Gefangenschaft in Enns an der Enns

  • Grüß´ Euch!


    Mein Großvater war als SS-Mitglied bei Kriegsende zunächst im Raum St.Pölten/Niederösterreich eingesetzt und hat es dann wie viele andere noch rechtzeitig über die Enns (Demarkationslinie) nach Oberösterreich geschaftt. Dort war er kurz in amerikanischer Gefangenschaft, aus der er dann entkommen ist.


    Frage: Wie muß man sich die Situation im amerikanischen Gefangenenlager vorstellen? Weiß jemand wieviele dort in Gefangenschaft waren? Wo genau das Lager war? Das Verhalten der Amerikaner?


    Jeder Hinweis ist willkommen!


    Danke, und liebe Grüße aus Wien,
    Martin

  • Hallo !


    Um dir mehr über die amerikanischen Gefangenenlager sagen zu können, müßte man wissen wo er im Lager inhaftiert war. Bei welcher Einheit der Waffen SS war er. Schon einen Antrag bei der WAST gestellt, die haben dort oft die Krieggefangenenakten und Gefangenenfragebogen. War zumindest bei meinem Großvater so.
    Ich bzw. wir benötigen ein paar Einzelheiten mehr, um Dir helfen zu können. Es gibt über die Gefangenschaft viel interessante Bücher. Ich verfüge über sehr viele Bücher und würde auch gerne für Dich nachschauen, bloß ich benötige mehr Info.
    MfG lilawendo

  • Hallo Martin,


    einen kleinen Eindruck kannst du in den Kriegserlebnissen meines Großvaters (klick), der auch bei der Waffen-SS war und an der Enns in Gefangenschaft ging, bekommen. Ab Seite 12 wird seine Gefangenschaft beschrieben.


    Auch ich bin, aus dir wohl verständlichen Gründen, natürlich neugierig bei welcher Einheit dein Großvater war. ;)


    Gruß, Oliver.

    Suche alles über die 12. SS-Panzerdivision "Hitlerjugend".

    Edited once, last by OliverP ().

  • Hallo Martin,


    Mein Großvater ging mit mit dem Gros der 12. SS Division bei Enns in amerikanische Gefangenschaft.


    Ich nehme an, dass Dein Großvater wie auch meiner nach Linz gebracht wurde, und dann dort in eines der Lager kam (von EINEM Lager ist NICHT zu sprechen). Es gab da sicher einige, mir sind bei meinen Recherchen allerdings immer wieder die Lager Linz-Uhrfahr, Wegscheid und Haid begegnet.
    Aus den überlieferten Erzählungen meines Großvaters weiß ich, dass v.a. die Zeit kurz nach der Gefangenschaft sehr hart war. Er meinte, dass ihm die jungen Lanzer immer sehr leid taten, weil diese oftmals an Erschöpfung/ mangelnder Ernährung starben. Erfahrene Soldaten haben sich eher ruhig verhalten um Energie zu sparen- und "länger durchgehalten".


    Zitat:

    Quote

    Also nach 36 Std. haben wir zum ersten Mal Mehlsuppe bekommen. Nach dem ich nichts gehabt habe, wo herein das Essen bin ich dort zum Müllhaufen gegangen und habe von den Amerikanern solche Konservendosen genommen, wissen Sie, und mit dem bin ich gegangen. Und das habe ich…


    Quote

    Es war noch etwas Angenehmes, aber ich habe es nicht können ausnützen. Die Linzer Frauen haben diese Lebensmittellager geplündert und haben gekocht für die Gefangenen, für die deutschen Gefangenen. Haben es zum Lager gebracht und der, der was brauchte, der hat was bekommen- ausgeteilt. Das war auch eine schöne Geste!


    Ich habe auch bei meinen Nachforschungen mit einem Historiker/ Heimatforscher aus Linz korrespondiert- ich schau mal, was da noch so in meinen Unterlagen steht, was evtl. interessant sein könnte- oder Du fragst einfach mal konkret.


    Ein anderer Landser, der nach Uhrfahr kam, berichtete mir davon, dass sie auf Ihrem Weg zum Lager (=uneingezeunter Park) immer wieder von ehem. KZ Insassen von Mauthausen attackiert wurden und geprügelt wurden. daraufhin wurden einige Landser wieder von den Amerikanern bewaffnet, um den Marsch zum Lager zu sichern. Ich zitiere mal:


    Quote

    Und dann sind wir in Uhrfahrt in einen großen Park hereingekommen, dort war kein Bett oder so etwas, ein Park, die Erde, dann haben wir so ein Loch gemacht, weil es war Mai, es war nicht so warm und haben uns dort hineingelegt.
    Aber zuerst haben wir uns gemeldet, natürlich, denn anders haben wir nicht hereingehen können. Gemeldet wer wir sind usw. Und dann haben wir gewartet Tag und Nacht- ein Lautsprecher hat den Namen gerufen für die Entlassung, also zuerst für das Verhör natürlich. Und ich bin gerade in der Nacht [verhört worden]. Bis ich zurück gekommen bin, haben die anderen lieben Kollegen meine ganzen Zigaretten gestohlen. Ich habe nicht geraucht, aber ich hab sie zur Reserve bei mir gehabt.


    In den Lager wurde dann, wie so häufig, oder auch immer, an Hand der Tätowierung die Waffen-SS von der Werhrmacht getrennt


    Aber ich denke, dass ganze geht zu weit in Richtung Linz, und das steht ja noch nicht mal fest. Sollte es dennoch darauf hinauslaufen kann ich Dir keine großen Hoffnungen machen, auf Gefangenenunterlagen zu stoßen. Vielleicht hast du bei der WASt noch das meiste Glück.


