Kesselausbruch Wilna ( Vilnius ) 1944

  • Hallo,
    Korps wurden mit römischen Zahlen bezeichnet, gegen Kriegsende auch mit lateinischen Zahlen, Divisionen immer(nach meinem Kenntnisstand) mit lateinischen.
    Gruss
    Rainer

    Suum cuique

  • Hallo,


    danke nochmals für die Aufklärung.


    Also noch mal - ich vermisse die arabischen Ziffern (nun doch wohl bei den Nummern der Divisionen, der Regimenter und der Batterien (bei AR)) ... .


    Z. B.: 170. I.D., AR 240, II. Abt., 4. Batterie.


    Korrekt?


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Quote

    Original von Rainer
    Korps wurden auch mit lateinischen Zahlen bezeichnet, gegen Kriegsende auch mit lateinischen Zahlen,



    Hallo Rainer,


    an der Stelle wolltest Du sicher "römischen" Zahlen schreiben? Sonst würde der der Satz ja auch keinen Sinn machen.


    ;)


    Bitte ändern und dann meinen Beitrag wieder löschen.


    Gruß


    Peter


    P.S.:


    Korps werden auch heute noch mit römischen Zahlen gekennzeichnet.


    Bei der Bundeswehr gab es das I. bis III. Korps.

  • Hallo,
    ich möchte meinen fett geschriebenen Satz von gestern 23:15 Uhr korrigieren. Ein dummer Lapsus, sorry.

    Quote

    Römische Ziffern für die Bezeichnung von Abteilung/Bataillon, lat. Ziffern für die Batterie/Kompanie


    Gemeint war:
    Römische Zahlen für die Bezeichnung von Abteilung/Bataillon und arabische Zahlen für die Batterie/Kompanie .


    Römische Zahlen (z.B. CCCXIV) werden durch eine Folge bestimmter lateinischer Buchstaben (I, V, X, L, C, D, M) gebildet. Sie werden daher (synonym) manchmal auch als lateinische Zahlen bezeichnet.
    Arabische Zahlen (z.B. 13) werden aus arabischen Ziffern gebildet. Arabische Ziffern sind die gebräuchlichen 0, 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9.


    [Dagegen sehen arabische Ziffern des "Morgenlandes" wieder ganz anders aus, vgl. z.B. hier und da.]


    Gruß, Wulf

    Suche Infos zu Wilna44, zu KG-Lagern im Baltikum und im russ. Rjasan.

  • Hallo,


    ich möchte auch anregen, die letzten Beiträge zum Zahlenproblem bei Einheiten zu löschen. Wir haben ja nun die Lösung gefunden.


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • naja, so schlecht finde ich den kleinen Zahlenexkurs nun auch nicht, die Klarstellung ist schon wichtig, das muss uns jetzt nicht peinlich sein, oder? Es gibt ja immer wieder auch Einsteiger, nicht nur "Alte", die alles schon wissen.
    Wulf

    Suche Infos zu Wilna44, zu KG-Lagern im Baltikum und im russ. Rjasan.

  • Quote

    Original von radio4wk
    ... das muss uns jetzt nicht peinlich sein, oder?


    Hallo Wulf,


    "peinlich" sollte uns das wirklich nicht sein. Aber mit mit "Ruhm" haben wir uns alle nicht "bekleckert", MICH eingeschlossen!


    Natürlich heißt es römische und ARABISCHE Zahlen oder Ziffern.


    Und ich für meinen Teil habe durch den "kleinen Exkurs" wieder etwas dazu gelernt.
    Der Begriff "lateinische Zahlen" für römische Zahlen ist mir (bewusst) noch nie begegnet.


    Gruß
    Peter

  • Hallo Zahlenfreunde,


    dann lasst uns mal dieses Zahlenspiel beenden - und uns einer anderen Thematik zuwenden.


    Ich habe heute eine Anfrage an den VdK gerichtet bez. der Angaben des Zeugen Hinnen (s. o.!), nach welchen sich in der Nähe des o. a. Klosters (neben dem Tor der Morgenröte (Ausros Vartu)) ein Massengrab befinden soll. Dort liegen nach seinen Aussagen Hunderte erschossene deutsche Verwundete begraben, welche im Lazarett innerhalb des Klosters bis zur Einnahme durch die RA versorgt wurden. Diese seien einige Tage nach der Eroberung der Stadt systematisch von spez. Kommandos der RA umgebracht worden.


    Auf ähnliche Weise ist angeblich ein weiterer Onkel von mir bei der Übernahme des Festungslazaretts Breslau im Frühjahr 1945 durch sowj. Truppen als Schwerstverwundeter liquidiert worden.


    War dieses "Verfahren" allgemeiner Gebrauch geworden? Wenn man hinreichend zynisch wäre, könnte man darin die erfolgreiche Adaption eines Spruches (von Lenin?) sehen: "Lerne vom Deutschen!"


    Deutsche Truppen haben vorher wohl "Wind gesät ...- ... vielleicht aber auch schon Sturm"!?


    Kennt jemand Ähnliches?


    Gruß,


    Joseph



    Das Bild in der Anlage stellt die Seite 53 des Berichtes von Herrn Eugen Hinnen dar.

  • Hallo Joseph,
    dies ist eines der bekanntesten zwischenfällen an Verwundeten in einem Lazarett.


    Rückeroberung der Stadt Feodosia am 29.12.1941.


