Hochverrat / Fahnenflucht bei der Luftwaffe

  • Hallo AviaB. 33, Thilo:
    Hans-Martin Kromann (1926), Verfasser von "110 Jahre Luftfahrt in und um Nordhausen",
    Dez. 1944 mit Bf 109 G-14 südlich Bonn abgeschossen,
    hat bei unserm letzten Zusammentreffen 2016 den seiner Frau bekannten Nachtjäger Oberleutnant Heinrich Schmitt
    aus Nordhausen auf dem Foto aus Aalborgs Museum (1. von links) erkannt.
    Auch er zweifelte, ob Schmitt eine Offiziersmütze trug.
    Er vermisste die silberne Mützenkordel.
    Das bestätigt Avia's Hinweis.
    Bin immer wieder erstaunt über die sachlichen Hinweise aus Eurer Mitte
    Jost- Dieter aus Grenzach am Hochrhein.

  • Hallo,


    habe den hier zuvor stehenden Beitrag
    gelöscht, war eine Fehlleistung, falsche Bezugnahme, sorry!


    Beste Grüße


    Paul


    G-W-G'

    Edited 3 times, last by Paul Spohn ().

  • Lieber Paul, unsere Angaben entstammen babsies Fund im Militärmuseum Aalborg.


    " Babsie am 29. November 2015
    Hallo alle miteinander
    einige Ergänzungen zur Besatzung II. JG 3.:
    Verlust am 09.05.1943 16.06 einer Ju 88 M 1 F 5 u. MV Skagerak,
    vermutlich Planquadrat 8841. Laut Meldung durch Major u.
    Gruppenkommandeur ( Name unleserlich) vom 15.05.1943.


    1. Oberleutnant Heinrich Schmid (69038/10) 01.04.1914 Nordhausen


    2. Ofw. Paul Rosenberger ((71038/-/ a) 16.10.1913 Brünn18


    3. Ofw. Erich, Karl Kantwill (60032/9/-) 26.05. 1915 Dortmund


    Aus dem Deutschen Befehlsbunker der Luftwaffe Aalborg, im Militärmuseum
    Aalborg, vom 15.05.1943. Eine sehr schlechte Lesbarkeit des Dokumentes.
    MfG
    Dietrich"
    ---------------------------
    Lt. Hans Martin Kromann war der Nordhäuser Oberleutnant Heinrich Schmitt- so sein Geburtsname - nach dem Spanien- Feldzug
    auf dem Fliegerhorst Nordhausen (wiedereröffnet 1935 für Kampfgeschwader 253, III. Gruppe) stationiert bis zur Verlegung nach Dänemark..
    Warum er auf dem Foto eine Unteroffiziersmütze trug, kann man wohl nicht mehr heraus finden.
    Die Kenner können vermutlich aus seiner Stamm- Nummer (69038/10) seinen Rang auslesen.
    Bin gespannt auf Eure Meinung


    Gruss von Jost-Dieter aus Grenzach am Hochrhein
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  • Moien,
    hinsichtlich des Bildes habe ich immer noch so meine Zweifel! Offiziere waren sehr standesbewußt, und zeigten das auch nach außen! Bei den beiden Ofw. sind sehr gut die vier Schwingen für die Sonderbekleidung zu sehen, der links stehende, das sieht man noch nicht einmal ansatzweise etwas von den Rangabzeichen für die Sonderbekleidung. Bei Schmidt wären es ein Balken mit zwei darüber angebrachten Schwingen. Zumal ja die Offiziersschirmmütze nicht nur eine silberne Kordel hatte, sondern die Biesen ebenfalls in Silberschnur gehalten waren (im Gegensatz zum Heer).
    Was den Angriff des Bomber Command auf Nordhausen angebetrifft müßte man die Planungsunterlagen für den Angriff sehen. Das mit dem Funkgerät ist für mich eine der zahlreichen Kriegslegenden!!! Das BC nahm i.d.R. keinerlei Rücksicht auf die Zivilbevölkerung, Ablaufpunkte und Hauptzielpunkt in einer Stadt wurden oft nach markanten Gebäuden in der Stadt ausgewählt. Bei den Tagesangriffen der RAF auf meine Heimatstadt im Dezember 44 war als Hauptzielpunt die Kreuzung an der Porta Nigra bestimmt, die Masse der Bomben fiel mitten in die Altstadt, auf ein Lazarett, Klöster etc. Der Güterbahnhof, der mit Versorgungszügen für die Wehrmacht vollgestopft war, bekam keinen Kratzer ab.
    h.

