetzt: Eins.Staffel KG 100, II./KG 100, III. u. IV./JG 27, 11./ZG 26, II./KG 51, 13./St.G. 151, I. u. II./St.G. 3, Chef-A.W.-Gruppe, 3./LG I. , III./LG 1, und II./KG 6 bekämpfte erfolgreich die britische Flotte und bombardierte Landziele. Sie hatte die totale Luftherrschaft. Den Transport der Fallschirmjäger übernahmen die Staffeln 2. u. 6./TG 4 und Teile der 1./TG 2 und Teile II./TG 2. Es waren noch dabei 2./SAGr. 125, und Stab mit 1. 2. 3. u. 4./ SAGr. 126.


    Es wundert mich dass Löhr seinen Arzt über das Ganze nicht informierte. In den Kriegstagebüchern der Heeresgruppe E steht alles drin, er wusste also über alles genau Bescheid.


    besten Gruss


    Byron


  • Hallo Byron,


    Ich möchte deine Unterlagen nicht in Frage stellen, ich glaube dass für jede Einheit, die dabei war das so stimmt.
    Ich habe auch schon einmal zitiert bezügl. Leros 8.11. über die Gratulationsschreiben des Führers: "An LWkommando SO, an die Kampfgr. Müller, das Regiment Brandenburg, sowie alle Kommandostellen, nur nicht an die Heeresgruppe E"!
    Grundsätzlich glaube ich aber schon, dass mein Onkel mehr erfahren hat als er notiert, bzw. geschrieben hat!


    zu 1) Mein Onkel hat sein KB so geschrieben wie er es erlebt und erfahren hat. Warum sollte Löhr mit seinem Arzt über detaillierte Kriegshandlungen sprechen oder diskutieren. Das war sicher nicht so, sonst währe er auch militärischer Geheimnisträger gewesen.


    zu 2) Meinst du damit, dass in den Kriegstagebüchern der Heeresgruppe E drinnen steht, dass mein Onkel, informiert von Löhr, über die genauen militärischen Vorgänge Bescheid wusste? afto einai ena asteio;

    Zu 3) bezügl. Müller kann ich hier lesen: [I]22.November 1943 Um 1/2 10 Uhr höre ich in Arsakli, dass Müller schon wieder Schwierigkeiten macht und die Aktion gegen Samos nicht unternehmen wil
    l. . usw und etwas später. . . . . .
    Zu Mittag kommt die Meldung, dass Samos kapituliert hat. Kampfhandlungen fanden anscheinend nicht statt. Nun heißt es die Insel zu versorgen



    Schönen Gruß
    GT

  • Hallo Gerhard,


    Meine Bemerkungen und Erläuterungen beziehen sich auf die Behauptung des Onkels, dass Leros von 700 Fallschirmjägern erobert wurde, das war eben nicht richtig.
    Die Briten haben tapfer gekämpft, konnten aber dem enormen Druck der Luftwaffe nicht standhalten.
    Was die Kriegstagebücher der H.Gr. E betrifft, gemeint ist dass Löhr über alle Vorgänge Bescheid wusste (eine selbstverständliche Sache). Nach dem deutschen Sieg bestand doch kein Grund mehr zur Geheimhaltung, alles stand sowieso in den deutschen Zeitungen und UFA hat auch Berichte gemacht.
    Dein Onkel wird nur in der Offizierstellenbesetzung der Heeresgruppe genannt, sonst nicht, wärµ wirklich ein Witz (±Ãĵ¯¿) was anderes zu behaupten.


    Die Kämpfe von Leros werden im Buch von Antony Rogers "Churchill`s Folly, Leros and the Aegean" beshrieben, ein sehr gutes Buch.
    Samos hat nach schwerer Bombardierung durch die Stukas des St.G.3 kapituliert. Mir sind Schwierigkeiten seitens Gen. Müller nicht bekannt.


    Alles was im Dodekanes-Bereich geschah (Sturmdivision Rhodos), vom 03.1943 bis zum Ende (Kapitulation) sind in 6 Kriegstagebüchern der NARA zu erfahren.


