Kesselausbruch Wilna ( Vilnius ) 1944

  • Hallo zusammen,
    nach langer Zeit möchte ich mich wieder melden und über den aktuellen Stand berichten.
    Auf Seite 37 hatte ich am 22. Februar 2016 über meinen Onkel Erich Franke berichtet, der als Angehöriger des Fallschirmjäger-Regiments 16 in Wilna 1944 gefallen ist.
    Zwischenzeitlich hatte ich den Suchdienst des Deutschen Roten Kreuz angeschrieben, und dort wertvolle Auskünfte erhalten, mit denen ich in dieser Form nicht gerechnet hatte.
    Der Suchdienst hat mir das Originalsuchbild zurückgesendet, welches noch auf der Rückseite die Angaben durch meine Mutter trägt. Weiterhin ist das Gutachten von 1975 beigefügt.
    Für diese Auskünfte möchte ich mich auch an dieser Stelle nochmals ausdrücklich bedanken. Diese Auskünfte waren zwischenzeitlich verschollen, nun können sie bewahrt werden.
    Im Nachlass meiner Mutter habe ich auch noch einige Bilder gefunden, die ich gerne einstellen möchte.
    Gruß Harald

  • Hallo zusammen,
    dieses Gutachten, welches einem Antwortschreiben von 1975 beigefügt war, ist sicher schon bekannt, da es in der standardisierten Form in vielen gleichgelagerten Schicksalen versendet wurde. In unserer Familie war es nicht mehr bekannt.
    Ich habe eine schwache Erinnerung, dass meine Mutter früher mehrfach sagte, dass ihr Bruder Erich nach Auskunft überlebender Kameraden ertrunken sei. Es soll damals darüber auch einen Briefwechsel gegeben haben, Unterlagen darüber sind heute aber wohl verschollen.
    Viele Grüße Harald

  • Guten Abend zusammen,
    besonders erschüttert hat mich dieser Briefumschlag, den ich im Nachlass gefunden habe. Es war der letzte Brief meiner Mutter an meinen Bruder Erich. Dieser Brief wurde mit dem vermerk, dass Erich Franke seit dem 14.07.1944 vermisst ist, an den Absender zurückgesendet. Was das damals bedeutete, kann man sich heute kaum noch vorstellen.
    Grüße Harald

  • Guten Abend Harald,


    warum befinden sich vier (?) aufeinanderfolgende Posts von dir in diesem Thread?
    Warum musste ich vorhin vier (?) Threads von dir löschen, deren Inhalt exakt dem deiner hier eingestellten Posts entsprachen?


    ABM für gelangweilte Admins?


    Grüße Thomas

    Alle sagten immer das geht nicht, dann kam jemand, der das nicht wusste, und hat es einfach gemacht!

  • Guten Tag Thomas,


    das sollte keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für geplagte Administratoren werden. Es war ein Fehler meinerseits, der auf meine mangelnde Erfahrung im Umgang mit dem Programm zurückzuführen ist. Dafür bitte ich um Entschuldigung. Ich wollte einen Beitrag in dieses Forum einstellen, hatte aber aus Versehen ein neues Thema eröffnet. Als ich dies gemerkt hatte, habe ich die Beiträge übertragen. Danke, dass du die falsch eingestellten Threads gelöscht hast. Aus Fehlern lernt man, ich denke, das passiert nicht wieder.


    Grüße Harald

  • Hallo Harald, hallo zusammen,



    es freut mich, dass Du nun ein wenig Infos vom DRK bekommen hast, wenngleich diese nicht selten kaum belastbar bzw. aussagekräftig sind.


    Das zeigten auch die Schreiben, welche die Angehörigen der Vermissten der 170. I.D. erhielten. Sie waren meist deckungsgleich...


    Interessant wären noch die Ergebnisse der Deutschen Dienststelle (WASt) in Berlin.


    Mich hat z. B. das im aktuellen DRK-Scheiben erwähnte Vermisstendatum 10.08.1944 "im Raum Wilna" irritiert. Die Front verlief damals bereits ca. 100 km weiter westlich ...
    Das alte DRK-Schreiben erwähnte dagegen den 14.07.1944 als Vermisstendatum - dieses passt schon eher.


