Lager Znojmo, Kurim und Jundrov (ehem. CSSR)

  • Hallo zusammen,


    kann mir jemand hier im forum zu den o.g. deutschen Kriegsgefangenenlagern in der ehem. CSSR folgende Fragen beantworten ?


    1.) das Lager in Znojmo (Znaim) soll ein ehemaliges Bekleidungslager der Wehrmacht gewesen sein. Kann mir jemand mitteilen, ob dies zutrifft und wo es gewesen ist (Stadtrand, etc.) ?


    2.) das Lager in Brno - Jundrov (Brünn - Jundorf) soll ein ehemaliger Schießstand gewesen sein. Kann mir jemand mitteilen, ob auch dies zutrifft ?


    3.) das Lager Kurim (Gurein) soll ein ehemaliges RAD - Lager gewesen sein. Trifft auch dies zu ?


    Die Entlassung der deutschen Kriegsgefangenen führte über Prag - Motol. War die Entlasungsstelle eine Kaserne oder ein Verwaltungsbau o.ä. ?



    Die Angaben habe ich von IKRK (Genf) erhalten, nachdem ich über die Gefangenschaft meines Großvaters dort nachgefragt habe.


    Gruss



    walstrop

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    Lw Bau Kp. 80/XI, Lw Bau Batl. 3/XI, Lw Bau Batl. 115/III (K)

  • Hallo Eddy,


    danke für deinen Hinweis. Dieses Buch habe ich und somit alle Informationen, die in dem Link vorhanden sind. Aus diesem Buch des DRK habe ich ja die Informationen (Bekleidungslager, RAD-Lager pp), die jetzt zu meinen Fragen geführt haben.



    Gruss



    Walter

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  • Hallo walstrop,
    zur Entlassung habe ich etwas:


    Aus: Die deutschen Kriegsgefangenen in Polen und der Tschechoslowakei, bearb. von Otto Böss.
    Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des 2. WK., Bd. IX, hg.v. E. Maschke,
    S. 254-256


