Wehrmachtsführerscheinklassen

  • Hallo!


    Habe mit den Unterlagen über die Kriegsgefangenschaft meines Großvaters auch die Kopie seines Wehrmachtsführerscheines erhalten. Darin war eingetragen, daß er die Klasse 1 besaß.


    Wer kann mir sagen, welche Klassen es beim Wehrmachtsführerschein gab und welche Fahrzeuge man mit den verschiedenen Klassen fahren durfte?


    mfg Harald

    Suche alles über das Panzerregiment 9 im Zeitraum ab November 1944. (Speziell interessiert an Stab und Stabskompanie II. Abteilung) Sowie alles Oberdonau betreffend, speziell das Gebiet nördlich der Donau.

  • Hallo, Harald,


    kann Deine Frage leider nicht beantworten, hatte aber gerade Lust zum Googeln.


    Schau mal, was ich gefunden habe:
    http://www.autoveteranen.de/index.html
    (Notfalls dort anfragen! Die wissen es bestimmt!)


    Da gibt es :
    historische zivile Führerscheine
    historische Behörden Führerscheine
    Führerscheinprüfung 1910
    historische Fahrzeug und Flugzeugbrillen
    historische Kraftfahrzeug Dokumente
    Bedeutung alter Kfz Kennzeichen


    Durchwühle mal dieses Buch bitte:
    Motorisierung und "Volksgemeinschaft": das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) von Dorothee Hochstetter - hier -


    Hast Du gute Augen? Dann schau mal, ob Du in diesen Wehrmacht-Führerscheinen etwas findest...... (die Dinger sehen genauso aus, wie mein erster Führerschein).


    http://www.flickr.com/photos/27715088@N06/2583058731/
    http://www.axishistory.com/index.php?id=5168


    Führerscheinklasse vier (aber zivil) war Motorrad (= mein Großvater).


    Lieben Gruß Margarete

  • Hallo Margarete!


    Danke für Deine Hinweise. Habe bei Deinen Links nachgesehen und auch selbst etwas gegoogelt. Habe bis jetzt folgendes herausgefungen:


    Zivil bis 1933


    I Krafträder


    II Kraftfahrzeuge über 2,5 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht


    IIIa Kraftwagen bis 2,5 Tonnen mit bis 10 Steuer PS


    IIIb Kraftwagen bis 2,5 Tonnen mit über 10 Steuer PS


    Ab 1933


    IIIa und IIIb vereinigt zur Klasse III


    Neu Klasse IV Vierradfahrzeug bis 400 ccm und 350 kg


    Ab 1937


    Klasse IV auch für KFZ bis 250ccm und bis 20km/h (z.B. Traktor)


    Von dem NSKK Link konnte ich noch entnehmen, daß 17 jährige ab Oktober 1938 die Klasse IV für Kleinkrafträder machen durften.


    Mehr konnte ich aus diesem Link nicht entnehmen, da mir dort nur ca. ein Drittel der Seiten angezeigt wird.


    Denke mal, daß bei der Wehrmacht die gleichen Klassen gegolten haben.


    Aber vielleicht kann mir noch jemand weiterhelfen, in welchen Klassen Holzvergaser-KFZ, Halbkettenfahrzeuge und Panzer gefahren werden durften.


    mfg Harald

    Suche alles über das Panzerregiment 9 im Zeitraum ab November 1944. (Speziell interessiert an Stab und Stabskompanie II. Abteilung) Sowie alles Oberdonau betreffend, speziell das Gebiet nördlich der Donau.

  • Hallo Harald,


    Quote

    Aber vielleicht kann mir noch jemand weiterhelfen, in welchen Klassen Holzvergaser-KFZ, Halbkettenfahrzeuge und Panzer gefahren werden durften.


    den WH-Führerschein meines Opas gibt es noch, er hatte die Klasse 2 (LKW), die Berechtigung, Kettenfahrzeuge zu fahren, ist dort als Beiblatt eingeklebt, ebenso die für Holzvergaserfahrzeuge.


    Bei der Erlaubnis für Holzvergaserfahrzeuge ist der Besuch eines Lehrgangs beim Fahrzeughersteller vermerkt.



    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo!


