• Die Ordensverteilung


    Da hört man so oft mit dem Anflug der Klage
    die höchst erstaunte, verwunderte Frage:
    "Warum in der Front vorn so wenig Orden
    wohl sein im Durchschnitt verliehen worden."


    Ihr lieben Leute, das muss ich euch sagen,
    so können wirklich nur solche fragen,
    die damit die besten Beweise gaben,
    dass sie keine Ahnung vom Kriege haben.


    Zu was brauchen denn die in der Front vorn Orden,
    die beinahe täglich nur kämpfen und morden,
    sie sind doch nur mit Kameraden vereint
    und sehen sonst niemand außer dem Feind.


    Sie können doch täglich, ja stündlich fallen.
    Zu was brauchen denn die noch Ordensschnallen?
    Am Feinde, da braucht man nur zielbewusst,
    eine tapfere, unauffällige Brust.


    Die bunten Bänder und das Ordensband
    werden viel zu leicht vom Feind erkannt. -
    Ganz anders ist's bei Etappen und Stäben,
    die hinten die grässlichsten Schlachten erleben.


    Da zeigt man sich dem erstaunten Volke
    als belichteter Stern in der düsteren Wolke.
    Da kann man sich frei und sicher bewegen,
    braucht nicht immer Sorge auf Deckung zu legen.


    Da muss man sich können sehen lassen
    auf dicht bevölkerten Plätzen und Gassen.
    Dazu bedarf es schon buntverziert
    eine Heldenbrust, reich dekoriert.


    Zu Orden gehört - das bedenke man auch -
    eine volle Brust und ein fetter Bauch.
    Dies beides hat man doch ganz unvergleichlich
    nur dort, wo Ruh' und Verpflegung reichlich,


    vereint mit möglichsten Sicherheiten
    und sonstigen kleinen Bequemlichkeiten.
    Ja, dort hat man nur wirklich Verdruß,
    daher auch am Orden den wahren Genuß.


    Wenn ich mal später so Einen sehe,
    mit leerem Knopfloch in meiner Nähe,
    dann ist die Wahrscheinlichkeit sicher vorhanden,
    der hat immer nahe am Feinde gestanden.


    Doch wenn mir mal dann einer käme,
    bei dem es die halbe Brust einnähme,
    dann denk ich: der hat es gut gekonnt,
    der war doch sicher hinter der Front.


    Treff ich aber einen, der hat wie toll,
    die ganze Brust und den Bauch noch voll,
    dann ist es mir ganz sonnenklar,
    dass er im Kriege weit hinten war.


    Moral:
    Vorne kommt der Kugelregen,
    hinten aber der Ordenssegen!


    Von Gottfried Rinker (IR120) in Menen (Belgien) 1916. Anlass dazu gaben die Offiziere, die über ihr noch fehlendes Eisernes Kreuz 1. Klasse nörgelten, aber nie selbst an der Front standen, sondern schön weit hinten in der Etappe.

    If you run, you'll only die tired.

  • Hallo zusammen,


    Hier wieder ein Gedicht aus Pressestelle des Reichsministers Todt (Hg.): Bauen und Kämpfen. Gedichte und Bilder
    vom Einsatz der Frontarbeiter. München: Georg D. W. Callwey 1941, S. 18 f.


    BALLADE VOM WESTWALL
    Artur Max Luckdorff


    Sie haben unermüdlich geschafft,
    Sie schonten sich keine Stunde,
    Sie setzten ein ihre letzte Kraft
    Und werkten mit starrem Munde:
    Bis aus Stein und Eisen der Wall erstand,
    Zu schützen der Heimat friedvolles Land.


    Sie trieben tief die Stollen hinein
    In den Schoß der bergenden Erde,
    Sie fügten verbissen Stein an Stein,
    Daß die Grenze gefestigt werde!
    Bis aus Schweiß und Erde der Wall erstand,
    Zu wehren des Krieges schrecklichen Brand!


