Kesselausbruch Wilna ( Vilnius ) 1944

  • Hallo zusammen,


    "Scheinflugplatz" hat mich auf eine Veröffentlichung bei Youtube aufmerksam gemacht, in welcher die Erlebnisse eines Fallschirmjägers "Heinz"

    bei den Kämpfen um Wilna 1944 erzählt werden.


    Bei genauem Zuhören erkennt man, dass hierbei Auszüge aus den Erinnerungen von Heinz Frischmann und Eugen Hinnen vom FJR 16 verlesen werden,

    welche uns für die Erstellung der Dokumentation "Spurensuche Wilna 1944" von E. Hinnen zur Verfügung gestellt wurden.


    Also - wer´s mag, der kann sich hier etwas vorlesen lassen: https://www.youtube.com/watch?v=T0zcmrXhCy4


    Mein Geschmack ist so etwas allerdings nicht...



    Gruß,


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)

  • Hallo zusammen,


    das oben genannte YouTube-Video (Teil 1) und das sich anschließende Video

    "Augenzeugenbericht Fallschirmjäger im Kessel 1944 (Teil 2)": https://www.youtube.com/watch?v=qVtiFwqiE38

    passen sehr gut zum 77. Jahrestag des Kesselausbruchs aus Vilnius. In der Nacht vom 12. zum 13. Juli 1944 begann unter denkbar ungünstigen Umständen der Rückzug tausender Wehrmachtssoldaten. Dabei musste die seinerzeit reißende Neris unter starkem feindlichen Beschuss zwei Mal überquert werden. Hitlers halbherziger Rückzugsbefehl kam so spät, dass der Ausbruch für Tausende zur tödlichen Falle wurde. Ein unglaubliches Chaos um Leben und Tod muss man sich für mehr als 10.000 Soldaten vorstellen, die übergroße Zahl davon ist in wenigen Stunden gefallen oder vermisst.


    Die Video-Beiträge sind interessant für alle, die bisher wenig oder gar nichts vom Wilna-Kessel 1944 gehört haben. Durchaus spannend gemacht, können sie ersten Zugang zu dem ansonsten sehr komplexen Thema bringen. An einigen Stellen wären genauere zeitliche An-gaben von Vorteil gewesen. Wer sich genauer zu den Wilna-Kämpfen informieren möchte – es sei heute hier nochmal vermerkt – kann die umfangreiche Dokumentation von Joseph aus 2015 verwenden. Dort werden die Ereignisse vom Juni/Juli 1944 in Wilna sehr präzise analysiert und mittels verschiedener Zeitzeugenberichte, Kriegstagebüchern (KTB) und Presseberichten dokumentiert:

    Buchtitel: „Vilnius Vilne Wilno Wilna 1944: Spurensuche“.


    Beste Grüße

    Wulf

    Suche Infos zu Wilna44, zu KG-Lagern im Baltikum und im russ. Rjasan.

  • Hallo Rusalka und ggf. Diana,


    bin gerade auf ein evtl. für Deine Nachforschungen interessantes Buch gestoßen:


    Rolf Michaelis: Der Einsatz der Ordnungspolizei, 1939–1945 (evtl. bei https://www.booklooker.de/B%C3…gimenter/id/A02nnACZ01ZZo

    zu erwerben).


    Bei ebay fand ich ein Foto vom angebl. Vormarsch einer SS-Pol. Div. in Litauen:


    https://www.ebay.de/itm/362654…eb1270:g:yuUAAOSw59Jcr0Kr


    Die Rückseite des Fotos


    pasted-from-clipboard.jpg


    kann ich nicht sicher entschlüsseln. "...???? getroffen"?


    Vielleicht kann das Diana klären?


    Ob es sich hierbei um den gleichen Verband handelt, der 1944 beim Rückmarsch (evtl. war das SS Pol.Rgt. 16 in Wilna permanent stationiert?)

    die Kriegsverbrechen ("Sühnemaßnahmen") beging, kann ich ebenfalls nicht klären. Aber evtl. kann auch hier jemand helfen?



    Gruß,


    Joseph




  • Moin, Joseph,


    Quote

    Vielleicht kann das Diana klären?

    kann sie, kann sie ... da steht: Bekannte getroffen.


    Beste Grüße

    Diana


    Die Frau ist die einzige Beute, die ihrem Jäger auflauert (Ingelore Ebberfeld)

  • Hallo Joseph,


    verspätete Antwort von mir zu dem Foto Vormarsch in Litauen: das war die SS-Polizei-Division (ab 1943 4.SS-Polizei-Pz.Gren.Div.),


    heute fand ich beim Stöbern nach anderen Informationen in der Zeitschrift "Die Wildente" folgende Fotos, vllt. ja noch interessant...