    Hier ein Außzug aus dem Buch "Verbrechen an der Wehrmacht" Seite 296 von Franz W. Seidler


    „In dem früheren deutschen Lazarett, welches in einem moscheeähnlichen Gebäude untergebracht war, liegen in zwei großen Räumen die Leichen von etwa 50 deutschen Soldaten. Es sind meiner Ansicht nach Schwerverwundete, die bei der Räumung von Feodosia am 29. Dezember 1941 wegen ihres Zustandes nicht mitgenommen werden konnten, oder solche Verwundete, die den Russen sonst in die Hände gefallen waren. Einige tragen den roten Lazarettzettel, bei einigen sieht man, daß ihnen ein Bein amputiert worden war. Die Leichen sind alle, zum Teil grauenhaft, verstümmelt. Bei einigen ist der Kopf zu einer unförmigen Masse mit stumpfen Gegenständen, wahrscheinlich Kolbenhieben, zerschlagen. Einigen sind die Ohren abgeschnitten, anderen die Nase, einigen, denen der Mund aufsteht, ist die Zunge herausgerissen oder herausgeschnitten. Einigen sind die Hände abgehackt, die Augen ausgestochen oder der Leib entweder durch Messerstiche oder Messerschnitte verletzt, einigen ist das Geschlechtsteil abgeschnitten. Bei vielen zeigen sich mehrere der bezeichneten Verstümmelungen. Einige Leichen sind völlig unbekleidet, andere sind mit einem Hemd bekleidet. Einige haben volle Uniform an.
    Unmittelbar neben dem Lazarett, und zwar rechts vom Haupteingang, befindet sich eine Mauernische, die nach oben zu offen ist. In dieser liegen die Leichen einer Anzahl deutscher Soldaten, zum Teil nackt, zum Teil mit einem Hemd bekleidet. Die Leichen liegen genau nebeneinander in mehreren Reihen. Einigen von ihnen sind Hände und Füße mit Verbandstoff gefesselt, anderen sind die Hände durch eine über den Leib hinweggebundene Fessel an den Körper festgebunden worden. Die Leichen befinden sich unter einer Eisschicht. Offensichtlich sind die Verwundeten lebend dort hingelegt, dann mit Wasser Übergossen worden. Der Tod ist dann durch Erfrieren eingetreten. An diesen Leichnamen waren Verstümmelungen, wie sie oben beschrieben sind, nicht zu sehen. Der Anblick war grauenerregend."


    Hierzu gibt es auch einen Film: Seht hier


    Gruß Hagen

  • Hallo Hagen,


    ich möchte vermeiden, dass hier eine unsinnige Diskussion darüber losgetreten wird, welche Seite mehr Unmenschlichkeiten gegenüber den Verwundeten in einem "eroberten" Lazarett verübt hat.


    Dass die Behandlung sowj. Gefangener und auch der Zivilbevölkerung durch deutsche Truppen Auslöser so mancher Racheakte gewesen ist, kann kaum außer Frage gestellt werden. Man wundert sich, wenn man den Einbandaufdruck deutscher Militärpersonaldokumente liest, wo exakte und völlig korrekte Vorschriften zum Verhalten gegenüber gegnerischem Personal zu finden sind, wie lasch seitens der Vorgesetzten dieses überwacht worden sein muss.


    Sicherlich ist es im Militärischen so wie in jeder Hierarchie: Je höher die Position, desto geringer der Widerstand gegenüber Befehlen bzw. Vorschriften, welche "von oben" kommen. Und so wundert es kaum, dass es so wenig Widerstand in Offizierskreisen gegenüber unmenschlichen Anordnungen durch das NS-System gab. Sogar "Heroen" wie Manstein waren in dieser Hinsicht willfährige Instrumente des Systems.


    Meine obige Frage bezog sich darauf, ob Fälle bekannt sind, in denen Wehrmachtseinheiten (oder andere deutsche bewaffnete Verbände) Massaker in sowj. Lazaretten verübt haben.


    Auf eine ähnliche Frage von meiner Seite bei der Breslau-Diskussion erhielt ich von einem Forumsteilnehmer die Antwort, dass in vielen Fällen die Erschießung eine Erlösung für die Schwerverwundeten bedeutet hat. Man dürfe nicht erwarten, dass der "Feind" größere Ressourcen zur Behandlung der gegnerischen Verwundeten abstelle.


    Irgendwo musste ich auch lesen, dass die große Unmenschlichkeit in der gegenseitigen Behandlung der Gefangenen (und Verwundeten) wohl darauf zurückzuführen sei, dass es in dieser Hinsicht zwischen dem "Deutschen Reich" und der "Sowjetunion" keine juristische Vereinbarung vor dem Krieg gegeben habe - wohl aber mit den westlichen Staaten. Möglicherweise war der Autor ein betriebsblinder und hochgradig naiver Jurist... .


    Also nochmals: Wenn ich hier demnächst die äußerst brutalen Vorgänge in jenem Lazarett schildere (natürlich immer mit dem Vorbehalt, dass dieses ausschließlich auf (möglicherweise nicht immer objektiven) Berichten von Zeitzeugen basiert), soll dieses nicht dazu dienen, der "anderen Seite" grundsätzlich unmenschliches Verhalten vorzuwerfen. Diese Anmerkung ist besonders an die Adresse unserer russ. Forumsteilnehmer gerichtet.
    Wenn man Derartiges überhaupt schreibt, dann kann der einzige Sinn nur darin bestehen, die Ausnahmesituation des Krieges, den Verlust jeglicher Hemmungen und letztlich auch diese "unglaubliche Normalität" darzustellen.


    Wie gesagt, Auslöser dieser Dinge war die Information, dass es in Wilna angeblich noch Hunderte unbekannter Kriegsgräber geben soll, wo man auch die von uns gesuchten Angehörigen mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vermuten kann.


