Übernahme der Ränge Polizei ->Waffen-SS

  • Hallo Forumskollegen,


    ich hätte da mal eine allgemeine Frage:


    Wurden Polizisten mit den gleichen Ränge in die Waffen-SS übernommen?


    Mein Großvater war in einer Polizeieinheit in Russland und wurde später in die Waffen-SS "überführt".
    Sein damaliger Rang in der Polizei war "Polizeirevieroberwachtmeister".Das wäre doch in der Waffen-SS ein "Oberscharführer". Oder liege ich da falsch?


    habe dazu diesen Link gefunden:


    http://de.wikipedia.org/wiki/O…8Stand:_10._April_1941.29


    Gruß ernesto

    Edited 2 times, last by ernesto_2 ().

  • Hallo ernesto,


    ja, das stimmt schon so.


    Als Revier-Oberwachtmeister der schutzpolizei müsste er dann "aktiver" Beamer gewesen sein vor dem Krieg.....


    ;) ;)


    Gruß


    Marcus

    Suche ALLES zu Polizei-Bataillonen aus dem Wehrkreis VII und dem Einsatz in Slowenien sowie zur PV. Litzmannstadt
    "Wer die Freiheit aufgibt um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren." (Benjamin Franklin)

  • Hallo Marcus,


    danke für deine (wirklich) frühen Antwort ;)


    Auf seiner Beförderungsurkunde wurde er am 20.April 1940 in diesen Rang befördert.Das ist auch leider das einzige Dokument (und 6 Fotos in Polizeiuniform,keine in SS Uniform) von ihm,daß den Krieg überlebt hat.
    Habe meine Mutter gefragt,ob er schon vor dem Kriegsausbruch bei der Polizei war und hat dies bejaht.Du hast also voll ins Schwarze getroffen!


    Habe eine zeitlang gerätselt,was du mit "Beamer" gemeint hast.Glaubte es als engl.Wort "beam" entziffern zu müssen :rolleyes: Dann fiel der Groschen....BEAMTER !


    Danke und Gruß ernesto

    Edited once, last by ernesto_2 ().

  • Guten Tag,


    in meinem Archiv habe ich Unterlagen von aktiven Polizeibeamten, die in der Waffen-SS oder der Wehrmacht waren. Mir fällt da ein Oberleutnant der Bochumer Schutzpolizei ein, der es in der LAH vom Obersturmführer bis zum Hauptsturmführer, also vergleichbar einem Hauptmann, brachte. Bei der Schutzpolizei blieb er jedoch Oberleutnant. Es gab aber auch einen Hauptwachtmeister der Schutzpolizei, der als einfacher Soldat in einem Infanterieregiment fiel. Ich gucke noch mal in Ruhe nach, was ich an Vorschriften / Erlassen zum angefragten Thema habe.


    M.f.G.


    Peter

    (PH)

  • Hallo Peter,


    könnte es sein,daß diese "Rangübertragungen" nur für die SS galt? Die Polizei war ja der SS/SD unterstellt.Vielleicht wurde der Obersturmführer "im Felde wegen Tapferkeit" befördert.Und das "gilt" nicht für die Polizei?


    Gruß ernesto

  • Morjen,
    ein aktiver Berufsbeamter behält seine Amtsbezeichnung, egal ob er in der SS oder der Wehrmacht dient. Hier gelten zuerst einmal die Bestimmungen des Beamtenrechts hinsichtlich des Beamtenstatus.
    Beispiel: PHW dient in der Luftwaffe und wird bis zum Dienstgrad Ofw. befördert. Oder Zollassistent, bei der Luftwaffe Flugzeugführer und bringt es zum Tapferkeitsoffizier im Range eines Leutnants.
    h.l

  • Guten Tag,


    ich habe einen Runderlass Himmlers vom 18.01.1938 gefunden, der 1938 im Reichsministerialblatt des Innern, Seiten 157-161 veröffentlicht wurde.
    Hierin wurde u. a. die dienstgradmäßige Regeleingliederung von Polizeibeamten in die SS festgelegt.
    Demnach wurde ein Revier-Oberwachtmeister tatsächlich als Oberscharführer in die SS eingegliedert.