    beste Grüsse


    Byron

  • Hallo Byron, Hallo sonst noch Interessierte!
    Ich stelle auf Wunsch aus dem Kriegstagebuch von Dr. Paul Absolon folgende Seite ein, in welcher etliches Personal des Stabes vorkommt.: 31.12.1943 Der Silvesterabend im O.Qu.Kasino in der Königin Olga-Straße, angeblich dem Geburtshaus Aslans, führte uns hinüber in das schicksalshafte Jahr 1944. Oberst Wahl, der Nachfolger des sehr umstrittenen Obersten Kapher, ist jetzt Hausherr. Ihm zur Seite stehen ausgezeichnete Offiziere, wie Obltn. Feseler und Obltn. Schoof. Alles ist guter Dinge. Sekt und Wein fließen. Reden werden gehalten. Taumeln wirklich alle ahnungslos in ihr Schicksal oder betäubt man sich, um das Kommende aus den Gedanken zu vertreiben? Tatsächlich leben die meisten Stabsangehörigen gedankenlos dahin. Der O.B. ist eiskalt. Leidenschaftslos und sachlich trifft er Anordnungen für alle Eventualitäten. Der Chef des Stabes ist ständig depressiv, es ist Generalleutnant Schmidt-Richberg. Persönlich anständig, von ungeheurem Fleiß, strahlte er keineswegs starke Persönlichkeitswerte aus wie etwa Korten. Ob er seinen Anforderungen wirklich gewachsen ist, lässt sich schwer beurteilen. Er war lange Zeit am Wolochow, hat viel erlebt, scheint abgekämpft und müde. Ia ist Oberstleutnant Leyher, Ic Oberstleutnant Warnsdorf, ein hübscher junger Mann mit 29 Jahren, Generalstäbler, Schlesier und intelligent. Ob er in diesen jungen Jahren allen Aufgaben gewachsen sein wird, mag die Zukunft weisen. Abwehroffizier war Oberstleutnant Hammer, ein Vollpreuße, durch und durch Hohenzoller. Er ging mit Stock und kopierte sichtlich Friedrich den Großen. Er war Sinnbild der Korrektheit, hatte in jeder Situation Haltung und verlangte das auch von anderen. Im Übrigen ein gutherziger Mensch. Trotzdem versagte der deutsche Abwehrdienst auf allen Linien. Der Deutsche kann nicht schweigen. Weder dem russischen noch dem englischen Abwehrdienst waren die deutschen Dienststellen gewachsen. IIa war Oberst Haarhausen, kein erfreuliches Persönlichkeitsbild. Sehr gute Erscheinung, nicht besonders intelligent, Alkoholiker, anspruchsvoll und im Grunde verweichlicht. Er war der Nachfolger Oberst Grampes. Den Dienst versah sein Ordonnanzoffizier, Obltn. Haller aus Wien. Selbst sehr sensibel, aber sicher überintelligent, vielfach kränklich mit psychogenen Überlagerungen. Im Übrigen ein ausgezeichneter Poet, Lyriker. Er hatte eigentlich IIa zu führen. Wie er das aushalten konnte, ist unverständlich. Alle schwierigen Befehle und Verfügungen musste er ausarbeiten und unangenehme Personalpolitik betreiben. Bei Ia waren ausgezeichnete Offiziere, so der ostpreußische Maler Hptm. Frey, Obltn. Zach, ein Wiener, der später abgeschossen und bei Skopije beerdigt wurde. Die Seele von Ic war der Wiener, OLtn. Waldheim, Jurist, eigentlich aus Wördern gebürtig. Er war der einzige Offizier mit gelben Spiegeln, also Angehöriger der Kavallerie. Eine besondere Erscheinung stellte der einäugige Obltn. Spittäler aus Weiz in der Steiermark dar. Schon im I. Weltkrieg war er mit dem Leopoldsorden ausgezeichnet. Im 2.Krieg errang er sich in Kürze das Ritterkreuz. Er war Kommandant der Insel Kephalonia. Er wurde aber von dort versetzt, weil er sich im Rausch zu abfälligen Äußerungen über den Führer hinreißen ließ. So sagte es die Fama, selber sprach er nie darüber. Gegen ihn schwebte ein kriegsgerichtliches Verfahren, das aber nicht zur Durchführung kam, da er mit einer Ju abgeschossen wurde. Sein Nachfolger war der harmlose Obstltn. Franz. Die von Spittäler geplante Errichtung einer Waffenschule unterblieb. Franz leitete nur die sogenannte Führerreserve. Oberstintendant Götze war der Chefintendant Griechenlands, also der IVa. Ich hatte viel mit ihm zu tun. In seinen Stab gehörte Minsinger, ein Gumpendorfer, dem der Stab manches zu danken hatte. Kommandant H.QUO war Bäckermeister Mally aus Neunkirchen. Er wurde später Major. Er war schon im 1. Krieg Offizier. Pindor führte als Nachfolger Jestrabeks die so wichtigen Geschäfte eines Verpflegungsoffiziers. Er hatte sich einen landwirtschaftlichen Betrieb eingerichtet, fütterte mehr als 100 Schweine, Hühner, Gänse, Truthühner und auch Kühe. Obltn. Schmatz war Ordonanzoffizier von Mally. Später wurde er nach Belgrad versetzt. Er ist in der Herzegowina gefallen.


    Ich denke es ist nun einiges geschrieben, was nicht unbedingt so bekannt war.


    Schönen Gruß
    GT

  • Hallo Gerhard,


    Sehr interessant alles was Du gepostet hast, insbesondere die Kritik über jeden Einzelnen. All die bringt uns ein neues Licht aus einer Primäquelle.


    Sollte es noch mehr davon geben, würde ich es sehr gerne erfahren. Auch neues Photomaterial?
    Im Anhang das Soldatenheim von Saloniki, eins aus mehreren.