    Teile des II. Bat. des FJR 16 waren damals noch aus dem Kessel entkommen, marschierten dann Richtung Grigiskes bzw. Valai und versuchten dort den 2. Übergang über die Neris. Dieses Unternehmen begann am frühen Nachmittag des 13.07. und war am 14.07.1944 abgeschlossen. Dann folgte der Rückmarsch nach Kaunas - unter schweren Kämpfen.



    Hier ein kurzer Auszug aus der Wilna-1944-Dokumentation (S. 382 ff):


    "... Im Folgenden schildern Heinz Frischmann (II./FJR 16), der in der Ausbruchsgruppe östlich der Neris kämpfte, und Hans Dimmer (III./FJR 16), der diese zusammen mit der "Gruppe Tolsdorff" am gegenüber liegenden Ufer erwartete, ihre Eindrücke zur Dramatik des Übergang. H. Frischmann:


    "[…] H. Frischmann: "Die Russen schossen wieder mit ihren Granatwerfern, die sie ja überall gleich dabei hatten, und hielten mit Infanteriewaffen die Übergangsstelle unter Feuer. Es gab Verrückte, die wollten auch hier in voller Uniform hinüber; sie soffen erbärmlich ab. Es gab welche, die konnten nicht schwimmen, und so war es ein recht verzweifelter Haufen, der da am Ufer der Wilna[1] stand. Wir Fallschirmjäger (wir waren bei diesem Trupp mit fünf oder sechs Mann) hielten Kriegsrat. Zwischendurch mussten wir verschiedene Male Russen abwehren, unseren improvisierten Brückenkopf anzugreifen. Wer hier die Nerven verlor, der war verloren."


    H. Dimmer ergänzt: "Der Fluss ist an dieser Stelle sehr breit und im weiten Umkreis gab es keine Boote. Immer wieder von Infanterie- bzw. Granatwerferfeuer bedroht, sprangen die Landser ins Wasser, um schwimmend unser Ufer zu erreichen. Viele gingen unter. Teilweise hatte sie die Kraft verlassen und sie ertranken. Viele aber von ihnen wurden von Infanteriegeschossen getroffen oder von Werfergranaten zerrissen, und der Fluss schwemmte ihre Leiche vom rettenden Ufer fort. Die Masse der flüchtenden Soldaten wurden im Laufe des Tages immer grösser und wir mussten zusehen, wie verzweifelt die da drüben waren und wir konnten ihnen nicht helfen. Viele zogen ihre Uniform aus und sprangen in Unterhosen und sogar nackt, nur die Waffe über sich haltend, sofern sie noch eine hatten, in den Fluss und versuchten schwimmend unser Ufer zu erreichen, immer wieder vom feindlichen Feuer bedroht. Manch einer wurde noch ein paar Meter vor dem rettenden Ufer getroffen und versank. Viele konnten wir noch im letzten Augenblick, selber in voller Uniform ins Wasser watend, an Land ziehen. Und drüben am anderen Ufer kamen sie immer wieder in neuen Scharen aus den Wäldern und hielten verzweifelt nach einer Rettungsmöglichkeit Ausschau. Es waren auch viele Kranke und Verwundete dabei."


    Heinz Frischmann dazu: "Wir beschlossen, Zeltplane, Schuhe, Hosen und Pistolen (ich hatte mir inzwischen wieder eine "organisiert") zusammenzupacken und mit dem Bündel unbekleidet hinüberzuschwimmen. Alles andere flog ins Gebüsch, und dann glitten wir ins Wasser. Und wir schwammen auf Leben und Tod hinüber zu den Kameraden. Auch diesmal war das Glück mit mir. Ungeschoren erreichte ich das andere Ufer. Schnell sprang ich in Deckung und band mein Bündel auf. Ein Schuh und ausgerechnet wieder meine Pistole waren weg. So trat ich mit meiner Hose und einer Zeltplane bekleidet den Rückweg an."


    Hans Dimmer weiter: "Es regnete in Strömen und wir konnten den nassen und frierenden Männern, die unser Ufer erreichten hatten, nur Decken umhängen, und sie mussten, so wie sie waren, noch mindestens 3 km durch den Wald hetzen, bis sie endlich den Gefechtsstand erreichten, wo sie notdürftig versorgt wurden. Viele wurden unterwegs noch von Partisanen getötet. Wir haben ihre Leichen am nächsten Tag, als wir uns absetzten, im Wald liegen sehen."