  • Hallo,
    hier einige amtliche Angaben, nach denen Kantwill seinen Namen änderte:


    Name: Alfred Hansen [Erich Karl Kantwill]
    Geburtsdatum: 26. May 1915 (26. Mai 1915)
    Geburtsort: Ende Hagen
    Sterbedatum: 8. Mar 1993
    Vater: Ephraim Kantwill
    Mutter: Johanna E Bruggemann
    SVN: 571544280
    Notizen: Aug 1957: Name listed as ALFRED HANSEN
    Letzter Wohnort: 93921 Carmel, Monterey, California, USA
    Quelle: US-Sozialversicherungsindex


    Im Adressbuch Dortmund steht der Vater wie folgt:
    1940: Ephraim Bergm, Tremoniastr. 20
    1941: Ephraim Bergm, Tremoniastr. 20
    1955: Ephraim MaschWärt, Tremoniastr. 20


    Gruß
    Jörg

  • Hallo,


    die Alliierten waren besonders zum Kriegsende hin kaum auf irgendwelche per Funk übermittelte Koordinaten zur Zielfindug angewiesen. Verfügten sie doch über eine ausgezeichnete Luftbildaufklärung. Allein die schiere Quantität ruft Erstaunen hervor. Hier ein Zeitschriftenartikel in dem diese Sachverhalte recht übersichtlich dargestellt werden.


    https://www.stern.de/politik/g…era-im-krieg-3517112.html


    Beispielsweise nutzen die Kampfmittelräumdienste bis heute diese Luftbilder um Blindgängern auf die Spur zu kommen.


    Beste Grüße


    Paul


    G-W-G'

  • Hallo AviaB 33, die Flieger-Mütze ohne Silberkordel und ohne Biese des Oberleutnants Heinrich Schmitt könnte eine Schirmmütze ohne Kordel mit Lederriemen ([/size]siehe Dienstgradabzeichen DLV, ab 4.11. 1933 S. 44 H.M.Kromann) gewesen sein, wie sie die Flieger des Nordhäuser Luftsportverbandes 1935 z.B. bei einem Besuch auf der Wasserkuppe trugen ( siehe Besuchsfoto Seite 69, H.M. Kromann;"110 Jahre Luftfahrt in und um Nordhausen").
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    Hallo Chicagoland, dear Jörg,
    Great, your information to E K. Kantwill alias Alfred Hansen.
    Seine Frau sagte einer deutschen Zeitung, dass sie seit 4o Jahren nichts von ihmund seiner Adresse gehört hatte.
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    Hallo Paul Spohn, die Aufklärerfotos der Alliierten habe ich auch schon geprüft.
    Wie der Journalist des "stern" schreibt, konnten die alliierten Aufklärer nicht in die Gebäude hineinsehen.
    Gemeinsames Merkmal der im April 1945 kaum von Bomben zerstörten Nordhäuser Stadtteile waren
    kleinere und grössere Rüstungsbetriebe, in denen z.T. KZ-Häftlinge arbeiten mussten.


    Auf dem Schulweg in Nordhausen sahen wir oft die "Zebra- Gruppen" in der Stadt .
    Ein Zebra bat mich um Brot.
    Sofort scheuchte mich ein Wachsoldat weg.
    Ich gehe davon aus, dass nur ein Ortskundiger den Alliierten Tips geben konnte.
    Auch der Eingangsbereich des Mittelwerks mit Häftlings-Baracken wurde lt. Aussage eines britischen Bomber-Navigators nicht angegriffen.