    Sie haben endlose Gänge gelegt
    Und Bunker um Bunker errichtet,
    Sie haben Erde in Massen bewegt
    Und auf Weib und Kind verzichtet:
    Bis aus Zeit und Mühen der Wall erstand,
    Den feindlichen Heeren zugewandt.


    Sie haben heimlich das Land getarnt
    Und schwerste Waffen verborgen,
    Sie haben wirkend den Feind gewarnt
    Und vertrauten dem eigenen Morgen:
    Da aus Dienst und Glauben ihr Wall erstand,
    Den die Heimat unüberwindlich erfand.


    Es hat ihr Wall sich im Sturm bewährt,
    Als der Krieg sein Haupt erhoben.
    Keines Feindes Hand hat das Land versehrt,
    Drum laßt uns die Treuen loben,
    Die aus Schweiß und Erde den Wall gebaut,
    Dem die Heimat in schweren Tagen vertraut.


    Und wenn man in späten Zeiten wird
    Von den Helden singen und sagen,
    Die im großen Kriege unbeirrt
    Die Feinde aufs Haupt geschlagen:
    So wird man der Treuen gedenken im Land,
    Durch deren Opfer der Wall erstand!


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo nochmal,


    aus der gleichen Quelle (S. 20 f.) stammt dieses Gedicht


    DER WESTWALL ERSTAND
    Otto Reich von Rohrwig


    Der Führer rief, als Deutschland noch in Ketten,
    Als noch der Bruder seinen Bruder schlug,
    Er wollte Deutschland vor dem Chaos retten,
    Das Deutschland, das den Keim des Todes trug.


    Und Tausend kamen, kämpften mit und litten,
    Bis nach und nach das Reich der Deutschen ward,
    Bis Wehr und Freiheit stolz und stark erstritten,
    Um eine Fahne die Nation geschart.


    Des Reiches Aufbau war in stetem Steigen,
    Wo Not und Elend, zog die Arbeit ein,
    Mit ihr der Wohlstand, denn die Menschen zeigen
    In ihren Augen den beglückten Schein,


    Der nur dort glüht, wo starke Fäuste schaffen,
    Wo Kinder lachen, wo das Glück daheim,
    Wo nicht vereinzelt Menschen gierig raffen
    Und wo erwächst der Mißgunst ekler Keim.


    Kaum war die Freude zum Prinzip geworden,
    Kaum war das Volk so glücklich wie noch nie,
    Bedrohten es im Ost und West die Horden
    Der Judenknechte - kurz: Demokratie!


    Und wieder rief der Führer und sie kamen
    Aus Ost und West, aus Nord und Süd herbei,
    Nur schlichte Menschen, ohne Rang und Namen,
    Doch in den Herzen deutsch und stark und frei.


    Vom schweizer Grenzpfahl bis zur Nordseeküste
    Erstand ein Wall aus Eisen und Beton,
    Der stärkste Wehrbau gegen die Gelüste
    Der Juden und des starken Albion.


    Und Tag und Nacht hört man die Mischmaschinen,
    Fließt der Beton in Loren, dick und zäh,
    Erstehen Bunker, die dem Schutze dienen.
    Nicht Hitze hindert sie, nicht Eis und Schnee,


    Sie schaffen rastlos mit dem treuen Spaten,
    Sie achten nicht auf Wetter und Beschuß.
    Gar mancher blieb im Hagel der Granaten,
    Doch alle wissen um das harte Muß,


    Das unausbleiblich jede Tat begleitet
    Und jeder weiß, daß diese Tat der Sieg
    Und daß er für Europas Freiheit streitet
    In diesem aufgezwungnen, heil'gen Krieg.



    Pressestelle des Reichsministers Todt (Hg.): Bauen und Kämpfen. Gedichte und Bilder
    vom Einsatz der Frontarbeiter. München: Georg D. W. Callwey 1941, S. 30 f.