    Und wieder H. Frischmann: "Freudig uns begrüssende Kameraden zeigten uns den Weg, im Laufschritt ging es durch das Unterholz - wieder regnete es in Strömen - zur Rollbahn, wo LKWs auf uns warteten, die uns in ein etwa fünf Kilometer entferntes Dorf brachten. Erschöpft sanken wir aufs Stroh und hatten erstmals seit langen Tagen Stunden der unbedrohten Ruhe und des Schlafes."


    H. Dimmer setzt fort: "Am 15. Juli mittags erreichte das 3. Bat. nach einem verzweifelten Nachtmarsch die Nahtstellen des Kessels, die von Panzern der Div. Grossdeutschland und Stuka-Verbänden aufgebrochen wurde und konnten aufgesessen auf den Panzer und Heeres-LKWs den russischen Einschliessungsring durchbrechen. Feldküchen des Heeres und der Waffen-SS versorgten die durchgebrochenen "Wilnakämpfer" mit dem ersten kräftigen Essen, hatten wir doch in den letzten 3 oder 4 Tagen nur von Waldbeeren und brackigem Flusswasser gelebt. Immer wieder in schwere Kämpfe mit den nachdrängenden Russen verwickelt, zogen wir langsam in Richtung Westen."


    H. Frischmann ergänzt Dimmers Angaben: "Als wir gegen Mittag wach wurden und wir uns etwas erholt hatten, unterhielten wir uns mit den Besatzungen der Panzer, die gut getarnt zwischen den Häusern standen, und erfuhren, dass wir noch immer nicht hinter der HKL waren. In der Nacht mussten wir im Konvoi - vornweg Panzer, dann dazwischen immer LKWs, nebenher Panzer, hinterher Panzer - noch einmal durch die russischen Linien. Wir fuhren wie die Wilden, bald knallte es rund herum, doch wurde es nicht allzu schlimm, und als es hell wurde, hatten wir es geschafft. Kurz vor Kauen, an einem Waldrand, erhielten wir warmen Kaffee. Hier wurden wir auch wieder nach unseren Einheiten "sortiert" und schliesslich nach Kauen gefahren. Dort traf ich den Tross meiner Kompanie wieder und konnte mich einkleiden. Das Abenteuer "Wilna" fand seinen Abschluss in einer grossen Kaserne in Kauen, in der sämtliche "Wilna- Kämpfer" noch einmal zusammengezogen wurden. Als wir zum grossen Appell antraten, da mögen es tatsächlich noch 500 Mann[2] gewesen sein, die dort auf dem Kasernenhof standen und ihre Auszeichnung empfingen. Einige Tage später meldeten wir uns an der Front bei Oberstleutnant Schirmer zurück. Hauptmann Svenson (er ist später bei der grossen Abwehrschlacht an der Grenze Ostpreussens, in der unser Regiment verschiedentlich im Wehrmachtsbericht genannt wurde, vor seinem Gefechtsstand gefallen) meldete uns zurück: Ein Offizier, drei oder vier Unteroffiziere und, wenn ich mich recht erinnere, 16 bis 20 Mannschaftsdienstgrade. […]


    [1] Gemeint ist die Wilija (Neris).
    [2] Diese Angabe korrespondiert kaum mit derjenigen von Hans L., wo die Rede ist von 66 Offizieren und 1.100 Mann...."


    Die Texte der Augenzeugen wurden unverändert übernommen



    Ergänzend noch einige Fotos (mit bestem Dank an R. Franz, mit dem ich einen Materialaustausch unterhalten habe).



    Bild 1: Die Aufnahme zeigt oben Tolsdorff und Schirmer nach den Ende der Kämpfe (wahrscheinlich in Rykonty), wo man die aus Wilna nach dem 2. Übergang angekommenen Geretteten in Empfang nahm.
    Unten sind links Tolsdorff und rechts Stahel abgebildet (Stahel wahrscheinlich bereits in Kaunas, da er keinen Kampfanzug mehr trägt).