    Da er getürmt ist existieren vielleicht gar keine Unterlagen!? Und die geanue Einheit täte mich natürlich auch interessieren- in der Gegend gingen einige in Gefangenschaft...

    Schönen Gruß,
    Bernd

  • Hallo werte Forumsmitglieder !


    Mein Großvater ging am 8.5.45 in Oberhaid (Oberheid) Österreich in Gefangenschaft. Auf einem Antrag über Kriegsgefangenschaftsentschädigung gab mein Großvater allerdings Neustadt Österreich an. Das Kriegsgefangenenlager wo erstmals ein Formular ausgefüllt wurde war in Kaufbeuren Allgäu Lager 323 13.b !
    Das war am 13.9.45 unterschrieben hat es P.W.E. 26 Inf.Div. I.A. Max Kretschy. Wo er aber vom 8.5.45 bis zum 13.9.45 war geht leider aus keinen Unterlagen hervor. Danach gehörte er zu den Soldaten die von den Amerikanern an die Franzosen übergeben wurden. Erst Frankreich Depot 148 St.Etienne und dann Depot 171 Camp des Sables. Er wurde erst am 14.10.48 entlassen.
    Mein Großvater gehörte auch zur Waffen SS und zwar zum Stab der I.Abteilung des Panzerartillerieregiments Das Reich. Auch mich würde brennend interessieren in welche Lager die Soldaten in Österreich vorrübergehend gekommen sind. Leider ist auch mir es bis jetzt nicht gelungen das herauszufinden. Vielleicht kann man sich ja wieder ergänzen.
    MfG lilawendo

  • Hallo Oliver,


    ich habe die Kriegerlebnisse deines Großvaters gelesen, sehr interessant! Danke für den Link!
    Eigentlich sollte man diese Berichte sammeln und in irgend einer Weise als Band herausgeben.
    Ich denke, daß es viele gibt, die solche "Geschichten aus erster Hand" interessiern würde...


    Mein Opa war Herbst 44 im Rahmen der 17.SS-Div. "Götz von Berlichingen" im Raum Metz, kam dann Ende 44 nach Neweklau wo er an einem Führerbeweberlehrgang teilnahm und dann (nach eigenen Aussagen bei seinem Volksgerichtsverfahren) im März in den Raum St.Pölten wo es gegen die Russen im Einsatz war. Oder gewesen sein könnte, denn dieser Zeitabschnitt ist etwas unsicher, da eigentlich nur seine eigenen Nachkriegsaussagen vorliegen. Aber daran forsche ich mit Hilfe von Niki gerade intensiv.
    Es kann auch sein. daß mein Opa gar nicht in Enns gefangen war, sondern gleich bei einem Bauern in Oberösterreich untergetaucht ist. Das muß ich aber erst rausfinden...


    Gleichfalls Dank an euch alle für eure Antworten. WAST habe ich schon kontaktiert, leider ergebnislos.


    Liebe Grüße,
    Martin

    Edited once, last by Dissler ().

  • Quote

    Original von Dissler
    WAST habe ich schon kontaktiert, leider ergebnislos.


    Hallo Martin,


    eine weitere Anfragemöglichkeit nach Unterlagen und Daten zu Kriegsgefangenen bietet das Internationale Rote Kreuz (ICRC) an:


    http://www.icrc.org/eng/contact-archives


    Leider waren meine Anfragen dort bisher ergebnislos, aber einen Versuch ist es sicherlich wert.
    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().

  • Danke J.H. für den Hinweis!


    Ich möchte gerne nochmals auf meine ursprüngliche Frage zurückkommen:


    Mich würde interessieren ob jemand etwas über das (oder die) Lager in Enns weiß.
    z.B. wieviele Gefangene dort waren,
    evtl. Fotos, etc. ...


    Liebe Grüße,
    Martin

  • Hallo Martin,


    hast Du während Deiner Suche nach Informationen überhaupt schon einmal Kontakt zum Roten Kreuz oder seinen Einrichtungen wie dem Suchdienst gehabt? Zu dem oder den Lager(n) in Enns könntest Du z.B. beim Österreichischen und /oder Deutschen Roten Kreuz eine Anfrage nach einem sogenannten "Lagerspiegel" stellen, der sieht dann vermutlich ähnlich aus wie dieser bei wiki-genealogy veröffentlichte für ein sowjetisches Kriegsgefangenenlager:


    http://wiki-de.genealogy.net/D…owitschi-Lagerspiegel.jpg


    http://www.roteskreuz.at/migra…e-und-schicksalsklaerung/


    Gruß, J.H.

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

  • Vielleicht kann ich was dazu beitragen.
    Ich selbst bin Kriegskind.
    Einer meiner Kollegen, er ist sehr verschlossen, was den Krieg betrifft aber beim letzten Stammtisch erzählte was.
    Er war in einem Kriegsgefangenenlager der Russen in St Pölten, nach der Kapitulation. sie hausten in Erdlöchern, dann wurden Sanitäter zum Transport von Typhuskranken gesucht. Er und einige Kameraden meldeten sich , sie waren keine Sanitäter sondern Sturmpioniere. Er meinte egal, vielleicht kommen wir raus. Ein Transport wurde zusammengestellt, irgendwann, an der Enns hielt der Transport, die Typuskranken sprangen auf und alle tümten über die Enns unter Beschuss der Russen in die Amerikanische Zone.
    Er gehörte zu einer SS-Einheit war aber Wehrmachts-Angehöriger. Er hatte das Vögelschen nicht auf dem Arm wie er sagte.
    Wenn jemand was detaliertes wissen will, kann ich ihn beim nächsten Stammtisch ja mal fragen. Seine Pionier Einheit war aus Hanau.
    LG
    Drickes