    AM WESTWALL
    Kurt Eggers


    Als wir die Waffen ergriffen
    Und an die Grenze marschierten,
    Trafen wir euch,
    Kameraden im erdbraunen Rock.
    Wir spürten beim Druck eurer Hände
    Die Schwielen der harten gewaltigen Arbeit,
    Die ihr für Deutschland geleistet.
    Aus euren Augen
    Leuchtete Stolz
    Auf das Werk,
    Das ihr im Westwall geschaffen.
    Wir sahen
    Die Bunker und Sperren,
    Die Gräben und Stollen,
    Die unterstände und Drähte
    Und lachten des Feinds,
    Der im Vorfeld
    Stellung bezog.
    Ihr hattet in Tagen und Nächten,
    Da die Bürger die Welt
    Noch friedlich sich malten,
    Eine Schlacht schon siegreich beendet,-
    Nun standet ihr da,
    Als wir feindwärts zogen
    Und grüßten die Waffen des Kampfes.
    Wir aber winkten euch zu,
    Euch Helfern des Krieges,
    Euch tapferen unermüdlichen Männern,
    Deren opfernder Arbeit
    Wir Sieggewißheit verdankten.


    Gruß, Thomas

    "Lirum-larum Löffelstiel, wer nichts sagt, der weiß nicht viel - larum-lirum Gabelstiel, wer nichts weiß, muss schweigen viel!"

  • Hallo,


    hier ein Scan der Hauptseite eines zeitgen. Familienalbum, dessen Söhne im 2.WK. u.a. in Wehrmacht- und Polizeieinheiten dienten.


    Grüsse Daniel

    Files

    • 1.jpg

      (223.58 kB, downloaded 232 times, last: )

    "Weil die Menschen schwach sind. Weil Neid und Feigheit ihr Fluch sind. Weil sie von der Wahrheit träumen, um dann doch wieder zu lügen. So leben sie im ewigen Zwiespalt. Warum müssen die Menschen immer wieder zweifeln?" Judas Ischariot auf die Frage, warum Jesus von Nazareth von ihm verraten wurde.

  • Drei Minuten Gehör


    Drei Minuten Gehör!
    Drei Minuten Gehör will ich von euch, die ihr arbeitet –!

    Von euch, die ihr den Hammer schwingt,
    von euch, die ihr auf Krücken hinkt,
    von euch, die ihr die Feder führt,
    von euch, die ihr die Kessel schürt,
    von euch, die mit den treuen Händen
    dem Manne ihre Liebe spenden –
    von euch, den Jungen und den Alten –:
    Ihr sollt drei Minuten inne halten.
    Wir sind ja nicht unter Kriegsgewinnern.
    Wir wollen uns einmal erinnern.

    Die erste Minute gehöre dem Mann.
    Wer trat vor Jahren in Feldgrau an?
    Zu Hause die Kinder – zu Hause weint Mutter ...
    Ihr: feldgraues Kanonenfutter –!
    Ihr zogt in den lehmigen Ackergraben.
    Da saht ihr keinen Fürstenknaben:
    der soff sich einen in der Etappe
    und ging mit den Damen in die Klappe.
    Ihr wurdet geschliffen. Ihr wurdet gedrillt.
    Wart ihr noch Gottes Ebenbild?

    In der Kaserne – im Schilderhaus
    wart ihr niedriger als die schmutzigste Laus.
    Der Offizier war eine Perle,
    aber ihr wart nur ›Kerle‹!
    Ein elender Schieß- und Grüßautomat.
    »Sie Schwein! Hände an die Hosennaht –!«
    Verwundete mochten sich krümmen und biegen:
    kam ein Prinz, dann hattet ihr stramm zu liegen.
    Und noch im Massengrab wart ihr die Schweine:
    Die Offiziere lagen alleine!
    Ihr wart des Todes billige Ware ...
    So ging das vier lange blutige Jahre.
    Erinnert ihr euch –?