    Bild 2: Eine "Impression" von den Kämpfen der Fallschirmjäger, welche bei Valai einen Brückenkopf auf dem Ostufer der Neris gebildet (zwecks Aufnahme der Kesselausbrecher) und dann den Rückzug der Entsatzgruppe bis nach Kaunas gedeckt hatten (SS-Fallschirmbat. 500; unten sog. "Essenholer" dieser Truppe)


    Bild 3: Die Fotos zeigen den Rückzug schwerer Panzer (Tiger) über eine Memelbrücke in Kaunas. Die beiden Offiziere auf dem unteren Foto sollten/könnten Schirmer und Tolsdorff sein (?). Bei den auf den Panzern aufgesessene Infanterie soll es sich um Angehörige des FJR 16 handeln (vgl. R. Franz, Das SS-Fallschirmjägerbataillon 500/600 und die Kämpfe im Baltikum: Kampfauftrag Bewährung, Band 2, 2014)


    Bild 4: Aufnahmen von Tolsdorff, Schirmer und Stahel unmittelbar nach dem 2. Übergang der Ausbruchsgruppe über die Neris (Rykonty). Auf dem unteren Foto trägt Stahel noch die Kampfbekleidung - er konnte die Neris bei Valai als einer der ersten noch mit einem Boot überqueren - dieses erklärt den noch "ordentlichen" Zustand seiner Bekleidung...


    Bild 5: Frontverlauf bei Kaunas am 15. - 16.07.1944 - nach einer sowjet. Karte.



    Soweit meine Anmerkungen zu den DRK-Dokumenten...



    Gruß,


    Joseph

  • Hallo Joseph, hallo zusammen,
    herzlichen Dank für deine ausführlichen Erläuterungen. Sie helfen mir ebenso wie deine sehr informative Wilna Dokumentation, die damaligen Ereignisse besser zu verstehen. Die unterschiedlichen Angaben vom DRK Suchdienst und der Deutschen Dienststelle sind mir auch aufgefallen. Ich habe versucht, sie mit den Wirren der damaligen Zeit zu erklären. Wenn es stimmt, dass Erich Franke ertrunken ist, dann lässt sich das Datum ja sehr genau eingrenzen.
    Ich habe noch einige Fotos gefunden, die ich gerne einstellen möchte. Sie zeigen Erich Franke vor seiner Zeit als Angehöriger des 2. Btl. FJR 16.
    Bild 2 und Bild 3 zeigen Erich Franke 1943 beim Reichsarbeitsdienst in Stadt Allendorf, Bild 4 gemeinsam mit meiner Mutter 1943. Das Bild 5 wurde 1942 aufgenommen und zeigt ihn als 17-18-jährigen Jugendlichen. Die eingestellten Bilder sind die einzigen Fotos, die noch von Erich Franke existieren.
    Herzliche Grüße, Harald

  • Hallo,


    auf dem Bild Nr. 5 trägt da junge Mann am Revers seines zivilen Jacketts einen Anstecker. Welche Bedeutung hatte dieser?


    Gruß


    Paul


    G-W-G'

  • Hallo,


    Quote

    Bild 2 und Bild 3 zeigen Erich Franke 1943 beim Reichsarbeitsdienst in Stadt Allendorf,


    Bild 2 zeigt ihn nicht in RAD-Uniform.


    Grüße
    Thilo

    Suche alles zur Lehrtruppe Fallingbostel und zum Einsatz des NSKK in der Ukraine 1941

  • Hallo Thilo, hallo Paul, hallo zusammen,
    danke für den Hinweis zu Bild 2. Ich habe dabei die Angabe verwendet, die meine Mutter auf die Rückseite geschrieben hatte. Sie lautet:
    -Im Kriegsjahr 1943
    -Arbeitsdienst Stadt Allendorf
    -Erich Franke, geb. 22.2.1925
    Das Abzeichen auf Bild 5 kann ich nicht einordnen. Ich bin daher nochmals die Unterlagen vom Bundesarchiv und der Deutschen Dienststelle durchgegangen und habe dabei eine Karteikarte entdeckt, die ich bisher nicht beachtet hatte. Erich Franke war Flugzeugbauer auf dem Fliegerhorst Fritzlar. Auf der Karteikarte steht unter Einheit L.SS-AH. Kann dies bedeuten, dass er für die Leibstandarte AH gemustert wurde? Der Ehemann Heinz Künne seiner Schwester Auguste war zuerst als Unteroffizier auf dem Fliegerhorst Fritzlar eingesetzt, dann wurde er zu der LAH überwiesen. Er ist 1944 bei Stanislau gefallen.
    Grüße
    Harald

  • Hallo Paul,


    bei dem Anstecker könnte es sich um ein Segelfliegerabzeichen handeln. Es gab damals Konstruktionen mit geknickten Tragflächen ...


