Kalibergröße - warum genau diese?

  • Hallo zusammen,


    in einem Forum eines PC-Spieles, das ich mom. gerne spiele kam die Frage auf und als „Waffenmensch" wurmt mich das, dass ich das nicht Problemlos beantworten kann. Ich hab das Gefühl, dass die Lösung so simpel ist, dass ich nicht drauf komme.


    Warum z.b. die 8,8 Flak eben genau dieses Kaliber hat.
    Warum hat die nicht eine glatte Zahlenangabe/ Kalibergröße von 8,5 oder 9 cm?

    Der an den Haaren herbeigezogene Grund mit 8,8 und dem 8. Buchstaben des Alphabetes, dem H ist natürlich lächerlich (H.H. = bekannte Grußworte damals)


    Ebenso die 3,7 Pak (oder eben auch die Flak), warum solch eine „Zwischengröße“ des Kalibers und nicht 3,5 oder 4 cm?


    Ok, das Kaliber gibt ja bekanntermaßen nicht alle Kalibermaße gleichzeitig an (z.B. Zug- und Feldkaliber usw.) aber die 8,8 Flak ist nun mal keine 8,5 oder 9 cm gewesenl, sondern eine "krumme" größe dazwischen.


    Meine bisherige Antwort ist auch nur eine Vermutung. Ich schrieb dort:


    Ob ich damit recht habe, weiß ich nicht, aber ich vermute es stark.
    Bei der Ballistik (auch Zielballistik) kommt es auf viele Faktoren an. Bei Geschossen nicht auf den Durchmesser sondern auch auf die länge an (Q =Querschnittsbelastung – wer danach googeln will)
    Das bedeutet man kann um eine gewissen Geschossmasse zu erreichten das Geschoss nicht zu lange machen sonst hat man ein Problem (wie gesagt, googeln nach Q)


    Um die Energie des Geschosses zu erhöhen muss man entweder die Geschoss-Geschwindigkeit oder die Geschossmasse erhöhen (doppelte Geschwindigkeit bedeutet 4-fache Energie/ doppelte Geschossmasse nur doppelte Energie)
    Aber- mehr Geschwindigkeit bedeutet auch höher Verschleiß des Laufes, man muss da also einen hohen, aber nicht zu hohen Wert erreichen. Bei normalen Geschossen (also keine Treibspiegelgeschosse) ist man mit um die 1000 m/s gut mit dabei
    Bleibt alos noch das Geschoss:
    Um also eine bestimmte Geschossmasse zu erreichen muss der Durchmesser größer werden und da die 8,8 aus einer 7,5 cm Flak des 1. WK´s entstand hat man sich nach oben getastet.
    Ich vermute mal, dass 8,5 cm noch nicht die gewünschte Wirkung hatte, aber eine 9 cm zu unhandlich als Flakmun war. Bei Geschossen merkt man schon 1mm Durchmesser mehr durchaus, 2 mm sowieso.
    Wenn das Geschoss mehr Durchmesser hat wird es schwerer, benötigt für die gewünschte Geschossgeschwindigkeit mehr Treibladungspulver und damit wird die gesamte Mun schwerer, schlechter handhabbar und es passen weniger Schuss in den Munitionsbunker usw.


    Daher vermute ich stark, dass die Kaliberwahl aus rein ballistischen Gesichtspunkten so entschieden wurde, die in damaligen Berechnungen und Beschuss-Versuchen ermittelt wurden.

    Gruss aus Kanada

    Edited once, last by Kalli ().

  • Hallo,


    Der Grund für die "krummen" Kalibergrößen sind vielfältig.


    Da spielen geschichtliche, länderspezifische, technische Gründe eine Rolle.


    Da ist z.b. die damals und in manchen Ländern noch heute übliche zöllische Maßeinheit.


    Da werden dann aus den krummen 7,62mm eben 0,3 Zoll.


    Oder aber die damals übliche Gewichts-Angabe des Geschosses eines Geschützes.
    Zb. die britsche 17-Pfünder wird dann (aber eben nur für uns!) zur "krummen" ~7,65cm-Pak.


    Und so gibt es viele Gründe. Typisch, ist auch daß z.b. daß die Angaben nicht unbedingt die meßtechnisch korrekte Laufweite angibt, zb. hatte die deutsche 15cm sFh 18 eigentlich 14,9cm oder die 10cm K18 hatte genau genommen 10,5cm.


    Damit einhergehend ist es für die Geschosse und deren Herstellung nicht wichtig, ob 8,8 oder 8,76 oder 9cm. Die Fertigungstoleranzen müssen eingehalten werden und der Maschine ist es "egal" ob sie nun 8 oder 8,75cm-Geschosse dreht. Am Ende darf sie nur so und so wieviel 1/10 oder 1/100mm abweichen.



    Soweit meine Meinung. :)


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • das mit Zoll weiß ich, bin ja wie erwähnt "Waffenmensch". Ich kenne auch auf den ersten Blick komischen Umstand dass Kaliber 12 bei Schrot größer ist als Kaliber 16 oder 20.
    (engl Pfund Blei in gleichgroße Kugeln geformt - bei 12 Kugeln hat eine Kal 12, 16 Kugeln Kal 16....)


    Die 7,62, egal ob cm bei der Kanone oder bei Miltär-/Jagdwaffen in mm kommt von .30 Zoll bei der letztgenannten Gruppe (.308 Win, .30-06 usw.) bzw 3" bei Kanone.
    Soweit auch klar.



    Aber warum wurde die 8,8 dann nicht wie die 15cm sFh 18 und die 10cm K18 "zurechtgerundet" wie die beiden? Warum bekommen es die


    Von der typischen "MaulFaulheit" der Menschen wäre es ja zusätzlich einfacher von einer "Achter" oder "Neuner" zu reden als von einer "Acht-Acht"


    Die Amis hatten ja auch keine 3" 17/128stel Kanone - lach

    Gruss aus Kanada

    Edited 2 times, last by Kalli ().

  • Hallo
    Nicht zu vergessen das Zoll keine genormte Größe war,zumindest bis 1954.Ein Preußischer Zoll =2,6164cm und ein englischer Zoll,heute der Internationale Zoll=2,54cm.
    8,8cm sind eben 3,4 preußische Zoll.Auch die anderen" metrischen" Kaliber sind aus Zoll abgeleitet.
    Warum nun bei der Benennung einer Waffe mal ein "rundes" und mal das exakte Kaliber angegeben wurde wissen die Götter ?(
    Bestes Beispiel 10cm Nebelwerfer 35 und 10,5cm Nebelwerfer 51 L/12,beide hatten 10,5cm.
    mfg karat

  • Hallo, möchte dazu noch etwas bemerken,
    Der russische Mosin-Nagant hat ebenfalls cal 7,62mm,war aber eben eine russ.
    Waffe und in Rußland als drei Liniengewehr bezeichnet.Da eine `Linie`genau
    2,54mm waren-also drei Linien gleich 7,62 mm.
    Eingedeutscht klingt das auch besser 7,62 mal 54 Rand als drei Linien mal 54
    Rand.Ich hatte mal so ein Teil-war eigentlich garnicht so übel(bis auf das
    Aussehen).


    Gruß Wallenstein

    Wer FREIHEIT aufgibt um SICHERHEIT zu erlangen-wird am Ende beides verlieren!