    Die zweite Minute gehöre der Frau.
    Wem wurden zu Haus die Haare grau?
    Wer schreckte, wenn der Tag vorbei,
    in den Nächten auf mit einem Schrei?
    Wer ist es vier Jahre hindurch gewesen,
    der anstand in langen Polonaisen,
    indessen Prinzessinnen und ihre Gatten
    alles, alles, alles hatten – –?
    Wem schrieben sie einen kurzen Brief,
    dass wieder einer in Flandern schlief?
    Dazu ein Formular mit zwei Zetteln ...
    wer mußte hier um die Renten betteln?
    Tränen und Krämpfe und wildes Schrein.
    Er hatte Ruhe. Ihr wart allein.
    Oder sie schickten ihn, hinkend am Knüppel,
    euch in die Arme zurück als Krüppel.
    So sah sie aus, die wunderbare
    große Zeit – vier lange Jahre ...
    Erinnert ihr euch –?

    Die dritte Minute gehört den Jungen!
    Euch haben sie nicht in die Jacken gezwungen!
    Ihr wart noch frei! Ihr seid heute frei!
    Sorgt dafür, dass es immer so sei!
    An euch hängt die Hoffnung. An euch das Vertraun
    von Millionen deutschen Männern und Fraun.
    Ihr sollt nicht strammstehn. Ihr sollt nicht dienen!
    Ihr sollt frei sein! Zeigt es ihnen!
    Und wenn sie euch kommen und drohn mit Pistolen –:
    Geht nicht! Sie sollen euch erst mal holen!
    Keine Wehrpflicht! Keine Soldaten!
    Keine Monokel-Potentaten!
    Keine Orden! Keine Spaliere!
    Keine Reserveoffiziere!
    Ihr seid die Zukunft!
    Euer das Land!
    Schüttelt es ab, das Knechtschaftsband!
    Wenn ihr nur wollt, seid ihr alle frei!
    Euer Wille geschehe! Seid nicht mehr dabei!
    Wenn ihr nur wollt: bei euch steht der Sieg!
    – Nie wieder Krieg –!


    Kurt Tucholsky, ca. 1922

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!


  • Hi allseits,


    habe den Autor hier gefunden: Sgt Joshua Helterbran, geschrieben 1996;
    dort auch der zweite Teil des Gedichts und einige biographische Angaben.


    Das hier



    dürfte die Übertragung in's Deutsche sein (der erste Vers fehlt).


    Das englische Original und die Übertragung stehen hier bei uns
    auf der vorigen Seite (Original).


    Grüße, Kordula

  • 16 years old when I went to war,
    To fight for a land fit for heroes,
    God on my side,and a gun in my hand,
    Counting my days down to zero,
    And I marched and I fought and I bled
    And I died & I never did get any older,
    But I knew at the time, That a year in the line,
    Is a long enough life for a soldier,
    We all volunteered,
    And we wrote down our names,
    And we added two years to our ages,
    Eager for life and ahead of the game,
    Ready for history's pages,
    And we fought and we brawled
    And we whored 'til we stood,
    Ten thousand shoulder to shoulder,
    A thirst for the Hun,
    We were food for the gun,and that's
    What you are when you're soldiers,
    I heard my friend cry,
    And he sank to his knees,coughing blood
    As he screamed for his mother
    And I fell by his, side,
    And that's how we died,
    Clinging like kids to each other,
    And I lay in the mud
    And the guts and the blood,
    And I wept as his body grew colder,
    And I called for my mother
    And she never came,
    Though it wasn't my fault
    And I wasn't to blame,
    The day not half over
    And ten thousand slain,and now
    There's nobody remembers our names
    And that's how it is for a soldier.


    Motörhead "1916"

    Nett kann ich auch - bringt nur nix!

    Edited once, last by Johann Heinrich ().


  • Guten Abend allseits,


    damit alles seine Ordnung hat, hier der Link zum Verfasser: klick;
    und hier die kritischen Anmerkungen zu ihm: klack.


    Grüße, Kordula


    Edit: Ergänzung "zum Verfasser"

  • Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn


    Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
    Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!
    Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn
    in den Büros, als wären es Kasernen.


    Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe.
    Und unsichtbare Helme trägt man dort.
    Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe.
    Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort!


    Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will
    - und es ist sein Beruf etwas zu wollen -
    steht der Verstand erst stramm und zweitens still.
    Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen!