    Hallo Harald,


    die Diskrepanz beim Vermisstendatuim trat merkwürdigerweise bei den beiden DRK-Schreiben auf (Freitag von Dir hier eingestellt)... Dokumente der Deutschen Dienststelle habe ich hier nicht entdeckt.



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo Joseph,
    es werden tatsächlich mehrere Daten genannt:
    - der DRK Suchdienst nennt den 10.08.44
    - im Gutachten steht der 14.07.44
    - die Deutsche Dienststelle (vgl. Seite 38) nennt den 08.07.44
    - auf dem rückgesendeten Brief steht der 14.07.44
    Das Datum 14.07.44 tritt zweimal auf. Ob das eine Bedeutung hat, weiß ich nicht.
    Meine Mutter erwähnte in diesem Zusammenhang immer, ihr Bruder Erich wäre nach Auskunft überlebender Kameraden ertrunken. Vielleicht ist das ein Hinweis auf die Flussübergänge und damit auf ein mögliches Datum.
    Zur Zeit überlege ich sehr intensiv, ob sich aus der Karteikarte folgern lässt, dass Erich Franke für die LAH gemustert wurde. Sein Schwager Heinz Künne wurde als Angehöriger der Luftwaffe zu dieser Einheit abkommandiert. Ich erinnere mich an Erzählungen meiner Mutter, dass Heinz Künne im Urlaub mit Entsetzen von Ereignissen in Russland berichtet hatte und sich sicher war, dass er den Krieg nicht überleben würde. Vielleicht hat dies Einfluss auf die Entscheidung von Erich Franke gehabt. Allerdings weiß ich nicht, ob er sich freiwillig zu den Fallschirmjägern gemeldet hat oder ob dies überhaupt noch möglich war.
    Viele Grüße
    Harald

  • Hallo Harald,


    Allerdings weiß ich nicht, ob er sich freiwillig zu den Fallschirmjägern gemeldet hat oder ob dies überhaupt noch möglich war.


    ... der von mir in der Wilna-Dokumentation häufig zitierte Eugen Hinnen hat sich als Schweizer zur deutschen Luftwaffe gemeldet, um dort Pilot zu werden - in der Schweiz gab es damals angeblich keine entspr. Möglichkeit. Man hat ihn dann jedoch dort zu den Fallschirmjägern "gesteckt" - Wahlmöglichkeiten gab es wohl kaum...


    Ab einem best. Zeitpunkt wurden gar aus Luftwaffeneinheiten ganz normale Heeresverbände gebildet. Denkbar wäre es, dass eine Zwangszuweisung zur LAH vorlag, welcher Erich Franke dann durch die Meldung zu den Fallschirmjägern entgehen konnte.


    Aber letztlich ist das alles nur Spekulation...!



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo Joseph,
    herzlichen Dank für die Antwort, so was Ähnliches habe ich mir bereits gedacht. Das kam damals sicher häufiger vor.
    Mein Vater hat ein vergleichbares Schicksal erlitten. Er war in der Flieger HJ und wollte Flugzeugführer werden. Nach den großen Verlusten 1941 vor Moskau wurde er vom RM Hermann Göring dem Führer "geschenkt" und landete als Angehöriger der 12. Luftwaffenfelddivision am Wolchow bei Leningrad. Dieser Division gehörte er dann den ganzen Krieg an.
    Grüße
    Harald

  • Hallo zusammen,


    nach längerer Pause möchte ich heute hier ein paar ggf. neue Infos zum Ausbruchsversuch aus Wilna einstellen.


    Im Internet bin ich auf ein Foto gestoßen, welches einige Panzer V mit aufgesessener Infanterie oder anderen Personen zeigt.


    Der Begleittext dieses Fotos (vgl. Nr. 1) war:


    „Panzer Tank PzKpfw V Panther + Kessel Wilna / Vilnius 1944 + "GD; Originales Foto eines Panzers vom Typ Panther der Division "GD",

    aufgenommen am 15. Juli 1944 beim Angriff auf das eingeschlossene Wilna in Litauen.“


    Das angegebene Datum ist gewiss nicht korrekt – ansonsten könnte es passen, da eine Panzereinheit des o. a. Verbandes beim Entsatz eingesetzt war.