    Gruss


    Byron

  • Hallo Gerhard,


    Es würde Dich vielleicht interessieren zu erfahren dass die Heeresgruppe E in einem Vorort von Saloniki stationiert war, Namens damals "Arsakli" und heute "Panorama". Es liegt etwa 12 km ausserhalb der Stadt in einer Höhe von etwa 250 meter über den Meeresspiegel, von einem Pinienwald umgeben.
    Der Gebäudekomplex gehörte der amerikanischen Schule (american college). Da wurde ein grosser unterirdischer Luftschutzkeller gebaut mit sehr langen Gängen, die angeblich bis zum Hafen führten. Den kann man auch heute besuchen, er ist aber aus Sicherheitsgründen nur teils betretbar.


    Die ersten Bilder sind vom 09.04.1941 als die 2. Panzerdivision die Stadt besetzte.


    http://www.youtube.com/watch?v…s&feature=player_embedded


    Byron

  • Hallo zusammen,


    ich finde es einfach nur spannend, die Tagebücher nachzulesen.
    Aber ich möchte noch einmal auf das Eingangsthema Kapitulation Heeresgruppe E zurückkommen.
    Löhr war ja da auch OB Südost und in Agram stationiert. Somit war er doch auch für die 'Abwicklung' bei der Luftwaffe zuständig?
    Mein Vater war zu der Zeit bei der Fliegerhorst-Kommandantur in Agram. Hat die Lw auch versucht, noch nach Kärnten zu kommen? Von meinem Vater ist überliefert, dass er später in russischer Gefangenschaft war.
    Gruß
    Udo

    Literatur: Glückauf zum Untergang-Die Kriegstagebücher des Feldwebel Kurt Pfau / Mit der 60. Infanteriedivision von Danzig nach Stalingrad - Arthur Krügers Kindheit und Soldatenzeit 1937-1945 / Kohlenstaub und Wüstensand-Biografie eines Afrikakämpf.


  • Hallo Byron,
    Konmme gerade aus Lykien zurück!


    zu 1) Das war mir schon in den 70-ern bekannt. Ich war damals mit einem gr. Freund und dessen Eltern in Panorama(Arsakli) zum Essen eingeladen. Die Eltern wurden 1922 "getauscht", wie es so schön heisst. Jetzt sagt man "beide Volksgruppen gingen wieder in ihre Heimatländer zurück!
    Aber das ist eine andere Geschichte, Leider verbreitet man die immer noch(März 2011)! Genauso:"Als die letzten Christen(sprich Griechen) ihre Häuser verließen(sprich verjagt wurden), übernahmen die Neuangekommenen(Turkvölker) ihre Häuser.
    zu 2) Von einem Luftschutzkeller mit langem unterirdischen Gang hat mein Onkel nichts gschrieben! Allerdings manchmal: "Wir gingen in die Keller"Auch schrieb er öfter vom "Felsenbunker in Asvestochorion" am Chortiatis. Ich war einmal dort in den 70-ern, habe ihn aber nicht gefunden!
    zu 3) Stelle ein Fragment einer Zeitung vom Jahre 1941. Damals wurde meines Wissens nach aber Arsakli noch nicht bezogen.


    Beste Grüße
    GerhardTheo

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  • Hallo Udo,
    ich zitiere mal aus dem Tagebuch m. Onkels, was ich so über Agram finde. Ich schätze eine Luftwaffe hatte es zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gegeben, obwohl der "Führer" noch eingeflogen wurde und auch Löhr noch nach Graz-Thalerhof zu Kesselring flog und auch wieder zurückkam:


    ... Allmählich konzentrierten sich die feindlichen Fliegerangriffe auch auf kleine Ortschaften der Strecke Brod – Agram. Tiefflieger kamen schon lange täglich und strichen die Strecke ab. Der Zugsverkehr war unter den schwierigsten Umständen aufrechtzuerhalten. Novska Gradiska wurde bei Tag und Nacht schwer bombardiert. Endlich kamen auch wir dran. Fast täglich wurde zuerst das Bahnhofsgelände und schließlich auch die Stadt angegriffen. Ich war der einzige Wehrmachtsarzt und hatte recht schwere Stunden. Während des Angriffs war ich in unserem Keller. Kaum waren die ersten Bomben detoniert, als schon von allen Seiten bleiche Soldaten herbeiliefen und meist übertriebene Zahlen von Toten und Verwundeten nannten und Hilfe anforderten. Ich hatte aber nur einen Sankar und nun war die Organisation nicht immer leicht, zumal es nicht nur bei einem Angriff blieb. So hatte ich täglich nach jedem Angriff reichlich zu tun. Von H.Qu. wurde niemand verletzt, obwohl die Bomben vielfach in unser Gelände fielen. Ich hatte bei mir auch keine Fensterscheiben mehr, die Garage war getroffen und die Zeiten wurden ungemütlich. In diesem Stadium traf die Nachricht ein, dass H-Gr. F endlich aufgelöst sei und dass wir jetzt O.B. Südost geworden seien. Die ersten Kolonnen waren schon nach Agram abgereist. Ich gehörte zu den Letzten. Bei Tag zu fahren, war wegen der immer mehr zunehmenden Tiefflieger ganz unmöglich geworden. Die es versuchten, hatten mit Ausfällen zu rechnen. Der Adjutant des Nafü, Hauptmann Böverferde fuhr in einem Volkskübel, erhielt einen Oberschenkelschuss rechts und verblutete. Ich fuhr mit Savade an einem Apriltag. Unterwegs hatten wir einen verwundeten Kraftfahrer durch Partisanenbeschuß. Sonst kamen wir ganz gut an, wenngleich die Gegend gar nicht mehr geheuer war. Um Mitternacht trafen wir in Agram ein. Ich übernachtete im Ordinationszimmer meines künftigen Reviers, des ehemaligen Reviers von H.-Gr. F. Das Gebäude war die Rockefellerstiftung. Ein modern ausgestaltetes Institut. Im Revier fanden sich alle klinischen Annehmlichkeiten. Es herrschten chaotische Zustände. Heeresgruppe F war in Auflösung begriffen. Es wurde übergeben, intrigiert und Personalpolitik getrieben. Niemand wollte von Agram weg. Es gab bisher keine ernsthaften Fliegerangriffe auf die Stadt. Die Verpflegung und auch Alkohol war reichlich und gut. Die Unterbringung fürstlich. Dass es einmal anders werden könnte, daran dachten die Wenigsten. Auch Jestrabek setzte alle Hebel in Bewegung, um in Agram bleiben zu können. Löhr war all diesen Intrigen in gar keiner Weise gewachsen. Unser alter Pfarrer Klotz verschwand, für ihn kam Prof. Walter, Heeresgruppenpfarrer von F. Sogar einen vertrottelten General für Reiten und Fahren erbten wir. Irgendeine Beschäftigung war für ihn bei bestem Willen nicht zu finden. Einen Brieftaubenzug „Balkan“ gab es auch, zwar ohne Tauben, aber dafür mit einem Stab. Eine Fülle von Dienststellen ohne jegliches Aufgabengebiet wurde uns angehängt und jede erklärte von sich, sie sei besonders wichtig. Ich hatte kein Quartier und schlief zunächst im Revier. Ich bezog schließlich die Wohnung der volksdeutschen Schwester. Wolf lehnte die Wohnung seinerseits als nicht standesgemäß ab. Ich schickte Rousil zuerst hin, das Quartier anzusehen. Er sagte es sei nicht schlecht. Hausherr sei ein Arzt namens Mayerhofer von der Wiener Pirquetklinik. Der Ordinarius in Agram war zwar pensioniert, tat aber weiter Dienst. Auch er war sichtlich erfreut. Seine Frau, eine geb. Lateiner, war polnische Jüdin und auch Wiener Kinderärztin. Es war eine etwa 30-järige Tochter da. Der Sohn war Kommunist und hatte sich, als er verhaftet werden sollte, vom 2. Stock auf die Straße gestürzt, wo er tot liegen blieb. Dies war nun mein Heim während der Agramer Zeit. Allmählich beruhigten sich die Stäbe. Was möglich war, wurde hinausgeschmissen. O.Qu. war in einem großen Hotel am Hauptplatz, in der Nähe des Jellacic-Denkmals, untergebracht. Das im Hotel befindliche Revier löste ich sofort auf und eröffnete gegenüber ein schönes Revier. Dort konnte ich auch bettlägerige Kranke unterbringen. Da ich das Auto samt Schramml abgeben musste, benützte ich ein Fahrrad, um die beiden Reviere zu versorgen. Die Straßenbahn stand meistens, da tagsüber meistens Fliegeralarm war. Auf das Stadtinnere wurden nur selten Bomben geworfen, sodass Agram die einzige und letzte Stadt war, die fast unzerstört blieb. Man konnte ihr trotz des Krieges einen gewissen Wohlstand ansehen. Der Führerbesuch war beendet. Der Führer machte einen trostlosen Eindruck. Mit dicker Brille suchte