    Hat das Bomber-Command auf grund Insider-Infos Stadtteile mit KZ-Häftlingen ausgespart ?
    Dass die SS Ende März 1945 klammheimlich moribunde KZ-Häftlinge in der Boelcke-Kaserne "ablagerte",
    war den Nordhäusern unbekannt.
    Viele Hundert Häftlinge wurden in dieser Kaserne, Ankerpunkt des Zielgebietes der Bomber,
    von den Betonteilen erschlagen.
    Aus britischen Quellen ist überliefert, dass der Vater Josef des Fahnenflüchtigen Ju88- Piloten Schmitt ,
    nach vollbrachter Fahnenflucht im Mai 1943 von den Briten
    einen Funkspruch erhielt "Der Mai ist gekommen".
    --------------------------------------------------
    Vielen Dank für Eure wegführenden Informationen.
    Jost-Dieter aus dem sonnigen Grenzach bei + 1°, morgen soll es schneien.



    Schriftgröße auf normal gestellt, Diana

  • Moien,
    also es bleibt eine Schirmmütze für Mannschaften u. Unteroffiziere der Luftwaffe mit gelben Biesen.Die DLV-Schirmmützen sehen etwas anderes aus und haben auch einen vollkommen anderen Mützenadler.
    Frage: War der Angriff auf Nordhausen ein "normaler" mit Lancaster etc. oder war es ein reiner Mosquitoangriff (die gabs nämlich auch!) das Ausparen von Zielen, wie soll das gehen? Der Bomb Run auf ein Ziel (hier eine Stadt) beginn i.d.R. an einem Ablaufpunkt und kann schon mal 100km vom eigentlichen Ziel entfernt sein! Ab da wird in einer möglichst geraden Linie auf das Ziel zugeflogen und entsprechend der entweder gesetzten Zielmarkierungen (oder auf Gut Glück mit H2S)
    die Bombenlast abgeworfen. Das BC flog nicht wie die US-Airforce in Combat Boxes, sondern die kamen einer hinter dem anderen (grob dagestellt) als Strom auf das Ziel zugeflogen. Die Bombenzuladung war i.d.R. ebenfalls standardisiert, z.B. ein Cookie, Sprengbomben und Stabbrandbomben. Meines Wissens gab es vier verschiedene Beladungsmöglichkeiten für die Lancaster und die Halifax.
    h.

  • Hallo AviaB.33, zu Deiner Frage:
    ---------------------------------
    [/quote]
    : War der Angriff auf Nordhausen ein "normaler" mit Lancaster etc. oder
    war es ein reiner Mosquitoangriff (die gabs nämlich auch!)
    das Ausparen von Zielen, wie soll das gehen?
    ------------------------------------
    Lt. Walter Geiger, "Nordhausen im Bombervisier", ISBN 3-929767-43-0 S. 148 ff:
    220 Lancaster +29 Mosquitos führten am 3. April 1945 den Angriff durch.
    Am 4. April 1945 führten 236 Lancaster und 4 Mosquitos den Angriff durch..
    Am 4. April wurde die Kampfflugzeuge mit der im 2. Weltkrieg einmalig erteilten Weisung
    mit den damals sprengkräftigsten Bombentypen HC 4000 lb, MC 500 lb und USA 500 lb beladen.,
    insgesamt 3823 MB (Minenbomben)
    .Wegen einer Wolkendecke musste Navigator Maurice Brook (siehe DVD Andreas Meissner "Nordhausen Hitlers Raketenfabrik ; 2015")
    statt des Bomberschützen sein Radar benutzen und "selbst den Auslöser auf das vorgegebene Ziel 'Boelcke -Kaserne' drücken."
    "Insofern bin ich verantwortlich für das, was in der Boelcke-Kaserne geschah" , nämlich Tod und Schmerz für Hunderte von KZ-Häftlingen.