    9. Entlassung
    Wir wissen, daß die Entlassung von Kriegsgefangenen im einzelnen nicht genau beobachtet werden kann. Jedes Gewahrsamsland verfügte in der Regel über ein zentrales Entlassungslager (mitunter waren es auch mehrere), durch das die offiziellen Entlassungstransporte gingen. „Entlassungen", d. h. Abtransporte aus dem Gewahrsamsland in die Heimat konnten auch andere Wege nehmen, z. B. direkt aus Krankenhäusern oder aus der Landwirtschaft, und was vor allem die sudetendeutschen Kriegsgefangenen betraf: zusammen mit ihren Angehörigen während der offiziellen Aussiedlungsmaßnahmen bis Oktober 1946.
    Zunächst einige allgemeine Bemerkungen zu diesem Thema. Der erste große geschlossene Entlassungstransport (250 Angehörige des Sanitätspersonals und 450 Invaliden) verließ am 6. August 1946 die CSR. Die bevorzugte Entlassung des Sanitätspersonals wie auch der Geistlichen ergab sich aus den Bestimmungen der Genfer Konvention von 1929. Daß dies nicht immer zum Vorteil der zurückbleibenden Kriegsgefangenen war, ist ohne nähere Erklärung zu verstehen und in den vorangegangenen Abschnitten mehrmals erwähnt worden.
    Wir wissen auch, daß Prag-Motol Zentrallager, Krankenlager und zentrales Entlassungslager für die deutschen Kriegsgefangenen in der Tschechoslowakei gewesen ist. Der soeben genannte erste offizielle Transport vom August 1946 ging von diesem Lager aus in die amerikanische Besatzungszone, ein zweiter wurde am gleichen Tag für die britische Besatzungszone zusammengestellt. Danach scheint eine Pause bis Februar 1947 eingetreten zu sein. Erst am 8. Februar 1947 läßt sich ein weiterer größerer Transport, diesmal mit 300 Sanitätern (1) und Invaliden für die sowjetische Besatzungszone nachweisen. Am 3. Oktober 1947 folgten 386 Arbeitsunfähige und Angehörige des Sanitätspersonals (I) in die gleiche Zone, während dann schließlich am 15. Oktober 1947 rund 700 Kriegsgefangene in die westlichen Besatzungszonen repatriiert wurden.
    Der zahlenmäßig größte Teil der deutschen Kriegsgefangenen in der Tschechoslowakei erreichte die Heimat erst auf Grund der Richtlinien, die auf der Moskauer Außenministerkonferenz vom März 1947 über die Repatriierung der Kriegsgefangenen festgelegt worden waren. Danach wurde bestimmt, daß die Gewahrsamsstaaten ihre Kriegsgefangenen bis zum Jahresende 1948 entlassen sollten. Bei der Auswahl für die einzelnen Transporte sollten nach einer Verfügung der Prager Regierung die einzigen Söhne, die kinderreichen Väter, Männer über 40 Jahre, Antifaschisten und Kriegsgefangene, deren Angehörige in Not waren, bevorzugt werden. Dieses Prinzip ist jedoch nicht immer korrekt beachtet worden.
    Bei den großen Rücktransporten, die im Jahre 1948 einsetzten und sich bis zum Jahresende hinzogen, war festzustellen, daß der Ernährungs- und Bekleidungszustand der Heimkehrer durchweg gut war, was sich von den vorhergegangenen Transporten nicht immer hatte sagen lassen"')
    Von den Heimkehrern des Jahres 1946 machten die sudetendeutschen Kriegsgefangenen einen beträchtlichen Anteil aus. Sie wurden im allgemeinen nicht in die offiziellen Kriegsgefangenentransporte einbezogen, sondern zusammen mit ihren Familien im Rahmen der Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei abtransportiert. Dies ist, nochmals sei es bemerkt, ein weiterer Umstand, der es so schwer macht, die Zahl der Heimkehrer aus der Tschechoslowakei eindeutig zu bestimmen:
    „[Das Lager] umfaßt 725 Kriegsgefangene, darunter 700 Sudetendeutsche, die am 10. August entlassen wurden und jetzt bei Bauern arbeiten, bis sie nach Deutschland ausgesiedelt werden; außerdem 25 Reichsdeutsche, die bei Bauern arbeiten und leben.
    Auf diese Weise steht das Lager völlig leer und wird aufgelöst; seine Kartei wird in das Lager Plzen geschickt."1'2)
    1947 bildeten der Februar und der Herbst Schwerpunkte der Entlassungen, ein Rhythmus, den wir auch 1948 beobachten werden. Er hat sicherlich seine Gründe. Möglicherweise wollte man während des Sommers, der arbeitsintensivsten Zeit, die Arbeitskräfte nicht verlieren. Die zuständigen Stellen nennen aber auch noch andere Faktoren:
    „Der letzte Transport ist am 8. Februar 1947 in die russische Zone abgegangen. Von 500 Invaliden, die ihm hätten angehören sollen und die bereits mit allen vorgeschriebenen Reisepapieren versehen waren, sind im letzten Augenblick nur 300 zugelassen worden, wie es scheint durch die zuständigen Stellen der russischen Zone. Seitdem ist kein anderer Transport vorgesehen gewesen. Der Kommandant versichert, daß er sich mehrmals in der Woche beim Ministerium für Nationale Verteidigung erkundigt und daß man ihm jedesmal antwortet, daß die Verweigerung der Repatriierung nur von den Besatzungsbehörden in den verschiedenen Zonen Deutschlands
    ausgehe."173)
    Für 1948 geben uns die Heimkehreraussagen nähere Hinweise auf die zeitlichen Schwerpunkte und auf andere Entlassungslager neben Prag-Motol. Für den mährischen Bereich wird Brno-Jundrov bzw. „Hauptlager Brünn" genannt, für die Kohlengrubenlager des Ostrauer Reviers hatte offensichtlich Radvanice
    diese Funktion144).
    Die sogenannten „Kriegsverurteilten", die ihre Strafen in Gefängnissen und Zuchthäusern zu verbüßen hatten, wurden später im Rahmen der sogenannten „Aussiedlertransporte" über Kuncice repatriiert; vgl, dazu Böhme, DRK III S. 328 f. - Über
    die bevorzugte Entlassung von Sanitätspersonal, Geistlichen und Invaliden vgl. auch den IKRK-Bericht vom 4. 7. 1946 (Nr. 4992).
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    172) IKRK-Bericht vom 6. 9. 1946 (Nr. 5002; Kadan).
    173) IKRK-Bericht vom 22. 5. 1947 (Nr. 5087; Prag-Motol).
    174) T-122-, -125-, -132-, -185-RK..
    ....................................................................................................................................................


    Aus einer Vielzahl weiterer Heimkehreraussagen ergeben sich die Monate Februar und September als eindeutige Schwerpunkte der Entlassungen. Im Februar ist die Woche vom 22. bis 28. als Abgangszeit täglicher Transporte belegt. Im September sind es die Tage vom 19. bis 23., der 25. und 28. Für das letzte Vierteljahr werden Heimkehrertransporte vom 18. und 22. Oktober, 2'J. und 29. November und schließlich vom 14. Dezember genannt175).