    In Bild 2 ist ein weiterer Panzer V dieser Entsatzgruppe festgehalten (Bildquelle: H. Scheibert, Die 6. Panzerdivision 1937–1945, Podzun-Verlag 1975, S. 150).


    Hierzu ein Zitat aus der Wilna-1944-Dokumentation:


    „…Stahels Funkspruch war eine reine Farce. Weder stimmten die Zahlen, denn es waren maximal 2.000 Wilna-Kämpfer, die ausbrechen konnten, noch war der "Feind sehr ruhig" – jedenfalls nicht am Brückenkopf des Nordufers. Dennoch liefen nun die weiteren Vorbereitungen zum Entsatz des Kessels im Bereich der "Kampfgruppe Tolsdorff" an. Gegen 12.00 Uhr passierte die Panther-Abt. "Großdeutschland" die Enge Vievis. Sie konnte, nach einigen Kämpfen mit sowjetischen Panzern und Panzerabwehreinheiten, unter dem persönlichen Befehl des Oberbefehlshabers der 3. Panzerarmee, Generaloberst Reinhardt, um 13.00 Uhr die Verbindung mit der Gruppe Tolsdorff herstellen…“


    Die „Enge Vievis“ war eher nicht der abgebildete Hohlweg, sondern ein Landbrücke zwischen zwei Seen in der Nähe der Stadt Vievis.


    Ein paar Tage zuvor war das III./FJR 16 ebenfalls in Vievis im Bahntransport angelangt und musste dort ausladen, da die nach Wilna führenden Schienen bereits durch einen spez. Eisenbahntrupp zerstört worden waren („Schienenwolf“).


    Auch hierzu noch ein Zitat aus der Dokumentation:


    „Durch einen "Schienenwolf", im Text "Sprengzug" genannt, waren kurz zuvor die Bahngleise zwischen Wilna und Vievis zerstört worden. Wahrscheinlich war es der gleiche Zug, der am 07.07. die Abwehr des AK-Angriffs in Wilna bei Belmont unterstützt hatte. Außerdem waren die sowjetischen Panzerspitzen nach KTB-Aussagen bereits bis hierher vorgestoßen. Das Foto von P. Hollfelder (Bild 3) hält wahrscheinlich den Augenblick der Abfahrt vom Hauptbahnhof Kaunas Richtung Wilna fest.


    "[…] Der Einsatz Wilna begann am 7.7.1944 mit dem Bahntransport nach Osten, nachdem der Sprungeinsatz abgeblasen war.

    In Vievis, einem kleinen Bahnhof 30 km vor Wilna, damals polnisch, wurde am 10.7. ausgeladen. Unterwegs war der letzte Waggon, ein alter Güterwagen mit Munition beladen, in Brand geraten und abgehängt worden.

    Vievis war Endstation, ein Sprengzug hatte von Wilna her die Schwellen aufgerissen und auf uns gewartet. Nahe am Bahnhof lagerte Artilleriemunition in Stapeln unter Bäumen. An der Kreuzung der Fernstraße Kauen–Wilna mit der Straße vom Ort Vievis zum Bahngelände blieb der 3. Zug der Komp. mangels Transportmöglichkeit liegen…“


    Gruß,


    Joseph

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    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo zusammen,


    passend zum vorigen Beitrag über den "Entsatzangriff in Richtung Wilna" und die zugehörigen Bilder habe ich in der

    Autobiographie des bekannten Schauspielers Horst Naumann (Jahrgang 1925) seine Zusammenfassung des Ausbruchs

    der eingeschlossenen Kampfgruppe gefunden. Naumann war wohl der beliebteste "Schiffsarzt" auf dem ZDF-Traumschiff,

    eine Rolle, die er von 1986 bis 2010 (ganze 24 Jahre lang) verkörperte.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Horst_Naumann


    Naumanns Darstellung ist zu entnehmen, daß er (als Gefreiter) wohl selbst nicht bis Wilna gekommen ist, sondern als vom Genesungsurlaub zurückkehrender Soldat (dessen vorige Einheit bereits untergegangen war) zur neu aufgestellten "Gruppe Tolsdorff" kommandiert worden war:


    "Die Front brauchte "Menschenmaterial", also ging es wieder nach Russland. Diesmal wurde ich in den nördlichen Teil gesandt. Der Krieg war so weit vorangeschritten, dass wir, die deutschen Truppen, uns nur noch, mit wenigen Frontabschnitten, in westliche Richtung bewegten.