er nach Löhr, dem er das Eichenlaub überreichte. Er zeigte deutlich Propulsion. Die linke Hand zitterte und die Füße hoben sich kaum vom Boden. Eine sichere Paralysis agitans. Es ist sehr wahrscheinlich, dass auch weitgehend geistige Störungen bestanden. Er rief Manstein, worauf betretenes Schweigen herrschte. Manstein war schon seit Jahren in Ungnade und davon gejagt worden. Er behauptete Manstein sei sein bester Operateur. In der Besprechung der Offensive äußerte er einen Unsinn nach dem anderen. Der Plan war eine große Zangenbewegung vom westlichen Donauufer einerseits und von Stettin-Danzig andererseits. Die Bereitstellungen im Norden wurden von den Russen aber sofort erkannt und zerschlagen. Unsere Heeresgruppe hatte das linke Donauufer zu erreichen und zu diesem Zweck zwei Brückenköpfe über die Drau zu bilden. Das Überraschungsmoment ist unsererseits vollkommen gelungen. Doch versagten wie üblich die Pioniere. Von den 11 Sturmbooten sprang ein einziges an. Schuld war natürlich niemand. So verzögerte sich die Übersetzung. Wir hatten starke Angriffe auszuhalten und etwa 500 Tote. Das strategische Ziel ist aber erreicht worden. Die Verbindung mit den im Norden kämpfenden SS-Verbänden ist aber nicht gelungen und die Brückenköpfe mussten wieder geräumt werden. Wir bekamen zwar die Leute herüber, verloren aber die schweren Waffen. Es war unsere letzte Angriffsoperation. Sie ist wie alle anderen unter Löhrs Führung gelungen. Es waren noch lange Einvernahmen des Generals der Pioniere. Der betreffende Oberst wurde abgesetzt, und wir übernahmen den General der Pioniere von Ex-Heeresgruppe F Oberst Brückmann(oder Brinkmann). Herausgekommen ist bei den kriegsgerichtlichen Untersuchungen nichts. Jedenfalls war der Krieg zu Ende. Zu aktiven Maßnahmen war das Deutsche Reich nicht mehr fähig. Man trachtete sich irgendeinen Abgang zu sichern. Unsere politische Aktivität war groß. Mit Tito standen wir schon lange in Verhandlungen. Er sicherte uns freien Rückmarsch bis zur Grenze zu. Wir hatten an der Grenze unsere Waffen und unsere Fahrzeuge abzugeben. Ein erträgliches Angebot. Wir verpflichteten uns, keine Waffen zu vernichten und nichts zu zerstören. Durch Loos wurden ihm Vorstellungen gemacht, dass er unser Hauptquartier in Cernik angreifen ließ. Er erwiderte, wir sollen zu ihm übertreten. Auf die Gegenantwort, dass dann sofort ein neuer und scharfer Feldmarschall hier sitzen würde, konnte er nichts entgegnen. Wir hatten auch in unseren Hauptquartieren Ruhe. Gefährlich war die Lage der Österreicher. Loos, Uch, u.a. arbeiteten Projekte für alle Fälle aus, irgendeine Position im neuen Staat einzunehmen. Es wurde nach allen Seiten hin Verbindungen aufgenommen. Sogar bis zum Vatikan reichten unsere Beziehungen. Löhr strebte Verbindung mit Montgomery an. Die Kuriere wurden aber abgefangen und es wurde nichts daraus. Der Poglavnik wurde von Löhr eingeweiht, dass wir Kroatien auf die Dauer nicht lange halten können und dass wir die Absicht hätten, uns zurück zu ziehen. Der Poglavnik strebte ein unabhängiges Kroatien unter englischem Protektorat, als Zwischenstaat zu Tito an. Sehr aktiv war der Agramer Bischof, ein ehemaliger österreichischer Offizier mit bewegter Vergangenheit. Unsere Aktivität war groß, unsere Erfolge klein. Jedenfalls schlossen sich die Österreicher enger aneinander. Major Graf Cernin erschien manchmal aus Graz oder Zeltweg, von den gleichen Sorgen getrieben, wie wir sie hatten. Ich setzte Heinzl in Kenntnis, im X-Fall unverzüglich bei uns zu erscheinen. Er dürfte meine Nachricht nicht mehr erhalten haben. Nach außen hin wurde die deutsche-kroatische Freundschaft betont. Die Ustascha trat aufdringlich auf. Durch die Stadt zogen Musikkapellen. Bankette mit den üblichen Tischreden wurden gehalten. Der Poglavnik erschien bei uns. Wir gingen zu ihm und so schien äußerlich alles in bester Ordnung. Überhaupt bot Agram kein Bild von schwerer Kriegsnot. Die zahlreichen schönen Geschäfte schienen zu florieren. Zu hohen Preisen bekam man alles.Die Oper spielte und hatte durchaus mitteleuropäisches Format. Ich war einmal in „La Traviata“,. Eine ganz ausgezeichnete Aufführung. In meiner freien Zeit ging ich viel in die alte, an Kulturdenkmälern so reiche Innenstadt. Ich ging in die Umgebung, geführt von Frl. Mayerhofer, die sich sonntags gerne bereit erklärte, mich auf viele, mir nicht bekannte Schönheiten aufmerksam zu machen. Ich habe mir leider nicht den Namen eines Dorfes mit einer wundertätigen Muttergottes gemerkt, wo die Kranken von Lepra geheilt wurden. Bemerkenswert war es, dass es in Agram Lepra gab. Da ich