    Die Kinder kommen dort mit kleinen Sporen
    und mit gezognem Scheitel auf die Welt.
    Dort wird man nicht als Zivilist geboren.
    Dort wird befördert, wer die Schnauze hält.


    Kennst Du das Land? Es könnte glücklich sein.
    Es könnte glücklich sein und glücklich machen?
    Dort gibt es Äcker, Kohle, Stahl und Stein
    und Fleiß und Kraft und andre schöne Sachen.


    Selbst Geist und Güte gibt´s dort dann und wann!
    Und wahres Heldentum. Doch nicht bei vielen.
    Dort steckt ein Kind in jedem zweiten Mann.
    Das will mit Bleisoldaten spielen.


    Dort reift die Freiheit nicht. Dort bleibt sie grün.
    Was man auch baut - es werden stets Kasernen.
    Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn?
    Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen!


    Erich Kaestner (1899-1974)


    -------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
    Er schrieb das wohl in der Endphase der Weimarer Republik - das Kommende ahnend ...!


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • ... und noch´n Gedicht (Pardon - der Ton passt hier nicht ...!)



    Paul Celan - Todesfuge


    Schwarze Milch der Frühe wir trinken sie abends
    wir trinken sie mittags und morgens wir trinken sie nachts
    wir trinken und trinken
    wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng
    Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
    der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
    er schreibt es und tritt vor das Haus und es blitzen die Sterne er pfeift seine Rüden herbei
    er pfeift seine Juden hervor läßt schaufeln ein Grab in der Erde
    er befiehlt uns spielt auf nun zum Tanz


    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich morgens und mittags wir trinken dich abends
    wir trinken und trinken
    Ein Mann wohnt im Haus der spielt mit den Schlangen der schreibt
    der schreibt wenn es dunkelt nach Deutschland dein goldenes Haar Margarete
    Dein aschenes Haar Sulamith wir schaufeln ein Grab in den Lüften da liegt man nicht eng


    Er ruft stecht tiefer ins Erdreich ihr einen ihr andern singet und spielt
    er greift nach dem Eisen im Gurt er schwingts seine Augen sind blau
    stecht tiefer die Spaten ihr einen ihr andern spielt weiter zum Tanz auf


    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich mittags und morgens wir trinken dich abends
    wir trinken und trinken
    ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
    dein aschenes Haar Sulamith er spielt mit den Schlangen
    Er ruft spielt süßer den Tod der Tod ist ein Meister aus Deutschland
    er ruft streicht dunkler die Geigen dann steigt ihr als Rauch in die Luft
    dann habt ihr ein Grab in den Wolken da liegt man nicht eng


    Schwarze Milch der Frühe wir trinken dich nachts
    wir trinken dich mittags der Tod ist ein Meister aus Deutschland
    wir trinken dich abends und morgens wir trinken und trinken
    der Tod ist ein Meister aus Deutschland sein Auge ist blau
    er trifft dich mit bleierner Kugel er trifft dich genau
    ein Mann wohnt im Haus dein goldenes Haar Margarete
    er hetzt seine Rüden auf uns er schenkt uns ein Grab in der Luft
    er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland


    dein goldenes Haar Margarete
    dein aschenes Haar Sulamith

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo,


    "Es klingt wie eine ferne Mär
    und ist noch nicht drei Jahre her,
    da brauste, wie befohlen,
    die "3. Leichte" durch ganz Polen.
    Und dann nach Frankreich die "8. Pz(ett)",
    die fand in Paris die Mädels so nett.
    Man träumt noch viel vom "la douce France",
    war's doch der Feldzug par excellence!
    Der Balkan noch schlimmer als sein Ruf,
    uns manche saure Stunde schuf,
    und Ragusa, die Stadt der Verheißung,
    sah'n wir von fern nur und daher ohn' Begeist'rung.
    Doch nun das Sowjetparadies,
    das schon gleich nicht's Gut's verhieß!
    Zwar im Sommer mit großer Fahrt,
    da ging's flott bis Leningrad.
    Doch wohin hat uns der Winter gebracht?
    Schnell hat er den Schützen zum Kutscher gemacht.
    Von Troika und Schlittenglocken keine Spur,
    im Panjeschlitten man da fuhr.
    Und drauf der Schlamm! Der Matsch!
    Das war der größte Kladde'radatsch.
    Der Sumpfkrieg in seiner Eigenart,
    der blieb uns leider nicht erspart.
    Doch schließlich muss sich alles, alles wenden,
    auch der Fußkrieg muss ja mal enden.
    Als Silbersteif, so deuten's wir,
    erscheint ja schon der Panzergrenadier.
    Dank diesem neugeschaff'nen Glanz
    besonnt uns wieder Hoffnung ganz.
    So wünschen wir zum Wiegenfeste,
    Gerrn General, das Allerbeste!"