    Zwar ist in diesem Erlass die Eingliederung in die Allgemeine SS angesprochen, doch scheint in Bezug auf die Waffen-SS analog verfahren worden zu sein, so der übergetretene Polizeibeamte seinen besoldungsrechtlichen Status als Polizeibeamter behielt.
    Das traf auch für Feldgendarmen der Wehrmacht zu, die von ihrer Polizeiverwaltung zum Feldgendarmeriedienst abgeordnet worden waren, d.h. ein Revier-Oberwachtmeister der Schutzpolizei / Gendarmerie wurde bei der Feldgendarmerie Feldwebel.


    Auf Sonderregelungen bin ich nicht eingegangen, weil dieses für die Beantwortung der gestellten Frage nicht notwendig ist.


    M. f. G. aus Bochum


    Peter

    (PH)

    Edited 2 times, last by Danuser ().

  • Hallo Peter,


    danke für diese sehr interessante Antwort :] Bin mir sicher,daß dieses Prozedere auch für die Waffen-SS galt.


    Grüße nach Bochum


    ernesto

  • Hallo,


    ich wollte noch ergänzen, dass es MEINES Wissens nach keine automatische Übernahme der SS-Ränge für Polizeibeamte gab.


    Wer als Polizeibeamter einen SS-Rang hatte, war entweder


    - Mitglied der Allgemeinen SS


    - Angehöriger der Waffen-SS


    - Mitglied des SD.


    Das mit der "Rangangleichung" soll eher eine Schutzbehauptung Belasteter gewesen sein, wenn ich mich recht erinnere.


    Lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.



    Gruß



    Marcus

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  • Guten Tag, besonders Marcus,


    es stimmt, dass nicht jeder Polizeibeamte, ob er wollte oder nicht, einen SS-Angleichungsrang bekommen hat. Den gab es nicht automatisch.
    Diejenigen Polizeibeamten die es wollten, konnten einen Aufnahmeantrag in die Allgemeine SS stellen. Wurde diesem Antrag entsprochen, so gab es dann je nach Polizeirang den entsprechenden Angleichungsdienstgrad in der SS.
    An der Polizeiuniform wurden dann auf der linken Brusttasche als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur SS die sogenannten Sig-Runen (SS) angelegt.
    Die Nachkriegsbehauptungen, meistens von Polizeioffizieren, einen SS-Angleichungsrang automatisch bekommen zu haben, ist tatsächlich nur eine Schutzbehauptung gewesen. Meistens solchen Personen gegenüber, denen die Rangangleichung fremd war, zum Beispiel jungen Nachkriegskollegen. Den von Amts wegen damit befaßten Personen, zum Beispiel alliierten Vernehmern, waren hingegen die Angleichungsbestimmungen bekannt.
    So wurde der vorletzte Bochumer Schutzpolizeikommandant, ein Oberst mit dem SS-Angleichungsdienstgrad Standartenführer, zum Beispiel nach dem Krieg nicht mehr in der Polizeidienst übernommen, obwohl er es noch wollte.
    Ein ehemaliger Hauptmann der Schutzpolizei mit dem SS-Angleichungsdienstgrad Hauptsturmführer, wurde nach mehreren Fehlversuchen (Nichteinstellung- Einstellung-Entlassung-Wiedereinstellung) letztlich dann doch nach dem Krieg in die Stadtkreispolizei Bochum übernommen, allerdings nur als Polizeiwachtmeister.
    Die Aufarbeitung der nationalsizialistischen Zeit ist in Bezug auf die Polizei, bzw. Polizeibeamte, ein sehr interessantes Geschichtskapitel für sich.
    Entsprechende Zeitzeugen, wie ehemalige Polizeioffiziere des Drittes Reichs, leben heute nicht mehr. Zum Glück gibt es immer mal wieder Angehörige, die einem "Hobbyhistoriker" wie mir, aktiv helfen.


    M.f. G. aus Bochum


    Peter

    (PH)