    Im Basilius-Kloster gab es übrigens bereits zur Zeit des napoleonischen Feldzugs gegen Russland furchtbarste Zustände, als die "Grande Armee" auf ihrem Rückzug in Wilna Quartier machen wollte. Man hat damals angesichts der extremen Kälte mit den Leichen die Fenster in diesem auch damals als Lazarett genutzten Gebäude abgedichtet und auf den Fluren Tausende Erfrorene gestapelt. In den 90-er-Jahren hat man Massengräber entdeckt und zunächst an deutsche bzw. sowj. Gräuel des 2. WK gedacht. Anhand der Uniformknöpfe wurde aber dann klar, dass es sich um Opfer von Napoleon handelte ... .


    Trotz dieser düsteren Thematik sende ich allen adventliche Grüße,


    Joseph

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    Edited 4 times, last by Gast 27 ().

  • Moin Joseph,


    in Ermangelung eines entspr. Buttons hier, sage ich einfach nur: Gefällt mir ! :]



    mfg.


    Kai

    Suche immer Info's zum Brückenbau-Btl. 548

  • Hallo Kai,


    danke für die nette Anmerkung!


    Ich möchte - nach gründlicher Überlegung - in den nächsten Wochen den (vor-)weihnachtlichen Frieden nicht mit den grauenhaften Vorgängen im und beim Basilius-Kloster belasten.


    Ich verschiebe das auf einen Termin nach dem russ.-orthod. Weihnachtsfest.



    Bevor ich es vergesse - ich wünsche allen Forumsteilnehmern und speziell den Interessenten an dieser Thematik hier ein friedliches und schönes Weihnachtsfest!


    Aš linkiu tau visa geriausio su Kaldomis!
    Wesolych Swiat!
    ßraschdißtwóm! (Leider geht es nur lautmalerisch!)


    Joseph

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    Edited 3 times, last by Gast 27 ().

  • Hallo Günter und Martin,


    ich wollte hier und heute nur kurz anmerken, dass die von uns so lange gesuchte Kirche oder das Kloster "Ave Maria" sich jetzt als das bekannte Wahrzeichen von Vilnius (Ausros Vartu, Ostra Brama, Tor der Morgenröte) entpuppt hat, an dessen südöstlicher Fassade sich oberhalb des Tordurchgangs die Inschrift "Ave Maria" befand. Diese Inschrift ist heute nicht mehr (oder nur ansatzweise (übermalt?)) lesbar. Interessanterweise befindet sich oberhalb dieser Inschrift das litauische Staatswappen, welches in der Zeit des " Internationalismus" der Sowjetunion eigentlich verboten und angeblich ausschließlich an dieser Stelle in Litauen öffentlich zu sehen war.


    Hier war nun leider auch der Schauplatz der o. a. Gräuel, von denen noch zu berichten sein wird. Unsere Angehörigen können angesichts der großen Zahl an Opfern mit einer nicht unbeträchtlichen Wahrscheinlichkeit auch dort umgekommen sein.


    Ich wünsche allen Teilnehmern des Forums - insbesondere den "Wilna-Aktivisten" - einen Guten Rutsch und ein friedliches und glückliches Neues Jahr 2013!


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Quote

    Original von Joseph O.
    Hallo Günter und Martin,


    ich wollte hier und heute nur kurz anmerken, dass die von uns so lange gesuchte Kirche oder das Kloster "Ave Maria" sich jetzt als das bekannte Wahrzeichen von Vilnius (Ausros Vartu, Ostra Brama, Tor der Morgenröte) entpuppt hat, ...


    Danke für den Hinweis, das macht mich neugierig. Worauf beruht diese Erkenntnis ?


    Gruß Martin


    Allen Forumsteilnehmern wünsche ich ein gutes und gesundes neues Jahr 2013.

  • Hallo allen,
    die am Thema "Wilna 1944" interessiert sind.


    Offenbar gibt es immer wieder Neuigkeiten zu dieser Thematik (aus längst vergangenen Tagen). U.a. die übermittelten Zeitzeugenberichte, die anhaltenden, z.T. sehr umfangreichen Recherchen von Usern wie Joseph und die Anregungen aller aufmerksamen "Mitleser" bringen hier einen Gewinn. Speziell an Joseph und die anderen Aktiven heute am Jahresende ein herzliches Dankeschön dafür!


    Kommt gut ins neue Jahr. Für 2013 wünsche ich Euch möglichst gute Aufklärungserfolge bei den Themen, welche Ihr auch immer verfolgt.


    Silvestergrüße von
    Wulf

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    Edited once, last by radio4wk ().

  • Hallo Martin,


    dieses war das Ergebnis der Recherche nach dem frontnahen Lazarett, von welchem in den Tagebüchern immer wieder zu lesen war. Das Problem war, dass die Inschrift übermalt war - niemand (auch unsere ortsansässigen Vilnius-Kenner nicht) kannte daher einen Torbogen mit einer solchen Inschrift. Dass es "der" Torbogen Wilnas war, konnten die Tagebuchschreiber wohl nicht erkennen bzw. verdeutlichen, da Ihnen wohl die besondere Bedeutung des "Tors der Morgenröte" auch als Marien-Wallfahrtsort nicht bekannt war.