    Gefr. Breer, Pz.Gren.Rgt. 28 anlässlich des 50. Geburtstages von Generalmajor Brandenberger 1942


    Gruß
    Tobias


    Aus: W. Haupt, "Die 8. Panzer-Division im 2. Weltkrieg"

    "Die Furcht trennt die, die folgen, von denen, welche selber führen."
    Kristian Eivind Espedal

    Edited 2 times, last by Tobias Giebel ().

  • Hallo zusammen!


    DER SOLDAT


    Schlank und groß über kaltes Feld schreiten
    die jungen Männer durch eine Nirgendwelt.
    Selbst mit ihrem Lachen können sie keinen Ton verbreiten,
    wie klar sie auch rufen, das Schweigen hält.


    Sie erzählen sich von vergeblicher Liebe im Herzen,
    doch von dem, was sie sagen, bleibt nichts in der Luft.
    Einst jung und golden, kamen sie hierher voll Schmerzen,
    ihr Gold ist nun fahl, ihre Jungend verpufft.


    Sie rufen sich zu, im Herzen ganz unverändert:
    "Was, lieber Brunder, haben sie unsren verlorenen Leben
    angetan?
    Sind sie mit unserer Jungend gegürtet, unserem Gold
    bebändert
    und lächeln, weil wir gefallen sind, den Tod frech an?"


    Suchenden Blickes über kaltes Feld wagen
    die Jungmänner sich ins Land, in das niemand sie wies.
    Die Jungen voll Gold im Herzen stellen sich Fragen
    nach der Welt, die ihnen geraubt in ihrem Paradies.


    Humbert Wolfe


    Gruß Cristiane

    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • Hallo zusammen.
    Ich bin rein zufällig auf diesen Thread gestoßen.
    Und wie der Deivel es nun will , habe ich vor Tagen zwei Heimatkalender des Kreises Moers aus den Jahren 41/42 bekommen. Dort sind etliche Gedichte von Soldaten aus dem Kreise drin. Ich werde sie nach und nach mal einstellen.


    Grüße und Helau vom linken Niederrhein Uwe

  • Guten Abend,


    Folgendes Gedicht wurde verfasst von Rupert Rupp, geboren 1908.
    Gedichte von ihm wurden u.a. im Franz-Eher Verlag, Zentralverlag der NSDAP (1920-45), veröffentlicht.
    1933 kam sein erster Gedichtband heraus: "Die brennende Erde".
    1940: "Unter den heiligen Fahnen"
    1944: "Stundenbuch der Liebe"


    Außerdem bei a..zon von ihm zu finden:
    "Junges Europa, Blätter der akademischen Jugend Europas"
    "Methoden britischer Kolonialpolitik"


    Gruß Christa



    Der Tag ist nun wieder verklungen,
    die Stille der Nacht hüllt uns ein.
    Und wieder geloben wir Jungen:
    Wir halten die Fahne rein.


    Wir halten sie fest in den Händen
    und wissen uns gläubig und reich:
    denn unter der Fahne vollenden
    wir nun das erstandene Reich.


    Der kann nicht mehr wanken und zittern,
    der unter der Fahne marschiert,
    er trotzt ja den wilden Gewittern,
    auch dann, wenn er alles verliert.


    Der lebt nicht verwirrt in dem Wahne,
    dass irgendein Wunder ihn hält -
    er weiß nur, dass an seiner Fahne
    der Anprall der Feinde zerschellt.