    Dann scheint die Sache mit den Führerscheinklassen beim Wehrmachtsführerschein geklärt. Das waren dann eben die gleichen Klassen wie beim zivilen Führerschein und die erweiterten Berechtigungen wie Holzvergaser, Kettenfahrzeuge und Panzer wurden dann als Beiblätter angeheftet.


    Könntest Du vielleicht Bilder des Wehrmachtsführerscheines mit den Beiblättern posten? Würde mich echt interessieren.


    mfg Harald

    Suche alles über das Panzerregiment 9 im Zeitraum ab November 1944. (Speziell interessiert an Stab und Stabskompanie II. Abteilung) Sowie alles Oberdonau betreffend, speziell das Gebiet nördlich der Donau.

  • Hallo Harald,


    Quote

    Könntest Du vielleicht Bilder des Wehrmachtsführerscheines mit den Beiblättern posten? Würde mich echt interessieren.


    wenn ich mal wieder die Oma besuche, mache ich ein Foto davon. :D


    Der Führerschein war übrigens zivil nicht gültig, man mußte in nach Ende der Dienstzeit umschreiben lassen. (Opa hatte auch Führerscheine der amerikanischen BZ von 1945 und Bundesrepublik 1950, immer Klasse 2)




    Grüße


    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo !


    Wer weis denn, wann das System der Buchstabenklassen in der DDR eingeführt wurde, das wir ja auch inzwischen übernommen haben?


    Wo liegen da die Ursprünge ?


    Denn eigenartigerweise hatte ja der BW- Führerschein auch die Einteilung im Alphabet.


    Ich kann mir nicht vorstellen, das die Gründer der BW das von der NVA abgeguckt haben und umgekehrt!?


    Ich habe daher immer gedacht das der BW- Führerschein vom Wehrmachtsführerschein abstammt.


    Andererseits hat die DDR viel mehr vom alten Reich übernommen als man glauben kann, zb Reichsbahn, Stil der NVA Uniform usw.


    Übrigens hieß der Führerschein immer so, seit einem Erlaß vom Kaiser im Jahre 1909.
    Nur die "Oberen" in der DDR konnten sich mit diesem Namen nicht so recht anfreunden und nannten ihn schlicht " Fahrerlaubnis"


    Ich freue mich über Aufklärung dieses interessanten Themas!


    LG bfg

  • Hallo Harald,


    Anbei etwas aus der StVZO vom 13.11.1937 (abgedr. RGB 1937 T1 S. 1216-1217)


    Diese Klassen waren auch in der Wehrmacht gültig, allerdings musste man z.b. für Halbkettenfahrzeuge zusätzliche Ausbildungskurse besuchen, z.b. für Gleisketten-Lkw "Maultier". Dazu erhielten die Motorsportschulen (MSS) aber 1939 Halbkettenfahrzeuge
    Ebenso gab es Ausbildungskurse für Holzgasbetriebene Fzg., die allerdings in Fronteinheiten nur sehr bedingt Verwendung fanden. Ab November 1941 lag die Holzgaser-Ausbildung von Wehrmachtangehörigen in den Händen des NSKK.(Hochstetter, S. 435)


    "Dem NSKK ist durch Verfügung des Führers und OB der Wehrmacht neben der nachmilitärischen auch die vormilitärische Wehrertüchtigung des gesamten jungen Ersatzes der motorisierten und teilmotorisierten Truppenteile des Heeres übertragen worden. Sie erfolgt auf einer der 23 Motorsportschulen des NSKK. Die Belegstärke jeder Schule beträgt - das Stammpersonal nicht mitgerechnet - pro Lehrgang jeweils rund 300 Mann.
    Ausbildung und Unterricht erfolgen auf allen MSS nach einheitlichen, auf die Bedürfnisse der Wehrmacht abgestimmten klaren Lehrplänen. Die MSS sind mit modernsten Lehrmitteln (Schnittmodellen, Lehrtafeln, Schaubildern, Sandkästen, Verkehrunterrichtstischen, Verkehrszeichen usw.) auf das beste ausgestattet. Sie besitzen vorbildliche Unterrichtsäume und Lehrwerkstätten und verfügen für die Fahrausbildung über einen eigenen Park geländegängiger Kraftfahrzeuge jeder Art.
    In mehrwöchigen Lehrgängen werden die jungen Motor-Wehrmänner mit dem Kraftfahrzeug (Motorrad, Personenwagen, Lastkraftwagen, Gleiskettenfahrzeug) eingehend vertraut gemacht und in seiner Bedienung gründlich unterwiesen. Sie lernen Störungsquellen erkennen und beseitigen und, was das wesentliche ist, das Kraftfahrzeug in jeder Lage beherrschen. Ein lebendiger theoretischer und praktischer Unterricht vermittelt ihnen einen gediegene Grundlage technischen Wissens und handwerklichen Könnens.
    Die Ausbildung, die mit keinerlei Kosten für den Lehrgangsteilnehmer verbunden ist, ist mit dem Erwerb des Führerscheins beendet".
    (Krenzlin, S.43f)