    In einem der Berichte wird sehr berührend eine Szene beschrieben, wo eine Gruppe von Fallschirmjägern schwerbewaffnet bei der Erkundung der Umgebung den Sakralbereich des Tores mit dem bekannten Marienbildnis betritt, wo gerade die Kommunion während einer Hl. Messe stattfindet. Der polnisch-sprachige Geistliche erblickt die deutschen Soldaten - und überreicht auch ihnen Hostien. Alle - auch "Ungläubige" - nehmen diese sehr ergriffen von der besonderen Aura dieses Ortes und von der speziellen Situation entgegen. Unmittelbar darauf zieht die Gruppe wieder in den Kampf im Vorfeld des Klosters bzw. Lazaretts, in welchem ca. die Hälfte umkommen wird ... .



    Mit diesem nachdenklich machenden Bild wünsche ich Dir und allen Forumsteilnehmern einen


    Guten Rutsch und ein schönes Neues Jahr!


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

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  • Hallo,


    gerade kam vom VDK die folgende mail:


    "Vorgang 871041


    Sehr geehrter Herr ... ,


    wir danken für Ihren wertvollen Hinweis und haben mit gleicher E-Mail unseren Mitarbeiter um Überprüfung vor Ort gebeten. Sobald uns eine Antwort vorliegt, werden wir Sie informieren. Wir bitten Sie um etwas Geduld. ..."


    Es ging bei meiner Anfrage um die (noch nicht erfassten?) Massengräber am Basilius-Kloster in Wilna (s. o.!).


    Falls also jemand in dieser Angelegenheit an den VDK herantreten möchte - die Vorgangsnummer ist schon einmal verliehen ... .


    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

    Edited once, last by Gast 27 ().

  • Hallo,


    nach mehr oder weniger planmäßiger Pause während der besinnlichen Weihnachtszeit möchte ich nun heute beginnen, in einigen Etappen die grauenhaften Vorgänge während der Ein- und Übernahme des Lazaretts im Basilius-Kloster durch die Rote Armee zu schildern.


    Meine Beweggründe hierbei sind vor allem Fragen zu den Ursachen dieser unbegreiflichen Exzesse, aber auch die persönliche Betroffenheit, da auch mein 2. Onkel im Festungslazarett Breslau (Hauptbahnhof) im Frühjahr 1945 als Schwerverwundeter nach der Einnahme der Stadt auf die gleiche Weise umgekommen ist (laut Augenzeugenberichten).


    Nach all den vorliegenden Befunden kann mein in Wilna eingesetzter Onkel dort ein ähnliches Schicksal erlitten haben – der Zeitzeuge Korth aus der gleichen Einheit (Nachbarkompanie) wurde vermutlich auch in das Lazarett im Basilius-Kloster verschlagen, konnte es jedoch noch rechtzeitig verlassen.


    Obwohl das DRK mitgeteilt hat, dass mein Onkel seit den bereits oben geschilderten Flussübergängen (mit den extrem hohen Verlustzahlen) als vermisst gemeldet worden ist, kann man dieser standardisierten Antwort keine allzu große Aussagekraft beimessen. Zahlreiche andere Angehörige von Vermissten auch aus anderen Einheiten erhielten nach dem Krieg die wortwörtlich identische Antwort – kein Wunder angesichts der großen Zahl an Anfragen.
    Also erscheint es jedenfalls nicht als ausgeschlossen, dass mein Onkel in jenem Lazarett während dieser Gräuel ums Leben gekommen ist und dort in jenem von Herrn Hinnen eindeutig lokalisierten - angeblich jedoch noch nicht registrierten Massengrab beigesetzt worden ist.


    In dieser kleinen Studie (in mehrere Abschnitte unterteilt) werden mehrere Quellen berücksichtigt – vor allem die Berichte der Zeitzeugen Korth (Füs. Bat. 170), Hinnen (FJR 16), Müller (AR 240) und Blanken (AR 240).


    Die aus anderen Dokumenten wortwörtlich übernommenen Passagen werden hierbei deutlich gekennzeichnet.


    1. Militärische Lage:


    Nach dem 08.07.1944 war die Stadt mehr oder weniger kompakt eingeschlossen – insbesondere bestand ein Druck aus dem Nordosten Richtung Altstadt und dem Süden bzw. Südosten Richtung Bahnhof. Der Einschließungsring im Westen war noch schwach entwickelt. Dort hatten sich die Einheiten der Roten Armee und der AK (Armia Krajowa; polnische Heimatarmee) auch mit der Einschließung und der Kontrolle der sog. „Kampfgruppe Tolsdorff“ zu beschäftigen. Diese zusammengewürfelte Einheit sollte zunächst den „Festen Platz“ Wilna verstärken – dann, nach der Einschließung, sollte sie ihn entsetzen. Nun war diese Gruppe hierzu auf Grund des Kräfteverhältnisses nicht einmal ansatzweise in der Lage. Sie hatte sich bis auf ca. 20 km an die Stadt herangekämpft, wurde hierbei hauptsächlich von Einheiten der AK behindert (vgl. Abb. 1: Westgruppe der AK (Pfeil ist ungenau eingezeichnet!)) und schließlich selbst eingeschlossen. Sie hatte schließlich „lediglich“ den Auftrag, dort durchzuhalten, um die aus Wilna ausbrechenden Truppen aufzunehmen.


    Am 10.07. gelang es den sowj. Truppen, den Nebenfluss Vilnia (Wilenka (poln.)) der Neris (Wilia(poln.)) zu überqueren (vgl. Abb. 2: Frontverlauf am 09./10./11.07.1944 im Bereich des Lazaretts). Die Front entlang des Bahngeländes konnte gegen AK-Einheiten und die RA noch gehalten werden.
    Am 11.07. waren Teile der Altstadt – darunter auch der Gebäudekomplex um das bekannte Wahrzeichen Wilnas (Ausros Vartai (li.), Ostra Brama (poln.) , Tor der Morgenröte) mit dem Lazarett im Basilius-Kloster - in sowjetische Hand gefallen (vgl. Abb. 3: Luftaufnahme vom 11.07.1944; Abb. 4: BING-Aufnahme des analogen Bereichs).