nach wie vor, jedes Kasinoleben ablehnte, hatte ich abends freie Zeit, die ich mit dem Studium von Fremdsprachen verbrachte. Außerdem stellte mir Mayerhofer seine gute Bibliothek zur Verfügung. Mayerhofer war Polyhistor. Kein Gebiet war ihm fremd. Ungemein anregend waren die Unterhaltungen mit ihm. Er war Botaniker. Von ihm stammt das Mayerhofersche Gesetz, wonach sich die Bäume im Frühling an der Peripherie zuletzt belauben. Er war Kunstkritiker und schrieb über Goethe. Er war Archäologe, Historiker, usw. Die Abende waren für mich manchmal recht unterhaltend. Den Freuden des Alkohols nicht ganz abhold, verschwand Mayerhofer abends zu irgendeinem Gleichgesinnten und überantwortete mich seiner Gattin und Tochter. Die Tochter war aber Sängerin und verheimlichte dies leider nicht. Ich musste im Gegenteil im Salon sitzen und die Arien anhören, die Fräulein M., begleitet von ihrer Mutter, herunter sang. Ich musste loben, kritisieren, Wünsche äußern und dergleichen. Um 10 Uhr erschien dann Herr Professor und fragte mich höhnisch, wie ich mich unterhalten hätte. Mehrmals war ich zu Mittag Gast. Einmal brachte ich Löhr zur Jause, der sich in Gegenwart dieses kultivierten Mannes außerordentlich wohl fühlte. Ich erinnere mich, wie sich die beiden über die Art, wie die Römer ihre Schützengräben in Albanien bauten, unterhielten. Löhr war in der Villa, die Weichs bewohnte, gut untergebracht. Meine Arbeit war nicht so anstrengend, wie ich dies früher gewohnt war. Gab es doch in Rebro unser großes Lazarett, geführt vom „langen Mayer“ aus Saloniki. Auch Tauber war wieder da. Tünnerhof u.v.a. Schwere Erkrankungen schickte ich weg. Abends musste ich wieder Rotkreuzkurse, für die von „F“ übernommenen Stabshelferinnen halten. Eine recht lästige Beschäftigung. Ein-oder zweimal wöchentlich hatten wir Kino im Kasinosaal des Rockefellerhauses. Nachtangriffe waren selten. Es handelte sich um Tiefflieger, die nichts trafen. Bei Tag fanden vorwiegend Überflüge riesiger Verbände statt. Sehr gern ging ich auch auf den in unserer Nähe gelegenen Agramer Friedhof. Überall österreichische Namen, wie ja Agram wie eine Reminiszenz aus dem alten Österreich anmutete. Die Umgangssprache der vornehmen Agramer war Deutsch im Wiener Dialekt. Gelegentlich hörte man alte Patrizier sich mit „Illustrissime“ ansprechen. Das hört man sonst in keiner Stadt der Welt mehr. Niemand weiß mehr etwas von seinen Angehörigen. Die Russen sind am Wechsel, am Semmering, in Graz, vor Graz, dann wieder in Graz, niemand weiß mehr etwas genaues. Habe ich noch eine Frau, habe ich noch Kinder, sind sie verschleppt, gefoltert? Löhr zeigt mir eine Karte, dass Hartberg noch frei ist, aber auch er weiß ja nichts mehr. Und wenn, dann ist es eine Frage von Tagen oder Stunden und Hartberg ist russisch. Wir feiern mit friedensmäßigem Pomp und in großer Gala Führers Geburtstag. Löhr schreibt überflüssigerweise noch einen langen Artikel in unserer Zeitung, der NSFO erzählt uns vom bevorstehenden Endsieg, von Atomwaffen, die jetzt bald eingesetzt würden. Die Disziplin der Truppe ist mustergültig. Wir sind unbesiegt und jederzeit Herren der Lage, soweit es unseren Raum betrifft. Die Truppe weiß nicht, wie es in Deutschland aussieht. Der Führer hat sich in das eingeschlossene Berlin begeben. Er sucht also seinen Tod. Berlin und mit ihm der Führer wird bald fallen, was dann? 30.4. Der Führer ist tot, wir werden auf Dönitz vereidigt. Der sinnlose und ungleiche Kampf geht weiter. Nirgends mehr ernsthafter Widerstand. Als letzte ungebrochene Heeresgruppe stehen wir da. Mally hat in der Gegend von Cilli unseren neuen Gefechtsstand eingerichtet. Ob wir ihn noch erreichen? In der Stadt gärt es. Die Ustascha wird unruhig und noch feindseliger. Michailowitsch kehrt zurück in seine Berge nach Serbien und kämpft dort weiter. In der Stadt wir geplündert. Schüsse fallen. Wir sind in ständiger Alarmbereitschaft. Die Ausfahrtsstraßen sind vollgestopft mit Flüchtlingen, die nach Kärnten streben. Im letzten Augenblick bekomme ich doch noch eine Krankenschwester. Oberleutnant Dampierre hat sich verlobt und will seine Braut unter allen Umständen mit nach Deutschland nehmen. Im Hause der Brauteltern, reiche Kroaten, wird Verlobung gefeiert. Es wir überreichlich gegessen. Ich rate ab die Frau mit nach Deutschland zu nehmen. Kein Mensch kennt die Zukunft. Sicher ist nur, dass sie trostlos sein wird. Sie lässt sich von ihrem Plan nicht abbringen und so verkleide ich sie als Schwester und nehme sie eben mit. Endlich kommt der etwas überstürzte Abmarschbefehl. In der Nacht vom 6. auf den 7.Mai starten wir.