    Gegen Kriegsende war die Zielgenauigkeit der Bomben-Zielgeräte so gesteigert ,
    dass auch offenbar kleinere Objekte wie Häuser anvisiert werden konnten.
    Ob der Voltreffer auf das Haus des Oberbürgermeisters Dr. Meyer (und zweier Nachbarhäuser) in der Oberstadt Zufall oder Absicht war,
    kann nicht mehr geprüft werden.
    Sonst gab es in der Oberstadt kaum Treffer, obwohl dort mehrere Ingenieure des nahen Mittelwerkes * wohnten.
    In der Dachkammer meines Elternhauses wohnte Ingenieur Herrmann,
    ab Mai 1945 bei RaBe Bleicherode, danach bis 1948 in der Sowjetunion).
    * Was Herrmann im Mittelwerk machte, hat er uns erst nach der Rückkehr aus der SU erzählt.
    Dr. Walter Geiger erwähnt auch ein britisches Dokument eines Informanten**
    ** den gab es also im Raum Nordhausen -
    aus dem Jahr 1944 über" Rüstungswerke nördlich Nordhausen".
    Aber das möchte ich erst einmal detaillierter anschauen.
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    Mit Dank für Eure Infos und Anregungen
    grüsst Jost-Dieter aus Grenzach am Hochrhein


  • Moien,
    nach BC War Diary waren es zwei Tagesangriffe, einer am 3.4. und der zweite am 4.4. 1945. Als Target wird für beide Angriffe "Military Barracks at Norhausen" angegeben. Insgesamt drei Lancaster gingen verloren. Warum sollten 500lbs GP Bomben aus US-Fertigung verwendet werden? Erschließt sich mir nicht wirklich. Das BC hatte genügend eigene Abwurfmittel.


    Das Foto der Besatzung ist wohl eines aus einer Serie die im Dezember 1940 auf dem Platz Gilze-Rijen gefertigt wurden. Auf einem dieser Bilder sieht man, das alle den Rang eines Oberfeldwebel haben, also Schmidt noch kein Offizier war.


    Die angebliche Landung in der Nacht vom 20./21. Mai 1941 auf dem britischen Horst Lincoln: Den Flugbefehl hätte ich mal gerne gesehen!! Im Ernst, selbst bei einem WErkstattflug mit einer Do 217 sind mehr als zwei Mann an Bord! Wenn, wäre es eh nur mit Anweisung/Billigung von ganz oben durchführbar gewesen. Und wie bleibt die britische Nachtjagd außen vor?
    h.

  • Hallo AviaB.33,
    !. tatsächlich fanden die Tagesangriffe auf Nordhausen am 3. und 4. April 1945 statt..
    Ich habe beide als zehnjähriger Pimpf mit Zittern und Schiss überlebt.
    2. Ist das wichtig, wieviel Lancaster verloren gingen?
    Geiger "Nordhausen im Bombervisier" berichtet auf Seite 148, das z. B. am 4. April 244 Lancaster starteten und 232 am Angriff teilnahmen.
    8 Mosquitos gingen an den Start, 4 M nahmen am Angriff teil.
    3. Warum warfen die Bomber auch 500 USA MB ab ?
    Weil siehe Geiger, S. 150, die leichteren USA- Minenbomben " durch Schmelzkombinationen hochbrisanter Sprengstoffe eine verhältnismässig grössere Zerstörungsleistung erzielten".
    4. Interessant, dass Du Zugang zu einer Fotoserie über die Crew des fahnenflüchtigen Heinrich Schmitt hast.
    Kannst Du mir eine Kopie überspielen ?
    Werde die Bilder beim nächsten Nordhausen-Besuch gern der Frau von Hans Martin Kromann zeigen,
    sie hat als Göre noch den Nachbarssohn Heinrich Schmitt gekannt.
    5. Laut babsies Kopie aus dem Kriegsmuseum Aalborg vom Dez. 2015, wissen wir, dass lt. Verlustmeldung des Kommandeurs Simon
    Oberleutnant Heinrich Schmitt aus Nordhausen und seine Crew verloren gingen.
    Dass Schmitt früher mal Uffz. war, ist logisch.
    6. Die angebliche Landung Schmitt's mit einer D 217 im Mai 1941 auf dem Horst Lincoln wird von einer britischen Quelle als Nonsens bezeixchnet.
    Da passt nichts zusammen.
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    Danke Dir für Deine Zweifel.
    Salu aus dem alemannischen Grenzach
    Jost-Dieter

    Edited 2 times, last by jostdieter ().