    Mit behördlicher Billigung konnten Kraftfahrer über das NSKK von Klasse 3 auf Klasse 2 umgeschult werden, da dieser immer stärkere Bedeutung im Kriege zukam.


    Bereits mit Führer-Erlass vom 27.1.1939 wurde für alle Wehrpflichtigen, die zu Kraftfahrern des Heeres gemustert worden waren, der Besuch einer Motorsportschule VOR Ableistung der Wehrpflicht verpflichtend. (Hochstetter, S.259)


    Ab Ende 1943 kam das zivile Fahrschulwesen quasi zum erliegen, weil die "Genehmigung zur Fahrausbildung" der Fahrlehrer durch Erlass vom 6.11.1943* ruhen musste und nunmehr ausschließlich über das NSKK lief.
    *(RGB 1943 T1 S.142 und 653)


    Interessant auch das das NSKK zwischen 1943 und 1945 rund 50.000 Frauen als Kraftfahrerinnen ausbildetete*, hps. um Männer (z.b. im städtischen Omnibus-Verkehr) zu ersetzen und freizumachen für die Wehrmacht.
    * Hochstetter, S.434


    Die Ausbildung der Klasse 4 wurde hsp. über die Motor-HJ betrieben. Diese Jungen mussten dann "notdienstverpflichtet" im Luftschutzdienst arbeiten und z.b. während und nach Luftangriffen Melde- und Kurierdienste mit ihren Maschinen leisten. (Hochstetter S. 437ff)


    Ende 1944 richtete das NSKK sogar Sonderlehrgänge auf Spezialfzg. für bein- und armamputierte Kriegsversehrte ein! (Hochstetter, S.440)



    Für Panzer gab es in der Wehrmacht folgende Führerschein-Klassen:(Fleischer, S.3ff)


    Klasse 1 - für Vollkettenfahrzeuge bis 10t
    Klasse 2(A) und 2(B) - für Vollkettenfahrzeuge bis 30t
    Klasse 3 - Vollkettenfahrzeuge bis 60t


    Dazu kamen spezialisierte Ausbildungseinheiten, wie die Pz-Ersatz- und Ausbildungseinheit 100, die im Frühjahr 1942 den Ersatz für alle mit franz. Beutefahrzeugen ausgestatte Feldeinheiten ausbildete. Teilweise verfügten auch die Beutepanzerabt. über eigene Fahrschulpanzer und betrieben die Ausbildung in eigener Verantwortung.


    Die Ausbildung der zukünftigen Panzerfahrer dauerte in der Regel 8 Wochen und wurde im Krieg verstärkt auf die NSKK übertragen.
    Am Anfang stand der Unterkurs um das Fahrzeug sicher zu beherrschen (z.b. wurde das Aufsitzen mit verbundenen Augen trainiert) und kennenzulernen, quasi die Grundausbildung. Nach dessen erfolgreicher Absolvierung kam man in den Oberkurs, wo hps. das Fahren mit geschlossenen Luken trainiert wurde.


    Lt. Hochstetter konnten 17-jährige Freiwillige ab 1943 über das NSKK nach dreimonatiger (ab April `44 2 Monate) Ausbildung den Panzerführerschein A machen. (S.438)



    Literatur:
    - Hochstetter, Dorothee: Motorisierung und "Volksgemeinschaft", München 2005
    - Krenzlin, Hans-Helmut: Das NSKK, Berlin 1939
    - Fleischer, Wolfgang: Fahschulpanzer der Wehrmacht, 1997
    - Fack, Dietmar: Das deutsche Kraftfahrschulwesen und die technisch-rechtliche Konstitution der Fahrausbildung 1899-1943, In: Technikgeschichte, Bd. 67 (2000), S.111-138



    Viele Grüße
    Steffen


    PS & Edit. Das Schreiben des Beitrages hat etwas gedauert, so das in der Zwischenzeit ein paar von mir nicht beachtete Beiträge dazugekommen sind. Ich bitte dies zu entschuldigen.