    Das zu Agram im April 1945


    Beste Grüße
    GerhardTheo

  • Hallo GerhardTheo,


    Danke für die Informationen, das ist ungeheuer aufschlussreich.
    Ich hätte aber noch Nachfragen dazu.
    Wo war denn das Hauptquartier, als Dein Onkel von den Fliegerangriffen auf Novska Gradiska etc. schreibt.
    Das muss ja vor dem 25.03. gewesen sein, der formellen Auflösung der HGr. F.
    Wann war denn Adolf H. in Agram, da finde ich nichts zu? Gibt es da ein ungefähres Datum? Später wird das HQ in Cernik erwähnt. Das muss aber zeitlich vor Agram gewesen sein.
    Mit dem Abmarschbefehl zum 6./7.05. (nach Cilli ?) ist nur der Stab gemeint? Denn nach den anderen Berichten blieb die Truppe doch bis nach der Kapitulation stehen ?


    Gruß
    Udo

    Literatur: Glückauf zum Untergang-Die Kriegstagebücher des Feldwebel Kurt Pfau / Mit der 60. Infanteriedivision von Danzig nach Stalingrad - Arthur Krügers Kindheit und Soldatenzeit 1937-1945 / Kohlenstaub und Wüstensand-Biografie eines Afrikakämpf.

  • Hallo Gerhard,


    sei von Deiner Reise nach Lykien willkommen.


    Die heutige Erzählung aus dem Kriegstagebuch war wieder hervorragend. Hast Du nicht was ähnliches aus den letztenTagen in Saloniki ?


    Gruss


    Byron


  • Hallo Udalerich,
    das Hauptquartier und die Führungsabteilung befanden sich in der Stadt Nova Gradiska. Der OB, der Chef d. St. und IIa wohnten im Schloß Cernic, 4 km nördlich der Stadt. Nach einer gezielten Bombardierung("Raketenbombe" ins Arbeitszimmer von Löhr)des Schlosses wohnten auch sie im Zentrum(Hauptstraße) von N.G.
    Zur Vorbereitung der Operation Frühlingserwachen wurde ein Gefechtsstand in Jakovo eingerichtet.


    Der Adolf war wohl so um die 2. Aprilwoche in Agram. Ein genaues Datum kann ich nirgends finden. Mein Onkel schreibt nur, dass er selbst in den ersten Apriltagen Agram erreichte. Ich vermute, dass er keinen Kalender mehr für seine Aufzeichnungen benutzte. In der Nacht vom 6. auf den 7. Mai hat der OB-Stab Agram nach Norden verlassen.
    Zitiere: Die Ausfahrtstraße wird gegen etwaige Angriffe der Ustascha stark gesichert und wir erreichen bald freies Feld. Es sind unbeschreibliche Bilder. Schreiende Menschen. Ineinander verkeilte Kolonnen und scheuende Pferde. Meter für Meter muss erkämpft werden. trotzdem wir OB-Stab sind, kommen wir nur schlecht weiter. Über uns Tiefflieger, wenn die schmeißen ist das Chaos vollendet. Aber sie werfen nicht mehr. kein Schuss fällt. Der Krieg ist für sie aus. Viele Stunden haben wir gebraucht, um 39 km zurückzulegen, dann ist die Spitze des Flüchtingstromes erreicht und wir können frei los fahren.....


    Löhr war in dieser Zeit in Graz bei Kesselring und ist in Cilli, nur meine Vermutung, wieder zum Stab zurückgekommen, denn nach Agram wird er dann nicht mehr geflogen sein.
    Ob die Truppe(n) da auch schon dabei war, geht aus dem Tagebuch nicht hervor. Andererseits war bei den sogenannten Kapitulationsverhandlungen in Letusch, die ich zu Beginn des Threads zitiert hatte: "Als Löhr die Anzahl der Truppen erwähnte, ... erschraken die beiden und lehnten weitere Verhandlungen ab." Eine Verbindung zu den Truppen wird es wohl gegeben haben.


    Der Hauptanlaß zum "Führerbesuch" wird wohl die physische Überreichung des Eichenlaubs an Löhr gewesen sein. Von Weichs, der das Eichenlaub zum selben Zeitpunkt bekommen hat, war ja seit Jannuar ins "Reich" zurückgekehrt.


    Gruß
    GT

  • Quote

    [i]Die Ausfahrtstraße wird gegen etwaige Angriffe der Ustascha stark gesichert und wir erreichen bald freies Feld.


    Hallo GT,


    dank der der Aufzeichnungen bekomme ich ein immer besseres Bild davon, wie es in den letzten Tagen wohl zugegangen sein muß. Herzlichen Dank dafür!
    Ich muss aber noch mal nachfragen: die Ustascha waren da doch immer noch Verbündete oder gab es da schon Differenzen?