    Wir, die wir der Fahne gehören
    und Leben und Sterben ihr weihn,
    wir wollen dem Himmel es schwören:
    Wir halten die Fahne rein!

  • Schlachtschiff Bismarck


    Dir gab der Mann von Blut und Eisen,
    mit seinem Namen auch die Pflicht,
    der Welt auf´s neue zu beweisen,
    daß deutsche Treue niemals bricht.


    Du hast das Wort von deutscher Ehre
    bis zu dem letzten Hauch bewahrt.
    Du warst auf weitem Weltenmeere
    stets Hüter echter deutscher Art.


    Du hast die Briten, die sich protzend,
    nur stützen auf die Übermacht,
    voll Mut und unbekümmert trotzend,
    die schwersten Schläge beigebracht.


    Und stolz noch mit der Flagge winkend,
    als schon die Steuerschraube brach,
    da schicktest du dem Feinde, sinkend,
    die letzte Salve nach.


    Vom „Bismarck“ wird die Welt stets künden,
    und von der Deutschen Seemannsmut,
    die einst zu Islands tiefsten Gründen,
    der Briten Stolz geschickt, die Hood.


    Bist du im Kampfe auch geblieben,
    stets ohne Furcht, trotz eins zu zehn,
    mit Blut und Eisen ward geschrieben:
    was soll es; Deutschland muß besteh`n.



    Dir gab der Mann von Blut und Eisen,
    mit seinem Namen auch die Pflicht,
    die du erfüllt, um zu beweisen,
    daß deutsche Treue niemals bricht.


    Johann Esser, Rheinhausen
    Aus dem Heimatkalender des Kreises Moers 1942

  • In Fesseln


    Für den, der nächtlich in ihr schlafen soll,
    so kahl die Zelle schien, so reich an Leben
    sind ihre Wände. Schuld und Schicksal weben
    mit grauen Schleiern ihr Gewölbe voll.


    Von allem Leid, das diesen Bau erfüllt,
    ist unter Mauerwerk und Eisengittern
    ein Hauch lebendig, ein geheimes Zittern,
    das andrer Seelen tiefe Not enthüllt.


    Ich bin der erste nicht in diesem Raum,
    in dessen Handgelenk die Fessel schneidet,
    an dessen Gram sich fremder Wille weidet.


    Der Schlaf wird wachen, wie das Wachen Traum.
    Indem ich lausche, spür ich durch die Wände
    das Leben vieler brüderlicher Hände.


    Albrecht Haushofer


    Albrecht Haushofer (1903 - 1945), in München geboren; war Professor an der Berliner Universität. Während der Hitlerzeit schloß er sich den Widerstandskreisen an, wurde von der Gestapo verhaftet und 1945 in einem Berliner Gefängnis durch Genickschuß hingerichtet. Sein ebenfalls verhafteter Bruder fand in den Händen des Toten das Manuskript der "Moabiter Sonette", seiner letzten Gedichte, die er angesichts des Todes im Gefängnis geschrieben hatte.


    (Quelle: Das Wort der Dichter; Ehrenwirth Verlag München)

    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • Hallo zusammen,



    Soldaten


    Soldaten sind immer Soldaten,
    Die erkennt man am Blick und am Schritt,
    Die sind hinterm Pflug noch Soldaten,
    Mit denen geht Deutschland mit.



    Ihr Wort ist Sprung schon zu Taten,
    Ihr Schweigen ist stolzer Verzicht.
    Sie sind nicht zum Schachern geraten,
    Sie kennen nur ihre Pflicht.



    Soldaten kann niemand werben,
    Die spueren schon ihre Zeit.
    Die sind im Leben zum Sterben,
    Im Tode zum Leben bereit.



    Bis einer sie ruft aus den Zeiten,
    Die Trommel der Ewigkeit schlaegt,
    Dann finden sich all die Bereiten,
    Die Glaube zum Glauben traegt.