  • Hallo alle miteinander
    im Aalborger Museum ist es das einzige Bild zur vermutlich verschollenden Flugzeugbesatzung (der damaligen Zeit), dazu gehört auch die Verlustmeldung der Besatzung. Warum die Besatzung die Mützen (Oltn Schmitt) trug werden wir sicherlich heute nicht mehr klären können. Aber machmal wurden bestimmte Dinge ja als Glücksbringer getragen. Ich glaube man kann nur noch spekulieren. Das wir heute viel schlauer sind, nach vielen Recherchen, ist eine andere Sache.
    MfG
    Dietrich

    Edited once, last by babsie ().

  • Hallo babsie, in einem Text des Royal Air Force Museum 2013 von Andrew Simpson über die Ju88 R-1
    wird Aviation historian Ken West zitiert: ..these were a peacetime crew of some repute,
    though Schmitt and Rosenberger were loners who did not mix with other fliers."
    und " Helmut Fiedler, ' former ground crew on this Aircraft' zitiert:
    "on the squadron one often thought why such a long serving crew with the customary awards had made no interceptions and shot nothing down"
    Schmitt und Rosenberger flogen zusammen seit 1940.
    Schmitt stieg meines Wissens - ohne Abitur -aus dem Mannschaftsstand zum Offizier auf,
    zum sogenannten VOMAG: "Volks- Offizier Mit Arbeiter-Gesicht". (Wehrmachts-Jargon)
    Mit Schmitts sozialdemokratischem Hintergrund,
    sein Vater Josef soll kurze Zeit Sekretär des Politikers Philipp Scheidemann gewesen sein,
    könnte es sein, dass Schmitt nach dem Motto "Gleiche Brüder, gleiche Kappen"
    sich nicht von seinen gleichgesinnten Freunden Rosenberger und Kantwill unterscheiden wollte.
    Auch Deine Vermutung vom Glücksbringer könnte mit vielen Beispielen von Prominenten untermauert werden.
    Aber, wie Du schreibst," da kann man nur noch spekulieren."
    Gruss von Grenzach in die Mark, besuche jedes Jahr einige Spitzenküchen für Spargel und Wild in der Mark.
    Jost -Dieter

  • Moien,
    MC hat nichts mit Minenbomben zu tun!! Es heißt schlicht und einfach "Medium Capacity" und zwar seit 1926. 1942 wurde die Bezeichnung GP (Allzweck) verwendet.


    Die US 500lbs AN-M64 bzw. AN-M64A-1 ist schlicht und einfach eine GP, also eine Standardbombe. Eine weitere US 500lbs ist die INC AN-M 76 Brandbombe.
    AN steht für Army-Navy, also ein Standardprodukt, das von beiden Fliegerkräften der US Armee-Marine benutzt wurde.
    h.