    Gruß
    Udo

    Literatur: Glückauf zum Untergang-Die Kriegstagebücher des Feldwebel Kurt Pfau / Mit der 60. Infanteriedivision von Danzig nach Stalingrad - Arthur Krügers Kindheit und Soldatenzeit 1937-1945 / Kohlenstaub und Wüstensand-Biografie eines Afrikakämpf.

  • Hallo Udalerich,
    Bei dem Flüchtlingsstrom von Agram nach Cilli und weiter nach Kärnten/Steiermark waren nicht nur deutsche Truppen oder Truppenteile, sondern auch die fliehende Zivilpersonen, Volksdeutsche, Kosaken usw., die ein mögliches Ziel der Ustascha gewesen wäre. Vor der Ustascha hatte nicht nur die Tito-Partisanen Respekt, sondern besonders auch die Verbündeten. Ich stelle hier einen kurzen Auszug aus dem Tagebuch ein und hole wieder etwas weiter aus:


    In den ersten Morgenstunden begann schon die Überfliegung feindlicher Maschinen. Ich habe noch nie so große Verbände gesehen. Tausende brummten über uns hinweg und kehrten am Abend wieder zurück. Flak hatten wir nur zum eigenen Schutz, aber nur 2cm Geschütze. Einmal wurde eine schwere Maschine abgeschossen und der verwundete Flugzeugführer zu mir gebracht. Er war Chinese aus San Francisco und hatte eben Wien bombardiert. Nach seiner Verarztung wurde er nach Deutschland gebracht. Mit Bomben wurden wir in dieser Zeit nicht bedacht. Der Schnee schmolz, die ersten Blumen sprossen. Ich fuhr gelegentlich in die Umgebung. Um die Hügel um Cernik hatte man einen schönen und instruktiven Ausblick auf das fruchtbare Savetal. In Cernik lag unsere Wachkompanie. Es gab dort einmal einen grässlichen Unfall, bei dem durch eine Explosion eines Sprengkörpers ein prächtiger Friese den Tod fand. Es war der fünfte und letzte Sohn, der gefallen war. Mich hat dieser Unfall tief erschüttert. Ein zweiter Soldat, er gehörte einem Aufklärungskommando an, wurde am hellen Tag ermordet und grausam zerstümmelt. Ich obduzierte ihn mit Hönig am alten serbischen Friedhof, der übrigens ebenfalls gänzlich verwahrlost war. Die Grabsteine waren stellenweise gänzlich zerstört, handelte es sich doch um Pravoslawen. Unser Heldenfriedhof befand sich im Anschluß an den serbischen Friedhof und war überwiegend mit Kosaken belegt. Wieweit der Hass der Ustascha reichte, erfuhr ich durch folgendes Erlebnis: Ich wurde auf den Bahnhof wegen eines Unfalls geholt. Am Bahnhof stand ein Zug mit Soldaten in SS-Uniform. Auf meine Fragen erhielt ich keine Antwort. Niemand verstand Deutsch. Nach Herbeiholung eine Dolmetschs erfuhr ich, dass es sich um freiwillige bosnische Muselmanen handelte. Ustascha hatte mit den Bosniaken eine Auseinandersetzung und es gab einen schweren Schädelbruch. Eine Vorgeschichte zu dieser Auseinandersetzung gab es nicht, denn so berichtete man mir: Wo sich ein Muselmane, der der SS angehörte mit einem Ustascha trifft, wird ohne jeden Wortwechsel, sofort geschossen, gestoßen, oder geschlagen. Einer muss mindestens tot sein. Warum das so ist, erfuhr ich nicht, "es sei so selbstverständlich". Dabei waren das alles Verbündete.


    Ohne weiteren Kommentar
    schonen Gruß
    GT

  • Hallo nocheinmal,


    Ich möchte noch einmal zum Anfangsthema zurückkommen.
    Da mein Onkel schreibt, dass Löhr bereits in Gewahrsam der Briten war am 14. od 13.5.45
    müsste es doch auch Dokumente darüber geben von den Briten.
    Es heißt allgemein Löhr begab sich freiwillig in Gefangenschaft der Tito-Partisanen am 15.5., aber wie ging das vor sich.
    Mein Onkel schreibt dass Löhr eine od. zwei Nächte in Völkermarkt/Kärtnten,also zwischen 13. und 15. bei einem dort ansässigem Arzt untergebracht war.
    Haben ihn dann die Briten zu den Partisanen eskortiert oder sind die alleine zurückgefahren. Leider konnte ich darüber nichts finden.
    Vielleicht hat hier jemand weitere Infos, die nicht in den Büchern (Hnilicka,Dinkow) stehen.


    Stelle ein Foto augenommen von meinem Onkel ein. Der Pilot heißt Stapelberg, mehr weiß ich über ihn nicht. Die 2. Perwson könnte Mjr Schenk sein


    Gruß GT

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