    Da oben, bei Wilna, überholte uns die russische Front sogar und wir wurden in deren Rücken eingeschlossen. Eine Gewissheit, die uns mit Angst erfüllte; entweder wir werden herausgeholt oder der Transport nach Sibirien besiegelt unser Schicksal.

    Die Panzerdivision "Großdeutschland" hatte schließlich die feindlichen Linien durchbrochen und schleuste uns durch die Russen hindurch wieder aus der Gefahrenzone heraus. Erleichterung und Jubel brachen aus uns heraus. Man kann das heute alles nicht mehr erklären, was uns damals in solchen Momenten bewegt hat. Da gibt es keine Wahl mehr, da ist einem das Los zugefallen. Auch dieser Hölle bin ich entronnen."


    (Horst Naumann, Zwischen Leuchtfeuer und Traumschiff. Die Autobiografie, Leipzig 2005, S. 28-29.)



    Weiter schreibt Naumann auch von den schweren Verlusten, die durch die haushohe Überlegenheit der sowjetischen Panzerbrigaden bedingt war (Generaloberst Reinhardts 3. "Panzerarmee" hatte ja bekanntlich schon seit Monaten keinen einzigen Kampfpanzer mehr gehabt, weil Hitler fast alle beweglichen Einheiten in die Ukraine kommandiert hatte).


    Der Militärhistoriker Karl-Heinz Frieser hat zu diesem Panzermangel der Wehrmacht geschrieben:

    "Das größte Problem der Heeresgruppe Mitte bestand jedoch im Defizit an Panzern. Bezeichnenderweise war auch die Bezeichnung "3. Panzerarmee" völlig irreführend. Dieser Großverband besaß schon längst keinen einzigen Kampfpanzer mehr, sondern nur 76 Sturmgeschütze.

    So schwer vorstellbar es erscheinen mag: In der gesamten Nordhälfte der Ostfront befand sich Anfang Juni lediglich ein größerer Panzerverband, nämlich die zur Heeresgruppe Nord gehörende 12. Panzerdivision."

    (Karl-Heinz Frieser, Der Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944, in: Karl-Heinz Frieser, Klaus Schmider, Klaus Schönherr (Hrsg.), Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg, Bd. 8, Die Ostfront - Der Krieg im Osten und an den Nebenfronten, München 2007, S. 526-531.)


    Und obwohl unmittelbar vor Beginn der sowjetischen Offensive am 22. Juni 1944 die 20. Panzerdivision der Heeresgruppe Mitte zugeführt wurde, erhöhten deren 56 Kampfwagen die Gesamtzahl lediglich auf 118 Panzer (und insgesamt 377 Sturmgeschütze ohne beweglichen Geschützturm):

    "Dies [495 Stück] war nicht gerade eine imponierende Zahl von Kampfwagen angesichts der mehr als 6000 Panzer und Sturmgeschütze, die die Rote Armee dagegen einsetzte." (Zitat Frieser, a.a.O.)


    Und der Standardpanzer dieser wenigen Panzerdivisionen des Ostheeres war 1944 immer noch der veraltete Panzer IV.

    Der Einsatz der I./Pz.Rgt.GD mit Panther-Panzern an der Spitze der angreifenden deutschen Entsatzgruppe war also damals eine Aktion mit Seltenheitswert. Deshalb nahm Generaloberst Reinhardt wohl auch selbst daran teil, um die Erfolgschancen mit seiner Autorität nach den wochenlangen Rückzügen seiner dezimierten Armee (nur noch 2-3 übrig gebliebene Infanteriedivisionen) zu erhöhen.


    Am zweiten Operationstag schossen die zahllosen Sowjetpanzer aber aus mehreren Richtungen direkt in den Rückzugskorridor der deutschen Entsatztruppen und trafen auch immer wieder Mannschaftstransport-Lkws.

    Naumann schreibt von "vielen Verlusten".