  • Hallo!


    @ Thilo


    Schon mal Dank im vorraus daß Du die Fotos einstellen willst.


    @ Papa


    Vielen Dank für Deinen ausführlichen und sehr interessanten Beitrag!!! Hast Dir ja eine Menge Mühe gegeben, wieso solltest Du Dich denn dafür entschuldigen? Da muß ich mich eher bei Dir bedanken!


    mfg Harald

    Suche alles über das Panzerregiment 9 im Zeitraum ab November 1944. (Speziell interessiert an Stab und Stabskompanie II. Abteilung) Sowie alles Oberdonau betreffend, speziell das Gebiet nördlich der Donau.

  • Hallo Harald,


    Gern geschehen.


    Entschuldigt habe ich mich, weil man sonst denken könnte, ich hätte die vorhergehenden Beiträge nicht zu Kenntnis genommen und Dinge erklärt/gesagt, die doch eigentlich schon feststanden bzw. genannt wurden.


    Viele Grüße
    Steffen

    "Man besucht ja nur sich selber, wenn man zu den Toten geht" (Kurt Tucholsky)

  • Quote

    Original von bfg
    Übrigens hieß der Führerschein immer so, seit einem Erlaß vom Kaiser im Jahre 1909.
    Nur die "Oberen" in der DDR konnten sich mit diesem Namen nicht so recht anfreunden und nannten ihn schlicht " Fahrerlaubnis"


    Hallo bfg,


    zwischen der Fahrerlaubnis und dem sogenannten Führerschein besteht aber ein Unterschied! Der Führerschein ist lediglich ein amtliches Dokument, mit dem der Führer eines Kraftfahrzeuges im Bedarfsfall (wie z.B. Verkehrskontrolle durch Polizei, BAG oder Ordnungsamt) gegenüber den kontrollierenden Organen nachweisen kann, daß er im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis der für seinen Wohnort zuständigen Straßenverkehrsbehörde ist. Die Fahrerlaubnis ist ein sogenannter "Dauerverwaltungsakt", d.h. die Straßenverkehrsbehörde erlaubt dem Kraftfahrer bis auf Widerruf, nach dem Ablegen der vorgeschriebenen, entsprechenden theoretischen und praktischen Prüfung das Führen eines Kraftfahrzeuges (der geprüften Klassen) im öffentlichen Straßenverkehr. Deshalb stellt man in der Fahrschule zuerst einen Antrag auf eine Fahrerlaubnis, legt dann nach entsprechender Schulung die Fahrprüfung ab und erhält nach erfolgreicher Prüfung den Führerschein als Nachweis über die abgelegte Fahrprüfung.
    Geregelt ist das Verfahren zum erlangen einer Fahrerlaubnis in der "Verordnung über die Zulassung von Personen zum Straßenverkehr" und dort im §4 Abs. 1 und 2 sowie §15:


    http://bundesrecht.juris.de/fe…JNR221410998BJNG000200000


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().



  • Hallo zusammen,


    die Einteilung der Fahrerlaubnisklassen nach Buchstaben beruhte bei der Bundeswehr (für die DDR/NVA kann ich da nicht sprechen) auf einem frühen Harmonisierungsentwurf der (damaligen) EWG / EU, der aber z.B. in Deutschland nicht umgesetzt wurde. Erst mit der letzten Reform des deutschen Führerscheinrechts wurde dies (dem inzwischen verbindlichen) EU-Recht angepasst.


    Gruß
    Rudolf (KINZINGER)


    P.S. Meine erste Fahrerlaubnis war mit 16 Jahren Klasse IV (Traktor und Kleinkraftrad). Und dann habe ich seit 1969 "nur Buchstaben" gehabt: A, B, D, E, F1-4. Und dann habe ich nahtlos den EU-Führerschein (ebenfalls mit Buchstaben (außer F1-4)) bekommen.