    Zum Abschluß scheint uns ein Vergleich und eine Feststellung wichtig: Die Tschechoslowakei hat sich von den beiden hier behandelten Gewahrsamsmächten an die Richtlinien der Moskauer Außenministerkonferenz von 1947 über die Repatriierung der Kriegsgefangenen gehalten und ihre Gefangenen bis zum Jahresende 1948 entlassen. Es soll an dieser Stelle nicht über die menschenrechtliche Frage diskutiert werden, was Gewahrsamsmächten immer wieder die Möglichkeit gibt, ihre Kriegsgefangenen nach Abschluß der Kampfhandlungen so lange Zeit festzuhalten. Das oft gebrauchte Argument, daß es zu keinem völkerrechtlich bindenden Abschluß eines Friedensvertrags gekommen sei, klammert die Humanität völlig aus, die eigentlich die Grundlage jeglichen rechtlichen Denkens bilden sollte. Das IKRK interpretierte deshalb den Begriff Friedensvertrag so, daß darunter in diesem besonderen Fall der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands das Ende der Feindseligkeiten zu verstehen sei.
    Den deutschen Kriegsgefangenen in der Tschechoslowakei, die im Vergleich zu der Gefangenenzahl anderer Gewahrsamsstaaten sicherlich an einer der letzten Stellen rangieren, ist zumindest über ein Jahr harter Arbeit, an Entbehrungen und Trennung von ihren Familien erspart geblieben. Die als sowjetische Kriegsgefangene zu betrachtenden deutschen Soldaten des Uranbergbau von Jächymov wurden erst im Januar 1950 entlassen, die letzten Heimkehrertransporte deutscher Kriegsgefangener aus Polen datieren vom April 1950.
    .................................................................................................................................................
    175) Zusammengestellt aus den Heimkehreraussagen T-103-RK bis T-267-RK. 256


    Gruß Eddy

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  • Hallo Eddy,


    danke für deine Ausführungen. Habe auch die Bilder per mail erhalten. Nochmals vielen Dank hierfür.


    Wenn ich nach dem "Studium" noch evtl. Fragen habe, darf ich sie dir mitteilen ?


    Gruss


    Walter

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  • Hallo Walter,
    nur zu - vielleicht ergibt sich ja etwas. ;)
    Gruß Eddy

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  • Lieber Walter, lieber Eddy,

    Ich bin neu hier, habe euren Austausch gelesen und kenne mich leider nicht gut aus. Ich habe einen Entlassungsschein von Moltol von meinem Urgrossvater. Gibt es Möglichkeiten herauszufinden in welchem Lager er war und für welche Tätigkeiten er vorgesehen war (oder wie sagt man da?).

    Danke im Voraus für die Bemühungen.

    Ich habe einen Post mit Fragen zu meinen Urgroßeltern bei Biografien/Personen gerade neu eingestellt.
    Viele Grüsse

    SKr16

  • Hallo Skr16,


    habe deinen Beitrag in Biografien gelesen.


    Der vorliegende Entlassungsschein stammt von der Zentralen Entlassungsstelle für kriegsgefangene deutsche Soldaten in Prag-Motol.

    Alle in tschechischem Gewahrsam befundene deutsche Soldaten wurden über Prag-Motol entlassen.

    Es läßt sich daher nicht feststellen, in welchem speziellen Lager dein Urgrossvater vorher gewesen ist.

    In der ehem. CSSR gab es ca. 80.000 kriegsgefangene deutsche Soldaten verteilt auf 32 Lager innerhalb des Staatsgebietes (Stand 1946).

    Es ist daher mit dem Entlassungsschein nicht möglich, das vorherige Lager rückzuverfolgen und zu bestimmen.


    Normalerweise fuhren ab Prag Züge in die einzelnen Besatzungszonen, in denen die entlassenen Kriegsgefangenen wohnten.

    Dies musste in Motol zwingend angegeben werden. In den Besatzungszonen gab es wiederum Entlassungslager für die Zonen selbst.

    Im Falle meines Großvaters kam er aus einem Lager in Brünn nach Prag-Motol und von dort nach Munsterlager (Entlassungslager englische Besatzunszone). Dort wurden die tschechischen Entlassungsunterlagen abgenommen/einbehalten und englische Entlassungspapiere ausgestellt.

    Nach einigen Tagen dort konnte er nach Hause fahren.

    Das Prozedere von Brünn bis nach Hause dauerte 19 Tage.


    Um das Lager ausfindig zu machen, wo dein Urgrossvater vor Prag-Motol war, besteht die Möglichkeit, schriftlich beim IKRK (Internationales Kommitee des Roten Kreuzes) in Genf (Schweiz) nachzufragen. Das IKRK hat die meisten Lager in der CSSR besucht und darüber Berichte gefertigt, somit hat das IKRK personenbezogene Daten fast aller deutsche Kriegsgefangenen vorliegen. In den Berichten wird alles über das besuchte Lager vermerkt: Größe, Lage des Lagers, Anzahl der Insassen, Lagerodnung, medizinische Versorgung, pp. Eine Anfrage geht aber nur schriftlich.


    Wenn du das herausgefunden hast, kann man sich erst darüber unterhalten, welche Arbeiten er ggf im Lager/oder ausserhalb machen musste.

    Fotos von Transporten sind mir nicht bekannt. Fotos von Lagern gibt es relativ wenige.


    Solltest du noch weitere Fragen haben, stell' sie ruhig.


    Es wäre nett, wenn ich dich anders als Skr 16 anreden könnte.


    Gruss Walter

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