  • Guten Tag,
    zu den Ausführungen von Jostdieter möchte ich einiges hinzufügen:
    1) Wieso soll die Art der Bombenzuladung "einmalig" gewesen sein? Derartige Mischungen von HC, MC und GP hat es bei Angriffen auf Köln mehrfach gegeben, auch die Verwendung vom amerikanischen A/N und GP Bomben war nichts ungewöhliches.
    2) Kenntnisse der Alliierten über Ziele: Im amerikanischen Nationalarchiv fand ich einen umfangreichen Aktenbestand, der aus Deutschland und den besetzten Gebieten herausgeschmuggelte Nachrichten enthält, fast ausschließlich von Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern verfasst, selten von deutschen Informanten stammend.
    3) Was die US-Amerikaner wirklich wussten, kann man in den sog. "Fatherland Reports" nachlesen, die der G2-Dienst des USArmy seit Herbst 44 regelmäßig drucken und verteilen ließ. Sehr interessante Quelle!
    4) Die angeblich sagenhafte Zielgenauigkeit der Allierten Bomber muss man mit größter Vorsicht betrachten. Ich habe mich jahrzehntelang mit Kriegsgerüchten befasst, und zu denen zählen auch die Stories bzw. Vermutungen über angeblich bewusst ausgesparte oder exakt getroffene Ziele. Der ganze Luftkrieg war für die Bevölkerung des betroffenen Landes, aber auch für viele Militärangehörige etwas undurchschaubares oder unerklärliches, und da mussten scheinbar logische Erklärungen gefunden werden, und wenn sie uns heute noch so abstrus erscheinen.
    5) Über Oblt. Schmitt kursierten ja die merkwürdigsten Gerüchte: Z. B. sein Vater sei aktiver Kommunist gewesen, er habe Kontakte zu verschiedenen Widerstandsgruppen gehabt (was der Grund dafür gewesen sei, dass er nie einen Abschuss erzielt habe).
    Die Geschichte mit der in England heimlich gelandeten (und wieder gestarteten)Do 217 haben schon Jahrzehnten die britischen Luftkriegshistoriker Alfred Price und Richard Bateson veröffentlicht - allerdings ohne Angabe einer Archivquelle.
    Beste Grüße
    Gebhard Aders

  • Hallo Dikussionsteilnehmer,
    da ich schon ziemlich alt bin und immer vergesslicher werde,
    nehmt es mir nicht übel, wenn ich möglichst rasch antworte:
    --------------------------
    Gebhard Aders Punkt 1. Wieso soll die Art der Bombenzuladung "einmalig" gewesen sein?
    Zitat Walter Geiger, (Fettdruck von W.Geiger) Seite 154:
    "Der zur Ausführung einer Dringlichkeitsaufgabe am 4. April 1945 von 09. 15 (X-Zeit) bis 9.21 Uhr (X plus X plus 6 Minuten) an die Groups 5 und 8 erlassene Befehl
    war mit der im Zweiten Weltkrieg einmalig erteilten Weisung gekoppelt,
    die Kampfflugzeuge ausschliesslich mit den damals drei sprengkräftigsten Bombentypen HC 4000 lb, MC 500 lb und USA 500 lb zu beladen..
    Durch die zuvor bei einem Großangriff noch nie abgeworfene Anzahl von 3823 MB,
    durch einen präzisen Zielanflug der Lancaster-Maschinen und durch die
    konzentriert vorgenommen Ausschüttung der Hochbrisanzkörper...gelang es den beiden RAF-Groups perfekt,
    die Boelcke-Kaserne und vor allem das gesamte Stadtzentrum zu atomisieren."
    Geiger verfügte über zahlreiche PRO -Dokumente.
    Ein britischer Bomberschütze erzählte in der DVD "Nordhausen, Hitlers Raketenfabrik", dass sie kurz vor dem Start die Bombenladung umtauschen mussten.
    Es wurde ein verheerender Feuersturm in der mittelalterlichen Stadt mit ihren schmalen Gassen ausgelöst.
    -----------------
    zu Punkt 2: "Kenntnisse der Alliierten über Ziele:"
    Die Allierten kannten die Koordinaten der Rüstungsbetriebe im Umkreis von Nordhausen.
    Sie wussten jedoch nichts über die V-Waffen-Produktion im Mittelwerk im Kohnstein.
    Erst am 10. .April 1945 öffneten Zwangsarbeiter der überraschten US- Panzerspitze
    die Tore der V-Waffen-Produktion in den Stollen des Anhydrid- Bergstocks Kohnstein.
    Die Geheimhaltung nach dem Umzug von Peenemünde war perfekt.
    Die Werkspost wurde täglich mit Kurieren von einem Postfach in Halle/Saale geholt.
    Der Syndikus des Mittelwerkes namens Usbeck soll täglich zu seinem Büro in Halle gefahren sein.
    Auch der Ingenieur im Mittelwerk, der in unserer unheizbaren Dachkammer hauste, erzählte nichts.
    Er machte wortlos mit seinem neumodischen Elektro-Schnell-Kocher morgens und abends in unserer Küche warmes Wasser,
    ging auf Klo und verschwand.
    -------------------------
    zu Punkt 5: " Über Oblt. Schmitt kursierten ja die merkwürdigsten Gerüchte :z. B. sein Vater sei aktiver Kommunist gewesen."
    Das erzählten auch Nordhäuser, die mit Josef Schmitt zu tun hatten.
    Er wurde von den Amis als Polizei-Präfekt in Nordhausen eingesetzt ,
    wurde wegen Wohnungseinbrüchen inhaftiert und soll nach dem Abzug der US-Truppen im Juni/Juli 1945
    an die Sowjets übergeben worden sein. Er wurde nie wieder in Nordhausen -Salza gesehen.
    Sein Sohn Heinrich soll lt. Oberst Göbel vom Jagdflieger-Verband nach der Rückkehr nach Westdeutschland
    "eine kleine Rente von einer sozialistischen Organisation "bezogen haben.
    Ich vermute , das war die VVN," Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes" in der Ostzone/DDR,
    die auch in Westdeutschland gezahlt haben soll.
    -----------------------------------------------
    zu Punkt 6: Die Geschichte mit der in England heimlich gelandeten (und wieder gestarteten)Do 217 halte ich
    für eine von den Briten erfundene Des-Information.
    So soll ja auch Ofw. Kantwill unter Zwang zum Mitmachen gezwungen worden sein .
    In der Opferrolle konnte Kantwill als Spitzel in die Kriegsgefangenen-Lager eingeschleust werden,
    während Schmitt und Rosenberger in der BBC ihre Kameraden zum Überlaufen aufforderten.
    Leider habe ich bis heute keinen Zugang zu den MI5/MI6 -Akten.
    -------------------
    Jost-Dieter grüsst Euch.