    Herzliche Grüße Roland

  • Hallo zusammen,


    ich möchte heute - einen Tag verspätet - noch einmal auf den Kesselausbruch am 13,07.1944 eingehen und dabei auch kurz auf aktuelle politische Entwicklungen in Osteuropa eingehen, welche auch im Zusammenhang zu den damaligen Ereignissen stehen.


    Im folgenden Bericht der "Deutschen Welle"


    (https://www.dw.com/de/zerst%C3…ieg-gegen-tote/a-62446805)


    erfährt man von Grabschändungen - angeblich auf Veranlassung durch die belarussische Regierung.


    Vor ca. einer Woche ebnete man zahlreiche Gräber gefallener polnischer Partisanen der "Armia Krajowa" (AK) ein - angeblich sei die Anlage der Friedhöfe illegal gewesen etc. Es sind dort auch Kämpfer der AK beigesetzt, welche sich an der Aktion "Burza" und speziell für den Bereich Wilna an dem Aufstand "Ostra Brama" beteiligt hatten. Letzterer war hier schon mehrfach Gegenstand von Diskussionen und wurde auch in unserer Doku "Wilna 1944 - Spurensuche"


    Der Hintergrund:


    Zwischen Polen und Belarus gibt es seit langer Zeit Spannungen - nicht nur wegen der Flüchtlingsfrage und des durch Polen errichteten Grenzzauns bzw. einer Grenzmauer.

    Die aktuelle, sehr nationalistische Regierung Polens geht mit wenig Fingerspitzengefühl mit dem Thema der Auslandspolen um: Es war Tradition geworden, dass Polnischstämmige im Gebiet Grodno (dort leben noch etwa 300000 Menschen mit polnischen Wurzen, was immer das heißen soll) von poln. Politikern besucht und gefördert werden. Die damit verbundenen Feierstunden werden gerne vom PiS-okkupierten ÖR-TV übertragen, wobei man etwa in belarussischen Schulen wenig zimperlich ein Fahnenmeer poln. Flaggen sieht, patriotische Lieder singende Schüler/innen auftreten lässt und dazu patriotische Reden schwingt.

    In einer Feierstunde zur Ehrung berühmt-berüchtigter AK-Kämpfer, welche auch in den Wilna-Kämpfen verwickelt waren (https://en.wikipedia.org/wiki/Romuald_Rajs), kam es zum Eklat: Eine Aktivistin, aus Polen angereist, wurde wegen der Verherrlichung von Kriegsverbrechern von belarusischen Behörden verhaftet.

    Man hatte in dieser Feier auch einen berüchtigten Helden gewürdigt, den Major „Łupaszka“, dessen Einheiten in Ostpolen (z. T. heute belarusisch) sogar noch nach dem Kriegsende Hunderte dort ansässiger orthodoxer Dorfbewohner massakriert und die Dörfer niedergebrannt hatten. Trotz all dieser Makel werden diese "Verfemten Soldaten" (poln.: „żołnierze wyklęci“) seit 2013 mit einem besonderen Gedenktag geehrt - man sieht exkl. nur deren Einsatz für die eigene Nation.


    Auch diese Nachricht - am 78. Jahrestag - der Wilnakämpfe sollte man beachten:


    Massengrab nahe ehemaligem deutschen Konzentrationslager in Polen gefunden
    In einem polnischen Wald wurden menschliche Überreste von rund 8.000 Nazi-Opfern entdeckt, die aus der Zeit der nationalsozialistischen Besatzung stammen
    www.derstandard.de


    In Paneriai (Ponary) bei Wilna wurde kurz vor dem Abzug aus der noch nicht eingekesselten Stadt ebenfalls eine 1005-Aktion des Sonderkommandos Blobel durchgeführt, in deren Verlauf die Leichname der dort verscharrten ca. 100000 Ermordeter exhumiert und verbrannt wurden - die Knochen wurden in spez. Mühlen zerkleinert. Die jüdischen Arbeitskommandos hatten dabei in den riesigen Gruben neben den halbverwesten Leichen zu leben - die Gruben waren mit Stacheldraht umzäunt und wurden scharf bewacht...


    Man sieht: Viele Dinge haben ein langes Echo ... Der aktuell in der Ukraine wütende Krieg hat auch etliche Wurzeln im WW2...


    Nachdenkliche Grüße


    Joseph

    Suche Informationen zum Füs.Bat. 170 im Zeitraum Juli 1944 und zur 269.I.D im Zeitraum Januar bis März 1945 (Festung Breslau)