    Herybert Menzel



    Gruss Chris

  • Das Kreuz von Wilna


    In Wilna steht ein Kreuz aus Stein gehauen.
    Ein Heiliger ist ans Kreuz geschlagen.
    Sein Mund ist steinern, und Er kann nichts sagen.
    Aus Stein sind Seine Augen, die nicht schauen.


    Er hört uns nicht. Aus Stein sind seine Ohren.
    Nie schlug sein Herz. Es ist aus toten Steinen.
    Die Mutter kniet vor Ihm. Sie kann nicht weinen.
    Aus Stein ist sie und hat Ihn nie geboren.


    Euch aber sieht ein Unsichtbarer stehen.
    Euch hat ein Gott beseelt. Und doch: ihr höret
    Uns nicht, als ob auch ihr nur steinern wäret.
    Ihr glaubt, ihr seht, und doch: ihr könnt nicht sehen.


    Versteinerte! Erheuchelt sind die Lieder
    Aus euren Kehlen. Trug ist euer Beten.
    Das Ebenbild der Gottheit liegt zertreten.
    Voll Blut seid ihr! Wo sind eure Brüder?


    Gerichtet habt ihr! Sterbende, sie riefen
    Gott an! Er kann euch retten und vernichten!
    Wie ihr gerichtet habt, kann Gott euch richten!
    Er ließ euch prüfen, um euch selbst zu prüfen.


    Versteinerte! Wollt ihr vor Steinen büßen?
    Versteinerte! Wollt ihr den Stein beweinen?
    Wollt ihr euch heuchlerisch vor Göttersteinen,
    Versteinerte, den Lebenden verschließen?


    Seht, als die Mörder ihre Opfer führten,
    Euch ließ es kalt. Kalt waren eure Herzen.
    Mit Spott ertruget ihr die fremden Schmerzen.
    Gott gab euch Seelen, die sich niemals rührten!


    Ihr Steinernen! Wer gab euch Kraft zu gaffen?
    Ihr Steinernen! Macht fremder Schmerz Vergnügen?
    Gott schuf den Heiland euch nach Seinen Zügen.
    Ihr habt Ihn, Steinerne aus Stein erschaffen!


    Euch zur erlösen, wurde Er geboren.
    Sein Wort ist tot. So laut es auch erschalle.
    Aus Stein seid ihr, der Stein ist wie ihr alle.
    Ein Steinkreuz steht. Sein Geist ging euch verloren.



    Verse des jüdischen Dichters Hermann Adler aus dem Jahr 1942


    "Feigheit ist die Mutter der Grausamkeit" Montaigne


    Suche Einsatzorte 3./schwere Artillerie Abt. 848 ab Juni 1943


  • Hallo zusammen,


    Ein Junge und Soldat


    Du hast nie von der Not zu Haus erzaehlt
    Und kennst den Hunger besser als wir alle.


    Dir hat die Not dein stolzes Herz gestaehlt,
    Als waerst du Herr in einer hohen halle.


    Wer unserer Fahne so kann Bruder sagen,
    Der soll die Fahne vor uns allen tragen.



    Hans Baumann



    Gruss Chris

  • Heinrich Lersch
    geb.: 1889 in München - Gladbach


    Brüder


    Es lag schon lang ein Toter vor unserm Drahtverhau;
    die Sonne auf ihn glühte,ihn kühlte Wind und Tau,


    ich sah ihm alle Tage ins Angesicht hinein,
    und immer fühlt ichs fester; Er muß mein Bruder sein.


    Ich sah ihn alle Stunden, wie er so vor mir lag,
    und hörte seine Stimme aus frohen Friedenstag.


    Oft in der Nacht ein Weinen, das aus dem Schlaf mich trieb;
    Mein Bruder lieber Bruder - hast du mich nicht mehr lieb ?


    Bis ich, trotz aller Kugeln, zur Nacht mich ihm genaht
    um ihn geholt - begraben - ein fremden Kamerad !


    Es irrten meine Augen; mein Herz, du irrst dich nicht;
    es hat ein jeder Toter des Bruders Angesicht.




    Gruss Torsten