    Die Abbildungen 3 und 4 enthalten bereits Eintragungen zum Ort pot. Massengräber, welche nach den Aussagen des Zeitzeugen Hinnen in der Nähe des Basilius-Klosters vermutet werden. Die Abb.5 (Autor: Gintas S. (Mitglied des FdW)) zeigt die vermutete Lage des Hindenburg-Lazaretts sowie anderer Schauplätze der Hinnen- Erinnerungen.



    2. Auszüge aus dem Bericht des Zeitzeugen Hinnen:


    Herr Eugen Hinnen war, wie bereits in früheren Beiträgen geschildert, mit Einheiten des FJR 16 zur Verstärkung des „Festen Platzes“ nach Wilna eingeflogen worden. Andere Teile dieses Regiments waren auf dem Landwege in die Kampfgruppe des Oberstleutnant Tolsdorff integriert worden.
    Herr Hinnen wurde nach den Kämpfen um den Flugplatz Wilna vom Stadtkommandanten, Gen. Stahel, in das Stadtzentrum zurückbeordert und dort bei Kämpfen in der Nähe des Gefechtsstandes von Stahel am Fuß verwundet.


    Er (und sein Kamerad Frischmann (Teil 1)) schildern dieses so (unveränd. Wiedergabe):


    „Wir saßen auf einer Strassenecke, gegenüber dem Gefechtsstand der Sturmgeschützabteilung und verschnauften vor einem grossen Schaufenster. Der Russe schoss ständig mit seiner Artillerie Störungsfeuer,doch kümmerte sich kein Mesch darum. Plötzlich ein Heulen, Krachen, Bersten, Schreien, Glas splitterte. Mitten unter uns hatte eine Granate eingeschlagen. Stumm legten wir die Toten auf die Straße, verbanden dieVerwundeten. Auch ich blutete ein wenig, es waren aber nur Kratzer von der zerborstenen Schaufensterscheibe hinter uns. Im Gefechtsstand der Sturmgeschütze, einem Keller erholten wir uns von diesem Schreck. Hier hörten wir auch am Abend den Wehrmachtsbericht. Als der Sprecher von den Kämpfen in Wilna sprach, schauten wir uns schweigend an. Wir hofften auf das Panzerregiment Grossdeutschland, das angeblich eine Gegenstoss machen sollte, um uns zu befreien. Es kamen ruhige Stunden für uns, es kamen bittere Stunden. Wir fanden ein Lager mit gutem französischem Kognak, und wir hatten immer eine Flasche von ihm in der Tasche. Schnaps ist gar keine schlechte Medizin für eingeschlossene Soldaten.“


    Nun E. Hinnen:


    „Diese Granate hat mich auch erwischt. Ich flog an eine Hausmauer, hörte meinen Stahlhelm dröhnen. Beim Aufschlag zitterte mein rechter Fuss. Ich konnte nichts dagegen machen und spürte unheimliche Schmerzen. Meine erste Reaktion war hinzuschauen, ob mein Fuß überhaupt noch dran war.So lag ich erst auf dem Trottoir, neben dem Schaufenster, bis Heinz Frischmann, der sofort über einen Gartenzaun angerannt kam, rief : "Eugen, hierher in Deckung“. Ich humpelte und kroch auf allen Vieren. Frischmann kam zurück und half mir. Er sah, daß es mich schlimm erwischt hatte. Nun hatte ich immer noch meinen Karabiner in der Hand und hielt ihn so krampfhaft, daß ich nicht mal merkte, daß nur noch der Lauf da war, am Magazin zerfetzt. Im Magazin hatte ich nämlich Treibpatronen für die Panzergranaten des Schießbechers, diese explodierten. Sie verletzten mich aber noch nicht mal. Gegenüber der Straße kamen Landser aus einem Keller gerannt, um die Verwundeten zu bergen. Ein Leutnant dieser Landser untersuchte mich, mußte den Schuh aufschneiden, um ihn ausziehen zu können. Ich hatte Granatsplitter in die Ferse bekommen, dazu noch eine Knochenfraktur am Fersenknochen. Durch den Verband konnte ich den Schuh nicht mehr anziehen und trug ihn von nun an in der Hand … .
    In den Lagern im Keller lagen Schwerverwundete, mit offenen Bauchverletzungen. Sie starben wie die Fliegen. Während ich vor mich hin grübelte, stand plötzlich Oberjäger Fischer neben mir. Ihn hatte es auch erwischt, er hatte drei Wunden am Hals. Dann rief plötzlich ein Posten vor dem Ausgang : "Der Russe greift an!" Die ganze Kellerbesatzung mit unseren Kameraden und Svenson stürmten hinaus, mit Panzerfäusten, die Anhöhe hinauf, wo wir einen Spähtrupp bilden sollten. Wir Verwundeten waren allein im Keller. Es war eine unheimliche Stille, man hörte nur noch leichte Seufzer der Sterbenden. Fischer streckte sich auf die Bank nieder, legte seinen Kopf auf meinen Schoß. Wir sprachen kein Wort miteinander. Ich wußte nicht, ob er mir Abbitte tun wollte. Vielleicht tat ihm alles leid. Ich ließ ihn eine Weile so liegen. Da von unserem Trupp niemand mehr hierher zurückkehrte, wurde es mir unheimlich. Was dann, wenn die Russen uns fänden. Fischer war hinweggetreten. Ob er eingeschlafen war oder bereits gestorben, wußte ich nicht. Ich legte seinen Kopf vorsichtig auf die Bank, nahm das Gewehr eines Toten - sie standen alle an der Wand - und machte mich humpelnd auf den Weg zurück zum Sturmgeschütz-Gefechtsstand. In diesem Kellergewölbe lagen auch schon mehrere Verwundete. Hier bekam ich eine Liegegelegenheit und konnte trotz meiner Schmerzen kurze Zeit schlafen. Ein Sanitäter rannte immer herum. Als ich aufwachte, rief ich ihn. Er möchte mir doch auch einSchmerzmittel geben. Hier war nur Stöhnen und Schreien, denn jeder wollte etwas davon haben. Dann begriff ich, daß er kaum alle versorgen konnte. Ich stand wieder mal auf, humpelte mit meinem Gewehr hin und her, den Schuh trug ich immer noch bei mir. Dann stand ich unauffällig an einer Wendeltreppe, die hoch oben zu einem hohen Turm führte. Wahrscheinlich das höchste Bauwerk, das in der Umgebung stand. Immer öfter war es das Ziel russischer Flieger, die zwar kleine Bomben drauf warfen, aber nie richtig treffen konnten. Auf einmal stand Oberfeldwebel Schmidt wieder da und meinte, es müsse einer rauf auf den Turm als Beobachtungsposten. Als er mich unten an der Treppe sitzen sah, sagte er : "Ja. Sie könnten gleich hochgehen". Er wußte nicht, daß ich verwundet war. So versuchte ich ihm zu erklären, daß ich da vorne an der Kreuzung verwundet wurde. Daraufhin fragte er mich : "Wo sind Sie denn verwundet? Los, aufbinden. Wenn es nicht stimmt, erschieße ich Sie sofort". Nun war von meinen Vorgesetzten niemand da, der mir hätte beistehen können. Schmidt war ja von einer anderen Kompanie. Ich zeigte ihm die Wunden von Granatsplittern. Da sagte er doch : "Wegen so einer Bagatelle können Sie trotzdem hinauf". Dann sagte ich noch, daß mein Fersenknochen auch gebrochen sei. Wenn Tiefflieger kämen, so könnte ich nicht schnell genug wieder runterkommen. Schmidt sagte dann empört : "Jetzt reicht es mir aber, ihr könnt mich alle mal". Er selbst erzählte uns später, nach dem Krieg sei er damals mit einem Boot über den Fluß gefahren und hätte sich dann allein bis nach Kaunas durchgeschlagen.Am nächsten Morgen wurde ein Lastwagen vorgefahren und alle Verwundeten aufgeladen. Ich selbst hatte keinen Platz. So kroch ich auf einen Panzerwagen, der vorne wegfuhr bis zum Lazarett auf einer Anhöhe. Ich sollte mein Gewehr abgeben, behielt es aber und rief : "Solange ich schießen kann, behalte ich meine Waffe". Wir fuhren durch einige Straßen - vorne Panzer, hinten Lastwagen - und kamen an einem Lazarett an, vermutlich das Hindenburg-Lazarett. Das Lazarett wurde als lgelstellung zur Verteidigung hergerichtet. … „


    Fortsetzung folgt!

  • Hallo,


    die weitere Untersuchung der Vorgänge gestaltet sich ein wenig erschwert durch die Tatsache, dass Herr Hinnen mir lediglich eine mehr oder weniger zusammenhängende Sammlung von Einzelberichten übergeben hat. Er zitiert an mehreren Stellen Erzählungen von überlebenden Kriegskameraden. So hat sich bei einem früheren, hier eingestellten Bericht der Eindruck ergeben, dass ihm doch der Übergang über die Neris geglückt sei. Dieses war jedoch eine Beschreibung aus der Sicht eines seiner Kameraden.
    Einige Oberflächlichkeiten bei der Darstellung von Einzelheiten müssen den Autoren verziehen werden – die Berichte entstanden ca. 50 Jahre nach diesen Ereignissen. Andererseits werden hier Details angeführt (wörtliche Rede), die man hier nur als Auflockerung des Textes betrachten sollte.
    Mit "Cola" ist hier wohl eine Art Schokolade mit hohem Coffein-Gehalt gemeint ("Scho Ka Kola").


    Nun muss auch hier wieder darauf geachtet werden: Herr Hinnen ist nicht in das Basilius-Lazarett eingeliefert worden – mit großer Wahrscheinlichkeit kam er in das westlicher gelegene Hindenburg-Lazarett in der Nähe des Burghügels (vgl. Skizze im letzten Beitrag!).


    Forts. des Berichts:

    "Gück gehabt !In der vierten Nacht wäre beinahe ein grosses Unglück passiert. Wir lagenauf unserem Hügel und hatten uns wieder lange Zeit die Propagandakanone" der Roten Arme angehört, die uns zum Uberlaufen aufforderten. Ich muss sagen, wir verspürten wenig Lust, es wurde nicht einmal darüber diskutiert. Wir atmeten auf, als auch sie verstummte. Nur das Knistern der brennenden Stadt erfüllte die gespenstische Stille. Ich sass auf meinem Loch und rauchte hinter der vorgehaltenen Hand meine Pfeife, und traute meinen Augen nicht, als ich plötzlich auf der anderen Seite durch einem Lattenzaun Gestalt hinter Gestalt herauskriechen sah. Es war ziemlich dunkel, wir hatten keine Leuchtpistole. Anrufen ? -- Dann waren wir sechs Männlein hier oben verloren, denn was da kam, waren beinahe 100 Mann. In grösster Eile und Stille weckte ich die Kameraden. Ich flüsterte: ,Keiner schiesstl Erst wenn ich das Feuer frei gebel" Nur die Überraschung konnte uns helfen. Ich überlegte nochmals. Es mussten Russen sein, woher sollten von dort noch Kameraden kommen? Als die ersten unter uns am Hang liefen, brüllte ich: "Feuer frei!" Unsere Maschinenpistolen fingen an zu rattern, da hörte ich unter mir den Ruf: "Aufhören, eigene Leute! Feuer stoppen!" Ich zitterte am ganzen Körper und schaute angespannt den Hang hinunter. Tatsächlich, jetzt, als sie näher kamen, sahen wir, dass es eigene Leute waren. Auch General Stahel war bei ihnen; verdattert schaute ich auf das Ritterkreuz mit dem Eichenlaub, das in seinem Kragenausschnitt baumelte. Da war auch Hauptmann Swenson schon da und fuhr mich gewaltig an. Doch der General selbst klärte den Sachverhalt und hatte Verständnis für mein Verhalten. Ich selbst habe dann diesen Haufen - es waren Leichtverwundete, die der General noch drüben aus dem Lazarett geholt hatte - bis zum Gefechtsstand des Generals gebracht."


    Exkurs: Bericht Frischmann:


    "An diesem Abend kam Leben in die Bude. Soldaten kamen zu Hunderten aus allen Waflengattungen zusammen. Der Hof war proppenvoll, die Korridore überfüllt. Wais war da plötzlich los, dachte ich. Einen Entsatz gibt es ja nicht mehr, hier konnte es sich nur noch um einen Ausbruch handeln. Ich holte meine Ausrüstungsgegenstände hervor und machte mich feldmarschmässig fertig. Im Korridor des Lazaretts war eine Sendestation, die mit dem Führerhauptquartier in Verbindung stand. Als nun der General hier auftauchte, wurde ich neugierig und hielt mich dauernd in der Nähe des Funkgerätes auf. Meine Kameraden waren ebenfalls hier versammelt, ich konnte mich noch kurz unterhalten mit dem einen oder anderen. Was ich zu hören bekam, war nur dies: Jetzt geht's los Aber warum so geheimnisvoll, dachte ich, sie trauten sich kaum, etwas zu äussern. Wahrscheinlich, um die Verwundeten nicht in Panik zu versetzen. Dann kam wieder eine Meldung durch: die Panzerdivision Grossdeutschland stünde 30 km vor Wilna, sie könnte nicht weiter, die Brücken seien gesprengt. Bald darauf war das Funkgerät defekt. Der General rief: "Ist einer da, der etwas von Funkgeräten versteht?" War das eine aufregender Abend. Es konnte zweierlei Bedeutung haben, entweder die totale Zuversicht für einen Aufbruch in die Freiheit mit soviel Soldaten am Ort, da kann doch nichts schiefgehen, oder aber es herrscht die totale Verzweiflung der Besatzung."