    Edited 2 times, last by jostdieter ().

  • Danke, JostDieter,
    für diese Hinweise.
    ich will mich jetzt nicht an dem kurz nach Kriegsende einsetzenden makabren Wettstreit "aber unsere Stadt hat größere Schäden" erlitten, aber trotzdem mal als Vergleich:
    Bei letzten Luftangriff auf Köln am 2. März 1945 setzte das britische Bomberkommando 858 Lancaster und 28 Mosquitos ein mit dem Auftrag, die Zufahrten zu den beiden letzten Rheinbrücken zu blockieren.
    Jede Mossie trug eine 1000 Lb AP-Bomber (Armour Piercing = Panzerbrechend)
    Die Lancaster waren mit 12000 MC, 8000 MC und 4000 MC+Sprengbomben 500 und 1000 GP beladen.
    Bei dem nur 17 Minuten dauernden Angriff wurden 8% der im ganzen Krieg auf Köln abgeworfenen Bombenlast abgeworfen.
    Beste Grüße
    Gebhard Aders

  • .Hallo Ihr Interessenten an der JU 88 R-1 - Fahnenflucht des Nachtjägers Heinrich Schmitt aus Nordhausen/Thüringen und seiner Crew :


    KWER wies bereits.2013 auf die Quelle "12oclockhigh.net/showthread..." hin.
    Damals stellte Adriano Baumgartner, Mitglied dieses britischen forums, die Frage,

    Quote

    Maybe some of you do have access to the SIS/MI6 files in UK?!


    Quote

    wie man an die MI6 -Akten herankäme über die
    "britischen Agenten Heinrich Schmitt aus Nordhausen und seinen Vater Josef Schmitt, bis 1929 secretary of Philipp Scheidemann,


    Es wäre wissenswert, ob der Vater Josef Schmitt in Nordhausen-Salza 1944/45 über ein Funkgerät verfügte.
    Angeblich bekam der nach der Fahnenflucht seines Sohnes am 9. Mai 1943 eine Funknachricht
    " Der Mai ist gekommen".
    Frage 1: Wie bekomme ich Zugang zu den MI6- Akten ?
    Frage 2: Auf der Info-Tafel über die JU88 R-! im Imperial War Museum Hendon ist ein Foto , möglicherweise der deutschen Crew
    Könnt Ihr mir einen Weg zu diesem Foto weisen ? Im Internet ist nur der Text greifbar.