    Er erwähnt allerdings auch entlastende Luftangriffe durch Flugzeuge des Sturzkampfgeschwaders bzw. Schlachtgeschwaders 2 (Immelmann). Neben den seltenen Panzern V (Panther) der GD-Abteilung waren diese ebenfalls seltenen unterstützenden Luftangriffe wohl ein wichtiges moralisches Aufputschmittel für die aus den Kesseln entkommenen übermüdeten deutschen Soldaten:


    Quote

    "Die Russen hatten auf beiden Seiten der Rollbahn, auf der wir von der Panzerdivision eskortiert nach Westen fuhren, ihrerseits Panzer auffahren lassen, die unentwegt in unsere Kolonnen hinein schossen. Es gab viele Verluste, aber wir waren noch einmal davongekommen.


    Das hatte die Truppe auch einem verwegenen Offizier zu verdanken, der mit seinem Kampfflugzeug, an das er sich zwei Panzerkanonen hatte anbauen lassen, auf die russischen Panzer herabstürzte und sie, mit tödlicher Sicherheit treffend, ausschaltete. Dieser Oberst Rudel löste damit einen unglaublichen Jubel bei den Soldaten aus, waren sie doch dadurch dem Tod oder der Gefangenschaft entronnen."


    (Horst Naumann, Zwischen Leuchtfeuer und Traumschiff. Die Autobiografie, Leipzig 2005, S. 28-29.)


    Zum Abschluß dieser Schilderung würdigt Horst Naumann auch noch den deutschen militärischen Widerstand gegen Hitler und die Nazis, der mit dem mißglückten Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 seinen Höhepunkt erreichte. Die Hoffnung vieler Soldaten auf ein schnelles Ende des Krieges war mit dem Scheitern der Verschwörer ebenfalls begraben worden:


    "Der Wahnsinn des Krieges war trotzdem nicht zu stoppen, auch nicht durch den heldenhaft verzweifelten Versuch der deutschen Widerstandskämpfer um Klaus Graf Schenk von Stauffenberg. Er und viele andere mit ihm hatten den letzten Versuch unternommen, den endgültigen Untergang Deutschlands abzuwenden und haben mit ihrem Leben bezahlt.


    An der Front hatten wir von dem versuchten Attentat erst nach dem Scheitern erfahren. Die Nachricht hatte, wie ein Lauffeuer durch alle Frontabschnitte gehend, die Hoffnung aufkeimen lassen, dass dadurch das Grauen beendet werden könnte, dass Deutschland vielleicht frei von fremden Truppen bleiben würde.

    Welch ein Trugschluss! Es wurde weiter umgebracht, verbrannt, zerstört, unschuldige Menschen vertrieben, geschunden und entehrt."

    (Horst Naumann, Zwischen Leuchtfeuer und Traumschiff. Die Autobiografie, Leipzig 2005, S. 28-29.)



    Grüße,

    Bodo

    „Was wir im deutschen Widerstand während des Krieges nicht wirklich begreifen wollten, haben wir nachträglich vollends gelernt: Daß der Krieg schließlich nicht gegen Hitler, sondern gegen Deutschland geführt wurde.“ (Eugen Gerstenmaier)

  • Hallo zusammen,


    Meine Militär geschichtliche Interesse liegt eigentlich in die nahe von Kleve Goch. Aber ich wohne seit zwei Jahre in Vilnius Region.

    Fur meine Arbeit regelmässig unterwegs in Litauen.Nun die frage, mochte gerne mein altes Hobby wieder aufnehmen. Jetzt lese ich mehr und mehr über diesen Ausbruch.


    Was wurden ein guter Start sein, um mehr über diesen Kampf heraus zu finden.Ein Buch oder Internet Seite.

    Ja auf dieses Forum ist auch viel zu finden, aber ich suche einen guten Ausgangspunkt.
    Karten wie Joseph O wurde interessant sein.


    Und wenn ich was tun kann fur euch, lasst es mich wissen.

    Bernhard

  • Hallo Bernhardt,


    unser Freund Joseph hat zum Ausbruch ein Buch veröffentlicht, welches sicherlich viele Antworten geben und Anregungen eröffnen werden. Schreibe doch einfach eine Privatnachricht mit Deinem Anliegen an ihn.


    Gruß


    Pau


    G-W-G'

  • Paul und Joseph O,

    Habe das buch gekauft, kommt nachste woche mit der post. Werde damit an die arbeit gehen.