    Forts.: Bericht Hinnen


    "Ich fragte mich, was geschieht jetzt mit den Verwundeten, mit den armen Kerlen. Da wusste ich noch nicht, dass ich am nächsten Morgen ebenfalls verlassen unter ihnen wäre. Allerdings war ich beweglich, und wie es sich später herausstellte, kam ich mit Glück davon. Wie bereits erwähnt, blieb ich permanent in der Nähe des Funkgerätes und des Kommandozentrums, da, wo auch der General war. Auf einmal rief er: "Donnerwetter noch mal, jetzt nimmt jeder Offizier eine Gruppe in die Hand, heute Nacht um 12 Uhr brechen wir aus!" Nun wusste ich Bescheid. Das wollte ich nur wissen. Es war ca. 22:00 Uhr. Ich holte meinen Strohsack von meinem Bett und schleifte ihn durch das Zimmer. Als ich schon im Gang war, raste ein Panzerspähtrupp laut dröhnend auf das Lazarett zu. Dann plötzlich ein Riesen-Knall, er wurde von unserer Panzerabwehr abgeschossen. Unsere Leute dachten, es sei ein Russe, aber es war einer von uns. Durch die Fenster konnte man den direkt vor uns den brennenden und explodierenden Panzerwagen sehen. Die Besatzung schrie um Hilfe, sie verbrannten alle. Durch dieses Ereignis wurden die Schwerverwundeten in den Zimmern aufgeschreckt und schrien auch mit, es war herzzerreissend. Nun ging ich zum Keller hinunter mit meinem Strohsack und meiner Ausrüstung, immer an den Landsern vorbei. Ich konnte durchkommen. Auch der Keller war voll Soldaten, Gewehr bei Fuss. Ich legte mich mitten auf dem Boden hin - Stahlhelm und Koppel gelöst, Gewehr im Arm. Da kam noch ein Kamerad von mir vorbei und verteilte Schokolade, Cola und Zigaretten. Ich fasste ihn am Fuss und sagte: "Wenn es los geht, weckst Du mich!" Wie naiv muss ich da gewesen sein zu glauben, dass einer in der Dunkelheit an 3.000 Soldaten vorbei sich durchschleichen würde, von seinem Trupp weg, um mich zu wecken, um einen humpelnden Kameraden zu holen, der nicht einmal schwimmen konnte. Doch in diesem Glauben schlief ich beruhigt ein. Also würde man mich wecken oder ich würde von selbst aufwachen. Es war wahrscheinlich das erste mal in meinem Leben, wo ich richtig durchschlafen konnte, schätzungsweise 12 Stunden an einem Riemen. Als ich erwachte, schien die Sonne schon ziemlich hoch herein ins Kellerfenster. Es waren keine Landser mehr um mich, kein Schuß war zu hören. Ich wußte noch nicht was geschehen war. Warum ich zu dem Entschluß gekommen war. in den Keller zu gehen, weiß ich auch nicht mehr. ... doch zu meinem Entsetzen musste ich feststellen: Ich war in Gefangenschaft. ….… wieder schnallte ich meine Ausrüstung an, wollte unbedingt kampfbereit sein. Den Karabiner im Anschlag humpelte ich die Kellertreppe hoch. Beim ersten Zimmereingang, wo die Tür offenstand, blieb ich stehen. Überall in den Betten lagen Verwundete, ganz still. Keiner traute sich, ein Wort zu sagen. Da schaute ich durch die Tür durch das Fenster und da wußte ich, was los war. Draußen im Hof fielen mir zuerst die Russen auf, weil es Feinde waren, die Kalaschnikov im Anschlag, gegen deutsche Gefangene gerichtet (Ärzte in Wehrmachtsuniform, Krankenschwestern, vielleicht auch Verwalter). Sie wurden brutal auseinandergenommen, rücksichtslos geplündert. Ich dachte an die armen Krankenschwestern und fragte mich, warum dle Ärzte ihre verhaßten Militärmützen auf dem Kopf haben mußten, auch Achselstücke. Obwohl ich ja selbst bei meiner Uniform nicht daran gedacht hatte. Wie schlimm es auch war, trotzdem konnte ich es mir nicht erlauben, noch weiter zu überlegen und zu schauen. Ich mußte weiter, durch den kurzen Korridor vom Kellerabgang bis zum Eck rechtwinklig rum, dann durch den langen Korridor bis zum Gewölbe. Ich war entschlossen. aus dem Lazarett rauszukommen, wollte zum Fluß runter . …So ging ich gebückt zu den deutschen Gefangenen am Ausgangstor, warf meine Waffe zu dem Haufen, der neben den Männern war. Schnallte mein ganzes Zeug ab, auch Tarnjacke, und warf alles in gebückter Haltung zum anderen Zeug. Wie lange diese Soldaten schon hier standen, woher sie kamen, das wußte ich nicht, eigentlich wußte ich gar nichts von ihnen. Zum ersten Mal konnte ich richtig aufatmen. Ich mußte unbedingt einen klaren Kopf bekommen. Jetzt erst wurde es mir bewußt : ich war also in russischer Gefangenschaft. Während der ersten Viertelstunde konnte ich überhaupt nicht reden, mir blieb die Sprache einfach weg. ..."




    Die beiden Aufnahmen im Anhang zu dem vermuteten Ort des Massengrabs bereiten gewisse Probleme: Mit heutigem Material (Google Earth, BING) kann man zwar das große Gebäude identifizieren, nicht aber das kleine (in den 90-ern anscheinend noch gut erhaltene).


    Wenn sich jemand im Forum hier einmal scharfsichtig betätigen möchte, dann sei hier die Lage nach Bing angegeben:


    http://binged.it/13kqn4o


    Möglicherweise sind einige Gebäude in diesem Bereich total restauriert bzw. auch abgerissen worden - im Zuge der Vorbereitungen von Vilnius auf seine Rolle als Kulturhauptstadt Europas im Jahre 2009?


    Für Nachforschungen bei Bing etc. wäre ich sehr dankbar!


    Joseph



    ... wird fortgesetzt!



    P. S.: Nun - in einem letzten Anlauf gefunden - kann es vielleicht doch der Ort gewesen sein, der in der dritten Abb. gezeigt wird (südwestl. in unmittelbarer Nähe zum Tor!)? Dort sind aktuelle Bauarbeiten im Gange (2012?) mit Erdbewegungen. Man müsste dabei ggf. etwas gefunden haben.


    Dagegen spricht, dass das Gebäude in der "aktuellen Version" 4 statt 3 Fensterreihen aufweis, was man jedoch durch eine Aufstockung in den verg. 20 Jahren erklären könnte ... .


    Welcher Kirchturm in Flucht der Gebäudefront ist zuzuordnen?


    Andererseits wird wieder davon berichtet, dass die Pos. der Massengräber Richtung oder in der Nähe des Bahndamms sei???


    P.S. 2: Auch die Kirche ist (versteckt ) zu sehen: Der Turm ist komplett eingerüstet und teilweise durch Folien abgedeckt! Man muss hierbei etwas mit Bing herumspielen (Blickrichtung ändern, etc.). Damit dürfte jedenfalls der Ort eindeutig festgestellt worden sein, welcher von Herrn Hinnen als Grabstätte angesehen wird: Der frühere Sportplatz - und heutige Allzweck-Platz (Parkplatz) links neben dem Ausros Vartai (Sicht vom Bahngelände)!(?)

  • Halllo Joseph,


    ich habe versucht, den von Dir genannten Bereich um die Basilika mit einer poln. Karte von 1943 zu vergleichen, auf dem alle größeren Gebäude verzeichnet sind. Ich gebe es, um Übersetzungsfehler zu vermeiden, wie im Glosar wieder.


    Zu den Nummern:


    59 Muzeum biaroruski


    64 Muzeum Twa Przy j. Nauk


    60 Cerkiew Sw. Trojoy


    31 Cerkiew Sw. Ducha


    24 Kosciot Sw. Teresy


    19 Ostra Brama (Tor der Morgenröte)


    140 Radio Polskie



    Grüße


    Thilo