    Mit Dank im voraus grüsst Jostdieter aus Grenzach am Hochrhein

    Edited 2 times, last by jostdieter ().

  • Hallo,


    das RAF-Museum schreibt, daß Schmitt's Vater mal Sekretär des ehem. Außenministers Gustav Stresemann war:



    Quote

    Flugzeugführer (Pilot) Oberleutnant Heinrich (or Herbert) Schmitt (age 29) - son of the one-time secretary to the Weimer Republic's Minister for Foreign Affairs, Gustav Streseman.


    https://www.rafmuseum.org.uk/d…F-953-Junkers-Ju88-R1.pdf


    Das gesuchte Foto dürfte das hier sein:


    [Blocked Image: http://aircrewremembered.com/editorial/resources/schmid-and-crew-w800.jpg]


    Von links nach rechts: Kantwill-Schmitt-Rosenberger-unbekannt. Einzelbild: Kantwill.


    http://www.aircrewremembered.c…id-herbert-defection.html


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo, danke Dir für die umfassenden Informationen und die lange gesuchten.Fotos, die babsies Funde im Militär -Museum Aalborg bestätigen
    Besonders der Text des Forums: 'AirCrewRemebered..' gefällt mir,
    weil die Autoren deutlich auf die widersprüchliche Informationslage hinweisen.
    --------------
    .Zu :Flugzeugführer (Pilot) Oberleutnant Heinrich (or Herbert) Schmitt (age 29).
    schreibt das RAF-Museumt, daß Schmitt's Vater mal Sekretär des ehem. Außenministers Gustav Stresemann war
    - son of the one-time secretary to the Weimer Republic's Minister for Foreign Affairs, Gustav Streseman
    .------------------
    Das möchte ich bezweifeln:
    Einer anderen Quelle ist zu entnehmen, dass der Vater Josef Schmitt Sekretär des Sozialdemokraten Philipp Scheidemann war.
    Josef Schmitt hatte in seinem Wohnviertel in Nordhausen- Salza einen schlechten Ruf.
    Er soll nach dem Zusammenbruch 1945 von Haus zu Haus gegangen sein und
    mit einem Stock an die Haustür geschlagen haben mit dem Ruf :" Jetzt sind wir dran !"
    Der US-Stadtkommandant von Nordhausen ernannte ihn zum Polizeipräfekten.
    Einige Wochen später wurde er "wegen Wohnungseinbrüchen " eingesperrt zusammen mit NSDAP- Funktionären.,
    die er kurz vorher selbst in Gewahrsam genommen hatte.
    Der ehemalige Mithäftling Heinz Sting erinnerte sich,
    dass Josef Schmitt sich im Arrest der Fahnenflucht seines Sohnes Heinrich rühmte..
    -----------------
    Könnte mir vorstellen, dass Josef Schmitt als Sekretär von der Mentalität her eher zum sowjetnahen Sozialdemokraten Scheidemann
    als zum bürgerlichen Liberalen Stresemann passte.
    rafmuseum.org.uk/documents/col…F-953-Junkers-Ju88-R1.pdf
    --------------------------------------------
    Das gesuchte Foto dürfte das hier sein:
    siehe Foto Crew Ju 88 R-1 in Thilos Beitrag:
    Von links nach rechts: Kantwill-Schmitt-Rosenberger-unbekannt. Einzelbild: Kantwill.


    aircrewremembered.com/schmid-herbert-defection.html
    -----------------------
    Vermute, der rechts abgebildete unbekannte Flieger mit US-Kappe und life-jacket ist Flight Lieutenant Arthur Ford "Art" Roscoe DFC MID,
    dem Pilot Heinrich Schmitt seine life-jacket schenkte, "weil er ihn nicht abgeschossen hatte"
    Mit Gruss und Dank Jostdieter
    -------------------------
    Suche Einsicht in die Britischen MI6-Akten 1939 bis 1945 über die Britischen Agenten Josef und Heinrich Schmitt aus Nordhausen-Salza.

    Edited once, last by jostdieter ().